verschleimten Zwischenzellsubstanz zurückzuführen. +Er ist also eine
Schleimmembranquellung.+ Die Schleimhöhlen der Rindenschicht haben
gar nichts damit zu tun, übrigens schon deshalb nicht, da diese sich
niemals in den gedrechselten Stielen, die nur aus den inneren Schichten
hergestellt werden, findet. In den Zellen von lebendem Material
fand ~Tunmann~ Zucker. Die kleinen mit Osmiumsäure sich bräunenden
Bläschen reagierten auch mit Vanillinsalzsäure, Jod- und Eisensalzen
(~Tunmann~). Kristallbildungen fehlen, doch erhielt ~Tunmann~ durch
Einlegen frischer Stiele in Alkohol Calciumoxalatkristalle. Er nimmt
an, daß die Zellen des Markes gelöstes +oxalsaures Natrium+ enthalten,
das sich mit dem Kalk zu Calciumoxalat umsetzt. Florideenstärke
(Amylodextrin) ließ sich mikrochemisch nicht nachweisen. Die
eigenartigen Körnchen, die man besonders in dem Speichergewebe
antrifft, scheinen Eiweißcharakter zu besitzen, jedenfalls kein
Kohlenhydrat zu sein und einen gerbstoffartigen Körper einzuschließen
(~Tunmann~). Diese Körnchen, die ~Hansteen~ +Fucosan+, ~Schimper~
Phaeophyceenstärke, ~Crato~, der sie für amöboid bewegliche,
plasmatische Bildungen erklärt, +Physode+ nannte, zeigen nämlich auch
Phenolreaktionen, besonders mit Vanillinsalzsäure (~Crato~, ~Bruns~).
Der Ausdruck Phaeophyceenstärke ist also jedenfalls verfehlt und
irreführend.
[Illustration: Fig. 104.
Querschnitt durch einen eingetrockneten _Laminaria_-Stipes.
[+Luerssen+.]]
An den Stipites der ähnlich gebauten _Alaria esculenta_ (L.) ~Grev.~
kann man nach ~Wille~ vier Zonen unterscheiden. Die äußerste Zone ist
das Assimilationsgewebe, in dem sich die Chromatophoren finden und
das zugleich als Bildungsgewebe fungiert, sich auch, wenn abgestoßen,
leicht wieder regeneriert. Dann folgt die Hauptmasse, die zugleich
mechanischen, Leitungs- und Speicher-Zwecken dient und die wenige
Chromatophoren, aber viel Reservestoffe (Fucosankörner) enthält.
Dann folgt die Schicht der Verbindungshyphen und das Zentrum ist
wieder mechanisches Gewebe. Gestreckte (den Siebröhren der höheren
Pflanzen entsprechende) Siebhyphen -- bisweilen mit Callus auf der
Siebplatte -- sind (nach ~Will~ und ~Wille~) besonders im Inneren
reichlich vorhanden, ebenso wie die der gleichen Funktion dienenden
Verbindungshyphen (true sieve tubes, trumpet hyphae, ~Oliver~). In
den zugleich mechanischen und speichernden Zellen finden sich neben
Chromatophoren +Fucosankörner+. Da die Stipites dieser Alge wegen des
zentral gelegenen mechanischen Gewebes viel biegungsfester sind als
die _Laminaria_stipites, _Alaria esculenta_ (L.) ~Grev.~ zudem in den
norwegischen Meeren häufig ist, so dürfte es sich empfehlen, auch aus
dieser Alge Stifte zu drehen. (Sie soll übrigens -- nach ~Krämer~ --
bereits hierzu benutzt werden.)
=Lit.= ~Tschirch~, Angew. Anat. und Über d. Entwicklungsgeschichte
einiger Sekretbeh. Ber. d. bot. Ges. 1888, S. 5. -- ~Grabendörfer~,
Beitr. z. Kenntn. d. Tange. Dissert. Straßburg 1885 (auch Botan.
Zeit. 1885). -- ~Kützing~, Phycol. gen. Taf. 31. -- ~Ruprecht~,
Bem. über d. Bau u. d. Wachsth. einiger großer Algenstämme u. d.
