=Anatomie.= Bzw. der Nervatur der Blattzähne vgl. ~Tschirch-Oesterle~,

Anatom. Atlas (nach ~Virchow~). Das Blatt von _M. silvestris_ besitzt

auf beiden Seiten Spaltöffnungen, die in der Flächenansicht eigenartige

Zapfen zeigen und 3 (bis 4) Nebenzellen besitzen. Die Epidermiszellen

sind wellig verbogen. Die Haare bevorzugen den Rand und die Nerven.

Sie sind meist einzellige, derbe, etwas gekrümmte Borsten (Fig. 126),

die oft auf Gewebepolstern sitzen, daneben finden sich Köpfchenhaare

und 2-7strahlige Büschelhaare (Sternhaare), ähnlich wie bei _Althaea_,

aber viel spärlicher und meist nur auf der Blattunterseite. Die Basis

der Blätter ist am stärksten behaart. Im Mesophyll liegt eine Reihe

Palissaden und ein relativ dichtes Merenchym. Da und dort finden sich

Calciumoxalatdrusen, Schleimzellen sowohl im Mesophyll wie in der

Epidermis. Im Hauptnerven liegt ein kollaterales, radial-strahliges

Bündel. Das Blatt von _M. neglecta_ hat fast nur einzellige Haare. Die

Blätter des Hochblattinvolukrums der +Blüte+ von _M. silvestris_ sind

besonders am Rande, dann auch auf der Außenseite stark behaart. Die

derbwandigen, meist ein- selten zweistrahligen, oft bis 2 mm langen

Haare sitzen meist auf mehrzelligen Polstern. Im Mesophyll liegen

Calciumoxalatdrusen und Schleimzellen. Die Haare der Kelchblätter

sind denen des Hochblattinvolukrums ähnlich, doch treten hier daneben

zahlreichere, mehrstrahlige Büschelhaare auf mit 2-9 Haarstrahlen, die

bald der Epidermis direkt eingefügt, bald auf mehr oder weniger hohen

Zellpolstern emporgehoben sind. Dazwischen finden sich Köpfchenhaare.

Diese sind auch auf der Innenseite der Kelchblätter anzutreffen,

die im übrigen einzellige, stark gekrümmte Wollhaare besitzt.

Spaltöffnungen liegen auf beiden Seiten. Im Mesophyll findet sich,

neben Schleimzellen, unter der Epidermis der Oberseite eine Schicht

Calciumoxalatzellen. Die nur wenige Zellschichten dicken Blumenblätter

enthalten den Farbstoff im Zellsaft gelöst. Die Epidermiszellen der

Unterseite haben wellig verbogene Wände, die der Oberseite sind

ziemlich gerade. Auf beiden Seiten, besonders reichlich an der Basis

der Corolle, sitzen ziemlich viel Köpfchenhaare. Dort finden sich

auch, die Einbuchtung zwischen je zwei Corollenblättern ausfüllend,

zwei Haarstreifen, deren Haare einzellig und gerade sind. Von den

Schleimzellen des Mesophylls sind bisweilen mehrere durch Resorption

der trennenden primären Wände zu Schleimhöhlen zusammengeflossen.

Auch die in der unteren Hälfte zu einer Röhre verwachsenen Filamente

führen Büschelhaare und im Innern Schleimzellen. In der Antherenwand

findet sich eine Faserschicht. Die Pollenkörner besitzen zahlreiche

Austrittstellen für den Pollenschlauch, die Exine Stacheln und eine

Stäbchenschicht. Der Griffel führt so viel Bündel als Narbenschenkel

vorhanden sind, das leitende Gewebe liegt in der Mitte. Die

Narbenschenkel zeigen Papillen nur an ihrer Innenseite und im Innern

einen Streifen mechanisches Gewebe, das dem Krümmungsmechanismus der

Narben (s. oben) dient. In jedem Fruchtknoten liegt ein anatropes,

epitropes aufsteigendes Ovulum.

[Illustration: Fig. 127.

