1. _Grammatophora angulosa_ Ehrenb.: a Schalenseite. 2. _G. oceanica_

Ehrenb. 3. _G. oceanica_ f. _macilenta_. 4. _G. serpentina_ Ralfs. 5.

_Arachnoidiscus ornatus_ Ehrenb. 6. Nicht punktierte _Cocconeis_. 7.

_Cocconeis Scutellum_ Ehrenb.: a obere, b untere Schalenseite. b f.

_minor_. 8. _Campyloneis Grewillei_ Grun. 9. Kieselnadeln. [+Senft.+]]

=Chemie.= Nach ~König~ und ~Bettels~ enthält lufttrockenes _Gelidium

cartilagineum_ in Prozenten: Wasser 13, Gesamt-N-Substanz 17,

wasserlösliche N-Substanz 7,37, Ätherauszug 0,8, N-freie Extraktstoffe

40,16, Pentosane 3,35, Methylpentosane 0,91, Rohfaser 12,9, Asche

11,88, Chlornatrium 0,3. Durch Dämpfen wird in Wasser löslich: 9,37

anorganische und 54,22% organische Substanz. Nach ~Greenish~ enthält

_Ceylonmoos_ 36,71% Gelose (s. unten). ~Nagai~ und ~Murai~ fanden in

lufttrockenem Agar-Agar (Tungusa) in Prozenten 9,8 Stickstoffsubstanz,

52,2 stickstoffreie Extraktivsubstanz, 5 Rohfaser, 18,5 Wasser und 14,5

Asche. ~Kellner~ fand nur 3,4% Asche. Auch bei den Agar-Analysen von

~Greshoff~, ~Sack~ und ~van Eck~ finden wir große Schwankungen, in

einem Falle 18,96%, im andern 2,89% Asche. ~Davidsohn~ fand in bestem

japan. Agar 21,79% Wasser, 5,95% N-haltige Subst., 64,59% Kohlehydrate,

Gelose, 3,54% Zellulose, 4,13% Asche. ~Greenish~ gibt in Agar 7

Kohlehydrate an: wasserlöslicher Schleim, Gallerte bildende Substanz,

Stärke, Metarabin, Pararabin, Holzgummi, Zellulose. Die Zusammensetzung

der «Strohhalmform» und der sog. «vierkantigen Form» des Agar

unterscheiden sich nur wenig, sie enthalten (vgl. bei ~König~) 2,5

(6,1)% Protein, 0,85 (0,58)% Fett, 70,58 (63,96)% Kohlehydrate, 3,06

(3,18)% Pentosane, 0,44 (0,42)% Rohfaser, 3,46 (3,4)% Asche. ~König~

und ~Bettels~ fanden bei der Hydrolyse von _Gelidium cartilagineum_

u. and. _Gelidien_: d-Galaktose, Fruktose und Pentosen. Die gleichen

Zucker liefert _Agar-Agar_. Bei der Hydrolyse von _Agar_ wird Zellulose

abgeschieden und es scheint auch das dem Glukose-Dextrin entsprechende

Anhydrid der Galaktose (Galaktan) aufzutreten (~Tollens~). Nach

~O’Shaughnessy~ enthält _Jafnamoos_ 54,5% Pflanzengallerte (Pektin),

15% Stärkemehl (?), 0,5% Wachs, 4% Gummi, 18% Faser und Salze. Ferner

ist Jod darin gefunden worden (~Wonneberg~ und ~Kreyssig~). ~Greenish~

fand 36,71% Gelose -- daneben Metarabin (1,32%), Paramylan (6,52),

Holzgummi (3,17), Zellulose (10,17).

Das Kohlehydrat des Agar-Agar wurde als +Gelose+ (~Payen~ 1859)

bezeichnet und zur Pektingruppe gerechnet. Gelose ist nicht identisch

mit Fucin, Lichenin, Pararabin. Bei der Hydrolyse liefert Gelose u. a.

Arabinose (~Greenish~). Reine Gelose gibt noch 1 : 500 eine steife

Gallerte und unterscheidet sich von der tierischen Gelatine dadurch,

daß sie von Tannin nicht gefällt wird, vom Carrageenschleim, daß sie

gelatiniert, und vom Gummi, daß sie sich nicht in kaltem Wasser löst.