Mittel d. Alter ders. zu bestimmen. Mém. de l’acad. Petersb. 1848.
-- ~Luerssen~, Med. pharm. Bot. I, S. 100-102. -- ~Vogl~, Kommentar
1892. -- ~Guignard~, Observ. sur l’appar. mucif. des Lamin., Ann. sc.
nat. ser. 7, T. 15 (1892). -- ~Hansteen~, Stud. z. Anat. u. Phys. d.
Fucoid. Pringsh. Jahrb. 24 (1892). -- ~Crato~, Ber. d. bot. Ges. 11
(1893) u. bot. Zeit. 1893, 157. -- ~Bruns~, Flora 1894, Ergb. S. 173.
-- ~J. Reinke~, Atlas der Meeresalgen. 1889-92, Beitr. z. Kenntn.
d. Tange. Pringsh. Jahrb. 10 (1875) und Unters. über d. Quellung
einiger vegetabil. Subst. ~Hansteins~ bot. Abh. IV (1879). --
~Wille~, Siebhyphen bei d. Algen. Ber. d. d. bot. Ges. 1885. Bidrag
til Algernes physiolog. Anat. Svensk. Vetensk. Akad. Handl. 1885 u.
Beitr. z. phys. Anatom. d. Laminariaceen. Festschr. z. Kön. Oscars
Reg. Jubil. 1897. -- ~Tunmann~, Zur Kenntn. d. Laminaria. Pharm.
Zentralh. 1907, 241 u. 505. Schweiz. Wochenschr. 1910, 537 (dort die
Reaktionen des Fucosans). -- ~Kraemer~, Textbook 1907. -- Anatom.
Abbild. auch in ~Planchon-Collin~, Drog. simpl. I, 13.
=Chemie.= Die Interzellular- oder Bindesubstanz, die so gut wie
ausschließlich die quellende Substanz der Stiele repräsentiert,
enthält stets Calcium. ~Wille~ und ~Kreftling~ betrachteten sie als
Calciumpektinat (~Frémy~) resp. als das Calciumsalz einer +Tangsäure+,
die offenbar nahe Beziehungen zur Pektinsäure ~Gireauds~ besitzt.
Extrahiert man den Kalk aus der Interzellularsubstanz durch Salzsäure,
so quillt der Schleim mit verdünnten Alkalien gewaltig und löst sich
dann rasch (~Wille~), viel rascher als ohne diese Vorbehandlung. Er
zeigt nun ausgesprochenen saueren Charakter. ~A. Kreftling~ nimmt
daher an, daß die Interzellularsubstanz aus der Kalkverbindung der
+Tangsäure+ besteht, die 39% C und 5% H enthält und in Wasser ohne
sich zu lösen außerordentlich stark quillt. ~Kreftlings~ Tangsäure ist
N-frei und soll der Formel C₁₃H₂₀O₁₄ entsprechen. Sie bindet 97% Wasser
und löst sich nur in Substanzen mit denen sie Verbindungen eingeht.
Die Tangsäure lieferte ~Kreftling~ einen reduzierenden Zucker. Auch
~Mangin~ hält die Bindesubstanz der Zellen für einen Pektinkörper. In
der Tat bestehen ziemlich viele Beziehungen zu den Pektinsubstanzen der
Früchte (~Tschirch~).
Die Zellwände enthalten +Zellulose+ (~Wisselingh~), nach ~Warrington~
9,33%, die Mittellamelle auch einen mit Jod und 1% H₂SO₄ sich
blaufärbenden Körper (Fucin, ~Wisselingh~). Das beim Erhitzen von
_Fucus_ mit Schwefelsäure übergehende +Fucusol+ (~Stenhouse~) ist ein
Gemisch von Furfurol und Methylfurfurol (~Maquenne~). Die Entstehung
dieser Körper deutet auf das Vorhandensein von Pentosanen und
Methylpentosanen. In der Tat erhält man bei der Hydrolyse von _Fucus_
eine Methylpentose, die +Fucose+ (die optische Antipode der Rhodeose,
~Tollens~ und ~Günther~) von der Formel:
H H OH
CH₃.CH(OH)--C--C--C--COH.
