Liliaceen, Iridaceen), wie bei Dikotylen (Rubiaceen, Oleaceen,
Convolvulaceen, Plantagineen, Primulaceen, Sapotaceen, Balsaminaceen,
Tropaeolaceen, Ranunculaceen, Leguminosen, Myrtaceen). Die Lösung
bei der Keimung bewirkt ein Enzym, die Cytase. Das Ferment führt die
Hemizellulosen in verschiedene Zucker über, dadurch werden die aus
Reservezellulose bestehenden Zellwände gelöst. Bis jetzt wurden bei der
Aufspaltung der Reservezellulose erhalten: d-Mannose, dl-Galaktose,
seltener d-Fruktose und d-Glukose. Sie enthalten also Galaktomannane.
Die Membranen der Dattel z. B. liefern bei der Keimung durch den
Einfluß der Enzyme Galaktose, d-Glukose und d-Mannose (~Grüss~). Die
Endosperme der Palmensamen enthalten vorwiegend +Mannane+. Dattelsamen
z. B. liefern fast ausschließlich d-Mannose, die Reiss Seminose nannte,
wie viele Liliaceensamen, die Samen von _Phytelephas macrocarpa_
Mannose und Fruktose. Die meisten Palmensamen geben auch Galaktose
und enthalten daher Mannogalaktane, die sich auch bei _Strychnos_,
Umbelliferen, Leguminosensamen (_Ceratonia_, s. d.) finden. Den
Namen «Reservezellulose» habe ich 1888 (Angewandte Anatomie S. 171)
eingeführt und dort auch ihre Rolle geschildert. Daß die Membranen
einiger Samen beim Keimen gelöst werden, stellten zuerst ~Sachs~ (1862
bei der Dattel) und ~Frank~ (1866 bei _Tropaeolum_) fest.
2. +Hemizellulosen+, die nicht den Charakter von Reservezellulose
tragen, sondern Gerüstsubstanzen sind (Samenschalen usw.), enthalten
vorwiegend Galaktane und Pentosane.
Über die Bildung und Auflösung der Reservezellulose äußert sich ~Grüss~
(1896) dahin, daß z. B. beim Dattelsamen zuerst Mannan gebildet wird
und dann erst das Galaktan, und daß auch bei der Auflösung gelegentlich
der Keimung der eine Bestandteil früher gelöst wird als der andere.
~Grüss~ meint, daß Galaktan und Araban durch die Enzyme nicht sofort
in Galaktose und Arabinose, sondern zunächst in gummiartige Körper
(Galaktin und Arabin) übergeführt werden (?) und auch als solche
wandern können. Die Auflösung der Reservezellulosewände geschieht nach
~Reiss~ (1889) entweder durch Abschmelzen von innen her (_Phoenix_,
_Chamaerops_), durch intralamellare Lösung (_Asparagus_), durch
intralamellare Verflüssigung (_Foeniculum_), durch intralamellare
Lösung mit gleichzeitiger Korrosion (_Allium_, _Cyclamen_), durch
Korrosion unter gleichzeitigem Abschmelzen (_Iris_) oder nur durch
Korrosion (_Tropaeolum_, _Impatiens_). Auch in Rhizomen, Knollen und
Zwiebeln finden sich Mannane als Reservezellulose.
Die zu 80% in den Sklerotien von _Pachyma Cocos_ als Membranablagerung
vorkommende +Pachymose+ (~Winterstein~), die durch Jodschwefelsäure
gelb wird und bei der Hydrolyse Glukose liefert, scheint ebenfalls ein
Reservemembranin zu sein.
=Lit.= Zahlreiche Arbeiten von ~Tollens~ und seinen Mitarbeitern,
sowie von ~E. Schulze~ und seinen Mitarbeitern (~Winterstein~,
~Frankfurt~, ~Schellenberg~, ~Castoro~, ~Godet~ u. and., Verzeichnis
in Journ. f. Landwirtsch. 1904) und ~Bourquelot~ et ~Hérissey~
und Mitarbeitern [Journ. ph. chim. 11 u. 12 (1900), Compt. rend.
