«Quittenkern in Rosenwasser geweicht geben ein glattes feines

sälblein zu allerhand brand und breune der zungen, darmit

bestrichen», steht in ~Bocks~ Kräuterbuch. Unter den schleimigen

Mitteln des ~Hippokrates~ steht _Cydonia_ (κυδωνέα). Er benutzte

also wohl schon die Samen. Nach ~Matthioli~ war Quittensamen

in Spanien Antidot gegen _Helleborus_. Auch bei ~Athenaeus~

(Deipnosophist. III, 21) wird die Quitte als Gegengift genannt.

Quittensamen sind seit langer Zeit ein Bestandteil der chinesischen

Materia medica. Die Benutzung ihres Schleims scheint vornehmlich

von den Arabern ausgegangen zu sein. Doch ist die Benutzung der

schleimigen Samen wohl ein auf die hochasiatische Heimat des Baumes

zurückzuführender Brauch (~Flückiger~). In Turkestan hat sie noch

jetzt beträchtliche Ausdehnung. In dem Liber fundamentorum des

~Abu Mansur Muwaffak~ (X. Jahrh.) wird die Benutzung des Samen der

Safardschal bei Husten erwähnt. Im Altertum war ein fettes Quittenöl

(durch Enfleurage oder Maceration der Früchte mit Öl bereitet)

als Arzneimittel beliebt (~Dioskurides~). Auch ~Mesuë~ kennt ein

zunächst durch Maceration, dann durch Auskochen mit Öl bereitetes

_Ol. Cydoniorum_, das dann ~Cordus~, der ja vielfach noch auf

~Mesuë~ fußt, in sein Dispensatorium aufgenommen hat. ~Dioskurides~

nennt eine Menge Krankheiten, bei denen Quittenfrüchte innerlich

und äußerlich anzuwenden sind. Man bereitete aus ihnen einen Wein

und ein κυδωνόμελι sowie sog. Honigäpfel (melimela). In dem von

~Cordus~ aufgenommenen _Syrupus de Absinthio maior_ des ~Mesuë~

findet sich _Succus Cydoniorum_. In der Pharmacia simplicium des

~Corbeius~ (1656) werden eine Menge Krankheiten genannt, die durch

Quitten zu heilen sind. In Indien, wo der Same Handelsartikel ist,

ist er außerordentlich beliebt in der Volksmedizin. Der Schleim

wird bei Husten und Darmleiden benutzt, äußerlich bei Verbrennungen

der Haut. Bei den Arabern sind auch Blätter, Blüten und Rinde des

Baumes Hausmittel. Die persischen Karabádins (Grabadins [I, S.

599], d. h. Pharmakopoëen) kannten Konserven aus Frucht und Blüte

(Pharmac. indica). ~Geiger~ führte (Handb. d. Pharm. 1830) folgende

Quittenpräparate an: Saft, Sirup, Mus (Roob, Pulpa), Marmelade,

Quittenbrod (_conditum s. panis c._), _Extr._ und _Tinct. ferri

cydon._ und _Mucilago sem._, endlich Quittenliqueur und Quittenwein.

Die _Poma Cydoniorum_ (_Cydonia exsiccata_), das _Extr. ferri

cydoniati_, der _Syr. Cydoniorum_ (nach Art des Kirschsaftes

dargestellt) und der frische Quittensaft sind noch jetzt, besonders

in Frankreich und Österreich, beliebt. Der Schleim wird noch heute

bei Hautleiden und oft auch als Zusatz von Augenwässern benutzt. Er

findet auch in der Zeugdruckerei Anwendung. Eine Abkochung der Samen

dient in Indien als Tonicum und Antidyssentericum (~Dymock~, Dict.

econ. prod. u. and.).

=Verfälschungen.= Als solche werden besonders die Samen der +Birne+

und des +Apfels+ genannt. In der Form sind sie ähnlich, aber gerundet,

niemals unregelmäßig abgeplattet, da sie in dem Fruchtfache isoliert

oder zu zweit liegen und daher auch niemals miteinander verklebt

sind. Sie umgeben sich auch in Wasser nicht mit einer breiten

Schleimhülle, sind sehr wenig schleimig und +glänzend+ dunkelbraun.

