kleinasiatisch-türkische (anatolische) Salep. Der türkische, auch der
aus Macedonien, wird meist Levantiner Salep genannt. In +Kleinasien+
wird Salep im Süden bei Mersina (Rhodus gegenüber), Milas (Melassa) und
Mugla (südöstlich von Smyrna) gewonnen (~Scherzer~ 1874), im Norden
bei Kastamuni und Angora (Ber. über die Wiener Weltausstellung 1873),
neuerdings (1895) werden auch Castambol, Tokat und Egin genannt. Der
südliche geht nach Smyrna, der nördliche nach Konstantinopel. Dorthin,
zum Teil über Saloniki, wird auch der in Macedonien und Thessalien
gesammelte Salep gebracht. Seit den achtziger Jahren des XIX. Jahrh.
ist Konstantinopel Hauptausfuhrort für Salep. 1892 betrug die Ausfuhr
von dort 19000 kg, die Vorräte 10000 kg. Die Ausfuhr von Smyrna wurde
1879 auf 5000 Oka (zu 1283 g) geschätzt. Die Levantiner Ernte betrug
1893: 200-250 Sack à 80-90 kg. Smyrna exportierte 1905: 4690, 1906:
2926, 1907: 1806 und 1908: 1162 kg. Die Türkei braucht selbst viel
Salep, nur ⅕ der Ernte gelangt zur Ausfuhr (~Gehe~). Die Zufuhren von
der Levante treffen im Oktober bis November ein. In +Deutschland+ wurde
Salep früher namentlich in Bayern, Nassau (Taunus und Westerwald),
Fulda (Rhön und Vogelsberg), sowie im Odenwald gesammelt (~Wiggers~
1863), jetzt scheint nur noch bei Kaltennordheim in der Rhön, bei
Meiningen und etwas auch im Taunus und Odenwald gesammelt zu werden
(~Flückiger~ 1891). Für den Großhandel kommt deutscher Salep nicht
in Betracht. In den Preislisten finde ich _S. german._ höher im
Preise notiert als _S. levantin._ Die deutschen Knollen pflegen
kleiner zu sein. Auch in +Frankreich+ scheint etwas Salep gesammelt
zu werden. Der beste +persische+ Salep wird auf dem Idjerûdplateau
westlich von Zāndjân gesammelt. Nach der Blütezeit im Juli schicken
die Teheraner Apotheker (attâr) Leute dorthin, um die Knollen zu
graben und die Bewohner von Idjerûd verpachten den Salepsuchern
ihre Wiesen (~Schindler~). In Nordpersien wird sálāb bei Mesched
(Meschhed) gegraben. Der bessere persische Salep heißt Panjeh-i-sálāb
(= Handsalep), der schlechtere Abushaheri oder Lasaniya (Pharmakogr.).
Der persische Salep geht über Buschir besonders nach Indien, kommt
aber auch bisweilen nach Europa. Die großen indischen Salepknollen
stammen aus Bengalen, den Nilagiris und Ceylon, sowie aus Afghanistan,
Belutschistan, Kabul, Bokhara und dem Pandschab (Pharmakographia).
Die gegrabenen prallen Tochterknollen werden vom Stengel, dem
Mutterknollen und den Wurzeln befreit, gewaschen, mit Tüchern
abgerieben, dann -- oft auf Fäden gereiht -- in siedendes Wasser
getaucht, um sie abzutöten und bei gewöhnlicher Temperatur oder
bei künstlicher Wärme getrocknet. Bisweilen findet sich auch die
Handelsware noch auf Fäden gereiht. Nur an der Luft getrocknete
Knollen treiben, da der Schleim reichlich Wasser zurückhält, leicht
an feuchter Luft aus. In Kultur werden die Knollen besonders in gutem
Boden viel größer und schöner (~Valta~, ~Beissenhirz~) und es sollte
daher der Anbau (Anzucht aus Samen) versucht werden. Es dürfte sich
lohnen, da die Handelsberichte fortgesetzt über schlechte Ernten und
geringe Zufuhren aus der Levante berichten, auch fehlt es dort oft an
Transportmitteln zu den Hafenplätzen. Die Bedingungen der Kultur müßten
aber erst studiert werden. Immerhin bildet die Pflanze aus dem Samen
erst im dritten Jahre brauchbare Knollen. Die _Orchis_arten lieben
kalkhaltigen Boden. Eine spontane Aussaat ist bei wildwachsenden oft
beobachtet worden, da sehr zahlreiche kleine, leicht verbreitbare Samen
gebildet werden (s. oben).
