und zwar baltischer (baltic linseed) und südrussischer oder asowscher
(black sea linseed). Der reinste ist der baltische. Er liefert auch das
am besten trocknende Öl. Der südrussische enthält 5% und mehr Hanf-
und Ravisonsamen. Russischer L. enthält 32-38% Öl. +Argentinischer+
L., sog. +La Plata-Saat+, neuerdings in großer Menge im Handel,
aber ziemlich unrein (Unkrautsamen, Pflanzenfasern) mit 35-36% Öl.
+Indischer+ L. (s. oben), auch ziemlich unrein (s. hinten), mit 37-41%
Öl. +Marocco+ L., +Canadischer+ L., +Nordamerikanischer+ L. in geringer
Menge.
Maroccoleinsamen (jetzt als Medizinalleinsamen viel im Handel) wird in
Säcken à 100 kg gehandelt (~Jul. Grossmann~).
Leinsamen wird leicht ranzig. Er sollte nicht über ein Jahr aufbewahrt
werden.
=Lit.= ~Langer~, Flachsbau. Wien 1893. -- ~Knight~, Flax and Linseed
industry. Journ. Dep. Agr. Victoria 1906. -- ~Schindler~, Flachsbau
in Rußland 1898. -- ~Wiesner~, Rohstoffe. -- ~T. F. Hanausek~,
Ebenda. -- ~Watt~, Diction. econ. pr. of India. -- ~Schübeler~,
Viridar. norwegic. II (1888), 439. -- Über die Leinsamen-Sorten
vgl. ~Nobbe~, Handb. d. Samenkunde. ~Holmes~, The varieties of
linseed in english commerce. Pharm. Journ. 12 (1881). -- Über den
Umfang, Zunahme und Rückgang des Leinbaus finden sich Zahlen in der
Zeitschrift «+Flachs und Leinen+». Wien u. Trautenau. -- Karte der
Verbreitung der Flachskultur in ~Scobel~, Handelsatlas.
=Morphologie der Droge.= Die Leinsamen sind flachgedrückt-eiförmig,
4-6,5 mm lang (europäische meist etwa 5 mm), 2,5-3 mm breit und 1-1,5
mm dick. Die größten finden sich bei indischen Sorten. Europäische
Leinsamen wiegen meist 0,004 bis 0,0054 g. Doch schwankt das
Gewicht (wie die Größe) nach den Sorten. Russische L. wiegen oft
0,01, türkische 0,009. Die Durchschnittssorte Mitteleuropas wiegt
0,0047, weiße indische von Malva 0,0088, gelbbräunliche von Indore
(Zentralindien) 0,0093 (~Flückiger~), schwedische 0,004, dalmatinische
0,0053, persische 0,0054 (~Harz~). ~Holmes~ fand (1881), daß von
russischem, holländischem, englischem und Calcutta-Lein 12-14 Stück
auf 1 grain gehen, von großem Calcutta, Bombay, Sizilischem und Lein
von den ionischen Inseln 6-7 Stück auf 1 grain (= 64,8 mg). Der Handel
unterscheidet klein- und großkörnigen Lein. ~Caesar~ und ~Loretz~
führen jetzt auch (zum Kauen) eine Sorte von der doppelten Größe der
kuranten deutschen Samen.
Sie sind an dem unteren Ende abgerundet, am oberen durch eine Caruncula
(crista) genabelt (Fig. 109, 3 X) und unterhalb der stumpfen, etwas
schiefen Spitze, dort, wo das als feiner Punkt sichtbare Hilum
liegt, leicht eingedrückt. Die glatte (infolge der eingetrockneten
Schleimschicht), glänzende, dünne und spröde Schale ist meist gelbbraun
bis dunkelrotbraun gefärbt, beim Springlein heller; bei den whit seeds
Indiens gelb, bei den red seeds lichtbräunlich. Sie erscheint, mit der
Lupe betrachtet, sehr feingrubig infolge der von der Sclereïdenschicht
(s. unten) gebildeten kleinen flachen Mulden. Die Raphe läuft vom
Hilum aus an der schmalen Kante entlang bis zu der äußerlich nicht
sichtbaren, am abgerundeten Ende liegenden Chalaza.