Das +Gelosin+ ~Guérins~ (1886), das zu 20% aus _Gelidium corneum_

erhalten werden kann und dem Fucin und der Pektose nahestehen soll,

ist wohl identisch mit Gelose. Nach ~Payen~ stimmt die Gelose von

_Agar-Agar_ mit der des _Jafnamoos_ überein. ~Morin~ und ~Porumbaru~

gaben ihr die Formel C₆H₁₀O₅. Sie wird durch Jod rotviolett.

_Agar-Agar_ liefert bei der Behandlung mit HNO₃ Schleimsäure und

Oxalsäure. Es enthält also ein +Galaktan+ (~Greenish~, ~Morin~,

~Bauer~). Bei der Oxydation lieferte _Agar_ Strohhalmform 25,44-25,91%,

_Agar_ vierkantige Form 27,06% Schleimsäure -- entsprechend

33,05-36,57% Galaktose. Ein wesentlicher Bestandteil sowohl des

_Agar-Agar_ wie des _Ceylonmoos_ (~Reichardt~, ~Greenish~) ist, wie

es scheint, das +Pararabin+ (C₁₂H₂₂O₁₁)ₙ. Pararabin quillt in Wasser

und besitzt im Gegensatz zur Arabinsäure keine sauren Eigenschaften.

Bei längerer Berührung mit Alkalien geht es in Arabinsäure über.

Das Pararabin des _Agar-Agar_ liefert bei der Hydrolyse Galaktose

(~Bauer~), das des _Ceylonmoos_ Galaktose und d-Glukose (~Greenish~).

Bei der Hydrolyse des +Nori+ (s. oben) wurde l-Galaktose, d-Mannose,

Glukose und etwas Fucose erhalten (~Oshima~ und ~Tollens~). Es enthält

also +Mannan+. Nach ~Tollens~ enthält _Agar_ 1,66% der Trockensubstanz

+Pentosan+.

Die wichtigsten Gelatine gebenden Algen und aus Algen gewonnenen

Substanzen zeigen folgendes Verhalten (~Stanford~). Mit 1000 T. Wasser

geben eine Gelatine:

Die erhaltene Gelatine

Von Teile Also Proportion schmilzt bei

Gelose aus China 4 1 31,0°

Gelidium corneum 8 2 31,0°

Chondrus crispus 30 7,5 26,5°

Hausenblase 32 8 21,0°

Gelatine 32 8 15,0°

Caragheenin 36 9 21,0°

Agar-Agar 60 15 31,0°

=Lit.= Ältere chem. Unters. des Fucus amylaceus und Agar in

~Pereira~, Heilmittellehre, zitiert. -- ~O’Shaughnessy~, Ind. Journ.

of med. sc. Calcutta 1834 und London, Med. Gaz. 1837, 566, Royal.

Med. Bot. Soc. 1837, 618. -- ~Sigmond~ and ~Farre~, On the Ceylonmos

1840. -- ~Bley~, Jahrb. f. pr. Pharm. 1843. -- ~Riegel~, Ebenda. --

~Kreyssig~ u. ~Wonneberg~, Artus allgem. pharm. Zeitschr. Heft 1. --

~Gonnermann~ u. ~Ludwig~, Arch. d. Ph. 111, S. 204, -- ~Guibourt~

(1842). -- ~Archer~ u. ~Simmonds~, Pharm. Jahresber. 1854, 10. --

~Martius~, Ebenda 1858 u. N. Jahrb. f. Pharm. 1858. -- ~Payen~,

Ebenda 1860, 13. Sur la Gelose Compt. rend. 1859, 523. -- ~Hanbury~,

Note on manufactur. prod. of sea-weed called japanese ising glass.

Ph. Journ. (2), 1, 1859, 508 und Science papers 206. -- ~Reichardt~,

Arch. d. Pharm. 209 (1876), 107. Ber. d. chem. Ges. 8, 807. -- ~H.