=Lit.= ~Heldreich~, Nutzpflanz. Griechenlands. Athen 1862. --
~Tchihatcheff~, Asie mineure Bot. II, 1860. -- ~C. v. Scherzer~,
Smyrna, mit bes. Rücks. auf d. geograph., wirtschaftl. u.
intellektuell. Verhältn. Wien 1873 (auch Arch. ph. 53 [1874]
53). -- (Anonym), Pharm. Post 1890, 22. -- ~Schindler~, Reis. im
nordwestl. Persien 1880-82. Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. 18. --
~Stolze~ und ~Andreas~, Handelsverhältn. Persiens. ~Petermanns~
Mitteil. Ergänzungsheft 77 (1885). -- ~Aitchison~, Some plants of
Afghanistan and their medic. prod. Pharm. Journ. 17 (1886) 467 und
Notes on products of W. Afghanist. and N. E. Persia. -- ~Lindley~,
Journ. Linn. Soc. 1859. -- ~Royle~, Illustrations of the Botany of
the Himalayan mountains 1839. -- ~Powell~, Economic products of the
Punjab 1868. -- ~Stewart~, Punjab plants 1869. -- ~Holmes~, Catalog.
p. 135.
=Beschreibung der Droge.= Die Droge besteht aus den durch Abreiben oft
von der äußeren Schicht, besonders dem Korke, befreiten, gebrühten und
dadurch hornartig-hart gewordenen +Tochterknollen+, deren Form nach der
Art wechselt (s. oben S. 377). Neuerdings sind auch viel handförmige im
Handel. Der die Pflanze tragende Mutterknollen kommt nicht in Betracht.
Er schrumpft beim Trocknen zusammen. Zugelassen sind (z. B. von
Pharmac. helvet. IV) sowohl die europäischen wie die vorderasiatischen,
sowohl die kugeligen wie die länglich-eiförmigen und handförmig
geteilten Knollen (s. oben). Im allgemeinen gibt man den kleineren
Knollen den Vorzug, doch läßt z. B. Pharm. helvet. IV noch solche von
4 cm Länge zu. Die Knollen tragen an der Spitze eine Knospe, sowie
bisweilen die Reste des «Stieles», mit dem sie an der Mutterpflanze
befestigt waren (Fig. 132, JK). Nicht selten wird jedoch bei dem
Abreiben der Knollen das Knöspchen, das sich leicht ablöst, entfernt,
so daß dann der Knollen in der Handelsware an der Spitze eine Narbe
bzw. eine kleine Mulde zeigt. Das Knöspchen ist das Endknöspchen der
Achse, in deren Gewebe die Nebenwurzel ursprünglich entstanden war (~A.
Meyer~, Fig. 132, H). Der deutsche Salep ist durchscheinend-gummiartig.
Frische Knollen schmecken etwas bitter und haben einen eigenen
Spermageruch.
[Illustration: Fig. 133.
Querschnitt durch den gebrühten Salep.
Die großen Schleimzellen sind von Stärkekleister enthaltenden Zellen
umgeben. Links oben (St) eine Stärkezelle aus dem ungebrühten Knollen,
links unten eine Schleimzelle aus dem alten Knollen während der
Entleerung. [+Tschirch+.]]
