Über die tierischen Schädlinge von _Malva alcea_, _moschata_,

_silvestris_, _neglecta_, _rotundifolia_ und _Althaea officinalis_

berichtet ~Israel~:

1. +Käfer+: _Haltica rufipes._ L., _H. fuscipes._ ~Fabr.~ und _H.

malvae_ ~Ill.~ Larven und Käfer an den verschiedensten Malvaceen,

letzterer mehr in den Donauländern. _Lixus angustatus_ ~Fabr.~ Larven

meist in Kompositen, auch in _Malva_arten. _Apion aeneum_ ~Fabr.~,

_A. malvae_ ~Fabr.~ und andere _Apion_arten leben als Larven in den

Früchten von _Malva_- und _Althaea_arten. _Trachys pygmaea_ ~Fabr.~

Larven minierend auf _Althaea_- und _Malva_arten.

2. +Falter+: _Spilothyrus alceae_ ~Esp.~, _S. althaeae_ ~Hübn.~

Raupen auf diversen Malvaceen. _Acontia lucida_ ~Hufn.~, _A.

luctuosa_ W. V. Die Raupen beider, nicht überall häufigen Falter

leben auf diversen Malvaceen. _Gelechia malvella_ ~Hb.~ Räupchen in

den Früchten vieler Malvaceen.

3. +Schnabelkerfe+: _Aphis cardui_ L. soll außer an verschiedenen

Kompositen auch an _Malva_arten leben.

1894 trat eine Raupe auf den Stecklingen der bayrischen Kulturen auf,

die dieselben stark schädigte (~Gehe~ & Co.).

Die Droge ist sehr der Zerstörung durch _Sitodrepa panicea_ (I, S.

379) ausgesetzt. Man tut gut, von Zeit zu Zeit ein offenes Gefäß mit

etwas Chloroform in den Vorratskasten zu stellen.

=Kultur und Einsammlung.= Die deutsche Altheewurzel stammt nur aus

den Kulturen. Wilde _Althaea_ liefert überhaupt weniger gute Wurzeln.

Hauptkulturort für deutsche _Althaea_ ist Gochsheim, eine Stunde von

Schweinfurt, dann die Umgegend von Nürnberg. Die Kulturen befinden sich

nördlich von +Nürnberg+ (Groß- und Klein-Reuth, Lohe, Schnepfenreuth,

Almoshof, Poppenreuth, Höfles, Rohnhof, Bislohe, Kraftshof, Boxdorf,

Stadeln, Gr. Gründlach, Neunhof usw.) und südlich von Nürnberg

(Schweinau, Groß-Reuth, Sündersbühl). In der Umgebung von +Schweinfurt+

sind Gochsheim, Schwebheim, Sennfeld zu nennen, bei Ulm Söflingen;

kleinere liegen bei Jenalöbnitz, Rüdenhausen (Amt Kitzingen),

Schlauraf. Bei Bamberg wird keine _Althaea_ mehr gebaut (~Kraft~ 1910).

~A. Schwarz~ in Nürnberg schreibt mir 1910: «_Althaea_ ist die

hauptsächlichste Arzneipflanze, welche bei Nürnberg gebaut wird. Der

Anbau ist am stärksten zwischen Nürnberg und Erlangen. Die Länge des

Anbaugebietes darf auf 7, die Breite auf 2 Stunden angegeben werden.

Der Eibisch wird hier in mäßig großen Feldern neben Gemüsen, Spargel

usw. gebaut.» Wie ~Unger~ berichtet pflanzen die Bauern die Wurzeln in

andere Felder unter Zwiebeln, Möhren, Kraut u. dergl. und im Oktober,

November, eventuell auch im Dezember, wenn alles andere abgeerntet ist,

wird die Eibischwurzel gegraben, geschält und getrocknet. Im Laufe

des Winters wird dann von den Wurzelschneidern im Orte die Wurzel

gespalten und geschnitten. Nicht alle Bauern haben Trockenschränke.