130 (1900), usw.]. -- ~E. Schulze~, Über die zur Gruppe d.
stickstofffreien Extraktstoffe gehörenden Pflanzenbestandt. Journ.
f. Landwirtsch. 1904. -- ~Kleiber~, Vers. z. Best. d. Geh. einiger
Pflanz. u. Pflanzent. an Zellwandbestandt. Hemizellulosen u.
Zellulose. Diss. Zürich. 1900. -- ~Sachs~, Sitzungsber. d. Wien.
Akad. 1859. -- ~Tschirch~, Angewandte Pflanzenanatomie. 1888. --
~Godfrin~, Ann. sc. nat. (6), 19, 1. -- ~Reiss~, Über die Natur der
Reservezellulose usw. Landw. Jahrb. 1889 u. Ber. d. d. chem. Ges. 22.
609. Ber. d. d. bot. Ges. 1889. -- ~Green~, Phil. Transact. London
178 (1887), 38. -- ~Brown~ u. ~Morris~, Journ. chem. soc. 1890, 458.
-- ~Elfert~, Auflösungsvers. d. sekund. Zellm. d. Samen. Bibl. bot.
30, 1894. -- ~Grüss~, Lös. u. Bild. der aus Hemizellulose bestehenden
Zellwände u. ihre Bezieh. z. Gummosis. Bibl. botan. 39, 1896 u.
Bot. Zentralbl. 70. -- ~M. Goret~, Et. chim. et physiol. de quelqu.
album. cornés de Graines de Légumineuses Thèse. Paris 1901. -- ~E.
Schulze~, Ber. d. d. chem. Ges. 24, 2277. -- ~Schellenberg~, Ber.
d. d. bot. Ges. 1904, 9 und 1905. -- ~Czapek~, Biochemie (dort auch
die Liste der Familien, bei deren Samen Reservezellulose vorkommt).
-- Zusammenfassung: ~E. Schulze~ u. ~Ch. Godet~, Unters. über d. in
den Pflanzensamen enthalt. Kohlenhydrate. Zeitschr. phys. Chem. 61
(1909), 279.
Steinnuß.
Vegetabilisches Elfenbein (= Phyt-elephas) -- corozo, morphil végétal,
ivoire végétal (franz.) -- yvory nut (engl.) -- tagua, cabeza de negro
(port.).
Die =Stammpflanze= der Steinnüsse ist =Phytelephas marcocarpa= ~Ruiz~
et ~Pavon~ (Syst. veg. 1798), dann wohl auch: _Ph. microcarpa_ ~Ruiz~
et ~Pav.~ und einige andere Arten (_Ph. Ruizii_, _Ph. Pavonii_ u.
and.). Der Kew Index führt 15 Arten auf. ~Drude~ sagt: wenigstens drei.
=Systemat. Stellung.= Palmae-Phytelephantinae (Palmae anomalae).
~Robert Brown~ stellt _Phytelephas_ zu den Pandaneen, ~Kunth~ zu
den Typhinen, ~Martius~ bildete aus ihnen eine besondere Familie:
Phytelephantaceae (Phytelephasieae ~Brongniart~).
=Beschreibung.= Die _Phytelephas_arten finden sich im tropischen
Südamerika zwischen dem 9° n. B. und 8° s. B., sowie 70-79° w. L., an
den Ufern der Ströme und Bäche, an der Küste und in der Bergregion.