OH OH H
Die Membran enthält also ein Fucosan. ~Bieler~ und ~Tollens~ erhielten
auch aus _Laminarien_ Methylfurfurol:
CH----CH
|| ||
|| ||
CH C.COH
\ /
\ /
O
so daß wohl anzunehmen ist, daß die _Fucus_- und _Laminaria_-Membranen
im wesentlichen übereinstimmen. Auch +Glukuronsäure+ (vgl. S. 77)
scheint in der _Laminaria_ vorzukommen (~Tollens~). _Laminaria_schleim
gibt bei der Hydrolyse Dextrose (~Bauer~). ~König~ und ~Bettels~
erhielten aus _Laminaria japonica_ (und einer anderen _Laminaria_art):
Glukose, Fruktose, Pentosen und Methylpentosen (aber keine Galaktose).
~Schmiedeberg~ erhielt aus _Laminaria_ zwei den Kohlehydraten
nahestehende Substanzen des +Laminarin+ (C₆₀H₁₀₂O₅₁) und die stark
quellbare +Laminarsäure+ (C₁₂H₁₈O₁₁). In den beim Liegenlassen von
Laminarien an der Luft bei Regenwetter austretenden Schleimblasen
fand ~Stanford~ +Algin+, das Ca-Na-Mg-Salz der +Alginsäure+. Das
Natriumalginat kommt in den Handel. Es ist eine außerordentlich zähe
Masse (37mal zäher als Gummi arabicum). Das Algin des Handels wird
durch Ausziehen der Laminarien mit Sodalösung dargestellt. Schon eine
2%ige Lösung ist dick, eine 5%ige gelatinös. Auch hier treten also
Beziehungen zum Pektin hervor. Die +Tangsäure+ (~Kreftling~), die
+Laminarsäure+ (~Schmiedeberg~), die +Alginsäure+ (Algin, ~Stanford~),
die Alginicinsäure und die sog. Pektinsäure (?) sind wohl dieselbe
Substanz in verschiedenen Reinheitsgraden. Die reine Substanz ist aber
noch nicht erhalten worden.
Im lufttrockenen Stipes von _Lam. digit._ finden sich nach ~Axel
Kreftling~: in kaltem Wasser lösliche Schleimsubstanz 47,4%, Tangsäure
19%, Zellulose 10,9%, in Wasser lösliche Salze 8,6%, in Wasser
unlösliche anorganische Salze 4,4%, Wasser 7,8%. Nach ~König~ und
~Bettels~ enthält luftrockene _Laminaria_ in Prozenten: 6,16 Wasser,
8,19 Gesamtstickstoffsubstanz, 5,68 wasserlösliche Stickstoffsubstanz,
0,5 Ätherauszug, 36,04 stickstofffreie Extraktstoffe, 6,66 Pentosane,
1,12 Methylpentosane, 11,27 Rohfaser, 30,06 Asche, 16,47 Chlornatrium.
Durch Dämpfen wird in Wasser löslich: 29,39% anorganische und 50,85%
organische Substanz. Von den Meeresalgen sind die _Porphyra_arten sehr
reich an Proteïn, _Laminaria_, _Cystophyllum_ und _Enteromorpha_ reich
an Pentosanen.
+Die Elastizitätsgrenze sinkt bei steigendem Wassergehalt.+ Das
Elastizitätsmodul beträgt bei 40% Wassergehalt 24,5, bei 90%: 9, bei
140%: 3, bei 230%: 1,7, bei 350%: 1,5 (~J. Reinke~). Durch Einlegen in
Wasser vergrößert sich der Durchmesser der Laminarienstäbchen um 72%,
ein Kanal von 50 mm wird auf 147 mm erweitert (~Cohn~). Auch +Mannit+
(5-6%, ~Stenhouse~) und +Dextrose+ sind aus Laminarienstipites (von _L.
flexicaulis_, weniger von _L. Clustoni_) erhalten worden. Es scheint
aber, daß diese Körper erst in den abgestorbenen Tangen auftreten
[~Phipson~ (1856), ~Soubeiran~ (1857)], also wohl erst abgespalten
werden (_Laminaria saccharina_ ~Lamx.~ enthält bis 12% Mannit). Nach
~Bruns~ kommt +Fett+ und +Phloroglucin+ (?) im Inhalte vor. Über das
Fucosan vgl. oben S. 298.