Ihre Schleimepidermis ist sehr schmal, die Zellen sind kaum radial

gestreckt.

+Rosinenkerne+ besitzen eine ganz andere Form und sind leicht

kenntlich. ~Hager~ gibt als Verfälschung (bis 50%) «die Schale

einer Frucht von brauner Farbe oder braun gefärbt und schwach

weißlich bestäubt» an. Neuerdings sind in +Amerika+ kleine Fragmente

getrockneter Quittenfrüchte als Verfälschung beobachtet worden.

=Geschichte.= Die goldenen Äpfel (χρύσεα μῆλα, χρυσομήλα) der

Hesperiden und der Atalante, «der der Aphrodite geweihte, in Mädchen-

und Liebesspielen aller Art und zu bräutlichen Gaben dienende Apfel»

(~Hehn~), der Apfel des Paris, der Erisapfel, das alles waren wohl

«idealisierte» Quitten. Auf die Angabe in des ~Ben Sira~ Alphabet

(XI. Jahrh.), daß der Garten ~Nebukadnezars~ auch Quittenbäume

enthalten habe, ist nichts zu geben, obwohl die Pflanzenliste älter

ist (~Löw~). Dem semitisch-ägyptischen Kulturkreise scheint die

Quitte in älterer Zeit fremd geblieben zu sein (~Schrader~). In

der Bibel fehlt die Quitte (bei dem goldenen Apfel in den Sprüchen

handelt es sich vielleicht nicht einmal um eine Frucht, sondern nur

um ein Ornament) und das Althebräische hat keinen Namen für Quitte,

erst im Aramäischen finden wir einen solchen, nämlich _ỉ_spargᵉlîn

(~Löw~). Da die Griechen die Quitte μήλον κυδώνιον, d. h. Apfel von

Κύδων (untergegangene Stadt, wahrscheinlich unweit des heutigen

Canea auf Creta) nannten, erhielten sie sie wohl von Creta, wo

sie entweder ursprünglich zu Hause oder frühzeitig aus Kleinasien

eingeführt war. ~Isidor~ bemerkt im Etymologicon: «Malus Cydonia

nomen sumpsit ab oppido, quod est in insula Creta, de qua dicere

solent, urbium Cretensium matrem Cydoniam, ex cuius pomo Cydonitum

conficitur» -- auch der Talmud spricht von kretensischen Äpfeln.

Jedenfalls wurde sie in Creta, dem Eldorado der Arzneipflanzenkultur

des Altertums, besonders eben bei Κύδων (κυδώνεια -- κυδώνιος =

kretisch) in großem Umfange kultiviert. (Jetzt fehlt sie auf Creta).

Die Griechen lernten sie schon in sehr früher Zeit kennen, denn

sowohl der Dichter ~Alkman~ (650 n. Chr.), wie der Italiot ~Ibycus~

(VI. Jahrh. n. Chr.), wie der Sikuler ~Stesichoros~ (c. 550 n. Chr.)

erwähnen die Quitte aus Lydien bzw. aus Rhegium und Sizilien (bei

~Alkman~ heißt sie κοδύμαλον). Die Kulturquitte muß also schon im

VII. Jahrh. den griechischen Kolonisten in Kleinasien, Sizilien und

Unteritalien bekannt gewesen sein (~Hoops~). Die Quitte war wegen

ihres Duftes und ihrer zahlreichen Samen bei den Griechen Symbol der

Schönheit, Liebe und Fruchtbarkeit und der Aphrodite heilig. ~Solons~

Gesetz verordnete, daß die Braut, ehe sie sich ins Brautgemach begab,

eine Quitte essen mußte, um sich unter den Schutz der Aphrodite zu

stellen (~Plutarch~). Und auch bei den Deutschen wurde sie später

Sinnbild der Fruchtbarkeit und einer glücklichen Ehe (~Aigremont~).

