Holzschlifffabrikation 1898, sowie Praxis d. Papierfabrikation 1897.
-- ~Wilhelm~ und ~Zeisel~ in Wiesner, Rohstoffe. 2. Aufl. -- ~A.
Meyer~, Grundlagen u. Methoden f. mikrosk. Unters. d. Pflanzenpulver
1901. -- ~C. Piest~, Die Zellulose, ihre Verarbeitung u. ihre chem.
Eigensch. 1910. -- +Der technisch verwendeten Hölzer+: ~Nördlinger~,
Technische Eigenschaften d. Hölzer. Stuttgart 1860. -- ~Sanio~, Vgl.
Unters. über die Zusammensetz. d. Holzkörpers. Bot. Zeit. 1863. --
~de Bary~, Vgl. Anatomie. -- ~Krah~, Über d. Verteil. d. parenchymat.
Elemente im Xylem u. Phloëm d. dikotylen Laubbäume. Berlin 1883. --
~Moeller~, Die Rohstoffe d. Tischler- und Drechslergewerbes 1883,
Nutzhölzer in ~Dammers~ Lexikon und Artikel Holz in Realenzyklopädie
d. ges. Pharm. -- ~R. Hartig~, Die anatom. Unterscheidungsmerkmale
d. wichtigeren in Deutschl. wachsend. Hölzer. 1890. -- ~Wiesner~
a. a. O. -- ~Meyer~ a. a. O. -- ~Hanausek~ a. a. O.
5. Pektino-Membranindrogen.
Der Name Pektin rührt von ~Braconnot~ her, der (1825) die
Gallertsubstanz der Früchte erst +Pektinsäure+ (von πηκτός = geronnen),
dann (1831) +Pektin+ nannte (~Guibourt~ sprach von Grosselin). Ob
das Pektin eine Membransubstanz ist oder nicht, war bis vor kurzem
noch nicht ganz sicher. Einige suchten es im Zellinhalte, andere in
verschiedenen Teilen der Membran. Die Untersuchungen, die ich 1907 mit
~Rosenberg~ durchgeführt habe, haben die Zweifel beseitigt: +es geht
aus der Interzellularsubstanz hervor+, weder die sekundäre Membran
noch der Zellinhalt sind an seiner Bildung beteiligt. Außer ~Payen~
verlegen auch ~Mangin~, ~Kabsch~, ~Vogl~, ~Wiesner~, ~Herzfeld~ die
Pektinbildung in die Mittellamelle. Die Interzellularsubstanz muß
nahe verwandt mit dem Pektin (der Pektinsäure der Autoren) sein. Aber
nicht immer geht sie in Pektin über. Es scheint, daß dazu bestimmte
Bedingungen erfüllt sein müssen, wie sie besonders in reifenden
Früchten und einigen Wurzeln eintreten. Gewöhnlich bezeichnet man
die in Pektin übergehende Substanz als Pektose (~Frémy~). Ich nenne
sie +Protopektin+. Darnach würde also die Interzellularsubstanz
vielleicht immer, wenigstens bei den pektinbildenden Pflanzenteilen,
aus Protopektin bestehen. In reifenden Früchten kann man den Übergang
des Protopektins, das in Wasser und auch in Kupferoxydammoniak
unlöslich, in 2% Natronlauge (nach Vorbehandlung mit Salzsäure) und
in Ammoniumzitrat aber löslich ist, in Pektin, das sich in konz.
Zuckerlösungen löst, durch mikrochemische Reagentien verfolgen.
Während sich nämlich Protopektin (Pektose ~Frémy~, pektinsaurer Kalk
~Mangin~) leicht mit Jodgrün, ~Hofmanns~ Violett, Naphthylenblau,
Ammoniumrutheniumsesquichlorid (Rutheniumrot, Ru₂Cl₆·4 NH₄Cl) färbt
(~Mangin~) -- am besten reagiert Neutralviolett und Rutheniumrot
in sehr verdünnter Lösung (~Rosenberg~) --, verschwindet das
Farbstoffspeicherungsvermögen mit fortschreitender Pektinbildung.
