d. h. der mit Wasser nur quellenden, sich nicht darin lösenden.
Bassorin gibt mit Salpetersäure 22,5% Schleimsäure (~Guérin-Varry~).
Es wird mit Alkalien dünnflüssig (~Frémy~). Zuerst ~Guérin~ nannte
den Schleimstoff des Traganth +Bassorin+, ~Guibourt~ +Adragantin+,
~Pereira~ nennt den löslichen Teil +Tragacanthin+ oder Adragantin,
den unlöslichen Bassorin. Nach ~Giraud~ enthält Traganth 60% «composé
pectique», (Adragantin, Pektose), 8-10% lösliches Gummi, 3% Zellulose,
2-3% Stärke, 3% Asche, c. 20% Wasser und Spuren von stickstoffhaltigen
Substanzen. Das Adragantin enthielt 40,6% C, 5,35% H und 53,8% O. Nach
~Guibourt~ enthält das Traganth weder Arabin noch Bassorin, sondern
ist eine organisierte gallertige Materie sui generis. Auch ~Giraud~
meint, daß Traganth nicht, wie ~Guérin-Varry~ angibt, aus Arabin und
Bassorin, sondern hauptsächlich aus einer pektinartigen Substanz
(Pektose ~Frémy~) bestehe, der 7-10% lösliches Gummi beigemengt ist.
Verdünnte Mineralsäuren bilden Glukose und Pektin, Alkalien und alkal.
Erden Pektin, Pektinsäure und Metapektinsäure. Alkal. Erden bilden
Niederschläge, die bei schwachem Erwärmen hart und eigelb werden
(~Girauds~ Nachweis von Traganth). ~Schmidt~ fand in rohem Traganth
45,63% C und 6% H, in reinem Traganth 45,10-45,33% C und 6,16-6,27% H.
Traganth soll der Formel C₂₄H₄₀O₂₀ entsprechen. ~Hilger~ und ~Dreyfus~
formulieren jedoch: (C₁₁H₂₀O₁₀)ₙ. Sie fanden 42,4% C und 6,5% H. Das
das Traganth vorwiegend bildende Polysaccharid nennen auch ~Hilger~
und ~Dreyfus~ +Bassorin+. Es reduziert weder ~Soldainis~ Reagens noch
~Fehling~sche Lösung, wohl aber ammoniakalische Silberlösung beim
Kochen. Kalte 30-40% Alkalilauge führt das Bassorin in +Oxybassorin+:
(C₁₁H₂₀O₁₀)₂O über, welches rechts dreht, ~Soldainis~ Reagens und
~Fehling~sche Lösung reduziert und mit den Metallen unlösliche
Verbindungen bildet. Wird T. in Stücken mit kaltem Wasser maceriert,
so erhält man bisweilen ein Filtrat, in dem Alkohol, in geringer
Menge zugesetzt, weiße Flocken abscheidet (~Maisch~). Auch Bleizucker
scheidet zunächst eine Gallerte ab, erst später entsteht ein
Niederschlag. Die Ansicht, daß der lösliche Teil des Traganths Arabin
bzw. Arabinsäure sei (~Sandersleben~), ist nicht richtig (~Frémy~,
~Pohl~). T. enthält kein Arabin (~Dreyfus~). Es ist neutral und wird
durch Borax, Eisenchlorid und Wasserglas nicht gefällt. Bleiessig und
Bleiacetat geben eine Gallerte, die beim Erwärmen sich trübt und dann
einen Niederschlag bildet. Mit Salpetersäure gibt Traganth +Oxalsäure+,
+Weinsäure+, +Zuckersäure+ und besonders +Schleimsäure+ (~Giraud~). Die
Menge der erhaltenen Schleimsäure wechselt. ~Tollens~ erhielt nur sehr
kleine Mengen, ~Dreyfus~ 11,5-17%, ~Giraud~ 20%.
Die Hydrolyse lieferte ~Giraud~ (1876) einen reduzierenden Zucker.