=Anatomie.= Der ausgewachsene Tochterknollen zeigt den typischen Bau
unterirdischer Speicherorgane: kleine zerstreute Bündel und reichlich
entwickeltes Speicherparenchym. Er ist bedeckt von einer Epidermis,
die oft noch Wurzelhaare trägt. Dann folgt eine sehr schmale
Rindenschicht und dann eine verkorkte Endodermis (~A. Meyer~). Diese
Schichten pflegen bei der Droge zum Teil durch Abreiben entfernt zu
sein. Innerhalb der Endodermis liegt ein lockerer Kreis von etwa 30
(~Meyer~) zarten, radialen, von einer Bündelscheide umgebenen, in der
Droge oft stark zusammengefallenen Gefäßbündeln und auch im Innern
des Knollen finden wir solche. Sie führen 2-4 zarte alternierende
Gefäß- und Siebstränge (Abbild. bei ~Meyer~). Die schmalen Gefäße
sind Spiral- und Netzleistengefäße. Mechanische Zellen fehlen. Da
+jedes+ «Bündel» seine eigene Endodermis besitzt, die einen kleinen
Kreis radialer Gefäßbündel umschließt, so nehmen einige an, daß hier
nicht eine Wurzel, sondern ein Bündel miteinander verwachsener Wurzeln
vorliegt. Das Speicherparenchym ist stark entwickelt. Es besteht
aus dünnwandigen Zellen, die bei den frischen Knollen reichlich bis
35 mik große, eiförmige oder rundliche Stärkekörner enthalten (Fig.
133, St). Größe und Gestalt der Stärkekörner variiert etwas nach der
Art. Sie sind nach ~Vogl~ bei _O. militaris_ klein, unregelmäßig
zusammengesetzt, bei _O. Morio_, _variegata_ und _pallens_ einfach
kugelig oder eirund, meist mit einer Kernhöhle versehen, bei _O.
maculata_ verlängert und mit deutlichen Schichten versehen. ~Vogl~ gibt
den Durchmesser auf durchschnittlich 8 mik an. Bei der Droge findet
sich aber in den Zellen infolge des Brühens ein Kleisterballen (Fig.
133), der nur in den seltensten Fällen noch intakte Körner erkennen
läßt. Durch Jod färbt sich der Kleisterballen violett bis rotbräunlich,
die Stärke ist also zum Teil in Amylodextrin übergeführt. Eingebettet
in dies Stärkeparenchym finden sich zahlreiche, bis 700 (im Mittel
250-350) mik große +Schleimzellen+ (~Lindleys~ «Knötchen»), meist
einzeln, selten auch in übereinander stehenden Reihen, die ziemlich
regellos im Gewebe verteilt sind oder doch wenigstens nur um die
Bündel herum eine etwas regelmäßigere Anordnung zeigen. Meist trennt
die Schleimzellen nur eine Reihe Stärkeparenchym (Fig. 133). Der
Schleim wird durch Jod und Jodschwefelsäure gelb (echter Schleim).
Eosin färbt den Schleim junger Zellen gelbrot, den alter Zellen rosa,
welche Färbung stehen bleibt, wenn man kurze Zeit Alkohol auf den
Schnitt wirken läßt (~Hartwich~). Kongorot färbt orange (~Heinricher~).
~Hansteins~ Anilingemisch färbt nach schnellem Abspülen mit Alkohol
rot. Rosolsäure in Sodalösung orangerot (~Hartwich~). In der
Handelsware enthalten die Schleimzellen der ausgewachsenen Knollen
nur selten noch Raphidenbündel von Calciumoxalat [~Raspail~ (Nouv.
trait. syst. org. 1838) hielt die Kristalle für Calciumphosphat] --
am meisten noch die der Randschicht. Der Schleim entsteht im Inhalt.
Die Schleimbildung beginnt um (~Hartwich~) oder in der Nähe (~Kohl~)
eines kleinen Raphidenbündels. Dann erscheint er die Zwischenräume
eines Plasmanetzes erfüllend und schließlich erfüllt er das ganze
Innere der Zelle. Nur selten sieht man an der fertigen Schleimzelle
einen zentralen Hohlraum, oft ein feines regelmäßiges Plasmanetz an
der Peripherie der primären Wand anliegend, in dem sich dann auch wohl
die bizarren Reste des Zellkerns (Fig. 133, Ke) bemerklich machen (~A.
Meyer~, ~Hartwich~, ~Birger~). ~Kohl~ beschreibt die Sache so, daß im
Zentrum in einer Plasmascheide das Kristallbündel liegt und dieses
Zentralplasma mit dem Randplasma durch den Schleim durchziehende Fäden
verbunden ist. Beide sollen Netzstruktur zeigen (ähnlich ~A. Meyer~).
