Die +Cotyledonen+ führen an der einander gegenüber liegenden Seite 2-4

Reihen Palissaden und sind an der Grenze dieser und des Merenchyms

von zarten Procambiumsträngen durchzogen. In der +Radicula+ liegt

ein Kranz von Procambiumsträngen, in denen da und dort zarte Gefäße

sichtbar sind. Die Zellen enthalten, eingebettet in +Ölplasma+,

kleine +Stärkekörnchen+ und zahlreiche +Aleuronkörner+, von denen die

größeren, 10-20 mik messenden, ein Kristalloid enthalten. Die Globoide

sind nicht in Körnerform, sondern als Balkengerüst ausgebildet (Details

in ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas).

[Illustration: Fig. 116.

_Trigonella Foenum-graecum._ Succedane Flächenschnitte durch die

Randschichten des Samens, besonders die Samenschale. Die Zahlen 1-5

bezeichnen die korrespondierenden Schichten in Fig. 115.

[+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

Das +Pulver+ (nur durch Mahlen herzustellen) ist charakterisiert durch

die Elemente der Samenschale (Fig. 116) -- besonders charakteristisch

sind die Säulenzellen --, die Schleimzellen und das Aleuron und Öl

führende Gewebe des Keimlings. Haare fehlen. Stärke ist nur in geringer

Menge vorhanden. Form, Bau und Größe der Aleuronkörner bieten gute

diagnostische Hilfsmittel (Abbild. des Pulvers in ~Koch~, Atlas d.

Drogenpulv. IV. t. 2).

=Lit.= ~Schleiden~, Über d. Album. bes. d. Leguminosen 1838. --

~Sempolowski~, Beitr. z. Kenntn. d. Baues d. Samensch. Diss. Leipzig

1874. -- ~de Lanessan~, Struct. d. graines du Trig. F. gr. Bull. soc.

Linn. Paris 1877. -- ~Godfrin~, Etud. histolog. s. l. tégum. sém. d.

Angiosp. Soc. sc. Nancy 1880. -- ~Scrobischewski~, Embryogénie d.

Papilionac. Congr. internat. de Bot. Petersb. 1884. -- ~Godfrin~,

Anat. comp. d. cotyl. et de l’album. Ann. sc. nat. (6) 19 (1884) 5.

-- ~Tschirch~, Angew. Anatomie Fig. 126, 193 und ~Tschirch-Oesterle~,

Anatom. Atlas t. 5. -- ~Nadelmann~, Schleimendosperme, Pringsh.

Jahrb. 21 (dort die Keimungsgeschichte) u. Ber. d. d. Bot. Ges.

1889. -- ~Lüdtke~, Beitr. z. Kenntn. d. Aleuronk. Pringsh. Jahrb.

21 (auch Dissert.). -- ~Holfert~, Nährschicht. Diss. 1890. -- Über

Nabelspalte und Tracheïdeninsel vgl. auch ~Pfäfflin~, Bau u. Funkt.

d. Nabelspalte u. Tracheïdeninsel. Diss. Bern 1897 (m. 2 Taf.). --

~Hartwich~, Foenumgraecum in Realenzyklopädie V, 407. -- ~Hassall~,

Food. London 1876. -- +Anat. Abbild.+ auch in Pharmacographia trad.

p. ~Lanessan~ 1878, 345 (ungenau), ~A. Meyer~, Drogenkunde, S. 139

(dort auch eine Schleimzelle), ~Harz~, Landw. Samenkunde II, 631,

~Moeller-Winton~, Microscopy of vegetable foods 1906, 216, ~Moeller~,

Pharmakognosie 2. Aufl., Fig. 153 und Mikroskop. d. Nahrm.,

~Planchon-Collin~, Drog. simpl. II, Fig. 1063, ~Gilg~, Pharmakogn.

Fig. 182.

=Chemie.= Aus dem wässrigen Auszuge der zertrümmerten Samen fällt

Alkohol Schleim, der getrocknet 28% der Samen ausmacht (~Flückiger~).

