der Handelsstadt Bassora (Basra) am Schat el arab, nördlich vom
persischen Golf (vgl. die Karte S. 429) erhalten. Es kommt aber
nicht viel von dort. (Basra exportierte 1905: 7679 cwts «Gummi».)
Jetzt heißen alle minderwertigen, meist stark gefärbten Traganthe in
Indien Bassoragummi, =Hog-gum=, Hog-Traganth oder =Caramaniagummi=.
Die Herkunft des Bassoragummi ist unbekannt. Einige (~Niemann~,
~Martius~) leiten es von _Acacia leucophloea_ ~Willd.~ ab, andere
(~Hanbury~) betrachten es als ein Mandel- oder Pflaumengummi,
andere als von _A. gummifer_ stammend (~Guibourt~). Ein Bassoragum,
das 1903 aus Südpersien in den Handel kam, stammte vom wilden
Mandelbaum. Von einem _Traganth_strauch stammt es nicht; jedenfalls
zeigen die Muster meiner Sammlung keinerlei geschichtete Membranen
oder Stärkekörner -- +zwei sichere Merkmale echter Traganthe+. Das
+Bassora-Traganth+ meiner Sammlung bildet knollige oder traubige
Stücke von rötlich-gelber Farbe, unter denen sich oft große eiförmige
Stücke finden, die als Tropfen aus runder Öffnung hervorgequetscht
wurden. ~Guibourt~ betrachtet das Bassoragummi als identisch mit
dem Kuteera (Hist. d. drog. 7 ed. III, 453, Pharm. Journ. 15, 57),
rechnet es also zu den _Astragalus-Traganthen_ (s. oben S. 393).
Da er darin Stärke fand, muß er ein anderes Produkt in Händen
gehabt haben wie ich. Es gehen eben unter dem Namen Bassoragummi
sehr verschiedene Produkte. Über ein Bassoragummi aus Cycadeen
vgl. ~Blackett~, Pharm. Journ. (3) 13, 104. In Indien werden als
Substituentien für Traganth die zum Teil ähnlichen Sekrete von
_Cochlospermum Gossypium_ ~Dc.~ = kúmbi, gaddi (in Amerika Gum-Hogg)
und _Sterculia urens_ ~Roxb.~ = guhu, gular, kurí, sowie von _Prunus
Amygdalus_ (sog. Hog Tragacanth) benutzt. Ferner nennt Diction. of
econom. prod. of India folgende andere Hog-gums (India Bassora gums):
Der Gummi von _Saccopetalum tomentosum_, _Moringa pterygosperma_,
_Bombax malabaricum_, _Ailanthus excelsa_, _Stereospermum suaveolens_
und als amerikanisches Gum-hog das von _Symphonia globulifera_.
Vgl. auch ~M. C. Cooke~, the gums, resins, oleo-resins and resinous
prod. in the India museum. London 1874. ~Lemeland~ fand im G. von
_Cochlospermum Gossyp._ 97,3% Unlösliches, 22,7% Wasser, 5,9% Asche,
45,2% Galaktane, 33,3% Pentosane. Es lieferte Galaktose und drehte
-77°, 152.
Besonders =Sterculiagummis= sind häufig mit dem Namen Traganth
bezeichnet worden. +Sie riechen oft sauer+ (Essigsäure?). Über
diese von _Sterculia_arten stammende traganthähnlichen Gummis
aus Indien, Afrika und Australien und ihre Unterscheidung von
echtem T. (s. S. 403) vgl. besonders ~Maiden~, Sterculia gum its
similarities and dissimilarities to Tragacanth (Pharm. Journ. 1889
Nov. p. 381 und Am. journ. pharm. 1890, 20). ~Maiden~ erwähnt von
indischen _Sterculia_arten, die Gummi liefern, _St. urens_ ~Roxb.~,
_St. campanulata_ ~Wall.~, _St. ornata_ ~Wall.~, _St. foetida_
L., _St. villosa_ ~Roxb.~, _St. ramosa_ und _piperifolia_, von
afrikanischen _St. Barteri_ ~Mast.~, _St. Tragacantha_ ~Lindl.~ --
von australischen _St. diversifolia_ ~G. Don.~, _St. rupestris_
~Benth.~ +Das Sierra-Leone Traganth+ von der in Westafrika
(Senegambien bis zum Congo) heimischen _Sterculia Tragacantha_
~Lindl.~ (und wohl auch von _St. Barteri_ ~Mast.~) enthält keine
Stärkekörner, und zeigt auch keine geschichteten Membranen, dagegen
20,5% Feuchtigkeit und 7,8% Asche (besonders Calciumkarbonat).
