In Amerika wird =Cort. radicis gossypii= auch vom Volke verwendet.

Sie soll eine ähnliche Wirkung wie _Secale cornutum_ besitzen. In

Ostindien gilt sie als Diuretikum. ~Staehle~ fand in der Rinde c. 8%

Harz, Kautschuk, Zucker, keinen Gerbstoff. ~Drueding~ fand in der

Rinde ein rotes und ein gelbes Harz, Öl, Gummi, Zucker, Gerbstoff und

Chlorophyll. ~Hartwich~ und ~Morgan~ erwähnen Sekretbehälter in ihr.

=Lit.= ~William C. Staehle~, Chem. and microscop. examinat. of

Cotton Root Bark. Am. journ. pharm. 1875, 457. -- ~Ch. C. Drueding~,

Analysis of cotton root bark. Amer. Pharm. Journ. 1877, 49, p. 386.

-- ~Hartwich~, D. neuer. Arzneidrogen usw. S. 164. -- ~Morgan~, Amer.

Journ. 1898 (anatom. Beschr. d. Rinde). -- Weitere Literatur über

_Rad. gossypii_ in ~Bentley~ and ~Trimen~, Medicinal plants.

Über den Farbstoff der =Blüten= vgl. ~Perkin~, Journ. chem. Soc. 75

(1899) 825.

Ebenso wie Baumwolle und aus dem gleichen Grunde, d. h. wegen ihrer

Aufsaugungsfähigkeit für das Blutserum, werden die Spreuhaare

einiger tropischer Baumfarne benutzt, die also gewissermaßen als

+Paralleldrogen der Baumwolle+ betrachtet werden können.

Pili haemostatici.

=Syn.= Paleae cibotii s. stypticae, s. haemostaticae, Pili cibotii

s. filicum, Farnhaare, blutstillende Spreuhaare, Farnkrautwolle,

Teufelszwirn, Wundfarn, vegetabilische Schafwolle.

Im Handel finden sich von Farnhaaren folgende Sorten:

1. =Penawar Djambi= auch =Penghawar Djambi= (Pengawar Jambie,

Pingh-war-har-Yamby, Pennober Jamby oder Pennawar dschambi; in China

kau-tsib -- Djambi liegt in Westsumatra) von =Cibotium Barometz= ~Link~

(~J. Sm.~) (Polypodium Baromez L., Aspidium Baromez ~Willd.~), und den

nach ~Smith~ wohl dazu zu ziehenden _Cibotium glaucescens_ ~Kz.~, _C.

Cumingii_ ~Kz.~, _C. assamicum_ ~Hook.~ und _C. Djambianum_, sowie

anderen Baumfarn Sumatras.

_Cibotium Barometz_ heißt in +Madur.+: bar djambe oder bulu djambe,

in +Bali+: djampi, +javan.+: penawar djambe, +mal.+: penawar djambi

(~de Clercq~). Man sollte also nicht Penghawar djambi, sondern

Penawar djambi schreiben, wie dies übrigens die Pharm. austr. VIII

tut (Penawar hitam ist _Goniothalamus giganteus_, P. merah: _Ximenia

americana_, P. pahit: _Eurycoma longifolia_, P. putieh: _Sonchus

picta_, P. radja: _Sonchus insignis_).

2. =Paku kidang= (Pakoe ist die holländ. Schreibweise) von =Alsophila

lurida= ~Bl.~, =Balantium chrysotrichum= ~Hasskarl~ (Dicksonia Blumei

Mett., D. chrysotricha Moore, B. Magnificium Hook., Chnoophora

tomentosa Bl.) u. and. Baumfarn Javas.

Die _Alsophila_arten heißen im +Sundanes.+ paku tihang, im +Mal.+

paku tijang (~de Clercq~). Man sollte also wohl den Namen so und

nicht paku kidang schreiben. Kidang bedeutet Hirsch.

3. =Pulu-Pulu= von =Cibotium glaucum= ~Hook.~ et ~Arn.~, =C. Chamissoi=

~Kaulf.~, =C. Menziesii= ~Hook.~ u. and. Baumfarn der Sandwichinseln

und benachbarter Gebiete.

