Zu den Rinden mit Schleimzellen gehört auch die jetzt nur wenig

benutzte =Cort. ulmi= von _Ulmus effusa_ ~Willdenow~, unserer Rüster,

die neben Schleim auch Gerbstoff enthält und die im Sommer bisweilen

sogar reichlich Schleim ausschwitzt (~Flückiger~, Pharmakognosie S.

513).

Noch schleimreicher ist die Rinde der nordamerikanischen _Ulmus fulva_

~Michaux~ (Pharmacographia p. 557).

Die Chinesen bedienen sich außer der Lein- und Quittensamen gern auch

der Ulmenrinde als Mucilaginosum (I, S. 521).

7. Gummo-Membranindrogen.

Die Gummis.

Das Gummi schließt sich an die Schleimdrogen (Koryzomembranindrogen)

an. Das _Traganth_ bildet den Übergang zwischen den typischen

Schleimdrogen, wie sie z. B. bei den Malvales vorliegen, und dem

_Gummi arabicum_, denn bei ihm findet Schleimmembranbildung statt,

ähnlich wie bei den oben (S. 314 bis 374) behandelten Schleimdrogen.

Doch liegen hier die Schleimzellen nicht isoliert, sondern bilden ein

ganzes Schleimgewebe, das bei Verletzungen herausgequetscht wird. +Die

Bildung selbst ist nicht pathologisch.+ Bei den Gummis im engeren

Sinne dagegen scheinen pathologische Produkte vorzuliegen. ~Sorauer~

und ~Grüss~ haben freilich neuerdings nachzuweisen versucht, daß die

Gummosis aus einem normalen Stoffwechselprozesse hergeleitet wird

und nicht ein dem gesunden Organismus ganz fremder Prozess sei, aber

auch sie geben doch zu, daß Wundreiz, Störungen in der Ernährung,

Bakterieninfektion u. a. dazu beitragen, daß dieser Prozeß irregulär

verläuft und eine starke Steigerung erfährt. Jedenfalls ist eine

irgendwie +ergiebige+ Gummibildung ohne pathologische Eingriffe nicht

beobachtet worden, eine +Steigerung+ der Gummibildung durch den

äußeren Reiz zweifellos. Damit tritt die Gummosis in Parallele zur

Resinosis. Denn wir beobachten ja, daß eine Verwundung die bei vielen

Pflanzen normale Harzproduktion durch Ausbildung neuer sekretbildender

Organe stark steigert (Gesetz des Harzflusses, I, S. 363). Ebenso fand

~Mikosch~, daß die das Gummi bildenden Gewebeinseln («Gummiparenchym»)

bei den Amygdalaceen erst infolge der Verwundung im Cambium angelegt

werden, und zwar zunächst als schizogene Gänge, die sich dann lysigen

erweitern -- ganz ähnlich wie bei den Harzpflanzen. Diese Analogie

wird noch dadurch größer, daß wir in beiden Fällen, der Gummi- wie der

Harzbildung, eine Membranschicht beteiligt sehen und der Unterschied

eigentlich nur darin besteht, daß in dem Falle der Gummibildung die

betreffende Membranschicht +gummogen+, bei der Harzbildung aber

+resinogen+ ist, bei der Harzbildung in der resinogenen Schicht das

Sekret entsteht, während bei der Gummibildung die ganze Membranpartie

«vergummt» -- womit übrigens nichts gesagt sein soll, daß hier eine

als Zelluloseschicht angelegte Membranpartie nachträglich in Gummi

übergeführt werden müsse, das Gummi kann auch sogleich als solches

angelegt werden, wie wir dies ja auch bei den Schleimmembranen

beobachten. Über die +Gummosis+ wird im Zusammenhang unter _Gummi

arabicum_ berichtet.

Auch die chemische Untersuchung läßt keinen Zweifel darüber, daß

die Gummis zu den Membranindrogen gehören. Sie besitzen durchaus

den Charakter von Polysaccharid-Membraninen. Die Hydrolyse liefert

für gewöhnlich Galaktose und Arabinose (über die nahen Beziehungen

dieser beiden Zucker vgl. S. 274). Dies gilt auch für den Gummianteil

der Gummiharze. Eine Einteilung der Gummis in Arabin-, Cerasin-

und Bassorinhaltige (vgl. ~Tschirch~, Artikel Gummi in der

Realenzyklopädie) hat wenig inneren Wert. Die Unterscheidung in ganz

oder nur teilweise in Wasser lösliche besitzt jedoch praktische

Bedeutung (vgl. _Gummi arabicum_).