Bei den Liebes- und Hochzeitssitten spielt sie in den Balkanstaaten,

Dalmatien und Siebenbürgen noch jetzt eine Rolle. Auch zu den Römern

kam die duftige Quitte, die sie _malum cotoneum_ (_m. aureum_)

nannten, frühzeitig und spielte bei ihnen im Kultus und Volksleben

eine große Rolle. ~Plinius~, der eine Menge Krankheiten nennt, die

die Quitte heilt, sagt, man bewahre sie wegen ihres Duftes in den

Besuchszimmern auf und das ist heute noch Sitte in Italien. Zur Zeit

~Galens~ kam spanische Marmelade (= Quittengelee, s. oben) nach Rom.

Das _malum cydonium_, findet sich im Edikt ~Diocletians~ (s. oben)

und alle Scriptores rei rusticae von ~Cato~ bis ~Palladius~ (I, S.

574) widmen ihr ihre Aufmerksamkeit. Wir finden sie denn auch auf

den pompejanischen Wandgemälden (I, 575) und auf den Wandbildern

der Villa Livia in Primaporta (~Möller~, D. Bot. in d. Fresk. d.

Villa d. Livia. Mitt. d. kais. Archäolog. Inst. Rom 1890). _Cydonia

mala_ stehen auch bei ~Scribonius Largus~ (I, S. 577) und werden

bei ~Athenaeos Naucratites~ (III. Jahrh. I, 574) erwähnt. Die Römer

brachten sie dann mit den übrigen Obstbäumen nach den nördlichen

Provinzen des Reiches. Doch fehlt es an alten Funden daselbst,

obwohl die Samen nicht vergänglicher sind als die des Apfels. «Der

althd. Name kutina, dem wahrscheinlich eine lateinische Form cudonia

oder codonea = germ, kudinjō (?) zugrunde liegt, deutet wegen der

Verschiebung von d zu t auf Entlehnung in den ersten Jahrhunderten»

(~Hoops~). Den Angelsachsen scheint die Quitte erst auf britannischem

Boden bekannt geworden zu sein. Sie wird bereits im Corpus-Glossar

erwähnt. Nördlich der Alpen wird sie sich dann wohl besonders durch

die Benediktiner (I, S. 619) eingebürgert haben. Wir finden die

cotonarios im Capitulare ~Karls~ (I, S. 620) und dem Breviarium,

im St. Galler Klosterplan (hier als: guduniarius I, S. 622), bei

der ~Hildegard~, ~Albertus Magnus~ und in dem Opus ruralium des

~Crescenzi~ (I, S. 678). Auch die spanische Landwirtschaft kennt

sie. Im Kalender des ~Harib~ (I, S. 612) steht beim September:

apparent citonia. Die Zeit der Einführung der Quitte nach England

läßt sich nicht mehr feststellen. Gebackene Quitten werden (nach

~Hanbury~) 1466 gelegentlich der Installation des Erzbischofs von

York, ~Nevill~, erwähnt (~Leland~, De reb. brit. collectan. VI [1774]

5). Die _Semina cytoniorum_ wurden von ~Mesuë~ für viele Sirupe,

wie den _Syrupus de Prassio_, den _Syr. de Jujubis_, den _Syr.

violarum_ und _Syr. de Hyssopo_ benutzt, die alle ~Cordus~ in sein

Dispensatorium (I, S. 795) aufgenommen hat. In dem _Empl. diachylon_

aber, das in seinen verschiedenen Vorschriften (bei ~Mesuë~ und

~Cordus~) alle möglichen Schleime (von _Linum_, _Psyllium_,

_Althaea_, _Malvawurzel_, _Fenum graecum_, _Ficus_, _Passulae_ (!),

_Ulmusrinde_) enthält, fehlt der _Cydonia_schleim. ~Bock~ empfiehlt

die Samen mit Rosenwasser ausgezogen bei Bräune. Im Frankfurter

Catalogus von 1582 steht: Cydonia mala de Bengala condita, eine

frembde Art der eyngemachten Kütten aus India -- was darauf deutet,

daß auch eingemachte indische Quitten damals in Benutzung waren -- in

der Taxe von Eßlingen 1571 (I, S. 816): _Sem. citoniorum_. Auch in

der ~Berlu~-Liste (1724, vgl. I, S. 951) stehen _Sem. cydon_.