Die Schleimmembranen des Endosperms enthalten als Reservekohlenhydrat

ein +Mannogalaktan+, liefern also bei der Hydrolyse +Mannose+ und

+Galaktose+ (~Bourquelot~ und ~Hérissey~). Sie verhalten sich ähnlich

wie das Endosperm von _Ceratonia_ (s. d.). In 2,5 g des bei der

Hydrolyse erhaltenen Zuckers waren 1,249 Mannose und 0,978 Galaktose

enthalten.

Die Samen enthalten ferner 0,13% +Trigonellin+, C₇H₇NO₂, ein

kristallisierendes, +nicht alkalisch reagierendes+, ungiftiges

+Alkaloid+, das der Göttinger Apotheker ~Jahns~ als das Methylbetain

der Nikotinsäure erkannte:

H

C

/ \\

/ \\

HC C---CO

|| | |

HC CH |

\ // |

\ // |

N------O

CH₃

und das ~Hantzsch~ (aus nikotinsaurem Kalium und Jodmethyl mit AgO)

künstlich darstellte. Es löst sich nicht in Äther, Benzol, Chloroform,

die Lösung in Wasser wird durch Eisenchlorid rötlich. Trigonellin

findet sich auch in den Samen von _Pisum sativum_, _Cannabis sativ._,

_Avena sativ._, _Strophanthus hispidus_ und _Kombe_ (~Schulze~

und ~Frankfurt~, ~Thoms~), von _Coffea arabica_ (~Polstorff~) und

_liberica_ (~Gorter~). Daneben findet sich 0,05% +Cholin+ (Amanitin,

Sinkalín, Bilineurin):

CH₂.CH₂OH

/

(CH₃)₃≡N ,

\

OH

das also als Trimethyloxyäthylammoniumhydroxyd aufzufassen ist und das

beim Zerfall der in den Pflanzen weitverbreiteten Lecithine (Ester der

Glycerinphosphorsäure mit Fettsäuren und Cholin):

CH₂.O--R OH

| |

CH.O--R OCH₂.CH₂.N(CH₃)₃

| /

CH₂.O--P==O

\

OH

entsteht. Es ist vielleicht auch hier ein sekundäres Produkt, denn

+Lecithin+ ist in den Samen nachgewiesen. +Seminase+ scheint erst bei

der Keimung aufzutreten.

Der Träger des sehr eigenartigen Geruches, der sich dem fetten Öle

mitteilt, ist unbekannt. Den «sehr starken Geruch nach Cumarin», den

~Harz~ erwähnt, kann ich nicht bemerken. ~Flückiger~ erhielt auch bei

Wasserdestillation von 4 kg Samen keinen +Riechstoff+. Auch der Träger

der Bitterkeit ist unbekannt (das Alkaloid?).

In der Samenschale findet sich ein +Gerbstoff+, in ihr und in den

Cotyledonen ein gelber +Farbstoff+ (s. auch unter Anwendung).

Der Gehalt an +Öl+ beträgt (mit Äther extrahiert) 6% (~Flückiger~). Es

enthält neben Lecithin (s. oben), wie viele Samenöle, ein +Phytosterin+

(~Heckel~ und ~Schlagdenhauffen~). Amylalkohol extrahiert auch etwas

+Harz+. Der +Stickstoffgehalt+ beträgt 3,4% (= c. 22% Eiweiß), der

+Wassergehalt+ 10,4%, die +Asche+ 3,7% (~Jahns~, 2,67% ~Hauke~). Sie

enthält c. 25% Phosphorsäure. -- Asche des Pulvers: c. 5% (~Hauke~).

=Lit.= ~Bourquelot~ et ~Hérissey~, Les hydrates de carbone de réserve

des graines de Luzerne et de Fenugrec. Journ. pharm. chim. 11 (1900),

589, Compt. rend. 130 (1900), 731. -- ~Flückiger~, Pharmakognosie.

-- ~Jahns~, Ber. d. d. chem. Ges. 18 (1885), 2518, 20 (1887). 2840,

Arch. Pharm. 225 (1887), 985. -- ~Hantzsch~, Ber. d. d. chem. Ges. 19

(1886), 31. -- ~Heckel~ und ~Schlagdenhauffen~, Journ. pharm. chim.