Wenn die +Pektinmetamorphose+, wie ich diesen Vorgang genannt habe,
abgeschlossen ist -- was beim Reifen der Früchte eintritt --, so ist
das Endprodukt in Zuckerlösung löslich bzw. gelatiniert nach dem
Erhitzen mit Zuckerlösung (~Tschirch~ und ~Rosenberg~).
Über die chemische Beschaffenheit des Pektins, das wohl mit der
Pektinsäure anderer Autoren bzw. dem sog. Calciumpektat identisch
ist, sowie des Protopektins wissen wir wenig, doch verhalten sie sich
jedenfalls wie Zellulosine. ~Scheibler~ erhielt bei der Hydrolyse
der Metapektinsäure der Rüben Arabinose (Pektinose), ~Herzfeld~ aus
Rübenpektin, ~Javillier~ aus Quittenpektin +Arabinose+ und +Galaktose+.
Ebenso fand ~Müntz~ Galaktose. Auch das Pektin der Enzianwurzel und der
Hagebutte lieferte diese beiden Zucker, das der Apfelsinen d-Glukose,
Galaktose und l-Xylose; das der Kirschen, Äpfel, Johannisbeeren,
Reineclauden, Rhabarberstengel und Mohrrüben noch andere Hexosen und
Pentosen (~Tromp de Haas~ und ~Tollens~). Jedenfalls erhält man bei der
Oxydation z. B. des Rübenmarks mit Salpetersäure viel Schleimsäure, das
Oxydationsprodukt der Galaktose. Etwas Xylan enthält das Pektin der
Äpfel (~Bauer~) und in vielen anderen Pektinen ist ein d-Galaktoxylan
enthalten (~Bauer~, ~Prinsen-Geerligs~). Die Pektine liefern also
bei der Hydrolyse Pentosen und Hexosen, enthalten also Pentosane und
Hexosane, vorwiegend Galaktoaraban und Arabangruppen, sind also zu
den Hemizellulosen zu rechnen. Sie reagieren schwach sauer und man
trifft daher auch Säuren unter den Spaltungsprodukten. ~Tollens~
vermutet, daß die Pektine ursprünglich neutrale Laktone oder Ester den
Glykosidosäuren nahestehender, kohlehydratartiger Substanzen sind,
die in Berührung mit Alkalien leicht in die Salze der betreffenden
Säuren übergeben. ~Cross~ hält sie eher für lösliche, unbeständige
Übergangsformen der Hemi-, Oxy- und Lignozellulosen.
Welche Rolle die Erdalkalien spielen, ist noch unaufgeklärt.
Wahrscheinlich ist Kalk, der ja auch in vielen Schleimmembranen
(_Laminaria_, _Linum_, _Cydonia_), in der resinogenen Schicht und den
Gummis auftritt, ein regelmäßiger Bestandteil der Pektine. ~Mangin~
ist der Ansicht, daß die Pektosen junger Zellwände mit der Zeit in
Pektinsäuren übergehen, die Kalk aufnehmen und in Calciumpektate
übergehen; ~Devaux~ meint jedoch, daß auch ältere Mittellamellen aus
Pektosen bestehen. Durch andauerndes Kochen des Pektins (oder der
Pektose) mit Wasser entsteht das sauer reagierende +Parapektin+, das
mit Wasser aufquillt und 30% Schleimsäure, sowie 14,2% Furol liefert,
also ebenfalls Galaktose und Arabinose liefernde Gruppen enthält
(Araban, γ-Galaktan?). Der Pektinsäure gibt ~Frémy~ die Formel:
C₃₂H₄₄O₃₀, ~Regnault~: C₁₂H₁₆O₁₁, ~Mulder~: C₁₂H₁₆O₁₀, ~Chodnew~:
C₁₄H₂₂O₁₄.