[Illustration: Fig. 109.
_Linum usitatissimum_ L.
1 Querschnitt und 2 Längsschnitt durch den Fruchtknoten, 3 Same
von außen, 4 Same parallel der Fläche und 6 rechtwinklig dazu
längsdurchschnitten, 5 Same in der Mitte querdurchschnitten, 5 a und 5
b Same oben querdurchschnitten, 7 Same an der Kante querdurchschnitten.
[+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
In Wasser gelegt umgibt sich der Leinsamen rasch mit einer hyalinen
Schleimhülle, da die Schleimepidermis (s. unten) stark quellbar ist.
Spaltet man den Samen der Länge nach parallel der Fläche auf, so sieht
man die herzförmigen Cotyledonen (Fig. 109, 4), die die Hauptmasse des
Samenkernes ausmachen und in der Spitze des Samens die kurze kegelige
Radicula (Fig. 109, 4); spaltet man ihn parallel den Schmalseiten, so
erblickt man mit der Lupe zwischen Radicula und Cotyledonen die kleine
Piumula. Durchschneidet man ihn in der Mitte quer, so sieht man, daß
die plankonvexen Cotyledonen nur von einem schmalen Endosperm umgeben
sind (Fig. 109, 7).
[Illustration: Fig. 110.
_Linum usitatissimum_ L.
1-4 Entwicklung der Samenschale. Querschnitt, ia äußeres, ii inneres
Integument. 5 Nährschicht (bei Nr. 4 zusammengefallen). 5 Längsschnitt
durch Samenschale und Endosperm. [+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
=Anatomie.= Die Samen gehen aus hängenden, anatropen Ovulis hervor,
deren Mikropyle nach außen und oben gewendet ist und von einem
papillösen Pollenzuführungsapparat überdeckt ist (Fig. 109, 2 X),
der, aus dem Funiculargewebe hervorgehend, später zur Caruncula wird,
die das Spitzchen des Samens (s. oben) bildet. Das äußere Integument
liefert die Schichten 1 und 2 der Samenschale, das innere die Schichten
3-6 (Fig. 110). Das äußere bleibt zunächst zweischichtig und wird
dann durch Teilung der inneren Zellreihe dreischichtig, das innere
Integument vergrößert sich stark und die Zellen füllen sich mit Stärke.
Es wird zur +Nährschicht+ (~Tschirch~). Bei der Weiterentwicklung
entleeren sich die parenchymatischen Zellen aber wieder in dem Maße
wie sie ihre Reservestoffe an die sich verdickenden Hartschichten
zum Aufbau der Membranen abgeben und im reifen Samen besteht die
Nährschicht fast nur aus der äußeren und inneren Epidermis. Das
ganze mittlere Gewebe ist zu einer hyalinen Schicht zusammengefallen
oder ganz resorbiert. Der Schleim ist auf die Epidermis beschränkt
(Schleimepidermis ~Tschirch~). Er wird direkt als Membranschleim aber
ziemlich spät, erst wenn der Embryo schon Grünfärbung zeigt, angelegt,
vorwiegend an der Außenseite unter der Cuticula und den Seitenwänden,
gar nicht auf der Innenwand. Stärkekörner, die in den Schichten
1 und 2 auftreten, liefern das Baumaterial. Die Schleimmembran
besteht aus drei Schichten: einer hyalinen Stäbchenschicht, deren
Struktur erst bei der Quellung sichtbar wird, einer körnigen Zone
und der sehr breiten, beim Quellen deutliche Schichtung zeigenden
Hauptschicht (Details in ~Tschirch-Oesterle~, Atlas). Beim trockenen
Samen ist die Schleimepidermis stark zusammengefallen (die primären,
Zellulosereaktion gebenden, Trennungsmembranen wellig verbogen).
Beim Einlegen in Wasser quillt sie stark, oft auf das fünffache,
die primären Membranen strecken sich und die Zellen erscheinen nun
prismatisch; schließlich platzt die Cuticula und der Schleim tritt aus.
