die Färbbarkeit der Schleimsubstanzen durch organische Farbstoffe
zur Einteilung und teilt sie in mucilages simples, m. mixtes und m.
indéterminés und die m. simples wieder in +mucilages cellulosiques+
(färbbar durch Orseilline BB und Naphtholschwarz in saurem Bade und
Congorot und Benzopurpurin in alkalischem Bade -- nie durch sog.
basische Farben), +mucilages pectosiques+ (färbbar durch basische
Farben in neutralem Bade, z. B. Bismarckbraun, Methylenblau, Bleu
de Nil und Rutheniumrot) und +mucilages callosiques+ (färbbar durch
Anilinblau in essigsaurem Bade und durch Corallin-Soda). Da alle uns
interessierenden Schleime, mit Ausnahme des _Salep_, in die zweite
Abteilung (m. pectosiques) gehören, hat diese Einteilung für uns
keinen Wert. Ich führe die weitere Einteilung auf morphologischer
Grundlage durch.
Die erste Gruppe der Koryzo-Membranindrogen bilden die, bei denen der
Schleim von der +Interzellularsubstanz+ gebildet wird. Hierzu gehören
alle Kryptogamen-Schleimdrogen. Die zweite Gruppe umfaßt die, bei
denen der Schleim von den +sekundären Membranverdickungsschichten+
gebildet wird. Bei ihnen finden wir entweder Schleimepidermen oder
Schleimendosperme oder Schleimzellen im Innern der Organe.
1. Schleime der Interzellularsubstanz.
Cryptogame Schleimdrogen.
Carrageen.
=Syn.= Caragaheen, Carragheen, Karragaheen, Lichen Caragaheen, Fucus
crispus s. hibernicus -- Irländisches oder Perlmoos, Seeperlenmoos,
Krauser Knorpeltang, Knorpelmoos, Krausmoos, Gallertmoos, Seemoos,
Felsenmoos -- mousse d’Irlande, goémon, mousse perlée (franz.) --
irish Moss, pearl moss (engl.). -- fuco carageo (ital.). -- jersch mos
(holl.) -- karagén (ung.) -- λειχὴν ὁ ἰρλανδικός (n. griech.).
=Etym.= Carrageen ist der in der irländischen Volkssprache aus
Corigeen oder Carraigeen (= Felsenmoos) entstandene Name der Alge.
Daß Corigeen aus κορίζα (= Schleim) und γίγνομαι (= entstehen)
entstanden sei (wie ~Wittstein~ meint), ist sehr fraglich. Carraigeen
ist wohl ein keltisches Wort (Stamm: car = Fels). Nach Aussage eines
Irländers ist die richtigste Schreibweise: Carraigeen (~Hanbury~),
Carraig (irisch = Fels, daher Felsenmoos). Mos, mossa (mosi, mus) ist
der skandinavische Ausdruck für alle laubigen Cryptogamen (nicht nur
für die Moose).
=Stammpflanze=: =Chondrus crispus= (L.) ~Stackhouse~ (Chondrus crispus
~Lyngbye~, Chondrus polymorphus ~Lamouroux~, Fucus crispus L.,
Sphaerococcus crispus ~Agardh~) und
=Gigartina mamillosa= (~Goodenough et Woodward~) ~J. G. Agardh~
(Sphaerococcus mammillosus ~Agardh~, Mastocarpus mammillosus
~Kützing~). Letztere Alge tritt in der Droge meist stark zurück.
=Etym.= χόνδρος = Knorpel, crispus = kraus, σφαῖρα = Kugel, κόκκος
= Kern, γίγαρτον = Weinbeerenkern, ρόδον = Rose, φῦκος = Tang. --
χονδρός bei ~Dioscurides~ ist, wie ich durch Vergleich der Abbild. im
Cod. constantinopol. ersehe, ein _Hordeum_.
=Systemat. Stellung.= Euphyceae -- Rodophyceae -- Gigartinaceae oder
Klasse: Rhodophyceae -- Unterklasse: Florideae -- Reihe: Gigartinales
-- Familie: Gigartinaceae -- Gigartineae.