16 (1886), 213, Jahresb. d. Pharm. 1886, 15. -- Weitere Angaben über

Trigonellin und Cholin in ~Oesterle~, Pharmakochemie.

=Anwendung.= Daß es schon den Alten bei der Verwendung der

Bockshornsamen besonders auf den Schleim ankam, ersehen wir daraus,

daß z. B. ~Dioskurides~ nur das Bockshornmehl (ἄλευρον τήλεως)

aufgenommen hat, das er seiner schleimigen Beschaffenheit wegen zu

Umschlägen und als Erweichungsmittel empfiehlt. Es steht bei ihm

neben Leinsamen, denen dieselbe Wirkung zugeschrieben wird. Auch

die Verwendung des Bockshornsamen zum _Empl. diachylon spl._ und

_cps._ (s. oben S. 337) beruht auf dem Schleim. Sie geht bis auf die

Araber zurück (~Mesuë~). «Es läßt sich denken, daß der Zusatz von

Schleim die Pflasterbildung begünstigt, indem die Verflüchtigung des

Wassers dadurch verzögert wird» (~Flückiger~). Auch jetzt noch sind

sie Bestandteil des _Empl. frigidum_ (_Empl. foenugraeci cps._). Und

auf dem Schleim beruht auch die Verwendung in der Tuchfabrikation.

Im Mittelalter figuriert der Same unter den Speisewürzen (Rezept zu

einer Fischspeise des Klosters St. Gallen, IX. Jahrh., ~Dümmler~)

und auch schon im Altertum wurde er in Rom in der Küche angewendet

(~Apicius Caelius~, De re coquinaria, III. Jahrh.). Jetzt benutzt

man die ganze Pflanze (aber noch mehr _Trigonella coerulea_) als

eine der Würzen des «Kräuterkäse» (Schabzieger). In Indien sind die

gerösteten Samen noch jetzt ein beliebtes Volksmittel bei Dyssenterie

(~Ainslie~). Zahlreiche aromatische Faenugraec-Präparate in der

alten indischen Literatur (methi modaka, svalpa methi modaca) deuten

auf eine umfangreiche Anwendung (Pharmac. ind.) und auch die Araber

benutzten Samen, Blätter und Öl zu den verschiedensten Zwecken. In

Indien wird Bockshorn auch diätetisch als Aphrodisiacum und als

Arzneimittel benutzt, die Blätter sind kühlend. Ganz junge Pflanzen

werden dort (obwohl sie bitter schmecken) als Gemüse benutzt. Die

Samen werden für eine Carmin-Contrefaçon benutzt und das gelbe Dekokt

derselben gibt mit Kupfersulfat ein Permanentgrün (Pharmacogr.

indic.). +Das fette Öl wird in Madras gepreßt und in Indien viel

benutzt.+

In Europa werden die Samen besonders in der Tierheilkunde benutzt

(Schweizer Viehmastpulver, Schweinefraßpulver, Holländisches

Butterpulver. Vgl. auch ~Schlagdenhauffen~ et ~Reeb~, Un. pharm. 43,

(1902), 97). Sie sind auch ein Bestandteil des Curry powder und der

Cattle Foods. Bockshornklee ist eines der Hauptmittel ~Kneipps~. Der

Samenbrei wird als «unübertreffliches Mittel» bei offenen Wunden,

Geschwüren usw. gerühmt und auch die ganze Pflanze viel benutzt

(vgl. ~Dinand~, Heilpflanzen [~Kneipps~]. Eßlingen 1910). Sie gelten

als Carminativum und werden bei Brust- und Milzleiden gebraucht.