Es gibt an Wasser keine durch Bleizucker oder Alkohol fällbare
Substanz ab, liefert aber mit Salpetersäure reichlich Schleimsäure.
Es löst sich nicht in Kupferoxydammon. (~Flückiger~, Über afrikan.
Traganth. Pharm. Journ. 1869, 641 und Arch. Pharm. 1869, 81). Es
entspricht der Formel C₂₄H₄₄O₂₂.10 H₂O (~Kraushaar~). Das T. von
_Sterculia Tragacantha_ ~Lindl.~ meiner Sammlung (Leg. Barker,
Nigerexpedition) bildet an Rindenstücken ansitzende spröde, glasige,
hell-gelbliche oder weiße Massen, +die sauer riechen+. Ein anderes
Muster (1872, auch aus Westafrika) schokoladenbraune feste Massen.
~Mangin~ leitet auch das Kuteragummi (s. oben) von _St. Tragac._ ab
(Compt. rend. 125 [1897], 725). Ein +traganthähnliches Gummi+ aus
Ostafrika beschreibt ~Hartwich~ (Arch. Pharm. 1894, 43). Es war dem
Kuteragummi ähnlich und stammte wohl von einer Sterculiacee, die
ja große Schleimzellen mit Schleimmembran und durch Resorption der
trennenden primären Membran Schleimkanäle und Schleimhöhlen besitzen.
Ein traganthähnliches, im Senegal viel benutztes, dem Gummi von
_Cochlospermum_ ähnliches stärkefreies Gummi vom Spez. Gew. 1,416
kommt von _Sterculia tomentosa_ ~Heckel~. Es heißt im Sudan und in
Senegambien Gomme de M’beppe, kongosita, komikosita, M’boborg; in
Port. Loanda chixé oder Ici io chixé (~Heckel~, Rep. pharm. 1899).
Gummis von _Sterculia cinerea_ (tartar gum) und _St. tomentosa_ (da
or kandi gum) sind kürzlich im 3 Report of the Wellkome Research
laboratories Khartoum (1908) beschrieben worden. Auch sie zeigten
einen hohen Aschengehalt (5,48-7,05%) und eine hohe Säurezahl
(13-14,59). Auch unter den Kuteeras (s. oben S. 393) scheinen sich
bisweilen _Sterculiagummis_ zu finden, denn ~Boullay~ (Bull. de
pharm. 5, 166) und ~Guibourt~ (Hist. d. drog.) berichten von einem
sauren Geruche. Ein traganthähnliches Gummi, Goma de oaxixa aus
Brasilien, von _Sterculia Chicha_ St. Hil. erwähnt ~Peckolt~ (Ber. d.
pharm. Ges. 1900). Bei den Sterculiaceen ist Gummibildung überhaupt
häufig. Ich erinnere nur an die Schleimzellen in der Samenschale von
_Theobroma Cacao_.
Eines Traganth von der im Trockenwald Ostafrikas vorkommenden
Leguminose _Berlinia Eminii_ ~Taub.~ gedenkt ~Busse~ (Ber. d. pharm.
Ges. 1904, 202).
Auch das Gummi von _Acacia usambarensis_ ist traganthartig
(~Mannich~). Weitere unter _Gummi arabic._ Ein traganthähnliches
Gummi aus Südamerika, «Goma de Tuna» von _Opuntia Ficus indica_
~Mill.~ beschrieb ~T. F. Hanausek~ (Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver.
1877, 113). Es enthält Kristalle und Stärkekörner.
Gummi arabicum.
=Syn.= Gummi acaciae -- arabisches Gummi -- gomme arabique (franz.) --
gum arabic, acacia gum (engl.), in Amerika: acacia -- gomma arabica,
gomma acacia (ital.) -- arabische gom (hol.) -- arabiskt gummi
(schwed.) -- arabian kumi (fin.) -- arabmézga (ung.) -- ἀραβικόν κόμμι
(griech.).