G. Greenish~, Pharm. Zeitschr. f. Rußl. 20, 501. Ber. d. chem. Ges.

1881, 2253 und 1882, 2243. Chem. Centrbl. 81, 649. -- +Derselbe+, Die

Kohlehydrate von Fucus amylaceus. Arch. d. Pharm. 17, 241, 321. Dort

die ältere Literatur. -- ~Morin~, Compt. rend. 90 (1880), 924, Bull.

soc. bot. france (2), 1. -- ~Porumbaru~, ibid. p. 1081. -- ~Bauer~,

Journ. pr. Ch. 30 (1885), 367. N. Zeitschr. f. Rübenzuckerind. 14,

154. -- ~Oshima~ u. ~Tollens~, Ber. d. chem. Ges. 34 (1901), 1422.

-- ~Cooke~, Pharm. Journ. 1860. 504. -- ~Holmes~, Pharm. Journ. IX

(1878), 45. -- ~Tollens~, Kohlenhydrate und Journ. Landw. 1896.

-- ~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia. -- ~Vogl~, Kommentar. --

~Pereira~, Handbuch. -- ~Porter-Smith~, Contrib. t. Mat. med. etc.

of China. Shanghai 1871. -- ~Oudemans~, Haaxm. Tijds. 1856 u. Arch.

d. Pharm. (2) 87, 283 (mit Tafel). -- ~Stanford~, Algin, Chem. Zeit.

1885. -- ~Kellner~, Jap. chem. anal. of a collection of agric.

specim. Intern. agr. exhib. New Orleans 1884. -- ~Nagai~ und ~Murai~,

Jap. intern. health. exhib. London 1884, Catal. -- ~König~ und

~Bettels~, Die Kohlehydrate der Meeresalgen und daraus hergestellte

Erzeugnisse. Zeitschr. Unters. d. Nahrungsm. 10. -- ~König~,

Nahrungsm.

=Anwendung.= Agar-Agar wird etwas in der inneren Medizin, viel zu

Gelees, (Ersatz der Gelatine), dann (zum Teil mit Gelatine gemischt)

zur Herstellung von Nährgelatine für bakteriologische Zwecke --

sie bleibt auch bei c. 40° noch fest und und in der Industrie als

Appretur und für Stempelkissenmasse benutzt; neuerdings in der

chirurgischen Praxis als Prothese (~Kramer~). Auch (das gepulverte) für

Vaginalkugeln, Stuhlzäpfchen und Medizinalstäbchen. Zu arzneilichen

Zwecken empfahl es zuerst ~Previté~ anfangs der vierziger Jahre des

XIX. Jahrh. Die Mikroskopiker benutzen sie als Einbettungsmittel. In

Japan und China werden die vierkantigen Stücke zu Gelees, Süßigkeiten

usw., die schmalen Streifen im Haushalt wie Stärke, z. B. zum Stärken,

Nori auch zum Leimen des Papiers und der Laternen benutzt. Die

Gallerte aus _Ceramium Loureirii_ ~Ag.~ wird als Nahrungsmittel und

bei Brustkrankheiten gebraucht (~Dragendorff~). Agar dient auch zur

Appretur feiner Gewebe, denen man einen geschmeidigen Griff geben will.

=Lit.= ~Heilmann~, Bull. soc. ind. Rouen 1875, 263. -- ~Dinglers~

Polyt. Journ. 218, 522. -- ~Dragendorff~, Heilpflanzen. -- ~Senft~,

Über einige in Japan verwendete vegetabil. Nahrungsm. usw. Pharm.

Praxis 1906 und 1907. -- ~Watt~, Diction. econ. prod. IV, 174.

-- ~Mason~, Burma and its People. -- ~Balfour~, Ciclop. I --

+Pharmacogr. indica+ III, 635 u. 638 (dort die Verwend. in d.

Technik). -- ~Dymock~, Veg. mat. med. West. ind. -- Verwend. in d.

Chirurgie: ~Kramer~, Mercks Bericht 1901.