Ein Verzeichnis der Gummi liefernden Pflanzen in ~Wiesner~, Rohstoffe.

=Lit.= ~Tschirch~, Artikel Gummi in Realenzyklop. d. Pharm. und

Angew. Anatomie. -- ~Wiesner~, Rohstoffe. Die weitere Lit. unter

Gummi arabicum.

Traganth.

=Syn=. Gomme adragante (franz.) -- tragacanth (engl.) -- tragacánth

(holl.) -- gomma adragante, g. dragante (ital.) -- goma tragacanto

(span.) -- dragant (schwed.) -- τραγάκανθα (griech.) -- pers. und

arab. (auch in Indien und Afghanistan): kathîra, katâd, kettira,

katira, kutera, katera, chitira, halusia -- kurdisch: guini -- bei

den Türken: ketereh. -- Der Traganthstrauch in Kleinasien: ketré oder

τραγακάνθινος, in Persien (z. B. im Harirud-Tale, ~Aitchison~): kon

(_A. strobilif._) oder gabina (_A. heratens._). -- In Afghanistan

heißt schlechtes Traganth: anserus. -- Das nechóth, nᵉkhōth der Bibel

(Genes. 37 u. 43) ist wohl = nakaʿat (arab.), nakamâti (assyr.), d. h.

als Traganth anzusprechen; ~Luther~ übersetzt (jedenfalls fälschlich)

Würze, ~Kautzsch~ Traganth.

=Etym.= Da Lehnwort aus dem griechischen τραγάκανθα Traganth und

nicht Tragant. Ebenso auch Traganthon, nicht Traganton. Eigentlich

muß man +die+ Traganth sagen, denn ~Theophrast~ schreibt ἡ

τραγάκανθα, doch ist jetzt der oder das Traganth gebräuchlicher.

Ich schreibe +das+ Traganth (scil. gummi). -- τραγάκανθα von τράγος

(= Bock) und ἀκάνθα (= Horn oder Dorn) entweder in Beziehung zu der

dornigen Beschaffenheit des Strauches oder der oft bockshornartigen

Form des herausgedrückten Schleims -- ἀστράγαλος = Würfel,

Halswirbel. Beziehung zweifelhaft, von einigen auf Stengel und

Wurzeln, von anderen auf die Samen bezogen.

=Stammpflanzen= des kleinasiatischen Traganth (nach ~Haussknecht~,

1879, und ~Planchon~, 1892):

=Astragalus gummifer= (nicht gummifera wie der Autor schreibt)

~Labillardière~ (A. erianthus ~Willd.~), vom Libanon durch die

zentralen Gebirge Kleinasiens, um Kaisarieh bis nach Armenien, ferner

im Ala-dagh und in den nördlichen Gebieten des Euphrat und Tigris.

=A. microcephalus= ~Willd.~ Ebenda und auch im südwestlichen Teile

Kleinasiens (von Lycien bis Armenien und Iberien, Cappadocien,

Paphlagonien).

=A. stromatodes= ~Bunge~, besonders in Höhen von 1500 m im Achyr dagh

(Akker-dagh, Taurus) nördlich von Marasch in Nord-Syrien und zwischen

Marasch und Aleppo. Liefert viel Traganth.

=A. kurdicus= ~Boiss.~ Gegend von Aintab zwischen Marasch und

Aleppo, dann im südöstlichen und zentralen Kleinasien und Kurdistan

(Nordsyrien, Cilicien, Cappadocien). Liefert viel Traganth.

=A. verus= ~Olivier~ in Kleinasien (und Nordwestpersien, Kermanchah).

Stammpflanzen des persischen Traganth (nach ~Haussknecht~, ~Brant~ und

~Aitchison~):

=A. pycnocladus= ~Boiss.~ et ~Hausskn.~ in den Avroman- und

Schaho-Bergen in der Provinz Ardilan, überhaupt in den Gebirgen

Westpersiens (Zagrosketten) weit verbreitet (Kurdistan). -- Sehr

reichlich Traganth gebend.

=Astragalus adscendens= (ascendens) ~Boiss.~ et ~Hausskn.~ (nicht im

Kew Index), in den südwestlichen Gebirgsgegenden Persiens in Höhen bis

3000 m.