Die Kristallnadeln werden meist, aber nicht immer aufgelöst (Fig. 133,
Kr₁). In den jungen Schleimzellen liegen Stärkekörner, die aber mit
fortschreitender Ausbildung des Schleimes zunächst in ihrer Substanz
verändert (sie färben sich mit Jod erst blau, dann violett, dann
rot, endlich gar nicht mehr), dann aufgelöst werden. Sie liefern das
Material für die Schleimbildung. Schleim und Stärke sind Reservestoffe.
Sie werden aufgelöst, wenn die Knospe im Frühjahr austreibt (s. oben)
-- zuerst die Stärke, dann der Schleim. Noch lange findet man in dem
schon fast entleerten Knollen große korrodierte Schleimklumpen: die in
Auflösung begriffenen Inhalte der Schleimzellen (Fig. 133, a). Wenn
bei dem Knollen das Knöspchen an der Spitze erhalten ist, pflegen
sich auch Reste des Stieles resp. der Tute vorzufinden, mit der der
Knollen an der Pflanze befestigt war und in der das Knöspchen steckte
(Fig. 132, K). Es kommt sogar vor, daß auch die Scheide, in der das
junge Knöllchen ursprünglich sich entwickelte (s. oben S. 376), lange
erhalten bleibt und auch den fertigen Knollen noch teilweise umgibt.
Sowohl im Gewebe des Knöspchens als in dem der Tute finden sich sehr
zahlreiche, oft dicht beieinander liegende Zellen mit Raphidenbündeln.
Über den primären Bau der Wurzel vgl. ~Holfert~, Arch. Pharm. 1889. Die
Wurzeln enthalten eine endotrophe Mycorhiza.
Im +Pulver+ der Salepknollen prävalieren die oft maschige Struktur
zeigenden Kleisterballen und deren Fragmente, die sich mit Jod
violett färben, sowie die Inhalte der großen Schleimzellen oder deren
Fragmente, die Jod gar nicht oder gelb bis braunrot färbt und die oft
noch das periphere Plasmanetz, seltener die zentrale Höhle mit dem
kleinen Raphidenbündel zeigen und Parenchymfetzen. Gefäßfragmente
treten auch im Chloralpräparat wenig hervor. Das Gleiche gilt von
den Raphidenbündeln, die den peripheren Schichten der Knollen und
der Knospe entstammen. Nur halb verkleisterte Stärke, wie sie ~Koch~
abbildet, habe ich niemals gesehen, auch intakte Stärkekörner sind
höchst selten. Jede Verfälschung des Pulvers mit anderen Stärkemehlen
(s. unten) ist daher leicht zu erkennen. «Legt man das Pulver in
Weingeist, so erscheinen die Schleimzellen als helle Schollen, läßt man
dann Wasser zufließen, so verwandeln sie sich in helle, runde Blasen»
(Pharm. helv. IV).
=Lit.= ~Arthur Meyer~, Drogenkunde (dort das Detail). --
~Berg~, Anat. Atlas t. 23. -- ~Vogl~, Kommentar (1908). --
~Karsten-Oltmanns~, Pharmakognosie, Fig. 128-133. -- ~Moeller~,
Pharmakogn., Fig. 291-293. -- ~Hartwich~, Artikel Salep in
Realenzyklop. d. Pharm. XI. -- ~de Bary~, Anatomie 146, 151 u. 377.
-- ~Johann E. Weiss~, Anat. u. Phys. fleischig verdickt. Wurz. Flora
1880. -- ~Prillieux~, Ann. sc. nat. 4 (1865), 265. -- ~Lindley~
(Bem. über die Anat. d. Ophryd. Wurz.), Transact. Linn. Soc. V, 18,
423 (Arch. Pharm. 39 (1844), 178, Okens Isis. 1843, 449, älteste
mikroskop. Unters. d. Salep). -- ~Kohl~, Unters. über d. Raphidenz.
Bot. Centralbl. 79 (1899), 273, Fig. 14-18.
+Schleimzellen+: ~Schmidt~, Pflanzenschl. u. Bassorin. Lieb. Ann.
1844, 41. -- ~Lindley~ a. a. O. -- ~Behrens~, Hilfsb. z. Ausf. mikr.
Unters. S. 311. -- ~Cramer~, Pflanzenphys. Unters. 1855. -- ~Wigand~,
Pringsh. Jahrb. III, 149. -- ~Kützing~, Grundz. d. philos. Bot. 1883,
194. -- ~Meyen~, Sekretionsorg. -- ~Frank~, Pringsh. Jahrb. V, 161.