=Lit.= ~Hanbury~, Pharmacogr. -- ~Flückiger~, Pharmakogn. -- Pharmac.

indic. -- ~Hehn~, Culturpfl. -- ~Koch~, Bäume u. Sträucher d. alt.

Griechenl. 1879. -- ~Stesichoros~ in Poetae lyrici graec. ed. Bergk.

-- ~Löw~, Aramäische Pflanzennamen. -- ~De Candolle~, L’origine des

pl. cult.

Semen Psyllii.

von _Plantago Psyllium_ L., die +Flohsamen+ (bei den Griechen:

Kynops, Psyllion, Buprestis, bei den Römern: Pulicaria)

sind medizinisch kaum noch in Anwendung. Der auch hier als

Schleimepidermis auf der Samenschale vorkommende Schleim (Xylin,

~Bauer~) soll der Formel C₃₆H₅₈O₂₉ entsprechen. Analyse auch bei

~Schmidt~ (Lieb. Ann. 51). Er liefert bei der Hydrolyse mit 1,5%

Schwefelsäure neben Zellulose [~Kirchner~ und ~Tollens~, Lieb.

Ann. 175 (1875), 205]. bis 108,3% Glukosen, mit Salpetersäure

aber keine oder nur sehr wenig Schleimsäure (~Braconnot~).

Flohsamenschleim wird wie Leinsamenschleim in der Zeugdruckerei, in

der Buntpapierfabrikation, als Appreturmittel für verschiedenartige

Stoffe verwendet (~Valenta~).

Auch die in Indien in hohem Ansehn stehenden +Ispaghúl-Samen+ oder

Spogel seeds (arab. bazre qatúná) von _Plantago decumbens_ ~Fork.~

(_P. Ispaghula_ ~Roxb.~), die sich sogar in der Pharmakopoea indica

(1868) fanden, enthalten eine Schleimepidermis auf der Samenschale

(vgl. ~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia p. 490).

2. Schleimendosperme.

Samen mit +Schleimendosperm+, wie ich 1888 in der Angewandten Anatomie

diese Gruppe von Nährgeweben genannt hatte, finden wir besonders bei

den Leguminosen (_Trigonella_, _Ceratonia_, _Gymnocladus_, _Cassia_,

_Schizolobium_, _Gleditschia_, _Tetragonolobus_, _Indigofera_,

_Medicago_, _Trifolium_, _Colutea_, _Genista_). Es handelt sich hier

nicht, wie ~Haberlandt~ meinte, um «Quellschichten» oder «innere

Quellapparate», sondern um Reservebehälter. Denn, wie Versuche, die ich

mit ~Nadelmann~ 1889 angestellt habe, gezeigt haben, wird der Schleim,

der hier ebenfalls in Form sekundärer Membranverdickungsschichten

auftritt, und zwar für gewöhnlich schon als solcher angelegt wird,

bei der Keimung gelöst. Dadurch treten diese Endosperme an die Seite

der Endosperme bei denen Reservezellulose als Reservestoff auftritt

(Palmensamen), mit denen sie durch mancherlei Übergänge (z. B. die

Samen der Strychnaceen) verbunden sind, und wir werden auch +chemisch+

mancherlei Beziehungen zwischen diesen beiden Gruppen finden. Ich

habe denn auch oben im Kapitel Reservezelluloso-Membranine die

Leguminosensamen mit erwähnt. ~Bourquelot~ und seine Mitarbeiter

fanden in der ganzen Gruppe der «Albumens cornés» (vornehmlich

der Leguminosen) +Mannogalaktane+ (Galaktine, ~Müntz~), d. h. sie

erhielten bei der Hydrolyse der Endosperme Mannose und Galaktose.

So erhielten ~Bourquelot~ und ~Hérissey~ z. B. bei der Hydrolyse

des Schleimendosperms von _Ceratonia Siliqua_ (S. 145) einen

reduzierenden Zucker, aus dem sie 72,56% Mannose und 20,37% Galaktose

in kristallinischer Form isolierten; in dem Hydrolysezucker des

Luzernenendosperms war 51,38% Mannose und 49,49% Galaktose, in dem der

_Strychnossamen_ 11,02% Mannose und 35,45% Galaktose enthalten und

die gleichen Zucker erhielt ~Goret~ bei _Gleditschia_, _Medicago_,

_Melilotus_, _Lotus_ und _Indigofera_. Jedenfalls besitzen also die

Schleime der Schleimendosperme den Charakter von Polysacchariden.