Am leichtesten löst sich die körnige Mittelschicht, dann folgt die
breite geschichtete Partie, am längsten widersteht die Stäbchenschicht.
Sie löst sich bisweilen mit der Cuticula zusammen spiralig ab
(Details bei ~Koran~). Die Verhältnisse lassen sich am besten an
Tuschepräparaten studieren. Von der Fläche gesehen erscheinen die
Zellen der Schleimepidermis polyedrisch. Die Stäbchenschicht macht sich
durch feine Körnelung bemerkbar (Fig. 110 u. 111, 4 a). Wenn man einen
Samen mit Wasser schüttelt -- am besten unter Hinzufügen von Glasperlen
--, so löst sich die ganze Schleimepidermis los und der Schleim
verteilt sich im Wasser. Die zweite, aus der zweiten Zellschicht des
äußeren Integumentes hervorgehende, Schicht ist meist zweireihig, auf
der Rapheseite fünfreihig. Ihre Zellen sind etwas verdickt, in der
Flächenansicht erscheinen sie rundlich (Fig. 111, 2). Interzellularen
sind reichlich vorhanden. In dieser Schicht verläuft das Raphebündel.
Von den beiden Epidermen des inneren Integumentes wird die äußere
zur +Sklereïdenschicht+. Im Querschnitt des reifen Samen erscheinen
die reichgetüpfelten Sklereïden verschieden hoch, je nachdem sie an
den Kanten oder Flächen des Samens liegen, auch verschieden stark
verdickt (Fig. 110, 3). Stets sind sie in der Längsrichtung des Samens
gestreckt (Fig. 111, 3 u. 3 a), bis 250 mik lang und c. 10 mik breit.
Die Außenlinie der Sklereïdenschicht zeigt Mulden (s. oben). Die innere
Epidermis des inneren Integumentes wird zur +Pigmentschicht+, deren
Zellen im reifen Samen tangential gestreckt, dickwandig und getüpfelt
sind und einen mit Eisenchlorid blauschwarz werdenden Phlobaphenballen
enthalten, dessen braunrote Farbe die Farbe der Samenschale bedingt.
Bei den hellen indischen Leinsamen fehlt diese Pigmentschicht.
Das +Endosperm+ ist schmal, nur wenige Zellreihen breit an den Flächen
des Samens, an den Kanten und dort, wo die Radicula liegt, breiter. Die
~Cotyledonen~ bestehen aus zarten Zellen, deren Wände (ebenso wie die
der Endospermzellen) durch Jod gebläut werden, also Amyloid enthalten.
Die Palissadenseiten der beiden Blätter liegen auf der Innenseite,
also einander gegenüber. Das Mesophyll ist von Procambiumsträngen
durchzogen. Die Zellen der Cotyledonen enthalten meist 2-5 große, etwa
10-19 mik lange und zahlreiche sehr kleine Aleuronkörner. Nach ~Lüdtke~
beträgt die Größe der großen elliptischen Aleuronkörner 10,5 mik in
der Randpartie der Cotylen, 15 mik im übrigen Cotyledonargewebe und
dem Endosperm. Meist sind bei den größeren Körnern ein Globoid und ein
oder mehrere undeutlich eckige, durch Jod sich stark gelb färbende
Kristalloide vorhanden, neben Grundmasse und deutlicher Hüllhaut.
Eingebettet sind die Aleuronkörner in eine Grundmasse, die sich beim
direkten Einlegen in Osmiumsäure gleichmäßig braun färbt und die ich
als +Ölplasma+ bezeichnet habe. Die Aleuronkörner des Endosperms
weichen etwas von denen der Cotyledonen ab. Sie sind häufig lappig. Der
Keimling enthält auch Zucker (~Raspail~sche Reaktion).
Die +Keimung+, bei der zuerst das Endosperm entleert wird, erfolgt
epigä. Die Schleimepidermis der Samenschale -- und dies ist in
erster Linie ihre Funktion -- klebt hierbei den Samen am Boden fest
und sichert das Eindringen der Wurzel in den Boden (~Tschirch~ und
~Lüdtke~, vgl. auch oben S. 314).