=A. leiocladus= ~Boiss.~, im mittleren und westlichen Persien, bei

Isphahan und Hamadan.

=A. brachycalyx= ~Fischer~, in den gleichen Gegenden, besonders in

persisch Kurdistan, in Luristan 1300-2600 m.

=A. heratensis= ~Bunge~ und =A. strobiliferus= ~Royle~ (resp. eine

diesem verwandte Art) im Harirud(Heri-Rud)-Tale und in den Bergen

Chorasans im nordöstlichen Persien (~Aitchison~).

=A. eriostylus= ~Boiss.~ et ~Hausskn.~, wird in Luristan

(Südwestpersien) 2 m hoch und 1 cm dick (~Haussknecht~).

=Stammpflanze= des griechischen (Morea) Traganth (nach ~Heldreich~,

1862).

=Astragalus Parnassi= ~Boiss.~ =var. cyllenaeus= (A. cyllenaeus

~Boiss~. et ~Heldr.~) bei Vostizza und Pratras, im nördlichen

Peloponnes, auf dem Boïdias, Taygetos und Phteri. Auf den höheren

Bergen Griechenlands wächst auch A. creticus, A. aristatus und

cephallonicus.

Die Sekretion bei A. creticus ~Lam.~ (Tragacantha cretica incana

~Tournef.~) ist zu gering, um für den Handel in Betracht zu kommen

(~Olivier~), ebensowenig liefert A. massiliensis ~Lam.~ (A. Tragacantha

L.) Traganth.

=Systemat. Stellung.= Astragalus gehört zu den Leguminosae,

Papilionatae -- Galegeae -- Astragalinae (in die Nähe von Glycyrrhiza);

die Traganthsträucher zu der Sectio VII Tragacantha ~Bge.~ und zwar zu

den Gruppen Brachycalyx, Platonychium, Stenonychium und Rhacophorus.

(Näheres bei ~Taubert~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam.)

Die Gattung _Astragalus_ ist eine der artenreichsten der Leguminosen

(über 1200). Sie ist über die ganze Erde außer Australien und

dem Cap verbreitet und auch bei uns mit einigen dornlosen Arten

(_A. excapus_, -- früher in Gebrauch: _Rad. astrag. excapi_ --

_A. Cicer_, _A. glycyphyllos_, _A. danicus_ usw.) vertreten. Die

_Traganth_ liefernden Arten finden sich aber nur in Kleinasien,

Syrien und Persien (sowie in Griechenland). «Ihre Heimat sind die

ausgedehnten Gebirgszüge, welche östlich von der Linie aufsteigen,

die man von der Insel Rhodus etwa durch Angora nach Sinope am

schwarzen Meere zieht. Diese zahllosen Ketten umfassen den Südrand

Kleinasiens, die syrische Küste, umfassen Mesopotamien bis zu den

großen armenisch-persischen Seegebieten von Wan und Urmia, verzweigen

sich bis in die Gegend von Kaschan und Isfahan und endigen unweit

des persischen Golfes im Gebirge von Mohamed Senna, nordwestlich

von Schiras» (~Flückiger~). Die _Traganth_sträucher bilden eine

+charakteristische Vegetationsform+ des östlichen Mittelmeergebietes

und der angrenzenden persischen Gebiete, die eigenartigste Form

des Dornbusches der Steppen. «Durch keine Pflanzenform», sagt

~Grisebach~, «wird das persisch-anatolische Hochland bestimmter

charakterisiert als durch die _Traganth_sträucher, deren gedrängte,

zierliche Fiederblätter in Dornen auslaufen und deren Stämme,

nachdem die Blättchen abgefallen, durch die stechenden Blattstiele,

die sich dauernd erhalten, noch viel stärker bewaffnet sind.» Im

Steppengebiet ist _Astragalus_ mit c. 800 Arten vertreten (~Bunge~).

+In der Gummibildung haben wir eine Anpassung an das Steppenklima,

eine Ausnutzung auch geringer und vorübergehender Niederschläge durch

Ausbildung eines Wasser speichernden Gewebes zu sehen.+ Die Bildung

des Gummis im Mark erfolgt schon dicht unter der Vegetationsspitze

(~Solms~). -- Die geringe Größe der Sträucher «verschafft ihnen den

Vorteil der winterlichen Schneedecke».

=Beschreibung der Stammpflanze.= Die Traganthsträucher (engl.

