Die die Epidermis überziehende Cuticula breitet sich auch über
die Anhangsorgane der Epidermis, die Haare. Es werden daher
alle pflanzlichen Fasern, die von Haaren gebildet werden, von
einer Cuticula bedeckt sein. Doch ist zu bemerken, daß durch die
eigentümliche Behandlungsweise, die gewisse weiche Fasern bei
ihrer Verarbeitungsweise erfahren, bisweilen die charakteristische
Reaktion der Cuticula verloren geht. So zeigt z. B. gut gebleichter
Baumwollenzwirn an den Fäden keine Cuticula. Ferner pflegen die Haare
keine gegabelte Spitze, wie sie viele Bastzellen zeigen, zu haben,
sind dagegen oft verzweigt und an der Basis abgebrochen -- also nicht
beiderseits zugespitzt, wie die Bastzellen (Ausnahme s. oben S. 239).
Da jedoch von letzteren meist nur Fragmente zur Untersuchung kommen,
so fällt dies nicht sehr ins Gewicht. Tüpfel besitzen die Haare nur
an ihrer Basis, wo sie an das Gewebe angrenzen. Meist führen sie
Luft, doch ist bei ihnen ausnahmslos ein zartes Plasmahäutchen,
der Innenwand anliegend, nachzuweisen. Einzellig sind die Haare
der Baumwolle, der Pflanzenseiden und Dunen, von einer einfachen
Zellreihe wird die Pulufaser, von mehreren Reihen das Wollgras, die
Typhafaser u. and. gebildet.
1. Baumwolle.
wurde schon oben S. 229 behandelt.
2. Pflanzendunen.
Als Pflanzendunen bezeichnet man die Samen und Fruchthaare der
Wollbäume (Bombaceen). Es gehören hierher: +Ceibawolle+, édredon
végétal, +Bombaxwolle+, Kapok, patte de lièvre. Sie dienen vorwiegend
als Stopfmaterial. Folgende Arten kommen in Betracht: _Bombax Ceiba_
E., _B. heptaphyllum_ L., _B. malabaricum_ ~Roxb.~, _Cochlospermum
Gossypium_ ~Dc.~, _Ochroma Lagopus_ ~Sw.~, ~Chorisia speciosa~ ~St.
Hil.~, _Eriodendron anfractuosum_ Dc. (_Bombax pentandrum L._)
Die Pflanzendunen sind einzellige konische Haare mit bisweilen
angeschwollener oder zusammengeschnürter Basis und rundem
Querschnitt. Die Länge beträgt 1-3 cm. Die Wandung ist verholzt;
die Cuticula glatt und dünn. Die wichtigsten Pflanzendunen sind:
Die +Bombaxhaare+ von _Bombax_arten und _Eriodendron anfractuosum_,
schwach verholzt, bisweilen 3 cm lang und 19-43 mik dick, an der
Basis netzförmig verdickt. Die sog. +patte de lièvre+ von _Ochroma
Lagopus_, 0,5-1,5 cm lang, sehr dickwandig (5-8 mik), braun.
3. Pflanzenseiden.
Als Pflanzenseide bezeichnet man wegen ihres seidenartigen Glanzes
die +Samenhaare+ zahlreicher Asclepiadaceen und Apocyneen: _Asclepias
curassavica_ E., _Calotropis gigantea_ ~R. Br.~, _Marsdenia_,
_Beaumontia grandiflora_, _Strophanthus hispidus_ u. and. Die Fäden
der Pflanzenseiden sind 1-3 cm lang, steif, bis 80 mik dick. Die
meist dünne verholzte Wandung zeigt im Querschnitte deutliche, mehr
oder weniger nach innen vorspringende Längsleisten. Der Querschnitt
des Haares ist rund.
