Abteilung der Florideen wie auch ein aus indisch-japanischen Florideen
dargestellter eingetrockneter Schleim bezeichnet. +Im Handel versteht
man aber nur letzteren unter diesem Namen.+ Der Name Agar-Agar taucht
in der europäischen Literatur zuerst bei ~Crawford~ auf (History of the
Indian Archipelago vol. III p. 46). Agar-Agar ist der malaiische Name
für _Gracilaria lichenoides_. _Gr. lichenoides_ var. _tenuis_ heißt
malaiisch: Agar-Agar Kuning, Javan.: Bulong, Makass.: Dongi-Dongi. Im
Hind. Bomb. Bengal. bedeutet +Agar+ etwas ganz anderes, nämlich _Lignum
Aloës_! (~Dymock~). Im Japan. heißt Agar: kantén = kalter (klarer)
Himmel, weil man es nur bereiten kann, wenn das Wetter kalt und trocken
ist.
I. Unbearbeitete Algen.
1. Agar-Agar von Ceylon.
=Syn.= Ceylonmoos, Jafnamoos, Mousse de Jaffna, Alga ceylanica s.
amylacea, Fucus amylaceus s. ceylanicus -- shih-hwa-tsʾai (chin.)
-- chini-ghás (Ind. Bazars, bomb.) -- kadal-pach-chi (tam.) --
samudrapu-páchi (tel.) -- kujáv-poen (burm.).
=Stammpflanze.= =Gracilaria lichenoides= ~Greville~ (Sphaerococcus
lichenoides ~Ag.~, Fucus amylaceus ~O’Shaugn.~, F. lichenoides L., F.
gelatinosus ~König~, Plocaria candida ~Nees~, Gigartina lichenoides
~Lamour.~) in ~Greville~ Alg. brit. 50, ~Turner~ Fuci t. 118.
=Systemat. Stellung.= Florideae -- Rhodymeliales -- Sphaerococcaceae --
Gracilarieae.
Die zierliche (gracilis, daher _Gracilaria_), in der Tat einer
Flechte (daher _lichenoides_) äußerlich ähnliche Meeresalge, die im
Indischen Ozean, an den Küsten von Ceylon, den Sundainseln und Burma
vorkommt, bildet runde, nach dem Trocknen und Bleichen weiße oder
grauweiße (lebend: blaß-purpurrote), wiederholt gabelig verästelte
(daher _Plocaria_, von πλόκος, Geflecht) Fäden, deren Dicke zwischen
der eines Zwirnfadens und der dünnerer Bindfäden schwankt. Der Thallus
wird bis über 20 cm lang. In der Droge ist er meist stark zertrümmert.
Jod färbt den Schnitt braunrot, beim Erhitzen rotviolett (daher:
amylaceus). Die Randschicht besteht aus kleinen derben Zellen, die
Markschicht aus großen weiten. In der kleinzelligen subepidermalen
Zellschicht und vereinzelt auch in des großen Markschichtzellen finden
sich kleine +Stärkekörner+ und Körnchen, die mit Jod violett werden
(Amylodextrinstärke?). Die Wände, besonders der Markzellen, färben sich
mit Jod rot, beim Erhitzen geht die Farbe in violett über, ähnlich wie
beim Amylodextrin. Auch der durch Auskochen der Droge erhaltene Schleim
wird durch Jod violett. Die Fäden knirschen beim Drücken mit der Hand,
quellen in Wasser nur wenig, entwickeln dabei aber den typischen
Tanggeruch. Mit dem 50fachen Wasser gekocht liefern sie eine Gallerte.
Der _Fucus amylaceus_ wurde 1834 von ~O’Shaughnessy~ empfohlen und
1837 von ~Previté~ unter dem Namen Ceylonmoos in England eingeführt.
Im deutschen Handel ist er seit 1841 (~Martius~, Jahresber. d. Pharm.
