=Lit.= ~Boissier~, Flor. orient. II, 656. -- ~Baillon~, Hist. des

plantes. Monogr. d. Rosac. -- ~Decaisne~, Mem. sur la fam. d.

Pomacées. -- ~Luerssen~, Medic. pharm. Botan. -- ~Morgenthaler~,

Beitr. z. Entwicklgesch. der Quitte, Dissert. Zürich 1897 (dort

die Lit. über die Verbreitung). -- ~De Candolle~, L’origine d.

plant. cult. -- ~Schübeler~, Pflanzenw. Norwegens. -- ~Tschirch~

in Real-Enzyklopädie. -- +Abbild.+: ~Hayne~, Arzneigew. IV, t.

47. -- ~Nees von Esenbeck~, Pl. med. t. 305. -- ~Dodel~, Anatom.

physiolog. Atlas (Blüte). -- ~Berg~, Charakteristik t. 63, f. 479. --

~Berg-Schmidt~, Atlas I. Aufl. -- ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t.

34. -- ~Bentley-Trimen~, Medicin. plants t. 106.

=Pathologie.= Über die Krankheiten der Quitte berichtet Prof. ~Ed.

Fischer~: In großer Zahl fallen in gewissen Jahren die jungen

Quittenfrüchte der _Sclerotinia Cydoniae_ ~Schellenb.~ zum Opfer.

Das Mycel dieses Pilzes überwintert in den Zweigen, wächst dann

im Frühjahr in die jungen Blätter, die gelbbraun bis schwarzbraun

werden und absterben. Auf diesen erkrankten Blättern erscheint die

sog. +Monilia+form des Pilzes, welche durch mandelartigen Geruch

wahrscheinlich Insekten anlockt, die diese Sporen auf die Narben

der Quittenblüten übertragen. Hier findet die Keimung statt; die

Keimschläuche wachsen durch den Griffelkanal in den Fruchtknoten.

Dieser bleibt, statt zu einer normalen Frucht heranzuwachsen,

klein, verwandelt sich in ein Sclerotium und fällt im Herbst ab.

-- Übrigens kann das Mycel auch direkt aus einem erkrankten Zweige

in eine Blütenknospe hineinwachsen und diese zum Absterben bringen

(s. ~H. C. Schellenberg~: Über die Sklerotienkrankheit der Quitte.

Berichte der deutschen botan. Gesellschaft Band XVII, 1899). --

Eine Fleckenkrankheit der Quittenfrüchte wird durch _Trichoseptoria

fructigena_ ~Maublanc~ hervorgerufen.

Über die tierischen Schädlinge berichtet ~Israël~: Die Feinde von

Apfel-, Birn- und Quittenbaum lassen sich nicht trennen.

1. +Käfer+: _Liopus nebulosus_ L.: Larven unter der Rinde von Obst-

und Waldbäumen. _Anobium striatum_ ~Ol.~: Die Larven dieses sehr

gemeinen und in Möbeln und Gebälk sehr schädlichen Käfers lebt auch

im Holze alter und kranker Obstbäume. _Bostrychus dispar._ ~Fabr.~:

Larven im Splinte diverser Obstbäume. Die Larven der Bostrychiden

veranlassen sowohl an Laub- als auch an Nadelhölzern die sog.

Wurmtrocknis. Mehrere _Eccoptagaster_- und _Magdalinus_arten leben

als Larven im Splinte von Pflaumen-, Apfel-, Birn- und Quittenbäumen.

Auch in Kirschen und Schlehen usw. _Otiorhymhus_arten werden

schädlich durch das Benagen junger Triebe. Häufig an Obstbäumen

usw., auch an dem Weinstocke gelegentlich schädlich. _Phyllobius

calcaratus_ ~Fabr.~, _P. pyri_ L., _P. argentatus_ L., _P. oblongus_

L., _Polydrusus_arten: Diese Grün- und Glanzrüsselkäfer werden

gelegentlich lästig und schädlich durch das Benagen von Knospen,

Blättern und krautartigen Stengelorganen der Obstbäume. Von den

_Rhynchites_arten (Rebenstecher) sind es ganz besonders _Rh. cupreus_

L., _bacchus_ L., _alliariae_ L., _aequatus_ L., _aureus_ ~Scop.~ und

andere, die oft sehr lästig werden können. Die Larven leben entweder

in den Früchten oder den jungen Trieben. Auch _Anthonomus_arten

(Blütenstecher) treten gelegentlich schädlich auf. Die Larven fressen

die Geschlechtsorgane der Blüten aus und verpuppen sich in den

verdorrenden Blüten. Auch _Apion_arten (deren Larven meist in den

reifenden Hülsen von Leguminosen leben) schaden als Käfer durch das

Benagen der Knospen usw.