Ferner die Haare der südamerikanischen _Lophosoria (Alsophila)

affinis_ ~Presl.~ (_Alsophila pruinata_ ~Klfs.~), der brasilianischen

_Alsophila armata_ ~Prsl.~ (_Polypodium aculeatum_ ~Raddi~) und des

südmexikanischen _Cibotium Schiedei_ ~Cham.~ et ~Schlecht~.

=Systemat. Stellung.= _Balantium_, _Dicksonia_, _Cibotium_:

Pteridophytae, Filicales, Eufilicineae, +Cyatheaceae+, Dicksonieae.

_Alsophila_, _Cyathea_: Pteridophytae, Filicales, Eufilicineae,

+Cyatheaceae+, Cyatheeae.

_Cybotium Barometz_ ist über das ostasiatische Monsungebiet verbreitet:

Hinterindien, Hongkong, Formosa, Java, Sumatra, die Unterart _C.

Cumingii_ auf den Philippinen heimisch; _C. Menziesii_ auf allen Inseln

der Sandwichgruppe (bei den Eingeborenen Hapu Ji oder Heii), ebenso _C.

glaucum_ und _Chamissoi_.

Die Wedelbasen und besonders der Vegetationspunkt zahlreicher

tropischer Baumfarn (Fig. 90) sind dicht besetzt mit Spreuschuppen

oder Spreuhaaren (paleae), die diesen Organen ein gelb-bräunliches,

wolliges Ansehn verleihen. Es sind ziemlich lange, bei _Cibotium_ 2-3,

manchmal sogar 7 oder gar 9 cm Länge erreichende einreihige, bisweilen

gedrehte und zusammengefallene seidigglänzende +Haare+, die aus Reihen

gestreckter, bräunlichgelber, dünnwandiger Zellen bestehen. Oft ist

besonders bei _Paku kidang_ in ziemlicher Regelmäßigkeit jede zweite

Zelle obliteriert. Die Spitze ist stumpf kegelig, die Querwände wellig

gebogen. In _Paku kidang_ findet man bisweilen echte Paleae, die

Zellflächen bilden und Randzähne haben.

[Illustration: Fig. 90.

Baumfarn (_Alsophila_?) am Rande des Urwaldes am Gedeh (Mitteljava).

[+Tschirch+ phot.]]

Läßt man Jodschwefelsäure darauf einwirken, so tritt die Cuticula

als scharf begrenztes Häutchen, der Zellinhalt als ein faltiger Sack

hervor. Nur selten sah ich hierbei Blaugrünfärbung der Wand eintreten.

~Vogl~ gibt an, daß die Wand aus Zellulose bestehe. (~Winterstein~

erhielt bei der Hydrolyse von Zellulosepräparaten aus _Aspidium Filix

mas_ und _Athyrium Filix femina_ Traubenzucker und Mannose.) ~Vogl~

gibt (1864) an, daß die braungelbe Zellwand durch kochende Kalilauge

unter starker Quellung entfärbt und dann in den inneren Schichten

durch Jodschwefelsäure blau gefärbt wird.

Die Farbe der Droge ist bei den einzelnen Sorten etwas verschieden.

_Penawar Djambi_ ist am hellsten, braunrötlichgelb, _Pulu-Pulu_

gelb-bräunlich, _Paku kidang_ fast kaffeebraun. Pharm. austr. VIII

nennt sie «seidenartig oder fast metallisch bronzeartig schimmernd».

Kali färbt sie dunkler, die gelben Haare von _Penawar_ z. B. rotbraun.

Die Breite der Haare beträgt c. 20-45 mik. bei _Penawar Djambi_, bei

_Pulu_ etwa 40-60, bei _Paku kidang_ bis 100 oder 150 (~Tschirch~),

oder gar 300 mik. (~Vogl~). Übrigens ist die Breite sehr wechselnd.

~Vogl~ gibt für _Penawar Djambi_ z. B. die größte Breite auf 100-140

mik. an. Bei _Penawar Djambi_ sind die Haare lang und auf weite

Strecken gerade, bei _Pulu_ durcheinander gewirrt und fast stets

bandartig zusammengefallen, bei _Paku kidang_ entweder walzenrund

oder obliteriert. ~Vogl~ fand in den _Pulu_-Haaren und auch bei _Paku

kidang_ Stärkekörner. Auch ~Oudemans~ und ~Hartwich~ geben kleine

Stärkekörner an. Ich fand solche nur in _Paku kidang_. Außerdem

enthalten sie bisweilen eine vakuolige Masse als Wandbeleg, oder sind

leer und führen Luft.