-- ~Arth. Meyer~, Knoll. d. einheim. Orchideen. Arch. Pharm. 1886,
325 und Drogenkunde. -- ~Hartwich~, D. Schleimz. d. Salepknollen.
Arch. Pharm. 1890, 563 (m. Abbild.). -- ~Birger~, Om tuber Salep
Arkiv för Bot. 6 (1907) u. Bot. Centralbl. 105, 31. -- Das +Pulver+
ausführlich in ~Kochs~ Atlas II, t. 11. -- +Anatom.+ d. Eulophia in
Pharmacogr. indic.
=Chemie.= ~Dragendorff~ fand in Prozenten: +Schleim+ (Arabin und
Dextrin) 48,14, +Stärke+ 27,30, +Zellstoff+ 2,43, +Zucker+ 1,21,
+Eiweiß+ und +Albuminate+ 5, +Fett+ 0,44, +Weinsäure+ Spuren, Wasser
8,5, Asche 2,1. ~Nygård~ gibt den Zuckergehalt auf 1% an. Im Knollen
von _Orchis purpurea_ fand ~Harley~ im Mai 0,41% Saccharose und 0,51%
reduzierenden Zucker. Die Menge des Schleims variiert etwas. Er ist
schwer zu reinigen und hält hartnäckig Stickstoff und Asche zurück. 1
: 100 erhält man mit Saleppulver einen dicken Schleim, 2 : 100 eine
Gallerte. Der Schleim wird durch Jod rot und nach dem Eindampfen
violett, da neben Schleim auch Amylodextrin aus den Stärkezellen in
Lösung geht. Er wird durch Bleiessig und Alkohol gefällt, nicht durch
Bleizucker. Magnesia und Borax verdicken ihn. Der Schleim färbt sich
mit Chlorzinkjod nicht blau und quillt in Kupferoxydammon ohne sich zu
lösen (~A. Meyer~). Er wird gefällt durch MgSO₄, Na₂SO₄, (NH₄)₂SO₄,
(NH₄)₂HPO₄ (~Pohl~). ~Giraud~ betrachtete den Salepschleim als ein
Umwandlungsprodukt der Stärke und zwar als «eine in Wasser schwellende
Varietät des Dextrins». ~Schmidt~ nennt den Schleim Salepbassorin,
gibt an, daß er mit verd. Schwefelsäure Gummi und Zucker liefere, bei
gleichzeitiger Abscheidung von Zellulose und fand ihn zusammengesetzt =
47,20-47,28% C und 5,94-6,10% H. Er hielt ihn für ein Übergangsprodukt
vom Gummi zur Zellulose, ~Frank~ für eine Modifikation der Zellulose.
Aus dem Salepschleim wird durch Zusatz von Salzlösung und nachher
festem Salz zunächst ein schwerer löslicher, die Gallertebildung des
Schleims bedingender Körper (α-Schleim) und dann erst ein gummiartiger
β-Schleim gefällt (~Pohl~). Im deutschen Salep ist α-Schleim nicht
vorhanden. Mit Salpetersäure gibt Salepschleim Oxalsäure und +keine+
Schleimsäure. Bei der Hydrolyse liefert er neben Dextrin +Mannose+ und
+Glukose+ aber +keine Galaktose+ oder Arabinose, Furfurol entsteht
nicht (~Gans~ und ~Tollens~). Dabei wird Zellulose abgeschieden
(~Tollens~). Daß Dextrose vorhanden schlossen ~Gans~ und ~Tollens~
daraus, daß sich bei der Oxydation +Zuckersäure+ bildet, «so daß er
zur Stärkereihe gerechnet werden könnte» (~Tollens~). (Sie erhielten
aber auch ein Glukosazon.) Bei der vollständigen Hydrolyse liefert der
Salepschleim ausschließlich +Mannose+ (~Hilger~), die unvollständige
liefert zunächst ein Mannotetrasaccharid und eine Mannobiose. Der
Salepschleim enthält also ein +Mannan+. Bei der Oxydation mit
H₂O₂ entsteht neben Formaldehyd, Ameisensäure und Kohlensäure
d-Mannozuckersäure und d-Trioxyglutarsäure. ~Hauke~ fand meist 1,5-2,5%
Asche. Obere Grenzzahl 3% (Niederländ. Pharmakop.: 1,5 minim., 4%
max.). Die Asche enthält viel Phosphate. Frische Knollen enthalten
ein flüchtiges Öl, das von ~Mathieu de Dombaste~ durch Destillation
isoliert wurde. Beim Trocknen der frischen Knollen «entwickelt sich ein
feiner an Cumarin erinnernder Wohlgeruch» (~Flückiger~).