Auch ~Schmidt~ erhielt bei der Hydrolyse gärungsfähigen Zucker und
ein Gummi, das mit dem aus Salep identisch war. Nach ~Sandersleben~
ensteht neben viel Sirup kristallisierbare Arabinose. Bei der
Hydrolyse verschiedener Traganthsorten erhielten in neuerer Zeit
~Widtsoë~ und ~Tollens~ +Pentosen+, aus einigen Sorten +Arabinose+,
aus anderen +Xylose+, aus allen +Fukose+ (Methylpentose, s. S. 299)
und (in geringer Menge) +Glukose+ und (wechselnde Mengen) +Galaktose+.
Einige Traganthsorten enthalten 38,1-51,8% +Xylan+ (~Tollens~ und
~Widtsoë~). Möglicherweise bildet also entweder ein +Galakto-Xylan+
oder ein +Galakto-Araban+ den wichtigsten Bestandteil der Traganthe,
denn das Traganth enthält (s. oben) auch oft beträchtliche Mengen
eines bei der Oxydation +Schleimsäure+ liefernden Bestandteils
(~Guérin-Varry~, ~Ogle~, ~Pohl~) -- der Galaktosegehalt beträgt oft
15-21,5% (~Dreyfus~). Die Hydrolyse gewisser Traganthsorten soll
ähnlich wie beim Gummi arabic. (s. d.) verlaufen. Als Hauptprodukt
der Hydrolyse des wasserlöslichen Anteils entsteht zunächst eine
linksdrehende +Polyaraban-Trigalaktan-Geddinsäure+ (11 C₁₀H₁₆O₈.3
C₁₂H₂₀O₁₀.C₂₃H₃₆O₂₀.H₂O), die bei weiterer Hydrolyse 72% +Arabinose+
und etwas +Galaktose+ liefert (~O’Sullivan~). Das +Bassorin+
einiger Tragantharten gibt mit überschüssigem Alkali die α- und
β-+Traganthan-Xylan-Bassorinsäure+. Die α-Säure (C₂₄H₃₄O₂₀.H₂O) ist in
kaltem Wasser löslich, dreht rechts (α_{D} = +138,6°) und zerfällt
bei der Hydrolyse mit verd. Schwefelsäure in +Traganthose+ (eine
linksdrehende Pentose, Fukose?) und +Xylan-Bassorinsäure+: C₁₉H₂₈O₁₇,
die fast unlöslich in kaltem Wasser ist, rechts dreht und bei weiterer
Hydrolyse in +Xylose+ und +Bassorinsäure+ (C₁₆H₂₀O₁₃) zerfällt, eine
Substanz, die in kaltem Wasser unlöslich ist und in alkalischer Lösung
stark rechts dreht (α_{D} = +225°). Die in kaltem Wasser nicht
lösliche β-Säure gibt ähnliche Hydrolysierungsprodukte (~O’Sullivan~).
Ich kann aus den Publikationen meist nicht klar ersehen, ob
besonders die in allen Traganthen enthaltene Stärke, die primären
Zellulosemembranen und die übrigen Beimengungen vor der Untersuchung
des Schleims abgetrennt worden waren. Meist scheint dies nicht
geschehen zu sein. Denn Traganth enthält ja auch +Stärke+ (c.
3% ~Dreyfus~, 2,3% ~Giraud~, aber in einigen Sorten viel mehr,
~Tschirch~), +Zellulose+ (die Reste der primären Membran, c. 4%),
kleine Mengen +stickstoffhaltiger Körper+ (~Tschirch~), +Dextrin+
und +Invertzucker+, sowie etwas +Chlorkalium+ (~Dreyfus~). Die
+Stärkemenge+ im Traganth ist gering. Filtriert man daher einen kalt
bereiteten Traganthschleim nach Verdünnung mit Wasser, so färbt sich
der Filterrückstand mit Jod nicht schwarzblau, da die Stärkekörnchen
in große Mengen unlöslichen Schleim eingebettet sind (doch sieht man
bei Betrachtung mit dem Mikroskop die schwarzblau gefärbten Körnchen).