_Ph. macrocarpa_ bildet einen bis 2 m hohen Stamm; _Ph. microcarpa_ ist
stammlos. Die Palme ist diklin-diöcisch. Der Fruchtkolben besteht aus
sechs oder mehr aneinander gedrückten, beerenartigen Einzelfrüchten
(Syncarpium), die außen hartholzige Protuberanzen zeigen. Jede Frucht
hat 4-6 Fächer und ebensoviel Samen. Der Same ist von einer harten,
bei den einzelnen Sorten verschiedenfarbigen, oft schwarzbraunen, aber
häufig mit einer lehmfarbigen, abreibbaren Schicht (Mesocarprest)
bedeckten Steinschale (Endocarp) umgeben, in der ein Keimdeckel
sichtbar ist. Bricht man die sehr spröde Schale auf, so sieht man auf
der braunen Samenschale ein grobes Netzwerk (Raphenetz). Sägt man den
Samen der Länge nach durch, so findet man am einen Ende, etwas seitlich
von dem Nabel, in einer konischen, durch einen Deckel geschlossenen
Höhlung den kleinen Keimling. Die Hauptmasse des Samens besteht aus
dem mehr oder weniger rein-weißen, steinharten Endosperm, das im
Innern einen groben Längsspalt oder eine gestreckte Höhlung zeigt,
die besonders bei den großen Colon- und Guajaquil-, weniger, bei den
kleinen Savanilla- und Tumaco-Sorten hervortritt und die Verwertung
der Steinnüsse zur Knopffabrikation sehr beeinträchtigt. Das Endocarp
zeigt in der schwarzen Zone Palissadensklereïden, die Kieselkörper
enthalten (~Molisch~). Dann folgt eine Zone kleiner Sklereïden und die
innerste Schicht besteht aus braunen Inhalt führenden Faserzellen. Die
bisweilen abgescheuerte, oben aufsitzende Deckschicht (Mesocarprest)
besteht aus netzig verdicktem, luftführendem Parenchym (~T. F.
Hanausek~). Die +Samenschale+ besteht aus verschieden langen und
verschieden orientierten gestreckten Sklereïden mit braunem Inhalt
(Abbild. bei ~Vogl~). Das +Endosperm+ ist steinhart. Seine Zellen sind
außerordentlich stark verdickt und zeigen große Porenkanäle, die sich
an der Trennungsplatte keulig erweitern. Die Trennungsplatte ist von
feinen Plasmafäden durchzogen, die eine offene Kommunikation der Zellen
hervorrufen (aggregierte Verbindungen), aber auch die ungetüpfelte
Membran ist von feinen Plasmafäden durchzogen (solitäre Verbindungen,
Abbild. bei ~Kohl~, Ber. d. d. bot. Ges. 1900, Taf. X). Die primäre
Membran sowie die Schichtung der sekundären treten erst beim Behandeln
mit Kali hervor. Die Wand wird durch Jod-Schwefelsäure blau. Im Lumen
sieht man beim Präparieren in Öl große Aleuronkörner.
[Illustration: Fig. 91.
Zellen aus dem Endosperm der Samen von _Phytelephas macrocarpa_. [Aus
+Tschirch+, Angewandte Anatomie.]]
=Chemie.= ~Reiss~ fand in der Steinnuß 11,04 Wasser, 3,1-4,2 Proteïn,
1,51 Fett, durch heißes Wasser extrahierbar (exkl. Zucker) 7,5,
Dextrose 0,49, Zellulose 74-75, Asche 1,3%. Bei der Hydrolyse erhielt
er einen neuen Zucker, den er +Seminose+ nannte und den ~Emil Fischer~
dann mit der d-Mannose (Rechts-Mannose, vgl. S. 6) identifizierte,
die er bei der Oxydation des Mannits neben Fruktose erhalten hatte.
Er ist auch identisch mit der Isomannitose, die ~Tollens~ und ~Gans~
bei der Hydrolyse des Salepschleims erhielten, und wohl auch mit der
Carubinose. Der +Pentosan+- (nach ~Ivanow~ Araban-)gehalt beträgt
1,29% der Trockensubstanz. Die Seminase der Leguminosensamen vermag
die Reservezellulose im _Phytelephas_- (u. and. Palmen-)Samen nicht
direkt zu spalten -- wohl aber, wenigstens teilweise, nach 24stündigem
Digerieren 60% Schwefelsäure. Die Samen von _Phytelephas_ enthalten
ein +Fruktomannan+, das auf einen Teil +d-Fruktose+ (Lävulose) 20
Teile +Mannose+ liefert. ~Ivanow~ fand Hemizellulosen (Hexosane und
Pentosane) und zwar 2,16% Pentosane und 1,55% Methylpentosane, viel
Mannosezellulose und den dritten Teil davon Dextrosezellulose (?). Die
Wände bestehen jedenfalls vorwiegend aus Mannanen.