=Lit.= Ältere Untersuchungen von ~Berzelius~, ~Caventou~,
~Guillemin~, ~Guibourt~, ~Raspail~, ~Payen~, ~Linley~. -- ~Giraud~,
L’Union pharm. 16, 249. -- ~Schmidt~, Lieb. Ann. 51, 29. --
~Dragendorff~, Pharm. Z. f. Rußl. 1865, 145. -- ~Harley~, Thèse.
Paris 1905. -- ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Gans~ u. ~Tollens~, Ber.
d. d. chem. Ges. 21 (1888), 1806 und 2150, Lieb. Ann. 249, 256. --
~Tollens~, Kohlenhydrate. -- ~E. Fischer~ u. ~Hirschberger~, Ber. d.
d. chem. Ges. 21, 1805 u. 22, 365. -- ~Pohl~, Zeitschr. phys. Chem.
14, 150. -- ~Hilger~, Ber. d. d. chem. Ges. 36 (1903), 3198. --
~Thamm~, Salepschleim, Diss. München 1903.
=Anwendung.= Salep dient, da ein Mucilaginosum, als reizmilderndes
und einhüllendes Mittel bei Diarrhöen und Darmkatarrhen besonders der
Kinder. Als Mucilago, Dekokt, Gallerte, Mixtura Salep, auch äußerlich
zu Klystieren oder deckendes Mittel (~Unnas~ Salepbassorinfirniß).
Salep gilt auch als Nährmittel und wird auch z. B. in der Form der
chocolat analeptique au salep mit Milch, Bouillon und Wein angewendet.
Die, wie es scheint, durch nichts begründete Ansicht des Volkes, daß
die _Orchis_knollen Aphrodisiaca seien, beruht auf der Signatura
(Hodenform, Spermageruch).
Anrühren des Saleppulvers mit Alkohol erleichtert die Erzielung
klümpchenfreien Schleims. Den besten Salepschleim erhält man (nach
~Fromme~) weder mit feinem noch mit mittelfeinem Saleppulver, sondern
mit der Griesform (Sieb 5). Ähnliches beobachteten schon ~Fenner~ und
~Winckler~ (1843). Zuckerzusatz konserviert den Schleim (~Vulpius~).
In Indien wird Salep viel für Süßigkeiten benutzt. Die Orientalen
bereiten aus dem Salep ein Getränk, das an Stelle von Tee im Winter in
großen Mengen genossen wird (~Gehe~, Handelsber. 1896). Salepdekokt mit
Honig gemischt wird in der Türkei und Griechenland als erfrischender
Frühtrunk genossen (~Heldreich~). Aber auch zur Speiseeis-Bereitung
dient dort der Salep. Mit Gewürz und Wein gibt das Dekokt ein
angenehmes Krankengetränk. Salep dient auch als Klebemittel, zur
Appretur statt Gummi arabicum. Nach ~Ainslie~ soll Salep Salzwasser
seines Salzgeschmackes berauben.
=Verfälschungen.= Als Verwechslung werden die Bulbotubera von
_Colchicum_ angegeben, die aber entweder in weißen Querscheiben oder
mit dem braunen Niederblatt umgeben im Handel sind, auch eine seitliche
Rinne haben, also ganz anders aussehen. Immerhin kommen Salepknollen
bisweilen vor, die eine seitliche Rinne besitzen (~Hockauf~). Die
anatomische Untersuchung läßt die Beimengung sofort erkennen. Die
Stärke ist bei _Colchicum_ niemals verkleistert. Als die Einsammlung
des deutschen Salep in den fünfziger Jahren des XIX. Jahrh. in der
Rhön und im Westerwald in Blüte stand und im Jahr bis 14000 Pfund
der Droge nach Frankfurt kamen, beobachtete ~Mettenheimer~ nicht nur
Beimengung geschälter _Colchicum_knollen, sondern einmal bestand die
ganze als «weißer Salep» angebotene Masse aus diesen Knollen. In Indien
fanden sich vor einiger Zeit unter dem Namen banawati salap oder salam
künstliche Salepknollen aus Gummi und Kartoffelstärke. ~Hockauf~
fand in einem Salepknollen ein Steinchen, das der wachsende Knollen
eingeschlossen hatte. Das Saleppulver wird oft mit Stärke, z. B.