~Dioskurides~ läßt auch mittelst Olivenöl ein Öl aus Bockshorn

bereiten, mit Kalmus- und Cyperngras-Zusatz (I, cap. 57: περὶ τηλίνον

σκευασίας), das gleiche «telinum» erwähnt ~Plinius~ und noch bei den

Arabern (I, S. 648) wird thilinum benutzt, ja sogar noch heute ist

ein huile de fenugrec in Frankreich in Gebrauch und ist Bestandteil

eines _Ungt. althaeae_. Bei ihm spielt der Schleim natürlich keine

Rolle. Der Same wird gepulvert auch gegen Ungeziefer (Läuse) benutzt.

=Verfälschung.= Im Pulver ist früher oft Erbsenmehl gefunden worden.

Auch jetzt noch (1910) findet sich oft ein Leguminosenmehl darin oder

andere Stärkesorten.

=Geschichte.= Die ägyptische Medizin scheint sich des _Faenugraecum_

bedient zu haben. Wir finden šbt (šebet) in einer Vorschrift des

Papyrus ~Ebers~ (ed. ~Joachim~) zur Heilung von Brandwunden und

auch eine Kyphivorschrift (I, S. 473) enthält sie. Doch ist die

Deutung zweifelhaft. Bei ~Dioskurides~ steht (in []) der ägyptische

Name itasin. Das biblische Wort hhatzir bezieht sich wohl kaum

auf Bockshorn (~Tristam~). Daß die Römer die Droge vom Osten (aus

Griechenland) erhielten, zeigen die Bezeichnungen +F. graecum+, die

sich in griechisch Heu erhalten hat (s. oben). Die Pflanze ist noch

jetzt in Griechenland sehr häufig. Sie stammt aber weiter von Osten,

aus Arabien und Indien, denn die arabische Bezeichnung hulba (holba)

ist nicht nur in ganz Nordafrika, sondern auch in China gebräuchlich,

und der Sanskritname methi (erst in der späteren Sanskritliteratur

auftretend, ~Flückiger~) ist vielleicht das Stammwort von τῆλις

(~De Candolle~). So wird man wohl Indien als ursprüngliche Heimat

annehmen dürfen. Von dort hat sie sich aber frühzeitig als

Kulturpflanze nach Westen verbreitet und wurde schon im Altertum

in vielen Gegenden des Mittelmeergebietes kultiviert, wie wir von

~Theophrast~ und den römischen Agronomen erfahren. _Fenum graecum_

war vielleicht einer der Lotus der Alten (?) und zwar der Gruppe der

Lotus, die wir die Kleegruppe nennen können (_Lotos agrios_ wohl =

_Trigonella corniculata_). Sie wurde in Griechenland und Italien als

Futterpflanze gebaut (griechisches Heu!). Nach ~Dierbach~ findet sich

der Bockshornsame im Corpus Hippocraticum. _Faenum graecum_ steht bei

~Celsus~ (I, S. 587), ~Scribonius Largus~ (I, S. 577) und ~Plinius~,

der seine Kultur beschreibt und, ebenso wie ~Galen~, ~Aretaeus~

u. a., viele Krankheiten nennt, die damit geheilt werden können.

_Sem. Faenugraec._ benutzte ~Mesuë~ für den _Syr. de Marubio_, den

wir noch bei ~Geoffroy~ finden. Bei ~Ibn Baithar~, der eine Menge

arabische Schriftsteller nennt, die sich ihrer bedienen, heißt die

Pflanze hulbat, bei ~Qutsamî~ h’olbadt (die Pflanze h’ab al-holb,

~Meyer~). In der Flos medicinae scholae Salerni (I, S. 629) findet

sich _foenugraecum_ und der Same steht auch in der Alphita (I, S.

648), den Tabulae, bei ~Platearius~ und ~Serapion~ (mit Synon.:

oiba). Die Salernitanische Schule übernahm also die Pflanze von den

Arabern. Durch die Benediktiner kam sie nach dem Norden. Der _Fena

graeca_ ist im St. Galler Klosterplan (I, S. 622) ein Beet eingeräumt

und in ~Karls~ Capitulare (I, S. 620) wird der Anbau von _Fenigrecum_

verlangt. Auch die ~Hildegard~ und ~Albertus Magnus~ kannten

die Pflanze. Von den Arzneibüchern des Mittelalters finden wir

chriechschez heu in dem Tegernseer und Züricher (I, S. 678), sowie

im Gothaer (I, S. 679). Ihr Anbau drang schon im Mittelalter über

Hannover bis nach Mecklenburg. Im XVI. Jahrh. fand sich die Pflanze

allenthalben in den Gärten Deutschlands und Italiens (~Gesner~) und

auch in England. Im XVIII. Jahrh. war _Sem. fenugr._ sehr beliebt.