Besser gelingt die Jodprobe, wenn man zu dem Traganthschleim direkt
Jod zusetzt. Die suspendierten Teilchen färben sich alsdann blaugrau
und nach dem Filtrieren erhält man einen blaugrauen Rückstand auf dem
Filter und ein farbloses Filtrat. Die meisten Traganthsorten werden
durch Natronlauge nicht in der Kälte, sondern erst bei gelindem
Erwärmen gelb. Der diese Färbung bedingende Körper ist nicht derselbe,
der die geringeren Sorten gelb färbt; denn auch, wenn man diesen mit
91% Alkohol entfernt, tritt trotzdem die Gelbfärbung mit NaOH ein
(~Reuter~). Durch Alkohol wird den schlechtesten gelben Sorten ein
Substanzgemenge entzogen, das ein +Fett+, einen +Bitterstoff+ und
einen +Zucker+ enthält (~Reuter~). Wurmtraganth liefert nach ~Ludwig~
4,234% weingeistiges Extrakt (mit Spuren Zucker), Blättertraganth
1,557% (zuckerfrei). T. gibt beim Erhitzen mit KOH die Pyrrolreaktion
(Rotfärbung des mit HCl befeuchteten Fichtenspans) und die Dämpfe
färben Lackmus blau, gibt aber +nicht+ die Oxydasereaktion
(~Tschirch~ und ~Stevens~), enthält also im Gegensatz zu den Gummis
und entsprechend seiner ganz anderen Bildungsweise +keine Oxydase+.
Guajakharzlösung wird direkt auch nach 3 Stunden nicht gebläut (erst
nach 10 Stunden tritt geringe Bläuung ein, ~Runne~).
~Ludwig~ gibt den +Wassergehalt+ auf 16,2% (Blättertraganth) bis
16,5% (Wurmtraganth), ~Hilger~ und ~Dreyfus~ auf 9,42-15,4%, ~Peters~
(im feinem Pulver) zu 13,7-14,98%, ~Wiesner~ zu 11-17% an. Nach
~Hilger~ und ~Dreyfus~ soll die +Farbe+ der verschiedenen Sorten
wesentlich durch verschiedenen Wassergehalt bedingt sein (?) und
die wasserreichsten besten Sorten auch die meiste Asche enthalten.
Fadentraganth enthielt 3,1-3,57% +Asche+ (~Löwenthal~ und ~Hausmann~,
~Hilger~ und ~Dreyfus~). In anderen Sorten wurde gefunden 3,16%
(~Flückiger~), 2,89-2,95% (~Röder~), 2,68-2,85% (~Dreyfus~), 2,42-2,57%
(~Peters~), 1,75% (~Schmidt~) (s. auch oben), obere Grenze 3,5% (Pharm.
helv. IV). +In der Asche findet sich mehr Kalk als in der aller
anderen Gummis+: 76,3% CaCO₃, aber relativ wenig Kali (11,9% K₂CO₃)
und Magnesia (8,89% MgCO₃), sowie 4,74% Calciumphosphat (~Rideal~ und
~Youle~).
=Lit.= ~Vauquelin~, Ann. de chim. 54, 312. Bull. d. pharm. 3, 56. --
~Bucholz~ in ~Gmelins~ Handb. II, 779. -- ~Guérin-Varry~, Ann. chim.
phys. (2) 49 (1832) 248 und 51, 522 und Journ. chim. méd. 7, 742. --
~Frémy~, Journ. pharm. (3) 37, 81. Jahresb. d. Chem. 1860, 504. --
~H. Ludwig~, Pharmakogn. Beitr. (Gummi) Arch. Pharm. 132 (1855), 33.
-- ~Frank~, Chem. Centralbl. 1865, 902. -- ~Hermann~ in ~Pereiras~
Handbuch. -- ~Giraud~, Etud. comp. d. gommes et d. mucilages. Journ.
pharm. chim. 1875, 485, 1876, 462. Compt. rend. 80, 477 u. l’Union
pharm. 16, 249. -- ~Pohl~, Zeitschr. phys. Chem. 14, 156. -- ~v.
Sandersleben~ in ~Sachsses~ Phytochem. Unters. 1880. -- ~Schmidt~,
Über Pflanzenschleim und Bassorin. Lieb. Ann. 51, 29. -- ~Gerstner~
in ~Valenta~, Klebe- u. Verdickungsm. 1884. -- ~Williams~, Chem. News
1888, 224. -- ~Ogle~, Pharm. Journ. 20, 1889, 3, Chem. Zeit. 13, R.