_Malva silvestris_ L. 1. Querschnitt durch ein Kelchblatt. 2.

Querschnitt durch ein Blumenblatt am Nerven. [+Tschirch-Oesterle+,

Atlas.]]

=Chemie.= Die beiden Malven enthalten in allen Teilen +Schleim+. Der

Farbstoff der Blüten wird durch Säuren rot, durch Alkalien grün. Die

Asche des _Fol. malvae_ beträgt c. 16% (~Hauke~). Alle Laubblätter

pflegen bekanntlich aschereich zu sein. Die Früchte enthalten einen

Bitterstoff.

=Verfälschungen.= _Folium Malvae_ fand ~Mitlacher~ 1910 mit den

Blättern von _Xanthium strumarium_ verfälscht. Auch _Malva moschata_

wird angegeben, doch ist diese leicht schon am Geruch zu erkennen.

[Illustration: Fig. 128.

_Malva silvestris_ L. Haarbildungen (t) an der Außenseite des

Kelchblattes. × Haarpolster. [+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

=Anwendung.= Man benutzt die beiden Malven ähnlich wie _Althaea_ als

Aufguß oder Beisatz zu Species (_Spec. emollientes_, _Spec. pectoral._,

_Spec. ad gargarisma_, _Spec. althaeae_, _Spec. puerperarum_), auch

als _Ptisana de floribus malvae_. Als Schleimmittel sind sie auch seit

langem schon in Indien, Arabien und Persien in Benutzung (~Dymock~).

Malvaceenblattpulver ist als Verfälschung des Pulvers der _Fol.

digitalis_ beobachtet worden (1907).

~Hippokrates~ verwendete Malven neben anderen schleimhaltigen

Mitteln. Die Früchte von _M. silv._, die noch jetzt viel in Indien

benutzt und dahin aus Persien gebracht werden (~Dymock~), galten

schon den Griechen als Aphrodisiacum, auch ~Plinius~ hält sie dafür,

ebenso die Mohammedaner Indiens; ~Macer Floridus~ verwendete sie bei

Frauenkrankheiten. Der schleimige Brei dient noch heute beim Volke,

um die verhärtete Gebärmutter zu erweichen. «Die Malve, die unter dem

Zeichen der Venus steht, macht die brünstige Katze, die sich an ihr

reibt, fruchtbar auch ohne Kater» -- sagt der Volksmund.

=Geschichte.= Die μαλάχη ἀγρία des ~Theophrast~ ist (nach ~Sprengel~)

_Malva silvestris_. Die μαλάχη des ~Theophrast~, die baumförmig wird

und als Gemüse dient, ist vielleicht auch _Malva silvestris_ oder

die ebenso benutzte _Lavatera arborea_ (~Fischer-Benzon~). Ebenso

erwähnt ~Hesiod~ das Malvengemüse, ~Palladius~ gibt eine Anleitung

zum Anbau und ~Horaz~ singt: «me pascunt olivae, me cicorea levesque

malvae» -- und auch noch später dienten auch im Norden Malvenblätter

als Gemüse. Bei ~Hans Sachs~ steht: «wir essen pappeln, kraut und

grasz». _M. silvestris_ wurde im Mittelalter von den Angelsachsen als

Gemüse gebaut (~Hoops~). ~Plinius~, der _Malva sativa_ (Gartenmalve)

und _M. silvestris_ (wilde Malve) unterscheidet, erwähnt, daß

von den Gartenmalven zwei Arten unterschieden werden, die Malope

(_Lavatera arborea_ und _Althaea rosea_?) und die Malache (_Malva

silvestris_ und _rotundifolia_); die wilde Malve mit großen Blättern

ist _Althaea_ (s. d.). Im Edict ~Diocletians~ (I, S. 570) stehen

_Malvae maximae et sequentes_. ~Prosper Alpin~ beschreibt und bildet

unter dem Namen melochia _Corchorus olitorius_ ab. Bei den Alten

standen die Malven auch als diätetische Abführmittel in Gebrauch.