Die Wurzelschneider feuchten oft die Wurzeln an und legen sie in den

Keller, bis sie sich gut schneiden lassen, was aber unzulässig ist

(~Unger~).

Die Ernte in den Ämtern Nürnberg und Fürth beträgt pro Jahr etwa 3000

Zentner. Das meiste liefert: Neunhof, Kraftshof, Buch, Boxdorf, Klein-

und Groß-Reuth hinter der Veste und Sündersbühl. _Althaea_ verlangt

besonders im August bis Oktober Feuchtigkeit. Anhaltende Trockenheit

schädigt die Felder, ebenso anhaltende feuchte Witterung oder gar

Überschwemmung, wie 1898 in Belgien. Nebeliges trübes Wetter liefert

graue Wurzeln. Da die Asche der _Althaea_ reich an Phosphaten ist,

sollten die Kulturen mit Thomasmehl gedüngt werden. Die Erntebereitung

erfordert ziemlich viel Arbeit und viele Bauern wendeten sich 1898-1900

anderen Kulturen zu, doch wurden, da wieder bessere Preise erzielt

wurden, die Kulturen in Unterfranken 1907 wieder erweitert. Nur die

größeren Wurzeln geben gute Ware, nicht die Zasern. Sorgfältige

Trocknung eventuell Nachtrocknung bei nicht zu hoher Temperatur ist

erforderlich, da die Wurzel sonst leicht einen widerlichen Geschmack

annimmt und gelblich wird. 5 Teile frische Wurzel liefern 1 Teil

geschälte und getrocknete.

Die Kultur von _Althaea_ gelang 1887 ~Labler~ in Böhmen nicht gut.

In der von Prof. ~Páter~ geleiteten staatlichen Versuchsstation für

die Kultur der Arzneipflanzen in Klausenburg (Kolozsvár) in Ungarn

wird _Althaea_ zu Wurzel-, Blätter- und Blütengewinnung kultiviert.

Sie findet sich auch in vielen ungarischen Privatpflanzungen (z. B.

der ~Gebr. Neumann~, Dr. ~Skiczák~ u. a.), die zum Teil mit ganz

modernen Trocknungseinrichtungen versehen sind (~Mitlacher~). Die

Rentabilität scheint nicht sehr beträchtlich zu sein, immerhin lohnt

die Kultur. Ungarn sammelt aber auch _Althaea_ in größerem Maßstabe von

wildwachsenden Pflanzen (~Páter~). Österreich-Ungarn exportiert größere

Mengen _Rad. Althaeae_ (~Mitlacher~, 1910).

Ich sah _Althaea_ oft in Bauerngärten Deutschlands und der Schweiz.

Auch in +Frankreich+, +Belgien+ und +Italien+ wird _Rad. althaeae_

gesammelt und exportiert. Es befinden sich Kulturen in Nordfrankreich

und im Hennegan (Belgien). Die Gärtnereien von +Milly+ (Depart. Seine

et Oise) kultivieren auch _Althaea_ (~Planchon~, 1892). Die A. gallica

war früher von vorzüglicher Qualität. Die belgischen Pflanzungen

sind beträchtlich. +Ganze+ belgische Wurzel ist beliebt. Frankreich

bezog 1909 _Althaeawurzel_ aus Italien und Belgien. In Italien wird

die Droge nur von wildwachsenden Pflanzen gesammelt und zwar bei

Mondoví in Piemont und Solesine in Venezien (~Ravasini~). Kulturen

finden sich auch in Madras (~Watt~), aber die meiste _Althaea_ wird

von Persien nach Indien importiert. /# =Lit.= ~Unger~, Apoth. Zeit.

1890, 14. -- ~Mitlacher~, Kultur von Arzneipfl. in Österr.-Ungarn.

Pharm. Post 1909 (dort weitere Lit.) und Z. Produkt. v. Arzneipflanz.

in Österreich-Ungarn. Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 1910, 459. --

~Scherfel~, Medizinalpfl. Ungarns. Beih. z. Bot. Centralbl. 1897. --

~Augustin-Lengyel~ Vezérfonal Pharmakobotanikai Gyàkorlatokhoz 1908.