Der Biolog würde sie mit den Reservezelluloso-Membraninen zusammen

abhandeln, pharmakologisch-pharmakognostisch gehören sie aber neben die

Lein- und Quittensamen, aber in eine besondere Abteilung, da sie ihren

Schleim erst nach dem Pulvern hergeben, die Samen mit Schleimepidermen

dagegen schon durch Schütteln der unzerkleinerten Samen mit Wasser.

=Lit.= ~Tschirch~, Angew. Pflanzenanatomie S. 204. -- ~Nadelmann~,

D. Schleimendosperme der Leguminosensamen. Ber. d. d. bot. Ges.

1889, 248 u. Pringsh. Jahrb. 21 (m. Taf.). -- Schleimendosperm des

_Johannisbrot_: ~Effront~, Compt. rend. 125 (1897), ~Marlière~, La

cellule 13 (1897), ~van Ekenstein~, Compt. rend. 125 (1897), 719,

~Bourquelot~ et ~Hérissey~, Journ. pharm. chim. 10 (1899), 153 u.

249 und Compt. rend. 129 (1899). -- _Cassia fistula_: ~Bourquelot~,

Vol. jubilaire de la soc. de Biologie 1900, 388. -- _Luzerne_:

~Müntz~, Ann. chim. phys. (5) 26 (1882), 121 und (6) 10 (1887),

566, ~Bourquelot~ et ~Hérissey~, Journ. pharm. chim. 11 (1900).

-- _Gleditschia_, _Medicago_, _Lotus_, _Melilotus_, _Indigofera_:

~Goret~, Et. chim. et. phys. de quelques albumens cornés d. graines

léguminos. Thèse Paris 1901. -- +Strychnaceen+: ~Bourquelot~ et

~Hérissey~, Journ. pharm. chim. 12 (1900). -- _Trigonella_ s. w. u.

Semen Fenugraeci.

=Syn.= Sem. Faenugraeci oder Foenugraeci, Sem. Faeni graeci, Sem.

Foeni graeci, Sem. Trigonellae -- Bockshorn (so schon bei ~Bock~ und

~Cordus~), Bockshornklee, Kuhhornklee, Griechisches Heu, Fänne-Zwock

-- trigonelle, fenugrec (franz.) -- trigonel, fenugreec (engl.) --

hoornklaver (holl.) -- trigonella (ital.) -- τριγονέλλη (n.-griech.) --

méthi (sansk., hind.) -- hulbah (arab.) -- shamlit (pers.) -- lu-pa,

hu-lu-pa (chines.).

Bei ~Theophrast~ (Hist. u. caus. plant.): βούκερας, bei den

späteren Griechen auch βουκέριν, bei ~Dioskurides~: τῆλις (bei d.

spät. Griech. auch τίλις, τύλη; τῆλις auch noch bei ~Alexander

Trallianus~), im Edict Diocletians (I, S. 569): τῆλις βούκερας.

Weitere Namen bei ~Langkavel~ und ~Dioskurides~ in []. Im Mittelalter

auch aspaltea, brindelia.

=Etym.= Fenum (auch faenum oder foenum) = Heu, Fenugraecum also =

griechisches Heu. -- Trigonella von τρίγωνος = dreieckig, wegen der

dreieckigen Blumenkrone (~Kanngiesser~). Vielleicht hat ~Linné~,

der den Namen zuerst in dem Hortus upsalensis benutzt, eher an

die Blumenblättchen (?) oder, wie +mir+ scheint, an die Blätter

gedacht. -- ~Grassmann~ bezieht auch Zwock auf die keilförmigen

Fiederblättchen. Nach ~Flückiger~ bezieht sich der Name auf die

dreieckigen Blumenblätter von _Trigonella ruthenica_ L. Der Name

Foenum Graecum wohl zuerst bei ~Porcius Cato~ (De re rustica XXVII,

vgl. I, S. 572); bei ~Columella~ (I, S. 573) wird Siliqua (bei

~Plinius~: Silicia) als synonym mit faenum graecum (vulgär lat.:

fenum graecum) bezeichnet, was darauf deutet, daß die Pflanze viel

kultiviert wurde (Katexochenbegriff!), denn es waren den Römern

ja viele Hülsenfrüchte bekannt. Bei ~Caelius Aurelianus~ (III.