~de Vrij~ fand «eene groote hoeveelheid Sal Ammoniak en een eigenaardig

zuur» (bei ~Oudemans~).

_Penawar Djambi_ und _Pulu-Pulu_ enthalten 1,53%, _Paku kidang_ 6,74%

+Asche+. Der Wassergehalt beträgt c. 12%.

Die Farnhaare werden seit 1851 hauptsächlich als Stopfmaterial für

Kissen benutzt. Zu diesem Zwecke wurden noch 1908 große Mengen _Pulu_

von den Sandwichinseln nach Nordamerika exportiert. Während 1851 die

Ausfuhr nur 2479 Pfund betrug, stieg sie 1858 bereits auf über 300000

Pfund. 1845 machte man in England den Versuch, die Farnhaare mit Seide

vermengt zu verweben.

Die hämostatischen Eigenschaften der _Alsophila_- und _Cibotium_haare

sollen schon im Mittelalter bekannt gewesen sein (~Barillé~). In

Java und Sumatra werden sie seit Jahrhunderten (nach ~Vogl~ seit den

ältesten Zeiten?) als Hämostatika benutzt. 1843 führte ~Hasskarl~

zuerst die mit den Spreuhaaren besetzten Wedelbasen zu diesem Zweck aus

Java (Wälder am Gedeh) in Holland ein. Die Holländer machten sie also

im XIX. Jahrh. von neuem in Europa bekannt und sie standen schon in

der Pharmac. néerlandica vom Jahre 1856 -- noch heute übrigens in der

Pharmac. austr. VIII.

Die Verwendung der Farnhaare an Stelle der Charpie (daher: charpie

fougère) beruht wohl, wie schon ~Vinke~ annahm, +nur+ auf der

Aufsaugefähigkeit derselben und der geringe, von ~Franchie~ behauptete,

von ~van Bemmelen~ bestrittene Gehalt an Gerbstoff kommt kaum hierbei

wesentlich in Betracht. Da _Penawar Djambi_ niemals steril ist, ist

vor der Anwendung zu warnen. Sterilisierte Baumwolle ist sicherer.

Man sollte _Penawar_ jedenfalls sterilisieren. Immerhin ist die

Aufsaugefähigkeit der Farnhaare beträchtlich, da sie ein großes

Lumen und eine nur dünne Wand besitzen, und alle Beobachter stimmen

darin überein, daß sie ein +vorzügliches Blutstillungsmittel+ sind.

Neuerdings (1902) empfahl sie ~Lubet-Barbon~ als Hämostatikum bei

Nasenoperationen. Vielleicht kommt die Wirkung weniger durch kapillare

Aufsaugung, die ja, da die Haare gegliedert sind, also nur kurze

Röhrchen in Aktion treten können, nur gering sein kann -- als vielmehr

dadurch zustande, daß die Zellen osmotisch das Blutserum aufsaugen und

die Blutkörperchen durch Filtration abtrennen. Läßt man nämlich Blut

zu den Haaren treten, so sammelt sich im Lumen Flüssigkeit, die Wand

quillt und die Blutkörperchen lagern sich an der Außenseite der Zellen

ab und verkleben hier. ~Vogl~ dachte sich (1866) die Wirkung anders,

aber auch nicht durch Kapillarität bedingt. Er nimmt an, daß der Inhalt

der Haare dem Blute Alkali, die Wand ihm Wasser entziehe und dadurch

die Koagulation des Blutes zustande komme.

Daß auch die kurzen Paleae von _Polypodium aureum_ blutstillend wirken,

fand ~Seubert~ schon 1844.

Als Verfälschung wird Kapok angegeben (~Prollius~).

Als Surrogat des _Penawar_ empfiehlt ~Gawalowski~ einen eigenartig

behandelten Torfmull (Näheres in Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 1898,

671).

Eine Zeitlang benutzte man das Dekokt bei Hämorrhagien (~Molkenboer~,

~Gaupp~). Es enthält nach ~Barillé~ neben Harz und einem santelartig

riechenden Körper einen +Gerbstoff+. ~van Bemmelen~ bestreitet,

daß Gerbstoff darin vorhanden ist. Er konnte mit dem Dekokt nicht

die mindeste Wirkung auf das Blut konstatieren. Er fand in den

Haaren: Pflanzenwachs, indifferentes und elektronegatives Harz, eine

eisengrünende Säure, Quellsäure, Quellsalzsäure (?), Humussäure. Es

fehlten: Stärke, Zucker, Alkaloide, Gerbsäure, Bitterstoff, ätherisches

Öl.

