Blätter ganz. Es besteht selbst bei der Sorte Ia aus ziemlich großen,
gelblich gefärbten, derben, +dicken+, gezonten oder fächerförmigen
Stücken, die oft konzentrische Wülste zeigen, und bei der Sorte IIa an
der Ansatzstelle Reste der Rinde erkennen lassen.
4. Das +griechische oder Morea-Traganth+ ist jetzt fast gar nicht
mehr zu finden. (Er fehlte 1910 in den deutschen Preislisten.) Es
repräsentiert im allgemeinen den Typus des Wurm- oder Fadentraganth
(Fig. 137). Das beste +Moreatraganth+ meiner Sammlung bildet
+wurmförmige+ oder knollige oder traubige Stücke, oder kurze, derbe,
fächerartige Blätter. Die schlechteren Sorten sind mehr oder weniger
gelb-bräunlich gefärbt, die besseren hellgelb. Das mir kürzlich durch
~Emmanuel~ aus Kreta zugesandte Traganth bildet relativ dicke gelbliche
Blätter und knollige Stücke. Es ähnelt den schlechteren Sorten des
persischen Traganth. Kreta und Griechenland lieferten 1910 kein
Traganth mehr für den Handel (~Emmanuel~).
[Illustration: Fig. 136.
Die Auslese des Traganth (Working traganth) in London. [+Heap+ in
+Greenish+, Textbook.]]
5. Unter +Traganthon+ versteht der Handel die schlechtesten
ausgelesenen Stücke, die eine gelbe, rötlichgelbe oder gelbbräunliche
Farbe besitzen. In den Mustern meiner Sammlung prävalieren die
kugeligen, knolligen, traubigen und wurmförmigen Stücke.
Zu dieser minderwertigen Sorte ist auch das +Kuteragummi+ (auch
kurzweg Kutera oder Kutira genannt) zu rechnen, ein aus Nordpersien
von _A. heratens._ und _strobiliferus_ stammendes T. (s. oben) mit
deutlichen Membranresten, das früher bald von _Acacia leucophloea_
(~Th. Martius~), bald von einem _Mesembryanthemum_ (~Virey~),
bald von einem _Cactus_ (~Desvaux~ et ~Damart~) abgeleitet wurde.
Kuteragummi löst sich in Wasser unter Druck bei 120° und zeigt dann
die Eigenschaften des arabischen Gummi, ist also nach ~Giraud~
identisch mit dem unlöslichen arabischen Gummi von ~Gélis~ und dem
Cerasin ~Guérins~. Auch das +Mosul-Gummi+ (Moussoli) ist wohl nur ein
schlechteres Traganth (~Hanbury~, nach anderen Pruneengummi).
Zu den echten Traganthen gehört auch, wie die mikroskopische
Untersuchung lehrt, das +Bombay-Traganth+, das in Indien eine
Rolle spielt. Die Muster meiner Sammlung bilden gelbliche oder
gelbbräunliche, knollenförmige oder traubige oder wurmförmige, im
Querschnitte oft rundliche Stücke, Blätter sind selten.
Unter dem Namen +gomme de Sassa+ (Lassa) und +Pseudoadragante+
beschrieb ~Guibourt~ (Journ. chim. méd. 1832, 419 und Hist. d. drog.
7 ed. III, 450) zwei nach der mikroskopischen Untersuchung von
Traganthsträuchern stammende T., von denen er das eine für identisch
hält mit dem Gomme de Sassa von ~Bruce~ (Voyage en Abysinie), von der
Pflanze _Inga Sassa_ ~Willd.~, das andere zum Bassoragummi zieht, das
er, sowie ~Mérat~ et ~Lens~ (Diction. III, 403, I, 80), als von _A.
