=Chemie.= Carrageen enthält meist c. 1% +Stickstoff+ (= 6,3%

+Proteïnsubstanzen+), bisweilen auch mehr (bis 9,4% Proteïnsubstanzen,

~Church~). Andere Meeresalgen enthalten 1-1,8% N (~Marchand~).

Mit zwanzig Teilen Wasser gekocht liefert Carrageen beim Erkalten

eine Gallerte, die durch Jod nicht blau wird (Unterschied

von Isländischmoosgallerte) und sich nicht in Cuoxam. löst.

Carrageenschleim wird durch Ammoniumsulfat, Ammonphosphat und

Kaliumacetat gefällt (~Pohl~). Mit 50 Teilen Wasser gekocht erhält

man eine Lösung, aus der Alkohol den +Schleim+ (Carrageenin

~Pereira~, Caragin ~Berzelius~, Goëmin ~Blondeau~ -- Goëmon ist

der nordfranzösische Name der Alge -- Gelin) in Fäden fällt, die

hornartig eintrocknen, c. 0,8% Stickstoff und bis 16% Mineralsubstanzen

enthalten, sich nicht in Kupferoxydammon lösen und durch metallisches

Jod sich rötlich färben. Dieser Schleim liefert mit schwacher

Salpetersäure Weinsäure, Oxalsäure und Zuckersäure, mit starker

14 bis 23% +Schleimsäure+ (~Flückiger~, ~Obermeier~, ~Sebor~). Er

gleicht dem Pararabin ~Reichardts~. Durch Kochen mit Schwefelsäure

entsteht neben Ameisensäure +Lävulinsäure+ (~Bente~). ~Schmidt~

erhielt bereits 1844 hierbei auch Zucker. Bei der Hydrolyse lieferte

Carrageen +Mannit+, Hydroxylmethylfurfurol und d-+Galaktose+, sowie

auch Fruktose und Glukose. Carrageen enthält also außer Methylpentosen-

und Glukosegruppen ein +Galaktan+, +Fruktosan+ und wenig +Pentosan+

(~Muther~ und ~Tollens~). ~Sebor~ erhielt bei der Hydrolyse ebenfalls

Galaktose, dann d-Glukose, Fruktose und Arabinose. Die gefundene Menge

Schleimsäure (23,4%) entspricht 29,6% Galaktose (~Tollens~ berechnet

20-28%), die mit Salzsäure erhaltene Menge Furfurol (1,2%) entspricht

2,5% Pentosen. ~Sebor~ hält den Schleim für eine sehr komplizierte,

wohl aus +Galaktan+, +Glukosan+ und +Fruktosan+ bestehende

Kohlenhydratkombination von hohem Molekulargewicht, in dem auch ein

d-Galakto-Xylan steckt. Der Stickstoff, den schon ~Blondeau~ im

Schleime fand -- er fand 2% (~Flückiger~ und ~Obermeier~ 1%) neben 2,5%

Schwefel -- und der sehr schwer aus ihm zu entfernen ist, ist natürlich

auf eine Verunreinigung mit Eiweißsubstanzen zurückzuführen. Der reine

Schleim entspricht der Formel C₆H₁₀O₅ (~C. Schmidt~). ~Giraud~ fand nur

Spuren N darin. Auch die Mineralsubstanzen sind schwer aus dem Schleim

zu entfernen. Selbst nach 20-30 maligem Fällen sind noch beträchtliche

Mengen darin (~Morin~). Die Menge des Schleimes beträgt c. 80%

(nach ~Church~ 55,5%, ~Herberger~ 79,1%). Er ist +ausschließlich+

Membranschleim (Kollode). Zucker fehlt im Carrageen (~Guibourt~).

Durch Destillation des Carrageen mit Schwefelsäure und Wasser erhält

man im Destillat +Fukusol+, ein Gemenge von Furfurol und Methylfurfurol

(s. bei _Laminaria_). C. enthält etwas +Fett+, aber keine Stärke, wohl

aber einen mit Jod rotbraun sich färbenden Inhaltskörper der Zellen,

der mit dem +Amylodextrin+ verwandt oder damit identisch ist (s. oben).