Der +Farbstoff+ der Chromatophoren +trockener+ Laminarien (der sich
aber vorwiegend in dem Blatteile, weniger im Stipes findet) ist ein
Mischfarbstoff. Er wurde von ~Cohn~ +Phaeophyll+ genannt. Er besteht
aus braunem, wasserlöslichem +Phycophaein+ (~Millardet~), das keine
Absorptionsbänder besitzt, sondern nur kontinuierliche Absorption des
Rot bis 0,680 µ und des übrigen Spektrums bis 0,620 µ zeigt (~Schütt~),
gelbem, alkohollöslichem +Phycoxanthin+ (~Millardet~), das wohl mit
dem Carotin bzw. Xanthocarotin, d. h. dem Xanthophyll der Autoren
ex parte, verwandt oder damit identisch ist (~Hansen~, ~Gaidukow~)
-- ich nannte den Körper η-Xanthophyll -- und grünem +Chlorophyll+
(~Millardet~, ~Ardissone~, ~Hansen~). Chlorophyll und Phycophain sind
vielleicht chemisch miteinander verbunden (~Engelmann~). Die +lebenden+
Phaeophyceen enthalten kein wasserlösliches Pigment (Phycophaein).
Ihre Chromatophoren sind nach ~Tswett~ durch Chlorophyll, Karotin,
Fucoxanthin und Fucoxanthophyll tingiert.
Die +Asche+ beträgt 14,02% (~Flückiger~), 14-18% (~Stanford~), 18,64%
(~Goedichen~). Darin sind 11,86% Kalk (sie ist also kalkreich), 22,4%
Kali, 24,09% Na, 7,44% Magnesia, 0,62% Eisen, 2,56% Phosphor, 13,26%
SO₃, 1,56% SiO₂, 17,23% Cl, 3,08% J; nach ~Flückiger~ kein Mangan.
~Stanford~ fand in der Asche Jodide und viel Calciumcarbonat (20%), im
ganzen 40% Salze. Nach ~Wolff~ differiert Menge und Zusammensetzung
der Asche je nachdem man die Stipites im Frühling oder Herbst
untersucht ziemlich beträchtlich, nur Phosphorsäure und Jod bleiben
etwa gleich. Er fand Jod: 1-1,2%, Chlor in Frühlingsmaterial 28,35%, in
Herbstmaterial 38,67% der Asche.
Wichtig ist besonders der Jodgehalt, da die +Laminarien der nördlichen
Meere noch jetzt zur Jodgewinnung herangezogen werden+. [+Nur+
Laminarien nicht _Fucus_arten liefern den Kelp (Drift Kelp)]. Um Jod
nachzuweisen, darf man nicht veraschen, sondern muß unter Zusatz von
Zinkstaub, Bimstein oder Kieselgur verkohlen (~Flückiger~) oder man
destilliert mit Braunstein und Schwefelsäure das Jod ab (~Jones~). Es
enthalten +Jod+ (nach ~Stanford~) in Prozenten der Trockensubstanz:
_Laminaria digitata_ (Stamm) 0,4535, (Laub) 0,2945; _Lam. stenophylla_
(Stamm) 0,4028, (Laub) 0,4777; _Lam. saccharina_ 0,2794, _Lam. bulbosa_
0,1966, _Fucus serratus_ 0,0856, _F. nodosus_ 0,0572, _F. vesiculosus_
0,0297. ~Marchands~ Angabe, daß _Laminaria_ 5% Jod enthalte, ist ein
Irrtum. [Japan. eßbare Meeresalgen enthalten 0,3171 J, _Chondrus
crispus_ Spuren, _Gelidium corneum_ dito, _Gigartina spinosa_ nichts.]