224, Arch. Ph. 1889, 905. -- ~O’Sullivan~, Proc. Chem. Soc. 17(1901),
156 (Chem. Zeit. 25, 569, Chem. Drugg. 1901). -- ~Maisch~, Am. journ.
pharm. 1889, 72. -- ~Tollens~ und ~Widtsoë~, Ber. d. chem. Ges. 33,
132. -- ~Hilger~, Naturforschervers. München 1899. -- ~Hilger~ und
~Dreyfus~, Ber. d. d. chem. Ges. 33 (1900). -- ~Dreyfus~, Dissert.
München 1900. -- ~L. Reuter~, Apoth. Zeit. 1890, 644. -- ~Tschirch~,
Gummasen. Pharm. Centralb. 1905, 504. -- Aschenanalysen: ~Rideal~
und ~Youle~, Chem. Drugg. 1891, 788. -- ~Phil. Röder~, Pharm. Post
1906, 298. -- ~Peters~, Apoth. Zeit. 1909, S. 538. -- ~Löwenthal~ und
~Hausmann~, Lieb. Ann. 89, 112. -- ~La Wall~, Amer. journ. pharm.
1897, 141. -- Asche, Löslichkeit, Wassergehalt: ~E. Masing~, Vgl.
Unters. d. wichtigst. Handelss. d. Traganth u. sein. Surrogate. Arch.
Ph. 1880, 41.
=Physikalische Eigenschaften.= Traganth zeigt +Doppelbrechung+
(~Wiesner~). Im Polarisationsmikroskop treten bei gekreuzten
Nikols Polarisationsfarben hervor. Die Frage, ob diese Anisotropie
auf Zusammensetzung der Substanz aus anisotropen Micellen beruht
(~Schwendener~), oder durch Zug und Druck zustande kommt (~v. Ebner~,
~Wiesner~), wird von ~Ambronn~ im erstgenannten Sinne beantwortet.
«Die optischen Eigenschaften des Traganth im gequollenen Zustande
sind auf das Vorhandensein optisch und räumlich anisotroper
Micellen zurückzuführen», sagt ~Ambronn~, doch beobachtete ~Ebner~,
daß trockenes Traganth sich wie Glas verhält, d. h. durch Zug
positiv, durch Druck negativ doppelbrechend wird; umgekehrt verhält
sich gequollenes Traganth. Bei trockenen Traganthfäden ist das
Elastizitätsellipsoid quergestellt (~Schwendener~).
Das +spez. Gew.+ des Traganth beträgt 1,384 (Watts Dict. und Enc.
britt.). Es ist schwer genau zu bestimmen, da wenigstens die Blätter
oft Luft einschließen.
Mit Wasser übergossen quillt Traganth stark auf; gepulvert liefert
es mit dem 50fachen Wasser einen trüben schlüpfrigen, geschmack- und
geruchlosen Schleim. Mit dem 200fachen Wasser häufig geschüttelt,
zerfällt Traganth erst nach Wochen zu einem gleichmäßigen, trüben
Schleim, der sich nur sehr langsam klärt (~Flückiger~). ~Pohl~ hält den
Traganth für löslich in Wasser, allerdings für sehr schwer löslich (1 :
1000). ~Dreyfus~ fand dagegen in Fadentraganth nur 0,06% wasserlösliche
Bestandteile, ~Flückiger~ erhielt 0,47, ~Maiden~ 7,7, ~Giraud~
8,10%; andere Sorten scheinen aber bis 50% und mehr (~Bucholz~,
~Guérin-Varry~) Lösliches zu enthalten. +Traganth verhält sich im
allgemeinen wie ein Kolloid.+ Traganthlösung gibt keinen osmotischen
Druck, aber es konnte nur eine sehr verdünnte Lösung benutzt werden
(~Moor~ und ~Row~). Eine «Lösung» des Traganth 1 : 1000 läßt sich
filtrieren. Der wasserlösliche Anteil des Traganth zeigte ~Flückiger~
im Polarisationsapparat keine Drehung. Die unter Zusatz von Ammoniak,
das die Löslichkeit erhöht, hergestellte Lösung (~Flückiger~) des
Traganth drehte rechts. In Chloralhydrat löst sich Traganth, aber
es bleibt eine wolkige Trübung in der Flüssigkeit, die wohl von den
Zellulosehäuten herrührt (~Wiesner~). Die schön gelb gefärbte Lösung
in verdünntem KOH bleibt auch nach Zusatz einer Säure klar, erst auf
Zusatz von Alkohol entsteht eine Fällung. Diese besitzt keine sauren
Eigenschaften. Traganth bleibt auf 100° erwärmt hell und zeigt auch
dann keine Risse.