-- ~A. Schwarz~, Briefl. Mittheil. 1910. -- ~Labler~, Prager Rundschau

1887 und Zeitschr. Österr. Apoth. Ver. 1889. -- ~Planchon~, Rep. d.

Pharm. 1892, 375. -- ~F. von Müller~, Select. extratrop. plants readily

eligible for Industrial Cultur 1885.

=Handelssorten.= Der Handel unterscheidet besonders deutsche und

belgische Wurzel, zu denen dann noch die weniger wichtige französische

tritt. Die ungarische Althaeawurzel ist bisweilen ungeschält (~Vogl~).

=Morphologie der Droge.= Die Droge wird nur von zweijährigen Pflanzen

gesammelt, ältere sind zu holzig, jüngere zu dünn. Sie ist stets

geschält im Handel. Die Wurzel des ersten Jahres bleibt entweder

erhalten und entwickelt sich, zahlreiche Verzweigungen bildend, weiter

oder geht zugrunde und an ihrer Stelle treten aus dem kurzen Rhizom

zahlreiche, etwa gleichdicke Zasern. Das Rhizom entwickelt entweder

nur einen Stengel oder wird mehrköpfig und treibt alsdann zahlreiche

Stengel. Die hellgraubräunliche, nicht selten 0,5 m lange Hauptwurzel

ist oft bis 3 cm dick, bisweilen um die Achse gedreht, die Zasern

dagegen erreichen nur eine Dicke von 1 cm. Die Droge wird meist aus den

Hauptwurzeln dargestellt. Man schneidet die Nebenwurzeln ab, schält

sie durch Abschaben des Korkes und der äußersten Schichten der Rinde

und trocknet dann. So erhält man verschieden (meist c. 2 dcm) lange,

c. 1,5 cm dicke, weißliche Stücke, die auf der Oberfläche wenige aber

grobe Längsrunzeln bzw. Furchen und zahlreiche dunklere Narben, von den

Nebenwurzeln herrührend, erkennen lassen, sowie viele feine Fäserchen:

freigelegte Bastfasergruppen der Rinde (s. unten). Der Bruch ist im

Holzkörper uneben körnig, in der Rinde faserig. Der Durchmesser des

Holzkörpers beträgt das fünf- bis sechsfache der Rinde, die nach dem

Aufweichen etwa 3 mm dick zu sein pflegt.

Das +Lupenbild des Querschnittes+, der sich mit Jod stark bläut, zeigt

deutlich hervortretend die ringsumlaufende bräunliche Cambiumlinie.

Innerhalb derselben treten feine Radialstrahlen, im Zentrum

unregelmäßige Punktierung hervor. Die Rinde läßt zarte konzentrische

Zonen erkennen (Fig. 117). Die Gefäßgruppen erscheinen beim Betupfen

des Querschnittes mit Phloroglucin-Salzsäure als rote Punkte.

Die Droge ist viel in Würfel geschnitten im Handel.

_Rad. alth._ riecht eigenartig und schmeckt süßlich, fade-schleimig.

[Illustration: Fig. 117.

_Rad. althaeae_, Lupenbild des Querschnittes. [+Tschirch-Oesterle+,

Atlas.]]

=Anatomie.= _Althaea_ besitzt Befestigungs- und Ernährungswurzeln

(~Tschirch~ und ~Radlauer~, ~Stscherbatscheff~). Die

Befestigungswurzeln führen Libriform im Zentralzylinder, die

Ernährungswurzeln nicht. Der primäre Bau der Wurzel ist radial-diarch,

wird dann oft tri- und tetrarch, seltener pentarch. In der Rinde findet

sich meist eine endotrophische Mycorhiza. Schon bei einer 1,3 mm dicken

Wurzel ist die primäre Rinde abgeworfen. Der Bau des Wurzelbündels ist

collateral geworden und es ist ringsum Perikambialkork entstanden und

in der Rinde Bastzellgruppen und Schleimzellen.