Nach ~Gautier~ enthält _Laminaria_ 12 mg Jod auf 100 g frische und
60 mg auf 100 g trockene Substanz. _Laminaria_ enthält das Jod fast
ausschließlich in organischer Form, in ähnlicher wie es im Jodothyrin
(oder Jodospongin ~Hundeshagens~ aus Spongien) enthalten ist und zwar
scheinen mehrere organische Jodverbindungen in Betracht zu kommen,
solche, welche sich in Wasser, Alkohol, Aceton, Alkalien und Säuren
lösen und solche, die in diesen Lösungsmitteln unlöslich sind. Letztere
bilden die Hauptmenge (~Eschle~). Wahrscheinlich bedingen diese
organischen Jodverbindungen die Benutzung der Fucoideenextrakte (Extr.
fucus vesiculos., Extr. Laminariae) zu Entfettungskuren. Der Gehalt der
Asche an +Brom+ beträgt wohl selten mehr als 0,2%.
Entdeckt wurde in den Tangen das Jod 1813 durch ~Courtois~
(mitgeteilt von ~Desormes~ und ~Clément~, Schweigg. Journ. 9,
339), das Brom 1826 durch ~Balard~. Der Jodgehalt beträgt in % bei
_Ecklonia cava_ (Kajime), Stengel 0,14831; _Ecklonia cava_ (Kajime),
Laub 0,00177; _Ecklonia bicyclis_ (Arame) 0,00028; _Cystophyllum_
spec. (Nagahijiki) 0,00506; _Arthrothamnus bifidus_ (Neckoashi Kombu)
0,223; _Laminaria japonica_ (Ma-Kombu) 0,106; _Laminaria religiosa_
(Hosome Kombu) 0,127; _Laminaria longissima_ (Naga Kombu) 0,173;
_Laminaria angustata_ (Mitsuishi Kombu) 0,180, (Rijiri Kombu) 0,188;
_Laminaria diabolica_ (Oni Kombu) enthält auch Jod (~Davidsohn~).
Der Jodgehalt beträgt bei _Ecklonia cava_ in den einzelnen Monaten
(nach ~Davidsohn~):
In den Stengeln:
Jan. Febr. März April Mai Juni
0,092 0,167 0,061[*] 0,067[*] 0,147[†] 0,255
Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez.
0,216 0,142 0,267[†] 0,144 0,145 0,099
Im Laub:
0,81 0,167 0,063[*] 0,060[*] 0,076[†]
0,294 0,294 0,142 0,232[†] 0,081 0,112 0,097
[*] Junge Stengel und Laub.
[†] Alte Stengel und Laub.
~Tunmann~ fand im Stipes von _Lamin._ 0,059-0,108%, im Blatteil
0,071-0,154% Jod der Trockensubstanz. Der Blatteil ist also jodreicher.
Das weiß auch bereits die Industrie. ~Allazy~ fand, daß Varech aus der
ganzen Pflanze 0,06, aus dem alten Blatte 0,057, aus dem unteren Teile
des altes Blattes 0,108, aus dem neuen Blatte 0,122% Jod enthielt.
~Tunmann~ gelang es auch noch in 1-2 mgr Substanz Jod mikrochemisch
nachzuweisen. Er legte neben die Schnitte Stärke und ließ starke
Salpetersäure zufließen. Auf diese Weise gelingt noch der Nachweis
von ²⁄₁₀₀₀ mgr Jod. ~Tunmann~ fand Jod besonders in der Mark- und
Rindenschicht und nur im Zellinhalte. Die Jodverbindung ist leicht in
Wasser und Alkohol löslich.
Die Effloreszenzen auf den trockenen Stipites sind vorwiegend
Natriumsulfat.
=Lit.= ~Stenhouse~, Lieb. Ann. 74 (1850), S. 278. -- ~Maquenne~,
Compt. rend. 109 (1889). -- ~Stanford~, Econom. applicat. of
seaweed. Pharm. Journ. 1884, XIV, 1009 u. flgd. (Pharm. Zeit.
1884, 507) und Chem. news 1883; auch Pharm. Journ. XIII (1883),
1019, 1037. Journ. chem. soc. 1886, 218. -- ~Bauer~, Über eine aus
Laminariaschleim entstehende Zuckerart. Ber. d. chem. Ges. 22 (1889),
618. -- ~Günther~ u. ~Tollens~, Über d. Fucose. Ebenda 23 (1890).