An dieser Stelle mag auch der in Ostasien als Leckerbissen

hochgeschätzten =Salanganen-=, =Tunkin-= oder =indischen Vogelnester=

gedacht werden, da dieselben auch noch neuerdings (~Dragendorff~

1898, ~Leunis~, ~Karsten~) mit den Meeresalgen in Beziehung gebracht

werden. Sie haben aber mit denselben nichts zu tun, denn sie werden

von Turmschwalben der Gattung _Collocalia_ (bes. _C. fuciphaga_,

_esculenta_ und _nidifica_) aus einem von den Vögeln ausgewürgten

Schleime aufgebaut, der von zwei Speicheldrüsen sezerniert wird,

die sich während der Brutzeit zu einer bedeutenden Größe entwickeln

(~Marshall~). Sie enthalten +Neossin+, eine dem Mucin verwandte

Substanz (~König~ und ~Bettels~). Nach den Analysen von ~Greshoff~,

~Sack~ und ~van Eck~ enthalten die Salanganennester im Mittel 55,57%

«Protein» (neben 0,6% Fett, 7,16% Asche und 18,63% Wasser). Sie

gehören also eigentlich zu den Mucindrogen (neben den tierischen

Leim).

2. Schleime der sekundären Membran.

Schleime in Vegetationsorganen und Blüten von Phanerogamen.

a) Schleime in Samen.

1. Schleimepidermen.

Zu den Drogen, welche Schleimepidermen an der Samenschale besitzen,

die also auch, ohne zertrümmert zu werden, mit Wasser einen Schleim

liefern, gehören in erster Linie die Samen von _Linum usitatissimum_

und _Cydonia vulgaris_, dann die Flohsamen von _Plantago Psyllium_;

ferner die Samen zahlreicher Cruciferen (z. B. _Sinapis_, _Brassica_),

endlich die von _Collomia grandiflora_, _Citrullus Colocynthis_

und einiger Acanthaceen und Polemoniaceen (~Hofmeister~) (und die

Pericarpien einiger Labiaten, z. B. _Salvia Hormium_, _Ocymum

Basilicum_).

Hier werden nur _Linum_, _Cydonia_ und _Psyllium_ abgehandelt, die

Cruciferensamen unter den Glykosiddrogen. Die Schleimepidermen

der Samenschalen dienen dadurch, daß sie außerordentlich viel (s.

_Cydonia_) Wasser zurückzuhalten vermögen und den keimenden Samen im

Boden befestigen, zur Sicherung der Keimung, wie Versuche von ~Lüdtke~

und mir bei _Linum_ (1889) gezeigt haben, scheinen aber auch für die

Ernährung des keimenden Samens von Bedeutung zu sein (~Ravenna~ und

~Zamorani~ 1910).

Semen Lini.

=Syn.= Leinsamen, Flachssamen (Glix im Oberengadin), liri, giglio

rosso (im Tessin) -- semence ou graine de lin (usuel) (franz.) -- lin

(commun), flax (linseed) (engl.) -- lino (ital.) -- lijn (holl.) --

lenmag (ung.) -- linfrö (schwed.) -- pellavan (fin.) - λίνον, λινάρι

(n.-griech.). -- Im Ägyptischen hieß der Lein sꜢrἰ, Leinsamen dšr,

psn. Bei ~Dioskurides~ stehen in [] noch die Synonyma: linokalamis,

annon, linon agrion, bei den Römern: linomyrum, linum agreste, bei den

Afrikanern: zeraphoïs. -- Bei ~Ibn Baithar~ (arab.): kattān (bazr al

kattān = sem. lini -- «Elbazr heißt der Same jeder Pflanze», sagt ~Abu

Hanifa~) -- kutan, zaghu (pers.) -- atasí (sansc.), masina (beng.)

-- alsí, tisí (hind.) -- alishi virai (tam.). -- Wu-ma, Hu-ma-jin,

Hsiao-hu-ma-ta-ku-ma (chin.).