In früheren Jahrhunderten kamen nicht die Haare, sondern das

Stammende oder ein großer Blattwedel oder ein Stammstück mit einer

Blattwedelbase als _Agnus scythicus_ (Frutex tartareus, plantanimal,

Vegetable lamb, im chines.: keu tsie, im cochin.: cau tieh) in

den Handel. Man gab wohl auch durch Einstecken von Holz- oder

Bambusstücken, die die Beine vorstellen sollten, dem Ganzen ein noch

tierähnlicheres Ansehn. Aber nur ein sehr blödes Auge konnte dadurch

sich täuschen lassen. In den Beschreibungen der Wunder Indiens

spielte der _Agnus scythicus_ immer eine Rolle. So weiß ~Odorico di

Porto Maggiore~ (I, S. 726) im XIV. Jahrh. viel über dies merkwürdige

Pflanzentier zu berichten und ~Erasmus Francisci~ widmet ihm im +Ost-

und West-Indianischen+ Lustgarten eine weitläufige Beschreibung.

Jetzt findet man es nur noch in Sammlungen. Ich besitze in meiner

Sammlung ein hübsches skythisches Lamm, das sogar ein rotes Bändchen

um den «Hals» trägt und dessen «Beine» aus Bambusstäbchen bestehen

(das Exemplar des British Museums ist abgebildet in ~Rymsdyks~

Museum britannicum, London 1791 tab. XV, Fig. 2). Barometz soll

ein altrussischer Name für Lamm sein. Das ist möglich, denn heute

noch heißt das Lamm im Russischen baraschek (baramek) von baran

= Schaf. Der Name Barometz (Baramets, Boramez) wurde dem _Agnus

scythicus_, wie es scheint, von ~Cardanus~ gegeben (~Vogl~), der

die Heimat des Gebildes -- fälschlich -- in die Gegend zwischen

Wolga und Jaik verlegt. Das «Pflanzentier» war ein bewurzeltes

Tier, das sich solange im Kreise um die Anheftungsstelle drehte,

bis es alles Erreichbare verschlungen hatte. Dann mußte es sterben.

Diese Fabel finden wir auch bei ~Joh. von Maudeville~. Eine andere

Version lautete, daß sich im Lande Chadissa eine Frucht fände, die

aufgeschnitten ein Lamm zeige, das mit der Frucht genossen werde.

~Harsdörffer~ spricht daher von einem «Fruchttier». ~Deursingio~

nennt es _Agnus vegetabilis_. Bei ~Scaliger~, ~Baco von Verulam~,

~Joh. Bauhin~ u. and. findet sich die Fabel dahin modifiziert, daß

aus einem Samen, ähnlich jenem der Melone, ein Kraut hervorwachse,

das die Gestalt eines jungen Lammes besitze. Sein Stengel stelle

gleichsam die Nabelschnur dar (Abbild. nach ~Kircher~ in ~Valentinis~

Museum museorum) und seine reife Frucht enthalte unter dem wollenen

Fließ ein süßes Fleisch. ~Kämpffer~ (I, S. 907) ist der schon

von ~Wormius~ (1694) geäußerten Ansicht, daß es sich um das Fell

unreifer, aus dem Mutterleibe herausgeschnittener Lämmer handele

und in der Tat scheinen derartige Felle in Sammlungen als Barometz

bezeichnet und mit dem eigentlichen _Agnus scythicus_ verwechselt

worden zu sein. Auch ~Valentini~, der ~Kämpffers~ Ansicht teilt,

handelt das Gebilde beim Schaf, also unter den tierischen Objekten

ab. ~Guillaume Saluste~ (in der franz. Übers. des ~Clusius~ durch

~Antoine Colin~ 1619) besang den _Agnus scythicus_ in Versen

(abgedr. bei ~Hanbury~). Bereits Anfang des XVII. Jahrh. scheint

er in Europa als Blutstillungsmittel in Benutzung gewesen zu sein

(~Vogl~). _Penawar Djambi_ war aber seit 150 Jahren aus dem Handel

verschwunden. ~Pomet~ erwähnt es nicht, ebensowenig ~Linné~ (in

seiner Mater. medica), ~Spielmann~ u. and. ~Linné~ gab einer ihm aus

China unter der Bezeichnung Baromez zugekommenen «wolligen Wurzel»