Arab.-Pers. und in Ägypten: samagh-i-arabi (bei ~Ibn Baithar~:
samag). -- Aar oder Czar von Arabien, Arabischer Zaher (bei
~Megenberg~). -- Gunde (gundi) heißt in Ostafrika jeder Klebstoff,
also auch Gummi arab. ~Dragendorff~ bemerkt bei _Acacia vera_
(_arabica_): «Bei den pers. arabischen Autoren findet man für die
Pflanze: Schankat-ul-misrija und Qaraz, für Gummi: Samgul (jetzt
in Turkestan Samag arabi) und Agâqija, für Acacia überhaupt:
Dschaschmîzadsch, für die Frucht von _Ac. gummifera_ etc.: Omm Gilân,
für die ganze Pflanze: Thalh, für die Frucht der _Ac. nilotica_:
Chirnub kibthi und karats. In Indien wird das Gummi Mas-wai-gond und
Maklai-gond genannt.»
=Etym.= Im alten Ägypten: qmyt (die hieroglyphischen Zeichen I,
S. 470), komi (k[o]mi), q(o)mi, qmy (kmy) qema oder quemi -- im
Koptischen kome. Daraus dann κόμμι (zuerst bei ~Herodot~) und (lat.)
commis, cummis, cummi und später gummis und gummi, im Deutschen
zuerst: gumme -- +franz.+ gomme, +engl.+ gum etc. Das ägyptische Wort
soll nicht in Ägypten bodenständig, sondern der Sprache von Punt
entlehnt sein (~Reinisch~). Die im Altertum gebräuchliche Bezeichnung
Gummi acanthinum von ἄκανθα = Dorn, Dornbusch.
=Stammpflanzen.= =Acacia Senegal= ~Willdenow~ Spec. pl. IV, 1077 [~A.
Verek Guill.~ et ~Perrot.~, A. rupestris ~Stocks~, Mimosa Senegal L.,
M. Senegalensis ~Lam.~ (~Ait.~)]. Trop. Afrika, in Cordofan, Sennaar,
Khartoum, bei Kassala und Gedaref, im südlichen Nubien, am Atbara und
Astaboran, in der Landschaft Gezireh; ferner im Westen in dem auf
dem gleichen Breitengrade von Cordofan liegenden Senegambien und den
Gebieten zwischen Cordofan und Senegambien (Bornu), sowie in Ostafrika,
endlich auch in Arabien (Maskat, Aden, Dschidda) und Beludschistan,
Indien (Sind, Ajmir). Die Flora von Sind hat große Ähnlichkeit mit
der der afrikanischen Wüste. Der Baum heißt im Senegal: +Verek+, in
Cordofan: +Hashaba+, plur. +Hashab+ oder cheschâb, in Indien: Khor,
Kúmta, in Bornu: Kol-Kol. Diese Pflanze liefert sowohl das beste
Cordofangummi (~Schweinfurth~, ~Heuglin~, ~Beam~), das Hashab von
Khartoum und Sennaar, wie das meiste gute Senegalgummi, besonders die
Sorte bas du fleuve.
Weniger wichtig sind:
+Acacia arabica+ ~Willd.~ (Acacia vera ~Willd.~, Mimosa nilotica
L., M. arabica ~Lam.~) in Indien: Kikar, Babúl und die von einigen
dazugezogene, jedenfalls nahe verwandte +Acacia nilotica+ ~Del.~, der
Sont- oder Ssantbaum. Trop. Asien und Afrika; im Sudan und oberen
Senegal, Mosambique und Natal, Arabien und Indien (Sind). Liefert
das Sunt-Gummi des Sudans, Marocco-, Mogador- und berberisches Gummi
(~Maben~) und einen Teil des Galam Senegambiens, sowie indisches Gummi.
~Bentham~ unterscheidet von _A. arabica_ ~Willd.~ die var. _tomentosa_
(im Senegalgebiet), die var. _nilotica_ (im Nilgebiet), die var.
_indica_ (in Indien) und die var. _Kraussiana_ (in Port-Natal).