C. enthält etwas +Jod+ (~Steinberg~ (1842), ~Sarpati~, ~Grosse~,

~Ebers~), das sich schon in der Asche von 10 g leicht nachweisen läßt

(~Flückiger~, ~van Itallie~, vergl. auch unter _Laminaria_), und

+Brom+ (~Dupasquier~ 1843, ~Grosse~) in Form von Jodiden und Bromiden

des Na, Ca und Mg, aber wohl auch (oder nur?) organisch gebunden.

~Tunmann~ gelang es in 0,5-1,0 Carrageen Jod auf mikrochemischem Wege

nachzuweisen. Die +Asche+ beträgt 9,5-18% (14,15% ~Church~, 15,9%

~Jolles~). Sie ist reich an Sulfaten, z. B. Natrium- und Calciumsulfat

und Chloriden. ~Czapek~ gibt 20,61% Reinasche an und darin 17,32% K,

18,73 Na, 7,16 Ca, 11,35 Mg, 2,21 Phosphorsäure, 41,24 SO₃, 3,79 Cl.

Nach meinen Erfahrungen, die mit denen von ~Caesar~ und ~Loretz~ und

~Hauke~ übereinstimmen, kann man 18% Asche (als Maximum) verlangen.

~Hauke~ fand 15,32 bis 17,7%. ~Church~ fand, daß käufliches Carrageen

mehr Schwefel enthält als dessen Asche.

Der +Farbstoff+ ist in der Droge meist vollständig oder nahezu

vollständig durch Bleichen zerstört. Er ist in Chromatophoren

enthalten und ein Mischfarbstoff. Dieser Mischfarbstoff, den ~Cohn~

(1867) Rhodophyll nannte, besteht aus einem roten Farbstoff, der von

~Kützing~ (1843) als +Phycoërythrin+ bezeichnet wurde, und der schon

beim Übertragen der Pflanze in Süßwasser in dieses diffundiert, einem

gelben, dem Carotin ähnlichen Farbstoff (~Hansen~) und Chlorophyll.

Das Phycoërythrin hat im Spektrum 4 Bänder: 590-620, 550 bis 570,

520-540, 485 bis 585 (~Schütt~). Das +Phycoërythrin+, das ~Molisch~ in

hexagonalen Kristallen erhielt, scheint ein gefärbtes Protein oder eine

Eiweißverbindung ähnlich dem Hämoglobin zu sein.

[Illustration: Fig. 100.

Thallus von _Chondrus crispus_ mit _Flustra pilosa_ (_Fl. pil._)

besetzt. [+Tunmann+ gez.]]

=Lit.= Die ersten Analysen sind von ~Herberger~ (~Buchner’s~ Rep.

49, 134 auch in ~Wiggers~ Pharmakognosie 1840 und in ~Pereira~

Heilmittellehre) und ~Feuchtwangen~ (Amer. journ. of sc. and arts

XXVI). -- ~Dierbach~, Die neust. Entdeck. 1837 und Mat. med. 1841. --

~Blondeau~, Journ. ph. 1865, II, 159. -- ~Rochleder~, Chem. u. Phys.

d. Pflanz. -- ~C. Schmidt~, Ph. Jahresb. 1844. ~Lieb.~ Ann 51, S.

29. -- ~Steinberg~, Journ. p. Chem. 25, 379. -- ~Dupasquier~, Journ.

pharm. chim. méd. 1843, 113. -- ~Grosse~, Pharm. Zentralbl. 1839,

S. 125. -- ~Church~, Journ. of Botany 1876 und Proc. Amer. pharm.

assoc. 25, (1877), 177. -- ~Marchand~, Ann. chim. phys. VIII (1866),

p. 320. -- ~Giraud~, Etude compar. des gommes et mucilag. Thèse Paris

1875. -- ~Guibourt~, Journ. chim. méd. VIII, 663. -- ~Tollens~,

Kohlenhydrate. -- ~Bente~, Ber. chem. Ges. 8, 417, 9, (1876), 1158.

-- ~Pereira~, Heilmittellehre. -- ~Sebor~, Österr. Chem. Zeit. 3

(1900), 441 und Zeitschr. f. Zuckerindustrie in Böhmen 25, 94. --

~Hädecke~, Über die aus C. entstehenden Zuckerarten, Diss. Göttingen

1887. -- ~Hädecke~, ~Bauer~ und ~Tollens~, ~Lieb.~ Ann. 238, (1887),

302. ~Hädecke~, Diss. Göttingen. -- ~Muther~ und ~Tollens~, Ber.

d. chem. Ges. 1904, 298. -- ~Hansen~, Journ. pharm. 1896, 3, p.