[Illustration: Fig. 118.

_Rad. althaeae._ Querschnitt am Cambium. [+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

[Illustration: Fig. 119.

_Rad. althaeae._ Längsschnitt am Cambium. [+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

Der (der Droge fehlende) Kork besteht aus etwa 8 Reihen tafelförmiger

Korkzellen. Darunter folgt ein großzelliges Parenchym. Die sekundäre

Rinde wird in radialer Richtung von breiten, schon mit der Lupe

sichtbaren Markstrahlen durchzogen. Die Tangentialstreifung (s.

oben) der Rinde rührt von zahlreichen, kleinen, in tangentialen

Zonen angeordneten kleinen Bastzellgruppen her (Fig. 118, B), deren

äußerste bei der geschälten Droge als Fäserchen sichtbar werden.

Mit letzteren alternieren Siebröhrengruppen (s. Fig. 117, 5). Die

wenig oder gar nicht verholzten Bastzellen sind meist nicht sehr

stark verdickt, ihre Enden kegelig oder gabelig oder knorrig. Sie

sind 10-27 (meist 18 bis 20) mik breit und meist etwa 600 mik lang.

Safranin färbt die Membran der Bastzellen und der Gefäße rot (~Vogl~),

Chlorzinkjod die inneren Lamellen der Bastzellen blau (~A. Meyer~).

Das Rindenparenchym (Phloëmparenchym) und die Markstrahlen führen viel

Stärke, etwas Asparagin und kleine Öltröpfchen (letztere besonders in

den Markstrahlen), einige Zellen auch etwa 25 mik (18-30) messende

Calciumoxalatdrusen mit oft stacheligem Rande. Die Kristalle liegen

in einer Tasche (~Wittlin~). Eingestreut in das Rindenparenchym

finden sich zahlreiche rundliche oder in der Organachse gestreckte

Schleimzellen mit sehr dicken geschichteten Schleimmembranen

(Schichtung wird deutlich beim Zufließen von Alkohol), die sich weder

mit Jod, noch mit Chlorzinkjod und Jodschwefelsäure blau färben. Beim

Chloralpräparate fand ~Vogl~ in den Schleimzellen 15-36 mik große

prachtvolle Sphärite, oft traubig aggregiert, zerklüftet, rissig,

geschichtet und radial gestreift, bald der Zellwand aufsitzend, bald

frei in der Zelle liegend. Einige sind kugelig, andere eirund oder

elliptisch, oder traubig gehäuft, nicht selten in langer Reihe der

Zellwand aufsitzend. In dem innerhalb des Reihenkambiums liegenden

Holzkörper ist das +Speicherparenchym+ (Holzparenchym) sehr stark

entwickelt. Es führt Stärke, Asparagin (in deutlichen Kristallen

meist nur nach Einlegen frischer Wurzeln in Alkohol), fettes Öl und

Rohrzucker. Konz. Schwefelsäure färbt rot, Kali zitronengelb. Die

Stärkekörner, der hauptsächlichste Reservestoff der Wurzel, sind

sehr mannigfaltig gestaltet: rundlich, oval, gestreckt, gekrümmt,

verbogen oder gelappt (Fig. 120). Der Spalt ist nicht immer deutlich,

zusammengesetzte Körner sind selten. Die Größe beträgt 3,5-27 mik.