1842, 241). Er wird in Indien als Nahrungsmittel benutzt, kann aber
auch wie Carrageen (s. d.) benutzt werden (~Crawford~). Im indischen
Archipel und in China ist er längst in Gebrauch. Er ist wohl eine der
von ~Rumphius~ im Herbar. Amboinens. unter dem Namen _Alga coralloides_
beschriebenen Pflanzen. In der Pharmakopoëa indica (1868) steht eine
Decoction of Ceylon Moss [und (non officinal) +Gillur ka putta+ von
_Laminaria saccharina_].
Beigemengt ist der Droge bisweilen: _Gracilaria confervoides_ ~Grev.~
Als Paralleldroge gilt _Gelidium cartilagineum_ ~Gaill.~ und _Gigartina
selacea_ ~Lamx.~ (Weitere Angaben in der Pharmakographia.)
2. Agar-Agar von Makassar.
=Syn.= Agar-Agar von Java, Alga spinosa, ostindisches Carrageen.
=Stammpflanze.= =Eucheuma spinosum= (L.) ~J. Agardh~ (Fucus sp. L.,
Sphaerococcus sp. ~Ag.~).
=Systemat. Stellung.= Florideae -- Gigartinales -- Rhodophyllidaceae --
Solicrieae.
Die im chinesischen Meere vorkommende Alge hat einen trockenen, etwa 2
mm dicken, stielrunden, rötlich-gelblichen, knorpeligen Thallus, der
ziemlich reichlich mit dornigen Auswüchsen, den Cystocarpien, besetzt
ist. In Wasser quillt sie auf die doppelte Dicke und wird hyalin. Sie
zeigt oft weiße Salzinkrustrationen, dient auch zur Agar-Agar-Bereitung
(s. unten) und in Japan zur Herstellung von Gelees (Abbild. nach
~Kützing~ bei ~Krasser~ in ~Wiesner~, Rohstoffe I, 645).
3. Japanisches Moos.
=Stammpflanze.= =Gloiopeltis coliformis= ~Harv.~, =G. cervicornis=
~Schmitz~.
=Systemat. Stellung.= Florideae -- Cryphonemiales -- Gloiosiphoniaceae.
Diese in dem chinesisch-japanischen Meere vorkommenden Algen dienen den
Japanern als billiges Nahrungsmittel und liefern einen zähen Schleim.
Viele Algen dienen in Japan als Nahrungsmittel. ~Senft~ gibt folgende
japanische Namen eßbarer Algen an:
_Laminaria japonica_ = Konbu, Kobu, Hirome; _Porphyra vulgaris_ =
Asakusa-nori, Ama-nori, _Alaria pinnatifida_ = Wakame, _Chondrus_
spec. = Hijiki, _Gelidium corneum_ = Tokoro Tengusa, _Gracillaria
confervoides_ = Ogo nori, _Enteromorpha compressa_ = Ao nori,
_Phycoceris smaragdina_ = Ao sa, Tisanori, _Hallymenia dentata_ =
Tasaka nori, _Halochtoa macrantha_ = Hondawara, Kawaramo (vgl. auch
Useful plants of Japan, Edible Algae). Über eßbare Algen vgl. auch
oben S. 303, 307 und 313.
II. Aus Algen dargestellte Gelatinen.
Agar-Agar von Japan.
=Syn.= Vegetabilischer Fischleim, japanische oder chinesische Gelatine,
japanische oder indische Hausenblase, Gelose -- japanese isingglaß,
vegetable gelatine, sea-weed -- in Japan: kanten -- dschin-dschen,
tjen-tjan (das quadratische), dschindschom, tientjan, tjientjan,
tientjow, thao, lothaho, haitao, haitsai, haitsau, yang-tsai. In den
ind. Bazars: chinighás. In den Preislisten auch: Gelatina japonica
Tjen-Tjan. -- ~Marchand~ schlägt vor das Agar Phycocolla zu nennen (im
Gegensatz zu Ichthyocolla).