2. +Falter.+ _Papilio podalirius_ L.: Raupe an Apfel-, Birn-,

Quitten-, Aprikosenbäumen, besonders an Schlehen und Pflaumen.

_Aporio crataegi_ L.: Raupe an Obstbäumen und Schlehen. _Vanessa

polychloros_ L.: Raupe an Ulmen, Apfel-, Birn- und Quittenbäumen,

auch an Weichsel und Kirsche. _Lycaena argiolus_ L.: Raupe an

_Rhamnus Frangula_, _Pirus communis_, _P. malus_, _Mespilus

germanica_. _Smerinthus tiliae_ L.: Raupe an Linde, Eiche, Birke,

Ulme, Maulbeere, seltener an Apfel, Quitte, Syringe. _Smerinthus

ocellata_ L.: Raupe an Weiden, Pappeln, Aspen, seltener an Apfel,

Quitte, Birne. _Zeuzera aesculi_ L., _Cossus cossus_ L.: Raupen in

Wald- und Obstbäumen. _Cossus_ oft zahlreich in einem Stamme und

denselben baldigst vernichtend. Die Raupen verraten sich oft durch

den starken Geruch nach Holzessig. _Zeuzera_ mehr im Holze der

Zweige, gelegentlich auch in den Wurzeln, seltener im Stammholze.

_Saturnia pyri_ W. V., _S. spini_ W. V.: Raupen hauptsächlich in

Ungarn an diversen Obstbäumen, z. B. an Apfel, Birne, Quitte,

Schlehe, Aprikose usw. _Saturnia pavonia_ L.: Raupe ziemlich

polyphag, auch an Obstbäumen. _Ocneria dispar_ L., _Aglia tau_

L.: Raupen an Wald- und Obstbäumen. _Orgyia gonostigma_ F., _Or.

antiqua_ L., _Dasychira pudibunda_ L., _Porthesia chrysorrhoea_

L., _P. similis_ ~Fussly~, _Psilura monacha_ L. und viele andere

Spinner leben an diversen Laubhölzern, auch in Gärten oft mehr oder

minder schädlich auftretend. _Bombyx_arten (namentlich _crataegi_,

_neustria_, _lanestris_) und _Lasiocampa_arten (namentlich

_quercifolia_) tun in Obstgärten oft enormen Schaden. Die in Nestern

lebenden Raupen sind im ersten Frühjahre leicht zu finden. Man muß

die Nester abschneiden und verbrennen. Wenn sich die Raupen erst über

den ganzen Obstbaum verstreut haben, ist es meistens zu spät, um

einen Kahlfraß zu verhüten.

Die Zahl der +Eulen-+ und +Spannerraupen+, die unter andern auch

an Obstbäumen leben, ist sehr groß, ohne daß man diese aber als

Spezialfeinde ansehen könnte, da sie gegenüber den schädlichen

Spinnern bedeutend weniger in Frage kommen.

Unter den +Microlepidopteren+ überwiegen die +Tortricineen+ und die

+Carpocapsen+. _Carpocapsa pomonana_ S. V. frißt die Kerngehäuse aus

und ist in manchen Jahrgängen stellenweise so häufig, daß man kaum

einen Apfel oder eine Birne oder Quittenfrucht findet, in der nicht

eine Wicklerraupe gefressen hätte. Die Früchte fallen im Zustande

einer Notreife oft vorzeitig ab.