-- ~Mangin~, Sur la callose, Compt. rend. 110 (1890). Rech. sur l.
compos. pectiques. Journ. de bot. 1893. -- ~Bieler~ und ~Tollens~,
Ber. d. d. chem. Ges. 22, 3063. -- ~Muther~ u. ~Tollens~, Ber. chem.
Ges. 1904, 298 u. 306. -- ~Tollens~ (Glukuronsäure-Reaktion), Ber.
d. d. chem. Ges. 1908, 1789. -- -- ~Schmiedeberg~, Tagebl. Naturf.
Vers. 1885, 231 (Pharm. Jahresber. 1885, 23). -- ~Wille~ a. a. O.
-- ~Jones~, Chem. News. 48, S. 296. -- ~Gautier~, Compt. rend. 129
(1899), 189 und ebenda 1900. -- ~Eschle~, Zeitschr. phys. Chem.
1897, 23, 30 (Ph. Zeit. 1897, 607). -- ~König~ und ~Bettels~, Die
Kohlehydrate der Meeresalgen. Zeitschr. Unters. d. Nahrungs- u.
Genußm. 10. -- ~Warington~, Chem. News 40, 195. -- ~Marchand~, Ann.
chim. phys. 8 (1866), 320. -- Farbstoff: ~Hansen~, Bot. Jahresber.
1885, I, 404. -- ~Reinke~, Beitr. z. Kenntn. d. Phycoxanthins.
Pringsh. Jahrb. 10, 399. -- Analysen von _Laminaria japonica_ von
~Kellner~, ~Nagai~ und ~Murai~ bei ~König~, Nahrungsm. -- ~Czapek~,
Biochemie. -- +Nachweis des Jods in den Algen+: ~Flückiger~, Arch. d.
Pharm. 225 1887), 519 und Pharmakogn. III (Zinkstaub). -- ~Jones~,
Ber. d. chem. Ges. 17, Ref. S. 53 (1884). -- ~Weis~, Chem. Centralbl.
1903, I, 1158. -- ~Riegler~, Ebenda 1903, II, 772. -- ~Tunmann~, Über
d. J. u. d. Nachweis desselb. in d. Laminaria. Pharm. Centralh. 1907,
505. -- ~Justus~, Virchows Arch. 170 (1902), 501. -- ~Davidsohn~,
Imp. inst. Tokio in Pharm. Journ. 1906, 346.
=Anwendung.= In der Medizin finden die aus den Stipites gedrechselten
Stifte (Laminariastifte, L.-Kegel, Quellmeißel) Verwendung -- zur
Erweiterung von Öffnungen, zum Offenhalten von Wunden und als
Quellmeißel und Sonden -- an Stelle des Preßschwammes. Sie quellen
sehr langsam und erreichen in 24 Stunden ihr Quellungsmaximum. Da das
Quellungsvermögen in der Markschicht am größten ist und nach außen hin
abnimmt, müssen die Stifte, damit sie gleichmäßig quellen, möglichst
genau in der Längsachse der Stiele gedrechselt werden. Die Stifte
quellen in destilliertem oder kochsalzhaltigem Wasser besser als in
kalkhaltigem. Die Laminariastäbchen sind entweder solide (Vollstifte)
oder hohl (Hohlstifte). Es werden jetzt im Handel angeboten:
+Vollstifte+ von 1,5, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8 mm Durchmesser und 8, 10,
20 und 30 cm Länge, +Hohlstifte+ von 4, 5, 6, 7 und 8 mm Durchmesser
und 8 bzw. 10 cm Länge, sowie conische 4,5 cm lang (~Caesar~ u.
~Loretz~, 1910). Neuerdings kommen sie auch sterilisiert (~Stich~) und
imprägniert in den Handel. Auch ein Blutstillungscharpie wird aus den
getrockneten Stipites hergestellt.