den Namen _Polypodium Baromez_. Die Pflanze selbst sah zuerst

~Loureiro~ (I, S. 903). Er bestätigte, daß es sich um ein stark

behaartes _Polypodium_ handele. Aber noch ~Archer~ hielt die Haare

für den Pappus einer Distel, bis ein 1852 von den Freundschaftsinseln

nach Liverpool gelangtes Wedelstück die Sache endgültig aufklärte.

Damals scheinen diese oder ähnliche Spreuhaare auch nach Deutschland

gekommen zu sein, wo sie für eine Alge gehalten und als _Conserva

aureofulva_ ~Kützing~ beschrieben wurden.

1856 fanden sich im Londoner Handel die behaarten Stammstöcke und

Blattbasen. Später kamen dann nur die Haare in den Handel.

Die genaue botanische Provenienz stellte dann ~Smith~ fest.

=Lit.= ~Kämpffer~, Amoenitates. -- ~Valentini~, Museum museorum,

I, p. 458. -- ~Diels~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. I, 4 (dort

die Abbild. einer Alsophila). -- ~Hanbury~, On Penghawar Djambi a

new styptic. (1856), Science papers, p. 120. -- ~Seubert~, Buchn.

Repert. 86. -- ~Franchie~, Vierteljahrschr. f. prakt. Pharm. 1854,

577. -- ~van Bemmelen~, Chem. Unters. d. Pengh. Dj. Vierteljahrschr.

f. prakt. Pharm. 1856, 321. -- ~Vogl~, Ges. d. Ärzte 1864, Über

blutstillend wirkende Spreuhaare d. Farne, Wien. Med. Jahrb. 1865

(Jahresb. d. Pharm. 1865) und Zeitschr. d. Öster. Apoth. Ver. 3

(1865), 539 (Jahresber. d. Ph. 1866, 28), dort auch die histor.

Notizen, sowie ~Vogl~, Kommentar 1908. -- ~Vinke~, Ausführl. Ref. in

Pharm. Jahresb. 1860, 15 und ~Wittsteins~ Vierteljahrschr. 9, 235

(dort auch die früheren Arbeiten besprochen). -- ~Prollius~, Über die

sog. palea cibotii. Pharm. Zentralh. 1884, 170. -- ~Greshoff~, Bull.

pharm. de Lyon 1891. -- ~Barillé~, Etudes des fibres textiles. Thèse

Straßb. 1868 und Note sur le Penghawar Djambi et le Paku kidang Rep.

de pharm. 1892, 49. -- ~Lubet-Barbon~, Arch. intern. de laryngologie

1902, No. 6. -- ~Oudemans~, Aanteekeningen, Rotterdam 1854 und

Handleiding 1880. -- ~Wiesner~, Rohstoffe II, 466. -- ~Gawalowski~,

Ersatz für Penghawar. Zeitschr. d. Öster. Apoth. Ver. 1898, 671. --

~Brückner~, Russ. Revue 21 (1882), 131 (Histor. -- Nicht gesehen).

-- ~Smith~, Genera filicum 1841. -- ~Kunze~ in Schkuhrs Supplement

t. 31. -- ~Miquel~, Analecta botan. indic. II, 36 und Sumatra 1862.

-- ~Dodge~, Descript. Catal. of useful fiber plants etc. Washington

1897. -- Abbild. d. Haare im Atlas zu ~Oudemans~ Aanteekeningen,

Pl. B, bei ~Planchon-Collin~, I, S. 47, ~Hager-Fischer-Hartwich~,

Handb. d. pharm. Praxis I, S. 827, ~Vogl~, Atlas t. 60, bei ~Barillé~

a. a. O. und ~Prollius~ a. a. O. -- Unters. über d. Zellmembr. d.

Farne und Moose: ~Winterstein~, Zeitschr. phys. Chem. 21 (1895), 152.

Die Fasern.