Gum-bearing-milk-vetch) sind weiß behaarte Dornsträucher. Der

Beschreibung mag _Astragalus gummifer_ ~Labill.~ zugrunde gelegt

werden. Die Pflanze bildet einen sehr sparrigen, reich verästelten

Strauch, der bis 80 cm hoch wird und dessen obere blühbare, stark

verkürzte Zweige ein sehr hartes, gelblich-weißes Holz und eine

borkenbildende Rinde besitzen. An den vorjährigen, dicht weiß behaarten

Zweigen sitzen die paarig-gefiederten, 5-7jochigen +Blätter+, deren

+frühzeitig verholzende, gelbe, oben zugespitzte, stechende Spindel

lange erhalten bleibt und dem Strauche das dornige Aussehn verleiht+.

Die oblong-lanzettlichen, 7-8 mm langen Blättchen fallen bald ab. Auch

die spitzen, dem Blattstiele angehefteten Nebenblättchen sind sehr

hinfällig. Die hermaphroditen, zygomorphen Schmetterlingsblüten stehen

gepaart in den Blattachseln und werden von einem gekielten Deckblatte

gestützt. Der 7 mm lange Kelch ist bis zur Hälfte fünfteilig, die

dicht seidig-zottige Röhre kreiselförmig. Die gelblich-weißen Blüten

besitzen eine oben ausgerandete, 14-16 mm lange Fahne, die 12-14 mm

langen Flügel sind mit schmalem Nagel der Staubgefäßröhre angewachsen.

Der Kiel ist schmal und stumpf, die weiße, geschlitzte Staubgefäßröhre

ist nur wenig gekrümmt. Das obere Staubgefäß ist frei. Der schopfig

behaarte Fruchtknoten enthält etwa 10 Ovula. Die Frucht ist eine Hülse.

_A. adscendens_ wird 1,5 m, _A. kurdicus_ 1,3 m, _A. eriostylus_ 2

m, _A. brachycalyx_ 1 m hoch (Beschreibung der Arten bei ~Luerssen~,

Mediz. pharm. Bot. und in ~Pabst-Köhler~, Medizinalpflanzen t. 119).

=Lit.= ~Bunge~, Gener. Astrag. Spec. Gerontog. Mém. acad. imp.

Petersb. (7) 11 und 15. -- ~Boissier~, Flora orient. II. --

~Lindley~, Flor. med. 247 und Botan. regist. 1840. -- ~F. B.

Fischer~, Synopsis Astragalorum Tragacantharum Mosquae 1853. --

~Haussknecht~, Briefl. Mitth. (1879) in ~Flückiger~, Pharmakogn.

(auch: ~Kiepert~, Haussknechts Routen im Orient (1865 bis 1869).

4 Bl. Berlin 1882). -- ~Aitchison~, Pharm. Journ. 17 (1886),

467. -- ~Grisebach~, Vegetation der Erde 1872. -- ~Hartwich~

in Realenzyklop. -- Die sonst verwendeten Astragalusarten in

~Dragendorff~, Heilpflanzen. -- +Abbild.+ von _Astrag. gummifer_(_a_)

in ~Labillardière~, Observat. sur la Physique 36 t. 1, copiert in

~Nees von Esenbeck~, Suppl. t. 62. ~Berg-Schmidt~ Atlas, 2. Aufl. t.

54 (dort die systemat. Lit.). ~Bentley-Trimen~, Medic. pl. t. 73.

~Baillon~, Bot. méd. I, Fig. 2200 u. 2201. ~Planchon-Collin~, Drog.

simpl. II, 491 und ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. III, 295. -- Von

_A. adscendens_ in ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t. 119. -- Von _A.

creticus_ ~Lam.~ in Flora Graeca t. 736 und in ~Berg-Schmidt~, I.

Aufl. t. 31. -- Von _A. Tragacantha_ in ~Giesenhagen~, Botanik. --

Von _A. verus_: ~Olivier~ in Oliviers Voyage Emp. Ott. t. 44. ~Nees

von Esenbeck~, t. 329 und ~Gilg~, Botanik, Fig. 404.

=Pathologie.= Auf _A. leiocladus_ ~Boiss.~ findet sich eine kleine

parasitische Phanerogame, nämlich die Rafflesiacee _Pilostyles

Haussknechtii_ ~Boiss.~ (~Solms Laubach~, Bot. Zeit. 1874. Abgebildet

auch in ~Berg-Schmidt~, Atlas, 2. Aufl.).