Sonst werden die Laminarien auch als Viehfutter und Düngemittel
benutzt. Die mannithaltigen Teile der _Lamin. flexicaulis_,
besonders die unteren Enden der Stiele, werden gegessen, ebenso
_Lam. saccharina_ (und _Sargassum_) im Mittelmeergebiet. _Laminaria
saccharina_ enthält 7,79% des Trockengewichtes N-haltige Substanzen
(~Warington~). Die japanische Algenkonserve, Naga-Kiri-Kombu (kombu
= Seekraut), besteht aus der in Streifen geschnittenen Lamina von
_Laminaria japonica_ ~Aresch.~ (~Senft~). Die umfangreichste Verwendung
ist die zur Jodbereitung (s. unten). Neuerdings dienen Fucusextrakte
als Entfettungsmittel (s. oben). In Lahore und Kaschmir wird _Lamin.
saccharina_ als Galhár-Kapalta gegen Kropf, im Himalaya bei Syphilis
benutzt. +Hai-tao+ ist eine der _Laminaria digitata_ nahestehende
Meeresalge, wahrscheinlich _L. bracteata_, 1 m und darüber lange,
etwa 6 cm breite Streifen mit von Salzauswitterungen weiß bestäubter,
schmutzigbrauner Oberfläche. Die Alge verleiht mit Wasser gekocht
diesem eine schlüpfrige Beschaffenheit, weshalb sie zur Appretur
Verwendung findet. In Japan und China wird sie gegessen. Sie dürfte
identisch sein mit der _Laminaria_, die in China als «Hai-tai» und
«Kwanpu» oder «Kai-wan» bei Menstruationsbeschwerden zur Erhöhung der
Uterustätigkeit verwendet wird (~Gehe~ 1898).
Die +Tang-Jodgewinnung+ wird in Japan besonders in Hokkaido
betrieben. Man benutzt außer _Laminaria_ auch _Eclonia_-,
_Sargassum_-, _Arthrothamnus_- und _Cystophyllum_-Arten. Die
Fischer ziehen mit ihren Booten zu den Kelp-grounds und reißen die
Algen mittelst Gabeln von den Felsen (I, Fig. 100, S. 102). Die
getrockneten Algen werden dann in Höhlungen oder Herden verbrannt
-- richtiger verkohlt -- der Kelp mit Wasser ausgezogen, die
Lösung eingedampft und mit Braunstein und Schwefelsäure erhitzt.
Zur Jodfabrikation werden an den Küsten von Frankreich (Normandie)
und Schottland besonders _Laminaria_-, _Alaria_- und _Fucus_-Arten
benutzt. Der Jodgehalt sinkt beim Verbleiben der Algen im Wasser. Man
bringt daher die von Booten aus mit an langen Stangen befestigten
Sicheln geernteten samt den bei stürmischem Wetter vom Meere
ausgeworfenen Laminarien sofort an Land und verkohlt bald. 22 t Tang
liefern 1 t Varech oder Kelp (Tangasche). Die Verarbeitung der Tange
geschieht jetzt nicht mehr überall in den früher üblichen Gräben der
Varechbrenner, sondern zum Teil nach dem Verfahren von ~Pellieux~
und ~Maze-Lannay~. «Es beruht auf der Verarbeitung von Schnittalgen.
Zur Trocknung der Tange dienen drei terrassenartige Erhöhungen. Die
beiden unteren sind mit Cement belegt. Auf der obersten Terrasse
beläßt man die Algen 4-5 Tage zum Abtropfen und oberflächlichen
Trocknen. Auf der zweiten Etage läßt man sie in Gärung kommen; dabei
entlassen sie eine Menge Flüssigkeit von einem im Vergleich zu den
getrockneten Tangen höheren Jodgehalt. Diese Flüssigkeit wird daher
gesammelt und abgedampft. Der Abdampfrückstand gelangt schließlich
mit den auf der untersten Terrasse vollständig getrockneten Tangen
behufs Veraschung in den Calcinierofen.» In 1000 kg Varech sind
enthalten bei _Laminaria stenoloba_ 0,57-1,22, bei _L. digitata_ var.
_stenophylla_ 0,99, bei _L. saccharina_ 0,44, bei _Araria esculenta_
0,10 kg Jod (~Allazy~).
~Kreftling~ gewinnt für technische Zwecke ~Stanfords~ Alginsäure
jetzt im Großen aus Laminarien Norwegens. Er nennt sie Tangsäure.