4. Einheimische Wollhaare.
Als Stopfmaterial werden bisweilen die bis 3,5 mm langen,
einzelligen, zylindrischen Samenhaare von _Populus_ (Pappelwolle),
die einreihigen mehrzelligen Perigonhaare der Früchte von _Typha
angustifolia_ (Rohrkolbenwolle), die 2-4 cm langen, mehrzelligen,
zweischichtigen Haare des Haarschopfes der Früchtchen von unseren
_Eriophorum_arten u. and. mehr verwendet.
Pflanzliche Bastfasern.
Die pflanzlichen Bastfasern werden fast ausnahmslos von Bastzellen
oder Bastzellgruppen gebildet, denen in einigen Fällen noch andere
Gewebselemente anhängen. Sehr selten werden auch Libriformzellen
technisch verwertet. Die Bastzellen sind ringsum geschlossen
und laufen beiderseits mehr oder weniger spitz zu oder sind
an den Spitzen mit kleinen Seitenspitzchen versehen. Sie sind
niemals verzweigt, meist sehr stark verdickt, von rundlichem
oder polyedrischem, übrigens sehr charakteristisch variierendem
Querschnitte. Die Tüpfel sind stets einfach, meist spaltenförmig.
Bei den Bastzellen der Dicotylen sind die Tüpfel meist sehr
undeutlich oder fehlen, bei denen der Monocotylen sind sie zahlreich.
Einige Handelsfasern sind auch noch durch die von ~Höhnel~
richtig gedeuteten eigentümlichen +Wandverschiebungen+ (Knoten,
Querbruchstellen, Sprunglinien, plis de flexion) ausgezeichnet, die
aber erst bei der Bearbeitung der Faser entstehen (~Schwendener~),
mit Chlorzinkjod sich dunkler färben, und den Fasern, die sie
besitzen (Flachs, Lein, Ramieh, Nessel) ein sehr charakteristisches
Ansehn geben. Sie fehlen der Jute, die nicht «gebrochen» wird. Das
wichtigste Hilfsmittel der Diagnose ist der Querschnitt der Faser
(~Vétillard~, ~von Höhnel~). Niemals besitzen natürlich Bastfasern
eine Cuticula (Unterschied von den Haaren). Der Inhalt besteht
meist aus Luft, ein Plasmahäutchen ist fast ausnahmslos vorhanden,
anderer Inhalt selten. Sie sind stets sehr lang. Die die Bastfasern
da und dort begleitenden Gewebselemente sind Parenchymzellen,
Kristallzellen, Gefäße, Tracheïden, Sklereïden, Siebröhren.
Parenchymzellen finden sich bei den Rohbastfasern (z. B. Hanf,
Flachs) fast ausnahmslos, denn da der Prozeß der Gewinnung der Faser
auf einer mechanischen Herauslösung derselben aus den übrigen Geweben
beruht, so ist es erklärlich, daß der (auf diese Weise) isolierten
Faser noch Reste der begleitenden Gewebe anhängen. Dort wo die
Bastfasern überhaupt nicht eigentlich isoliert werden, sondern samt
dem umgebenden Gewebe verwendet werden (Manilahanf, Coir), sind sie
natürlich stets deutlich nachzuweisen.
1. Leinfaser.
Die Flachsfaser wird von den zu, einen konzentrischen Panzer
bildenden, Gruppen vereinigten Bastfasern der Stengelrinde des
Lein, _Linum usitatissimum_ L., gebildet, die nach dem Ausreißen
und Riffeln der Stengel durch Rösten (Faulen in Wasser), Brechen
(Zertrümmern und Herauslösen des spröden Holzkörpers), Hecheln
(Abstreifen des begleitenden Rindenparenchyms und der Epidermis)
und Schwingen von den übrigen Elementen des Stengels losgelöst
werden. Der Rohflachs enthält daher stets noch Parenchym- und
Epidermiszellen, ja sogar Holzelemente, die gereinigten besten Sorten
bestehen dagegen nur aus Bastfasern.