=Etym.= «Der Name Lein gehört sicher zum uralten Sprachgut der

europäischen Indogermanen und es kann demnach auch nicht zweifelhaft

sein, daß der Flachsbau den germanischen Völkern schon in der Urzeit

bekannt war» (~Hoops~). +kelt.+ lin (= Faden), +goth.+ lein-jô --

+angels.+ lêne -- +ir.+ lín -- +cymr.+ llin -- +ad.+ lína -- +ahd.+

lîna -- +mhd.+ lyn (so im Gothaer Arzneibuch, neben vlas), lyne,

leyne -- +lat.+ lînum -- +griech.+ λίνον. Bei der ~Hildegard~:

linsamo, linsame; bei ~Megenberg~ (I, S. 693): linsât. Der Stamm

ist li. Schon in vorhistorischer Zeit finden sich in den Sprachen

der europäischen Indogermanen Ableitungen von dieser Wurzel, welche

Flachs und primitive Gewebe bezeichneten (~Schrader~). Vgl. auch

I, S. 1059. +Flachs+ (mehr für die Fasern wie für die Pflanze in

Gebrauch), von der indogerm. Wurzel plek = flechten (gr. πλέκειν)

-- +ahd.+ flahs -- +mhd.+ vlahs, vlaes -- +ag’s.+ fleax -- +nd.+

flaß -- Flachs auch im Ort. sanitat. -- Endlich auch (bes. für die

Faser): +ahd.+ haro, hara; +mhd.+ har; +nhd.+ haar; +anord+. horr =

Haar. -- Die im Altertum viel gebräuchliche Bezeichnung carbasos ist

vielleicht (~Plinius~) iberischen Ursprungs und steht mit dem sansc.

karpasam (pers. kirbas, korfas), das ursprünglich Baumwolle bedeutete

(s. Gossypium, S. 229) in Verbindung.

=Stammpflanze Linum usitatissimum L.= (Spec. plant. ed. I 277).

Man unterscheidet die Kultur-+Varietäten+: _Lin. usit._ var.

_crepitans_ ~Schübl.~ et ~Mart.~ (_L. usit._ β _humile_ ~Mill.~,

_L. crepitans_ ~Boenningh.~), den sog. +Klanglein+, +Klenglein+

oder +Springlein+ (arab. kettân), mit niedrigerem, mehr verzweigtem

Stengel, größeren, mit Geräusch aufspringenden Kapseln und

hellbraunem Samen. -- _L. usit._ var. (oder forma) _vulgare_

~Schübl.~ et ~Mart.~ (_L. u._ forma _indehiscens_ ~Neilr.~, _L.

vulgare_ ~Boenningh.~), der sog. +Schließlein+ oder +Dreschlein+

mit höheren, weniger ästigen Stengeln und geschlossen bleibenden

kleineren Kapseln. -- _L. usit._ var. (forma) β. _hiemale_ ~A.

Dc.~ (_L. bienne_ ~Mill.~), zweijährig, mit zahlreichen gekrümmten

Stengeln. -- Zwischen den Hauptrassen steht als Übergangsform _Lin.

ambiguum_ ~Jordan~. -- Nahe verwandt ist _Lin. angustifolium_

~Hudson~ (s. weiter unten), das von den kanarischen Inseln über das

Mittelmeergebiet bis zu den Alpen, zum Balkan, Kaukasus und Libanon

und bis nach England verbreitet ist. Möglicherweise sind dies alles

Rassen oder Formen +einer+ Art (~De Candolle~). Wild ist _Linum

usitatissimum_ nicht mehr nachzuweisen (~Wettstein~ 1903).

=Systemat. Stellung.= +Linaceae+, Lineae -- Eulinum.