+Acacia Seyal+ ~Del.~, Sejal, Ssoffar, in Palästina: seijāl, ṭalḥ, mit
der var. +fistula+ (A. Fistula ~Schweinf.~) im tropischen Afrika, in
Nubien, Sennaar, in Kassala östlich von Khartoum und der italienischen
Kolonie Erythraea, sowie in Deutsch-Ostafrika. Liefert Talh-Gummi
(~Beam~), Gedarefgummi (~Busse~) und Ssoffargummi (~Schweinfurth~).
+A. stenocarpa+ ~Hochst.~, Talg, kitr, kakul oder suak, in den
Nilländern, Abyssinien, Nubien und Deutsch-Ostafrika. Ebenfalls
Talhgummi (talha) liefernd (~Schweinfurth~), sowie Gedarefgummi
(~Busse~) und Suakimgummi (~Maben~).
+A. Giraffae+ ~Burch.~ (= A. erioloba ~Willd.~?), Camelthorn,
in den Nilländern und in Deutsch-Südwestafrika, in den
trockensten und heißesten Gegenden. Liefert Capgummi (weich) und
deutsch-südwestafrikanisches Gummi.
+A. horrida+ ~Willd.~ (A. Karoo ~Hayne~, wohl auch = A. capensis
~Burch~). Extratrop. Südafrika, in Deutsch-Südwestafrika und am Cap
(z. B. an den Ufern des Kariep). Liefert seit 100 Jahren viel Capgummi
(hart) (~Burchell~) und deutsch-südwestafrikanisches Gummi.
+A. abyssinica+ ~Hochst.~ Tschéa und +A. glaucophylla+ ~Steud.~ (nahe
mit A. Senegal verwandt), in Abyssinien und dem Somalilande, das
Somali-Gummi (Karami) liefernd.
+A. Neboued+ ~Guill.~, in Senegambien, und +A. albida+ ~Del.~, Anabaum,
in Deutsch-Südwestafrika und im Senegalgebiet, hier Galamgummi liefernd.
+A. gummifera+ ~Willd.~ in Marocco.
+A. pycnantha+ ~Benth.~ (golden wattle) in Neusüdwales, Victoria und
Südaustralien. Liefert australisches Gummi (Wattlegum).
Ohne größere Bedeutung sind: _Acacia Ehrenbergiana_ ~Hayne~ und
_A. tortilis_ ~Hayne~ (A. Raddiana ~C. Savi~, A. fasciculata G.
P.) Haraz, in Palästina: seijāl, ṭalḥ, im Nilgebiet, Nubien,
Abyssinien und in Arabien -- _A. Adansonii_ ~Guill.~ et ~Perrott.~
in Senegambien -- _A. verugea_ ~Schweinf.~ liefert das Kukgummi
(~Beam~) -- _A. Suma_ ~Kurz~ (_A. campylacantha_ ~Hochst.~) liefert
das Kakamut oder Sinlingummi. _A. Farnesiana_ ~Willd.~ (in Indien:
vilayati kikar, guya babúla, in Palästina: ghilān, ảnbar, ḳarz) in
Vorderindien (heimisch in Westindien) -- _A. spirocarpa_ ~Hochst.~
und _Stuhlmanni_ ~Taub.~ in den Nilländern und in Deutsch-Ostafrika
-- _A. usumbarensis_ ~Taub.~ in Deutsch-Ostafrika -- _A. Catechu_
~Willd.~ (in Indien: khair, khair-babúl, katha) im Nilgebiet, z. B.
in Faschoda, in Indien und Burma, im Himalaya -- _A. decurrens_
~Willd.~ (_A. mollissima_ ~Willd.~, _A. dealbata_, ~Link~), _A.
homalophylla_ ~Cunn.~, _A. vestita_, _A. pendula_, _A. Sentis_, _A.
binervata_, _A. elata_, _A. glaucescens_, _A. penninervis_ und _A.
retinoïdes_. ~Schweinfurth~ nennt im Nilgebiet 24, ~Taubert~ in
Ostafrika 22, ~Watt~ (Dict.) in Indien 18 Arten.