+Pektosen+ werden schon in der Kälte leicht hydrolysiert, wobei
+Pektinsäuren+ und Arabinose entsteht. Ebenso wirkt die +Pektinase+,
die auch das Calciumpektat weiter spaltet (~Bourquelot~ und
~Hérissey~). Der unlösliche Membranbestandteil, der aus Pektin,
Parapektin und Metapektinsäure entsteht, wurde, wie erwähnt, Pektose
genannt. Der Name ist irreführend, da er eine Zuckerart vermuten läßt,
und sollte fallen gelassen und durch Protopektin ersetzt werden. Pektin
wird durch Alkohol koaguliert, auch zahlreiche Pflanzenauszüge (wie
solche der Kartoffeln, der Zuckerrüben usw.) koagulieren das Pektin,
wobei ein Enzym (Pektase) in Aktion treten soll (?), das aber nur
in Gegenwart von Ca-, Sr- oder Ba-Salzen und nicht in saurer Lösung
wirkt. Die Pektinase soll das Gelatinieren hindern (~Bourquelot~).
Doch bewirken schon die Calciumsalze allein die Fällung in Form von
Pektinaten. ~Frémys~ und ~Herzfelds~ Pektin ist optisch-inaktiv,
~Andrliks~ Pektin dreht 3-4 mal stärker rechts als Rohrzucker, und die
Pektine von ~Bourquelot~ und ~Hérissey~ zeigen Rechtsdrehungen von
+82,3 bis +194,1. Alle halten Pektin für in Wasser löslich.
~Rosenberg~ und ich konnten weder durch kalte noch durch heiße
Extraktion von Früchten ohne weiteren Zusatz eine in der Kälte
gelatinierende Lösung erhalten -- auch nicht wenn die Lösung
eingedampft wurde. Wohl aber erhält man leicht eine Gelatine, wenn man
die Früchte oder einen heißen Auszug derselben unter Zuckerzusatz
kocht und die Flüssigkeit erkalten läßt. Diese Pektingelatine ist
entweder eine feste Pektinzuckerlösung oder eine Pektinzuckerverbindung.
Immerhin scheint es besonders nach ~Frémys~ Versuchen möglich, daß auch
andere Substanzen, wie Zucker, Gelatinebildung bewirken; ob jedoch
das Enzym Pektase ein solcher Körper ist, erscheint noch zweifelhaft.
Für die Praxis der Fruchtgeleefabrikation kommt aber wohl nur Zucker
in Betracht. Da Zuckerlösung das Pektin in der Pflanze zum Quellen
und Gelatinieren bringt und dadurch die Zellen des Fruchtfleisches
voneinander gelöst werden, so hat vielleicht die Zuckerbildung in
den Früchten den Zweck, das Fruchtfleisch aufzulockern und so den
Zerfall der Frucht und das Herauslösen der Samen zu beschleunigen.
Die sog. «Auskleidungen der Interzellularen», die oft als Knöpfe
oder Stäbchen in den Interzellularraum ragen (s. hinten Lit.), sind
ebenfalls Pektin (pektinsaurer Kalk, ~Mangin~) und auch die resinogene
Schicht der schizogenen Sekretbehälter (~Tschirch~) muß Beziehungen zum
Pektin haben. Da Pektin meist als Protopektin die Zellen miteinander
verkittet, müssen alle Substanzen, welche Protopektin lösen, z. B.
~Schulze~sche Macerationsflüssigkeit, die Zellen isolieren. Aber auch
Bakterien vermögen dies zu tun. Bei der sog. Flachsröste (s. S. 254)
werden die Leinstengel in faulendes Wasser gestellt und hier wirken
nun die Bakterienprodukte lösend auf das Protopektin. Es entsteht eine
Auflockerung des Gewebes und eine Isolierung der Fasern. ~Winogradsky~
fand, daß der Bazillus der Flachsröste alle Pektinsubstanzen in
Gegenwart stickstoffhaltiger Nährböden «vergärt». Beziehungen des
Gummis zu den Pektinsubstanzen zeigt die Metapektinsäure, die
~Scheibler~ durch Behandlung von «Rübenmark» (d. h. des Grundparenchyms
der Rübe) mit Alkalien erhielt -- sie entsteht auch beim Kochen von
Rübenmark mit verdünnter Oxalsäure -- und die er für identisch mit
Arabinsäure hält. Zu den Pektinstoffen steht jedenfalls auch das
Pararabin ~Reichardts~ (s. _Agar_), dem er die Formel C₁₂H₂₂O₁₁ gibt,
in Beziehung und ~Thomsens~ Holzgummi ist wohl identisch mit dem Pektin
(aus Holz) von ~Poumarède~ und ~Figuier~, die glauben, daß Pektin und
Zellulose ursprünglich von gleicher Zusammensetzung waren.