Das +Pulver+. Der Leinkuchen (_farina lini_, _placenta seminis lini_),
entweder der gemahlene oder der gemahlene und ausgepreßte Leinsamen
(Preßkuchen), der Preßrückstand der Leinölfabrikation, zeigt alle
Elemente des Samens mehr oder weniger zerkleinert. Schon mit bloßem
Auge lassen sich die braunen Samenschalfragmente von den hellgelblichen
der Cotyledonen unterscheiden. Bei den Samenfragmenten (Fig. 111)
fallen besonders die getüpfelten, quadratischen, mit rotbraunem Inhalt
versehenen Zellen der Pigmentschicht (Fig. 111, 6) und die gestreckten
Sklereïden (Fig. 111, 3 u. 3 a) auf, weniger Schicht 2 und die
Schleimepidermis. Das Gesamtbild ist ein sehr charakteristisches und
mit dem keiner anderen Samenschale zu verwechseln. Die hellen Fragmente
bestehen aus dem dünnwandigen Gewebe der Cotyledonen, in dem man
leicht (im Öl- oder Alkoholpräparat) die Aleuronkörner sichtbar machen
kann. +Stärke fehlt+ oder kommt doch nur in Spuren vor (s. auch unter
Verunreinigungen).
[Illustration: Fig. 111.
_Linum usitatissimum_ L.
Succedane Flächenschnitte durch die Samenschale. Die Zahlen bezeichnen
die gleichen Gewebe wie in Fig. 110. Links: Aleuronkörner in Jodlösung.
[+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
=Lit.= ~Arthur Meyer~, Drogenkunde. -- ~Harz~, Landwirtsch.
Samenkunde 1885. -- ~Sempolowski~, Beiträge z. Kenntn. d. Baues d.
Samenschale. Dissert. Leipzig 1874. -- ~Herlant~, Caract. microscop.
de quelqu. graines officinal. Ann. Univ. Libr. Brux. 1882, m. Taf. --
~Guignard~, Rech. sur l. dével. d. l. graine et en partic. du tégum.
semin. Journ. d. botan. 1893 (m. Abbild.). -- ~Vogl~, Commentar 1908
(m. Abbild.). -- ~Tschirch-Oesterle~, Atlas t. 58 (~Schlotterbeck~)
(dort die Entwicklungsgeschichte). -- ~Moeller~ in Realenzyklop.
und Pharmakognosie. -- ~T. F. Hanausek~ in ~Wiesner~, Rohstoffe. --
~Nobbe~, Handb. d. Samenkunde. -- ~Cramer~, Vorkommen u. Entsteh.
einiger Pflanzenschleime in ~Nägeli-Cramer~, Pflanzenphys. Unters.
1855. -- ~Hofmeister~, Ber. d. Sächs. Ges. d. Wissensch. 1858. --
~Frank~, Pringsh. Jahrb. 5 (1866), 161. -- ~Mangin~, Observations
sur l’assise à mucilage de la graine de Lin. Bulletin de la Soc.
bot. de France 40 (1893), 119 (Bemerkungen dazu: ~Guignard~, l. c.
59). -- ~Kořan~, D. Austritt d. Schleimes aus d. Leinsamen. Pharm.
Post. 1899, 221. -- ~Lüdtke~, Beschaffenh. d. Aleuronk. einiger
Samen. Ber. d. pharm. Ges. I, 53. -- Abbild. der Aleuronkörner bei
~Lüdtke~, Beitr. z. Kenntn. d. Aleuronk. Pringsh. Jahrb. 21 (1889)
(auch Dissertat.). -- Über d. chem. Natur der Aleuronkörner vgl.
~Kritzler~, Mikrochem. Unters. über d. Aleuronk. Dissert. Bern 1900.
-- ~Nelson~, Mercks Rep. 1906. -- Nährschicht: ~Tschirch~, Anatomie
1889, 459 (die Angabe in ~Schneiders~ Illustriert. Handwörterb. d.