Eingestreut in das Speicherparenchym finden sich Schleimzellen und

Zellen mit Calciumoxalatkristallen. Die 25-80 (meist 50-60) mik

weiten +Leiter-+ oder +Netzleistengefäße+, entweder einzeln oder zu

Gruppen vereinigt, liegen ziemlich zerstreut. Sie zeigen manchmal

Thyllenbildung (Fig. 119). Bisweilen sieht man innerhalb des Cambiums

einzelne, meist Wundgummi führende Gefäß- und Tracheïdengruppen

von einem Korkmantel ganz oder teilweise umgeben (~Lanessan~ 1877,

~Hartwich~ 1906). Die Gefäße sind oft von einem Tracheïdensaume

umgeben und von Bastfaser-(Libriform-)gruppen begleitet. Letztere

finden sich aber auch isoliert im Gewebe verstreut. Die meist sehr

hohen Markstrahlen des Holzes ähneln denen der Rinde, zeigen auch die

gleichen Inhaltskörper. Im Zentrum des Holzkörpers findet man bisweilen

noch die Protoxylemgruppe, deren Libriformzellen verholzt sind (~Vogl~).

Im +Pulver+ prävalieren die Stärkekörner, deren charakteristische

Form (Fig. 120) für die Diagnose brauchbar ist. Im Alkoholpräparate

erscheinen die Inhalte der Schleimzellen als helle Schollen,

die beim Zufließenlassen von Wasser zu hyalinen Blasen werden.

Im Chloralpräparate treten neben Parenchymfetzen die sehr

charakteristischen Bastzellen und Gefäße oder deren Fragmente deutlich

hervor, sowie die Calciumoxalatdrusen oder deren Kristallsplitter.

Da das Pulver nur aus geschälter Droge dargestellt wird, fehlen die

Korkzellen oder sind doch nur in sehr geringer Menge vorhanden,

herrührend von den Stellen, wo die Nebenwurzeln abgeschnitten wurden.

[Illustration: Fig. 120.

_Rad. althaeae_, Stärkekörner. [+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

=Lit.= ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas t. 30 (dort das Detail).

-- ~Tschirch~, Angew. Anatom. -- ~A. Meyer~, Drogenkunde (Fig. 195).

-- ~Berg~, Anatom. Atlas t. 11. -- ~Karsten-Oltmanns~, Lehrbuch,

Fig. 107-109. -- ~Moeller~, Lehrbuch, Fig. 320. -- ~Gilg~, Lehrbuch,

Fig. 237. -- ~Planchon-Collin~, Drog. simpl. II, Fig. 1189. -- ~van

Tieghem~, Ann. sc. nat. (7) 1 (1885), 76. -- ~Dumont~, Anat. comp. d.

Malvac., Ebenda (7) 6, 138. t. IV. -- ~Kuntze~, Vergl. Anat. d. Malv.

Bot. Centralbl. 1891. -- ~Solereder~, System. Anat. d. Dicotylen S.

166 (dort weitere Lit). -- ~Frank~, Pringsh. Jahrb. V, t. XV. --

~de Bary~, Anatomie 151. -- ~Walliczek~, Dissertat. Bern 1893. --

~Guiraud~, Bot. Centralbl. 61 (1895) 376. -- ~Holfert~, Prim. Anlage

d. Wurzeln. Arch. Pharm. 1889. -- ~Lanessan~, Bull. Soc. Linn. Paris

1877 (u. Hist. d. drog. I, Fig. 59). -- ~Hartwich~, Schleimzellen

von Althaea, Verh. d. Naturforschervers. Halle 1891 (Pharm. Zeit.

1891, 609) und Eigenthüml. Bild. von Wundkork in d. Wurz. v. Althaea

offic. Schw. Wochenschr. 1906, 137, sowie Althaea in Realenzyklop. d.

Pharm. -- ~Freidenfeldt~, Anatom. Bau d. Wurzel. Bibl. bot. Heft 61,

1904. -- ~Jost~, Zerklüftung einiger Rhizome u. Wurzeln. Bot. Zeit.

1890. -- ~Radlauer~, Dissert. Bern 1911. -- ~Stscherbatscheff~, Arch.

Pharm. 1907, 48. -- ~Wittlin~, Bot. Centralbl. 67 (1896), Taf. 1 Fig.

35. -- Das Pulver ausführlich in ~Koch~, Atlas d. Drogenpulver II, t.