Die Grenze zwischen Pektin- und Schleimmetamorphose der
Interzellularsubstanz ist oft verwischt (vgl. _Fruct. Sambuci_, Fig.
19). Überhaupt finden sich mancherlei Übergänge in den Membranen, die
offenbar nur selten ganz einheitlich sind. Ein solches Übergangsgebilde
scheint die +Callose+ ~Mangins~ zu sein, die er zuerst im Callus der
Siebplatten fand. Sie ist unlöslich in Kupferoxydammoniak, gibt keine
Chlorzinkreaktion, ist leicht löslich in 1% Natronlauge, unlöslich
in kalter Alkalikarbonatlösung; die Protopektinreagentien (s. oben)
versagen, Korallinsoda und Anilinblau färben.
=Lit.= ~Payen~, Ann. chim. phys. (2), 26 (1824), 329; Rec. sav.
étrang. (2) IX (1846), 148, Compt. rend. 1856. -- ~Braconnot~, Ann.
chim. phys. 28 u. 30 (1825); dann ebenda 47 (1831) und 50 (1832). --
~Guibourt~, Schweigg. Journ. 1825. -- ~Frémy~, Journ. pharm. chim.
26 (1840), 568, Lieb. Ann. 67 und Compt. rend. 1847. Hauptarbeit:
Ann. chim. phys. (3) 24 (1848) 5; Compt. rend. 48, 203; Journ. pharm.
(3) 36 (1859) 5. -- ~Chodnew~, Lieb. Ann. 51, 355. -- ~Mulder~,
Journ. pr. Chem. 14, 285. -- ~Poumarède~ et ~Figuer~, Compt. rend.
1847 u. Journ. pr. Chem. 12, 31. -- ~Stüde~, Lieb. Ann. 131, 250.
-- ~Scheibler~, Ber. d. chem. Ges. I (1868), 58 und 108; 6 (1873)
612. -- ~Müntz~, Sur l’existence des éléments du sucre de lait dans
les plantes. Ann. phys. chim. 10 (1887), 566. -- ~Herzfeld~, Chem.
Zentralbl. 1891, 618. -- ~Bauer~, Landw. Versuchsst. 38 (1891) und
41 (1892), 477. -- ~L. Mangin~, Compt. rend. 107 (1888), 109 (1889),
110 (1890), 111 (1891), 115 (1892), 116 (1893); Bull. soc. bot. 36
(1889), 274, 38 (1891), 39 (1892). Journ. de bot. 1891, 1892 und 1893
und Sur la callose, nouvelle substance fondamentale existant dans la
membrane. Compt. rend. 110 (1890). -- ~Bourquelot~, Compt. rend.
128 (1899), 1241. -- ~Bourquelot~ et ~Hérissey~, Compt. rend. 127
(1898), 191; Compt. rend. soc. biol. 1898, 777; Journ. chim. phys. 9;
Journ. pharm. 7 (1898) und 9 (1899) 281. -- ~Bertrand~ u. ~Mallèvre~,
Compt. rend. 119, 120, 121. -- ~Bauer~, Chem. Zentralbl. 1901, 196.
-- ~Devaux~, Soc. phys. et nat. de Bordeaux 3 (1903). -- ~Tschirch~,
Über Pektin und Protopektin. Ber. d. pharm. Ges. 1907, 237. -- ~E.
Rosenberg~, Über d. Pektinmetamorphose. Diss. Bern 1908 (mit 9 Taf.).