gummifer_ abstammend ansieht. Beide enthalten viel Stärke. Das in
meiner Sammlung als _Inga Sassa_ (?) bezeichnete, aus im Querschnitt
runden, langen Fäden oder Stäben bestehende T. ist durch eine feine
helle netzleistenartige Zeichnung der Oberfläche ausgezeichnet, die
aus Gefäßbündelresten besteht. Es scheint sich hier um den ganzen
isolierten verschleimten Markzylinder nebst den umgebenden Resten des
Holzkörpers zu handeln, der vielleicht nach Dekapitieren der Stengel
herausgequetscht wurde. Auch ~Hanbury~, der die Traganthsträucher am
Libanon beobachtete, berichtet, daß, wenn man einen Traganthstrauch
dekapitiert, aus dem Marke ein langer Gummifaden hervortrete.
=Handel.= Es wurden nach +Deutschland+ eingeführt 1905 (1904)
Traganth aus +Persien+ 815 (471), aus +Arabien+ 390 (46), +Syrien+
382 (507), +Ägypten+ 345 (78), +Kleinasien+ 700 (388), +Brit.
Ostindien+ 116 (24) dz. (~Grossmann~). Wir ersehen aus dieser Liste
nur die Ausfuhr-, nicht die Produktions-Länder. 1909 importierte
Deutschland 6148 dz., davon die Hälfte aus der asiat. Türkei, viel
auch aus Persien, etwas aus Brit. Indien. Für den Import kommen in
Betracht: New York, London, Marseille, Hamburg. Die Einfuhr nach
+Hamburg+ betrug 1904: 2618, 1905: 3340, 1906: 4616, 1907: 4747,
1908: 4613, 1909: 4346 dz. Nach Hamburg kommt viel _Traganth_ via
London, dann aus Persien, Arabien, Brit. Ostindien, Kleinasien, wenig
aus Ägypten, Syrien und der europäischen Türkei. Die Einfuhr von _Gum
Traganth_ nach +London+ betrug 1906: 13994, 1907: 13495, 1908: 13225,
1909: 13856 packages (Ballen). Amerika ist ein starker Abnehmer für
anatolisches, Rußland für persisches T. Die Einfuhr von _Traganth_
nach +Nordamerika+ betrug 1908: 1309759, 1909: 1315091 pounds.
Traganthmarkt ist für den Export von anatolischem T.
+Konstantinopel+, dann: Smyrna, Mersina, Samsoun. Jetzt geht ⅔ nach
Konstantinopel, ⅓ nach Smyrna (1892: 80% nach Konstantinopel, 20%
nach Smyrna). T. wird in Kleinasien nach Oka gehandelt (1 Oka = 1283
g). Die Ausfuhr Smyrnas betrug 1874: 4500 cwt (~Scherzer~), 1905:
59794, 1906: 44142, 1907: 51310, 1908: 34566 kg. (Im Durchschnitt
4-5000 Sack.) Die anatolische Ernte betrug 1894: 480000 kg,
1908: 475000 kg, 1909 nur 400000 kg, d. h. nur ⅔ des früheren
Durchschnitts (~Gehe~). 1904 und 1905 wurden in Anatolien 400000 Oka
geerntet.
Das persische T. gelangt zum Teil via Bagdad über die Häfen des
persischen Golfes, ein Teil auch über Ostindien nach Europa. Bagdad
empfing 1903: 1496 Kharvar (1902: 1410) Traganth. Nach Rußland
wurde via Tâbris (in Nordwestpersien) und Resht (am Caspimeer)
etwa ein Drittel dieser Menge exportiert. Persisches Traganth
wird meist nach Batman (I, S. 185) gehandelt. Man sortiert in
Persien in 5 Qualitäten, davon gelangen die 3 besten zur Ausfuhr
(1903). Für persisches (und syrisches) T. bildet jetzt London den
Haupthandelsplatz.