Weizenstärke (~Hartwich~), verfälscht angetroffen.
=Lit.= ~Mettenheimer~, N. Jahrb. f. prakt. Pharm. II, 165. --
~Hockauf~, Ein interessant. Salepknollen. Pharm. Centralh. 1905, 83.
=Geschichte.= Der Unterschied zwischen den beiden Knollen war schon
den Alten aufgefallen und sie schrieben ihnen eine verschiedene
Wirkung zu. ~Theophrast~ sagt, der größere vermehre die facultas
coëundi, der kleinere vermindere sie. ~Dioskurides~ sagt, daß der
größere Knollen vom Manne verzehrt, die Geburt von Knaben bewirke,
der kleinere, von der Frau genossen, die Geburt von Mädchen, und
erwähnt, daß in Thessalien die Frauen den zarteren vollsaftigen
(bei ~Plinius~ den größeren, härteren) Knollen als Aphrodisiacum,
den festeren trockenen (bei ~Plinius~ den kleineren weicheren) als
Antiaphrodisiacum benutzen. Die in dem von der Form hergenommenen
Namen ὄρχις zum Ausdruck kommende Beziehung zu den Geschlechtsorganen
und die entsprechende Verwendung zeigt, daß hier den Alten wie in so
manchen Fällen eine Signatura (vgl. I, S. 886) vorschwebte. Auch der
eigenartige Geruch frischer Knollen mag hier wegleitend gewesen sein.
~Dioskurides~ unterscheidet ὄρχις (ὀ. κυνὸς), ὀ. ἔτερος (Serapias),
σατύριον und σ. ἐρυθρόνιον. Von diesen wird das letztere nicht auf
eine Orchidee bezogen, die übrigen sind _Orchis_- bzw. _Ophrys_arten.
Ähnlich ~Plinius~, der Orchis (Serapias), zwei Arten Satyrion
(Männchen und Weibchen) und ein Satyrion erythraicon unterscheidet,
und auch Krankheiten nennt, gegen die sie angewendet wurden. Blüten
und Knollen der _O. serapis_ (_muscifera_) spielten bei den üppigen
Serapisfesten in Canopis eine Rolle. Im germanischen Altertum waren
_Orchis_arten der Göttin der Liebe ~Freya~ geweiht («Friggagras»),
andere der Riesin ~Brana~ («Brönnagras») und in zahlreichen, zum
Teil sehr alten Namen (z. B. hiônarôt = Heiratswurzel, gradrôt =
Gierwurzel), tritt auch hier die Beziehung zum Geschlechtsleben, die
man besonders der Wurzel der Pflanze zuschrieb, hervor. Sie wurden
denn auch damals viel zu Liebeszauber und als Aphrodisiacum benutzt
(I, S. 1009), wie auch später noch im XV. und XVI. Jahrh. (vgl. d.