3. +Schnabelkerfe.+ Unter den Schnabelkerfen ist, von einigen

lästigen Blatt- und Schildläusen (unter diesen befinden sich mehrere

aus Amerika eingeschleppte Schädlinge) abgesehen, die +Blutlaus+,

ein furchtbarer Zerstörer der Obstbäume. Die Stämme werden meist

krebskrank. Das Kalken der Bäume ist wohl (obgleich es von den

Behörden angeordnet wird) nicht so sehr zu empfehlen, da man an den

weißen Stämmen neue Brutherde zu leicht übersieht. In neuerer Zeit

hat sich das Anstreichen der Stämme mit Carbolineum (mit gleichen

Teilen Wasser verdünnt) gut bewährt. Übrigens ist die Zahl der

Blutlausvertilgungsmittel, die mehr oder minder gut sind, sehr groß.

Auch Auflösungen von roher Schmierseife in Wasser sind zu empfehlen.

Als +Schädlinge der getrockneten Früchte+ (Quittenschnitzel,

Ringäpfel usw.) kommen neben verschiedenen Käfergattungen (_Anobium_,

_Ptinus_ usw.) von Microlepidopteren u. a. in Betracht:

_Ephestia kuehniella_ Z. Diese jedenfalls aus Nordamerika

eingeschleppte Phycitinaee lebt in Weizenmehl und vielen anderen

amylumhaltigen Drogen, besonders lästig werdend durch die

Gespinstfäden. Sie nimmt mit Vorliebe aber auch getrocknete

Quittenschnitzel, Ringäpfel, Pflaumen und Eßkastanien an. Sie scheint

sich in den letzten Jahrzehnten sehr ausgebreitet zu haben. _Ephestia

calidella_ ~Gr.~, _E. figulilella_ ~Gregs.~, _E. afflatella_ ~Mn.~,

_E. cautella_ ~Wlk.~, _E. elutella_ ~Hb.~, _Pyralis farinalis_ L.:

Die spinnenden Räupchen leben gerne (oft in sehr großer Anzahl) in

allen möglichen getrockneten Früchten und stärkehaltigen Samen,

besonders gerne in Feigen, Datteln, Johannisbrot, Mehlvorräten usw.,

auch in Pflaumen, Quittenschnitzeln, Ringäpfeln.

In der Droge findet sich oft _Sitodrepa panicea_ (I, S. 379).

=Handel.= _Sem. Cydoniae_ kommen in den Handel aus +Südrußland+

(Krim), +Spanien+, Portugal, +Südfrankreich+, Teneriffa, +Capland+.

Die russischen Samen sind voller, fester zusammenhängend, von fast

violettschwarzer Farbe und reich an Schleim (~Flückiger~). Sie erzielen

jetzt die höchsten Preise. Indien, das viel verbraucht, bezieht

_Sem. Cydon._ (vermutlich seit undenklichen Zeiten, ~Flückiger~) vom

persischen Golf sowie auch aus Afghanistan, Kabul, Bokhara, Kaschmir.

Als +russische+ Quittenkerne kommt in den letzten Jahren in der

Hauptsache +persische+ Ware in den Handel, die sowohl von den

russischen Stapelplätzen wie auch über London und Hamburg zugeführt

wird. Als sog. +spanische+ (rötliche) Quittenkerne rangieren die

spanischen, französischen und Kap-Sorten, welch letztere meist über

London kommen (~Caesar & Loretz~).

[Illustration: Fig. 112.

_Cydonia vulgaris_ L.

Isolierter Same. a und b Samenballen eines Faches: a von außen, b von

innen. [+Tschirch.+]]

=Morphologie der Droge.= Die Samen eines Faches sind für gewöhnlich

um eine kurze Mittellinie in zwei Vertikalreihen orientiert und durch

den Schleim zu einem ziemlich regelmäßigen Ballen verklebt (Fig. 112),

so daß sie auch noch in der Droge oft zu mehreren zusammenhängen.