=Gewinnung.= Gute Traganthe kommen nur aus Gebirgsgegenden

(~Schlimmer~). Der Austritt erfolgt durch Wunden, die spontan, z. B.

durch weidendes Vieh, entstehen oder künstlich angebracht werden.

+Hauptproduktionsdistrikte für anatolisches Traganth+ sind (~Gehe~

1898) die Distrikte im mittleren Kleinasien: +Kaisar+ (Kaisarie, das

Caesarea der Alten) produziert am meisten, dünn, kleinblätterig, sehr

ausgiebig, leicht zerbrechlich. -- +Everek+ größer wie Kaisar, sehr

ausgiebig. -- +Nidé+ produziert viel, nach Kaisar das meiste, große

kräftige, dicke Blätter von schönem Aussehn. -- +Angora+, dünnes,

glänzendes, etwas glasiges Blatt (ähnlich dem syrischen), Weißblatt

blank, die blonden und gelben Sorten meist befleckt und sandig. --

+Joskat+ glasig, Blätter etwas kleiner als Angora und geringelt. --

+Sillé+ glänzend und glasig, sehr dickes Blatt, schwer löslich. Daneben

finden sich noch sog. +Mischlinge+, d. h. zwischen den genannten

Distrikten gesammelte Sorten. Auch ~Maltass~ nennt bereits 1855

Kaisarie und Angora neben Yalavatz (Jalowadj, Jabolatsch), Isberta

(Isparta), +Burdur+ (Buldur) als Hauptplätze der kleinasiatischen

Traganthgewinnung. Andere auch die Berge von Ala-dagh zwischen

Kaisarie und Tarsos im Süden (vgl. die Karte I, S. 440/41) und das

Hochland von Bingöl-Dhag zwischen Erserum und Musch ganz im Osten (in

West-Kurdistan). Nach Smyrna gelangte das Traganth (1874) besonders aus

Jalowadsch und Burdur (Prov. Hamid). Haupterzeugungsgebiete sind jetzt

(1910) Kaisarieh und Everek, weniger wird in Nigde, Angora, Josgad,

Erzinghian, Siwas, Caraman und Guran gewonnen.

[Illustration: Fig. 135.

Der Austritt des Traganth. [Nach +Planchon-Collin+, Drog. simpl.]]

Schon ~Hamilton~, der die Traganthsträucher 1836 auf den Bergen bei

Buldur beobachtete, berichtet, daß Einschnitte nahe an der Wurzel

gemacht werden. Im Juli und August entfernen die Bauern in Kleinasien

von dem unteren Stammteile die Erde und machen mit einem Messer

Längseinschnitte in die Rinde. Aus diesen tritt das Blättertraganth

aus, das in 3-4 Tagen erhärtet ist. Wird die Rinde nur mit der Spitze

des Messers verwundet, so wird Faden- und Wurmtraganth erhalten. Aus

natürlichen Wunden tritt Traganth in Form von gelblichen Tropfen

oder wulstigen Massen, die meist stark gefärbt sind, aus. Bei

trocknem Wetter ist das Traganth weiß, bei nebeligem wird es leicht

gelb und bräunlich. +So kann also ein und dieselbe Pflanze alle im

Handel unterschiedenen Sorten von ganz weißem Blättertraganth bis

zu bräunlichem Traganth in Knollen liefern. Beim Traganth spielt

daher das Sortieren eine große Rolle.+ Es geschieht dies meist nicht

in den Produktionsorten, sondern in Smyrna, wohin das anatolische

Traganth in Säcken gebracht wird (hier früher [1874] besonders durch

spanische Juden), Konstantinopel, Kermanchah und (beim persischen und

syrischen) in London. In Smyrna rechnet man, daß in dem Rohtraganth im

Durchschnitt 40-50% Weißblatt, 15-25% Gelbblatt, 10-15% Vermicelli und

10-25% Traganthon enthalten ist (~Valenta~). Im westlichen Kleinasien

werden die Sträucher im Frühjahr und Sommer angeschnitten, die Ernte

ist im September im wesentlichen beendet. Anhaltender Regen schädigt

die Ernte beträchtlich, da das Gummi abgewaschen wird. So lieferten die

nassen Jahre 1907 bis 1909 nur wenig Traganth. Eine gute Getreideernte

in Anatolien entzieht der Traganthsammlung oft viele Arbeitskräfte und

der Ertrag bleibt dann gering.