=Stammpflanze.= Die beste Sorte japanisches Agar-Agar wird von
_Gelidium_-Arten gesammelt, hauptsächlich wohl von =Gelidium Amansii=
~Lamx.~ (= G. Swansii?), =G. polycladum= ~Kütz.~, =G. elegans=
~Kütz.~ (G. rigidum) -- weniger von Gelidium japonicum ~Okam.~ und G.
subcostatum ~Schmitz~ -- [Florideae, Nemalionales, Gelidaceae], in
neuerer Zeit auch von Acanthopeltis japonica ~Okam.~, ebenfalls ein
Gelidiacee.
Andere Arten, welche zur Herstellung von Agar-Agar dienen, sind:
_Gracilaria confervoïdes_ und _G. lichenoïdes_, _Campyloeophora
hypneoïdes_, _Ceramium rubrum_.
Ferner werden als ein Agar liefernd angegeben: _Gelidium corneum_
(~Hudson~) ~Lamour.~ (_G. capillaceum_ ~Ktz.~, _Fucus corneus_
~Huds.~, _Sphaerococcus corn._ ~Ag.~); _Gelidium cartilagineum_
~Gaillon~ (_Fucus cartilagineus_ L., _Sphaerococc. cart._ ~Ag.~);
_Gloeopeltis tenax_ (~Turner~), ~J. Agardh~ [Florideae --
Cryptonemiales -- Gloiosiphoniaceae]; _Eucheuma spinosum_ (L.)
~J. Agardh~ (_Fucus spinosus_ L., _Sphaerococcus spinos._ ~Ag.~);
_Eucheuma gelatinae_ ~Ag.~ (_Sphaerococcus gelat._ ~Ag.~). _Eucheuma
speciosum_ ~Ag.~ (_Gigartina speciosa_ ~Sond.~).
[Illustration: Fig. 105.
_Gelidium Amansii._ [+Holmes+, Pharmaceut. Journal 1906.]]
~Payen~ betrachtete _Gelidium corneum_ ~Lam.~ und _Gracillaria
lichenoides_ ~Gr.~ als Stammpflanze des Agar. Ersteres wird sicher
von den Chinesen gebraucht. (~Hanbury~ fand es 1860 in einer Sammlung
chinesischer Algen.) Doch werden nach ~Hanbury~ auch _Laurencia
papillosa_ ~Gr.~, _Laminaria saccharina_ ~Lamx.~, _Porphyra vulg._
~Ag.~ und _Gracillaria_ (_crassa_?) sowie _Eucheuma spinos._
benutzt. ~Marchand~, der die Streifen und vierkantigen Stücke
(Würfelagar) mikroskopisch untersuchte, fand hierbei besonders
_Gelidium polycladum_ ~Kütz.~, unter dem sich aber zwei Algen
verbergen. ~Holmes~ bildet das japanische _Gelidium polycladum_
~Sonders~ ab, das die Hauptmasse der Tengusa bildet. ~Marchand~
hält _Gloiopeltis_ für den Hauptbestandteil in dem Würfelagar
und _Gelidium corneum_ var. _acanthocladum_ (nach ~Holmes~ _var.
pinnatum_) für den Hauptbestandteil der schmalen Streifen und erwähnt
auch eine _Endocladia_. ~Matsumura~ nennt: _Gelidium corneum_ var.
_pinnatum_, _G. cartilagineum_, _G. repens_, _G. rigidum_; ~Okamura~
beschreibt andere Arten. ~Davidsohn~, der in Japan lebte, teilte dann
(1906) mit, daß hauptsächlich _Gelidium Swansii_, soll wohl heißen:
_Amansii_ (= Tengusa) gutes Kantén liefere, dann ein unbekanntes
_Gelidium_ (= Higekusa), schlanker als Tengusa und _G. japonicum_ (=
Onigusa); geringeres Kantén aber von dem an der Küste wachsenden _G.