462, Ann. agronom. 1896. -- ~Wheeler~ and ~Stanford~, Pharm. Journ.

XII, p. 642. -- ~Stanford~, ibid. XII, p. 1019 u. XIV, p. 1009. --

~Flückiger~, Pharmakogn. 3. Aufl. -- ~Flückiger~ und ~Obermaier~,

Schweiz. Wochenschr. 1868, 85. -- ~Tschirch~, Artikel Carrageen in

Realenzyklopädie. -- +Rhodophyll+ siehe ~Czapek~, Biochemie I, und

~Molisch~, Bot. Zeit. 52 (1894) 177. -- Mikrochem. Jodnachweis:

~Tunmann~ Pharm. Centralh. 1907, 506. ~van Itallie~, Arch. Ph. 1889,

1132. Ned. Tijdschr. 1889. Pharm. Zentralh. 1901.

=Geruch und Geschmack.= Der Geruch der Droge ist tangartig, der

Geschmack fade-schleimig, schwach salzig.

=Beimengungen.= In gutem Carrageen findet man fremde Algen nur in

sehr geringer Menge, da die Droge von diesen, sowie von Schnecken,

Korallen, Muscheln und Steinchen durch Auslesen befreit wird. Einige

Exemplare der Droge zeigen weiße oder grauweiße Überzüge von _Flustra

pilosa_ (Fig. 100), einer kleinen Bryozoë oder weißliche körnige

Calciumkarbonatreste einer Blätterkoralle. «Reichlich mit Polypen

besetztes C. ist zu verwerfen» (Pharm. helvet. IV.) In schlechter Droge

finden sich bisweilen: _Ceramium rubrum_ ~Ag.~, _Fucus canaliculatus_,

_Furcellaria fastigiata_ ~Lam.~ (_Fucus fastigiatus_ ~Huds.~),

_Laurencia pinnatifida_ ~Lam.~, _Chondria obtusa_, _Polysiphonia_arten,

_Hypnea confervoides_, _Stilophora rhizodes_, _Sphorochnus rhyodes_,

_Haleseris polypodioïdes_, _Porphyria laminata_, sowie (was ich

für zulässig halte): _Chondrus canaliculatus_ ~Grev.~, _Gigartina

acicularis_ ~Lamour.~ (mit zylindrischem gabelteiligem Thallus, ist

bis zu 40% im französischen Carrageen gefunden worden) und _Gigartina

pistillata_ ~Lamour.~, sowie andere _Chondrus_- und _Gigartina_arten.

=Prüfung.= Die Prüfung erstreckt sich, da die Droge nur in toto

verwendet wird, auf eine Durchmusterung. Bei zweifelhaften Stücken

empfiehlt sich Aufweichen in Wasser. Die 1 = 30 bereitete Gallerte darf

durch Jod nicht blau werden.

Mit schwefliger Säure gebleichtes Carrageen -- solches ist im Handel

-- sollte nicht medizinisch verwendet werden. Man prüft darauf

in folgender Weise: Wird C. mit 20 Teilen Wasser übergossen und

eine Viertelstunde lang mazeriert, so darf die davon abfiltrierte

Flüssigkeit blaues Lackmuspapier nicht röten. 20 ccm des Filtrates

sollen durch einen Tropfen n/10 Jod gelb gefärbt werden.