Als +Produktionsgebiete des westlichen persischen Traganth+ werden die

Gebiete zwischen Hamadan und Isfahan und dem Nordende des persischen

Golfes angegeben. Auf dem Markte von Kermanchah (Kermanshah) im

westlichen Persien, gab es 1904 vier Qualitäten. Die erste Qualität

(Katyra) erhält man aus Kermanchah, Nehawend und Burujird (Burudjird),

sie wird in drei Preisklassen geteilt; die zweite Qualität kommt

aus den gleichen Orten und Kurdistan, sie wird in fünf Klassen

geteilt; die dritte Qualität (Zardeh) ist in Persien unter dem Namen

Arrehbor (= mit einer Säge geschnitten) bekannt, sie kommt aus

dem Delahu-(Dalaho-)Gebirge, Pusht-I-Kuh (Pisch-Kuh), Khorremabad

(Chorremabad) und Burujird; die vierte Qualität (Steingummi) als

Kurreh (Kora) bekannt, kommt von den gleichen Orten. Diese Sorten

gehen nach Bagdad und auf dem Tigris zum Persischen Golf. Sie werden

erst in London sortiert, das etwa ⅞ der Menge erhält (1904). Bei den

persischen Nomaden heißen die Traganthsträucher Geesen, Gavan oder

Gäwann schire (= milchgebende Sträucher, da sie zerkleinert verfüttert

werden, ~Schindler~). Katyra wird von der Pflanze Gavansefid (= weißer

Gavan) gesammelt, in die Einschnitte gemacht werden, die zweite

Qualität von der Pflanze «Gelber Gavan». Sie ist größer. Die Spitze der

Pflanze wird verbrannt; wenn die Blätter alle vernichtet sind, löscht

man das Feuer und macht die Einschnitte. Am folgenden Morgen wird das

ausgeschwitzte Gummi gesammelt. Diese Operation wird drei- oder viermal

wiederholt. Die Qualität wird jedesmal besser. Das Arrehbor-Gummi kommt

von einem kleinen Baume, die Spitze desselben wird verbrannt und die

Zweige werden drei- oder viermal mit einer Säge abgeschnitten. (Die

Pflanze, die Koragummi liefert, wird in derselben Weise behandelt.) Die

Operation wird dreimal wiederholt und das Gummi wird jedesmal besser.

Nach 7 Jahren vertrocknet die Pflanze. Ähnlich ist die Gewinnung in

Fars, doch ist das Traganth von dort etwas weniger gut (das beste

entspricht der zweiten Qualität von Kermanchah). Um Kermanchah gab

es schon 1904 nur noch wenig Traganthsträucher, da die Pflanzen sehr

geschädigt werden. Nach ~Haussknecht~ soll das persische Traganth

eine spontane Exsudation sein, wenigstens wurden 1869 in Persien und

Kurdistan keine Einschnitte gemacht.

~Stolze~ und ~Andreas~ nennen im +Westen+ die Gebirge des persischen

Kurdistan, Khārähan und Tâläkân (?), dann das Kehris-Kohrud-Gebirge

zwischen Kaschan und Isfahan (in Irakadjmi) und die Höhen um Abadeh

nördlich von Fars (Farsistan).

~Schindler~ gibt 1881 als +Produktionsorte für südpersisches Traganth+

an: Feridûn zwischen den Chan-i-Surch-Paß und Deh-i-Dáwâi in Kirman

(Südpersien). Auch ~Stolze~ und ~Andreas~ erwähnen Gebiete von Kirman,

besonders die Landschaft Sirdjan als reich an Traganth. Für den in

diesen bis 8000′ hohen Gebirgen gesammelten Traganth ist +Paris+ (Parîz

c. 30° n. B.) Stapelplatz.

Nach ~Aitchison~ wird in +Nord-Persien+ im Herirudtale und in Chorassan

Traganth (Katira) gesammelt, besonders in der Nähe des Dorfes

Kalla-roving bei Bezd in Chorassan. Dies Traganth geht an die Küste

oder über Herat nach Indien.

1894 wurde von einem Aufschwung des Traganthhandels in Persien und

Sulimania berichtet. Neuerdings störten aber die politischen Unruhen

die Tragantheinsammlung in Persien beträchtlich. (Vgl. auch die Karte

von ~Tunmann~ im Kap. Pharmacogeographie I, S. 440/441).