12, ~Greenish-Collin~, Atlas veget. powders pl. 109 und ~Kraemer~,

Powdered drugs. Amer. Pharm. Assoc. 1898, 312. -- Stärke: ~Bastin~,

The Apothecary 1893 (Pharm. Journ. 1893, 747). -- Mikr. Nachweis des

Asparagins: ~Pfeffer~, Pringsh. Jahrb. 1872, 533. Vgl. auch Borodin,

Bot. Zeit. 1878, 801.

=Chemie.= Der Apotheker =Bacon= fand 1826 in der _Rad. alth._ +Gummi+,

+Zucker+, +fettes Öl+, +Stärke+, +Eiweiß+, +Althaein+ und «malate

acide d’althéine». Letzteres erklärte ~Plisson~ für identisch mit dem

von Robiquet 1805 in _Asparagus_ entdeckten +Asparagin+, dem Monoamid

der Amidobernsteinsäure:

(NH₂)--CH--COOH

|

CH₂--CO(NH₂) (F. wasserfrei = 234-235°).

Dieses Asparagin, das glänzende, rhombische, in heißem Wasser lösliche,

in Alkohol und Äther unlösliche Prismen bildet, ist linkshemiëdrisches,

optisch-linksdrehendes l-Asparagin [rechtshemiëdrisches,

süßschmeckendes Asparagin erhielt ~Piutti~ aus Wickenkeimlingen, doch

geht dies wohl aus l-Asparagin hervor (~Pringsheim~)]. l-Asparagin ist

im Pflanzenreich weit verbreitet. _Rad. alth._ enthält davon 0,8-2%.

~Rebling~ fand in _Rad. althaeae_ 10-11% Zucker, den ~Wittstock~ für

Rohrzucker erklärte. Die von ~L. Meier~ angegebene Apfelsäure hat keine

Bestätigung gefunden.

~Buchner~ fand 35,64% Schleim, 37,51% Stärke (nach ~Flückiger-Hanbury~

etwas mehr als 25%), 8,29% Zucker und Asparagin, 1,26% fettes Öl, 1,81%

glutinöse Materie, 11,05% Pflanzenmark (Pektin). Der +Althaeaschleim+,

von dem ~Flückiger~ 25% erhielt, ist in Wasser löslich. Er läßt sich

durch Ammonsulfat aussalzen (~Pohl~), ist in Kupferoxydammon unlöslich

und färbt sich weder mit Jod noch mit Jodschwefelsäure (Echte Schleime,

~Tschirch~). Bleiacetat schlägt ihn nieder. Da der Schleim, dem die

Formel C₁₂H₂₀O₁₀ gegeben wurde (~Schmidt~, ~Mulder~), bei der Oxydation

Schleimsäure liefert, muß er +Galaktose+ liefernde Gruppen enthalten.

Vielfach wird kalte Extraktion der Wurzel an Stelle des Dekoktes

gesetzt, doch treten auch neuerdings warme Verteidiger des Abkochens

auf (~Unger~ 1890), da der heiße Auszug haltbarer ist. Der kalte Auszug

enthält nur Schleim, keinen Stärkekleister, wird daher von Jod nicht

gebläut, der heiße wird blau. Wenn es sich nur um den Schleim handelt,

genügt kalte Extraktion. Pharmac. helvet. IV sagt: «Statt Decoctum rad.

alth. ist die Kolatur einer halbstündigen Maceration zu dispensieren.»

~Orlow~ fand +Betain+ (Trimethylglycin, Oxyneurin):

CH₂--CO

| | + H₂O

(CH₃)₃≡N----O

und einen dem Lecithin (vgl. S. 342) ähnlichen Körper. Die Wurzel

enthält auch ein +Enzym+. Gerbstoff findet sich nur in den

Randschichten der ungeschälten Wurzel. Die +Asche+ beträgt 4,88%

(~Flückiger~), 3,2-5,5% (~Hauke~), im Pulver oft etwas mehr. Die obere

Grenzzahl beträgt 6%. Die Asche ist rein weiß. ~Nygård~ gibt den

Wassergehalt auf 11% an. ~E. Dieterich~ fand (1891) 9,95% H₂O, 4,8%

Asche und in letzterer 7,08% Kaliumcarbonat, -- im Pulver 6,20-9,10%

H₂O, 5,8 bis 6,5% Asche, darin 17,0% K₂CO₃. Die Asche ist reich an

Phosphaten.