Botan., daß der Name von ~Frank~ herrühre, ist unrichtig. ~Lohde~
(Entwicklungsgesch. u. Bau ein. Samensch. Dissert. 1874) drückt
sich über die Nährschicht nicht klar aus, er ahnt aber ihre
physiologische Bedeutung); vgl. besonders ~Holfert~, Flora 1890
(und Dissert. 1890) m. Taf. -- ~Ravenna~ und ~Zamorani~ (Bedeut. d.
Schleims f. d. Keimung). Att. R. Accad. d. Lincei (5) 19, II, 247.
-- Erste anatom. Abbild. im Atlas zu ~Oudemans~ Aanteekeningen t.
JJ., dann auch in ~Berg~, Anatom. Atlas t. 46. -- Schleimepidermis
abgebild. (nach ~Mangin~) in ~Hérail~, Traité de pharmacolog. 1901.
-- +Leinkuchen+ (tourteau): ~Collin~ et ~Perrot~, Les résidus
industriels de la fabricat. des huiles etc. 1904. -- +Pulver+:
Mikroskop. Charak. bei ~Kraemer~, Proc. Am. pharm. ass. 1898, 331 und
~Koch~, Mikrosk. Anal. d. Drogenpulv. 1906, IV, t. 3.
=Chemie.= ~König~ teilt zahlreiche +Analysen des Leinsamen+ mit.
Er gibt folgende Prozentzahlen (das Mittel aus allen Analysen
in Klammern) in der lufttrockenen Substanz: +Wasser+ 5,47-14,20
(8,96), +Stickstoffsubstanz+ 16,83-30,77 (22,77), +Öl+ (+Fett+)
22,45-40,48 (34,38), +stickstofffreie Extraktstoffe+ 17,58-28,80
(22,86), +Rohfaser+ 4,18-11,59 (6,78), +Asche+ 2,54-8,04 (4,25); in
der Trockensubstanz: Stickstoffsubstanz 18,49-33,8 (25,01), Fett
24,66-44,46 (37,76), Stickstoff 2,96-5,21 (4,0). +Leinpreßkuchen+
enthalten (nach ~König~) noch im Mittel 9,88% Öl (3,78-16,34), der
Gehalt an stickstoffhaltigen Substanzen beträgt im Mittel 29,48
(19-36,18)%, die Asche 9,69 (5,13-16,5)%.
Leinsamen liefert 3 (~Uloth~) bzw. 5,1-5,9% (~Kirchner~ und ~Tollens~)
+Schleim+. Der rohe Schleim enthält oft 7-10% und mehr Asche; unter
0,7% konnte auch ~Tollens~ die Asche nicht herabdrücken. Der Schleim
wird nach Zusatz von etwas Salzsäure mit Alkohol gefällt und durch
Auswaschen mit Ätheralkohol rein gewonnen. Die konz. wässrige Lösung
des Schleims gibt mit Kupfersulfat, ~Fehling~scher Lösung, Bleiacetat,
Bleiessig und Quecksilbersalzen unlösliche Niederschläge. Er gibt
mit Jodschwefelsäure keine Blaufärbung. Kupferoxydammon bildet
eine feste Gallerte. Der Linumschleim läßt sich mit Ammonsulfat
aussalzen (~Pohl~). Er ist unlöslich in Alkalien. ~Schmidt~ fand
im stickstofffreien Schleim unter Abrechnung der Asche 44,97% C,
6,26% H und 48,77% O. Er entspricht also in der Zusammensetzung
anderen Pflanzenschleimen. ~Schmidt~ gab ihm die Formel C₁₂H₂₀O₁₀,
welche Formel ~Kirchner~ und ~Tollens~ (1874) bestätigten, ~Tollens~
schreibt die Formel jetzt C₆H₁₀O₅. Die Hydrolyse des Schleims mit
1¼% Schwefelsäure liefert, neben einem «Gummi», 4% Zellulose
(~Tollens~) und c. 60% d-Glukose. Mit Magensaft entsteht eine zum
Teil kristallisierende Glukose, die keine Schleimsäure liefert
(~Fudakowski~). Ein Teil des Leinsamenschleimes liefert bei der
Oxydation mit Salpetersäure Schleimsäure (~Guérin~, ~Vauquelin~,
~Cullinan~). Bei der Hydrolyse liefert er denn auch +Galaktose+ und
neben +Dextrose+ (d-Glukose, ~Bauer~, ~Hilger~) tritt dann auch
+Arabinose+ und +Xylose+ auf (~Hilger~). Er enthält also wohl ein
Galakto-Gluko-Arabino-Xylan. Der +gereinigte+ Schleim hat (nach
~Hilger~) die Zusammensetzung: 2(C₆H₁₀O₅).2(C₅H₈O₄), dreht rechts, ist
schwach sauer und gibt bei der Destillation mit Salzsäure Furol.