Das +griechische oder Morea-Traganth+ wurde in den Bergen in Nord-Morea

gesammelt (~Heldreich~ 1862).

=Lit.= ~La Billardière~, Journ. d. phys. 36, 46 (1790) (Acad. sc.

1789). -- ~Olivier~, Voyag. dans l’emp. ottom. Paris an IX. --

~Hamilton~, Research. in Asia min. etc. I, 192 (Pharm. Journ. 1842,

540). -- ~Maltass~, Pharm. journ. 15 (1855) 18. -- ~Soubeiran~, Not.

s. l. récolte d. gomme adragante en Asie Min. Journ. pharm. 1856

u. 1857. -- ~Heldreich~, Nutzpfl. Griechenlands. Athen 1862. --

~Boissier~, Flor. orient. -- ~Scherzer~, Smyrna. Wien 1873 (Auszug

in Arch. Pharm. 205 [1874], 48). -- ~Schlimmer~, Terminol. Teheran

1874. -- ~Schindler~, Reisen im nördl. Persien. Zeitschr. Ges. f.

Erdkunde 1881, 362. -- ~Stolze~ und ~Andreas~, Handelsverhältnisse

Persiens. Petermanns Mitth. Ergänzungsh. 77 (1885), 15. -- ~Hanbury~,

Scienc. pap. 117. -- ~Simmonds~ Bull. of pharm. Detroit 1891. -- ~G.

Planchon~, Les Astragales Journ. pharm. chim. 1891, 24, 473 und 1892,

169. -- ~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia. -- ~Valenta~, Klebe- u.

Verdickungsmittel. -- ~Gehe~ & Co., Handelsbericht 1898. -- (British.

Consularagent) Persian Tragacanth. Pharmac. Journ. 1904, 2, 40. --

~Guibourt~, Hist. d. drogues.

=Handelssorten.= Die höchsten Preise erzielte 1910 das +syrische+

Traganth, dann das +anatolische+ (+türkische, levantinische+),

geringere das +persische+, die geringsten das minderwertige

+Traganthon+. Das syrische ist in Kisten à 75 und 80 kg und in Säcken

à 100 kg, das anatolische in Säcken à 100 und 120 kg und Kisten à 130

und 160 kg, das persische in Ballen à 50, 70 und 100 kg und Kisten à

60 kg, Traganthon in Ballen à 120 und 130 kg im Handel (~Grossmann~

1910). Doch ist zu bemerken, +daß die Bezeichnung syrisches Traganth

irreführend+ ist, denn dieses Traganth stammt aus West-Persien und

Ost-Kleinasien und kommt über Bagdad nach London. Syrien liefert

überhaupt nur wenig Traganth und die syrischen Häfen exportieren nicht

viel. Die frühere Einteilung in Blätter-, Stengel- und Körner-Traganth,

französische und englische Qualität usw., ist jetzt nicht mehr üblich.

1. Das sog. +syrische Traganth+ zeigt die schönsten weißen Blätter.

Die ausgelesenen Stücke meiner Sammlung sind wahre Prachtstücke. Die

als extraweiß bezeichnete Handelsware (1910 ~Caesar & Loretz~) bildet

relativ kleine, +dünne+, weiße, gestreifte Blätter oder gezonte Stücke.

Bei Ia weiß sind die Stücke größer, bei Ia gelblich etwas gefärbt und

dicker, die Bänder fehlen, gezonte Stücke bilden die Regel. Auch IIa

weiß ist noch eine sehr gute Ware. Ia naturell bildet derbe gelbliche,

gezonte Stücke oder fächerartige Blätter. IIa naturell ist gelblich

gefärbt.

2. Die beste Sorte des +anatolischen+, +türkischen+ oder +Levantiner

Traganth+, die aber jetzt oft im Handel fehlt, erhält große Blätter.

Die als weiß bezeichnete Handelsware (1910, ~Caesar & Loretz~) bildet

+kleine+, etwas gefärbte Blätter und gezonte Stücke von nicht sehr

schönem Aussehn, noch mehr gefärbt ist die Sorte fein hellblond und

blond I. Alle Sorten stehen den entsprechenden syrischen nach. Sie

zeigen ein schmutziges Aussehn. Die Stücke sind zertrümmert, was auf

unsorgfältigen Transport schließen läßt.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 58 / 120 段