Die Bastzellen des Lein sind gänzlich unverholzt, bestehen also
aus reiner Zellulose, sehr stark und gleichmäßig verdickt und mit
engem, fadenförmigem, plasmaerfülltem Lumen versehen. +Die Enden
sind sehr spitz und lang ausgezogen+, die Wandung zeigt deutliche
Verschiebungen (Sprunglinien), Poren sind kaum oder garnicht zu
bemerken. Die Bastzellen des Lein sind entweder isoliert oder zu
weniggliederigen Gruppen vereinigt. Der Querschnitt ist meist
eckig-polygonal, eine Mittellamelle tritt bei Behandlung mit
Schwefelsäure nicht deutlich hervor. Die Schichtung der Wand ist
undeutlich. Bez. der Länge und Breite vgl. die Tabelle (S. 251). Das
Geschichtliche des Lein wird bei den Schleimdrogen unter _Linum_
besprochen werden.
2. Hanffaser.
Die Bastzellen des Hanf liegen in großer Zahl zu vielen Gruppen
vereinigt in der Rinde des Stengels der Hanfpflanze, _Cannabis
sativa_ L. Sie sind schwach verholzt, nicht so gleichmäßig verdickt
wie die des Lein, und mit zahlreichen Verschiebungen versehen.
Das Lumen ist meist weit, verengert sich jedoch gegen die sehr
dickwandige, +stumpfe+, bisweilen mit seitlichen Auszweigungen
versehene, gegabelte +Spitze+ linienförmig. Die Bastzellen stehen
hier stets in Gruppen. Der Querschnitt der einzelnen Bastzelle
ist abgerundet, oft tangential gestreckt, nicht eckig, das Lumen
erscheint spaltenförmig oder polygonal und inhaltsleer, die
Membran geschichtet. Bei Behandlung mit Jodschwefelsäure tritt die
Mittellamelle scharf hervor, sowohl bei den Gruppen als auch -- als
anhängende Fetzen -- bei der einzelnen Faser (~von Höhnel~).
Nach ~Höhnel~ genügt der anatomische Befund der Faser selbst
zur Unterscheidung der Lein- und Hanffaser. ~Cramer~ zieht zur
Diagnose noch die begleitenden Gewebselemente -- Epidermis, Haare,
Spaltöffnungen, Kristallzellen, Gerbstoffzellen -- herbei. Dieselben
dienen ihm als «Leiter». Haare, Kristall- und Gerbstoffzellen hat nur
der Hanf. ~T. F. Hanausek~ fand (1908), daß sich der Plasmaschlauch
der Hanffaser bei Behandeln mit Chromsäuregemisch anders verhält wie
bei der Leinfaser. Während er bei letzterer oft gewunden (ähnlich
wie bei der Baumwolle, Fig. 89) erscheint, ist er beim Hanf niemals
wellenförmig verbogen, sondern gerade und tritt sehr plastisch
hervor. ~R. Korn~ hält die Unterscheidung mit Cuoxam für besser
(1910). Der Hanf ist dem semitisch-ägyptischen Kulturkreise fremd.
(Im übrigen vgl. _Fruct. cannabis._)
Der Hanffaser sehr ähnlich ist die:
3. Sunnfaser.
Dieselbe entstammt den rindenständigen Bastbündeln von _Crotalaria
juncea_. Die Unterschiede beruhen in einem breiten, nicht
spaltenförmigen, inhaltführenden Lumen und breiten verholzten äußeren
Membranpartien, die sich von den inneren nicht verholzten sekundären
Verdickungsschichten leicht ablösen (~von Höhnel~).