Jahrh. n. Chr.), sowie den Spätlateinern findet sich denn auch die

zusammengezogene Form fenugraecum, im Deutschen volksetymologisch

umgebildet: fine grethe (daraus dann wieder: schöne Margret, schöne

Marie). Im Gothaer Arzneibuch (I, S. 680) findet sich fenum grotum

neben fenum grecum, in Inventaire ~Lefort~ (I, S. 804) fin ogre

(~Dorveaux~). Graecum nach der Herkunft, erhalten in griechisch

Heu (gresches houw, gekeshew, krichishew, kriechshöwe, crischowe);

römischer Klee deutet, da im Althd. als Römsklee(oder diolde)

nachgewiesen, auf die Einführung aus dem Süden. -- Bockshorn wegen

des unangenehmen Geruches und der hornartigen Form der Frucht.

Auch der Name Siebengezeit (Siebengezide Ort. san., im XV. Jahrh.

Sybengetzeyt, Zeytkraut [XVI. Jahrh.], Stundenkraut) soll nach

~Tabernämontanus~ auf den (siebenmal im Tage verschwindenden und

wiederauftretenden) Geruch anspielen. Der holländische Name bedeutet

Hornklee. Und an Horn knüpfen an: bukeros (= Ochsenhorn), aigokeros

(= Ziegenhorn), keraïtis (= hornähnlich), kallikrea, Kuhhorn (bei

Bock) u. and.

=Stammpflanze und systemat. Stellung.= =Trigonella Foenum-graecum L.=

[Sp. plant. ed. I (1753) p. 777] (Foenum graecum officinale).

+Leguminosae+, Papilionatae -- Trifolieae, Eutrigonella, Gladiatae.

=Beschreibung der Stammpflanze.= Einjähriges Kraut mit einfachen oder

vom Grunde verzweigten, 20-60 cm hohen, gegen oben hin behaarten,

runden Stengeln und zweizeiligen, dreizähligen Fiederblättern, deren

Endblättchen größer und länger gestielt ist als die Seitenblättchen.

Blättchen kahl, umgekehrt eiförmig, im oberen Teile mit spitzen

Zähnen besetzt. Nebenblätter zart, zweispitzig. Die hermaphroditen,

zygomorphen Schmetterlingsblüten sitzen einzeln oder gepaart in den

Achseln der oberen Laubblätter, der gamosepale, röhrenförmige Kelch

ist in fünf gleiche lanzettliche Zipfel geteilt. Die gelblich weiße

Corolle hat eine oblong-umgekehrt-eiförmige, tief ausgerandete Fahne,

einseitig geöhrte Flügel und einen kurzen Kiel. Die Staubfadenröhre ist

oben offen und wird durch das freie Stamen geschlossen. Die Narbe ist

polsterförmig. Die aufrechte +Frucht+ erreicht 13 cm Länge und ist 4-5

mm breit, lineal, sehr +lang schnabelförmig zugespitzt+, meist nach

unten flach +hornförmig+ gekrümmt und seitlich zusammengedrückt. An

der Spitze der Frucht findet man bisweilen die Reste der Corolle. Die

Pflanze wächst wild in Punjab, Kaschmir (~Baker~), Mesopotamien und

Persien (~Boissier~, Flor. oriental.), sowie Kleinasien (?). Verwildert

findet sie sich in Griechenland, Italien und Spanien, wohl auch in

Ägypten und Kleinasien auf Schuttplätzen, «überhaupt in der Nähe

menschlicher Wohnungen oder Kulturstätten als Flüchtling». Blüht im

Juni-Juli.