Traganth ist weicher als Akazien- und Kirschgummi, zähe und hornartig,
schneidbar. Der Bruch ist eben. Die helle weiße Farbe der besten
Sorten wird besonders durch reichlich eingeschlossene Luft bedingt.
Die luftarmen Sorten erscheinen glänzend und gefärbt, die hellen matt.
Traganth ist stets geruchlos.
=Lit.= ~Wiesner~, Gummi u. Harze 1869 und Rohstoffe. --
~Schwendener~, Sitzungsb. d. Berl. Akad. 1889 u. 1890. -- ~v.
Ebner~, Unters. über d. Urs. d. Anisotropie organ. Subst. 1882 u.
Sitzungsber. d. Wien. Akad. 1888. -- ~Ambronn~, Ber. d. d. Bot. Ges.
7 (1889), 103. -- ~Moor~ and ~Row~, Bioch. journ. 2, 34. -- ~Pohl~
a. a. O. -- ~Dreyfus~ a. a. O.
=Verfälschungen.= Die guten Traganthsorten sind leicht kenntlich
und mit nichts anderem zu verwechseln. Bei den schlechteren kommen
Vermischungen oder Substitutionen mit falschen Traganthen und (s. d.)
und anderen Gummis vor; die von ~Klenke~ erwähnten, aus Mehl, Brot oder
Kleister und Gummi geformten «künstlichen» Traganthe habe ich nicht
gesehen. Der «+Traganthersatz+» von ~Carl Boschan~ besteht aus: Stärke
20, Leim 6, Glyzerin 2, mit Wasser erhitzt. Neuerdings (1909) wurde T.
mit indischem Gummi von _Sterculia urens_ ~Roxb.~ und _Cochlospermum
Gossypium_ ~Dc.~ verfälscht gefunden (~Scoville~). Traganth muß geruch-
und geschmacklos sein. (1905 [~Francis~] und 1907 [~Stoepel~] waren
bittere in Handel). Das Bombaxgummi ist adstringierend. Mit _Gummi
arabic._ vermischtes Traganth gibt dünnere Schleime als reines Traganth
in entsprechender Konzentration (~White~).
Die Unterschiede zwischen _Sterculiagummi_ und echtem T. beschrieb
~Maiden~: Mit kaltem Wasser bleibt _Sterculiagummi_ farblos und
bildet eine körnige Gallerte, wenig oder gar nicht klebrig,
_Traganth_ opaleszierend, weiche, zähe klebrige Masse. Beim Kochen
in verdünntem Alkali ist _Sterculiagummi_ unlöslich. _Traganth_
löst sich fast ganz. Bei Behandlung mit Natronhydrat und Erwärmen
zeigt _Sterculiagummi_ keine Farbenänderung. _Traganth_ bekommt
eine kanariengelbe Farbe, die beim Abkühlen verblaßt. Beim Kochen
mit verdünnter Säure ist _Sterculiagummi_ löslich, bildet Arabin;
_Traganth_ löslich, bildet Pektin (~Giraud~). Fügt man obiger
Flüssigkeit Alkohol hinzu, so bildet _Sterculiagummi_ einen weißen
Niederschlag, _Traganth_ eine eiweißähnliche Masse. Das spez. Gew.
beträgt bei dem _Sterculiagummi_ über 1,4, der Aschengehalt ist
ziemlich hoch: 5,83% (_St. urens_), 7,8% (_St. Tragac._), 8,19%
(_St. diversifol._), 9% (_St. rupestris_). +Stärke enthalten die
Sterculiagummis nicht.+
~Hanbury~ beobachtete 1855 +Bleiweiß+ als «Schönungsmittel» von
Traganth. Auch ~Kick~ und ~Gintl~ berichten bei minderwertigen Sorten
von «Bestreichen mit Bleiwasser», um die gefärbten Sorten den weißen
ähnlicher zu machen (?).