subcostatum_ und den besonders als Beisatz benutzten _Campyloeophora
hypneoides_ (= Ego) komme. Beinahe so gut wie Tengusa bezeichnet er
_Acanthopeltis japonica_ (= Toriaschi -- in Shikoku). Als Substitute
und Beisätze werden auch benutzt: _Gracillaria confervoides_ (= Ogo)
und _Ceramium Boydeni_ (= Igisu). ~Holmes~ fand in Tengusa (1879):
_Gelidium elegans_ und _G. polycladum_ (nicht _G. subcostatum_
und _divaricatum_). ~Davidsohn~ führt noch als Kantén liefernd
an: _Campyloeophora hypneoides_, _Gracillaria confervoides_ (wohl
_compressa_), _Sarcodia_ spec. ign. ~Tunmann~ fand 1909 in den
feinsten Sorten Agar _Gracillaria confervoides_.
Nach ~Marchand~ u. a. werden außer den Hauptalgen (s. oben) noch
folgende zur Agar-Agar-Bereitung benutzt: _Sphaerococcus compressus_
~Ag.~, _Gloiopeltis coliformis_, _Gelidium capillaceum_, sowie
Arten von _Streblonema_, _Scytosiphon_, _Sporanthus_, _Ceramium_,
_Centroceras_, _Endocladia_ _Nitophyllum_, _Polysiphonia_,
_Gracillaria_.
~Eug. Collin~ fand in Agar Reste von _Gelidium_, _Gloeopeltis_,
_Gracillaria_, _Laurencia_ und _Ceramium_. Er bemerkt: «Il est
probable que les Japonais utilisent pour la préparation +toutes les
algues+ de leur littoral, qui peuvent se transformer en gélose.»
=Etym.= Gelidium von gelare gefrieren, gerinnen, gelu (für Gelée
schon im Wiener Dispensatorium) bedeutet Frost, Kälte. -- Eucheuma
von εὐ = wohl, schön, χεῦμα = Guß, Gußarbeit -- Gloeopeltis von γλοία
= Leim, Gallerte, πέλτη = Schildchen.
Die Gelidiaceen sind Rhodophyceen mit meist zartem verzweigtem,
stielrundem Thallus mit deutlicher Fadenstruktur. Die Cystocarpien
in Gestalt kleiner Anschwellungen bald endständig, bald intercalar
an den letzten Auszweigungen des Thallus verteilt. Die Gelidieen
haben Sprosse mit Zentralachse und eine dicht geschlossene Rinde.
Die Zentralachse mit quergegliederter Scheitelzelle, Rindenfäden
wirtelig angeordnet. Die vielgestaltigen Arten der Gattung _Gelidium_
~Lamouroux~ (_Cornea_ ~Stackhouse~) finden sich in sämtlichen wärmeren
Meeren, oft weit verbreitet, _Gelidium corneum_ (~Hudson~) ~Lamourx.~
z. B. im atlantischen, indischen und stillen Ozean. _Gelidium_ ist
fiederig seitlich verzweigt, von sehr dichtem und zähfestem Gefüge.
Die Außenrinde ist kleinzellig, die Innenrinde längsfaserig durch
zahlreiche, dicht zusammenschließende, dünne, längslaufende Fäden,
welche die dünne Zentralachse fast vollständig verdecken und deren
Gliederzellen sich vielfach querüber vertüpfeln. Bei _Gelidium corneum_
findet sich ein ausgesprochenes Assimilationssystem in der Peripherie,
das durch Sammelzellen mit dem weiter innen gelegenen Leitungssystem in
Verbindung steht (Abbild. nach ~Agardh~ in ~Haberlandts~ Anatomie S.
265).
=Andere aus Algen hergestellte Gelatinen sind=: =Satsuma Funori=, ein
statt Gummi oder Leim von den Japanern und Chinesen als Klebemittel und
zum Wäschestärken benutzte Gallerte, wird besonders aus _Gloeopeltis
tenax_ ~Ag.~ hergestellt (s. weiter unten). =Nori=, ein japanisches
Nahrungsmittel, wird aus _Porphyra laciniata_ und _coccinea_
dargestellt (~Senft~).