+Mannane+ finden sich in der Reservezellulose der Samen der _Dattel_,
von _Ceratonia_ und _Phytelephas_, im _Salep_schleim, in _Cichorium_,
_Taraxacum_ und _Helianthus_wurzeln, in _Oliven_, _Äpfeln_, _Bananen_,
_Mandeln_ (~Storer~) -- +Galakto-Mannane+ in den Samen von _Ceratonia_,
_Foenum graecum_, _Phoenix canariensis_, _Strychnos potatorum_, --
+Gluko-Mannane+ im Samen von _Ruscus aculeatus_ -- +Frukto-Mannane+
(Manno-Fruktosan) in vegetabilischen Elfenbein. ~Storer~ betrachtet das
Mannan als einen weitverbreiteten Reservestoff.
Das Endosperm von _Phytelephas macrocarpa_ enthält 8,8% Wasser
und 5,48% der Trockensubstanz Rohfaser, d. h. durch Schwefelsäure
während einer Stunde nicht verzuckerbare Substanz (~Liebscher~). Der
+Gesamtstickstoffgehalt+ beträgt nur 0,619% (bei der Erdnuß: 8,132%,
~Stutzer~), davon unverdaulich 0,082%, der +Rohproteïngehalt+ 7,31%
(~Formenti~, beim Dattelsamen 4,4%, ~Georges~). Nach ~Liebscher~ soll
in den _Phytelephas_samen ein Alkaloid, +Phytelephantin+, vorkommen.
~Méhu~ gibt Zucker (in den frischen Samen Rohrzucker) als Bestandteil
an und den Eiweißgehalt auf 1,165-1,51%. Die Asche beträgt bei
_Phytelephas_ 1,40 (1,70 ~Holdefleiss~), bei der _Tahitinuß_ (s. d.)
2,62% (~Harz~). Die Asche enthält 33,58% SiO₂. Die Steinschale gibt
14,6% Asche, vorwiegend aus Kieselsäure bestehend (~Méhu~). Nach ~Harz~
besitzen die Samen von _Phytelephas_ eine Härte von 2,6, die Tahitinuß
(s. weiter hinten) von 2,82 (tierisches Elfenbein 2,8, _Areca Catechu_
2,3).
=Handel.= Die Steinnüsse bilden einen bedeutenden Exportartikel des
Magdalenenstromgebietes. Die Steinnüsse werden besonders aus Guajaquil
und Manta (Ecuador) via Magellan oder Colon in Säcken von 100 kg
exportiert. Columbien liefert die Corozos de Savanille.
+Handelssorten+ (nach ~Jos. Moeller~): +Marcellino+, walnußgroß, c.
23 g schwer. +Panama+, größer, c. 53 g. +Tumaco+, von San Lorenzo,
von Kugelausschnittform, Gew. 70 g. +Palmyra+, Kern graubläulich.
+Carthagena+, 50-55 g schwer, Steinschale dunkelschwarzbraun.
+Guajaquil+, Steinschale lehmfarbig, c. 45 g schwer. +Esmeralda+,
kaffeebraun, Kern gelblich oder bläulich-weiß, Gew. 80 g. +Colon+,
Gew. 80 g. +Amazonas+, taubeneigroß, Gew. 35 g, Kern elfenbeinweiß.
+Savanilla+ in vier Sorten (vgl. +Wiesners+ Rohstoffe II, 691).
Der Großhandel unterscheidet besonders zwischen +Guajaquil+ mit kleinem
Spalt, 1000 geschälte Samen gehen auf 95-100 kg, und +Savanilla+ mit
großem Spalt, 1000 auf 5,5-7,5 kg (~Planchon~). Meist werden sie in
der Steinschale (en coque) versandt. Die eine Hälfte des europäischen
Bedarfes importiert Hamburg, die andere Le Havre und Genua.