+Im Pulver ist fremde Stärke+ (Mais- und Weizenstärke, 1906 ~Ohliger~),
+getrockneter und gemahlener Stärkekleister+ (~Kick~ und ~Gintl~),
+Dextrin+ (1905 in Amerika) und +Gummi arabicum+ beobachtet worden.
Fremde Stärke und Stärkekleister sind durch das Mikroskop leicht
nachzuweisen, ebenso Dextrin (vgl. S. 200, Fig. 73). Die Schollen
von etwa beigemengtem _Gummi arabicum_ lösen sich rasch in Wasser.
~Caesar~ und ~Loretz~ (Jahresber. 1910, 121) weisen beigemengtes
_Gummi arabicum_ durch die Oxydasereaktion des letzteren (mit
Guajacol-Wasserstoffperoxyd) nach. Die Methode rührt von ~Payet~ her.
Es ist aber eine seit langem bekannte Erscheinung, dass Guajacharz
und Guajactinktur wohl durch (mit +kaltem+ Wasser bereiteten)
Gummischleim, nicht aber durch Traganthschleim gebläut wird (~Berg~,
Pharmakogn. 1869) und die Guajactinktur ist schon von ~Planche~ zur
Unterscheidung der beiden empfohlen worden. Auch ~Runne~ bezeichnet
sie als das geeigneteste Reagens zum Nachweise von _Gummi arab._ im
Traganth. Weniger eignen sich Benzidin-Wasserstoffperoxyd-Essigsäure
und α-Naphthylamin. Auch der Umstand, daß _Gummi arabicum_ mit
Pyrogallol Purpurogallol liefert, Traganth nicht, ist zur Erkennung
eines Gummizusatzes benutzt worden (~Flückiger~). Traganth bräunt sich
nur mit Pyrogallol. Indisches Gummi (s. oben), das auch im Pulver
beobachtet wurde (1909), läßt sich folgendermaßen nachweisen. Setzt man
zu einem Schleime (2 auf 100) 2,0 Borax und läßt über Nacht stehen, so
wird die Mischung nach 24 Stunden klebrig und fadenziehend, wenn mehr
als 5% indisches Gummi beigemischt wurde (~Scoville~). 2,0 Traganth
geben, wenn rein, mit 5,0 Wasser einen Teig, der beim Drücken nur wenig
an den Fingern klebt (~Hager~) und der ~Fehling~sche Lösung nicht
merklich reduziert.
=Lit.= ~Scoville~, Pharm. Journ. 28 (1909), 493. -- ~Stoepel~,
Apoth. Zeit. 1907, 1064. -- ~Francis~, Bull. Pharm. Detroit 1905. --
~White~, Pharm. Journ. 1905, 133. -- ~Payet~, Rep. de Pharm. 1904,
301 (Ann. chim. anal. 1905). -- ~Runne~, Z. Prüfung des Traganths.
Apoth. Zeit. 1909, 389. -- ~Ohliger~, Proc. Michig. Pharm. Assoc.
1906, 48 und ~Peint~, Oil and Drug. Rep. 1905. -- ~Maiden~, Amer.
journ. pharm. 1890. -- ~Kick~ und ~Gintl~, Techn. Wörterbuch IX
(1888), 567. -- ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Wiesner~, Rohstoffe. --
~Hanbury~, Science papers, p. 117.
=Anwendung.= In der Pharmazie spielen jetzt (1910) die besten syrischen
und persischen Sorten die Hauptrolle. Die schlechteren anatolischen
Sorten werden besonders für technische Zwecke benutzt (~Caesar~
und ~Loretz~). Traganth dient als Bindemittel bei Herstellung von
Pillen, Stäbchen, Pastillen, Dragées, Räucherkerzen, Sprengkohle.
(Mit Traganth angestoßene Pillen werden rasch steinhart, wenn nicht
Glycerin zugesetzt wurde.) Dann als Stypticum (als Klystier), zu _Ungt.
glycerini_, zu Emulsionen als Ersatz des Gummis. (1 Teil Traganth
besitzt die Bindekraft von 12 bis 15 Teilen Gummi arabicum.) ~Böhm~
empfahl (1850) für den Schleim ein Gemisch von Traganth und Zucker.