[Illustration: Fig. 106.
Assimilationssystem von _Gelidium corneum_ (Zellumina schwarz);
darunter Sammelzellen, die mit dem Leitungsgewebe in Verbindung stehen.
[Nach +Agardh+ aus +Willes+ Algernes physiologiske Anatomi.]]
Unter dem Namen «Sea weed jelly from China», «chinesische
Pflanzengallerte», befinden sich in meiner Sammlung braune Würfel,
die einen Caramelgeruch besitzen, süßlich fad schmecken und stark in
Wasser quellen. Weitere Angaben in ~Dragendorff~, Heilpflanzen. Über
=Hay-Thao= und =Ly-chô= vgl. ~Valenta~, Klebe- und Verdickungsmittel.
=Lit.= ~Rennie~, Essays on the nat. hist. and orig. of Peat moss.
Edingb. 1810. -- ~Meyer~, De Fuco crispo. Berolin. 1835. -- ~Herzer~,
De fuco crispo. Turici 1836. -- ~Sigmond~ and ~Farre~, Essay of
the Ceylon Moss. London 1840. -- ~Lovén~, Om Geléers. Lund 1841.
-- ~Archer~, Pharm. Journ. XIII, 312, 1854. -- ~Simmonds~, Ebenda
355. -- (~Wiggers~ bespricht ~Archers~ u. ~Simmonds~ Arbeit,
Pharm. Jahresb. 1854, 10). -- ~Payen~, Compt. rend. 1859 u. 1860.
-- ~Hanbury~, Science papers 1860. -- ~Marchand~, Note sur le
Phycocolla ou gelatine végétale produite par les algues. Bull. soc.
bot. France 27 (1879), 287 und 1880, 207. -- ~C. A. J. A. Oudemans~,
Bijdrage tot de kennis van het Agar-Agar vlugtige opmerkingen
omtrent Fucus amylaceus en Tjentjau. Haaxm. Tijds. 1856 (gute
morpholog. u. anatom. Abbild. von _Eucheuma spinos._ u. _Gracillaria
lichenoides_), auch Arch. Pharm. (2) 87, 283 (mit einer Tafel).
-- ~J. Agardh~, Spec. gen. et ordines algarum. Lund 1848-76. --
~Suringar~, Algae japonicae. -- ~De Toni~, Sylloge algarum omnium
hucusque cognitarum. -- Useful plants of Japan. -- ~Bornet~ et
~Thuret~, Rec. d’observ. sur les alg. Paris 1876-1880. -- ~Okamura~,
Neue japan. Florideen. Hedwigia 1894. -- ~Yatabe~, Iconographia
flor. japon. I. -- ~Matsumara~, Catal. of the plants of Japan. --
~Holmes~, The japanese sea weed industry (Pharm. Journ. 1906, 319
(besonders nach ~Davidsohn~, Wakayama Sea weed industr. Bull. Imper.
Inst. IV, 2, 125; mit Abbild.) -- ~Dymock~, Vegetable Mater. med.
-- ~Filet~, Plantkundig woordenboek. -- ~Hartwich~ in Realenzykl.
d. ges. Pharm. I, 322. -- ~Krasser~, Algen in ~Wiesner~, Rohstoffe.
-- Die +Gelidiaceen+-Literatur bei ~Schmitz-Hauptfleisch~ in
~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. I, 2,340. -- +Abb.+ von _Gracillaria_:
~Bentley-Trimen~, pl. 306. -- ~Planchon-Collin~, Drog. simpl. I, Fig.
10 u. 11 (auch anatom.).