~Scribonius Largus~ benutzte die Samen, ~Caelius Aurelianus~ Samen

und Wurzeln, die ~Hildegard~ ein aus dem «slimechten» Kraute

bereitetes Mus. ~Albertus Magnus~ erwähnt beide: _Malva neglecta_

(= malva) und _M. silvestris_ (= arbor malvae, hier +nicht+ die

Stockrose, ~Fischer-Benzon~). Die Chubbâza des ~Ibn Baithar~ ist

jedenfalls eine Malve (wohl _M. rotundifolia_ oder _silvestris_).

Bei ~Aruch~ und ~Raschi~ steht: Eine Pflanze, deren Blätter sich

nach der Sonne wenden und die malva heißt (~Löw~). _Malva silvestr._

und _nicaeensis_ steht auch in dem Botan. Lexikon Kitâb aš-šaǧar

(~Nagelberg~, Diss. Zürich 1909). In der Alphita (in der Tabulae und

bei ~Serapion~) steht: _Malva hortensis_ (melochia) et _agrestis_

(minor), _Succus_ et _sem. malvae_ -- chubeze. Malven stehen bei

~Macer Floridus~ (I, S. 626) und in der Flos medicinae scholae

Salerni (I, S. 629). Im Regimen sanitatis beginnt _Malva_ den

speziellen Teil. Die erste Abbildung von _Malva silvestris_ finden

wir bei ~Brunfels~ (I, S. 320, Fig. 310). ~Fuchs~ bildet _Malva

hortensis_ (_Althaea rosea_), _M. silvestris pumila_ (_M. neglecta_)

und _M. sylvestris elatior_ (_M. silvestr._) ab. Daß die Blüten der

_M. silvestris_, die ~Cordus~ als _M. s. recta_ abbildete, größer

sind als die der _M. neglecta_ («_vulgaris_»), wußte schon ~Bock~.

_Flor. malv. commun. s. vulgaris_ finden sich in dem Catalogus von

Straßburg 1685 (I, S. 827), der Taxe von Leipzig 1689 u. and.

=Lit.= ~Berg-Schmidt~, Atlas 2. Aufl. t. 104 und 105 (dort die

systemat. Liter.). -- ~Pabst-Koehler~, Medizinalpflanzen t. 59. --

~Nees v. Esenbeck~, Pl. med. t. 415. -- ~Luerssen~, Med. pharm.

Bot. S. 664 (dort die botan. Lit. der Familie). -- ~Arthur Meyer~,

Drogenkunde. -- ~Karsten-Oltmanns~, Pharmakogn. Fig. 315-318. --

~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. II, 1, Fig. 99 E und III, 6, Fig. 17.

-- ~Rauter~, Denkschr. Wien. Akad. 31 (1872) 23, t. 7 (Entwickl.

d. Haare). -- ~Dumont~, Ann. sc. nat. bot. VI (1887) 138. t.

4. -- ~Kuntze~, Bot. Centralbl. 1891. -- ~Solereder~, System.

Anat. der Dikotylen (dort weit. Lit.). -- ~Adolf Meyer~, Anat.

Char. offiz. Blätter, Halle 1882. -- ~Lemaire~, Déterm. histol.

d. feuilles médicin. Paris 1882. -- ~Tschirch~, Anatomie und

~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas (dort das anatom. Detail). --

~Lohde~, Entwicklungsgesch. u. Bau einiger Samensch. Diss. Leipzig

1874. -- ~Harz~, Landwirtsch. Samenkunde 1885, II. 749. -- ~Holfert~

(Nährschicht). Flora 1890. -- Entwicklungsgesch. d. Samens in

~Bochmann~, Beitr. z. Entwicklungsgesch. offizin. Samen u. Früchte.

Dissert. Bern 1901. -- ~Grassmann~, Pflanzennamen. -- ~Kluge~,

Etymol. Wörterb. -- ~Flückiger~, Pharmak. -- ~Hauke~, Aschengehalte

1902.