Nachdem schon früher beobachtet worden war, daß bei längerem
Aufbewahren von gepulvertem Leinsamen dieser sauer wird (~Pelouze~
fand 5-6% freie Säure) und sich Blausäure entwickelt (~Senior~,
~Jorissen~; ~Senior~ betrachtet die Blausäure als ein Gärungsprodukt),
gelang es ~Jorissen~ und ~Hairs~ (1891) aus keimendem Leinsamen 1,5%
eines krist. Glykosides (F. = 134°) zu isolieren, das sie +Linamarin+
nannten und das sich (durch das im Leinsamen enthaltene Enzym, verd.
Mineralsäuren usw.) in einen reduzierenden, gärungsfähigen Zucker,
Blausäure und einen Körper mit Acetonreaktionen spaltet. Es löst sich
in Schwefelsäure farblos (Unterschied vom Amygdalin). Dasselbe erwies
sich als identisch mit dem +Phaseolunatin+ von ~Dunstan~ und ~Henry~,
das diese aus den Samen von _Phaseolus lunatus_ isolierten, dem sie
die Formel C₁₀H₁₇O₆N geben (F. = 141°) und das sich nach der Gleichung
C₁₀H₁₇O₆N + H₂O = C₆H₁₂O₆ (Dextrose) + HCN (Blausäure) + (CH₃)₂CO
(Aceton) spaltet. Wird Leinsamenmehl mit warmem Wasser angerührt bei
25° einige Zeit stehen gelassen und dann destilliert, so erhält man
ein blausäurehaltiges Destillat. 100 g liefern 8 mg HCN (gekeimte
Samen mehr als doppelt so viel. Es findet bei der Keimung auch eine
Neubildung von HCN statt [~Ravenna~ und ~Zamorani~]). Auch die Stengel
liefern Blausäure (~Jorissen~).
Das +fette Öl+ (Leinöl) ist in seiner Zusammensetzung noch nicht genau
bekannt. Die Elementarzusammensetzung gibt ~Sacc~ wie folgt an: C =
76,8-78, H = 11-11,2, O = 11-12%. Es soll 10-15% +Glyzeride fester
Fettsäuren+ (+Stearinsäure+, +Palmitinsäure+ und +Myristicinsäure+) und
85-90% flüssige Glyzeride enthalten. Die flüssigen Fettsäuren bestehen
nach ~Hazura~ und ~Grüssner~ aus 5% +Ölsäure+, 15% +Linolsäure+
(C₁₈H₃₂O₂), 15% +Linolensäure+ (C₁₈H₃₀O₂) und 65% +Isolinolensäure+.
Ob aber Ölsäure darin enthalten ist, ist noch fraglich. ~Fahrion~
gibt folgende prozentische Zusammensetzung an (1903): Unverseifbares
0,8, Palmitin- und Myristicinsäure 8, Ölsäure 17,5, Linolsäure
26, Linolensäure 10, Isolinolensäure 33,5, Glycerinrest 4,2.