Die Fasern gehören nicht zu den Arzneidrogen im engeren Sinne, sondern

eigentlich zu den technischen Rohstoffen. Da sie aber auch für den

Pharmakognosten wichtig sind, vielfach in der Pharmazie verwendet

werden, und auch sonst in pharmakognostischen Handbüchern Erwähnung

finden, mögen sie wenigstens +kurz+ an dieser Stelle aufgeführt werden.

Die Pflanzenfasern sind nur selten (_Lein_) reine Zellulose. Die _Jute_

z. B. enthält, wenn reif, 20-30 % Nicht-Zellulose (~Cross~ und ~Bevan~).

Die technisch verwerteten pflanzlichen Fasern.

Unter dem Namen «Fasern» versteht man jetzt sehr verschiedenartige

Dinge. In erster Linie gehören hierher die +Textilfasern+ (Flachs,

Hanf, Jute, Baumwolle, Pflanzenseide, Chinagras, Nesselfaser usw.)

und die zur Papierfabrikation verwendeten +Papierfasern+ (außer

Flachs, Hanf, Baumwolle noch Esparto, Strohfaser, Holzzellen,

Bambusfaser, Hopfenfaser u. and.), dann sind aber auch noch,

wenn man den Begriff ganz weit faßt, den Fasern zuzuzählen: die

als +Stopf-+ oder +Polstermaterial+ verwendeten Pflanzendunen,

édredon végétal, das vegetabilische Roßhaar, Holzwolle; die

+Bürstenmaterialien+: Coir, Pite, Piassave, Esparto, Reisbesen;

die +Seilermaterialien+: Hanf, neuseeländ. Flachs, Manilahanf,

Jute, Pitahanf, Coir, Piassave; die zu gärtnerischen und anderen

Zwecken verwendeten +Bindematerialien+: Lindenbast, Raphiabast,

Ulmenbast, Cubabast; die +Flechtmaterialien+: spanisches Rohr,

Bambus, Esparto, Pitafaser. Ihren morphologisch-anatomischen

Charakter nach stellen diese Fasern sehr verschiedenartige Dinge dar:

Pflanzenhaare (Baumwolle, Pflanzenseide, Pappelwolle, Wollgrasfaser),

einzelne Bastfasern (Lein, Hanf, Jute, Chinagras), Bastfasergruppen

(Manilahanf, neuseeländ. Flachs), subepidermale Baststreifen des

Blattes (Raphiafaser), Bastfasern mit anhängenden anderen Elementen

(Lindenbast), Gefäßbündel mit Bastbelegen (Aloëhanf, Sisalhanf,

Sanseveria und Coirfaser), Gefäßbündelgruppen (Piassave, Kitoolfaser,

crin végétal), ferner zerkleinertes (geschliffenes) Holz (Holzstoff,

Holzzellulose), ganze Wurzeln (Reiswurzelfaser), ganze Blätter

(Espartostroh), ja sogar ganze Pflanzen (Seegras).

Die tierischen Fasern zerfallen in +Tierwollen+ und +Haare+

(Schafwolle, Ziegenhaare, Angora Ziegenhaar, Tibetwolle, Kalb- und

Kuhhaare, Kamelhaar, Kamelziegenwolle, Rehhaare, Schweinsborsten,

Roßhaare u. and.) und +Fäden+ (Seide). Sie sind sowohl

morphologisch als mikrochemisch leicht von den pflanzlichen Haaren

zu unterscheiden. Sie geben z. B. niemals auch nach vorheriger

Behandlung mit ~Schulze~scher Macerationsflüssigkeit die sog.

Zellulosereaktion. Zur Unterscheidung der Tier- und Pflanzenfaser

benutzt ~Molisch~ α-Naphthol (Jahresb. d. Pharm. 1886, 16).

Wenn wir von den ganzen Pflanzen (Seegras, _Zostera marina_ und

_Carex brizoides_) absehen, so können wir die Fasern einteilen:

1. in solche, die pflanzliche +Haarbildungen+ darstellen und

2. solche, die entweder ausschließlich oder doch vorwiegend aus

+Bastfasern+ bestehen.