4. Nesselfaser.
Die Bastfasern von _Urtica dioica_ L. finden sich ebenfalls in der
Stengelrinde. Sie sind unverholzt, unregelmäßig gebaut, die nicht
sehr dicke Wandung ungleichmäßig gestreift. Das breite Lumen enthält
oft Inhalt. Die Enden sind ausgezogen, abgerundet, meist löffelförmig
erweitert, manchmal quer abgeschnitten oder gegabelt. Der Querschnitt
der Bastzellen ist oval, abgeplattet, ja bandförmig, bisweilen mit
einspringenden geschichteten Wandungen versehen (~von Höhnel~).
5. Chinagras.
Das Chinagras oder die Ramié (Ramiehfaser) wird von den
rindenständigen, einzelnen oder zu kleinen lockeren Bündeln
vereinigten Bastzellen der Stengel von _Boehmeria nivea_ (L.) ~Hook.~
et ~Arn.~ gebildet. Die Bastzellen sind sehr ansehnlich (vgl. Tabelle
S. 251), gänzlich unverholzt und zeigen häufig Verschiebungen. Das
bisweilen Inhalt führende Lumen ist sehr breit, verschmälert sich
aber gegen die Enden linienförmig; die Spitze ist dickwandig und
abgerundet, der Querschnitt ist länglich oder flach zusammengedrückt,
an den breiteren Stellen bandartig, die Wandung zeigt Schichtung.
Sehr ähnlich ist die Roafaser von _Pipturus argenteus_.
6. Jute.
Die Jute wird von den rindenständigen, relativ kurzen, stets
zu Gruppen vereinigten Bastzellen der Stengel von _Corchorus
capsularis_ L., _C. olitorius_ L. u. and. _Corchorus_arten
gebildet. Die Jutebastfasern sind stark verholzt, im Querschnitt
isodiametrisch-polygonal, scharfkantig, mit schmaler Mittellamelle.
Das Lumen ist, trotzdem die Wandung stark verdickt ist, relativ weit,
rundlich oder oval, bei ein und derselben Zelle oft an bestimmten
Stellen verengert, an den Enden dagegen weit. Letztere sind relativ
dünnwandig, kegelförmig oder abgerundet, Verschiebungen fehlen,
ebenso Streifung (~von Höhnel~). Der Jute morphologisch sehr ähnlich
ist der:
7. Gambohanf.
Derselbe stammt von den Stengeln von _Hibiscus cannabinus_ u.
and. _Hibiscus_arten. Von der Jute unterscheidet er sich durch
eine breitere Mittellamelle, dickwandige, bisweilen schwach
gegabelte Enden und eine bisweilen bis zum Verschwinden des Lumens
vorschreitende partielle Verdickung der Wand. Der Jute ähnlich sind
auch die +Abelmoschusfaser+ (von _Abelmoschus tetraphyllos_) und die
+Urenafaser+ (von _Urena sinuata_).
Dicotylenfasern sind ferner: Die +Hopfenfaser+ (v. _Humulus
Lupulus_), die +Papiermaulbeerbaumfaser+ (v. _Broussonetia
papyrifera_), die +Ginsterfaser+ (von _Sarothamnus vulgaris_),
sowie die Daphnefaser (von _Lagetta lintearia_) -- alle vier zur
Papierfabrikation viel verwendet. Monocotylenfasern sind:
8. Neuseeländischer Flachs.
Derselbe wird vorwiegend gebildet von den Bastbelegen der Gefäßbündel
der Blätter von _Phormium tenax_. Die vollständig verholzten
Bastfasern sind gleichmäßig aber stark verdickt, das Lumen rund oder
oval, leer, im Verlaufe der Fasern gleich breit. Die Enden sind
scharf zugespitzt. Der Querschnitt ist rundlich oder polygonal mit
abgerundeten Ecken. Mittellamelle undeutlich. Gefäße sind selten als
Begleiter aufzufinden. Dem _Aloëhanf_ und der _Sanseveria_faser sehr
ähnlich.
9. Manilahanf.
Unter dem Namen Manilahanf, Abaca, Plantainfibre, Siamhemp, white
rope kommen die Bastfasern von _Musa textilis_ ~Nees~ in den Handel.