=Morphologie der Droge.= Die Form des Traganth ist abhängig von den
Öffnungen, aus denen es austritt: Aus Längseinschnitten tritt das
Blättertraganth aus, dessen mehr oder weniger derbe, oft auf weite
Strecken hin genau parallel verlaufende Streifung (Fig. 137, 1) von
der Konfiguration der Wundränder, an denen es vorbei geschoben wird,
bedingt wird, aus Löchern tritt das Traganth in Form von Tropfen, Fäden
oder trauben- bzw. wurmförmigen Massen aus. Die Blätter zeigen oft eine
eigenartige Zonenbildung. Dementsprechend zeigt das Traganth folgende
typische Formen:
1. In ihrem Verlaufe nahezu gleich breite, bei größerer Länge spiralig
gedrehte, «gelockte», relativ dünne, aber überall fast gleich dicke
+Bänder+, die parallele Streifung und oft einen wellig verbogenen Rand
zeigen (Fig. 137, 1).
2. An den Enden mehr oder weniger breit ausladende +gezonte Blätter+
von verschiedener Dicke mit oft deutlicher, rechtwinklig zu den Zonen
verlaufender Streifung (Fig. 137, 2). Die Zonen deuten wohl auf
einen durch Wechsel in der Witterung, der Temperatur oder Belichtung
hervorgerufenen +stoßweisen+ Austritt.
3. +Fächerförmige+ Stücke mit deutlichen Zonen und Radialstreifen (Fig.
137, 3).
4. Dicke, +wurmförmige+, hin und her gebogene, knollige Stücke, mit
glatter, unter der Lupe oft rissig erscheinender Oberfläche (Fig. 137,
4).
5. Gekrümmte, mehr oder weniger dicke, im Querschnitt oft rundliche
+Fäden+ (Fig. 137, 5).
6. Zu unförmlichen Massen +zusammengeschlungene+, gelockte oder
gekräuselte Fäden und Würmer (Fig. 137, 6).
7. Tropfenartige, meist ovale Stücke von verschiedener Größe, bisweilen
zu derben, knolligen Massen vereinigt (F. 137, 7).
Die ersten drei Formen bilden das +Blättertraganth+ (adragante en
plaques, leaf-gum, flaky-g.) und aus diesem bestehen die besten Sorten.
Die Bänder sind oft c. 10-15 mm breit und c. 1 bis 1,5 mm dick. Ihre
Länge variiert. Ich besitze in meiner Sammlung 21 cm lange Bänder! Sie
sind bald hell und durchsichtig wie Glas, bald weiß, bald gelblich,
bald gelb oder gar bräunlich gefärbt. Man unterscheidet daher im
Handel: +Weißblatt+, +Blondblatt+ und +Gelbblatt+. Weißblatt hat stets
ein dünneres Blatt als die beiden anderen und bildet die besten Sorten
des Handels.
[Illustration: Fig. 137.
Formen des _Traganth_ (vgl. den Text). 1 Typus 1, 2 Typus 2, 3 Typus 3,
4 Typus 4, 5 Typus 5, 6 Typus 6, 7 Typus 7. [+Tschirch.+]]
Die drei weiteren Formen (4-6) bilden das +Wurmtraganth+ (vermicelli,
T. vermicularis), +Stengeltraganth+, +Sesam seed+ und +Fadentraganth+
(adragante en filets), die letzte das +Knollentraganth+. Diese Formen
finden sich nur in minderwertigen Sorten, wie besonders im +Traganthon+
und +Skardo+ (common, sorts).