Flos Malvae arboreae.

=Syn.= Stockrose, Stockmalve, Winterrose, Pappelrose, Schwarze Malve

-- passe rose, rose trémière, rose d’outremer, bâton de Saint-Jacques

(franz.) -- garden mallow (engl.) -- english hollyhock (in Indien)

-- stokroos (hol.) -- vörösmályvarirag (ung.) -- ἄνθη μαλάχης τῆς

δενδροειδοῖς (n.-gr.) -- fu-sang (chin.). -- Bei ~Megenberg~:

Weizpappel -- im Ortus sanitatis: felris -- Soll das chatmi des

~Qutsâmî~ und and. pers.-arab. Autoren sein, das auch Schahm-el-marah

genannt wird (~Dragendorff~).

=Stammpflanze Althaea rosea= (L.) ~Cavanilles~ (Alcea rosea L.).

+Malvaceae+ -- Malveae -- Malvinae.

=Etym.= Alcea, αλκέα (von αλκέειν = heilen) in der Orphischen

Argonautika und bei ~Dioskurides~, bei letzterem «eine Art wilder

Malve», d. h. die in Griechenland häufige _Malope malacoides_.

=Beschreibung und Kultur.= Die zwei- oder mehrjährige, einen

prächtigen Gartenschmuck bildende Pflanze besitzt eine innen

weiße, schleimige Wurzel (vgl. S. 354) und treibt im zweiten

Jahre einen geraden, bis 3 m hohen, runden, einfachen oder wenig

verästelten, blütentragenden Stengel. Die gestielten, runzeligen,

rundlich-herzförmigen, gekerbten, steifhaarig-filzigen Blätter

sind unten 5-7lappig, oben 3lappig und kürzer gestielt. Auch die

Blattstiele sind stark behaart. Die Nebenblätter sind ziemlich breit

und in mehrere Zipfel gespalten. Die großen Blüten, die bisweilen

einen Durchmesser von 7,5 cm erreichen, sitzen einzeln oder zu

mehreren in den Achseln der Blätter. Das Hochblattinvolukrum (der

Außenkelch) ist 6-9spaltig, halb so lang als der Kelch, stark

behaart. Der Kelch ist unten verwachsen, oben in 5 Zipfel gespalten.

Die Farbe der Korolle wechselt nach den Varietäten von weiß zu gelb,

braun, blau, purpurn bis schwarz. Die 5 Kronenblätter sind geschweift

oder ausgefressen gekerbt, breit-herzförmig oder rundlich-dreieckig,

etwas wellig verbogen, an der Basis genagelt. Bei den gefüllten

Varietäten ist ihre Zahl durch Umbildung der äußeren Stamina

oft stark vermehrt. Die Staubfadenröhre geht oben in zahlreiche

Filamente über, die monothecische Antheren tragen. Der vielfächerige

Fruchtknoten ist zusammengedrückt, gefurcht und behaart. Die Griffel

sind kürzer als die Staubfäden. Die Frucht ist von dem Kelche

behüllt, in der Mitte genabelt. Sie besteht aus 20-40 rinnenförmigen,

am Rücken tiefrinnenförmigen einsamigen, nicht aufspringenden

Früchtchen.

_Althaea rosea_ wächst wild im Orient. Sie findet sich (wohl

verwildert?) auf den Bergen Italiens, Griechenlands, Syriens und der

benachbarten Länder. Sie wird im größten Teile von Europa bis nach

Norwegen (Throndhjem) hinauf als Gartenpflanze gezogen, in einigen

Mengen bei Nürnberg (stark zurückgegangen, ~Schwarz~ 1910) und in

Württemberg; dann auch in Ungarn, z. B. in der Versuchsstation in

Klausenburg (~Pater~), im Komitat Neutra (~Agnelli~), in Eger u.