~Geoffroy~, der sie der pyrochemischen Analyse unterwarf, teilt im

Tractatus de Mat. med. 1742 p. 259 eine Menge Vorschriften mit,

in denen der Same oder der daraus bereitete Schleim vorkommt,

meist zusammen mit anderen Mucilaginosis. ~Pomet~ bildet fenugrec.

(«fälschlich senegré genannt») gut kenntlich ab.

=Lit.= ~Flückiger-Hanbury~, +Pharmacographia+. -- ~Flückiger~,

Pharmakognosie. -- ~Ainslie~, Mat. med. ind. -- ~Tristam~, Nat. hist.

of the bible.

=Paralleldrogen.= ~Dioskurides~ verwendete auch in gleicher Weise die

Samen von _Trigonella elatior_ ~Sibth.~, (_T. corniculata_ L., λωτός

ἄγριον?), des wilden oder Kuhhornklee, den auch die Araber beachteten

(bei ~Ibn Baithar~: handakuâ elbarri).

b) Schleimzellen in der ganzen Pflanze verteilt.

Die Schleimmembranen der Schleimzellen von Vegetationsorganen

(Wurzeln, Stengeln, Blättern) und Blüten tragen nicht den Charakter

von Reservestoffen. Wir dürfen sie wohl, da sie sich wie einige

Beobachtungen, besonders an _Althaea_, zeigen, auf trockenen Standorten

vermehren, als +Wasserspeicher+ auffassen. Darauf deutet auch das

Vorkommen in der Epidermis der Blätter, welches bei den =Fol. Buccu=

(s. d.) seine extremste Ausbildung erhält und hier zu einem ganzen

Wasserspeichersystem wird (Fig. 94, 9 u. 10).

Rad. Althaeae.

=Syn.= Rad. Bismalvae, R. Hibisci, R. Malvae visci, -- Altheewurzel,

Eibischwurzel, Fliestkrautwurzel, Gilfwurz, Hilfswurzel, Schleimtee,

Weiße Süßholzwurzel, Heilwurz, Heilkraut, Samt- oder weiße Pappel,

große wilde Pappel oder Malve, -- guimauve officinale ou ordinaire

(franz.) -- (common) marshmallow (engl.) -- weatweed, mortification

root (in Amerika) -- heemst (holl.) -- malwischio, malvaccioni,

bismalva, radice di altea (ital.) -- malvavisca (span.) -- ibis rot

(schwed.) -- altee juuri (fin.) zilizgyőkér (ung.) -- ῥίζα ἀλθαίας,

auch μολόχη, νερομολόχα (n.-griech.).

khairu, khitmi-ká-jhár, khaira-ka-jhor (pers., hind., duk., bomb.).

Die Wurzel heißt in Indien und Persien: rishah-i-khitmi; die Frucht:

tukm-i-khitmi; die Blüten: gul khairu. -- Bei ~Theophrast~ ἄλθαια.

-- +athd.+ grozpapel, -- +mithd.+ ebich, ebiche, eibisch, ibsche (so

noch jetzt in Bern) ipsch, ybeske, ybesch, ybischa, ybize, ywesche

-- +mnd.+ homes, witte hümst, witte malve, wilt pippeln, rockwort.

Bei ~Ortolf~: weiße Pappel. -- Jetzt auch Arteawurzel und Theewurzel

(Rendsburg), Eibich (Österreich), Hüffwurzel (Schlesien). -- Im

Mittelalter: bismalva, eviscus, ibiscus, flos siliaci s. syriaci;

dann auch: althaea ibiscus, malva ibiscus, m. silvestris, m.

palustris.