Man kann unlösliche Pulver mit Traganth in Suspension halten. Traganth
wird auch zur Appretur von Kattunen, Seidenwaren und Spitzen, zur
Herstellung von Dampffarben im Zeugdruck und in der Zuckerbäckerei
verwendet. Es klebt nicht, bindet aber, wenn eingetrocknet, stark.
Es läßt sich schwer pulvern, am besten, nachdem es zuvor bei 40-60°
getrocknet ist. Man bewahrt Traganth am besten in mit weißem Papier
ausgeklebten Holzkästen mit dicht schließenden Deckeln auf. Es zieht
leicht Staub an und wird dann grau.
Manna liefert außer den S. 136 genannten _Astragalus_arten auch
_A. chartostegius_ B. et H. Ob Kunjudy-Gummi, Ansarut, Gujar
und Sarcocolla von _Astragalus_arten kommen, ist noch unsicher
(Sarcocolla wird auch von _Panaea mucronata_ abgeleitet). Die
Samen einiger _Astragalus_arten (_A. baeticus_ L. -- schwedischer
Kontinentalkaffee, Stragel-K., _A. excapus_ im Kanton Wallis,
~Hartwich~) dienen als Kaffeesurrogate. Die Blätter und Samen von
_A. glycyphyllos_ L. (_Herb. et semen Glycyrrhizae silvestris_) sind
als Diureticum und Purgans in Anwendung (~Planchon~). Weitere in
~Dragendorff~, Heilpflanzen.
=Geschichte.= Die τραγάκανθα des ~Theophrast~ [nach ~Sprengel~,
~Sibthorp~ und ~Fraas~ = _Astragalus aristatus_ ~l’Hérit~ und _A.
creticus_ ~Lmk.~ (_A. echinoides_ ~Willd.~)] wird als nicht nur auf
Kreta, sondern auch in Achaia, dem Peloponnes und in Asien (Medien)
vorkommend beschrieben -- «truncis ramisque inhaerent lacrimae».
Der Austritt des Gummis soll spontan erfolgen. _Astragalus_ ist bei
~Theophrast~ und and. eine andere, (nach ~Koch~) nicht bestimmbare
Pflanze. Der _Astragalus_ des ~Galen~ soll _A. excapus_ oder
_Orobus sessilifolius_ gewesen sein. Bei ~Dioskurides~ (III, 20),
der ja in Kleinasien lebte, bedeutet τραγάκανθα sowohl die Wurzel
der dornigen _Astragalus_sträucher wie das Gummi-Traganth. Er
vergleicht die klebende Kraft des letzteren mit dem Gummi und nennt
einige Krankheiten, bei denen es benutzt wird (z. B. Husten). Er
beschreibt die Pflanze korrekt. Unklar drückt sich ~Plinius~ (XIII,
36) über _Tragion_ und _Tragacanthe_ aus. Die Pflanze nennt er
_Spina alta_. Bei ~Celsus~ (I, S. 588) steht _Tragacantha_, ebenso
bei ~Oribasius~, ~Aëtius~ und ~Paulus Aegineta~. Bei ~Vegetius
Renatus~ (c. 400 n. Chr.) steht _dragantum_. Auch ~Istachri~ (I,
S. 606) und ~Constantinus Afrikanus~ (I, S. 633) kennen T. Ebenso
hat ~Galen~: tragacantha (die Pflanze: δάκρυον), ~Scribonius
Largus~ unterscheidet die Präparate _tragacanthum album_ (mit Alaun
abgeriebener T.) und _candidum_. _Tracantha_ steht im Kitâb aš-šaǧar
(X. Jahrh.), bei ~Masih~, ~Ibn Sina~ u. and. ~Haji Zein~ (1368)
beschreibt den Gebrauch des Katira, das Gummi des katád genannten
Baumes. Der Perser ~Burhán~ nennt den arabischen Namen für den
Baum: miswák el abbas. Der Autor des Makhzan el Adwija erwähnt
den persischen Namen kon. Die Gelehrten der Schule von Salerno
bereiteten ein _Diatrugacanthum frigidum_ und ein _D. calidum_.