and. Orten (vgl. ~Mitlacher~ 1909). Mittelfranken soll jährlich

50000 kg ausführen, besonders nach Frankreich, England und der

Türkei (~Glan~ 1892). In Griechenland sammelt man auch von der

wildwachsenden Pflanze (~Heldreich~). ~Morison~ erwähnt _Alth. rosea_

unter den Arzneipflanzen der südlichen Mandschurei. Die Stockrose

wird in allen Farben -- blau, purpurn, fast schwarz, gelb, braun,

weiß -- gezogen. Sie findet sich fast regelmäßig in den Bauerngärten

Deutschlands und der Schweiz, wird aber auch anderwärts, z. B. in

Vorderindien kultiviert. Arzneilich und als Farbstoff liefernd wird

nur die blauschwarze Varietät und vorwiegend die mit gefüllten Blüten

benutzt. Sie findet sich im Handel cum calyce und sine calyce.

=Pathologie.= _Puccinia Malvacearum_ ~Mont.~ und die verschiedenen

Imperfekten, welche die Blätter von _Althaea rosea_ schädigen, können

auch auf dem Außenkelch und auf dem Kelche der Blüten zur Entwicklung

kommen (~Ed. Fischer~).

=Anatomie.= Der etwa 2,5 mm dicke +Blütenstiel+ zeigt ein großes

Mark, einen schmalen Gefäßbündelzylinder, einen ununterbrochenen

peripherischen, etwa 10 Zellen breiten Collenchymring und an der

Grenze desselben nach Innen einen Kreis von meist isolierten

Schleimzellen. Die letzteren sind 13-35 mik breit, besitzen ein sehr

enges Lumen und breite, treffliche Schichtung zeigende sekundäre

Membranverdickungsschichten. Der Epidermis der Blütenstiele

sitzen zahlreiche einfache oder Büschelhaare auf. Die Blätter

des +Außenkelches+ sind innen (oben) glatt und dort größtenteils

unbehaart. Die Epidermiszellen sind hier sehr stark verdickt. Nur

an den Blatträndern, sehr selten auch auf der Blattfläche, treten

einzelne Haare auf. Dieselben sind stets einfach, entweder gerade

oder vielfach gewunden, gekrümmt und durcheinandergeschlungen. Die

Blatt-Außen-(Unter)-Seite ist dicht filzig behaart. Die Haare sind

hier nur selten einfach, meist sind es Büschelhaare (Sternhaare).

Dieselben sind mit ihrem breiten Fuße entweder der Epidermis direkt

oder einem flachen Gewebshöcker eingefügt und besitzen meist 8

Strahlen. Ihre Größe variiert sehr, sie kommt in der Länge der

Strahlen zum Ausdruck, die bis zu mehreren Millimetern steigen

und bis auf 50 mik herabgehen kann. Diese Sternhaare sind für die

Droge sehr charakteristisch. Eingestreut in das reich durchlüftete

Mesophyll der Hochblätter finden sich zahlreiche Schleimzellen

und Schleimzellgruppen und Gefäßbündel (Nerven). Die Blätter des

Kelches sind ähnlich wie die Hochblätter des Außenkelches gebaut,

d. h. sie sind außen sehr stark behaart -- fast noch stärker als

die Außenkelchblätter und innen kahl oder doch nur an den Rändern

behaart. Ihr Mesophyll ist dichter, Schleimzellen sind seltener und

meist isoliert. Kalkoxalatdrusen finden sich im Mesophyll häufig,

besonders in den Schichten unter der Epidermis der Blattoberseite.