_A. Angico_ ~Mart.~ liefert brasilian. G. (~Symes~), _A. micrantha_
~Benth.~ venezuelanisches (~Ernst~). _A. paniculata_ ~Willd.~ liefert
die Goma de tiamo von Venezuela (s. weiter hinten).
~Dragendorff~ führt (in Heilpflanzen) 65 _Acacia_arten als benutzt auf.
Alle, jedenfalls alle afrikanischen _Acacia_arten, sind imstande Gummi
zu liefern.
=Systemat. Stellung.= Leguminosae -- Mimosoideae -- Acacieae.
Die gegen 450 Arten der Gattung _Acacia_ ~Willd.~ sind besonders
zahlreich in Afrika und Australien vertreten, etwa 300 entfallen auf
Australien. Die afrikanischen Arten gehören zu den Sekt. Gummiferae und
Vulgares (_A. Senegal_ zu letzterer Gruppe).
=Beschreibung der Stammpflanze.= _Acacia Senegal_ ist ein niedriger
Baum mit einem nicht über 6 m hohen, mehr oder weniger geneigten,
12-25 cm dicken Stamm, knorrigen, gewundenen, spreizenden Ästen und
einer dünnen Schirmkrone («Schirmakazie»). In Bornu ist _A. Senegal_
strauchartig. Das Holz ist sehr hart und weiß, die sehr faserige,
daher zum Binden benutzte Rinde außen grau, innen rostfarbig, Die
2 (bis 3) kurzen Stacheln sind hakenförmig nach unten gekrümmt. Es
sind metamorphosierte Nebenblätter. Sie sitzen daher an der Basis der
Blattspindel (Taf. VII). Die doppelt und paarig gefiederten, an der
Spindel gemessen, 2-3 cm langen Blätter besitzen 3-5 Paare Fiedern,
die Fiederchen sind 10-15 jochig, schmal lineal, graugrün, kahl, bis
5 mm lang, gegenständig, sehr kurz gestielt. Die oberseits rinnige
Spindel zeigt einige gelbe, fleischige Drüsen. Die Blätter zeigen die
Erscheinung des Transversalheliotropismus, sie stellen bei starker
Belichtung und Verdunstung die Fiederblättchen senkrecht und geben
vom Januar an keinen Schatten (~David~). (Die australischen Acacien
besitzen oft durch Drehung des Blattstiels senkrecht gestellte
Phyllodien.) Die in den Blattachseln entspringenden Blütenstände werden
bis 10 cm lang. Es sind walzenrunde, mäßig dichte Ähren (Taf. VII).
Die Blüten sind +weiß+ (nicht gelb wie bei vielen anderen Arten).
Der fünfzählige Kelch ist becherförmig, die ebenfalls kleinen 5
Blumenblätter lanzettlich, die zahlreichen, doppelt so langen Stamina
am Grunde einbrüderig verbunden, in den Thekae nur wenige Pollinien.
Der lineale Fruchtknoten wird zu einem bis 10 cm langen, flachen
Legumen mit 5-6 braunen, glänzenden Samen, die einen langen Funiculus
besitzen. (Beschreibung der anderen Arten in ~Luerssen~, Mediz. pharm.
Botan.)
[Illustration:
Tafel VII.
Acacia Senegal Willd.
Nach Tafel 56 des Flor. Senegamb. Tentam. von Guillemin, Perrottet et
Richard verkleinert.]
Die Acacien verlangen ein +heißes+ und +trockenes+ Klima. Cordofan
hat ein Jahresmittel von 28° C. (Maximum im Schatten 44° C. im Mai
und September). «Dornen und immer wieder Dornen sind das Wahrzeichen
von Cordofan. Ein dornenreicheres Geschäft als Gummisammeln läßt sich
nicht wohl denken» (~David~). Die Gummiacacien haben den Habitus von
Erlen. In Cordofan bilden die Acacien lichte Haine, in Ostafrika
eine besondere Vegetationsform, die ~Engler~ «Baumgrassteppe mit
Vorherrschen der Acacien» nennt (Abbild. in ~Engler~, Pflanzenwelt
Ostafrikas, S. 59). Bei Bara fand ~David~ neben _A. Senegal_ auch _A.
stenocarpa_, weiter nördlich bei Kagmar +nicht+ _A. Senegal_, sondern
nur _A. Seyal_, _A. spirocarpa_ und _stenocarpa_. _A. stenocarpa_
und _fistula_ bilden ausgedehnte Wälder im Gebiete des Atbara und
Bahr-el-Azrak.