=Lit.= ~Luerssen~, Mediz. pharm. Bot. -- ~Battandier~, Bull. soc.

bot. France 1884, 378. -- +Abbild.+: ~Berg-Schmidt~, Atlas. 2. Aufl.

t. 52 (dort die florist. Literatur). -- ~Bentley-Trimen~, Medic.

plants. t. 71. -- ~Pabst-Köhler~, Medizinalpflanz. t. 155. Auch schon

im Ortus sanitatis, Mainz (vgl. I, Fig. 303), bei ~Pomet~ u. and.

=Pathologie.= Auf _Trigonella foenum graecum_ sind unseres Wissens

nur Parasiten bekannt, die Stengel und Blätter befallen: _Uromyces

Anthyllidis_ (~Grev.~), _Uromyces Trigonellae_ ~Pat.~ und _Erysiphe

Polygoni_ ~Dc.~ (~Ed. Fischer~).

=Kultur und Handel.= _Trigonella_ wird jetzt in +Marokko+ (Ausfuhrhafen

besonders Mazagan, dann auch Mogador), dann in +Ägypten+ (und

Abessynien) und +Indien+ (hier in ziemlicher Menge, Ausfuhrhafen:

Bombay), sowie China kultiviert, weniger in Südfrankreich

(Montpellier), der Schweiz, +Deutschland+ (Elsaß, Thüringen: Erfurt,

Großengottern, Mühlhausen, Cölleda, dann im Vogtland und in Söflingen

b. Ulm, früher zwischen Nürnberg und Bamberg), +Mähren+ (Znaim) und

Italien (in Ligurien, Toscana, Sizilien und Sardinien kultiviert und

verwildert, ~Ravasini~). Sie gedeiht noch bis 70° n. Br. in Norwegen

(~Schübeler~). Ich sah sie auch in Bauerngärten.

Allein in Bombay und Madras waren (1889) 1358 acres mit _Fenugreec_

bestellt (~Watt~, Dict.) und 1890 kamen aus den höheren

Inlandprovinzen c. 14000 cwts. nach Bombay. Die Ausfuhr Indiens

von _Fenugreec_ betrug 1906/07: 43941, 1907/08: 27285 und 1908/09:

9627 cwts., geht also zurück. Für indischen Samen ist Hamburg

Haupteinfuhrshafen.

=Morphologie.= Die Früchte werden ausgedroschen. Sie enthalten eine

wechselnde Menge an langen Funiculis befestigte Samen (5-20, meist

5-12). Eine Anzahl von Samenanlagen pflegt unentwickelt zu bleiben

oder bald zu verkümmern. Die hellzimtbraunen oder gelbbräunlichen,

mit der Lupe betrachtet feinhöckerig erscheinenden, Samen sind

vierseitig-prismatisch oder rhombisch-rautenförmig, 3,5-5 mm lang und

2-3 mm breit (die chinesischen kleiner, die indischen größer), sehr

hart und entweder glatt oder wenig runzlig. Bei längerem Verweilen

in Wasser quellen die Samenkerne auf das Mehrfache und sprengen

die Schale, die sich nun leicht ablösen läßt. Die Quellung erfolgt

im Schleimendosperm. Durch eine tiefe Furche wird der Same in zwei

Hälften geteilt, eine kleinere dreieckige, die Radicula enthaltende

und eine größere mehr trapezförmige, in der die Cotyledonen und das

Schleimendosperm liegen. An der Spitze der kleineren Hälfte liegt das

Hilum. Das Lupenbild des aufgeweichten, in der Mitte durchschnittenen

Samens (Fig. 114, 2) läßt in dem schmalen, runden Abschnitt die

Radicula in dem breiteren ovalen die Cotyledonen, eingebettet in

Schleimendosperm, erkennen. Während die Testa nur c. 170 mik dick ist,

erreicht das gequollene Endosperm eine solche von 680-720 mik. Im

trockenen Samen sind beide etwa gleich dick (Fig. 114, 1).

[Illustration: Fig. 114.

_Trigonella Foenum-graecum._

1 Same trocken, querdurchschnitten. 2 Same aufgeweicht,

querdurchschnitten. 3 Same längsdurchschnitten, Keimling herausgelöst.