=Anwendung.= Das C. gehört zu den +Schleimdrogen+, also neben

_Althaea_, _Linum_, _Traganth_ und _Salep_. Es rangiert zudem unter

die schleimigen Vehikel. Die Ärzte brachten und bringen dem Carrageen

wenig Interesse entgegen. Man verwendet es als Nährmittel bei

Phthisikern (seit 1831), bei Katarrhen (~Stollwerks~ Brustbonbons,

Gelatina Carrageen, Pasta cacao carragenata, Saccharolatum

carragenat.) und zur Herstellung haltbarer Leberthranemulsionen, dann

zum Cataplasma artificiale von ~Lelièvre~ (Ersatz der unsauberen

Leinsamenbreiumschläge). Nur in Irland scheint es seit langem als

Heilmittel (bei Schwindsucht, Skrofeln, ~Kolb~) und als geringwertiges

Nahrungsmittel, z. B. zum Mästen von Kühen und Kälbern, benutzt worden

zu sein. Die größte Menge, besonders des amerikanischen Carrageens,

wird technisch verwendet und bildet ein wichtiges Ersatzmittel des

Gummis in der Zeugdruckerei, der Appretur, der Papierfabrikation,

der Textilindustrie (~Laboulaye~) und wird auch bei Herstellung der

Stroh- und Filzhüte, sowie zum Klären (Schönen) von Bier und Honig

benutzt. In der Kosmetik bedient man sich seiner zum Befestigen der

Haare (+Bandoline+). Neuerdings benutzt man es auch zur Herstellung von

Nährböden für bakteriologische Zwecke (~Miquel~). Das Kesselsteinmittel

+Végétaline naturelle+ enthält auch Carrageen.

=Lit.= ~S. Brown~, On the mucilage of the fungi with remarks on its

application to economical ends. New. Edinb. philos. journ. 26 (1839)

p. 409. -- ~Mérat~, Dict. scienc. medic. 1816. Fucus und Suppl. 1846.

-- ~Tschirch~, in Realenzykl. 2. Aufl. -- ~Laboulaye~, Dict. d. arts

et manufact. 1907 Lichen. ~Wolffsheim~, Journ. prakt. Heilk. 1836.

-- ~Meyer~, De fuco crispo, Dissert. Berlin 1835. -- ~Mouchon~,

Journ. de méd. de Lyon 1844. -- ~Hager~, Manuale. -- ~Pereira~,

Heilmittellehre.

=Geschichte.= Carrageen ist noch nicht lange in Anwendung, in

England seit 1831 (durch ~Todhunter~ in Dublin empfohlen), etwas

später in Deutschland (durch ~Gräfe~ aus England gebracht und durch

~Jobst~ empfohlen 1837), in Frankreich seit 1846 (empfohlen durch

~Guibourt~ 1832, ~Béral~ 1835). Die Anwendung zur Herstellung von

Cataplasmen empfahl ~Lelièvre~ 1875 (~Guéguen~). Die Anwendung in der

Industrie ist noch jüngeren Datums. Sie kam eigentlich erst auf, als

infolge der Sudanaufstände das Gummi knapp zu werden anfing. Nur in

Irland dürfte es als Heilmittel schon seit langem im Gebrauch sein

(~Flückiger~).

=Lit.= ~Todhunter~, Monthl. gaz. of health, Jan. 1831. -- ~Pereira~,

Elem. of mat. med. II (1845) part. I. 9. -- ~Dierbach~, Die neuest.

Entd. d. Mat. med. I (1837) 50, II S. 271. -- ~Flückiger~, Pharmak.

3. Aufl. und Pharmakographia. -- ~Guibourt~, Sur le Carragaheen,

Journ. chim. méd. VIII, 1832. -- ~Béral~, Ebenda, XI, 1835 u. Bull.

gén. de thérap. VIII, 1835.

=Paralleldrogen.= Als solche können alle Florideen aus der

Verwandtschaft von _Chondrus_ und _Gigartina_ betrachtet werden,

besonders _Gigartina acicularis_ (s. oben unter Beimengungen), denn

alle diese liefern, wenn sie zuvor gebleicht werden, einen farblosen

Schleim ähnlicher Eigenschaften. Als Carrageenersatz werden speziell

genannt: _Gelidium cartilagineum_ ~Gaill.~, _Gracilaria compressa_

~Grev.~, _Cyclocladia articulata_ ~Grev.~ und _Gloiopeltis_arten. Dazu

gehören auch die _Agar-Agar_ liefernden Algen (s. d. und ~Dragendorff~,

Heilpflanzen).

Stipites Laminariae.

=Syn.= Alga digitata, Riementang -- Laminaire digitée (franz.).

=Stammpflanze.= =Laminaria Clustoni= (~Edmonston~) ~Le Jolis~ als

besondere Art oder als Varietät von L. digitata (L.) ~Lamx.~ (Fucus

digitatus L., Hafgygia digitata Ktz.): =Laminaria digitata= (L.)

~Lamouroux~ β =Clustoni= ~Edmonston~ (-- auch Cloustoni oder Cloustonii

-- geschrieben). Die älteste Bezeichnung (1772), die vielleicht die

Priorität verlangt, ist: =Laminaria hyperborea= ~Gunnerus~.