=Beschreibung der Stammpflanze.= Der Lein ist ein ein- oder

zweijähriges Kraut. Der +stielrunde+, einfache oder verästelte, bis

1 m hohe Stengel ist kahl und innen hohl. In der schmalen Rinde

desselben liegen, die Rinde fast ausfüllend, zahlreiche Bündel langer

Bastfasern. Sie liefern die Leinfaser (vgl. S. 254 und die Theorie

der Flachsröste). Die spiralig angeordneten Blätter sind schmal

lanzettlich, beiderseits verschmälert, sitzend. Der Blütenstand ist

ein Wickel. Die aktinomorphen, pentazyclischen, pentameren, nur einen

Vormittag blühenden, an naßkalten Tagen sich überhaupt nicht öffnenden

+Blüten+ besitzen einen fünfblättrigen, 5-6 mm langen, grünen,

quincuncial deckenden +Kelch+, dessen Blätter oblong-eiförmig und an

den Rändern zart gewimpert sind. Die fünf umgekehrt-eiförmigen, kurz

genagelten, oben etwas gekerbten, bis 13 mm langen, schön blauen, etwas

dunkler geaderten Blumenblätter besitzen eine gedrehte Knospenlage, die

fünf episepalen, am Grunde ringförmig verbundenen +Stamina+ besitzen

blaue Antheren. Auch die Filamente sind im oberen Teil blau. Die

Antheren sind in der Mitte des Rückens aufgehängt. Die Pollenkörner

sind ellipsoidisch und besitzen drei meridionale Längsfalten.

(Man findet sie bisweilen im Honig, vgl. ~Villiers~ et ~Collin~,

Altérat. et falsificat.) Zwischen den fertilen Staubfäden sitzen

fünf epipetale Spitzchen, die als Staminodien aufzufassen sind. Auch

die fünf schlanken, keulenförmigen, anfangs links zusammengedrehten

+Griffel+ sind blau -- so dass die leider sehr vergängliche Blüte einen

außerordentlich lieblichen Anblick gewährt.

Weiches Grün den Stengel zieret

Blüte trägt des Himmels Helle;

Leis vom Westhauch angerühret

Wogt sie sanft in blauer Welle.

(~Just. Kerner.~)

_Linum_ zeigt oft Selbstbestäubung. Der +Fruchtknoten+ ist eiförmig

und kahl. Er wird von fünf epipetalen Fruchtblättern gebildet. Da die

Außenwand derselben aber nach innen zu eine Längsleiste, eine sog.

falsche Scheidewand bildet, erscheint der Fruchtknoten zehnfächerig

und enthält denn auch 10 Ovula, in jedem echten Fache zwei. Die bis

zur Reife vom Kelche umhüllte ~Frucht~ (Flachsknoten) ist eine 7-8 mm

lange, fast kugelige Kapsel, die je nach der Varietät entweder wand-

oder fachspaltig aufspringt (Springlein s. oben) oder geschlossen

bleibt (Schließlein s. oben).

=Lit.= ~Reiche~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfamilien (dort die botan.

Lit. d. Familie).

+Abbild.+ ~Nees v. Esenbeck~, Pl. med. 389. -- ~Hayne~, Arzneigew.

VIII, t. 17. -- ~Berg-Schmidt~, Atlas, 2. Aufl. t. 102 (dort

die systemat. Lit.). -- ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. --

~Bentley-Trimen~, Medic. plants t. 39 u. in zahlr. and. Werken.

=Pathologie.= Über die pflanzlichen Schädlinge berichtet Prof. ~Ed.

Fischer~: Unter den Parasiten, welche den Flachs schädigen, ist vor

allem _Cuscuta Epilinum_ ~Weihe~, die Flachsseide, zu erwähnen,

welche mit ihren fast fadenförmig dünnen Stengeln den Stengel

ihres Wirtes umwächst und Haustorien in denselben entsendet. --

Gefährliche +Pilz+krankheiten sind besonders die sog. Flachsmüdigkeit

oder Flachswelke, hervorgerufen durch _Fusarium Lini_ ~Boll.~ und

der Flachsbrand, dessen Urheber eine Chytridiacee, _Asterocystis

radicis_ ~Marchal~ ist, die sich in den Wurzelzellen ansiedelt.

Beide Parasiten können den Flachs zum Absterben bringen. (~Bolley~,

H. L. in North Dacota Agric. Coll. Gov. Experim. Stat. Bulletin No.

50, 1902 und No. 55, 1903. ~Marchal~, E., Recherches biologiques

sur une Chytridinée parasite du Lin. Bull. de l’Agric. Belg. 1901).

Neuerdings wird als arger Schädling auch der Flachsrost, _Melampsora

Lini_ (~Pers.~) ~Desm.~, genannt. Die Krankheiten des indischen Lein

in ~Watt~, Dictionary.