Sie sind hart, rotbraun, mit einem Ton ins Violette, durch den

eingetrockneten, bisweilen abschilfernden Schleim matt weißlich,

spitz-eiförmig, halbherz- oder keilförmig, durch gegenseitigen Druck

unregelmäßig-kantig, oft miteinander verzahnt. Der helle Nabel

(Hilum) liegt am spitzen Ende, von ihm läuft die Raphe als ein

scharfer, gerader Kiel zu der als erhöht-gerandeter Fleck seitlich

hervortretenden Chalaza. Der der Raphe gegenüberliegende Rand

beschreibt eine seichte Kurve (Fig. 112). Die Samen sind +frisch+ etwa

8 mm lang, 4 mm breit und 2 mm dick und wiegen etwa 0,052 g; +trocken+

messen sie etwa 7 mm (nicht über 10 mm) und wiegen im Durchschnitt

0,029 g (~Morgenthaler~). Die Samen schmecken zuerst schleimig, ist

die Schleimschicht entfernt herb-adstringierend, beim Zerkauen

tritt schwacher Bittermandelgeschmack hervor. Legt man die Samen in

Wasser, so umgeben sie sich mit einer Schleimhülle, schüttelt man

sie mit Wasser -- am besten unter Zusatz von einigen Glasperlen --,

so löst sich die Schleimepidermis von der Schale ab und man erhält

einen zähen Schleim. Der Embryo besteht aus zwei dicken plankonvexen,

ölig-fleischigen, deutlich geaderten, wellenförmig zusammengelegten

Cotyledonen und einer kleinen und kurzen, gegen das Hilum gerichteten

geraden Radicula.

[Illustration: Fig. 113.

_Cydonia vulgaris_ L.

Querschnitt durch die Randschicht des Samens an der Stelle, wo das

Raphebündel liegt. +Sep+ Schleimepidermis, in einigen Zellen kleine

Stärkekörnchen. P Pigment- (Hart-)Schicht. +NS+ Nährschicht. +Psp+

Perispermrest. +End+ Endosperm. +Qu+ Quellschicht. [+Tschirch.+]]

=Anatomie.= Der trockene Same ist mit einer hellen derben,

abschilfernden Schicht bedeckt, die unter Glycerin betrachtet

keine Struktur erkennen läßt, aber im polarisierten Lichte glänzt.

Läßt man zu dem in Glycerin liegenden Querschnitte langsam Wasser

zufließen, so quillt diese Schicht mächtig (bis 0,170 mm) und nunmehr

tritt die Struktur deutlich hervor. Es zeigt sich, daß sie aus

einer Reihe prismatischer Zellen besteht, die deutlich geschichtete

Schleimmembranen (Fig. 113, Sep) und auf der Innenseite ein kleines,

etwas Plasma und oft noch kleine Stärkekörner enthaltendes Lumen

besitzt. Die Schleimmembran, die sich mit Jodschwefelsäure blau färbt

(~Kützing~, ~Cramer~), also zu den Zelluloseschleimen (~Tschirchs~)

gehört, ist aber so empfindlich gegen Wasser, daß sie rasch ihre

Struktur verliert und sich in dem umgebenden Wasser verteilt. Der

Schleim wird durch Hämatoxylin prächtig violett, durch Jod gelb bis

rosa, bei viel Reagens rot bis braunrot. Diese große +Schleimepidermis+

der Samen ist sehr charakteristisch für _Cydonia_, besonders zum

Unterschiede von _Pirus_ (doch haben die Samen von _Pirus lomonii_ auch

eine solche, ~Dutailly~). Bisweilen unterbleibt in einzelnen Zellen die

Schleimbildung, diese erscheinen dann seitlich zusammengedrückt. Die

kappenförmige Ablagerung der Schleimschichten beginnt erst ziemlich

spät (im August) an der Innenseite der Außenwand der Epidermiszellen

und schreitet dann rasch bis zum Grunde fort (~Frank~, ~Luerssen~).

Auf die Schleimepidermis folgt eine mehrreihige, an den Ecken

dickere, an den Flächen schmälere, hier meist nur 3-4reihige, derbe

+Pigmentschicht+ (Fig. 113, P), die zugleich die Hartschicht bildet,

deren verdickte, in der Längsrichtung des Samens gestreckte Zellen

einen braunen Phlobaphenklumpen enthalten, der sich mit Eisensalzen

färbt und deren Wand gegen Schwefelsäure resistent ist. Dann folgt die

+Nährschicht+ (Fig. 113, NS). Sie ist entweder ganz obliteriert (zum

Teil sogar resorbiert), so an vielen Stellen an der Fläche des Samens

oder es ist ihre äußere Zellreihe, oder -- an den Kanten -- mehrere

Reihen erhalten. In ihr verläuft das +Raphebündel+ (Fig. 113). Die

Wände der Nährschicht sind gebräunt. Beim ganz jungen Samen besitzt

die Nährschicht eine große Mächtigkeit und enthält, wie auch die junge

Pigmentschicht und die Epidermis, reichlich transitorische Stärke.