~Cohn~ zeigte, daß unter _Laminaria digitata_ zwei Arten gehen: _L.

flexicaulis_ ~Le Jolis~ und _L. Clustoni_ ~Edmonston~, daß aber nur die

zweite Stäbchen liefern kann, da der Stipes der erstgenannten zu dünn

ist.

=Systemat. Stellung.= Phaeophyceae (Fucoideae) -- Phaeosporeae --

Laminariaceae.

=Beschreibung der Stammpflanze.= Die Laminarien sind große, braune

Meeresalgen, deren Thallus in ein vielfach gegabeltes, an den

Enden mit Haftscheiben versehenes wurzelartiges Haftorgan -- das

ursprüngliche Haustorium wird durch sog. Hapteren verdrängt --, einen

langen Stil (Stipes) und einen blattartig (daher _Laminaria_ von

Lamina = Blatt) ausgebildeten oberen Teil (Laubteil) gegliedert ist.

Sie wachsen interkalar, mit lokalisiertem, zwischen Stengel und Blatt

liegendem, interkalarem Vegetationspunkt. Das Haftorgan und der Stipes

perennieren, das Blatt wird alljährlich regelmäßig erneuert, das alte

abgestoßen (Fig. 101). Bei der _L. Clustoni_ tritt die eigentümliche

Blattform sehr früh auf. Die einfächerigen Sporangien sind in großen

Sporangienständen (Sori) vereinigt, die auf dem Blattkörper zerstreute

Flecke bilden (Fig. 101).

[Illustration: Fig. 101.

A-C _Laminaria Clustoni_.

A Habitusbild eines im Blattwechsel begriffenen Exemplars. B

Querschnitt durch den Stipes 2 cm oberhalb des Haftorgans. C Siebhyphen

des Stammes. D Längsansicht kürzerer Zellen: die Interzellularsubstanz

verschleimt.

E-F _Lamin. saccharina_.

[E Querschnitt durch einen fertilen Blatteil. F Drei Sporangienstände

mit einem entleerten und einem vollen Sporangium.

AB nach +Foslie+, C nach Wille, D nach +Luerssen+, EF nach +Thuret+.]]

_Laminaria Clustoni_ -- ~Flückiger~ will sie als besondere Art, _L.

hyperborea_ ~Gunn.~, betrachtet wissen -- geht weit in die See ins

Tiefwasser hinaus. Sie hat oft recht beträchtlich lange, starre,

aufrechte, runde, an der Basis sehr verdickte, gegen die Spitze

allmählich verdünnte, hellbraune Stipites, die plötzlich in den

recht ansehnlichen, bis 70 cm langen, hellbraunen, handförmig (daher

digitata) in breite Lappen geteilten, lederigen, kastanienbraunen

Laubteil übergehen. Der alte Laubteil wird alljährlich oben abgestoßen,

nachdem von unten her ein neuer gebildet worden ist. Man findet die

Laminarienstipites nach einer stürmischen Nacht oft in riesigen

Massen am Strande. Da sie rasch faulen, verbreiten diese Haufen rasch

einen sehr üblen Geruch. Die an den Küsten der Hebriden ausgeworfenen

Laminariastipites waren oft 7-8 Fuß lang, an der norwegischen Küste

wurden sogar 5 m lange Stipites beobachtet.

Die nahe verwandte _L. flexicaulis_ ~Le Jolis~ (_L. digitata_ (L.)

var. α _flexicaulis_, _L. stenophylla_ ~Harvey~, _L. digitata_ var.

_stenophylla_ ~Harv.~, _L. ensifolia_ ~Ktz.~) hat einen schmalen, in

wenig Lappen geteilten Laubteil und einer dünnen, biegsamen, nicht

starren, dunkelbraunen, fast schwarzen Stipes. Nach ~Foslie~ fehlen

dieser Art, die ruhigere Standorte und geringere Tiefe vorzieht, im

Stipes die Hohlräume und die Schichten, die Blätter erneuern sich nicht

so regelmäßig und das Blatt nimmt erst später seine endgültige Form an.

Die Auswitterungen bestehen bei dieser Alge aus Mannit.