[Illustration: Fig. 95.
_Chondrus crispus._ A. Starkgeteilter Thallus mit schmalen Lappen
B. Anderes Extrem, breitblattartiger Thallus, der nur an der Spitze
Teilungen zeigt. [+Tunmann+ gez.]]
=Beschreibung der Stammpflanzen.= +Chondrus+ (= Knorpeltang) und
+Gigartina+ (= Kerntang) sind etwa 7-15 cm hohe, +rote Meeresalgen+,
deren Farbe von rein rosenrot über purpurrot, rotviolett zu blauviolett
variiert, und deren laubiger, einer Haftscheibe aufsitzender Thallus
(Lagerstämmchen) einen ganz außerordentlichen +Polymorphismus+ zeigt
(Fig. 95). Bald ist er nur wenig geteilt, bald in zahlreiche Lappen
zerschlitzt, bald sind die Abschnitte breit, bald schmal, bald sehr
schmal, bald reicht die Zerschlitzung bis zur Basis, bald findet sie
sich nur an der Spitze breiter Lappen. Diese Variabilität war der
Grund, weshalb man früher zahlreiche (über 40) Varietäten unterschied.
[~Turner~ z. B. unterschied 9 Spielarten: virens, stellata, aequalis,
filiformis, patens, lacera, samiensis, geniculata und plana.] Die
Verzweigung, die stets rein dichotom ist, ist oft so groß, daß das
Ganze ein krauses Durcheinander bildet. Der Thallus zeigt sehr
deutliche Fadenstruktur.
Die Fortpflanzungskörper sind zweierlei Art: ungeschlechtlich
entstehende +Tetrasporen+ und durch einen Geschlechtsakt gebildete
+Cystocarpien+. Die Tetrasporen sind paarweise geteilt und bilden
Gruppen (Sori). Das weibliche Organ, das +Procarp+, besteht aus 4
Zellen. Die kleinste und innerste Zelle desselben, das +Carpogon+,
bildet einen fadenförmigen, über die Lageroberfläche heraustretenden
Fortsatz, die +Trichogyne+ (Fig. 96 A tr). An diese legt sich
zur Zeit der Fortpflanzung eines der in krugförmigen, an der
Thallusoberfläche zu Krusten vereinigten +Antheridien+ gebildeten,
unbeweglichen +Spermatien+ (Spermatozoiden) an. Es erfolgt
Kopulation. Die befruchtete Carpogonzelle kopuliert durch einen sehr
kurzen Ooblastemfortsatz mit einer zweiten Zelle des Procarps, der
+Auxilarzelle+. Diese sendet nunmehr in das Thallusgewebe ein Büschel
von gegliederten Fäden, den +Gonimoblasten+, dessen Endzellen und
oberen Gliedzellen sich schließlich zu +Sporen+ entwickeln. Diese
Sporen, die den von der Thallusrinde umhüllten +Fruchtkern+ bilden,
werden entweder vom +Cystocarpium+ durch Poren ausgestoßen und keimen
alsdann im Wasser oder die Keimung erfolgt schon im Cystocarpium.
[Illustration: Fig. 96.
A. _Endocladia vernicata._ Dreizelliger Carpogonast einer
Auxiliarzelle. c Carpogon. tr Trichogyne. [Nach +Hauptfleisch+.] B.
_Chondrus crispus_ mit Cystokarpien. [Nach +Kützing+.]]
[Illustration: Fig. 97.
_Gigartina mamillosa_ mit Cystokarpien. [Nach +Kützing+.]]
Bei +Gigartina+ ~Stackhouse~ (inkl. Mammillaria ~Stackhouse~
[Mastocarpus ~Kützing~], inkl. Chondrodictyon ~Kützing~, inkl.
Chondroclonium ~Kützing~ [Chondracanthus ~Kützing~], inkl. Sarcothalia
~Kützing~) liegen die ebenfalls durch Poren sich öffnenden
Cystocarpien in kleinen, zitzenartig über den Thallus hervortretenden
Fruchtzweigchen (Fig. 99). Der Fruchtkern ist hier von einer Faserhülle
umgeben.