Kräuterbücher). Eine alte Sage läßt sie aus dem verspritzten Samen
von Vögeln hervorgehen (daher wohl Kuckuckspeichel, s. oben). Die
Unterscheidung zwischen männlicher und weiblicher _Orchis_ finden wir
auch noch in späterer Zeit. In Sušrutas fehlt _Salep_. Die Araber
des Mittelalters (z. B. ~Avicenna~) verwendeten die _Orchis_knollen
wohl vorwiegend ungebrüht und brachten die Droge aus Persien nach dem
Abendlande, wo sie bis dahin wenig beachtet worden war und nur die
ungebrühten Knollen heimischer Orchideen ein wenig benutzt worden
waren. Satyrion steht im Nördlinger Register (1480); Rad. satyrii
sive testiculus vulpis, Staudelwurtz in der Hamburger Taxe von
1587 (I, S. 818), in Zucker eingekochter _Salep_ im Braunschweiger
Register (I, S. 814) und in ~Schröders~ Pharmakop. vom Jahre 1649
(~Flückiger~). Abbildungen und Beschreibungen der _Orchisarten_
lieferten die Patres botanices, z. B. ~Fuchs~ (Fig. 134), dann auch
~Gerarde~ (1636). ~Claude Joseph Geoffroy~ zeigte (1740), daß der
bis zum XVIII. Jahrh. fast allein benutzte orientalische _Salep_
ein _Orchis_knollen ist, wie schon vor ihm ~Gerarde~ (I, S. 909)
und ~Jos. Miller~ (Botanicon officinale, I, S. 948) erkannt hatten,
und ~Buxbaum~ (1733) auf seiner orientalischen Reise bestätigt
fand, und +daß man von den europäischen Arten der Gattung+ _Orchis_
+gleichwertigen Salep gewinnen kann+.
=Lit.= ~Buxbaum~, Plantar. minus cognitar. Cent. III. Petropol. 1740.
-- ~Claude Jos. Geoffroy~, Mém. de l’acad. d. sciences 1740. --
~Flückiger~, Pharmakognosie.
[Illustration: Fig. 134.
Aus +Fuchs+, New Kräuterbuch. Basel 1543. [Phot. verkleinert.]]
=Paralleldrogen.= In Mexico werden die Knollen der Orchideen _Blettia
campanulata_ und _coccinea_, _Epidendron pastoris_ und _Arpophyllum
spicatum_ wie _Salep_ benutzt (~Maisch~).
1888 kam als Ersatz des _Salep_ die Wurzel von _Asparagus ascendens_
aus Ostindien nach England (~Dymock~).
Die zuerst 1865 im Handel erscheinende und als Ersatz für _Salep_
empfohlene _Rad. corniolae_, die ~Strielack~ Nourtoak (von nourriture
und toak = Wurzel) nannte, stammt von _Asphodelus Kotschyi_ (? nicht im
Kew Index). Sie weicht in der Zusammensetzung stark von dem _Salep_ ab,
denn sie enthält, neben 52% Schleim, 8-14% Zucker und +keine+ Stärke,
sowie 10% «unlöslichen Pflanzenschleim» (~Dragendorff~).
Der _Königs-Salep_ (Padischah-, Badschah-, Radja-Salep) der indischen
Bazare (~Hanbury~) ist die amylumfreie Zwiebel von _Allium Macleanii_
(~Aitchison~, abgeb. in Bot. Mag. 1883, t. 6707), nicht die Zwiebel
der Orchidee _Pholidota imbricata_ ~Hook.~ (~Dymock~) oder die der
Amaryllidacee _Ungernia trisphaera_ ~Bunge~ (~Baker~). Sie schmeckt
bitterlich.
=Lit.= ~Maisch~, Jahresb. d. Pharm. 1885, 104. -- (~Dymock~) Pharm.
Journ. 1887/88. -- ~Dragendorff~, Ph. Z. f. Rußl. 1865, 145. --
Jahresb. d. Pharm. 1865, 87. -- ~Paschkis~, Pharm. Post 13. --
~Hanbury~, Pharm. Journ. 17 (419) und Science papers, p. 155 (m.
Abbild.), Journ. pharm. chim. 33 (1858). -- ~Aitchison~, Ann. of
botany 1889, Pharm. Zeit. 1888, 744.
d) Schleimzellen in Rinden.
Viele Rinden enthalten Schleimzellen mit typischen Schleimmembranen,
wie z. B. die =Zimtrinden=, die um so weniger geschätzt werden,
je schleimreicher sie sind, da die schleimreichen Rinden ölarm zu
sein pflegen. Ich habe die Sache aufgeklärt. Es ließ sich zeigen,
daß Schleim- und Ölzellen in ihrer primären Anlage sich nicht
unterscheiden. Später werden dann die einen zu Ölzellen, indem die
Schleimplasmaschicht resinogen wird (~Tschirch~ und ~Rud. Biermann~),
die anderen bleiben Schleimzellen und bilden die typische geschichtete
Schleimmembran aus (Fig. 281). Wie viele zu Ölzellen werden, scheint
vom Klima und Standort abzuhängen.