-- +Pektinanalysen+ bei ~Reichardt~, Arch. d. Pharm. 209 (1876), 97
und 210 (1877) 116, ~Martin~ in ~Sachsses~ Phytochem. Untersuch.
1880, ~Bauer~, Journ. pr. Chem. 30, 369 und ~Tromp de Haas~ und
~Tollens~, Lieb. Ann. 286 (1895), 278. -- ~Tollens~, Kurzes Handb. d.
Kohlenhydrate. 2. Aufl. 1898. -- ~Lippmann~, Chemie der Zuckerarten
1904. -- ~Czapek~, Biochemie (dort die Lit.). -- +Auskleidungen der
Interzellularen+: ~de Bary~, Anatomie. -- ~Russow~, Über d. Auskleid.
d. Interzellularen. Sitzungsb. d. Dorpat. Naturf. Ges. 1884, 19. --
~Gardiner~, Nature 1885, 390. -- ~Schaarschmidt~, Bot. Zentralbl. 18
und 19. -- ~Schenck~, Ber. d. d. bot. Ges. 3 (1885) (dort weitere
Literatur). -- ~van Wisselingh~, Sur les revêtements des espaces
intercellulaires. Arch. Néerland. 21.
Die vornehmlich als Genußmittel benutzten =Fruchtgelees=, die sämtlich
pektinreich sind (s. oben), werden in der Medizin nur als diätetische
Heilmittel benutzt. Ihr Heilwert beruht nur zum Teil auf dem Pektin.
Besonders kommt Quitten- und Himbeergelee in Betracht. (~Dioskurides~
nennt eine Menge Krankheiten, bei denen z. B. Quitten benutzt wurden.)
Man kann durch richtiges Abstimmen des Zuckerzusatzes die Ausbeuten an
Gelee vermehren und sich pektinreiche Geleegrundlagen durch Aufkochen
der Preßrückstände der Früchte mit Zuckerlösung darstellen. Man kann
die Fruchtgelees auf einen unzulässigen Zusatz von +Gelatine+ dadurch
prüfen, daß 5-10 g Gelee mit dem gleichen Gewicht Wasser gelöst, die
Lösung mit 100 ccm Alkohol versetzt und im getrockneten und gewogenen
Niederschlag der Stickstoff bestimmt wird. Während der getrocknete
Niederschlag bei normalem Gelee nur 13 bis 28% Stickstoffsubstanz
enthält, steigt der Gehalt bei Gelatinezusatz auf 45% (~Bömer~,
Chem. Zeit. 19). Ungereinigtes Agar ist durch Diatomeen nachweisbar
(~Marpmann~). Gereinigtes Agar dadurch, daß man 10-20 g Gelee mit dem
gleichen Gewichte Wasser verdünnt, mit 100 ccm Alkohol versetzt, den
Niederschlag mit Alkohol wäscht, trocknet und wiegt und dann mit soviel
heißem Wasser löst, daß eine 1% Lösung entsteht. Entsteht beim Erkalten
eine steife Gallerte, so soll dies Agar anzeigen.
6. Koryzo-Membranindrogen.
=Etym.= Korizo von κορίζα = Schleim -- Schleim mhd. slîm. Die Wurzel
slī = glatt, schlüpfrig steht in Beziehung zu lat. lîmare = glätten.