Hamburg importierte 1908 aus Ecuador (Guajaquil-Manta, Esmeraldas,
Tumacos in Columbien) 87950 dz, aus Columbien (Savanilla, Cathagena,
Panama und Colon) 30300 dz.
=Anwendung.= Die Steinnuß wird in Deutschland, z. B. in Schlesien, dann
in Böhmen, Wien, Frankreich und Nordamerika auf Knöpfe verarbeitet.
Sie läßt sich färben. Die gemahlenen Abfälle werden zur Fälschung
von Gewürzen und Kaffeesurrogaten benutzt. Gemahlene Steinnuß ist
1907 auch als Verfälschung von Mehl (~Voy~, ~Bertarelli~), sowie
auch als Verfälschungsmittel des Knochenmehles und Palmkernmehles
beobachtet worden (~Harz~) und 1909 als Beimischung des Pulvers der
_Sem. strychni_ (~Louis Planchon~ und ~Juillet~). Der Vorschlag
von ~Liebscher~ (1885), sie auf Albumin für Färbereizwecke zu
verarbeiten, scheint nicht befolgt worden zu sein. Sie geben ein gutes
Ausgangsmaterial zur Darstellung von Mannose.
=Lit.= Abbild.: ~Tschirch~, Ind. Heil- und Nutzpfl. t. 102 und
~Drude~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. II, 3, 89. -- ~Seemann~,
Die Palmen (Deutsch von ~Bolle~). 2. Aufl. 1863. -- ~T. F. Hanausek~
in ~Wiesner~, Rohstoffe und Zeitschr. f. Nahrungsm. Hyg. u. Warenk.
1893, 197. -- ~Morren~ (cit. bei ~Wiesner~, I. Aufl. S. 792. Erste
anatom. Beschreibung). -- ~Jos. Moeller~, Mitt. d. k. k. technol.
Gewerbemus. Wien 1880. -- ~Kohl~, Ber. d. d. bot. Ges. 1900, 364. --
~Louis Planchon~ et ~A. Juillet~, Le Corozo, Bull. mens. de l’Acad.
d. sc. et lettres. Montpellier 1909 und Encore le Corozo, Bull. de
Pharm. de Sud-Est. 1910. -- ~Bertarelli~, Zeitschr. Unters. Nahr.
u. Genußm. 1907. -- ~Voy~, Journ. pharm. 1907. -- ~Molisch~, Die
Kieselzellen in d. Steinschale der Steinnuß. Zentralorgan f. Warenk.
und Technologie 1891, 103. -- Anatom. Abbild. in ~Planchon-Collin~,
Drogues simples I, 141. -- ~Vogl~, Nahrungs- u. Genußm. S. 554. --
~Hanausek-Winton~, Microsc. of technical products p. 412. -- Chem.
Lit. s. oben S. 259. Ferner: ~Ivanow~, Über die Kohlehydrate der
Steinnußsamen, Journ. f. Landw. 1908, 217; Chem. Zeit. 1908, 32
Rep. 654. -- Ältere Analysen: ~Connell~, Journ. pr. Chem. 1844. --
~Loges~, Wochenbl. f. Schlesw.-Holst. 1886. -- ~Johnson~, Jahresber.
f. Agrikulturchemie 1880, 413. -- ~Holdefleiss~, Landwirt 1879, Nr.
39 und Zentr. Agr. Chem. 1880, 234. -- Dann: ~Reiss~, Über d. Natur
d. Reservezellulose u. über ihre Auflösungsweise bei d. Keimung d.
Samen. Landw. Jahrb. 1889 und Über d. in d. Samen als Reservestoff
abgelagerte Zellulose u. eine daraus erhaltene neue Zuckerart, die
Seminose. Ber. d. chem. Ges. 22 (1889), 609. -- ~Emil Fischer~
und ~Hirschberger~, Ber. d. chem. Ges. 22 (1889), 365 u. 1155. --
~Tollens~ u. ~Gans~, Ber. d. chem. Ges. 21, 2150. -- ~Storer~, Chem.