=Lit.= Ältere Lit. ~Link~, Schweigg. Journ. XIII, 186, ~Pfaff~, Mat.

med. VI, 78, ~Colin~ und ~Gaultier~, Schweigg. Journ. XIII, 453,

~Gmelin~, Handb. d. Chem. II, 1251, ~Pereira~, Heilmittellehre II.

-- ~Wittstock~, Poggend. Ann. 20 (1830) 346 (Pharm. Centralbl. 1831,

277). -- ~Buchner~, Rep. 41 (1832) 368 u. Pharm. Centralbl. 1832,

511. -- ~Leo Meier~, Jahrb. f. d. Pharm. 12, 2 (1826) 75 (vollständ.

Analyse). -- ~Guérin Varry~, Ann. de chim. II 49, 264. -- ~Schmidt~,

Lieb. Ann. 51, 29. -- ~Hilger~ und ~Rothenfusser~, Ber. d. chem.

Ges. 35, 1841. -- ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Flückiger-Hanbury~,

Pharmacographia. -- ~Pohl~, Zeitschr. phys. Chem. 14 (1890) 151.

-- +Asparagin+: ~Robiquet~ jun., Ann. chim. 55 (1805) 152. --

~Vauquelin~ et ~Robiquet~, Ebenda 57 (1806) 88. (~Delaville~,

Ebenda 41 (1802) 298). -- ~Bacon~, Althéine, nouvelle substance

végétale. Ann. chim. phys. 34, 201 (1827), Journ. chim. med. II,

551. -- ~Plisson~, Sur l’identité du malate acide d’althéine avec

l’asparagine. Ann. chim. phys. 36 (1827) 175. -- ~Piutti~, Ber. d.

chem. Ges. 22, Ref. 241 u. 243. -- ~Pringsheim~, Zeitschr. physikal.

Chem. 66 (1910).

~N. Orlow~, Betain als Bestandt. d. Wurz. von Alth. offic. Pharm.

Zeitschr. f. Rußl. 36 (1897) 631 (Journ. ph. 1898, 7. 108 u. 305) und

Lecithin Farmac. Journ. 1900, Nr. 22 (Chem. Zeit. und Pharm. Zeit.

1900, 268). -- ~Rebling~ (Zucker) Arch. Ph. 134 (1855). -- ~Nygård~,

Farmac. Notisbl. 1909.

Über den sich abweichend verhaltenden Schleim (Gombine) von _Hibiscus

esculentus_ (sog. Gombo) vgl. ~Landrin~, Journ. ph. chim. 22 (1875)

278, ~Popp~, Arch. Pharm. 1871, 140.

=Verfälschungen und Prüfung.= Eine solche mit der holzigen, zähen

Wurzel der _Althaea rosea_, die früher (~Wittstein~) angegeben

wurde, scheint nicht mehr vorzukommen, ebenso wenig die Wurzel von

_A. narbonensis_ ~Cav.~ Eine sehr häufige, ja beinahe regelmäßige

Verunreinigung des grob gepulverten _Rad. alth._ ist seit Jahren

und bis auf den heutigen Tag die billigste Sorte Schwarzmehl. Auf

den ersten Blick könnte man oft meinen es nur mit letzterem zu tun

zu haben (~Döll~). Als Kuriosität sei erwähnt, daß von Getreidemehl

freies _Althaea_pulver bisweilen als «stärkefrei» angeboten wird.