Die Blätter der +Korolle+ zeigen beiderseits eine Epidermis, die

an den unteren Teilen des Blattes aus gestreckten, geradwandigen,

an den oberen aus Zellen mit wellig verbogenen Seitenwandungen

besteht. Die Zellen, beiderseits gleichgestaltet und nicht sehr hoch,

enthalten ein Plasmanetz, deutlichen Zellkern und eine intensiv

blaue Farbstofflösung. Das Mesophyll ist nur im basalen Teile des

Blattes viele (10) Zellschichten dick, in dem überwiegenden Teile

desselben besteht es nur aus wenigen Reihen und ist fast vollständig

verschleimt. Die Verschleimung ist eine so starke, daß oft der

gesamte Zwischenraum zwischen den Gefäßbündeln (Nerven) eine einzige

große Schleimhöhle bildet. Diese Schleimhöhlen kommen dadurch zu

stande, daß eine Gruppe benachbarter Zellen ihre Membranen verdickt,

also jede Zelle auf der primären Membran sekundäre, aus Schleim

bestehende Membranverdickungsschichten ablagert. Dies geschieht in

so ausgiebigem Maße, daß das Lumen auf einen kleinen Raum reduziert

wird. Läßt man zu einer solchen Gruppe Wasser hinzutreten, so tritt

zunächst an jeder einzelnen Zelle die Schichtung deutlich hervor.

Die Zellen dehnen sich dann stark aus, sprengen die primären

Zellulosemembranen, die Schleimschichten der einzelnen Zellen fließen

zusammen und es entsteht so eine große, oft 400-550 mik weite, oft

von Bündel zu Bündel reichende mächtige Schleimhöhle. Auch in der

lebenden Pflanze findet ein solches Aufquellen der Zellen und ein

Zusammenfließen der Schleimzellen statt und tritt hier (wie bei den

Tiliaceen) bisweilen noch eine nachträgliche Auflösung der primären

Membranen ein. Die fertigen Höhlen lassen bisweilen (freilich

selten) noch eine ganze Anzahl nebeneinanderliegender geschichteter

Schleimklumpen erkennen, meistens ist jedoch das Ganze zu einer

homogenen Schleimmasse zusammengeflossen. An der Basis sind besonders

am Rande die Blumenblätter mit einem Haarbesatz bekleidet. Die Haare

desselben sind sehr lang.

=Chemie.= Die Blüten enthalten viel +Schleim+, einen eisengrünenden

+Gerbstoff+ und +Farbstoff+. Der wässrige Auszug der Stockrosenblüten

ist stark schleimig.

Die Blumenblätter geben mit verdünntem Alkohol (1 = 10) einen

violettroten Auszug, der noch in 1 cm dicker Schicht undurchsichtig

ist (~Flückiger~). Mit Ätzkalk liefert dieser Auszug einen grünen

Bodensatz und ein (fast) farbloses Filtrat. Alaun färbt violett,

schüttelt man darauf mit Calciumkarbonat, so wird die Farbe der

Lösung bleibend blau. Brechweinstein färbt violett. Rotweinfarbstoff

verhält sich ganz anders. Bei Gemischen beider werden aber die

Reaktionen undeutlich. Die Lösung des Farbstoffes von _Alth.

ros. rubr._ wird mit Ammoniak, Natronhydrat und Soda grün, durch

Salzsäure und Salpetersäure rot, durch Essigsäure rotviolett, durch

Eisenchlorid braunrot, durch Zinnchlorür violett, durch Alaun und

Soda entsteht ein grüner Niederschlag, das Filtrat ist farblos;