Daß die vegetabilischen Schleime, soweit sie entwicklungsgeschichtlich
genau verfolgt werden konnten, alle ohne Ausnahme zur Membran,
also zu den Membraninen gehören, ist namentlich durch die
Untersuchungen von ~Frank~, mir und meinen Schülern ~Nadelmann~ und
~Walliczek~ nachgewiesen worden. Ich habe daher die Bezeichnungen
+Schleimmembran+ und +Membranschleim+ eingeführt. Die ersten, die
einige Schleime als Membranverdickungen erkannten, waren ~Nägeli~
und ~Cramer~ (1855). Doch finden sich zwei wesentlich verschiedene
Typen der Schleimmembranbildung, je nachdem entweder die sekundären
Membranschichten +oder+ die Interzellularsubstanz als Schleimmembran
auftreten. Die Schleimschichten der sekundären (und tertiären)
Membran werden der Regel nach schon als solche angelegt (Fig. 94,
1-5). Es findet hier also nicht, wie man früher glaubte, eine
Schleimmetamorphose ursprünglich als Zellulose angelegter Schichten
statt. Wie dies bei den Interzellularsubstanzschleimen ist, bleibt bei
den einzelnen Fällen noch zu untersuchen. Hier scheint eine Umbildung
der primär gebildeten Interzellularsubstanz in Schleim zu erfolgen --
ähnlich der Pektinbildung aus Protopektin. Und daß endlich auch an
an Interzellularen grenzenden Zellen eine Schleimmembran sich bilden
kann, habe ich bei den Cycadeen-Schleimkanälen nachgewiesen (Fig. 94,
11 u. 12) und geht auch daraus hervor, daß die resinogene Schicht der
schizogenen Harzkanäle ebenfalls als Schleimmembran aufzufassen ist.
Es liegen also hier ähnliche Verhältnisse vor wie bei der Pektin- und
Gummibildung (s. d.).
[Illustration: Fig. 94.
+Schleimmembranen und ihre Entwickelung.+
1-5 Entwicklung einer Schleimzelle aus dem Internodium von _Tilia
grandifolia_. 6 Junge Schleimzelle aus der Stammrinde von _Rhamnus
Frangula_. 7 Junge Epidermiszelle aus dem Blatte von _Althaea
officinalis_. 8 Schleimzellen aus der Epidermis von _Cassia
angustifolia_. 9 und 10 Schleimepidermis der Blätter von _Barosma
vulgaris_, zwischen die Schleimschichten sind Zelluloselamellen (m)
eingeschoben (1-10 nach +Walliczek+). 11 und 12 Schleimmembranen in
schizogenen Kanälen von _Cycas_ (+Tschirch+).]
Fast alle untersuchten Schleime geben bei der Hydrolyse +Arabinose+
und +Galaktose+ (verhalten sich also wie Hemizellulosen und ähnlich
wie Pektin, s. d.), einige (_Linum_, ~Hilger~) auch +Dextrose+ und
+Xylose+. Arabinose und Xylose sind Pentosen:
H OH OH H OH H
l-Arabinose = COH--C--C--C--CH₂OH, l-Xylose = COH--C--C--C--CH₂OH,
OH H H OH H OH
Dextrose und Galaktose dagegen Hexosen (vgl. S. 6). Alle untersuchten
+echten+ Schleime geben bei der Oxydation mit Salpetersäure
+Schleimsäure+ (zuerst von ~Vauquelin~ 1811 beim Leinsamenschleim
beobachtet), ein weiterer Beweis, daß Galaktosegruppen darin enthalten
sind (s. oben S. 226).
OH H H OH
d-+Galaktose+ = CHO--C--C--C--C--CH₂OH
H OH OH H
OH H H OH
+Schleimsäure+ = COOH--C--C--C--C--COOH.
H OH OH H
Man hat daher wohl auch zwischen Schleimsäure bildenden und
keine Schleimsäure bildenden Schleimen unterschieden. Doch will
ich diesen Unterschied hier nicht zur Einteilung verwerten.
Ebensowenig die Reaktion mit Jodschwefelsäure oder Chlorzinkjod.
Einige Schleimmembranen (Epidermis der _Cydonia_samen,
_Salvia_früchte, _Viscum_) färben sich nämlich mit diesem Reagens
blau (+Zelluloseschleime+, ~Tschirch~), andere (+Echte Schleime+,
~Tschirch~) gelb (Endosperm von _Trigonella_, Schleimzellen von
_Rad. althaeae_). Im Zusammenhang mit dieser Erscheinung steht die
Beobachtung von ~Tollens~, daß einige Schleime (_Agar_, _Linum_,
_Cydonia_, _Salep_, _Psyllium_) bei der Hydrolyse eine Abscheidung
von Zellulose zeigen. Der «Zellulosegehalt» wird bei Meeresalgen auf
3,10% (_Gracilaria confervoides_), 4,40% (_Fucus vesiculosus_) und
8,89 (_Vaucheria Pilus_) angegeben (~Sestini~, ~Bomboletti~ und ~della
Torre~).