Bei +Chondrus+ (~Stackhouse~) ~J. Agardh~ sind die Cystocarpien oval,
meist einseitig schwach vorspringend, über die Hauptsprosse des Thallus
verteilt.
=Lit.= Chondrus crispus ~Stackhouse~ apud ~Lemouroux~ in Ann. Mus.
XX, 126. -- ~Lyngbye~ Hydr. dan. p. 15, Tab. 5, A. B. -- ~J. G.
Agardh~ Florid. 246 und Alg. med. p. 104. -- ~Schmitz~ Sitzungsber.
d. Berl. Akad. 1883, 223. -- ~Schmitz~ und ~Hauptfleisch~ in
Engler-Prantl Nat. Pflanzenf. I (2), 356 u. 357 (dort die übrige
botanische Literatur). -- ~Berg-Schmidt~, Atlas S. 75 t. 162 (dort
die systematische Literatur).
+Abbild.+ ~Morison~, Plant. hist. univers. Oxoniae (1699), III tab.
11 (Erste Abbild. von Chondr. crisp.) -- ~Berg-Schmidt~, Atlas, Taf.
162. -- ~Pabst-Köhlers~ Medizinalpflanzen 80. -- ~Planchon-Collin~,
Drog. simpl. p. 15. -- ~Bentley-Trimen~, Medic. plants IV, Taf. 305.
-- ~Rabenhorst~, Cryptogamenflora. -- ~Lyngbye~ a. a. O.
=Vorkommen.= Die Carrageenpflanzen sind Meeresalgen, die an den
Westküsten des Atlantischen Ozeans von Norwegen (Nordkap) bis Spanien,
besonders reichlich bei Irland, aber auch bei den Azoren vorkommen
und an der nordamerikanischen Küste sich überall dort finden, wo
die Küstenkonfiguration Westküsten erzeugt (Kap Cod Bay). _Chondrus
crispus_ fehlt im Mittelmeer und der Ostsee.
=Pathologie.= Auf marinen Algen sind parasitische Pilze im
allgemeinen selten, doch sind solche auch auf _Chondrus crispus_
beobachtet worden. Unter denselben ist besonders der Pyrenomycet
_Leptosphaeria Chondri_ ~Rosenvinge~ (_L. marina_ ~Rostr.~ non
~Ell. et Ev.~) zu nennen, der seine Perithecien, vermischt mit
_Phoma_-Conidien, auf den Tetrasporangiensori und Cystocarpien bildet
(s. ~L. Rosenvinge~ in Botanisk Tidsskrift Bd. XXVII 1906 p. 33 ff.)
Außerdem wird von ~Jones~ eine _Sphaerella Chondri_ beschrieben
(Ed. Fischer). Über die Überzüge von _Flustra_ vergl. unten unter
Beimengungen.
=Einsammlung.= Gesammelt wird das europäische Carrageen im Norden und
Nordwesten Irlands, gelangt nach Sligo und von dort nach Liverpool.
Ferner in neuerer Zeit in der Bretagne zwischen Plougreseant und
Perros-Guirec im Tréguier. Über Port Blanc gelangt das Produkt nach
Hamburg. Die französische Regierung hat 1890 Maßregeln ergriffen,
dem unsinnigen Ausreißen des Knorpeltangs Einhalt zu tun. Das
amerikanische, meist vortreffliche Carrageen bildet die Hauptmenge
des Handels. Es besteht fast nur aus _Chondrus crispus_. Es wird in
Plymouth (Massachusetts) bei Scituate und Cohasset an der Cape Cod Bay
gesammelt. Das Geschäft betreiben dorthin eingewanderte Irländer.