Bis hierher reicht die Samenschale. Dann folgt eine obliterierte

Zone, die zu äußerst von einer Zellreihe begrenzt wird, deren dicke

Außenwände gelbgefärbt sind. Wir dürfen die Zone wohl als einen

+Perispermrest+ betrachten (~Morgenthaler~). An ihn schließt sich

das mehrreihige +Endosperm+, das zu innerst von einer obliterierten

Schicht begrenzt wird (+Quellgewebe+, ~Tschirch~ und ~Hirsch~). Die

Hauptmasse des Samens bilden die dickfleischigen Cotyledonen, deren

Palissadenschicht deutlich ausgebildet ist und die so orientiert ist,

daß die Palissadenseiten aufeinander liegen. Das Mesophyll ist von

Procambiumsträngen durchzogen. Endosperm und Cotyledonen sind mit

+Aleuronkörnern+ erfüllt, die in +Ölplasma+ (~Tschirch~) eingebettet

sind und von denen die größeren, wenigstens in Cotyledonen und

Endosperm, neben Globoiden auch meist ein oder mehrere Kristalloide

enthalten. Die größten Aleuronkörner (bis 28 mik) finden sich im

Endosperm, die in den Cotyledonen sind etwas kleiner (bis 15 mik), die

der Radicula sind am kleinsten (bis 7 mik, ~Morgenthaler~).

=Lit.= ~Kützing~, Grundz. d. philos. Bot. t. 4. Fig. 4. -- ~Cramer~

a. a. O. (1855). t. 22. Fig. 3 u. 4. -- ~Hofmeister~, Ber. d.

Sächs. Ges. d. Wiss. 1858. -- ~Frank~ a. a. O. -- ~A. Michelis~,

Zur Anatom. schleimhalt. Samensch. Progr. d. städt. Realschule

Königsberg 1877 (m. Abbild.). -- ~Tschirch~, Artikel Cydonia in

Realenzyklop. d. Pharm. -- ~Hirsch~, Einricht. behufs Überführ. d.

Reservestoffe in d. Embryo. Dissert. Erlangen 1890. -- ~Flückiger~,

Pharmakognosie. -- ~J. Morgenthaler~, Beitr. z. Entwicklungsgesch.

d. Quitte. Diss. Zürich 1897 (dort auch die Keimungsgeschichte).

-- ~Marloth~, Mechan. Schutzmitt. d. Samen. Engl. bot. Jahrb. IV,

236. -- ~Dutailly~, Un pirus à graines mucilagineuses. Bull. soc.

Linn. 1898. -- Nährschicht: ~Holfert~, Flora 1890 (~Morgenthaler~

bringt Nähr+schicht+ und Nähr+gewebe+ durcheinander). -- +Anatom.

Abbild.+ in ~Oudemans~ Atlas (1854). -- ~Berg~, Anatom. Atlas t. 46.

-- ~Tschirch~, Angew. Anatomie Fig. 36 u. 196. -- ~Hérail-Bonnet~,

Manipulat. t. 35. -- ~Planchon-Collin~, Drog. simpl. 1896. -- Anatom.

Abbild., die Pektinbildung in der +Fruchtschale+ der Quitte betr.,

in ~Rosenberg~, Über d. Pektinmetamorphose. Diss. Bern 1908 (mit 9

Taf.). Vgl. auch ~Tschirch~, Pektin u. Protopektin. Ber. d. pharm.

Ges. 1907.

=Chemie.= Die Samen enthalten so viel +Schleim+ (Cydonin, ~Pereira~),

daß sie das Vierzigfache ihres Gewichtes Wasser aufzunehmen

imstande sind. Sie liefern denn auch c. 20% (lufttrockenen) Schleim

(~Flückiger~). Der Rohschleim enthält viel Kalk und Eiweißsubstanzen

-- oft 10,4% Asche (~Schmidt~). Der Schleim bildet eine kolloidale

Lösung. ~Tollens~ und ~Kirchner~ (1874) lösen zur Reinigung in Wasser,

filtrieren, dampfen ein, versetzen mit Salzsäure und fällen mit

Alkohol; getrocknet quillt er, wird aber erst auf Kalizusatz gallertig.