=Bildung und Anatomie.= Die Ausscheidung des Traganth wurde zuerst
von ~Tournefort~ an _A. creticus_ auf dem Ida in Creta studiert (I,
S. 907, Fig. 411). Er hält das Traganth für den durch die Hitze
im Juni und den folgenden Monaten verdickten Nahrungssaft, der
durch Zusammenziehung der Holzfasern herausgepreßt werde. Er, wie
~Olivier~, der die Ausscheidung in Persien an _A. verus_ beobachtete,
glauben, daß die als Austrittsstellen dienenden Wunden durch Tritte
von Tieren hervorgebracht werden. ~Olivier~ gibt die Zeit der größten
Sommerhitze als Zeit des Austretens an. ~Labillardière~ beobachtete
die Ausscheidung auf dem Libanon an _Astragalus gummifer_ im August,
~Landerer~ an _A. aristatus_ im August und September. Schon in
~Ritters~ Erdkunde findet sich die Angabe, daß bisweilen Einschnitte
gemacht werden. ~Labillardière~ gibt an, daß auf dem Libanon wolkige
Nächte und starker Tau zum Austreten des Gummis nötig sind, daß
dasselbe nur während der Nacht und kurze Zeit nach Sonnenaufgang
reichlich ausfließt und daß auf den tiefer gelegenen Stellen des
Libanon wachsende Sträucher, die zwar starker Tageshitze, aber wenig
nächtlicher Feuchtigkeit ausgesetzt sind, nur wenig Traganth liefern.
Auch ~Fraas~ hält das Ausfließen für abhängig von der Witterung und
meint, daß die größte Ausscheidung erfolgt, wenn auf kalten Regen
große Hitze folge. ~Treviranus~ spricht von einer gesteigerten
Sekretion. Die Ansicht von ~Kützing~, daß das Traganth ein Pilz sei,
hat dann ~Mohl~, der die Bildung des Traganth durch Untersuchung
der Zweige zahlreicher _Astragalus_-Arten im wesentlichen richtig
ermittelte, widerlegt. Er zeigte, daß es einer Vergummung des Markes
und den Markstrahlen seine Entstehung verdankt. Er fand die Reste
der Wand und die Stärke im Blätter- und Wurmtraganth, weniger im
syrischen, der mehr und größere Stärkekörner enthält. ~Wigand~,
~Wiesner~ und ich haben dann die Sache weiter verfolgt. Bereits
~Unger~ setzte übrigens das Traganth in Parallele zu den sekundären
Schleimmembranen bei _Linum_ und _Cydonia_, und schon ~Schmidt~
sah 1844 Reste von Zellmembranen und Stärkekörner im Traganth.
~De Candolle~ meint, daß das Aufschwellen des T. in Wasser davon
herrühre, daß das Gummi «in Zellen eingeschlossen» sei.
[Illustration: Fig. 138.
Querschnitt durch einen Sproß von _Astragalus gummifer_. Mark und
einige primäre Markstrahlen in voller Gummose, an einer Stelle ist das
_Traganth_ ausgetreten. Schh Schleimhöhlen der Rinde. [+Tschirch.+]]
[Illustration: Fig. 139.
Querschnitt durch das Mark und den inneren Teil des Holzkörpers von
_Astragalus gummifer_ mit Hauptmarkstrahl im Mark. 0-4 die sukzessiven
Stadien der Schleimbildung. [+Tschirch+, Angew. Anatomie 1888.]]
[Illustration: Fig. 140.