~Mangin~ unterscheidet, gestützt auf das verschiedene Tinktionsvermögen
gegenüber den «Pektin färbenden» (vgl. oben S. 277) Lösungen
(Methylenblau, Rutheniumrot): Zelluloseschleim, Pektinschleim,
Kalloseschleim und gemischte Schleime. Wie schon die letzte Gruppe
zeigt, gibt es hier mancherlei Übergänge. Eher läßt sich das
morphologische Moment benutzen (s. unten). Ich habe schon in der
Angewandten Anatomie die Schleimepidermen der Samen den endogenen
Schleimzellen und den Schleimendospermen gegenübergestellt. Ihre
Funktion ist sehr verschieden. Die Schleime der Schleimendosperme
der Samen (_Trigonella_) sowie die Schleimzellen unterirdischer
Reservestoffbehälter (_Orchis_) besitzen den Charakter von
Reservestoffen. Die Schleimepidermen der Samen (z. B. _Linum_,
_Cydonia_) dienen verschiedenen Zwecken: Festhalten von Wasser,
Befestigung der Samen am Boden zur Sicherung der Keimung usw.
(~Tschirch~ und ~Lüdtke~). Die Schleimepidermen der Blätter (_Bukku_)
sind als Wasserspeicher aufzufassen. Welche Funktion die endogenen
Schleimzellen der Vegetationsorgane, der Samenschalen (_Cacao_), der
Kelch-, Blüten-, Staub- und Fruchtblätter der Sterculiaceen, Malvaceen
und Tiliaceen besitzen, wissen wir nicht. Daß auch die +resinogene
Schicht der Sekretbehälter+ zu den Membraninen gehört, zeigt nicht nur
der anatomische Befund, sondern auch die Untersuchung des Gummis der
Gummiharze, welches ja der resinogenen Schicht entstammt (~Tschirch~).
Sie liefern bei der Hydrolyse Galaktose, Glukose und Arabinose, das
Gummi der _Myrrhe_ Galaktose und Arabinose, sowie etwas Xylose, es
enthält also Galakto-Arabino-Xylane.
Nur wenig untersucht ist der sog. +Inhaltsschleim+. Dieser wird
hier gar nicht berücksichtigt. Echte Schleime als Bestandteile
des Zellinhaltes sind jedenfalls selten und immer wenn
entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen ihnen näher traten entpuppten
auch sie sich als Membranschleime. So wurden die lange (~Lauterbach~)
als Inhaltsschleime betrachteten Cacteenschleime ebenfalls als
Membranschleime erkannt (~Walliczek~) und das gleiche gilt von dem
Schleime von _Viscum_ (~Czapek~). Nur bei _Orchis_ ist mir die Sache
auch heute noch zweifelhaft.
Mit Wasser bilden die Schleime kolloidale Lösungen. Einige (_Althaea_,
_Linum_, _Cydonia_) lassen sich mit Ammonsulfat aussalzen (~Pohl~).
Offenbar haben wir es aber bei den Koryzo-Membraninen nicht mit einer
Substanz, sondern mit einer ganzen Klasse von Substanzen zu tun. Das
zeigt schon das verschiedene Verhalten zu Wasser: einige quellen kaum,
andere stark, noch andere lösen sich darin.
=Lit.= ~Tschirch~, Kapitel Schleimmembran in Angew. Anatomie 1888,
S. 193. (Dort eine zusammenfassende Darstellung). Ferner Chemie u.
Biologie d. pflanzl. Sekrete. Leipzig 1908. -- ~Kützing~, Grundzüge
t. 4. -- ~Hofmeister~, Über die zu Gallerte aufquellenden Zellen der
Samenepidermis. Ber. der Sächs. Ges. d. Wissensch. 1858. -- ~Nägeli~
u. ~Cramer~, Vorkommen u. Entstehen einiger Pflanzenschleime. Zürich
1855 (Arch. d. Pharm. 1857, 190) -- ~Wigand~, Desorganisation der
Pflanzenzellen. Pringsh. Jahrb. 3, 1863. -- ~Frank~, Anatom. Bedeut.
u. Entsteh. d. vegetabil. Schleime. Pringsh. Jahrb. 5 (1865).