=Etym.= Althaea aus ἀλθαία umgebildet; dies wohl mit ἄλθος (=

Heilmittel) und ἄλθομαι (= gesunden) zusammenhängend. Schon

~Dioskurides~ leitet das Wort von πολυαλθὲς (= viel heilend) ab

(«ὠνόμασται δὲ ἀλθαία διὰ τὸ πολυαλθὲς καὶ πολύχρηστον αὐτῆς»).

Heilwurz ist also die Übersetzung von ἀλθαία. -- Eibisch (athd.

ibisca, mhd. ipsch, bei der ~Hildegard~: ybischa, ibiscum, bei

~Brunschwyg~ und ~Bock~: ibisch, bei ~Fuchs~: eibesch) aus dem Lat.

ibiscum, hibiscum (hibiscus bei ~Virgil~) und dem griech. ἴβισκος

(ἔβισκος). «Ebich geht an Apium = Eppich und Hedera = Epich sehr nahe

hinan» (~Pritzel-Jessen~). Im Corpus-Glossar steht: euiscus, ibiscus

(~Fischer-Benzon~). ~Grassmann~ bemerkt von ibiscus: «schwerlich ist

es ein ursprünglich griechisches oder lateinisches Wort, da es in

diesen Sprachen keine verwandten Wörter hat und auch die Lautform

auf eine Entlehnung hindeutet.» Bei ~Dioskurides~ ἀλθαία, Synonyma

bei ~Dioskurides~: ἐβίσκον, μολόχη (μαλάχἠ) ἀγρία, ἀθίσκον (bei

den Römern Hebiscum). Bei den späteren Griechen (vgl. ~Langkavel~)

ἀλθαία, ἀσπρομολόχη, ἀλκέα, βύσκος, ἐβίσκη, ὀνομαλάχη. Bei ~Plinius~:

Althaea, d. h. Malva silvestris «cui grande folium et radices albae».

-- Malvaviscus aus malva viscida (wegen des Schleimes) umgebildet,

aus viscida malva entstand dann auch bismalva und guimauve (gui =

viscus). -- mauve aus malva. Bez. Pappel vgl. I, S. 1064 und unter

Malva.

=Stammpflanze.= =Althaea officinalis= L. (Spec. pl. ed. I, 686).

=System. Stellung.= +Malvaceae+, Malveae -- Malvinae -- Althaeastrum.

=Beschreibung der Stammpflanze.= Die Pflanze ist mehrjährig. Das oft

vielköpfige bis 3 cm dicke +Rhizom+ geht nach unten in eine einfache

oder mehrweniger verzweigte Wurzel über und trägt oben 60-125 cm hohe

einfache oder ästige, stielrunde, unten stark verholzte, innen markige,

kaum hohle +Stengel+, die in der Rinde reichlich Bastfasergruppen

besitzen und außen mit einem dichten Filz von Büschelhaaren bedeckt

sind. Die spiralig gestellten +Blätter+ besitzen einen kurzen, bis

4 cm langen Stiel; sie sind im oberen Teile des Stengels eiförmig,

werden dann weiter nach unten größer und dreilappig, am Grunde gerundet

bis herzförmig, und sind im untersten Teile, wo sie am größten sind,

fünflappig mit meist vorgezogenen Endlappen, die Lappen spitz, am Rande

ungleich kerbig-gezähnt bzw. kerbig-gesägt. Am Grunde ist die dicht

graufilzig behaarte Spreite fünfnervig, beiderseits vom Mittelnerven

gehen 3-5, besonders unterseits stark hervortretende Seitennerven ab.

Die zweispaltigen Nebenblätter sind lineal oder lanzettlich-pfriemlich,

lang zugespitzt, behaart, bis 8 mm lang, und, wie die Vorblätter

der Blüten, hinfällig. Die wickeligen +Blütenstände+ stehen in den

Achseln der Laubblätter; sie erscheinen durch Zusammendrängung der

Blüten büschelig, die Büschel bilden im oberen Teile der Stengel

bei Verkürzung der Blätter wieder traubige Verbindungen, sind also

oberwärts gehäuft. Die Blütenbüschel sind kürzer als die Blätter.