_Blättertraganth._ Querschnitt in Alkohol unmittelbar nach dem
Zufließenlassen von Wasser. [+Tschirch.+]]
Das Traganth entsteht durch Bildung von Schleimmembranen in den
Zellen des Markes und der Markstrahlen der Stammorgane der Traganth
liefernden Pflanzen und Zusammenfließen der Zellen zu Schleimmassen,
wobei die Mittellamelle entweder erhalten bleibt oder mit zugrunde
geht, schließt sich also an die Bildung der Schleimhöhlen bei den
Malvaceen, Tiliaceen und Sterculiaceen an. Durchschneidet man einen
mehrjährigen Sproß von _Astragalus gummifer_, so erhält man folgendes
Querschnittsbild. Die Rinde ist außerordentlich reich an großen
Bastzellgruppen, innerhalb welcher eine nicht eben mächtige Innenrinde
(Siebteil) liegt. Der Bastzellpanzer ist schon bei den einjährigen
Zweigen so gewaltig, daß er bei weitem den größten Teil der Rinde
einnimmt. Der Holzkörper besteht aus sehr zahlreichen Gefäßen, breiten
Libriformgruppen und wenig Holzparenchym. Er wird durchzogen von nicht
eben sehr zahlreichen, ein- oder zweireihigen Nebenmarkstrahlen und
großen und bisweilen bis zehn Zellen breiten Hauptmarkstrahlen, deren
Zellen die bekannte Radialstreckung der Markstrahlzellen zeigen. Durch
die Markstrahlen wird der Holzkörper in im Querschnitte keilförmige
Abschnitte geteilt (Fig. 138). Im Innern liegt das Mark. In diesem
findet die Bildung der Schleimmembranen in erster Linie statt. Dieselbe
beginnt im Zentrum des Markes und schreitet nach der Peripherie
zu fort. So kommt es, daß man schon bei zweijährigen Zweigen alle
Stadien der Vergummung nebeneinander zu sehen bekommt (Fig. 139).
Die zu äußerst liegenden Markzellen sind noch gänzlich normal. Ihre
unverdickten Membranen geben die Zellulosereaktion. Weiter nach innen
zu werden die Membranen dicker. Bei den noch tiefer liegenden Schichten
ist schon kaum noch das Lumen zu erkennen (vorausgesetzt, daß der
Schnitt mit Wasser benetzt war und in Glycerin betrachtet wurde). Das
oft verzerrte Lumen läßt häufig noch kleine Stärkekörner erkennen,
die nur zum Teil zum Aufbau der Membranen aufgebraucht werden. Die
Membran gibt nur noch eine geringe Zellulosereaktion, Schichten sind
in ihr oft sehr deutlich zu erkennen. In der einzelnen Zelle schreitet
die Vergummung der Wand von außen nach innen fort, so daß man also
in den innersten Schichten eine deutliche Zellulosereaktion auch
dann noch erhält, wenn die mittleren bzw. äußeren sie nur noch sehr
schwach zeigen. Bei den noch tiefer liegenden Schichten ist nur noch
die Mittellamelle als zartes Häutchen erkennbar, alles übrige ist
vergummt, mit einziger Ausnahme einiger Stärkekörnchen. Ganz im Innern
ist alles vergummt, doch sind selbst hier noch die Zellkonturen schwach
zwar aber doch erkennbar erhalten. Bei den älteren Zweigen schreitet
die Gummose immer weiter zur Peripherie des Markes vor und dringt
nun auch in die breiten Hauptmarkstrahlen ein. Auch hier beginnt die
Vergummung in den innersten Partien und schreitet gegen den Rand hin
fort. Auch die Nebenmarkstrahlen scheinen der Vergummung bisweilen
(aber jedenfalls selten) anheimzufallen. Ja selbst im Holzkörper sind
bisweilen einige Gefäße nebst ihrer Nachbarschaft in Gummose begriffen
und in dickeren Stengeln sah ich auch Gummidrusen in der Rinde (Fig.