«An einer Stelle der sog. Bible des ~Guiot von Provins~, wo dieser
Dichter seine Satyre ausgießt über die teuren Arzneien, welche die
Ärzte von Montpellier verschreiben, ist auch ein Trank des Namens
_diadragum_ erwähnt» (~Heyd~), _Diadragagantum_ wurde als kühlendes
Mittel verwendet. Im Mittelalter wurde T. auch bei der Auftragung
des Azurblaus und der Vergoldung benutzt (~Heyd~). 1305 war T.
zollpflichtiger Einfuhrartikel in +Pisa+ (~Flückiger~). Zur Zeit
des ~Pegolotti~ (I, S. 702) kam Draganti (chitirra) von Romania
(Griechenland) und Turchia (Kleinasien). Hauptmarkt war Satalia (in
Pisidien, das heutige Adalia an der Südküste Kleinasiens), dann
auch Cypern und Alexandrien (~Heyd~). ~Belon~ (I, S. 771) erwähnt
die gleichen Gegenden und Brussa als Markt. Er wurde verwendet «pour
donner lustre à la soye». ~Olivier~ fügt noch Armenien, Kurdistan
und Nordpersien als Produktionsländer hinzu. ~Aitchison~ erwähnt
dann noch Chorassan und Afghanistan. Persisches T. ging schon Ende
des XVIII. Jahrh. nach Bagdad und Bassora und nach Rußland über
Baku. In Deutschland begegnen wir 1340 draganti als Bestandteil
einer Augensalbe (~Flückiger~ nach ~Pfeiffer~). Im Inventaire
~Lefort~ (1439) steht Pouldre de Diadragan und Diadragant (Electuar.
Diatragacanthum). Dann findet sich T. auch in der Taxe von Ferrara
(1424) und der Frankfurter Liste (1450). ~Belon~ (I, S. 772) traf
1550 auf Kreta zwei Arten _Traganth_sträucher, erfuhr aber, daß
T. in Nordwest-Kleinasien gesammelt und zur Appretur der Seide
benutzt werde (vgl. bei ~Flückiger~). Die Form Dragagantum steht bei
~Otho Cremonensis~ (dragantum i. e. vitriolum!) Traganthum +neben+
Dragagantum bei ~Cordus~ (I, S. 803). The rates of marchandizes
(1635, I, S. 921) führt Gum Tragagant auf und gum Tragacanthum steht
bei ~Berlu~ 1724 (I, S. 950). Die erste Beschreibung des Austrittes
des T. gab ~Tournefort~ (I, S. 907, Fig. 411). Die erste Beschreibung
einer Traganthpflanze ~Labillardière~ 1790 (oben S. 389). Bei
~Pomet~ (I, S. 942), der in der 2. Aufl. auch Stalie (Satalia) als
Ausfuhrhafen angibt, findet sich eine recht gute Abbildung eines
_Traganth_strauches. ~Pomet~ erwähnt Einschnitte in Stamm und Wurzel
und bemerkt, daß die Pflanze in Syrien (um Aleppo) wachse. Er erwähnt
vom gomme adragan die drei noch heute üblichen, besonders durch ihre
Farbe unterschiedenen Handelssorten. St. F. ~Geoffroy~ (I, S. 947),
der eine pyrochemische Analyse mitteilt, bemerkt: «ex Creta, Asia et
Graecia affertur».
Die von ~Briquet~ behauptete Traganth- und Harz- und kombinierte
Traganth-Harz-Leimung des alten Papiers, welcher der Leimung mit
Tierleim vorangegangen sein sollte, konnte von ~Wiesner~ in keinem
Falle konstatiert werden. Doch fand ~Kobert~ Traganth in der Appretur
frühmittelalterlicher Papiere aus Turfan und Khotan.
=Lit.= ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Flückiger-Hanbury~,
Pharmacographia. -- ~Heyd~, Levantehandel II, 654. -- ~Wiesner~,
Papyr. Rainer 1887. -- ~Kobert~, Zeitschr. Angew. Chem. 1910, 1249.
-- ~Tristam~, Nat. hist. of the bible 1898.
Falsche Traganthe.