Zentralbl. 1902, 2, 1155. -- ~Mehu~, Jahresb. d. Pharm. 1887, 114.
-- ~Harz~, Bot. Zentralbl. 18 (1884). -- ~Wolff~, Aschenanalysen. --
~Stutzer~, Zeitschr. phys. Chem. 11 (1887), 207. -- ~Formenti~, Chem.
Zentralbl. 1902, II, 536. -- ~Liebscher~, Journ. Landw. 33 (1885),
470. Bot. Jahresber. 1885, 84. -- ~Baker~ u. ~Pope~, Proc. chem. soc.
16 (1900), 72. -- ~Liénard~, Et. d. hydrates de carbone de réserv. d.
quelqu. graines d. Palmiers. Thèse Paris 1903.
Unter dem Namen =Tahiti-= oder =Fidschinüsse=, Australische und
Wassernüsse kommen, übrigens weder von Tahiti noch von anderen
Freundschaftsinseln, sondern von den Karolinen und Salomonsinseln,
seit 1876 zu dem gleichen Zwecke die ebenfalls steinharten Samen einer
anderen Palme in den Handel, welche Palme ~Wendland~, ohne sie zu
kennen, _Sagus amicarum_, ~Dingler~ _Coelococcus carolinensis_ ~Dingl.~
nannte. ~Warburg~ stellte dann fest, daß außer dieser Palme auch
_Coelococcus salomonensis_ ~Warb.~ Tahitinüsse liefert, und nach ~Louis
Planchon~ kommen auch die Samen von _C. vitiensis_ ~H. Wendl.~ in den
Handel. Die Carolinennuß ist glatt und glänzend, die Salomonsnuß ist
dunkelrotbraun und matt und zeigt zehn meridional verlaufende Wülste.
Der Same von _C. carolinensis_ ist 4-6 cm hoch und 5,5-8 cm breit, der
Same von _C. salomonensis_ 4,5-5 cm hoch und 5,5-7 cm breit, der Same
von _C. vitiensis_ 3 cm hoch und 4 cm breit (~Warburg~).
Die Tahitinüsse sind die bisweilen über 200 g schweren kugeligen
Samen der Pflanze, die namentlich dadurch ausgezeichnet sind, daß sie
nach dem Durchsägen in der Längsrichtung becherartig erscheinen. Der
Keimling liegt an der Außenseite mehr oder weniger exzentrisch. Die
Keimhöhlung ist durch einen Deckel verschlossen. Der anatomische Bau
des Endosperms der Tahiti-Steinnuß ist dem der _Phytelephas_-Steinnuß
ähnlich, doch treten die Zellkonturen hier deutlich hervor und
im Inhalt der Zellen finden sich prismatische Oxalatkristalle
(~Hanausek~). Man kann aus den Tahitinüssen größere Objekte drechseln,
als aus den amerikanischen Steinnüssen. Hamburg importierte 1907: 5000,
1908: 4150 dz australische Steinnüsse.
=Lit.= ~Wendland~, Bonplandia 1862. -- ~T. F. Hanausek~ in ~Wiesners~
Rohstoffen. II. Aufl., Zeitschr. d. Öster. Apoth. Ver. 1880, 360 und
Zur Anatomie d. Tahitinuß, Zeitschr. f. Nahrungsmittel-Unters. 1893,
197. -- ~Dingler~, Bot. Zentralbl. 1887. -- ~Warburg~, Verbreit.,
System. u. Verwert. d. polynes. Steinnußpalmen. Ber. d. d. bot. Ges.
1896, 133. -- ~L. Planchon~ et ~Juillet~, Encore le Corozo, Bull. de
Pharm. Sud-Est. 1910.
3) =Lichenino-Membranindrogen= (inkl. Amyloid-Membranine).
Durch Jod sich direkt blau färbende Membranine.
Der Name +Amyloid+ wurde 1844 von ~Vogel~ und ~Schleiden~ für die mit
Jod sich direkt blau färbenden Membranen einiger Endosperme angewendet.