Ihre Alkalisalze sind stark klebrig (s. oben S. 300).
=Lit.= ~Stanford~ a. a. O. -- ~Kreftling~, Über wichtige organ.
Produkte aus Tang. Chem. Industrie 1897, Nr. 20 (Bot. Centralbl.
Beihefte 1898, 519). -- ~Senft~, Über einige in Japan verwendete
vegetabil. Nahrungsm. usw. Pharm. Praxis 1906 u. 1907 (dort ein
Verzeichnis der Laminariakonserven). -- ~Krasser~ in ~Wiesner~,
Rohstoffe. -- ~Allazy~, Bull. soc. chim. 38, 11. -- Jodgewinnung in
Japan: Govern. Rep. on the investig. on Marine Res. of Hokkaido und
~Kingo Miyabe~, On the Laminariaceae and Laminaria Industries of
Hokkaido (Pharm. Journ. 1906 Sept.)
=Geschichte.= ~Wilson~ empfahl zuerst die Anwendung der
Laminariastäbchen in der Chirurgie. Aber schon 1834 hatte ~Häberl~
die Laminariastäbchen mit den zu gleichem Zwecke empfohlenen aus
_Enzianwurzel_ verglichen (~Winckel~). Sie werden etwa seit 1863 in
der chirurgischen Praxis benutzt. Man hat es für möglich erklärt
(~Dragendorff~), daß das _Erythrodanon_ des ~Marcellus Empiricus~
eine _Laminaria_ war.
=Lit.= ~Häberl~, Neue Zeitschr. f. Geburtskunde I, S. 50. --
~Winckel~, Göschens deutsche Klinik XIX (1867), 270; -- Pharm.
Jahresber. 1864, 280. -- Vgl. auch ~Russel~, Fucus vesiculosus.
Dissert. Oxon. 1750.
=Paralleldrogen.= Seit dreihundert Jahren ist die Eigenschaft der
Wurzeln von _Gentiana lutea_ in Wasser stark aufzuquellen bekannt.
Dieselben wurden daher seit langem wie heute die Laminariastifte
benutzt.
Neuerdings (seit 1879) wird das durch Pressen leicht auf ein geringes
Volumen zu bringende Holz (_Tupeloholz_, _Lign. Nyssae_) der in den
südlichen Vereinigten Staaten, besonders Südkarolina heimischen
Cornacee, _Nyssa aquatica_ L. (_Nyssa multiflora_ ~Wangenh.~ und die
verwandte _N. biflora_ ~Mich.~), einer Sumpfpflanze, in gleicher
Weise zu Quellstiften benutzt. Nach ~Maisch~ eignet sich _Nyssa
grandidentata_ noch besser dazu. Die daraus dargestellten sehr
leichten, gelblich weißen sog. +Tupelostifte+ quellen +rasch+ auf
ihr ursprüngliches Volumen, behalten dasselbe dann aber auch nach
dem Trocknen bei. Der Vorgang beruht hier auf etwas ganz anderem
wie bei den Laminariastiften, nämlich darauf, daß die Zellen des
ungewöhnlich dünnwandigen Holzes (~Moeller~) die Fähigkeit besitzen,
durch Wasserentzug und Zusammendrücken stark zu kollabieren und durch
Wasserzufuhr wieder auf das ursprüngliche Volumen zu gehen.
=Lit.= Nyssa: Pharm. Jahresber. 1879, S. 54 und 1884, S. 249, Arch.
d. Pharm. 1879, S. 355 u. Pharm. Centralh. 1879, Nr. 6 (~Haubner~).
-- ~Haaxmann~, Ned. Tijds. 1879, S. 145. -- ~J. Moeller~, Afrikan.
Drogen, Lign. Nyssae. -- Pharm. Centralh. 1883, S. 545 u. 581 (mit
Abbild.). -- Ph. Zeit. 1884. S. 59. -- ~Maisch~, Am. journ. pharm.
1883, p. 631. -- ~Gehe~, Handber. 1880. -- ~Engler-Prantl~, Pfl.-Fam.
Agar-Agar.