Man sammelt die Alge entweder mit der Hand bei der großen Ebbe vor
den Springfluten (die besten Sorten) oder mit einem eisernen Rechen
bei den kleinen Ebben (die schlechteren, technischen). Dabei wird der
Thallus fast immer von der Haftscheibe abgerissen. Die abgelösten
Pflanzen werden dann an der Sonne gebleicht, um den roten Farbstoff zu
entfernen, in mit Süßwasser gefüllten Fässern gerollt und nochmals an
die Sonne gebracht (~Melzar~, ~Bates~), wohl auch mit schwefliger Säure
nachgebleicht (~Guéguen~). Durch diese Behandlung wird die schön rote
schlüpfrige Alge gelblich weiß und knorpelig hart. Die Haupternte, die
den Preisgang bis zum Frühjahr reguliert, beginnt Mitte September.
~Krämer~ berichtete (1899) über die Einsammlung in Amerika. Die
Ufer der Bucht von Scituate, die etwa 10000 Pfd. Carrageen p. a.
exportiert, fallen allmählich gegen die brakige Marsch ab. Dort wird
das Carrageen von Ende Mai bis September gesammelt, am meisten im Juni
und Juli. Die Sammler und Sammlerinnen arbeiten oft mit den an langen
Stangen befestigten schweren eisernen Rechen von 4 Uhr morgens bis 8
Uhr abends. Die Segler gehen mit der Halb-Ebbe hinaus und kommen mit
der Halb-Flut zurück. Ein Sammler kann 50 Pfd. pro Tag sammeln. Das
frische Carrageen wird in zwei Fuß im Durchmesser haltende hölzerne
Tröge (boxes) geschüttet, dann ausgebreitet und eine Woche der Luft
und Sonne ausgesetzt. Dann ist es schon hellpurpurgelb. Nun wird es in
halbe «hogsheads» (Fässer von 50-70 Gallonen) getan und mit Segeltuch
zugedeckt. Diese Fässer werden an klaren Tagen zu den brakigen
Marschen gerollt. Sie werden dann mit Wasser gefüllt, die Leinwand
wieder darüber getan und das Ganze wieder hinaufgerollt. Dann wird
das Carrageen wieder ausgebreitet und unter öfterem Umwenden weiter
gebleicht. Schließlich wird es in Fässern oder Ballen verpackt.
=Lit.= ~Melzar~, Proc. am. pharm. assoc. 1860, p. 165. -- ~Bates~,
Gathering and curing of carag. in Massachusetts, Amer. journ. ph.
1868, p. 417, Ph. Journ. XI (1869) 298 und VIII (1878) 304. --
~Krämer~, Am. journ. pharm. 1899, p. 481, Pharm. journ. 1899 Nr.
1527. -- ~Guéguen~, Le carag., ses emplois pharm. et industr. et sa
recolte en Bretagne. Bull. sc. pharmac. X (1904) p. 225.
=Handelssorten, Handelswege, Verpackung.= Der Handel unterscheidet C.
naturale -- depuratum -- electum albissimum. Nur das letztere ist für
Heilzwecke brauchbar. Der Großhandel bezeichnet: elect (⅟₁ und ¾) --
fein A -- fein B -- fein C -- 0000 -- 000 -- 00 -- ff. naturell 0 --
fein nat. 1 -- gut. (=Grossmann=) Haupteinfuhrhafen und Handelsplatz
für Carrageen ist Hamburg. Carrageen kommt meist in gepreßten Ballen zu
50 und 100 kg in den Handel. Es wird im Großhandel meist als Lichen (!)
Carragheen bezeichnet, von allen Bezeichnungen die unrichtigste, denn
es ist doch keine Flechte, ebensowenig wie ein Moos.
[Illustration: Fig. 98.
_Chondrus crispus_. A. Querschnitt durch ein Cystokarpium, schwach
vergrößert. B. Ein Stück stärker vergrößert. r Rindenschicht, m
Markschicht, s Sporen. [Nach +Luerssen+.]]