_Lam. Clustoni_ findet sich in den nordischen Meeren, z. B. bei

Nordost-Finmarken, längs der norwegischen Küste, bei Dänemark, in der

Nordsee an den Küsten von Deutschland, Nordfrankreich, England, Irland

und Schottland, bei Spitzbergen und Grönland. Sie geht weiter in die

See hinaus als _L. flexicaulis_.

=Lit.= ~Clouston~ in ~Anderson~, Guide to the highlands and islands

of Scotland. London 1834. Append. VI, 721. (~Clouston~ studierte

zuerst die Entwicklung.) -- ~Foslie~ s. unten. -- ~Lamouroux~,

Dissert. sur plus. esp. de Fucus. Agen 1805. -- ~Harvey~, Phycologia

britannica. London 1846-51, t. 223. -- ~de Toni~, Sylloge algarum

omnium hucusque cognitarum. Vol. III Fucoideae. -- ~Le Jolis~, Exam.

d. espèc. confond. sous le nom de Laminaria digitata Mém. soc.

sc. nat. Cherbourg 2 ed. 1855 u. Nov. act. Ac. Leop. Carol. 1856

(Flora 1855. Jahresb. d. Pharm. 1867, 23). -- ~Edmonston~, Flora of

Shetland. Aberdeen 1845, 54. -- ~Agardh~, Spec., genera et ordin.

algarum. Lund 1848. -- ~Kützing~, Phycol. gener. Lips. 1843. --

~Grabendörfer~, Diss. Straßb. 1885. Bot. Zeit. 1885. -- ~Haaxmann~,

Tijdsch. v. wetensch. Pharm. III, 33. -- ~Esper~, Icones Fucorum

I, t. 48. -- ~Hartwich~, Laminaria in Realenzyklopädie. -- ~Cohn~,

Arch. Pharm. 179 (1867), 113. -- Weitere Lit. bei ~Kjellmann~ in

~Engler-Prantl~, Pflanzenfam.

+Abbild.+: ~Luerssen~, Medic. pharm. Botan. I, 98, Fig. 23. --

~Karsten~, Deutsche Flora 275. -- ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. --

~Kjellmann~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzfam. Alle Formen in: ~Foslie~,

D. Laminar. Norwegens. Christiania. Vidensk. Selsk. Forhandl. 1884.

10 Taf. (Bot. Jahresb. 1884, 379.) -- ~Harvey~ a. a. O. -- ~Postels~

u. ~Ruprecht~, Illustrat. algar. oceani pacifici. Taf. 12. -- Anatom.

Abb. ~Planchon-Collin~, Dr. s. p. 13. -- Erste Abbildung unter dem

Namen Fuco giganteo in ~Ferrante Imperato~, Dell’ historia naturale

1599, Fol. 743.

=Pathologie.= ~Rostrup~ (Mykologiske Meddelelser (V). Botanisk

Tidsskrift Vol. 19, 1895) beschreibt eine _Dothidella Laminariae_,

welche den Stipes von _Laminaria longicruris_ befällt. Ferner geben

~Cooke~ und ~Massee~ auf _Laminaria flexicaulis_ ein _Heterosporium

Algarum_ und auf faulenden Laminarienspreiten ein _Phoma Laminariae_

an; indes bleibt, namentlich im letztgenannten Falle, die Frage

offen, ob es sich wirklich um einen Parasiten handelt (~Ed.

Fischer~). Die Polypen und Florideen pflegen die Stipites der

_Laminaria flexicaulis_ zu meiden, während sie sich oft in großer

Zahl auf denen der _L. Clustoni_ finden. Über die Epiphyten der

Laminarien vgl. auch ~F. Tobler~, Englers Botan. Jahrb. 44 (1909).

=Morphologie.= Die Droge bildet verschieden lange, von der Seite fast

bandartig zusammengedrückte, hornartig harte, derbe Stücke, die glatt

brechen und außen grob längsrunzelig sind. Sie sind außen schwarzbraun,

innen grauweiß. Der Querschnitt ist länglich oval mit tiefbuchtigem

Umriß -- beim frischen Stipes kreisrund --, der Durchmesser c. 10

: 6 mm (frisch meist 25-30 mm, aber bis 40 mm). Die Stücke quellen

in Wasser auf und sind außen meist mit kleinen roten Florideen

(_Ceramium_, _Polysiphonia_, _Dictyosyphon_) und mit Kristallkrusten

oder Effloreszenzen besetzt, die vorwiegend aus Natrium-Sulfat und

Chlorid bestehen -- bei _Lam. flexicaulis_ enthalten die letzteren

Mannit. Das Lupenbild läßt eine schmale Rindenschicht, eine breite

Mittelschicht und eine dunkele, bisweilen geschwundene Markschicht

unterscheiden.