4 Same längsdurchschnitten mit Keimling. 5 Same von außen.

[+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

=Anatomie.= Die Samenschale ist bedeckt von einer von der Cuticula

bedeckten Schicht +Palissadensklereïden+, die etwa 65-80 mik hoch

sind und an der inneren Seite ein weites Lumen besitzen, das sich

nach außen stark verengert (Fig. 115). Das Lumen ist umgeben von

einer derben, auf polarisiertes Licht stark reagierenden, im äußeren

Teile getüpfelten Zellulosemembran, die nach außen hin zapfenartig in

eine helle Schicht vorspringt, die indifferent gegen polarisiertes

Licht ist, sich mit Jod graublau färbt, mit Jodschwefelsäure nur

schwach auf Zellulose reagiert, sich in Kali löst und die wohl aus

einer «gallertigen Zellulosemodifikation» besteht. Die Zapfenenden

der inneren Membranschicht dringen ungleichweit nach außen vor und

bilden da und dort bis zur Cuticula vordringende Gruppen, die die

feinen Höcker der Samenschale (s. oben) bedingen. Die «Lichtlinie»,

die ich lieber «+Lichtzone+» nennen möchte und die sich bei der

Sklereïdenschicht vieler Leguminosensamenschalen findet, verläuft

hier ziemlich tief innen (Fig. 115, Ll) und ist relativ breit. Der

Inhalt der Palissadenzellen ist körnig, färbt sich mit Jod gelb,

gibt Gerbstoffreaktion mit Eisenchlorid und Osmiumsäure. Unter der

Palissadenschicht liegt eine Schicht +Säulenzellen+ (T-Zellen,

Träger-, Sanduhr-, Spulenzellen), die eine, durch breite, besonders

auf dem Flächenschnitt hervortretende, Längsstreifenverdickungen

ausgezeichnete, Membran besitzen und große Interzellularen zwischen

sich lassen. An den Flächen des Samens sind diese Zellen niedrig,

am Radicularende hoch und dort, wie bei vielen Papilionaceensamen,

knochenförmig. Dann folgt die, im unreifen Samen transitorische

Stärke enthaltene, +Nährschicht+ (vgl. oben S. 321). Sie ist sehr

verschieden mächtig, auch verschieden stark obliteriert. Die äußeren

Schichten pflegen keine Obliteration zu zeigen. Am Hilum und zwischen

diesem und der Chalaza hat die Samenschale einen abweichenden Bau.

Neben der Mikropyle, gegen die die Spitze der Radicula hin gerichtet

ist, liegt in der Mulde eine doppelte Palissadenreihe und über

der Raphe sind die Palissadensklereïden höher und die Säulenzellen

fehlen. Unter der Ansatzstelle des Funiculus liegt, wie bei vielen

Leguminosensamenschalen, die +Nabelspalte+ und eine Gruppe von

Tracheïden (+Tracheïdeninsel+, ~Tschirch~) und unter dieser ein braunes

Parenchym, welches die auch äußerlich hervortretende braune Farbe der

ganzen Partie um das Hilum bedingt. Von der Tracheïdeninsel läuft in

einer wenig hervortretenden Schwiele die kurze Raphe zu der äußerlich

am Samen wenig hervortretenden Chalaza. Innen liegt der Testa ein,

besonders an der Spitze der Radicula hervortretendes, Häutchen an, das

wohl der Rest des Perisperms ist.

[Illustration: Fig. 115.

_Trigonella Foenum-graecum._ Querschnitt durch die Samenschale und den

Rand des Schleimendosperms. [+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

Das +Endosperm+ ist bedeckt von einer einreihigen Aleuronschicht (Fig.

115, 5), deren Zellen einschlußfreie Aleuronkörner enthalten. Die

Hauptmasse besteht aus Zellen, die eine zarte, aus Zellulose bestehende

Mittellamelle erkennen lassen, im übrigen aber außerordentlich dicke,

sekundäre Schleimmembranen besitzen, die sich mit Jodschwefelsäure

nicht bläuen, also aus echtem Schleim bestehen. Sie zeigen bei

geeigneter Behandlung Schichtung. Beim Keimen werden sie gelöst. Gegen

die Cotyledonen ist das Endosperm durch ein Quellgewebe abgeschlossen.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 50 / 120 段