=Darstellung und Handelssorten.= Die Auskunft, die ~Holmes~ (1906)
von einem Japaner erhielt, lautete dahin, daß die gereinigten Algen
zu einem steifen Gelee gekocht werden, welches in Formen ausgegossen
wird. Die erkaltete Masse wird, in Streifen geschnitten und, der Sonne
einen Tag ausgesetzt, langsam trocknen gelassen. Der Hauptsitz der
Agarfabrikation sind (nach ~Davidsohn~) die Distrikte von Osaka, Kioto,
Nagano und Hiogo (besonders Hokaido, Wakayama, Miye, Shozuoka, Chiba),
woselbst die Gewinnung namentlich während der Wintermonate betrieben
wird. Die Pflanzen werden bereits vom Mai bis August gesammelt, während
welcher Zeit sie am ergiebigsten sind. Die Hauptalge ist _Gelidium_
«_Swansii_» (= _G. Amansii_), in Japan «Tengusa» genannt. Sie ist 10-20
cm lang und wird mittelst Haken und Schaufeln bzw. Schleppnetzen,
auch durch Taucher aus dem Meere gesammelt, da die am Ufer wachsenden
Algen von geringerem Werte sind. Es werden aber auch andere Arten (s.
oben) zur Agarbereitung herangezogen; man setzt diese gewöhnlich dem
Tengusa-Agar in größerem oder geringerem Maße zu (vgl. oben S. 306),
wodurch die Qualität natürlich entsprechend beeinflußt wird. Die
frisch gesammelten Algen werden von den Fischern am Strande sorgfältig
getrocknet und hierbei zum Teil schon gebleicht; dies geschieht häufig
(z. B. in der Provinz Izu) auf über den Boden erhöhten Bambusmatten.
Das Produkt wandert nun in die «Kanten»-Fabriken, wo es in einer Art
von steinernen Mörsern unter fortwährendem Wasserzusatz von anhaftenden
Verunreinigungen, wie kleinen Muscheln und dergleichen, befreit wird.
Dann wird es in Bambuskörbe in fließendes Wasser gestellt, um die
letzten Unreinlichkeiten zu entfernen. Dann wird gebleicht, unter
fleißigem Begießen und Wenden (zumal bei trockenem Wetter), wozu in
der Regel 24 Stunden, bei ungünstiger Witterung aber auch mehrere Tage
erforderlich sind. Das erste Bleichen beginnt im August oder September.
Die Algen werden in dünner Schicht auf Bambusmatten ausgebreitet.
Schließlich hängen die Algen zu Bündeln zusammen und diese Bündel
werden verspeichert. Zur eigentlichen Herstellung des Agars, die vom
November bis März erfolgt, weicht man die bearbeiteten Algen in Wasser
ein, kocht sie über freiem Feuer (in 790 gallons haltenden Kesseln)
oder behandelt sie mit Wasserdampf. Hierbei werden von den Fabriken
bestimmte Gewichtsmengen Wasser und Algen (es kommen z. B. 165 engl.
Pfund Algen auf 950-1000 Gallonen Wasser) eingehalten. Verwendet man
geringwertigere Algen als Zusatz, so läßt man diese länger kochen,
d. h. man gibt sie früher in den Kessel als die gute Sorte. Die
ganze Masse bringt man zum Kochen, rührt innerhalb fünf bis sechs
Stunden häufig um, gibt dann ein bestimmtes Quantum Essig oder
Schwefelsäure zu und läßt nun wieder frisches Wasser zufließen. Etwa
eine halbe Stunde nach dem erneuten Aufkochen ist der Prozeß beendigt.