=Morphologie der Droge.= _Chondrus crispus_ besitzt einen kurzen, fast
zylindrischen Stiel und einen kleinen, höchstens handgroßen, 4-15 cm
hohen, fleischigen, knorpeligen (daher _Chondrus_, s. oben Etym.),
flachen, gallertartigen, laubartigen, am Rande etwas wellig krausen,
wiederholt gabelig, in breitere und schmälere Lappen +dichotom+
zerteilten, nach oben fein zerschlitzten, an der Spitze gestutzten,
ausgerandeten, bei der Droge gelblichen, hornartig durchscheinenden
Thallus. Die +Gestalt und die Zahl der Lappen ist sehr variabel+ (s.
oben). Dieselben sind entweder schmal, linealisch, gespreizt mit den
äußersten Ästen durcheinander geschoben, am Ende abgerundet, gestutzt
oder seicht ausgerandet (so der Typus) oder sie sind stark verbreitert,
bedecken einander zum Teil, sind an den Rändern wellig gekräuselt oder
unregelmäßig gelappt. Der Thallus ist am Grunde mit einer kleinen, am
Gestein fest haftenden Scheibe (Haftscheibe) versehen, die jedoch, da
die Droge beim Einsammeln von dem Boden abgerissen wird, derselben so
gut wie immer fehlt. Eine Haftscheibe trägt oft mehrere Sprosse. Der
laubartigen Form des Thallus verdankt die Pflanze die Bezeichnung
+Moos+ (s. oben Etym.). Bei weitem nicht alle Exemplare der Droge
enthalten Fortpflanzungsorgane. Die +Cystokarpien+ (Sporenfrüchte)
sind in Form von oval-halbkugeligen, aus der Ebene des Thallus nur
wenig buckelig hervorragenden, flach warzenförmigen Erhebungen an
der Thallusoberseite sichtbar (Fig. 98). Unterseits entsprechen
ihnen (besonders an der trockenen Droge) oft flache Vertiefungen.
Sie enthalten zahlreiche Karposporen (Fig. 98). Die +Tetrasporen+
finden sich im Thallus zerstreut in kleine, die Thallusfläche schwach
vorwölbende Häufchen vereinigt. Sie sind an der Droge sehr viel
seltener zu finden als die Cystokarpien.
Der gallertig-fleischige, verschieden verzweigte Thallus von _Gigartina
mamillosa_ ist nicht flach, sondern durch Aufwärtsbiegen der Ränder
rinnenförmig (nur selten ist auch hier der Thallus flach riemenförmig).
Die Abschnitte sind schmäler. Die meist in großer Anzahl vorhandenen
+Cystokarpien+ sitzen in kurzen, umgekehrt eiförmig-ellipsoidischen,
papillösen (daher mamillosus = zitzenförmig) und kurz gestielten
Exkreszenzen der Thallusoberfläche (Fig. 99). In der Droge erscheinen
diese «Fruchtzweigchen» oft etwas umgebogen und gleichen Dornen (Fig.
97). Den häutigen Haftscheiben entspringen mehrere bis 20 cm hohe
Sprosse. Im Habitus ist _Gigartina_ dem _Chondrus_ ähnlich und wie
dieser in der Zerteilung des Laubes variierend.
Die Farbe dieser Florideen ist im frischen Zustande prächtig rot und
wird erst durch den Bleichprozeß (s. oben) in die charakteristische
gelbliche Farbe übergeführt, doch zeigen hier und da besonders die
Spitzen des Laubes und die Tetrasporenhäufchen auch in der trockenen
Droge noch eine schön rote Farbe. Die Farbe der trockenen Droge ist
weiß oder gelblich oder gelblich weiß.
[Illustration: Fig. 99.
_Gigartina mamillosa._ Längsschnitt durch einen Thalluslappen mit einem
Cystokarpium.
[Nach +Luerssen+.]]
Die trockene Droge ist fast geruchlos. Mit kaltem Wasser angequollen
(wobei Carrageen seine ursprüngliche Gestalt wieder annimmt),
entwickelt es den charakteristischen sogenannten Seegeruch, der
Geschmack ist schleimig fade, besonders bei den schlechteren Sorten
etwas salzig. Kocht man es mit dem 30fachen Gewicht Wasser, so erhält
man einen beim Erkalten erstarrenden, gallertigen Schleim.