Bei der Untersuchung pflanzlicher Fasern ist in Betracht zu ziehen:

1. Die Form der Faserzellen: Basis, Lumen, Dicke der Wand, Art der

Verdickung, Spitze, Form des Querschnittes, 2. Länge und Breite

der Faserzellen; 3. Mikrochemisches Verhalten. Außer einer genauen

mikroskopischen Feststellung der morphologischen Verhältnisse spielt

also bei derartigen Untersuchungen das Messen mit dem Mikrometer,

sowie die Einwirkung von Reagentien eine große Rolle. Bei der

Anwendung der letzteren ist zu berücksichtigen, ob man eine rohe

Faser oder eine verarbeitete vor sich hat. Denn durch zahlreiche

Verarbeitungsprozesse (besonders das Bleichen) wird die Faser

chemisch verändert oder erleidet durch aufgetragene Farbstoffe

Farbenveränderungen. So wird bei den meisten Bleichprozessen das

Lignin, wo es vorhanden war, aus der Membran entfernt, dieselbe

reagiert also, auch wenn sie einer verholzten Zelle angehörte, wie

Zellulose. An stark gefärbten Fasern lassen sich mikrochemische

Reaktionen überhaupt nicht anstellen.

Dimensionsverhältnisse

Länge, Dicke, Verhältnis der Dicke zur Länge der wichtigsten Fasern

-- nach den Angaben von ~Wiesner~, ~Vétillard~ und ~von Höhnel~.