Die gelatineartige Flüssigkeit (japan.: Tokoroten) wird durch ein Hanf-
oder Baumwollgewebe gepreßt (in Pressen oder durch Beschweren mit
Gewichten) und zum Erkalten beiseite gestellt; nach etwa 18 Stunden ist
sie zu einer Gallerte erstarrt. Die Preßrückstände werden wiederholt
mit Wasser behandelt und auf die gleiche Weise nochmals auf Agar
verarbeitet. Die Gallerte wird schließlich (im November bis Februar)
der Nachtkälte ausgesetzt, wodurch die Masse nach etwa 18 Stunden
bis drei Tagen völlig erstarrt und fest wird. Man läßt hierbei den
filtrierten Schleim in genau wagerecht gestellte hölzerne Tröge laufen,
die 61 cm lang, 30,5 cm breit und 7,5 cm tief und bisweilen in Kolonnen
geteilt sind von 46 cm Länge, 3,5 cm Breite und 3,8 cm Tiefe. Dann erst
zerschneidet, bzw. trocknet man sie unter wiederholtem Wenden an der
Sonne und bringt die Droge in die handelsübliche Form. Das Schneiden in
Längsstreifen geschieht mittelst eiserner «frames», das Trocknen auf
Bambusmatten oder auf Böcken in Holzverschlägen unter Abhaltung des
Staubes, bei kaltem Wetter (35° F.). Der größte Teil des japanischen
Agar-Agar geht nach China und +Hongkong+ und nur eine verhältnismäßig
kleine Menge gelangt direkt nach Europa (~Davidsohn~ 1906, ~Holmes~).
[Illustration:
Tafel VI a.
Agar-Agar-(Kanten-)Fabrik in Suwa Gori (Japan).
1. Die in dem hinten sichtbaren Bottich gekochte Masse wird auf
die Filter geschöpft und die filtrierte Masse dann auf die rechts
sichtbaren Rahmen gebracht. 2. Die gefüllten Rahmen werden ins
Freie getragen. 3. Die starker Winterkälte ausgesetzten, in Reihen
angeordneten Rahmen.
[Clichés Salle & Co. aus +Perrot-Gatin+, Les Algues marin. utiles
1911.]]
Die Güte des Agar ist wohl nicht abhängig von den verwendeten Arten,
sondern von der mehr oder weniger sorgfältigen Bereitungsweise. Es wird
in folgenden Sorten hergestellt:
1. In c. 3-5 mm breiten, c. 35 cm langen, hyalinen oder grauweißlichen
zerknitterten, meist zu Bündeln verschnürten Streifen. Selten erreichen
diese, an die sog. Seele der Federkiele erinnernden, Streifen
Fingerdicke und eine Länge von 50 cm.
2. In 2,5-4 cm dicken, c. 25-30 cm langen, gelblichweißen, leichten,
vierkantigen, knitterig-blätterigen Stücken, die an den Kanten
ebenfalls durchscheinend hyalin sind.
3. In c. 3 cm breiten und c. 30 cm dicken hyalinen Platten.
~Hanbury~ hatte schon 1859 sowohl die vierkantigen Stücke, wie die
dünnen Streifen in Händen (Science papers).
Der Großhandel unterscheidet Agar in +Fäden+ -- A.-+Schnitzel+ --
A.-+Stangen+ und A. in +Linealform+. Fäden, Schnitzel, Stangen kommen
in Packen von c. 90 kg in den Handel, Linealform in Kisten à 100
Stangen. Von Fäden, der besten und wichtigsten Sorte, unterscheidet
~Grossmann~ 1910 primaweiß 000, prima 00 und prima 0, eine
minderwertige Sorte nennt er courant.
Der Export von Agar-Agar aus Japan betrug in den ersten 9 Monaten
1909: 1708353 Kin. 1904 exportierte Japan 10657 dz, 1906: 8377 dz.
⅓ der Ausfuhr geht nach China. Deutschland importierte 1906: 1064
dz, 1909: 919 dz.
+Funori+ (sea weed glue s. oben S. 307) wird aus _Gloiopeltis tenax_
(Yanayo-Funori) und _G. coliformis_ und einigen anderen noch nicht
bestimmten Algen dargestellt -- das beste in Nagasaki und Kogoschima.