=Anatomie.= Der Thallus des Carrageen besteht aus zwei Schichten,
der zentralen Markschicht und der beiderseits dieser aufliegenden
Rindenschicht. «Von einem mittleren Strange dünner, längsverlaufender,
hier und da gegabelter Markfäden (Leitungsgewebe) zweigen auswärts
zahlreiche, wiederholt gegabelte Rindenfäden ab, die einwärts etwas
lockerer, aber doch ziemlich dicht geordnet, auswärts dicht seitlich
zusammenschließen zur Bildung einer kleinzelligen, antiklinreihigen
Außenrinde» (Assimilationsgewebe). Die Vegetationsspitze zeigt eine
fächerförmig strahlende Faserstruktur.
Die sich leicht von der Markschicht ablösende Rindenschicht besteht
aus 4-5 Reihen außen sehr englumiger, nach innen zu allmählich weiter
werdender kleiner rundlicher Zellen (+Rindenfäden+). Die äußerste,
sehr enge Zone ist von einem in Schwefelsäure unlöslichen Häutchen
das in seinem Verhalten etwas von der Cuticula der höheren Pflanzen
abweicht (~Tunmann~), sowie bisweilen von ausgetretenen Schleimmassen
bedeckt. Die Zellen der Rindenschicht stehen bisweilen, wie Behandeln
des Schnittes mit Jodschwefelsäure lehrt, durch zarte Plasmafäden in
offener Kommunikation miteinander, aber nur in radialer Richtung.
Bisweilen sitzen auf einer weiten Zelle an der Grenze von Rinde und
Markschicht zwei, auf jeder dieser wiederum zwei Zellen und so fort,
so daß baumartige Bildungen entstehen, deren Elemente untereinander
kommunizieren. Der Inhalt der Rindenzellen wird durch Jodwasser und
Osmiumsäure nicht verändert, Jodjodkali färbt stark gelb, Millons
Reagens rötlich. Er enthält hauptsächlich die Reste der Chromatophoren
neben Amylodextrin. Die Lumina der Rindenzellen sind rundlich oder
oval. Je weiter nach innen zu, um so weiter werden die Zellen, um so
unregelmäßiger ihr Lumen und um so reichlicher das Amylodextrin im
Inhalt. In der breiten Markschicht ist das Lumen selten rundlich, meist
oval, schlauchartig gestreckt. Durch schmale geschlossene Tüpfel, neben
denen die Membran derber ist, stehen die Lumina benachbarter Zellen
miteinander in Verbindung (Siebhyphen ~Wille~). Bisweilen schien es
mir, als ob die dünne Tüpfelmembran mittelst sehr feiner Kanälchen
durchbrochen sei, so daß also auch hier eine offene Kommunikation
hergestellt sein würde. (Also Makroporen mit Mikroporen, ~Wille~.)