Dieselben sind stark verholzt, gleichmäßig aber nicht sehr erheblich
verdickt, mit glatter Wand und großem, rundlichem, bisweilen
inhaltführendem Lumen. Der Querschnitt der stets zu mehr oder weniger
lockeren Gruppen vereinigten Bastfasern ist rundlich-polygonal.
Mittellamelle undeutlich. Die Fasern werden von 30 mik langen
verkieselten Zellen (Stegmata) begleitet.
10. Pitafaser.
Die Pitafaser, Pite, Sisal, Matamoros, Tampicohanf, besteht aus den
Bastbelegen der Gefäßbündel der Blätter von _Agave americana_ L.
u. a. _Agave_-Arten. Die verholzten, stets zu Gruppen vereinigten
Bastzellen (s. Tabelle) sind in der Mitte oft breiter, besitzen ein
sehr weites (viel breiter als die Wand), polygonales Lumen und eine
dünne Wand. Die breiten, stumpfen, selten gegabelten Enden sind
stets verdickt. Die Mittellamelle ist undeutlich. Der Querschnitt der
Bastzellen ist polygonal. Die Fasern werden begleitet von zahlreichen
großen, spiraligen Gefäßen und Kristallzellen mit bis 0,5 mm langen
Oxalatprismen oder deren Trümmern.
11. Aloëhanf.
Der Aloëhanf, Aloëfaser, Mauritiushanf sind gleichfalls
Bastzellbündel von Blättern, und zwar von _Aloë_arten (bes. _Aloë
perfoliata_). Die dünnen Bastzellen sind meist sehr stark verdickt,
die Wandung (s. Tabelle) zeigt sehr steil linksschief gestellte
Tüpfel, die Enden sind spitz oder kegelförmig, der Querschnitt ist
polygonal, das Lumen rund, wenig breiter als die Wand. Die Faser wird
von Gefäßen begleitet.
Sehr ähnlich gebaut ist die +Sanseveriafaser+ von _Sanseveria
ceylanica_.
12. Coirfaser.
Die braune Coirfaser entstammt der Fruchtschale der Cocosnuß (_Cocos
nucifera_) und wird von den Gefäßbündeln derselben gebildet, die
starke Sklerenchymbelege besitzen und von Stegmata begleitet sind.
Monokotylenfasern sind ferner: +Ananasfaser+, Silkgras, pine-apple
fibre von _Ananasa sativa_. +Yuccafaser+ von _Yucca gloriosa_.
+Alfafaser+, Esparto von _Stipa tenacissima_ und _Ligaeum Spartum_
(das ganze Blatt). +Pandanusfaser+ von _Pandanus odoratissimus_
(Bastbündel der Blätter). +Tillandsiafaser+, vegetabilisches Roßhaar
von _Tillandsia usneoides_ (Bastbündel der Stengel). +Palmenfasern+
und zwar: Piassave, Piassaba, Monkeygras von _Attalea funifera_
~Mart.~ (Bahia-Piassave) und _Leopoldinia Piacaba_ ~Wall.~ (nach
~T. F. Hanausek~ Paragras, Para-Piass.) (Bastbündel aus den
Battscheiden). +Palmettofaser+, orin végetal, orin d’Afrique, von
_Chamaerops humilis_ (geschlitzte Blätter). +Dattelpalmenfaser+
von _Phoenix dactylifera_ (Blätter). +Talipotfaser+ von _Corypha
umbraculifera_. +Raphiabast+, Raphiastroh von _Raphia taedigera_
(subepidermale Bastbelege der Blätter und Blattstiele). Kitool,
Siamfaser von _Caryota urens_ u. and. m.
+Analytische Tabellen zur mikroskopischen Bestimmung der Fasern+
teilte ~Höhnel~ (a. a. O. und Beitr. zur techn. Rohstofflehre. Dingl.