Sie geben ihm die Formel C₁₈H₂₈O₁₄ (= 3(C₆H₁₀O₅) − H₂O), ~Schmidt~:

C₆H₁₀O₅, ~Mulder~: C₂₄H₃₈O₁₉.(= 4(C₆H₁₀O₅) - H₂O). Die geringere Menge

H₂O erklären ~Kirchner~ und ~Tollens~ durch Esterbindung im Molekül.

Der _Cydonia_schleim ist unlöslich in Alkalien und verd. Säuren, wird

mit Jodschwefelsäure blau und gibt mit Salpetersäure Oxalsäure, nicht

Schleimsäure (~Cramer~, ~Frank~), enthält also +kein+ Galaktan, ebenso

liefert er hierbei keine bemerkenswerten Mengen Zuckersäure, enthält

also auch kein Dextran (?). Er wird nicht durch Borax verdickt. Der

lösliche Teil wird durch Alkohol und Metallsalze niedergeschlagen,

ebenso durch Alkaloide. Gerbsäure verändert nicht, Kreosotwasser

fällt nicht (Unterschied von Gummi- und Kirschgummischleim,

~Reichenbach~), Bleizucker fällt flockig (Unterschied von Acacien- und

Carrageenschleim). Er läßt sich mit Natriumsulfat (~Flückiger~) und

Ammonsulfat (~Pohl~) aussalzen. Mit kaltem Wasser bilden Quittensamen

eine sehr zähe Flüssigkeit, welche durch Filtrieren in dünnere und

dickere Anteile sich trennen läßt (~Tollens~). Durch Erwärmen mit

verdünnten Säuren wird Quittenschleim dünnflüssig und es scheiden

sich c. 34% einer wie +Zellulose+ reagierenden Substanz (auf der die

Zellulosereaktion des Schleimes beruht) flockig ab. Das Filtrat enthält

ein Gummi und einen rechtsdrehenden Zucker, der Arabinose oder Xylose

zu sein scheint (~Tollens~). Vielleicht entsteht hierbei auch etwas

Traubenzucker (~Bauer~ und ~Tollens~) bei der Destillation mit verd.

Schwefelsäure entsteht Furfurol. Im Quittenschleim sind also (wie im

Schleime von _Plantago Psyllium_) Pentosane enthalten (Araban und Xylan

oder ein verwandter Stoff, ~Gans~ und ~Tollens~). Der _Cydonia_schleim

hat viel Ähnlichkeit mit dem _Traganth_schleim. Vor der Reife enthält

der Same in der Samenschale +Stärke+, Spuren finden sich auch bisweilen

im reifen Samen (s. oben und Fig. 113 rechts).

Quittensamen liefern (ebenso wie die Rinde und die jungen, frischen

Triebe) bei der Destillation mit Wasser ein blausäurehaltiges Destillat

(~Stockmann~). Die Samen enthalten, neben +Emulsin+, nur wenig (0,4%)

+Amygdalin+ (~Jouck~, ~Lehmann~ gibt 1,2-1,5% an), das vollständig

mit dem der Mandeln übereinstimmt. ~Wicke~ gab bereits 1851 an, daß

das Amygdalin in vielen Pomaceen und Pruneen (_Malus_, _Sorbus_,

_Amelanchier_, _Cotoneaster_, _Crataegus_, _Cydonia_, _Eryobotrya_,

_Prunus_) vorkomme, hatte aber reines Quittenamygdalin nicht in

Händen. Die Samen enthalten in der Samenschale eine +gerbstoffartige

Substanz+ und im Samenkern 15% Öl (~Brand~). Das Öl der Samen enthält

als Hauptbestandteil Myristicinsäure, C₁₄H₂₈O₂, dann eine mit

Isopentadecylsäure isomere und eine ungesättigte, flüssige Säure,

C₁₈H₃₄O₂ (= C₁₇H₃₂OH.COOH), sowie 4,1% Glycerin (~R. Herrmann~).