Über die tierischen Schädlinge berichtet ~Israël~:

1. +Käfer+: Den Leinfeldern fügen mehrere _Haltica_arten, besonders

wenn die Pflanzen noch jung sind, erheblichen Schaden zu.

2. +Falter+: _Plusia gamma L._ Die Raupe dieser gemeinsten aller

Eulen ist polyphag. Sie lebt unter anderen auf _Leontodon_, _Urtica_,

_Beta_, _Trifolium_arten usw. 1899 traf ich sie verheerend auf

Leinfeldern im Odenwalde, woselbst sie hauptsächlich die unreifen

Samenkapseln verzehrte. Auch auf _Radiola linoides_, _Linum perenne_

und _catharticum_ fand ich dieselbe fressend. _Mamestra pisi_ L.

Die polyphage Raupe lebt auch auf _Linum usitatissimum_. _Calocampa

exoleta_ L. Die fast polyphage, prachtvolle Raupe lebt auf den

verschiedensten Pflanzen. Sie ist sehr häufig von Parasiten bewohnt.

Ich traf sie außer auf _Linum usitatissimum_ auf _Phragmites_,

_Typha_, _Euphorbia Esula_ und _Cyparissias_, _Lamium_arten,

_Leontodon_, _Cytisus sagittalis_, _Sarothamnus_, Garten_rhabarber_,

_Lactuca sativa_ und vielen anderen Pflanzen. _Conchylis epilinana_

~Zell.~ Die kleine Raupe lebt nach ~Taschenberg~ in den Samenkapseln

von _Linum_arten. Ferner werden genannt: _Engerlinge_ und die Made

der Flachsfransenfliege (_Thrips linaria_ ~Uzel~).

Im gepulverten Leinsamen findet sich oft die Milbe _Glyciphagus

domesticus_ ~Geer~. Einige Zeit aufbewahrtes Leinmehl enthält nach

meinen Erfahrungen, wenn es nicht ganz trocken ist, immer Milben. Auch

~Tunmann~ beobachtete sie (Pharm. Centralh. 1906). Er nennt besonders

_Glyciphagus spinipes_ ~C. L. Koch~ und _G. domesticus_. Die Milben

fressen in erster Linie den Schleim.

=Kultur und Handel.= Der Lein verlangt feuchte Wärme mit häufigem

Wechsel zwischen Wärme und Feuchtigkeit. Er verträgt weder große

Hitze noch Dürre, noch Fröste. Er gedeiht am besten an Seeküsten, in

Niederungen und Gebirgen mit vielen Niederschlägen oder reichlichem Tau

und Nebel auf flachgründigem, feuchtem Boden. Der Lein wird sowohl im

subtropischen wie im gemäßigten Klima gebaut. Seine nördliche Grenze

fällt im allgemeinen mit der der Gerste zusammen, ja geht in einigen

Gegenden noch weit über den Polarkreis hinaus (~Schübeler~), wo der

Getreidebau bereits zurückbleibt. Als +Gespinstpflanze+ wird der

Lein sowohl als bäuerliche Hauspflanze im Kleinbetrieb, wie auch als

Industriegewächs im Großen gebaut. Es bauen Lein: Mitteleuropa (bis

1500 m), Rußland, Ägypten, Algier, Abessynien (bis 3300 m), Ostindien

(die kälteren Gegenden), Nordamerika, Argentinien, Uruguay, Brasilien,

Australien. Besonders viel baut +Belgien+ (Westflandern, Ostflandern

und Namur), wo c. 600000 ha mit Lein bestellt sind, dann das nördliche

europäische Rußland, Irland, Holland (I, S. 67), Preußen, Thüringen,

Schlesien, Österreich (Böhmen, österr. Schlesien, Kärnthen, Tirol),

Frankreich und Italien. In der Lombardei wird Lein wegen der Fasern, in

Apulien der Samen wegen kultiviert (~Ravasini~).