-----------------------+------------------+----------------+----------

| Länge mm | Breite in mik |Verhältnis

Name der Faser | | (mmm) |der Dicke

| Min.| Max.|Mittel|Min.|Max.|Mittel|zur Länge

=======================+=====+=====+======+====+====+======+==========

Lein von Linum | | | | | | |

usitatissimum | 4 | 66 |25-30 | 15 | 37 |20-25 | 1200

Hanf von Cannabis | | | | | | |

sativa | 5 | 55 |15-25 | 16 | 50 | 22 | 1000

Hopfenfaser von | | | | | | |

Humulus Lupulins | 4 | 19 | 10 | 12 | 26 | 16 | 620

Nesselfaser von | | | | | | |

Urtica dioica | 4 | 55 |25-30 | 20 | 70 | 50 | 550

Chinagras, Ramié von | | | | | | |

Boehmeria nivea | 60 | 250 | 120 | 16 | 8 | 50 | 2400

Papiermaulbeerbaumfaser| | | | | | | 240-

von Morus papyrifera | -- |10-25|6-15 | -- | -- |25-35 | 430

Sunnfaser von | | | | 25 | | |

Crotalaria juncea | 0,5 | 12 | 7-8 |(20)| 50 | 30 | 260

Besenginster von | | | | | | |

Sarothamnus vulgaris | 2 | 9 | 5-6 | 10 | 25 | 15 | 330

Pfriemenfaser von | | | | | | |

Spartium junceum | 5 | 16 | 10 | -- | -- | 20 | 500

Steinkleefaser von | | | | | | |

Melilotus alba | 5 | 18 | 10 | 20 | 36 | 30 | 330

Gambohanf von | | | | | 33 | |

Hibiscus cannabinus | 2 |6(12)| 5 | 14 |(41)| 21 | 240

Lindenbast von | | | | | | |

Tilia europaea, | | | | | | |

platyphyllos |1,25 | 5 | 2 | 14 | 20 | 16 | 125

Jute v. Corchorus | | | | | | |

capsularis, | 0,8 |(4,1)| 2 | 20 | 25 | 22,5 | 90

olitorius etc. | | 5 | |(16)|(32)| |

Faser von Lagetta | | | | | | |

linteria | 3 | 6 | 5 | 10 | 20 | -- | 500

Bast von Salix alba, | | | | | | |

capraea u. a. | -- | 3 | 2 | 17 | 30 | 22 | 90

Esparto oder | | | | | | |

Alfafaser von Stipa | 0,5 |(1,9)| 1,5 | 7 | 18 | 12 | 125

tenacissima | | 3,5 | | | | |

Faser von Lygaeum | | | | | | |

Spartum | 1,3 | 4,5 | 2,5 | 12 | 20 | 15 | 160

Ananasfaser von | | | | | | |

Ananassa sativa | 3 | 9 | 5 | 4 | 8 | 6 | 830

Faser von Bromelia | | | | | | |

Karatas | 2,5 |10 | 5 | 20 | 32 | 24 | 210

Faser von Bromelia | | | | | | |

Pinguin | 0,75| 2,5 | 2 | 8 | 16 | 13 | 150

Neuseeländischer | | | | | | |

Flachs von | 2,5 |(5,6)| 8-10 | 8 | 20 | 16 | 550

Phormium tenax. | |15 | | | | |

Faser von Yucca sp. | 0,5 | 6 |3,5-4 | 10 | 20 | -- | 170

Sanseveria-Faser v. | | | | | | |

Sanseveria | | | | | | |

zeylanica | 1,5 | 6 | 3 | 15 | 26 | 20 | 150

Pite-Faser von Agave | | | | | | |

americana | 1,5 | 4 | 2,5 | 20 | 32 | 24 | 100

Manilahanf von Musa | | | | | | |

textilis | 3 |12 | 6 | 16 | 32 | 24 | 250

Manilahanf von Musa | | | | | | |

paradisiaca, M. | | | | | | |

Sapientum | -- | -- | 5 | 20 | 40 | 28 | 180

Faser von Phoenix | | | | | | |

dactylifera | 2 | 6 | 3 | 16 | 24 | 20 | 150

Faser von Corypha | | | | | | |

umbraculifera | 1,5 | 5 | 3 | 16 | 28 | 24 | 120

Faser von Elaëis | | | | | | |

guineensis | 1,5 3,5 | 2,5 | 10 | 13 | 11 | 230

Faser von Raphia | | | | | | |

taetigera | 1,5 | 3 | 2,5 | 12 | 20 | 16 | 160

Faser von Mauritia | | | | | | |

flexuosa | 1 | 3 | 1,5 | 10 | 16 | 12 | 130

Coïr-Faser von Cocos | | | | | | |

nucifera | 0,4 | 1 | 0,7 | 12 | 24 | 20 | 35

Tillandsia-Faser | 0,2 | 0,5 | -- | 6 | 15 | -- | --

Piassava | 0,3 | 0,9 | -- | --| --| -- | --

Abelmoschus | | | | | | |

tetraphyllos, Bast | 1 | 1,6 | -- | 8 | 20 | -- | --

Sida retusa, Bast | 0,8 | 2,3 | -- | 15 | 25 | -- | --

Urena sinuata, Bast | 1,1 | 3,2 | -- | 9 | 24 | -- | --

Baumwolle (Gossypium) |10 |52 | -- | 12 | 42 | -- | --

Wollbaumwolle (Bombax) |10 |30 | -- | 19 | 42 | -- | --

Wolle von Ochroma | | | | | | |

Lagopus | 5 |15 | -- | 16 | 35 | -- | --

Vegetabil. Seide v. | | | | | | |

Asclepias | | | | | | |

curassavica |10 |30 | -- | 20 | 44 | -- | --

„ „ „ | | | | | | |

Calotropis | | | | | | |

gigantea |20 |30 | -- | 12 | 42 | -- | --

„ „ „ | | | | | | |

Marsdenia |10 |25 | -- | 19 | 33 | -- | --

„ „ „ | | | | | | |

Strophanthus |10 |56 | -- | 49 | 92 | -- | --

„ „ „ | | | | | | |

Beaumontia |30 |45 | -- | 33 | 50 | -- | --

Aloë perfoliata, | | | | | | |

Aloëhanf | 1,3 | 3,7 | -- | 15 | 24 | -- | --

Calotropis gigantea, | | | | | | |

Bastfaser | 7 |30 | -- | 18 | 25 | -- | --

Bauhinia racemosa, | | | | | | |

Bast | 1,5 | 4 u.| -- | 8 | 20 | -- | --

| |mehr | -- | 8 | 20 | -- | --

Thespesia Lampas, | | | | | | |

Bast | 0,92| 4,7 | -- | 12 | 21 | -- | --

Cordia latifolia, | | | | | | |

Bast | 1 | 1,6 | -- | 15 | 17 | -- | --

Sterculia villosa, | | | | | | |

Bast | 1,5 | 3,5 | -- | 17 | 25 | -- | --

Holoptelea | | | | | | |

integrifolia, Bast | 0,9 | 2,1 | -- | 9 | 14 | -- | --

Kydia calycina, Bast | 1 | 2 | -- |16,8|24,2| -- | --

Lasiosyphon | | | | | | |

speciosus, Bast | 0,42| 5,1 | -- | 8 | 29 | -- | --

Sponia Wightii | -- | 4 | -- | --| --| -- | --

Pandanus | | | | | | |

odoratissimus | 1 | 4,2 | -- | --| --| -- | --

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 36 / 120 段