138 Sch h). In erster Linie jedoch entsteht das Traganth, wie schon
~Mohl~ erkannte, durch eine +zentrifugal fortschreitende+ Metamorphose
der Zellmembranen des Markes und der primären Markstrahlen der
Stengel. (In der Wurzel scheint das Traganth anders zu entstehen,
~Lutz~.) Tritt nun die Regenperiode ein, und nimmt die Pflanze
reichlich Wasser aus dem Boden auf, so quellen die vergummten Partien
stark auf und werden, wenn nun Trockenheit folgt, durch die schmalen,
ebenfalls vergummten Hauptmarkstrahlspalten herausgepreßt, die Rinde
durchbrechend: sie werden also als breite, +senkrecht gestellte+ Bänder
aus der Rinde hervortreten und diese Form besonders dann annehmen, wenn
Längseinschnitte gemacht wurden. Ist der Übergang von Feuchtigkeit
zur Trockenheit ein allmählicher, so werden die Bänder in langen
gekrümmten Streifen hervortreten, ist der Übergang ein plötzlicher, so
wird die Schleimmasse in Klumpen herausgedrückt. In beiden Traganthen
kann man jedoch, wenn man dünne Querschnitte herstellt, noch deutlich
die organische Struktur erkennen: nicht nur die Reste der Zellhäute,
sondern ganze Zellen, sowie einzelne oder zu länglichen oder runden
Gruppen vereinigte Stärkekörner sind noch, namentlich bei Anwendung
von Jodlösung, im Lumen der Zellen gut nachzuweisen (Fig. 140). Die
Stärkekörner gehören also den Schleimzellen an und sind nicht aus
anderen Geweben beim Herausquellen des Schleims mitgerissen worden. Die
wenigste Stärke enthält das kleinasiatische und syrische, schon mehr
das persische, am meisten das Moreatraganth, bei dem auch die meisten,
zum Teil ziemlich hoch zusammengesetzten, Körner vorkommen. Bei dem
persischen Traganth steigt die Größe der Stärkekörner bis auf 20 mik
und mehr.
Bei Herbarmaterial von _Astragalus brachycalyx_ ~Fisch.~ fand
~Weyland~ in den Zellen der Markperipherie, der primären Rinde und
der Markstrahlen einen festen, durchscheinenden, vom Plasmaschlauch
umschlossenen Zellinhalt, der sich mit Jod blau färbte. (War das
Material vielleicht erhitzt?)
Die Schichtung der herausgequetschten Schleimzellen ist beim syrischen,
anatolischen und persischen Traganth vorzüglich zu sehen, wenn man zu
dem in Alkohol liegenden Schnitte durch das Traganth Wasser vorsichtig
zufließen läßt, wenig deutlich fand ich sie beim Moreatraganth.
Bombaytraganth und Kuteragummi (abgeb. bei ~Wigand~) zeigen ebenso wie
Traganthon auch geschichtete Membranen und Stärkekörner im Lumen. Sie
entstehen also auch wie kleinasiatisches.
Eine ähnliche Schleimbildung scheint übrigens bei den Malvaceen
_Kydia calycina_ (Rinde) und _Bombax malabaricum_ (Rinde)
vorzukommen (Pharmac. indica). Bei _Bombax_ scheint es sich um einen
pathologischen Gummifluß zu handeln. Auch das Gummi der indischen
Moringacee, _Moringa pterygosperma_ ~Gärtn.~ (gomme de benailé) zeigt
typische Schleimzellen mit geschichteter Membran, aber keine Stärke
(~Wiesner~).
In der Regel zeigen die Traganthschleimmassen keine Zellulosereaktion
mehr. Doch beobachtete ~Mohl~ bei einigen _Astragalus_arten, die
allerdings niemals Traganth liefern, eine vorübergehende Blaufärbung
mit Chlorzinkjod. Da sich aber die jungen Schleimmembranen stets mit
Chlorzinkjod färben, die alten nicht, so findet also beim Traganth
eine Umbildung des Zelluloseschleims in echten Schleim statt, was
wir bei den Malvaceenschleimzellen niemals beobachten, bei denen die
Schleimmembran sofort als echter Schleim aufgelagert wird.
=Lit.= ~Tournefort~ (vgl. I, S. 907). -- ~Olivier~, Reise durch d.
türk. Reich III, 293. -- ~Labillardière~ a. a. O. -- ~Fraas~, Synops.
plant. flor. class. p. 59. -- ~de Candolle~, Astragalogia 1802. --
~Treviranus~, Physiol. II, 21. -- ~Kützing~, Philosoph. Botan. I,
203 und Arch. Pharm. 8 (1851), -- ~Unger~, Anatom. u. Phys. d. Pfl.