ebenso durch Bleiazetat und Bleiessig. Der Farbstoff der _Flos

alcaeae_ verhält sich ähnlich, doch ist bei den Bleifällungen das

Filtrat grün (~van der Driessen~). Konzentrierte Kupfersulfatlösung

färbt die Farbstofflösung violett (Rotwein wird dadurch entfärbt,

~Böttger~). Der Malvenfarbstoff gibt in Lösung in sehr verdünntem

Alkohol ein breites Band zwischen F und D ~Fraunhofer~, das nach

Zusatz von Ammoniak nach dem roten Spektrumsende rückt und dann

zwischen D und C liegt, nach Zusatz von Alaun liegt das Band auf D

und ist gegen Rot scharf begrenzt, gegen Grün verwaschen (~Phipson~,

~H. W. Vogel~). Das Malvenband kommt nach Zutröpfeln von Alaun

bei noch schwach saurer Reaktion, das Ammon-Rotweinband erst bei

völliger Neutralisation zum Vorschein. Aus sauer reagierendem Wein

nimmt Amylalkohol zuerst den Malvenfarbstoff auf, dann erst den

Rotweinfarbstoff. Malvenwein färbt sich mit Kupfersulfat schön

violett, Bleiessig fällt grün. Gärung verändert den Farbstoff nicht

wesentlich. Ein Zusatz von Malvenfarbstoff beeinträchtigt die

Haltbarkeit des Weines. Der Malvenfarbstoff ist unbeständig. Er

bildet mit dem des Flieders eine Gruppe, die bestimmt von der der

Kirsche und der Heidelbeere verschieden ist (~H. W. Vogel~). Der

Farbstoff läßt sich in einen wasserlöslichen und einen in Wasser

unlöslichen, alkohollöslichen trennen, die sich durch Farbe und

Reaktion unterscheiden. Der letztere, der bei der Kalischmelze

Hydrochinon und Brenzkatechin liefert, hat die Formel C₁₄H₁₆O₆ (mit

2 OH-Gruppen), der erstere ist ein Glykosid (~Grafe~). Man hat den

Malvenfarbstoff auch zur Herstellung von Reagenspapier empfohlen

(Vorschrift in ~Fischer-Hartwich~, Pharm. Praxis II, 346). Das Papier

wird durch Säuren rot, durch Alkalien grün. Die Empfindlichkeit gegen

HCl ist 1 : 13000, die zu NH₃ 1 : 20000. Der Farbstoff ist nicht nur

ein spezielles Codeinreagens (~Benezech~), sondern reagiert auch mit

einigen anderen Alkaloiden (z. B. Atropin, Brucin, Nikotin) mit

grüner, mit Chininsulfat mit Purpurfarbe. Er ist aber indifferent

gegenüber Morphin, Cocain, Kaffein und Cinchonin (~Woolsey~).

=Anwendung.= Man benutzt die _Flor. malv. arbor._ zur Herstellung

schleimiger Dekokte und Gurgelwässer, z. B. bei Angina. Der Farbstoff

wird jetzt nur noch wenig zum Auffärben von Rotweinen benutzt, da

sich hierfür haltbarere Pflanzenfarben besser eignen (Kermesbeeren,

Liguster, Orseille, Cochenille).

=Geschichte.= Die Stockrose scheint im Altertum und Mittelalter nicht

bekannt gewesen zu sein, die Malven des ~Theophrast~, ~Dioskurides~

und ~Albertus Magnus~ sind andere Pflanzen (vgl. oben S. 363).

~Galens~ Baummalve (δενδρομαλάκη nach ~Fraas~ die μαλάκη δενδρώδης

des ~Theophrast~) ist wohl _Lavatera arborea_ L. Erst im XVI. Jahrh.

begegnen wir ihr sicher, bei ~Bock~ (sowie ~Tabernaemontanus~,

~Matthioli~) heißt sie Herbst- oder Ernrose, weil sie erst zur

Erntezeit blüht, oder römische Pappeln, _Malva romana_, auch _Rosa

ultra marina_. ~Bock~ und ~Gesner~ beschreiben sie und bilden sie ab.

Sie war schon damals in zahlreichen Farbenvarietäten bekannt (vgl.

~J. D. Host~, Malva arborescens lutea Gissae 1654). ~Fischer-Benzon~

ist der Ansicht, daß sie durch die Türken nach Europa kam. Auch

der sich bei ~Bock~ und ~Gesner~ findende Beisatz _romana_ deutet

ihren fremden Ursprung an. Sie war wohl im XVI. Jahrh. diesseits

der Alpen noch selten (~Flückiger~). Doch finden wir bei den patres

botanices Abbildungen und Beschreibungen von ihr. Der Vergleich mit

einer (geruchlosen) Rose findet sich bereits bei ~Porta~ (Villae),

~Bock~ («nobilem hunc rosam») und ~Matthioli~, der Ausdruck _Malva

rosea_ bei ~Lobelius~ (Adversaria 293); später finden sich dann auch

noch die Bezeichnungen _Malva rosacea hortensis_, _Rose di Francia_

(bei Neapel). Möglicherweise bezieht sich auch der Ausdruck _Rosa

syriaca_ auf die Stockrose (?) und ihre Herkunft aus der Türkei.