~Lewkowitsch~ hält diese Zahlen aber nicht für richtig und meint,
daß ~Folkins~ Angabe wohl zutreffend sei, daß Linolsäure vorherrsche
und die Linolensäure nur 22-25% der Fettsäure ausmache. Er hält für
wahrscheinlich, daß Linolen- und Isolinolensäure 14%, Linolsäure 78,5%
betrage. Das Öl gibt von allen fetten Ölen die größte Menge flüchtiger
Säuren (~Dieterich~). Das Öl gehört zu den +trocknenden Ölen+. Es
absorbiert an der Luft leicht Sauerstoff und trocknet schließlich zu
einer in Äther unlöslichen Substanz ein (Linoxin, superoxydiertes
Leinöl). ~Orlow~ gibt dem Linoxin die Formel:
O O--O
/ \ | |
[CH₃.CH₂.CH--CH.CH₂.CH.CH(CH₂)₁₀CO]O.
Diese Veränderung erleidet es auch im Leinmehl beim Erhitzen desselben
auf 100-110° (~Klopsch~). Pressung lieferte in Indien bei whit seed
35,1, bold red 31,2, small 29,6% Öl; im Durchschnitt also ⅓ des
Gewichtes des Samen. Durch Extraktion erhielt ~Flückiger~ 35,5%, aus
weißen indischen Samen 39,2-40% Öl.
~Hauke~ fand in den Samen 3,2 bis 4% +Asche+. Er bezeichnet als obere
Grenzzahl 5%. ~König~ fand im Mittel 3,69% (Phosphorsäure: 41,5, Kali:
30,63, Magnesia: 19,29%), ~Dey~ und ~Cowie~ 1,93 (holl.) bis 4,0%
(südamer.). Die Asche enthält Kupfer (~Meier~).
In lufttrockener _Placenta sem. lin._ fand ~Peters~ 7% Asche und 8,32
Wasser.
=Lit.= Die älteste eingehende Analyse der Samen von ~L. Meier~ (in
~Gmelins~ Handb. d. Chem. II, 1251). -- Viele Analysen in ~König~,
Nahrungs- u. Genußm. 4. Aufl., bei ~Hooper~, Agricultur Ledger No.
12. Calcutta 1899 und bei ~W. Lawson~, Pharm. Journ. 16 (1885), 245.
-- Ältere Analysen des Schleimes von ~Bostock~ (Nicholsons Journ. 18,
31), ~Vauquelin~ (Ann. de chim. 80, 314), ~Guérin Varry~ (Journ. de
chim. méd. 7, 739), ~C. Schmidt~ (Lieb. Ann. 51, 29). -- +Schleim+:
~Guérin~, Ann. chim. phys. (2), 49. -- ~Fudakowski~, Ber. d. chem.
Ges. 11, 1073. -- ~Cullinan~, Bot. Jahresb. 1884, I, 71. -- ~Hilger~,
Ber. d. chem. Ges. 36 (1903), 3198. -- ~Bauer~, Journ. pr. Chem. II,
30, 367. -- ~Hilger~ und ~Rothenfusser~, Ber. d. chem. Ges. 35, 1841.
-- ~Kirchner~ und ~Tollens~, Unters. über Pflanzenschleim. Journ. f.
Landw. 1874, 502; Lieb. Ann. 175 (1874), 205. -- ~Pohl~, Zeitschr.
phys. Chem. 14 (1890), 151.
~Pelouze~ et ~Boudet~, Ann. chim. phys. (2) 69, 43. -- ~Pelouze~,
Ebenda 45 (1855), 319. -- ~Jorissen~ et ~Hairs~, Sur la linamarine,
glucoside cyanhydrique retiré du Lin. usitatiss. Bull. Ac. roy.
belg. (3) 21, 1891 (Journ. pharm. chim. 24 [1891], 259) und 1907,
793. Auch Bull. ac. roy. belg. (3) 5 (1883), 750; (3) 6 (1884), 718;
(3) 7 (1884), 736. -- ~Dunstan~ und ~Henry~, Proc. Royal soc. 72,
285 und 78, 145. -- ~Senior~, Brit. Pharm. Conf. 1885 (Pharm. Zeit.
u. Jahresber. d. Pharm. 1885). -- ~Jouck~, Beitr. z. Kenntn. d.
HCN abspalt. Glyk. Diss. Straßb. 1902. -- ~Th. Greenish~, Further
contrib. of the pharm. of linseed. Pharm. Journ. 15 (1884), 169
(Leinsamenmehl). -- +Gehalt an Öl+: ~König~ a. a. O. Dann: Chem.