+Amyloid+ findet sich in den Cotyledonen der Samen von _Hymenaea
Courbaril_, _Tamarindus indica_ u. a. und in den Endospermen der
Samen von Primulaceen, Tropaeolaceen, Linaceen, z. B. in _Primula_,
_Impatiens_, _Tropaeolum_, _Cyclamen_, _Linum_ u. and., und _Paeonia_.
Amyloid liefert bei der Hydrolyse +keine+ Mannose (~Reiss~). Es läßt
sich mit kochendem Wasser extrahieren. Es liefert Glukosen (Galaktose)
und Pentosen. Es enthält reichlich ein Galaktoaraban (~Winterstein~).
Auch +ein in den Essigbakterien gefundenes Kohlehydrat+ gibt
Amyloidreaktion (~Beijerinck~), sowie das Amylomycin einiger
Hyphenwände. Bei längerer Berührung mit konz. Schwefelsäure (oder
HCl) oder dreistündigem Kochen mit Wasser bei 20 Atmosphären Druck,
geht Zellulose in +Hydrozellulose+ über, die identisch sein soll mit
dem +Amyloid+ genannten Körper, den man erhält, wenn man Zellulose in
30 Teilen Schwefelsäure (4 H₂SO₄.1 H₂O) löst und mit Wasser fällt,
aber nicht mit dem in den Membranen einiger Pflanzensamen (_Paeonia_,
_Linum_) vorkommenden Amyloid, mit dem es nur die Eigenschaft teilt
sich +mit Jod direkt blau zu färben+, von dem es sich aber dadurch
unterscheidet, daß Hydrozellulose bei der Hydrolyse glatt d-Glukose
liefert, währenddem die die genannten Membranen bildenden Substanzen
dabei Galaktose, Glukose und Xylose (keine Mannose) liefern, also zu
den Hemizellulosen gehören.
Das =Pergamentpapier=, das ja durch Einwirkung von Schwefelsäure auf
Zellulosepapier dargestellt wird, färbt sich mit Jod direkt blau.
Einen Amyloid genannten Körper (diffus und in Körnern) fand ~Virchow~
in degenerierter Leber, Milz, Niere, Lunge, Gehirn. Es wird mit Jod
oder Jod-Schwefelsäure blau, enthält aber Stickstoff (~W. Kühne~, ~C.
Schmidt~). Es scheint den Eiweißstoffen näher zu stehen als der Stärke
(~Friedreich~) oder gar nicht zu den Polysacchariden zu gehören. Auch
sonst scheint es bei Tieren vorzukommen, wie die Lerpmanna (s. d.)
zeigt.
=Lit.= ~Vogel~ und ~Schleiden~, Beitr. z. Botanik 1844, I, Poggend.
Ann. 1839, Flora 1840. -- ~Frank~, Journ. pr. Chem. 95, 479. --
~Kabsch~, Pringsh. Jahrb. III. -- ~Nägeli~, Botan. Mitteil. I und
Stärkekörner. -- ~Tschirch~, Anatomie S. 173. -- ~Heinricher~,
Flora 1888, 163. -- ~Winterstein~, Zeitschr. phys. Chem. 17 (1892),
353, Ber. d. chem. Ges. 25 (1892), 1237. -- +Derselbe+, Über das
pflanzliche Amyloid. Zeitschr. phys. Chem. 17, 353. -- ~Reiss~,
Ber. d. chem. Ges. 24, 1842, Landw. Jahrb. 18, 761. -- ~Schulze~,
Zeitschr. phys. Chem. 19, 38. -- ~Virchow~, Arch. path. Anat. 11, 188.
Auch in dem =Lichenin= steckt ein sich mit Jod direkt blau färbender
Körper. Wie die mikroskopische Untersuchung lehrt, gehört das
+Lichenin+ zu den Membraninen. Es bildet die Substanz der Hyphenwände
gewisser Schichten des Flechtenthallus, besonders des isländischen
Moos. Man gibt ihm gewöhnlich die Formel (C₆H₁₀O₅)ₙ. Das durch Jod
sich gelb färbende Lichenin wird im _Lich. islandicus_ begleitet von
+Dextrolichenin+ (+Isolichenin+, ~Errera~, ~Hoenig~, ~Schubert~).