Polytechn. Journ. 1884, S. 251 u. 273) mit.
Ich verweise auf diese und bemerke nur, daß er folgende Gruppen
bildet:
A. Fasern, die durch Jodschwefelsäure blau, violett oder grünlich
gefärbt werden.
a) Dikotyle Bastfasern und Baumwolle -- ohne Gefäße (Flachs,
Hanf, Sunn, Chinagras, Roafaser von _Pipturus argenteus_).
b) Monokotyle Fasern, mit Gefäßen, ohne Verschiebungen (Alfa
[Esparto] und Ananasfaser).
B. Fasern, die durch Jodschwefelsäure gelb gefärbt werden.
a) Dikotyle Fasern, ohne Gefäße, Lumen mit Verengerungen (Jute,
Abelmoschusfaser, Gambohanf, Urenafaser).
b) Monokotyle Fasern, mit Gefäßen, Lumen keine Verengerungen
(Neuseeländ. Flachs, Manilahanf [oft ohne Gefäße],
Sanseveriafaser, Aloëhanf von _Aloë perfoliata_, Pitahanf,
Yuccafaser von _Yucca gloriosa_).
Zur =Papierfabrikation= werden verwendet (bez. der Einzelheiten
vgl. ~von Höhnel~, ~Wiesner~, ~T. F. Hanausek~): Lein, Hanf,
Baumwolle, Weizen-, Roggen-, Hafer-, Reis-, Maisstroh, Esparto,
Bambusrohr, Jute, Papiermaulbeerbaumfaser und Holzstoff (bes.
das geschliffene Holz von Coniferen). Die Alten bedienten sich
zum Beschreiben der +Tempelwände+ (Ägypten), der +Tontafeln+
(Assyrien), der +Wachs-+ und +Holztafeln+ (Rom), der +Tierhäute+
(+Pergament+, verbessert in Pergamon II. Jahrh. n. Chr., verdrängte
vom IV. Jahrh. an die Charta, dann wichtigster Schreibstoff des
Mittelalters), des +Leders+, monokotyler +Blätter+ (Bambus [China],
Palmen [Indien, dort auch heute noch üblich]), einiger +Rinden+
(z. B. des Birkenperiderm bes. in Asien, in Kaschmir bis ins XVI.
Jahrh.), dann der Lindenbaststreifen (Rom) und des +Papyrus+
(Charta: in dünne Blätter geschnittenes Mark der Papyrusstaude, die
[zu dritt] übereinander gelegt und mit Stärkekleister miteinander
verklebt wurden, bes. in Ägypten schon 2000 n. Chr. nachgewiesen,
die ägyptische Papyrusfabrikation erlosch in der zweiten Hälfte
des X. Jahrh., die sizilianische im XIII. Jahrh.), sowie später
(in Asien) des +Reispapier+ (Araliamark). Das +gefilzte Papier+
ist eine Erfindung der Chinesen (c. 105 n. Chr., vgl. I, S. 523).
Ein mittelalterliches Baumwollpapier gab es nicht (~Wiesner~,
~Karabaczek~, ~Kobert~). Die ältesten Papiere der Chinesen aus den
ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung bestanden aus den Fasern
der _Broussoneiia papyrifera_ ~l’Hérit~ (Papiermaulbeerbaum). Einige
Jahrhunderte später traten dann auch noch das Chinagras (Ramie,
Nesselfaser) von _Boehmeria nivea_ ~Hook.~ et ~Arn.~, die Hanffaser
und die Faser von _Edgeworthia papyrifera_ ~Salzm.~ dazu (~Wiesner~).
Die in Turfan und Khotan kürzlich gefundenen Papiere aus dem VI-IX.
Jahrh. bestanden vorwiegend aus _Broussonetia_- und _Boehmeria_fasern
(~Kobert~). +Hadernpapier+ ist (nach ~Karabaczek~ und ~Wiesner~)
eine Erfindung der Araber (VIII. oder IX. Jahrh.), wurde aber im X.