=Lit.= ~G. Schweinfurth~, Aufzähl. u. Beschreib. d. Acacienarten des
Nilgebiets. Linnaea 35. 1867/68 m. 19 Taf. und Im Herzen Afrikas
1874. -- ~A. F. Broun~, Catal. of the flowering plants of the Sudan.
-- ~Taubert~, Die Gummi liefernden Pflanzen Ostafrikas in ~Engler~,
Pflanzenwelt Ostafrikas 1895. -- ~Delile~, Flore d’Egypte. --
~Forscal~, Flor. aegypt. arab. -- ~Unger~, D. Pfl. d. alt. Ägypt. --
~Gerh. Rohlfs~, Drei Monate in d. Libysch. Wüste. 1875. -- ~Heuglin~,
Reise in d. Gebiet d. weißen Nil u. Reise nach Abyssinien. 1868. --
~Hildebrandt~, Zeitschr. Ges. f. Erdkunde 1875, 279. -- ~Oliver~,
Flora of tropical Africa II, 338. -- ~Guillemin, Perrottet et
Richard~, Florae senegambensis tentamen. -- ~Bentham~, Transact.
Linn. Soc. 30, 516. -- ~C. Martins~, Bull. Soc. Bot. France 1875,
20. -- ~Burchell~, Travels in the interior of south Africa 1822/24.
-- ~Haggenmacher~, Reise im Somalilande. Peterm. geogr. Mitth.
Ergänzungsh. 47 (1876). -- ~Sadebeck~, Kulturgewächse der deutschen
Kolonien. 1899. -- ~Brandis~, Forest flora of North-West and Centr.
India. -- ~F. von Müller~, Select plants for industrial culture in
Victoria. 1876 und Iconographia of acacias. -- ~Luerssen~, Mediz.
pharm. Bot.
+Abbild.+ von +A. Senegal+ ~Willd.~: ~Guillemin~ et ~Perrottet~,
Flor. Senegamb. tent. 1830, t. 56 (reproduziert in ~Flückiger~,
Gummi u. Bdellium, Schweiz. Wochenschr. 1869); ~Berg-Schmidt~,
Atlas II. Aufl.; ~Bentley~ and ~Trimen~, Med. plants t. 94,
~Schweinfurth~ a. a. O. t. 22, Reliquiae Kotschyan. t. 3; ~Taubert~
in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam.; von +A. nilotica+: bei ~Rohlfs~ t.
13; +A. arabica+: ~Roxb.~ Pl. Coromand. H t. 149, kopiert bei ~Nees
von Esenbeck~ t. 333; +A. Seyal+: ~Nees~ t. 336, ~Schweinfurth~ t.
11-14, ~Berg-Schmidt~, I. Aufl. t. 6 d.; ~Busse~ in ~Engler-Drude~,
Vegetat. d. Erde IX, I, S. 274; +A. horrida+: ~Hayne~ X t. 33; +A.
horrida+ und +erioloba+: ~Warburg~, Zeitschr. f. trop. Landwirtsch.
1898; +A. stenocarpa+: in ~Busses~ Bericht VI.; +A. spirocarpa+:
~Busse~ a. a. O.
=Pathologie.= Schädlinge scheint die Gummiacacie nicht zu haben.
Beeinträchtigt wird gelegentlich der Gummiertrag durch Antilopen und
Paviane, die das Gummi fressen, Elefanten, die die Bäume umreißen
(~Baker~) und Kameele, die die Dornen abnagen (~David~).
=Lit.= ~Baker~, Die Nilzuflüsse in Abessinien. Braunschw. 1868.