Die großen Markschichtzellen (+Markfäden+) besitzen wie die 5-10mal
kleineren Rindenzellen eine das Lumen auskleidende, nicht sehr dicke
sekundäre, aus mehreren z. T. amyloidischen (~Tunmann~) Lamellen
bestehende Membranverdickungsschicht und eine außerordentlich
breite, durchweg verschleimte Interzellularsubstanz (+Kollode+). Die
letztere löst sich schon in kaltem Wasser leicht. +Sie liefert in
allererster Linie den Carrageenschleim.+ Die das Lumen umgebende,
bisweilen, besonders in der Nähe der Tüpfel, Schichtung zeigende
Innenhaut löst sich wenig oder gar nicht, sie besteht aus einer
eigenartigen Cellulose, wird durch Jodschwefelsäure blau, durch
Chlorzinkjod zunächst hellblau, dann dunkelblau, durch Jodjodkali,
nach längerem Liegen, blau -- was alles bei der verschleimten
Interzellularsubstanz nicht der Fall ist, die auch auf Chlorzinkjod
nicht reagiert und auch Farbstoffe wenig aufnimmt, doch färbt sie
sich mit den sog. Pectinfärbemitteln: Methylenblau, Naphtylenblau und
Bismarckbraun (~Tunmann~). Nach ~Wisselingh~ wird die verschleimte
Interzellularsubstanz durch Glyzerin bei 300° zerstört. Rutheniumrot
färbt alle Membranteile rot. Der aus zahlreichen kleinen rundlichen
oder ovalen Körnchen bestehende Inhalt der Markzellen färbt sich mit
Chlorzinkjod rotviolett, mit Jod violett bis rotbraun. Erwärmt man
einen mit Jod gefärbten Schnitt, so verkleistern die Körnchen und in
der Zelle liegt ein rotvioletter Ballen. Der Inhalt der Zellen der
Markschicht verhält sich also wie +Amylodextrinstärke+ (vergl. oben
S. 199). Ich habe sie denn auch bereits 1888 als solche bezeichnet.
Gewöhnlich wird sie +Florideenstärke+ genannt. Werden dünne Schnitte im
geschlossenen Rohr einen Tag lang mit alkoholischer Kalilauge erwärmt
und nach dem Abwaschen einige Stunden in Jodjodkali gelegt, so färbt
sich der Inhalt der Zellen, nicht die Wand, blau (~Flückiger~). Die
Markschicht macht die Hauptmasse der Droge aus. Ihre Zellen sind in
Größe und Form sehr unregelmäßig. In der Nähe des Fruchtkerns der
Cystokarpien, die man ziemlich häufig an der Droge antrifft, sind
sie kurz. Der Fruchtkern (s. oben) des Cystokarpiums bildet bei der
Droge meist ein unregelmäßiges Flechtwerk geschrumpfter Stränge,
dessen Lücken zahlreiche, zusammengehäufte, an Amylodextrin reiche
Sporen eingelagert sind. Dieser dem Thallus eingesenkte Fruchtkern
ist bei _Chondrus_ nicht von einer besonderen Faserhülle umgeben.
Die Sporen der Cystokarpien sind rundlich, oval, birnförmig oder
unregelmäßig und bilden Häufchen, die oft zu mehreren vereinigt in der
Markschicht liegen und eine oft beiderseitige flache Hervorwölbung der
Rindenschicht erzeugen, so daß die Cystokarpien durch runde Warzen auf
der Thallusoberfläche sich bemerkbar machen. Die Sporen bilden die
Endglieder kurzer, oft mehrmals gabelig verzweigter Zellreihen. Bei
_Gigartina_ liegen die Cystokarpien in dornartigen Ausstülpungen des
Thallus (s. oben).
Um die anatomischen Verhältnisse zu studieren, präpariert man am besten
in Alkohol und läßt allmählich verdünntes Glyzerin zufließen. Durch
Wasser quillt der trockene Querschnitt auf die doppelte Breite.
=Lit.= ~Vogl~, Komment. z. österr. Pharmak. VIII. 1908. --
~Tschirch~, Angew. Anat. S. 100. -- ~Berg~, Anat. Atl. t. II. --
~Schmitz-Hauptfleisch~ in Engler-Prantl, Pflanzenfam. I, 2. -- Für
die _Florideenstärke_: ~Nägeli~, Stärkekörner, S. 533. -- ~van
Tieghem~, Compt. rend. 61, p. 804. -- ~Schmitz~, Chromatophoren,
S. 151. -- ~Schimper~, Pringsh. Jahrb. XVI, S. 199. -- ~N. Wille~,
Bidrag til algernes physiologiske anatomi. Svensk. Vetensk. Akad.
Handling. 1885. -- ~Hansen~, Mitth. zool. Stat. Neapel XI. --
~Bruns~, Flora 1894, Ergänzb. S. 173. -- ~Kolkwitz~, Ber. d. Bot.
Ges. XVII, S. 247, Zeitschr. wiss. Mikrosk. XVII, S. 263. --
~Tunmann~: Anatomie und Inhaltsstoffe von Chondrus crisp. Apoth.
Zeit. 1909, Nr. 17. -- Erste Abbild.: ~Oudemans~ Atlas 1854.