Der Anbau erfolgt hauptsächlich zum Zwecke der Gewinnung der Leinfaser

und zu diesem Zwecke wird (besonders seit den siebziger Jahren des

vorigen Jahrhunderts) fast ausschließlich der einjährige Schließlein

(s. oben) gebaut. Die Länder, die +Leinsaat+ (d. h. keimfähige

Leinsamen zur Aussaat für Faserflachs liefern), wie in erster Linie

Rußland (Riga, Pernau), dann neuerdings auch Tirol (Ötzthal) und

Holland bauen daher jetzt nur diesen. Aus russischem Saatgut in erster

Aussaat in Deutschland erhaltenen Leinsamen nennt man +Rosenlein+.

Dort, wo der Lein der Samen wegen, d. h. zur Gewinnung von +Ölsaat+ im

Großen gebaut wird, kultiviert man dagegen den Springlein (s. oben).

+Leinsamen+ liefert jetzt vornehmlich Argentinien und Südrußland,

dann Indien, die russischen Ostseeprovinzen, Belgien, Ägypten und

Nordamerika, weniger Japan, Marocco, Österreich, Deutschland und

Holland. Vom Schließlein unterscheidet man die keimfähigen, also als

Saatgut benutzbaren Samen, die +Leinsaat+ (s. oben) -- +nur diese ist

für pharmazeutische Zwecke brauchbar+ -- und die nicht keimfähigen,

nur zur Ölgewinnung tauglichen Samen, die vor völliger Reife gesammelt

wurden oder ihre Keimfähigkeit wegen langen Lagerns verloren haben, die

+Schlagsaat+. Der Lein wird nämlich in vielen Gegenden, um eine gute

Faser zu erzielen, vor der Reife der Früchte aus dem Boden gezogen.

Schließlein muß natürlich gedroschen werden.

Zur Gewinnung des Öls wird meist Schlagsaat verwendet, für die

feinsten Sorten aber eigens gebauter Springlein. Dieser ist auch,

neben der Leinsaat, für pharmazeutische Zwecke allein anzuwenden,

eventuell ausgereifte Samen, die ihre Keimkraft verloren haben.

Unausgereifte Samen sind auszuschließen. Die Kultur von Lein zur

+Linseed+- (Flaxseed-)Gewinnung ist in Indien, wo fast nur Samen und

nur sehr wenig Fasern produziert werden, beträchtlich. Schon 1887

waren über 3½ Mill. Acres zu diesem Zwecke mit Lein bestellt.

Besonders viel baut Bengalen und die Zentralprovinzen, weniger Berar,

die Nordwestprovinzen und Oudh, Bombay und Sind, am wenigsten Panjáb,

Madras und Burma (~Watt~). In Indien unterscheidet man whit-seeded und

red-seeded, d. h. hellgelbe und rotbraune Samen.

Die Ausfuhr +Indiens+ an Linseed nach England (und englischen

Besitzungen) betrug 1907/08: 2290185, 1908/09: 1405467 cwts; nach

anderen Ländern: 1907/08: 3907697, 1908/09: 1804080. Besonders

Frankreich ist Abnehmer indischer Leinsaat. Es empfing 1908/09 c. 1

Mill. cwts.

+Deutschland+ importierte 1909: 4368667 dz Leinsamen, vorwiegend aus

Argentinien (3708478), dann aus dem europ. Rußland und brit. Indien,

weniger aus Uruguay, den Ver. Staaten und Japan, Marocco, Österreich

und den Niederlanden und exportierte 68280 dz, besonders nach den

Niederlanden, Dänemark und Norwegen.

+Frankreich+ führte 1908: 1876721 Quintal. +Leinsamen+ ein,

vorwiegend aus Argentinien (1138909 Quint.) und engl. Indien, dann

auch aus Rußland, den Ver. Staaten, Uruguay, Tunis, Marocco und

Algier. Von europäischen Staaten lieferte besonders Belgien viel,

dann die Niederlande.

Die Einfuhr von Linseed in die +Ver. Staaten+ von +Nordamerika+

betrug 1909: 597671 bushels. Die Ausfuhr 1908: 4277313, 1909: 882899

bushels.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 46 / 120 段