=Bildung des Gummis in der Pflanze (Gummosis).= Das Gummi arab.
entstammt der +Rinde+ der Acacien. Eine mir vorliegende Probe von
mit Gummi reichlich besetzter Rinde von _Acacia Senegal_, ausgelesen
aus der Handelsware, zeigt folgenden Bau. Eine dicke Schicht
typischen farblosen Korkes bedeckt das Ganze. Die sekundäre Rinde
besteht aus miteinander abwechselnden tangentialen Streifen von
Keratenchym (~Wigand~), d. h. obliterierten Siebbündeln (~Moeller~)
nebst begleitendem Phloëmparenchym und Bastzellbündeln, oft in sehr
regelmäßiger Alternanz. In radialer Richtung wird die Rinde von ein-
bis dreireihigen Markstrahlen durchzogen. In den Phloëmparenchymzellen
findet sich bisweilen eine die Zellen meist ausfüllende,
lichtgelbliche-dunkelbräunliche Masse. Die Gummosis, welche zur
Entstehung großer gummierfüllter lysigener Höhlen führt, geht, nach
~Moeller~, von den jungen Keratenchymbändern und dem Phloëmparenchym,
oder, wie ich vermute, von Stellen, die diesen entsprechen würden, aus.
An dem mir vorliegenden Material ließ sich sicher nicht feststellen
in welchem von beiden sie zuerst eintritt, jedenfalls werden die
Membranen des Keratenchymbandes und die der Phloëmparenchymgruppen
in Gummi übergeführt. So findet man in der Rinde von Zweigen, die
Gummidrusen reichlich tragen, gummierfüllte Höhlen (cavernes de
résorption, ~Trécul~) ringsum von in Auflösung begriffenen Zellen
umgeben. In den äußeren Rindenschichten der _Acacia_ fand ~Moeller~ ein
kirschgummiartiges, unlösliches Gummi.
[Illustration: Fig. 141.
Gummibildung in der Acacienrinde nach +Moeller+.]
[Illustration: Fig. 142.
Entstehung des +Pruneengummi+. Zwei Gummidrusen, die im Jungholz
entstanden und durch sekundäres Dickenwachstum des Holzkörpers ins
Innere gerückt sind. Die Gefäße mit Wundgummi gefüllt. [+Tschirch.+]]
Nach dem Sitze der Gummimassen zu urteilen muß die ergiebigste
Gummibildung +in den inneren Teilen der sekundären Rinde+ stattfinden.
Und es bleibt noch durch Versuche an der lebenden Pflanze
festzustellen, ob nicht infolge der Verwundung zur Gummose vorgebildete
Zellgruppen, sei es nun ein besonderes Gewebe oder zur Gummose neigende
Phloëmpartien, direkt in der äußeren Partie des Cambiums im Jungleptom
erzeugt werden. Es erscheint mir dies deshalb wahrscheinlich, weil
~Jadin~ und ~Boucher~ bei _Moringa_ nach Verwundungen das Auftreten
von Gummiräumen im Jungleptom beobachteten. Auch ~Moeller~ beobachtete
die Anfänge der Gummibildung bei _Acacia pterygocarpa_ «in einer sehr
tiefen Schicht der sekundären Rinde nahe dem Holzkörper» und ~Corre~
und ~Louvet~ verlegen sie sogar «zwischen Holz und Rinde», also in
das Cambium. Das deutet darauf, daß auch hier (wie beim Harzfluß)
der Anstoß zur Gummibildung im Cambium und seinen jüngsten Produkten
erfolgt. -- Andere Beobachtungen machen es wahrscheinlich, daß (wie
beim Harzfluß) ein Verwundungsreiz das erregende Moment ist. Während
aber bei der Gummose der Amygdalaceen, wie ~Mikosch~ gezeigt hat,
infolge der Verwundung im +Neuholz+ (Junghadrom) Gruppen abnormen
Parenchyms («Gummizellen») entstehen, die der Gummose anheimfallen,
müßte sich hier der Effekt des Reizes im +Jungleptom+ äußern. Nach
den Beobachtungen von ~Lutz~ besteht zwischen der Gummose der Acacien
und der Amygdalaceen eine ziemlich weitgehende Übereinstimmung. Er
sah übrigens Gummose bei den Acacien auch im Jungholz auftreten. Da
~Wigand~ einmal auch eine Gummidruse im Holzkörper fand, scheint
in der Tat bei den Acacien auch dort unter gewissen Umständen
Gummibildung möglich. Nach ~Louvet~ entstehen auch Lücken im Zuge der
Markstrahlen. Bisweilen erreicht der Gummifluß riesige Dimensionen.