+Aus diesen eingetrockneten Stipites, und zwar besonders aus

der mittleren Schicht derselben, werden Voll- und Hohlstifte+

(Laminariastifte, Laminariakegel, Quellmeißel) +gedrechselt+. Legt

man dieselben in Wasser, so schwellen sie langsam auf das vier- bis

fünffache ihres Durchmessers an. Die unbearbeiteten Stipites selbst

sind nicht in Gebrauch.

[Illustration: Fig. 102.

Schleimkanal aus der Rindenschicht eines _Laminaria_-Stipes. C.

Meristem. [+Tschirch+.]]

=Anatomie.= Ich beschränke mich auf die Anatomie der allein

offizinellen Stipites. Der frische Stipes ist 3-4 cm dick. Die

Randpartie des Stipes ist engzellig und enthält, da sie das

+Assimilationsgewebe+ repräsentiert, reichlich Chromatophoren,

die auch in den folgenden Schichten, dort aber in geringerer Zahl

auftreten. Der Zellinhalt dieser und der anderen Schichten kann, wie

schon ~Wille~ hervorhob, nur an ganz frischen lebenden Exemplaren

studiert werden. Er ist äußerst empfindlich. An frischen Exemplaren

-- mir lagen solche aus Helgoland vor -- findet man gut wahrnehmbare

(bisweilen auch noch am trockenen Stipes deutliche) rundliche oder

gelappte braungrüne Chromatophoren, deren brauner Farbstoff leicht

in das Wasser diffundiert. Alsdann bleiben die Chromatophoren grün

gefärbt zurück. In der nächstfolgenden Schicht liegt eine Reihe von

Schleimhöhlen. Dieselben entstehen in der Weise, daß zunächst an

einer zentralen Zellgruppe durch Aufquellen der Interzellularsubstanz

(Mittellamelle) ein schmaler, schleimerfüllter, schizogener Gang

entsteht. der Gang sich dann erweitert und schließlich die Randzellen

thyllenartig in den Gang hineinwachsen (~Tunmann~), vgl. Fig. 102.

Lysigene Erweiterung, die ich auf Grund analoger Beobachtungen

bei Phanerogamen annahm (Angew. Anatomie Fig. 600), scheint nicht

vorzukommen oder doch selten zu sein. Ich fand gelegentlich losgelöste

Zellen im Innern. Die Schleimhöhlen sind langgestreckte, verschieden

breite Kanäle. Sie fehlen ganz jungen Stipites, in der Handelsware

sind sie ausnahmslos zu finden, nie in den Stiften. In der Nähe dieser

Schleimhöhlenschicht, sowohl außerhalb wie innerhalb derselben,

fand ich in den Zellen frischer Stipites der Wandung ansitzende

wulstig-traubige, cystolithenartige Körper, die bei näherer Betrachtung

sich als Bläschenhaufen erwiesen, bei denen jedes Bläschen eine dünne,

wahrscheinlich von Öl oder Plasma gebildete Haut und einen wässrigen

Inhalt führt. Tritt gewöhnliches (nicht Meer-) Wasser hinzu, so

fließen die zahlreichen Bläschen zu einer großen, mit einer stark

lichtbrechenden Flüssigkeit erfüllten Blase zusammen. Schließlich

platzt auch diese und man sieht an der Stelle dann nur einige

Öltröpfchen liegen. Die Schleimhöhlenschicht besitzt eine braungrüne

Farbe, das ganze Innere ist farblos und hebt sich erstere als sog.

Rindenschicht auch noch dadurch relativ scharf von dem zentralen Gewebe

stark ab, daß innerhalb der Schleimhöhlen ein Meristem zu liegen kommt,

welches durch seine cambialen Teilungen das sekundäre Dickenwachstum

der Stiele bewirkt. ~Reinke~ nennt die außerhalb des Meristems

liegende Zone Außenrinde. In der Zone, wo die einen ringsumlaufenden

Kranz bildenden Schleimhöhlen liegen, reißt das Gewebe leicht, so daß

sich oft die ganze braune Rindenschicht als Röhre ablöst.