Die Bezeichnung _ros syriacus_ (Flos malvae vel orni id est querci)

in der Alphita (I, S. 657), an anderer Stelle (I, S. 648): _flos

syriacus_, _flos malvae_, _ros syriacus_ = _flos orni_ ist unklar,

bezieht sich aber wohl nicht auf die Stockrose. In der Alphita

oxoniensis (I, S. 652) steht _Malua siriaca_ (molochia, malua

domestica siue ortulana). In den mittelengl. Medizinbüchern (I, S.

683) _flos siriacus_, _malew_, _malowys_ (~Henslow~ deutet dies als

_M. silvestris_). Nach dem Pinax ~Bauhins~, in dem sich auch eine

_Alcea arborescens Syriaca_ befindet, ist die syrische Malve eine von

_A. rosea_ verschiedene Art (?). In der Reformatio von Worms von 1582

(I, S. 817) finden sich: _Flos malvae arb._ = Finrosen, Halsrosen

oder Brennrosen. _A. ros._ steht auch im Pen tsʿao kang mu (I, S.

518).

=Lit.= Abbild. in ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t. 19, ~Nees von

Esenbeck~, Pl. med. t. 416 und ~Berg-Schmidt~, Atlas (I. Aufl.) t.

21. -- ~Morison~, Jahresber. d. Pharm. 1885, 12. -- ~Mitlacher~,

Arzneipflanzenkultur. Pharm. Post 1909. -- ~Flückiger~, Pharmakogn.

-- Nährschicht: ~Holfert~, a. a. O.

=Farbstoff=: ~H. W. Vogel~, Absorptionsspektra. Ber. d. d. chem.

Ges. 1875, 1246 u. 1876, 1906 und Spektralanalyse. -- ~Phipson~,

Chem. News 20, 229 (Zeitschr. anal. Chem. 9, 121). -- ~Böttger~,

Zeitschr. anal. Chem. 15, 102. -- ~van der Driessen~, Ned. Tijdskr.

1900. -- ~Grafe~, Stud. über d. Anthokyan. Anz. d. Wien. Akad. 1909.

-- ~Benezech~, Pharm. Zeit. 1892, 547. -- ~Woolsey~, Althaea rosea.

Bulletin of pharm. 1897, 342. -- ~Glan~, Über d. Farbstoff d. schw.

Malve. Dissertat. Erlangen 1892 (Beih. z. Bot. Zentralbl. 1893, 292).

-- ~Weigert~, Jahrb. d. önolog.-pomolog. Lehranst. Klosterneuburg

1894. -- Empfindlichkeit des Malvenpapiers: Pharm. Post 1895, Nr. 1.

-- ~Hasterlik~, Mitt. aus d. pharm. Instit. Erlangen 1890. -- Vgl.

auch ~Linsbauer~ in ~Wiesner~, Rohstoffe II, 656. Spektralanalyt.

Verhalten verschieden behandelter Lösungen des Farbstoffes in

~König~, Nahr.- u. Genußm. III. B. (1910), 584.

Flos Tiliae.

=Syn.= Lindenblüte -- tilleul (franz.) -- linden oder lime tree (engl.)

-- linde (holl.) -- tiglio (ital.) -- tilo (span.) -- niinipuun kucka

(fin.) -- hársfa (ung.) -- ἄνθος φιλύρας (n.-griech.).

+ahd.+: lin, lind, linda, linta -- +mhd.+: linde, leynde, lindeboumen

-- +anord.+: lind -- +ags.+: lind -- +serb.+, russisch, böhm.

+wend.+: lipa (davon Leipzig!) -- arab.: uglamur -- jap.: badaisin.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 54 / 120 段