~Naudin~ fand 1889 ein Exemplar der _Ac. dealbata_ ganz eingehüllt von
Gummimassen. ~Lutz~, der (nach ~Mangin~) mit Färbemitteln die Gummose
bei den Acacien verfolgte -- er benutzte Doppelfärbung mit Neutralrot
~Cassella~ und Vert acide JEEE ~Poirrier~ -- verlegt den Beginn der
Gummose direkt ins Cambium, in dessen Wänden er eine Umwandlung in
Gummi konstatieren konnte. Auch ~Trécul~ und ~Cotton~ verlegen den
Beginn der Gummibildung dorthin, führen sie aber auf Saftstauung und
Überernährung zurück. Aus den Beobachtungen von ~Lutz~ möchte man den
Schluß ziehen, daß Gummibildung auch ohne Verwundung +möglich+ ist, da
die Membranen des Cambiums gewisser Pflanzen Neigung zur Umbildung in
Gummomembranine zeigen, Gummi+fluß+ aber +nur+ infolge von Verwundungen
entsteht. Auch ~David~, der die cordofanischen Gummidistrikte besuchte,
beobachtete, «daß der Gummosis immer Veränderungen, Risse oder Spalten
in den geplatzten Borken» zugrunde lag, und bemerkt, «gewiß ist das
Gummi ein vortrefflicher Wundverschluß um das Ausdörren zu verhindern».
~Beam~ berichtet (s. weiter hinten) sogar von der Anbringung +großer+
Wunden (vgl. Taf. VIII u. IX). ~Busse~ sagt (III. Bericht über die
Reise in die ostafrik. Steppen 1900) über die Gummiausscheidung bei
_Acacia stenocarpa_, «daß das Gummi in keinem Falle freiwillig,
d. h. ohne äußere Eingriffe, der Rinde entfließt». Alle Erfahrungen
deuten darauf, daß eine +Verwundung+, sei sie nun künstlich von
Menschenhand angebracht oder spontan durch Tiere oder Astbruch oder
Bersten entstanden, für das Zustandekommen des Gummi+flusses+ auch
bei den Acacien notwendig ist, die Gummose also eine Reaktion auf
die Verwundung darstellt, wobei unentschieden bleiben mag, ob die
Verwundung nur als Reiz wirkt, oder ob durch sie fremde Substanzen wie
Bakterien oder Pilzsporen und ihre Produkte oder Gase (Sauerstoff)
den inneren Geweben der Rinde zugeführt werden. Es würde also die
Gummibildung in den Acacien mit der bei den Amygdalaceen und indirekt
mit der Resinosis in Parallele gestellt werden können. Halten wir diese
Analogie aufrecht, so wird klar, daß das Gummi nicht +nur+ durch
Metamorphose der loco vorhandenen Membranen entstehen wird, sondern
daß diese einen +Herd der Gummibildung+ erzeugen werden, in dem auch
das weiter zugeführte gelöste Kohlenhydratmaterial, ohne den Umweg
über eine typische Membran zu machen, eine Umbildung in Gummi erfährt,
ähnlich wie dies auch ~Frank~ und ~Karsten~ annehmen. Dies macht den
Prozeß auch von anderen Faktoren als nur der Verwundung abhängig. Und
in der Tat lehrt die Erfahrung, daß die Gummiacacien nur zu einer
bestimmten Zeit Gummose zeigen, zur Zeit der Blattbildung z. B. nicht,
und daß auch gewisse Standortsverhältnisse, z. B. trockener Boden,
für das Zustandekommen der Gummose nötig sind. Dieselbe Art bildet
in der einen Gegend Gummi, in einer andern keins (~Hildebrandt~,
~Schweinfurth~, ~Beam~), sie kann in einer Gebirgsgegend reichlich
Gummi liefern, in größerer Höhe aber gar nichts geben. Auch die
Temperatur spielt eine Rolle. An einem heißen Tage wurden in Cordofan
(1908) von drei Bäumen 1,3, an einem kalten nur 0,63 rotls geerntet
(~Beam~, vgl. auch unter Gewinnung). In Cordofan tritt die Gummose
nicht während der Regenzeit ein, sondern erst wenn die fürchterliche
Trockenheit einsetzt.