-- ~Trécul~, Des mucilages chez les Malvacées, le tilleul, les
Sterculiacées, les Cactées et les Orchidées indigènes. Compt. rend.
1862. -- ~Radlkofer~, Monographie der Gattung Serjania. München
1875. -- ~Klebs~, Organisat. d. Gallerte bei einigen Algen usw. Arb.
d. bot. Inst. Tübingen II. -- ~Guignard~, Observat. sur l’appareil
mucifère des Laminariées Ann. sc. nat. (8) 15, 1892. -- ~Uloth~,
Pflanzenschleim und seine Entstehung. Flora 58, 809. -- ~Abraham~,
Bau u. Entwickl. der Wandverdick. in d. Samenoberhautzellen einiger
Cruciferen. Pringsh. Jahrb. 16. -- ~Flückiger~ (Buccu). Schweiz.
Wochenschr. f. Pharm. 1873. -- ~Marktanner-Turneretscher~, Z. Kenntn.
d. anatom. Baues unserer Loranthaceen. Sitzungsb. d. Wien. Akad.
1885. -- ~van Tieghem~, Sur les canaux à gomme des Sterculiacées.
Bull. soc. bot. de France 1885. -- ~Hartwich~, Schleimzellen d.
Althaea. Pharm. Zentralh. 1891, 586 und (Orchis). Arch. Pharm. 1890.
-- ~A. Meyer~ (Orchis). Arch. Pharm. 1886, 325. -- ~Lauterbach~,
Bau u. Entwickl. d. Sekretbeh. bei d. Cacteen. Bot. Zentralbl.
1889. -- ~de Bary~, Anatomie. -- ~Radlkofer~, Monogr. v. Serjania
1875. -- ~Mangin~, Bull. soc. bot. 1894. -- ~Tschirch~, Harze und
Harzbehälter. Botanischer Teil. -- ~H. Walliczek~, Studien über die
Membranschleime vegetativer Organe. Pringsh. Jahrb. 25 (1893), 227
(auch Diss. Bern 1893). Dort weitere Literatur. -- ~Nadelmann~, Über
Schleimendosperme der Leguminosen. Pringsh. Jahrb. 21, 1890 (auch
Diss. 1890). -- ~Popovici~, Strukt. u. Entw. eigenart. Wandverd.
Diss. Bonn 1893. -- ~Czapek~ Biochemie und in ~Gjokic~, Sitzber. d.
Wien. Akad. 105, I (1896), 451 (Viscum). -- ~Hoehnel~, Ebenda 1881.
+Chem. Untersuch.+: ~Vauquelin~, Ann. de chim. 80 (1811), 314. --
~Tollens~, Handb. d. Kohlenhydrate. -- ~Czapek~, Biochemie. --
~Cullinan~, Bot. Jahresber. 1884, I. 71. -- ~Gans~ und ~Tollens~,
Lieb. Ann. 249 (1889), 245. -- ~Pohl~, Zeitschr. phys. Chemie 14
(1890), 151. -- ~Bauer~, Landw. Versuchsstat. 40 (1892) 480. --
~Yoshimura~, Agric. Coll. Tokio 1895. -- ~Hilger~, Ber. d. d. chem.
Ges. 36 (1903) 3198. -- ~Harlay~, Journ. pharm. chim. 1902. --
~Sestini~, Zentralbl. Agric. Chem. 1878. -- ~Frischmuth~, Chem. Zeit.
21, R. 289. -- ~Valenta~, Klebe- und Verdickungsmittel. 1884. --
Weitere Lit. bei den einzelnen Abschnitten.