Die Zellen der mittleren, an das sog. Cambium nach Innen zu

angrenzenden Partie sind rundlich eckig, in der Organsachse gestreckt

und lassen sich von der Initialzelle aus oft auf weite Strecken in

radialen Reihen verfolgen. Die Zellen der äußeren Reihen sind kurz,

an den Enden stumpf oder spitz oder mit querverlaufender Wand. Nach

innen zu werden sie immer länger und spitzer. An der radialen Längswand

sind große Tüpfel häufig (Fig. 101, D). Die zwischen der Zuwachszone

und dem «Mark» liegende Partie (~Reinkes~ Innenrinde), die oft die

Hauptmasse des Stipites ausmacht, zeigt häufig konzentrische Zonen

engerer Zellen, wodurch ein Querschnittsbild ähnlich den Jahresringen

eines Coniferenstammes entsteht (Fig. 101 B). Nicht selten kann man

8-20 solcher «Jahresringe» zählen. Einige Autoren halten sie auch für

echte Jahresringe. Es sind aber wohl nicht echte Jahreszuwachszonen,

sondern nur abwechselnde Schichten mechanischen und Speicher-Gewebes.

Wie ~N. Wille~ 1885 gezeigt hat, besitzen auch die höheren Algen ein

Assimilations-, ein Speicher-, ein Leitungs- und ein mechanisches

Gewebe. Das Assimilationssystem befindet sich bei _Laminaria_

vornehmlich in den blattartig ausgebreiteten Thalluslappen und in der

Randschicht der Stipites, das Leitungssystem auch im Stipes und das

mechanische und Speichersystem vorwiegend in diesem.

[Illustration: Fig. 103.

Querschnitt durch einen aufgequollenen Laminaria-Stipes. m Markschicht.

[+Luerssen+].]

Gegen das Zentrum des Stipes hin geht das Gewebe ziemlich unvermittelt

in ein krauses Durcheinander fädiger, hyphenartiger Zellen über.

Diese Schicht ist die sog. Markschicht (Fig. 103, m). In ihr liegen

die leitenden Organe, die Siebhyphen (Fig. 101, C). Die von ~H. Will~

zuerst bei _Macrocystis_ beobachteten +Siebhyphen+ (Siebröhren) fand

~N. Wille~ auch bei Laminarien. Hier sind die Enden der relativ

englumigen Röhrenglieder, ähnlich wie bei den Siebröhren der höheren

Pflanzen, angeschwollen. Die Querwände sind fein perforiert, der Inhalt

plasmareich. Die längsverlaufenden Siebröhren stehen durch zahlreiche

Queranastomosen in Verbindung. Das Siebröhrensystem des Stammes setzt

sich auch in die Gewebelamelle zwischen den beiden assimilierenden

Schichten der Blätter fort.

Besonders in der Mittel- und Markschicht sind die Membranen stark

verschleimt und zwar ist es fast ausschließlich die Mittellamelle

(Interzellularsubstanz), welche den Schleim liefert. Dieselbe schwillt

oft bis zu einer erheblichen Dicke an, während die sekundären

Membranverdickungsschichten stets dünn bleiben oder nur schwach

quellen. Doch sei bemerkt, daß die schleimige Interzellularsubstanz als

solche von vornherein angelegt wird und nicht etwa nachträglich aus

einer Zellulosemembran umgebildet wird. Durch Einlegen in Kupferacetat

läßt sich der Schleim härten (~Tunmann~). Die Schleimmembran ist eine

besondere chemische und morphologische Form der Membran vom Charakter

der (schleimartigen) Hemizellulosen. Die breite Interzellularsubstanz

gibt mit Jodschwefelsäure keine oder nur sehr schwache

Zellulosereaktion, mit ~Hansteins~ Anilinviolett färbt sie sich nur

schwach. Die schmale sekundäre Membran zeigt starke Zellulosereaktion

und färbt sich auch mit ~Hansteins~ Anilinviolett intensiv. Besonders

tritt Bläuung mit Jodschwefelsäure dann auf, wenn die Schnitte vorher

mit verd. Kali behandelt werden. Die Wandungen nehmen erst beim

Trocknen braune Farbe an (~Wille~).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 43 / 120 段