+Nur dies reagiert mit blauer Farbe auf Jod+ (daher Flechten- oder
Licheninstärke). ~Vogel~ nannte dies «Moos-Amylum» Amyloid. Lichenin
ist optisch inaktiv. Dextrolichenin dreht rechts. Das +Lichenin+ läßt
sich aus dem _Lichen islandicus_ dadurch darstellen, daß man die
mit Alkohol, Äther, schwacher Sodalösung und Salzsäure extrahierte
Flechte, nach dem Auswaschen mit kaltem Wasser, mit Wasser auskocht.
Die Lösung gesteht zu einer Gallerte, aus der sich durch Alkohol oder
Ausfrierenlassen das Lichenin abscheiden läßt. Aus der wässrigen
Mutterlauge kann das Dextrolichenin (s. oben) abgeschieden werden.
Lichenin löst sich in Kupferoxydammon, Dextrolichenin nicht.
Das +Lichenin+ (Flechtenstärke, Moosstärke, Stärkemembran) und das
Isolichenin liefern bei der Hydrolyse d-Glukose (nach ~Escombe~ auch
d-Galaktose?).
=Lit.= ~Bauer~, Journ. pr. Chem. II, 34. -- ~Stenberg~ und ~Klason~,
Ber. d. chem. Ges. 19, 2541. -- ~Hönig~ und ~Schubert~, Monatsh.
d. Chem. 8, 452. -- ~Errera~, Compt. rend. 101, 253. -- ~Nilson~,
Chem. Zentralbl. 93b, 942. -- ~Escombe~, Zeitschr. phys. Chem. 22.
-- ~Vogel~, Linnaea 15, 63. -- ~Tschirch~, Artikel Flechtenstärke in
Realenzyklop. d. Pharm. V, 366.
Wohl mit dem Lichenin identisch, jedenfalls mit ihm verwandt, ist die
durch Jod sich blau färbende Substanz der Apothecien der Flechten.
Mit dem Lichenin verwandt, aber wohl nicht damit identisch, sind
die ebenfalls in kochendem Wasser löslichen +Everniin+ (in _Evernia
Prunastri_ ~Stüde~) und das +Usneïn+ (in _Usnea barbata_), die bei
der Hydrolyse Glukose liefern. Usneïn dreht rechts und wird durch
Jodschwefelsäure rotviolett.
Nach ~Ulander~ und ~Tollens~ enthält die Cetrariagruppe Lichenine,
die Cladoniagruppe ist frei davon, liefert also keine wasserlöslichen
Membranine. Sie gibt bei der (schwierigen) Hydrolyse d-Mannose und
d-Galaktose neben etwas Glukose, sowie Pentosen und Methylpentosen.
=Lit.= ~Ulander~ und ~Tollens~, Ber. d. d. chem. Ges. 39, 401. --
~Stüde~, Lieb. Ann. 131.
Lichen islandicus.
=Syn.= Fucus islandicus, Muscus catharticus, Isländisch Moos,
Lungenmoos, Haideflechte, Kramperltee, Tartschenflechte -- lichene
ou mousse d’Islande (franz.) -- iceland moss (engl.) -- lichene
islandico (ital.) -- ijslandsmos (holl.) -- islannin jäkälä (fin.) --
izlandizuzmo (ung.) -- λειχὴν ὁ ἰσλανδικός (n.-griech.).
=Etym.= Isländisch Moos, obwohl weder ein Moos noch aus Island
exportiert (kommt aber in Island vor). Mos, mossa (mosi, mus) ist der
skandinavische Ausdruck für alle laubigen Kryptogamen, nicht nur für
die Moose (~Jenssen-Tusch~, Nordiske Plantenavne. Kopenhagen 1867).