Die aktinomorphe, fünfzählige +Blüte+ besitzt einen +Außenkelch+

(Hochblattinvolukrum), der bis fast zum Grunde in meist 9-10 (selten 6,

7 oder 11) pfriemliche zugespitzte, behaarte Zipfel geteilt ist, die

etwas kürzer sind als der 8-9 mm lange eigentliche fünfzählige +Kelch+,

dessen eiförmige, zugespitzte, beiderseits filzige Zipfel eine klappige

Knospenlage zeigen. Die 5 spreizenden, in der Knospenlage gedrehten,

asymmetrischen, hellrosenroten (fleischfarbenen), dunkel geaderten

+Blumenblätter+ sind fast 2 cm lang, schief umgekehrt eiförmig,

oben etwas ausgerandet, am Grunde genagelt und hier beiderseits mit

einem Haarbüschel versehen, mittelst der Staubgefäßröhre an der

Basis unter sich verbunden. Die zahlreichen +Stamina+ sind zu einer

unten verbreiterten Röhre verwachsen, die Filamente sind schwach

behaart, die monothecischen, mit einem Scheitelspalt aufspringenden,

dunkelpurpurnen Antheren in der Mitte angeheftet, die Pollenkörner

groß, mit grobstachliger Exine. Die 15-18 +Fruchtblätter+ bilden eine

niedrige, am Rande gekerbte, feinbehaarte Scheibe, aus deren Mitte sich

der kräftige Griffel erhebt, dessen in der Zahl den Fruchtblättern

entsprechende Narbenschenkel anfangs zusammenneigen, später aber

auseinander spreizen. Jedes Fruchtknotenfach enthält ein aufsteigendes,

anatropes Ovulum mit nach unten gewendeter Mikropyle. Die oben

gewölbte, mit abgerundeten Rändern versehene +Frucht+ bildet eine vom

bleibenden Kelch und Außenkelch behüllte, niedergedrückte, am Rande

gekerbte, behaarte, von der Mittelsäule überragte Scheibe, die einem

Emmenthaler Käse ähnlich ist (daher: Käsepappel). Die +Samen+ sind

kahl, braun und enthalten, eingebettet in Endosperm, einen gekrümmten

Keimling, dessen nach Innen geschlagene Keimblätter an der Spitze

nochmals eingeknickt sind.

Blüht im Juli und August.

=Verbreitung.= _Althaea officin._ ist ursprünglich eine Pflanze der

Steppen und Salzsümpfe. Sie ist über ganz Europa von Mittelrußland

bis Frankreich (Südküste, Montpellier), Spanien (Salzmarschen von

Saragossa), an der Nordsee, an der Ostsee bis zur Peenemündung,

am Schwarzen Meer, am Mittelmeer, an den atlantischen Küsten bis

Südengland und Irland, mit Ausnahme Skandinaviens und des höheren

Nordens, auch in Griechenland und Macedonien, sowie über das gemäßigte

Westasien (z. B. Syrien, Persien, Afghanistan), Zentralasien

(Kaschmir), im Panjáb Himalaya, Sind und Nordasien (Alataugebirge

in Südsibirien, südlich vom Balkasch-See) verbreitet. Aus Europa

eingeschleppt findet sie sich jetzt auch in den Salzmarschen der Küste

von Massachusetts, New York und Pennsylvania (~Henkel~). Sie findet

sich an den Rändern von feuchten Gebüschen, Gräben, Zäunen besonders

auf salzigem Boden oder in der Nähe salzhaltiger Stellen. Auf trockenem

Boden wird sie schleimreicher. In Norddeutschland ist die Pflanze

zerstreut und ziemlich selten, in der Schweiz scheint sie zu fehlen.

(Bei ~Schinz-Keller~ finde ich nur die einjährige _A. hirsuta._) Für

Baden, Wetterau, Nassau, Franken, Westfalen, Oberhessen durch Thüringen

und Sachsen, sowie Böhmen wird sie angegeben, in Ungarn scheint sie

häufig zu sein. Im Alatau steigt sie bis 3000 Fuß (~Semenoff~).