Während früher die geschnittene Eibischwurzel häufig (mit Kalkmilch,

Kreide, Gips) gekalkt wurde, wird sie jetzt vielfach mit Stärke,

Getreidemehl oder _Althaea_pulver bestäubt. 1885 wurden mit Talcum

geschminkte, geschnittene _Althaea_ im Handel beobachtet, die über 1%

davon enthielt (~Bernbeck~). Doch kommt Kalken auch jetzt noch vor.

Die Prüfung auf gekalkte Wurzel durch Ausziehen mit Salzsäure (2 g

_Rad._ auf 5 ccm 1% HCl, ~Fromme~, ~Caesar~ & ~Loretz~ Handelsbericht

1898) und Prüfen des filtrierten Auszuges mit Ammoniumoxalat ist, da

auch das in der Wurzel vorkommende Calciumoxalat sich in Salzsäure

löst, von der Pharm. helvet. IV durch Prüfung eines mit +Essigsäure+

dargestellten Auszuges ersetzt worden, die auch die auf Bleiweiß

einschließt. «Schüttelt man geschnittene Eibischwurzel mit verdünnter

Essigsäure, so darf Ammoniumoxalat im Filtrate nach dem Übersättigen

mit Ammoniak nur höchstens eine Trübung und Schwefelwasserstoff keine

Veränderung hervorrufen» (Pharm. helvet. IV). Gekalkte Wurzel enthält

niemals weniger als 0,5% Kalk. Bisweilen ist so viel Kalk vorhanden,

daß man ihn mit Wasser abschlämmen und den Bodensatz untersuchen kann.

Auch Bleichung mit schwefliger Säure und Chlor scheint früher (1862)

vorgekommen zu sein. Nicht ordentlich getrocknete, feucht aufbewahrte

oder sonst feucht gewordene Wurzel riecht oft dumpfig oder schimmelt,

sie enthält kein Asparagin mehr, bildet Ammoniak und gibt einen gelben

Auszug (~Selle~), der bisweilen nach Buttersäure riecht (~Flückiger~).

Es empfiehlt sich, Blecheinsätze in die Vorratskästen zu machen.

Wurzeln, welche nach längerem Lagern geschnitten werden, liefern oft

trübe, wenig schleimige Auszüge (~Hager~). Der Schleim (1 = 10) soll

farblos und neutral sein und weder sauer, noch ammoniakalisch riechen.

Durch Kalilauge oder Ammoniak soll er rein gelb, nicht braun oder

rötlich werden.

=Lit.= Jahresber. d. Pharm. 1861, 65 (~Selle~) und 1885, 94

(~Bernbeck~).

=Anwendung.= _Rad. althaeae_ wird besonders als demulzierendes

Mittel bei Katarrhen der Respirationsorgane und Reizzuständen der

Verdauungswerkzeuge benutzt, dann als Vehikel für scharfe Arzneistoffe

und als Konspergierungsmittel für Pillen. Beliebte Arzneiformen

sind: _Decoctum althaeae_, _Syr. althaeae_, _Spec. bechicae_, _Spec.

pectorales_, _Spec. pro infantibus_, _Pastilli althaeae_, _Pasta

althaeae_, die aber oft keine _Althaea_ enthält. (Weitere Formen

und Spezialitäten in ~Hager-Fischer-Hartwich~, Pharmac. Praxis).

Die Witterung und ein damit verbundenes größeres oder geringeres

Auftreten von Katarrhen hat, wie die Handelsberichte lehren, auf den

Verbrauch von _Rad. althaeae_ großen Einfluß. Mit Altheepulver und

Wasser allein angestoßene Pillen werden bald steinhart und passieren

den Magendarmkanal ohne zu zerfallen. _Althaea_wurzel ist auch ein

Hauptmittel des Pfarrer ~Kneipp~. Die Wurzel wird roh und geschält von

den Kalmücken gegessen. Die Stengel enthalten Bastfasern in der Rinde

und diese wurden als Faserstoff empfohlen (~Cavanilles~). Ziemlich viel

Fasern liefert _Althaea narbonensis_ (span. cañamera) in der Nähe von

Narbonne.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 52 / 120 段