Jahrh. von den Chinesen angenommen (oder selbständig erfunden?). Die
Papiergewinnung kam c. 850 durch die Mauren nach Spanien. In Italien
entstanden im XI., in Deutschland im XIV. Jahrh. Papiermühlen. Die
ältesten europäischen Papiere sind gleich den arabischen stark
mit Stärkekleister geleimt. Diese Leimungsart läßt sich bis zum
Ende des XIII. bzw. Anfang des XIV. Jahrh. verfolgen. Dann folgt
der Leim. Erst im XIX. Jahrh. begann die Harzleimung kombiniert
mit Stärkeleimung. Bis zum XIV. Jahrh. sind die europäischen
Papiere sehr langfaserig, nach und nach treten kurzfaserige an
ihre Stelle, was auf eine tief eingreifende Umgestaltung des
Papiererzeugungsverfahrens hinweist (~Wiesner~).
=Lit.= ~von Hoehnel~, Die Mikroskopie d. technisch verwendeten
Faserstoffe. 2. Aufl. 1905 (mit guten anatom. Abbild. und einem
erschöpfenden Literaturverzeichnis). -- ~Wiesner~, Rohstoffe d.
Pflanzenreiches. I. u. II. Aufl. 1873 und 1903. -- ~Vétillard~,
Etudes sur les fibres végétales textiles, employées dans l’industrie.
Paris 1876. -- ~T. F. Hanausek~, Lehrb. d. techn. Mikroskopie.
1900. -- ~Hanausek-Winton~, Microscopy of techn. prod. 1907. --
~Schlesinger~, Mikrosk. Unters. d. Gespinstfas. Zürich 1873. --
~Jos. Moeller~, Pflanzen-Rohstoffe. Ber. über d. Weltausstell. in
Paris. 1878, Wien. -- ~Frank-Tschirch~, Pflanzenphys. Wandtafeln. --
~Hassak~, Wandtafeln. -- Abbild. auch in ~Hager-Fischer-Hartwich~,
Handb. d. pharm. Praxis I, S. 1244 und den betr. Artikeln in
Realenzyklop. d. Pharm. -- ~Focke~, Mikrosk. Unters. d. bekannt.
Gespinstf. Arch. Pharm. 1886 (m. Abbild.). -- ~Barillé~, Etudes
des fibres textiles. Thèse Straßburg 1868. -- ~Cramer~, Programm
d. Zürich. Polytechnik. 1881; vgl. mein Refer. in Pharm. Zeit.
1881, Nr. 73. -- ~von Hoehnel~, Über den Einfluß des Rindendruckes.
Pringsh. Jahrb. XV, S. 311. -- ~Schwendener~, Über d. Verschiebung
d. Bastfasern im Sinne ~von Hoehnels~. Ber. d. d. Bot. Ges. 1894,
239. -- ~T. F. Hanausek~, Eine neue Methode zur Unterscheid. d.
Flachs- und Hanffaser. Zeitschr. Farben-Industr. 1908. -- ~Greshoff~,
De qualitatieve en quantitatieve bepaling van katoen naast kapok.
Pharm. Weekbl. 1908. -- ~J. Aisslinger~, Beiträge z. Kenntnis wenig
bekannter Pflanzenfasern. Diss. Zürich 1907. -- ~Cross~, ~Bevan~,
~King~ and ~Joynson~, Report on Indian fibres and fibrous substances.
London 1887.
Über +Papier+ vgl. ~Valenta~, Das Papier, seine Herstellung,
Eigenschaften, Verwendung usw. Halle 1904, -- ~Carl Hofmann~,
Prakt. Handb. d. Papierfabrikat. I. B. 1891, II. B. 1897 Berlin. --
~Herzberg~, Papier-Prüfung. I. Aufl. 1888, II. Aufl. 1902 und D.
heutige Stand d. Papierprüfung. Papier-Zeit. 1892. -- ~Mierzinski~,
Handb. d. prakt. Papierfabrikation und Anleit. z. Unters. d. in d.