Es wird auf dem Boden ausgebreitet, mit Händen und Füßen geknetet,
in Körben gewaschen, dann zum Bleichen und Trocknen unter Bespritzen
mit Wasser gleichmäßig ausgebreitet. Wenn ein zäher Saft auszutreten
beginnt, wird kein Wasser mehr aufgespritzt. Man läßt dann eine Nacht
liegen und trocknet. Das fertige Produkt ist also +kein extrahierter
Schleim, sondern wird von den verschleimten verschlungenen
Thallusstücken+ gebildet. Es kommt in sheets (Blättern), die 4½ : 2½
Fuß lang sind, oder in Rollen in den Handel. Es löst sich fast ganz
in kochendem Wasser (Pharm. Journ. 1906, Sept.). (Einige andere
Algen, wie _Chondrus_ spec. = tsuno-mata, _Iridoea_ spec. = Ginantso,
werden vorher in Wasser eingeweicht und erhitzt, dann mit Wasser
bearbeitet und zum Trocknen ausgebreitet.)
=Lit.= Bereitung: ~Davidsohn~ a. a. O. -- ~Holmes~ a. a. O., --
Pharm. Zeit. 1907, 1078.
=Beschreibung.= In kaltem Wasser quillt Agar-Agar auf, in heißem löst
es sich größtenteils zu einem klebrigen Schleim, der abgekühlt zu einer
Gelatine erstarrt. Der Schleim wird durch Jod violett. Die Droge quillt
in Kali stark, kaum in Kupferoxydammoniak.
[Illustration: Fig. 107.
Auf chinesischen Meeresalgen gefundene Diatomeen. [Aus
+Villiers-Collin+, Traité des alterations et falsifications. Doin et
fils Paris.]]
Im ungereinigten Agar-Agar finden sich neben plasmatischen und
verkleisterte Florideenstärke enthaltenden Zellinhalten, die den
einzelnen Algenzellen entsprechen, und intakten Zellen, besonders
des Leitungsgewebes, stets zahlreiche +Diatomeenschalen+ und
+Spongillennadeln+ (~Marpmann~, ~Senft~, ~Tunmann~) (vgl. Fig.
107 u. 108). Man kann sich dieselben dadurch sichtbar machen, daß
man einäschert, die Asche mit Salzsäure behandelt, sedimentieren
läßt und das Sediment unter das Mikroskop bringt oder das Gelee
mit Schwefelsäure und etwas Kaliumpermanganat dünnflüssig macht,
sedimentieren läßt und das Sediment untersucht: Die besseren Sorten
enthalten weniger Diatomeen und Spongillennadeln als die schlechten
Sorten. Auf diese Weise kann man rohes, ungereinigtes Agar auch in
Fruchtgelees nachweisen. Es finden sich namentlich Arten der Gattungen
_Cocconeis_ und _Grammatophora_, dann auch _Arachnoidiscus_ und
_Campyloneis_ (~Senft~), seltener die von ~Marpmann~ angegebenen
_Amphiprora_, _Licmaphora_, _Stauroneis_, _Rhabdonema_, _Chaetoceras_,
_Triceratium_, _Amphitetras_ und _Biddulphia-_Arten. Auf _Gelidium_
fand ~Menier~ _Arachnoidiscus ornatus_ ~Ehrb.~ Die Spongillennadeln
sind einfache Nadeln oder Nadelsterne (~Tunmann~). ~Tunmann~ fand
im Agar auch Kalkalgen Polypen und (von den Preßsäcken herrührend)
Baumwolle und Hanffasern.
=Lit.= ~Menier~, Falsific. de l. gelée de groseille du comm. decouv.
p. les Diatom. Nantes 1879. -- ~Marpmann~, Über Agar-Agar und dessen
Verwendung und Nachweis. Zeitschr. angew. Mikrosk. 2, 1897. --
~Senft~, Über Agar-Agar-Diatomeen. Zeitschr. Allg. öster. Apoth.
Ver. 1902, 229 (mit Abbild.). -- ~Tunmann~, Einige Bemerk. über
Agar-Agar, Pharm. Centralh. 1909, 233. -- Abbild. der Diatomeen auch
in ~Villiers~ et ~Collin~, Altérat. et falsificat. 1900, p. 833.
[Illustration: Fig. 108.