-- ~Mohl~, Unters. über d. Entstehungsweise d. Traganthgummi. Botan.
Zeit. 1857, 33. -- ~Wigand~, Desorganisat. d. Pflanzenz. Pringsh.
Jahrb. f. wiss. Bot. 3 (1861), 115. -- ~Wiesner~, Gummi u. Harze
1869 und Rohstoffe. -- ~Tschirch~, Angew. Anatomie 213 u. Fig. 214.
-- ~Solms-Laubach~, Bot. Zeit. 1874. -- ~Weyland~ bei ~Solereder~,
Systemat. Anatomie, S. 301. -- ~Flückiger-Hanbury~, Pharmacograph. --
~Hartwich~, Artikel Traganth in Realenzykl. d. Pharm. -- ~Lutz~, Sur
le mode de formation de la gomme adragante. Compt. rend. 1910, 1184
und Bull. soc. bot. France 57 (1910), 250.
Betrachtet man das +Pulver+ in Alkohol, so sieht man zwischen einer
körnigen Masse viele unregelmäßige helle Schollen. Läßt man alsdann
Wasser zufließen, so quellen diese auf und lassen, bevor sie undeutlich
werden, zunächst oft sehr deutliche Schichtung erkennen (Fig. 140).
Tritt dann Jodlösung hinzu, so sieht man zahlreiche einzelne oder zu
rundlichen bzw. gestreckten Gruppen vereinigte Stärkekörner zwischen
unregelmäßigen Häuten. Die Körner sind meist rundlich, einfach oder
zu zwei bis vielen zusammengesetzt, klein, 2-4 mik breit, doch
kommen auch größere (bis 25 mik) vor (4-15, ~Wiesner~). ~Koch~, der
auch verquollene sah, fand sie 1-20, meist 6-10 mik breit mit oft
auffallender Kernhöhle. Bisweilen fand ich im Traganthpulver auch
einige Fragmente der Bastfasern und Gefäße der Traganthpflanze,
seltener Rindenparenchymfetzen.
=Lit.= ~Moeller~, Pharmakogn. Atlas t. 43. -- ~Koch~, Atlas IV, S.
193, Fig. 16. -- ~Kraemer~, Proc. amer. pharm. assoc. 1898, 306.
=Chemie.= Über die Chemie des Traganth herrscht keine Klarheit, da
es sehr verschiedene Sorten gibt und selten klar gesagt ist, welche
untersucht wurde. Daß die einzelnen Sorten chemisch verschieden sind,
ist zweifellos, denn die Menge der bei der Hydrolyse auftretenden
Produkte ist verschieden (~Dreyfus~). ~J. Ogle~ fand z. B. in
+syrischem+ Traganth neben 18,92% Feuchtigkeit 35,94% lösliches
«Gummi», das durch Alkohol, bas. und neutrales Bleiacetat fällbar war
(nicht durch Borax), und nach dem Kochen mit Salzsäure +Fehling+sche
Lösung reduzierte, 42,39% «unlösliches Gummi», löslich in Kalilauge und
2,75% Asche. ~Masing~ fand in +Smyrnaeer+ Traganth 3,34 (1.84)% Asche,
12,11 (10,91)% Feuchtigkeit und 23,08 (19,14)% lösliche Substanz.
~Gerstner~ in +Kutera+ 14% H₂O, 44,6% Bassorin, 27,5-30% lösliches
Gummi, 3,2-4% Asche.
Nach ~Williams~ beträgt die Gesamtkaliabsorption 11,05-11,98, das
Verseifungsäquivalent 468-508, Kali zur Neutralisation der freien Säure
0,14, Jodabsorption keine bzw. 0,16, Verlust bei 100° 13,52-16,86,
Asche 2,64-2,69. Traganthschleim läßt sich mit Ammonsulfat aussalzen
(~Pohl~).