=Lit.= ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Sibthorp~, Prodr. flor. graec.

II, 42. -- ~Luerssen~, Med. pharm. Bot. -- ~Alice Henkel~, U. S.

Dep. Agr. Bulletin 89. 1906. -- ~Garcke~, Flora v. Deutschland.

-- +Abbild+. in ~Berg-Schmidt~, Atlas, 2. Aufl. t. 103 (dort die

systemat. Lit.). -- ~Berg~, Charakteristik, t. 81. -- ~Pabst-Köhler~,

Medizinalpfl. t. 59. -- ~Hayne~, Arzneigew. II. t. 25. -- ~Nees von

Esenbeck~, plant. med. t. 417. -- ~Bentley-Trimen~, Med. pl. t. 35 u.

and.

=Pathologie.= Über die pflanzlichen Schädlinge berichtet Prof. ~Ed.

Fischer~: Auf _Althaea officinalis_ tritt, wie auf anderen Malvaceen,

die Uredinee _Puccinia Malvacearum_ ~Mont.~ auf, welche an allen

grünen Teilen ihre kompakt polsterförmigen braunen Teleutosporenlager

ausbildet. Es gehört dieselbe zu den sogenannten +Lepto+puccinien,

d. h. sie besitzt nur Teleutosporen, welche sofort nach der Reife zu

Basidien auskeimen. Die Basidiosporen infizieren sofort wieder junge

Blätter. Nach meinen Beobachtungen erfolgt die Überwinterung auf den

Malven einfach so, daß durch die ungünstigen Temperaturverhältnisse

im Winter die Keimung der Teleutosporen zurückgehalten wird und erst

eintritt, wenn wieder günstigere Temperaturverhältnisse vorliegen,

in welchem Zeitpunkte dann meist auch Teile der _Malva_arten sich in

infizierbarem Zustande befinden. (Eine ähnliche Beobachtung hat auch

schon ~J. Schröter~ gemacht.) Da der Pilz sowohl auf _Althaea_ wie

auch auf _Malva_ und anderen Malvaceen lebt, so kann _Althaea_ auch

von befallenen Malven aus infiziert werden. Der Pilz ist ursprünglich

in Chile einheimisch. In Europa wurde er 1869 zum ersten Male

beobachtet und zwar in Spanien, dann 1872 in Frankreich. 1873 fand

man ihn an verschiedenen Punkten von Frankreich, im Elsaß und Baden,

sowie bei Erfurt. (Siehe ~E. Ihne~, Studien zur Pflanzengeographie:

Geschichte der Einwanderung von _Puccinia Malvacearum_ und _Elodea

canadensis_. Dissertation. Gießen 1880.) _Puccinia Malvacearum_ ist

bereits 1874 auf den _Althaea_kulturen bei Nürnberg und Erlangen

beobachtet worden. (~Rees~, Sitzungsb. d. phys. med. Soc. Erlangen

1874). Der Schaden ist weniger groß als man anfangs fürchtete (~A.

Schwarz~ 1910), immerhin werden die Blätter bei stärkerem Auftreten

unverkäuflich. Zur Bekämpfung wurden Spritzmittel vorgeschlagen, doch

können solche jedenfalls da nicht angewendet werden, wo die Blätter

als Droge in Betracht kommen.

Auf den Blättern der Althaeen sind außer _Puccinia Malvacearum_ noch

mehrere Imperfekten beobachtet worden, welche Blattfleckenkrankheiten

hervorrufen. Unter denselben tritt namentlich _Colletotrichum

Althaeae_ ~Southworth~ (_Stirochaete Malvarum_ ~A. Br.~ et ~Casp.~)

(s. ~Southworth~, Ad new hollyhock disease. Journal of Mycology 1890,

p. 45 und 115) unter Umständen so verheerend auf, daß die Kultur der

Malven und Althaeen in Frage gestellt wird (~Lindau~).

Pilze als direkte Schädlinge der Wurzel sind uns nicht bekannt.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 51 / 120 段