Drugg. 1899, 522. -- ~La Wall~ and ~Pursel~, Am. journ. pharm. 1899,
393. -- ~Patch~, Proc. am. pharm. assoc. 1906, 339. -- ~Dey~ und
~Cowie~, Pharm. Journ. 25 (1895), 1037. -- Über das Öl vgl. bes.
~Lewkowitsch~, Chem. Technol. u. Analyse d. Öle, Fette usw. 1905
(dort die Literatur). -- Dann auch ~Dieterich~, Helfenb. Ann. 1887,
89. -- ~Klopsch~, Zeitschr. anal. Chem. 1888, 452. -- +Asche+:
~Hauke~ a. a. O. -- ~Laudreau~, Ann. agronom. 6, 315. -- ~Moor~ and
~Priest~, Pharm. Journ. 1900. -- ~Peters~, Apoth. Zeit. 1909, 538. --
Zahlreiche Aschenanalys. d. Samen, Früchte u. d. ganzen Pflanze in
~Wolff~, Aschenanalysen 1871, 106.
=Verfälschungen und Prüfung.= Leinsamen ist oft mit anderen Samen
vermischt, doch dürfen nicht mehr als höchstens 4% darin sein
(~Flückiger~), bei Ölsaat beträgt der Gehalt bisweilen 30-50% (z. B.
in Telquel aus Calcutta). ~Nobbe~ fand in einem 2,84% fremde Samen
enthaltenden Lein die Samen von 41 Phanerogamen. ~Völcker~ fand in
russischem Leinsamen 3%, in bestem indischen 1,75% fremde Samen. In dem
hellen indischen Lein verraten sich dunkle Samen leichter, als in dem
rotbraunen russischen.
Im Leinsamen wurden oft Cruciferensamen und die Samen des in
Leinfeldern häufigen _Lolium arvense_ ~Schrad.~ beobachtet, im
Leinmehl oft +Rapskuchen+ (bei Revisionen noch 1910 beobachtet,
durch den abweichenden Bau der Samenschale leicht kenntlich) und
Weizenmehl (~Beringer~). ~Tunmann~ beobachtete (1906) Kieselguhr als
Verfälschungsmittel.
~Holmes~ fand in englischem Lein: _Lolium_, _Polygonum Persicaria_,
_Chenopodium glaucum_; in holländischem L.: _Chenopodium album_;
in russischem L.: _Camelina sativa_, _Spergula arvens._, _Lolium_,
_Polyg. Persicar._; in littauischem L.: _Centaurea Cyanus_; in
Odessa-L.: _Polygonum_, _Convolvulus_, _Agrostemma Githago_,
_Sinapis_, _Panicum_, _Setaria_; in indischem L.: _Sesamum_, _Ervum_,
_Sinapis_, _Medicago_; in sizilian. und ionischem L.: _Galium spur._,
_Ervum_. (Er bildet ab: _Lolium_ spec., _Polygon. lapathifol._,
_Spergula arvens._, _Chenopod. alb._, _Silene inflata_, _Camelina
sativa_, _Centaurea Cyanus_, _Panicum miliac._, _Setaria_, _Sinapis_,
_Agrostemma Githago_, _Sesam. indic._, _Ervum_, _Medicago_, _Galium
spur._) ~Collin~ et ~Perrot~ erwähnen und beschreiben (in Les
Residus industriels 1904) eine große Anzahl von Verfälschungen der
+Leinpreßkuchen+. Sie bilden ab die Elemente der Fruchtschalen
des Lein und die besonders häufigen Samenschalen von _Spergularia
arvensis_, _Chenopodium polyspermum_, _Cerastium triviale_ und von
Leguminosen (_Luzerne_ u. and.), sowie _Lychnis_, _Githago_ und
Reisspelzen. Nicht unbedenklich ist eine Beimengung von _Lolium
temulentum_. Daß davon bis 25% in einem Leinsamen vorkamen, ist aber
wohl nur eine Fabel oder ein Zufall.