~Hauke~ gibt die +Asche+ der Samen zu 4,45% an, ~Warnecke~ zu 3,55%.

Die Asche ist reich an Phosphorsäure (42%, ~Souchay~).

=Lit.= +Schleim+: ~Pereira~, Heilmittellehre (dort Reaktionen des

Schleims). -- ~Bostock~, Nichols. Journ. VIII, 31. -- ~C. Schmidt~,

Lieb. Ann. 51, 29. -- ~Kirchner~ u. ~Tollens~, Lieb. Ann. 175. --

~Mulder~, Journ. pr. Chem. 37. -- ~Frank~, Pringsh. Jahrb. 5 u.

Journ. pr. Chem. 95. -- ~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia. --

~Flückiger~, Pharmakognosie. -- ~Gans~ und ~Tollens~, Lieb. Ann.

249 (1889), 245. -- ~Schulze~ u. ~Tollens~, Ebenda 271 (1890). --

~Tollens~, Kurz. Handb. d. Kohlenhydr. 2. Aufl. 1898. -- ~Pohl~,

Zeitschr. phys. Chem. 14 (1890), 151. -- +Blausäure+: ~W. Wicke~,

Lieb. Ann. 79 (1851) und 81 (1852). -- ~Jouck~, Beitr. z. Kenntn. d.

Blaus. abspalt. Glycos. Diss. Straßb. 1902. -- ~E. Lehmann~, Beitr.

z. vergl. Unters. über Vork. u. Verbreit. d. Amygdalins usw. Pharm.

Zeitschr. f. Rußland 1895, 352. -- +Öl+: ~R. Herrmann~, Über d. fette

Öl d. Quittens. Arch. Pharm. 237 (1899), 358. -- +Asche+: ~Hauke~,

Zeitschr. österr. Apoth. Ver. 1902. -- ~Souchay~, Jahresb. d. Ph.

1845, 66.

+Quittensaft+ enthält nach ~Trouchon~ und ~Claude~ g in 100 ccm:

Invertzucker 7,59, Gesamtsäure auf Weinsäure berechnet 0,96, durch

Alkohol fällbare Stoffe 0,46, Asche 0,42. Quitten enthalten keine

Saccharose, wohl aber +Weinsäure+. Nach ~Riekher~ soll neben Zucker,

Pektin und Gummi 3,5% +Apfelsäure+ darin vorkommen. ~Lancaster~ erhielt

1,6 g +Bleimalat+ aus 453 g Frucht. Die Säuren der Quitte bedürfen

einer erneuten Untersuchung. ~Wöhler~ erhielt bei der Destillation

reifer Quitten mit Wasser einen +Oenanthäther+, ~R. Wagner~ hält

jedoch das Arom für Pelargonsäureäthylester. Künstliche Quittenessenz

besteht aus Äthylpelargonat. Das Pektin der Quittenfracht ist stark

rechtsdrehend (α_{D} = +188,2) und enthält ein Galaktoaraban. Es gibt

bei der Hydrolyse Arabinose und mit Salpetersäure Schleimsäure. Der

Pentosangehalt der wilden Quitte beträgt 3,23, der der Kulturquitte

1,78% der Trockensubstanz (~Wittmann~).

=Lit.= ~Wöhler~, Lieb. Ann. 41, 239. -- ~Lancaster~, Am. journ.

pharm. 31, 198. -- ~Truchon~ et ~Claude~, Journ. pharm. chim. 13

(1901), 171. -- ~Javillier~, Ebenda 9 (1899), 513. -- ~König~,

Nahrungs- u. Genußm. -- Über das Pektin der Frucht vgl. oben S. 280

unter Pektino-Membranine.

=Anwendung.= In der Volksmedizin (als Aphrodisiacum, zur Erzeugung

kluger Kinder) und im Volksaberglauben (Liebeszauber) spielt

die Quitte von jeher eine (allerdings beschränkte) Rolle. Die

Nützlichkeit der Quitte schildert schon der alte Vers:

Auch die rauhen Quitten hegen

zum vergnügen unsrer Brust

wenn wir ihr gewächs erwägen

nahrung, kühlung, nutz und lust

(~Brockes~).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 49 / 120 段