Papierfabrik. vorhand. Rohprodukte in ~Hartlebens~ Chem. techn.
Biblioth. B. 138-142. -- ~Hoyer~, D. Papier, seine Beschaffenheit
u. Prüf. 1882. -- ~E. Kirchner~, Das Papier I, Geschichte d.
Papierindustrie 1897. -- ~A. Meyer~, Grundlagen 1901. -- ~Kobert~,
Über einige echte gefilzte Papiere des frühen Mittelalters. Zeitschr.
Angew. Chem. 1910, 1249. -- ~T. F. Hanausek~ in Real-Enzykl. d. ges.
Pharm. VII und IX und Über einige besondere Papierbestandteile in
Papierfabrikant 1910. -- ~Wiesner~, Die mikroskop. Unters. d. Papiers
mit bes. Berücks. d. ältesten oriental. u. europäisch. Papiere. Mitt.
aus d. Samml. d. Papyrus Erzherz. Rainer 1887. Die Geschichte des
Papiers in ~Wiesner~, Rohstoffe II, S. 429 -- die bei der modernen
Papierfabrikation benutzten Fasern sind ebenda aufgeführt und bei
~von Hoehnel~ a. a. O.
=2) Reservezelluloso-Membranindrogen= (+Hemizellulosedrogen+).
Die Membranen des Endosperms vieler Samen bestehen aus sog.
+Reservezellulose+, die beim Keimen der Samen gelöst wird. Sie erweist
sich verdünnten Säuren gegenüber als sehr verschieden resistent. Einige
dieser Reservezellulosen lassen sich relativ leicht mit Säuren oder
Enzymen hydrolysieren, wie die gemischten Mannane der Samenendosperme
der Datteln, Palmkerne, Cocosnüsse, sowie von _Ceratonia_, _Strychnos
potatorum_, _Siliqua_ und _Trigonella Foenum graecum_, die sich als
vornehmlich aus Galaktomannanen bestehend erwiesen, und die des
Endosperms von _Phytelephas macrocarpa_, das viel Fruktomannan enthält
-- andere Mannosozellulosen, wie die der Kaffeebohnen, sind Säuren
gegenüber sehr resistent. ~Reiss~ fand bei der Hydrolyse Mannose
(Seminose) liefernde Reservezellulose bei den Samen von _Phytelephas_,
_Phoenix dactylifera_, _Chamaerops humilis_, _Lodoicea Seychellarum_,
_Elaëis guineensis_, _Allium Cepa_, _Asparagus_, _Strychnos nux
vomica_, _Coffea arabica_, _Foeniculum officinale_.
Während echte Zellulose nur Glukose liefert, liefert also die
+Reservezellulose+, die sich leichter spalten läßt, andere Hexosen und
oft Pentosen. Die bei der Hydrolyse mit verdünnten Mineralsäuren leicht
in Lösung gehenden und dabei Galaktose, Mannose, Arabinose und Xylose
liefernden Zellulosen nennt ~E. Schulze~ +Hemizellulosen+. Man nennt
die Atomgruppen der Hemizellulosen, welche Galaktose oder Mannose,
oder Arabinose oder Xylose liefern, Galaktane, Mannane, Arabane oder
Xylane. Dementsprechend sind auch die Namen Pentosane und Hexosane
gebildet (~Tollens~). Bei der Hydrolyse der Hemizellulosen entstehen
die Monosen in so großen Mengen, daß sie zweifellos die Hauptprodukte
der Umwandlung sind (~E. Schulze~). Hemizellulosen sind bei 300° in
Glycerin löslich, aber nicht immer in Kupferoxydammoniak.
~Euler~ teilt die Hemizellulosen in zwei Gruppen: