subtropische Tieflandpflanze, die eine möglichst gleichmäßige
Temperatur (18-26° C.), viel Feuchtigkeit bei anhaltendem Sonnenschein
verlangt, also am besten in Küstenländern angepflanzt wird. _G.
barbadense_ wird besonders an den Küsten von Georgia und Florida, auf
Sea Islands und in Westindien gebaut, gedeiht aber auch in Ägypten. Die
nördlichen und südlichen Grenzen sind etwa der 36° n. und s. Br. (bzw.
30° s. Br. bis 41° n. Br.). Man pflanzt die in Samenbeeten erzogenen
Pflänzlinge in Abständen etwa wie die Kartoffel (ein junges indisches
Baumwollfeld sieht denn auch etwa wie ein Kartoffelfeld aus), oder
legt Reihenpflanzungen (Kammkultur) oder sog. Hügelpflanzungen an, bei
denen die Samen direkt an Ort gebracht werden. An jeder Pflanzstelle
läßt man aber nur die kräftigste Pflanze sich entwickeln. Obwohl die
Baumwollpflanze ein mehrjähriges Gewächs ist, zieht man es doch vor sie
alljährlich neu auszusäen. 1 Hektar produziert 60-300 kg Baumwolle.
Zwei Monate nach der Aussaat beginnt die Baumwollstaude zu blühen, nach
weiteren 2½-3 Monaten ist die Kapsel reif. Die Carpelle rollen sich
alsdann nach außen zurück und es tritt der große weiße lockere Ball der
haarbedeckten Samen hervor (Fig. 84). Nicht alle Kapseln einer Staude
öffnen sich gleichzeitig. Sobald so viel Kapseln aufgesprungen sind,
daß ein Arbeiter 25 kg Baumwolle am Tage sammeln kann, wird mit der
Ernte begonnen, die bei möglichst trockenem Wetter erfolgt (I, Fig.
96 u. 97). Ein Arbeiter kann im Maximum 75 bis 100, selten bis 150
kg sammeln. Eine Baumwollstaude liefert etwa 1¼ kg Baumwolle. Man
hat auch mechanische Erntemaschinen eingeführt (vgl. I, S. 94), aber
noch ist das Problem nicht gelöst. Der Arbeiter nimmt mit einem Griff
den Bausch aus der geöffneten Kapsel (Fig. 83) und sorgt dafür, daß
nicht Kapselteile, Blätter und anderes mit geerntet werden. Die die
Baumwollbäusche enthaltenden Säcke werden dann auf Tennen entleert und
der Inhalt getrocknet. Dann kommen sie in das Ginhaus, um dort zunächst
eine Reinigungsmaschine (Seed Cotton Cleaner oder Exhaustorenreiniger)
zu passieren und dann dem +Gin+ (abgekürzt aus engine = Maschine)
zugeführt zu werden. Das +Ginen+ (Entkörnen, Egrenieren oder
Egrainieren), d. h. das Trennen von Samen und Wolle, erfolgt ebenfalls
durch Maschinen, deren älteste, jetzt meist durch neuere Systeme
verdrängte, die churka (manganello) ist, die noch jetzt da und dort
in Indien benutzt wird. Der +Sägegin+ wurde 1792 von ~Whitney~
erfunden. Neueren Datums ist der +Walzengin+ (Fig. 85). Die Maschinen
enthalten entweder enggestellte +Walzen+ (Walzengin, in Ägypten und
Indien in Gebrauch), die die Haare fassen, während die Samen, die
nicht folgen können, abgeworfen werden oder stumpfe, kreisförmige
+Sägeblätter+ (Sägegin, in Nordamerika in Gebrauch), deren Zähne
durch ein enges Gitter greifen und die Haare von den auf dem Gitter
hinabgleitenden Samen abreißen. Durch das Ginen wird die Samenbaumwolle
zur +Lintbaumwolle+. Meist ist das Verhältnis von Samen zu Wolle wie
2 : 1, im besten Falle wie 6 : 4. Die egrenierte Baumwolle wird dann
in Hanf- oder Jutesäcke oder Häute gefüllt und in hydraulischen oder
Plattenpressen zu Ballen von 30 : 38 : 75 cm = c. 56 kg oder
135 : 70 : 80 cm = c. 180-220 kg gepreßt, die mit eisernen Bändern
umschnürt werden (Fig. 86).
[Illustration: Fig. 86.
Mittelst hydraulischer Pressen hergestellte _Baumwollen_ballen zum
Verladen bereit (St. Louis).]
Die Baumwolle wird noch jetzt, trotzdem auch noch der letztjährige
Spinnerkongreß wieder Handel nach Gewicht verlangte, meist nach
Ballen gehandelt. Diese aber besitzen ein sehr schwankendes Gewicht.
Bei Sea Island finde ich z. B. Gewichte von 373, 375, 377, 384,
388 lbs angegeben; bei Upland 400, 450, 500, 503.69, 510.24, 519,
535 lbs (engl. Pfund), bei afrikanischer 400, 441, 500, 513. Der
+Standardballen+ wird zu 500 (engl.) lbs angenommen.
+Der Wert der Baumwolle+ wird beurteilt nach der Länge des Fadens,
dem +Stapel+, dem Grade der Seidigkeit (abhängig von der Glätte der
Cuticula) und der Feinheit (abhängig vom Durchmesser), der Weichheit,
der Reinheit und Homogenität (abhängig von der Anwesenheit toter
Baumwolle und Frucht- bzw. Samenresten), von der Festigkeit und der
Farbe.
Als langstapelig wird eine Baumwolle bezeichnet, die über 3,5 cm, als
mittelstapelig eine solche, die c. 2,5-3,5 cm, als kurzstapelig endlich
eine solche, die unter 2 cm Stapellänge besitzt. Die Standardmuster
zeigen folgende mittlere Stapellängen in mm: Sea Island 42, ägyptische
(Mako, Jumel) 38, Pernambuco (brasil) 32, amerikanische (exkl. Sea
Island) 28, Port Natal 28, indische 23 und 17.
Der Stapel der indischen Baumwolle ist kurz aber fein, die
Arboreumbaumwolle hat einen seidenartigen Stapel, doch ist die Wolle
schwer vom Samen zu trennen.
In Europa wird die eingeführte Rohbaumwolle mit besonderen Maschinen
gereinigt, von allen Verunreinigungen befreit, gekrempelt und
gekardet (kardiert) -- bisweilen unter Zusatz von _Olivenöl_ --,
dann aufgelockert und durch Benzol oder verdünnte Natronlauge bzw.
Soda vom Fett befreit, mit verd. Schwefelsäure, Seifenwasser und
Wasser gewaschen und dann gebleicht, und in den sog. Wattemaschinen
aufgelockert (coton cardé ou ouate). Um Baumwolle mit «knirschenden
Griff» herzustellen, wird ihr +Stearinsäure+ zugesetzt.
Die für arzneiliche Verwendung bestimmte +gereinigte Baumwolle+ muß
stets entfettet werden. Nicht entfettete sinkt in Wasser nicht unter
und saugt Wasser nur schwer auf, und in der guten Aufsaugefähigkeit
beruht der Wert der Baumwolle. Auch der starke Luftgehalt hindert das
Untersinken. Das Entfetten und Entlüften erfolgt durch Kochen mit verd.
Sodalösung oder Seifenlauge (s. oben).
Die +Darstellung der gereinigten Baumwolle+ (Coton dépuré, Purified
cotton, Cotton wool, Wound dressing cotton) geschieht in der
Weise, daß kardierte, möglichst langstapelige Rohbaumwolle in sehr
verdünnte, siedende Pottasche oder Sodalösung getaucht und dann
sofort ausgewaschen und ausgepreßt und darauf mittelst 5% Calcium-
oder Natriumhypochloritlösung gebleicht wird. Dann wird mit Wasser
gewaschen, bis Lackmuspapier nicht mehr verändert wird, getrocknet und
gekrempelt.
Zu +Verbandwatte+ werden meist die Abfälle der Baumwollspinnereien
(die sog. Kämmlinge) verarbeitet. Sie werden auf dem +Öffner+ von
Unreinigkeiten befreit, auf der +Krempelmaschine+ gekämmt und zu
Vließen verarbeitet Die sog. +Rohwatte+ wird nacheinander mit
Harzseife, Natronlauge oder Soda, Chlorkalk (oder Eau de Javelle),
salzsäurehaltigem und reinem Wasser behandelt, getrocknet und zu
Vließen verarbeitet (~A. Meyer~).
Mit Benzin entfettete Baumwolle ist als Verbandstoff nicht verwendbar.
=Lit.= ~Beckmann~, Vorber. z. Waarenkunde I. Göttingen 1793. --
~Baines~, history of cotton manufacture in Great Britain. London
1835. -- ~Benno Niess~, Die Baumwollspinnerei in allen ihren Teilen.
Weimar 1868. -- ~A. Oppel~, Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau,
Verarbeitung und Handel. Leipzig 1902. -- ~Semler~, Tropische
Agrikultur. -- ~Eckardt~, Der Baumwollbau. 1906. Beiheft VII z.
Tropfenpfl. -- ~Yves Henry~, Le Coton. Publ. d. Gouverm. génér. de
l’Afrique occid. franc. 1906. -- ~Kick~ in ~Karmarsch~ und ~Heeren~,
Technisches Wörterbuch 1876. -- ~von Kapff~, Über Wolle, Baumwolle,
Leinen, natürliche u. künstliche Seide. Leipzig, ~Fock~. 1909.
-- ~E. Frank~, Handb. d. Baumwollindustrie. -- ~C. Heine~, Die
Baumwolle (nach Cotton von ~Burkelt~ and ~Hamilton~). -- ~Kuhn~,
Die Baumwolle, ihre Kultur usw. 1892. -- ~H. Lecomte~, Le Coton.
Paris 1899. -- ~Tobler~ in Kolonialbotanik. -- ~T. F. Hanausek~,
Artikel Baumwolle in Realenzykl. d. Pharm. II, 590. -- ~Wiesner~,
Rohstoffe. -- ~Passon~, D. Kultur der Baumwolle mit besonderer
Berücksicht. derjen. von Brasilien. Nach dem gleichnamigen Werke
von ~d’Utra~, Stuttgart 1910. -- ~M. Schanz~, Die Baumwolle in d.
Verein. Staat. Beiheft z. Tropenpflanzer 1908. -- ~Yves~, Le coton
aux États-Unis-Journ. Agr. pr. pays chauds 1903 (mit einer Übersicht
der Varietäten). -- ~M. Schanz~, Baumwollbau in deutschen Kolonien.
Berlin 1910. -- ~Busse~, Zeitfragen d. Landw. im trop. Afrika m. bes.
Berücks. d. Baumwollbaus. Tropenpflanzer 1907. -- Weit. Lit. unter
Anatomie. -- Der Baumwollbau und -handel im Mittelalter bei ~Heyd~,
Levantehandel II, 572.
=Produktion.= Das wichtigste Produktionsland der Baumwolle ist
+Nordamerika+, wo in Texas, Georgien, Alabama, Mississippi,
Süd-Karolina, Arkansas, Louisiana, Nord-Carolina und Tennessee
Baumwolle gebaut wird. Der Jahresertrag betrug: 1906 über 13 Mill.
Ballen (vgl. I, S. 184). Hauptausfuhrhäfen sind New Orleans (nach
Liverpool wichtigster Baumwollmarkt der Erde), Galveston, Savannah,
Charleston, Wilmington, Mobile, Pensacola, New York, Norfolk, Boston,
Baltimore.
In +Mittelamerika+ baut Haiti, Portorico, Jamaika, Martinique,
Guadeloupe. Die Produktion geht, obwohl das Produkt vorzüglich ist,
zurück.
In +Südamerika+ baut Guyana, Columbien, Venezuela, Peru und besonders
Brasilien Baumwolle. Hauptausfuhrhäfen sind: Barranquilla und
Sabanilla, Puorto Cabello, Pernambuco, Maceió, Ceará.
In +Ostindien+, dem zweitwichtigsten Produktionslande besonders für
ordinäre Sorten, baut +Britisch Indien+ in Bombay, Sind, Berar, Madras,
den Nordwestprovinzen, Haiderabad, den Zentralprovinzen, Pandschab
und Radschputana Baumwolle (am meisten Berar). Die wichtigsten
Produktionsgebiete der Baumwolle in +Vorderindien+ liegen in den
Ebenen von Guzerat und Katkiawar, dem Hochland von Dekkan, den tiefen
Tälern von Berar und den Zentralprovinzen. Hier steht der Baumwollbau
in Kleinbetrieb bei den eingeborenen Bauern und dies bedingt die
Minderwertigkeit des Produktes gegenüber der amerikanischen und
ägyptischen Baumwolle. Hauptausfuhrhäfen sind: Bombay, Calcutta,
Karatschi, Tuticorin, Madras.
In +China+ ist die Kultur umfangreich, reicht aber nicht zur Deckung
des großen Bedarfes. Der Baumwollbau in China reicht bis ins XI. Jahrh.
zurück. Er hat sich allmählich über große Teile des Reiches verbreitet,
wird aber besonders in den Küstenländern betrieben.
Die Kultur in +Japan+ ist ebenfalls beträchtlich, doch deckt sie nicht
den Bedarf und muß Japan Baumwolle aus China importieren.
In +Persien+ (Bezirk von Iphahan), +Transkaukasien+ und +Vorderasien+
ist die Kultur gering. In +Australien+ und den +Südseeinseln+ steigend.
Australien (Queensland) baut die Caravonica. Von der vorzüglichen
Caravonicabaumwolle ist jetzt (1910) sowohl wollige wie seidige im
Handel.
In +Afrika+ baut besonders +Ägypten+ viel Baumwolle im Nildelta,
überhaupt im Küstengebiet. Zuerst _G. herbaceum_ aus Indien, dann
Anfang des XIX. Jahrh. eine nubische Spielart (Jumel, Maho, Mako),
jetzt die Sea-Island-Art und Caravonica. Die Baumwolle ist gegenwärtig
die größte Finanzquelle Ägyptens. Der Ertrag beläuft sich auf über 200
Mill. Frs. Die ägyptische Baumwolle, die seidenartigen Glanz besitzt
und japanischer Seide gleicht, macht der amerikanischen Baumwolle
erfolgreich Konkurrenz. Die besten Baumwollsorten kommen jetzt aus
Ägypten. Die Algerische Kultur hat aufgehört. In den +deutschen
Kolonien+ breitet sich die Kultur aus. Die Baumwollnot im Jahre 1909,
die den Preis der amerikanischen Rohbaumwolle von 9,25 auf 16,15 Cents
hinauftrieb, hat die Aufmerksamkeit der deutschen Konsumenten auf
die Baumwollkulturen in den deutschen Kolonien gelenkt (vgl. ~Supf~,
Deutsch-koloniale Baumwollunternehmungen. Beihefte z. Tropenpflanzer.
1910). Deutsch-Ostafrika lieferte 1908 erst 1081 Ballen = 540298 Pfund,
Togo 1908/09: 2337 Ballen à 500 Pfund.
Die +europäische+ Kultur in Griechenland, Italien, Spanien und der
Türkei ist ohne Bedeutung. Immerhin produziert z. B. Griechenland (von
_G. herbaceum_) jährlich 3840000 kg (~Emmanuel~).
Das Ansteigen der +Baumwollproduktion+ veranschaulichen folgende
Zahlen. Die Weltproduktion betrug 1791: 213,4, 1834: 408,5, 1880/84:
2274,3, 1891/99: 3260,8 Mill. kg pro Jahr. Obenan in der Produktion
steht jetzt Nordamerika, weit dahinter folgt erst Ostindien und dann
mit etwa gleichen Mengen China und Ägypten. Die Baumwollernte der
Erde erreichte 1906: 18,6 Mill. Ballen = 3682,8 Mill. kg. 1908/09
betrug die Baumwollernte in 1000 Ballen (à 400 engl. Pfund): Amerika:
13829, Indien: 4665, Ägypten: 910, Brasilien u. and. Länder: 3063.
-- Total: 22467. Sie steht damit von allen uns interessierenden
Produkten obenan («~King Cotton~»). Der Baumwollverbrauch der Erde
betrug 1. Sept. 1907 bis 1. Sept. 1908 (exkl. ägyptischer B.):
15121281 Ballen (der Vorrat 1. Sept. 1908: 7574130 B.). Der Verbrauch
ägyptischer B. im gleichen Zeitraum: 658256 B. 1909 liefen in der
ganzen Welt 130795927 Baumwollspindeln, davon in Großbritannien c.
53½ Mill., in Nordamerika c. 27½ Mill., in Deutschland c. 10
Mill. 1909 entfielen von der Weltproduktion 66% auf die Vereinigten
Staaten, 13% auf Ostindien, 10% auf Mittel- und Ostasien, 7-10% auf
Ägypten und 4% auf alle anderen Länder. +Nordamerika+ exportierte
+Sea Island+ B. 1908: 33042 bales (= 12699567 lbs), 1909: 25939
bales (= 9740806 lbs) und Upland and other 1908: 7401538 bales
(= 3804299126 lbs), 1909: 8551789 bales (= 4438244396 lbs). Die
Produktion Nordamerikas betrug 1908/09: 13829000 Ballen (1909/10
10-11 Mill.). Die +indische+ Baumwollernte betrug 1908/09: 3643000
Ballen (zu 400 engl. Pfund). Die indische Baumwollernte 1909/10
wird auf 4289000 Ballen geschätzt. +Ägypten+ produziert jetzt
(1910) 5-6 Mill. Cantars pro Jahr. +Rußlands+ Baumwollenbau macht
Fortschritte. 1907 lieferte russ. Zentralasien bereits c. 5750000
Pud, Transkaukasien 800000 Pud. +Java+ exportierte 1908 4221002 kg
ungereinigte Baumwolle.
+Deutschland+ importierte 1909: 4559207 dz +Roh-Baumwolle+ besonders
aus den Ver. Staaten (3½ Mill.), dann aus Brit. Indien und
Ägypten, geringere Mengen aus Niederl. Indien, der asiat. Türkei,
China, Deutsch-Ostafrika, Togo, Peru und Haiti. +Hamburg+ importierte
1908 seewärts 1125919 dz Baumwolle, davon aus den Ver. Staaten:
491132, Brit. Ostindien: 486678, Ägypten: 80124, China: 17466,
kleinere Mengen aus Ostafrika, Westafrika, Kleinasien, Haiti,
Mexico, Peru, Brasilien, Venezuela, St. Croix, Niederl. Indien, den
Gesellschaftsinseln, St. Thomas, Madagaskar, Nicaragua, Portorico,
Jamaica, St. Domingo. Die Einfuhr an Baumwollsamen betrug 120492 dz.
=Lit.= Tropenpflanzer 1907-1910. -- Jahrbuch u. Kalender für die
Baumwollindustrie. Leipzig, ~Degener~ (1909, 30. Jahrg.).
=Handelssorten.= +Nordamerikanische Sorten+ sind: +Sea Island+ (Lange
Georgia) -- +Louisiana+ -- Alabama (Mobile) -- Florida (Pensacola) --
+Kurze Georgia+, +Upland+ -- +New Orleans+ -- Tennessee -- Texas. Ernte
im September.
+Mittel- und südamerikanische Sorten+ sind: Molinos (Mexiko) --
+Pernambuco+ (Brasilien) -- Ceara -- Maceio -- Bahia -- Maranham
-- Surinam (Guyana) -- Demerary -- Berbice -- Cayenne -- Varinas
(Columbia) -- Barcelona -- Cartagena -- +Lima+ und +Payta+ (Peru) --
Haiti -- +Barbados+ -- Portorico -- Guayanilla -- Cuba.
+Asiatische Sorten+: Surate (Dollerah, Ostindien) -- Madras -- Bengal
-- Persische -- Nangking.
+Afrikanische Sorten+: +Maco+ (Jumel, Ägypten) -- Bourbon.
+Australische Sorten+: Die beste australische Sorte ist Caravonica
(woll- und seidenartig), die in Nordaustralien gewonnen wird. Von ihr
werden Alpacca, Silk und Wool unterschieden. Caravonica gilt jetzt als
die beste Baumwolle. Ihr gleichwertig ist die neue (1909) +Mamara+.
+Levantinische Sorten+: Smyrna -- Makedonien.
+Europäische Sorten+: Griechische -- Motril (Spanien) -- Castellamare
(Italien). Ohne Bedeutung: neapolitanische, römische, sizilianische.
Die +Hauptmärkte+ für Baumwolle in Europa sind: +Liverpool+, +Bremen+,
Hamburg, Havre, Marseille, Antwerpen, Rotterdam, Dünkirchen,
Barcelona, Triest, Venedig, Neapel, Genua. Bremen ist erster deutscher
Baumwollhafen.
Karte der Baumwollproduktion der Erde in ~Langhans~, Kleiner
Handelsatlas 1895, Nr. 10 u. 11.
=Anatomie.= Die +Baumwollsamen+ sind rundlich, 7-9 mm lang,
3-5 mm dick. Die Epidermiszellen der Samenschale sind zum
Teil zu den Baumwollhaaren ausgewachsen. Der Haarfilz bedeckt
entweder die ganze Samenoberfläche (_G. arboreum_ u. _hirtum_)
oder liegt nur an der Basis und der Spitze (_G. religios._).
Von der Fläche betrachtet erscheinen die Epidermiszellen etwas
unduliert. Oft sind die derbwandigen, einen braunen Inhalt
führenden, nicht zum Haar ausgestülpten Zellen sternförmig um die
Haarzelle gruppiert (~Hanausek~). Bei Samen mit Grundwolle sind
nahezu +alle+ Epidermiszellen zu Haaren ausgestülpt. Dann folgt
die Pigmentschicht. Sie besteht aus 4-5 Schichten tangential
gestreckter, farbstofführender Parenchymzellen. Auf diese folgt
die Kristallzone, ein (oder zwei) Reihen verdickter, bisweilen
gut ausgebildete Kristalle führender isodiametrischer Zellen.
Die bis hierher beschriebenen Schichten gehen aus dem äußeren
Integument hervor (~Schlotterbeck~). Die nächste Schicht besteht
aus stark verdickten Palissaden-Sklereïden, deren kleines Lumen
ziemlich weit außen liegt. Die dann folgende, reich durchlüftete
Nährschicht ist stark obliteriert; außen führen die ziemlich
dickwandigen Zellen Farbstoff. Die innerste Schicht des inneren
Integumentes (~Schlotterbeck~) besitzt Zellen, die zierliche
zentripetale Wandverdickungen zeigen (Fransenzellen ~Hanauseks~,
cellules plissées ou frangées ~Perrot~). Dann folgt ein sehr
schmaler Nucellusrest, ein meist nur einschichtiger Endospermrest
und dann die außerordentlich stark gefalteten Cotyledonen, die im
Querschnitt dunkel punktiert erscheinen, da sie zahlreiche, eine
blau- oder grünlich-schwarze Masse enthaltende schizogene (~Perrot~
oder lysigene ~Hanausek~, ~von Hoehnel~) Sekretbehälter führen. Sie
enthalten Oxalatdrusen, Öl und Aleuron. Auf der Oberseite liegt eine
Palissadenschicht. Das Sekret ist nicht näher studiert. Es löst sich
in konzentrierter Schwefelsäure mit trüb-blutroter Farbe (~T. F.
Hanausek~). Auf der Epidermis der Cotyledonen sitzen Haare ähnlich
den ~Mitscherlich~schen Körperchen (~Perrot~).
=Lit.= ~Flückiger~, Über d. Baumwollsamen. N. Jahrb. f. Pharm. 1871.
-- ~Harz~, Landwirtsch. Samenkunde II, 741. -- ~Kobus~, Kraftfutter
und s. Fälsch. Landw. Jahrb. 13, 1884. -- ~v. Bretfeld~, Anatom. d.
Baumwolle- u. Kapoksamen. Journ. f. Landw. 35, 1887, 29. -- ~T. F.
Hanausek~, Zur mikrosk. Charakt. d. Baumwollsamenprodukt. Zeitschr.
Öster. Apoth. Ver. 1888, 569 u. Samen in ~Wiesner~, Rohstoffe. --
~Guignard~, Rech. sur le développem. de la graine etc. Journ. d.
Botan. 1893. --~Zwaluwenburg~ and ~Schlotterbeck~, Anatomy of the
cotton seed and the development of its seed coats. Proc. Amer.
pharm. Assoc. 1899, 185 (mit 1 Taf.) (Entwicklungsgeschichte).
-- ~Hanausek-Winton~, Microscopy of technical products p. 59. --
~Perrot~, Bull. sc. pharmacol. 1902, 336. -- ~Greenish~, Struct.
of cotton seed. Festschr. f. Vogl. -- Die Preßkuchen auch in
~Collin-Perrot~, Residus industriels 1904.
[Illustration: Fig. 87.
_Gossypium spec._
1 Längsschnitt und 2 Querschnitt durch den Samen, C die gefalteten
Cotyledonen, R Radicula. [Nach +J. Moeller+, Mikroskopie.]]
Mikroskopisch betrachtet erscheint das +Baumwollhaar+ besonders bei
den indischen Sorten als ein breites, bisweilen gekörneltes Band,
das häufig um seine Achse korkzieherartig gedreht ist (Fig. 88) und
drei- bis viermal breiter ist als dick. Bei den feineren, dünneren
Sorten aus Nordamerika und Ägypten ist das Haar wenig oder gar nicht
zusammengedrückt, nur schwach seilförmig gedreht, ja auf weite Strecken
fast zylindrisch, sehr dickwandig mit schmalem Lumen und wulstigen
Rändern. Nach ~Wiesner~ soll sich die Torsion bei _G. herbaceum_
über die ganze Länge, bei _G. arboreum_ und _barbadense_ nur auf den
mittleren Teil erstrecken, bei versponnener Baumwolle ist bisweilen
gar keine Torsion mehr zu bemerken. Durch Salpetersäure wird die
Drehung aufgehoben. Das Lumen ist immer klein. Es enthält Reste des
Plasmas. Bedeckt ist das Haar mit einer sehr feinen Cuticula, die glatt
ist oder Körnelung bzw. Streifung zeigt und bisweilen zart spiralig
oder netzförmig gezeichnet ist (näheres bei ~Wiesner~). Der wollige
Charakter der Caravonicawolle wird durch eine sehr scharfe regelmäßige,
feine spiralige Streifung, der seidige der Caravonicaseide durch dichte
und feine wellige Streifung der Cuticula bedingt (~T. F. Hanausek~).
Das Baumwollhaar ist in der Mitte am breitesten (~Wiesner~), an
der Basis schmäler. Die Spitze ist spitzkegelförmig, spatelförmig,
abgerundet oder kolbenförmig, meist sehr dickwandig (~von Höhnel~),
bei der Caravonica oft schief abgeplattet (~T. F. Hanausek~). Die
Dimensionen schwanken innerhalb bestimmter Grenzen, die +Dicke+ von
10-42 mik (bei _G. herbaceum_ 12-22, _barbadense_ 19-28, _arboreum_
20-38, _religiosum_ 20-40 mik, ~Wiesner~). Die +Länge+ (der Stapel) von
10-40 mm (nach ~Bolley~: 25-60 mm, nach ~Wiesner~ bei _barbadense_:
max. bis 51 mm, nach ~Sadebeck~ bei _Sea Island_: max. 41-52 mm).
Genauere Angaben über Dicke und Stapellängen der Handelssorten
bei ~Höhnel~. Die +Stapellängen+ betragen (nach ~Höhnel~) bei _G.
barbadense_ (Sea Island) 40,5, _G. b._ (Brasilien) 40, _G. b._
(Ägypten) 38,9, _G. arboreum_ (Indien) 25, _G. herbaceum_ (Makedonien)
18,2, _G. herbac._ (Bengalen) 10,3 mm. Bei _Caravonica_ (nach ~T.
F. Hanausek~) bis 45 mm. Bei der Breitenbestimmung gibt man das
Breitenmaximum und die häufigste maximale Breite an (~Wiesner~).
[Illustration: Fig. 88.
_Baumwoll_haare, oben: Querschnitte. [Nach +von Hoehnel+.]]
An der Basis ist das Haar, da es vom Samen abgerissen wird (s. oben),
meist offen. Eine Ausnahme macht die _Caravonica_baumwolle, bei der
(nach ~T. F. Hanausek~) die verholzte Haarbasis erhalten ist, das Haar
wird bei ihr also aus der Epidermis herausgezogen, nicht abgerissen. In
der Mitte, wo das Haar auch am breitesten ist, ist das Lumen am größten
und die Wand relativ dünn; nach beiden Enden wird das Lumen enger und
die Wand dicker. Die Dicke der Wand ist bei der Baumwolle beträchtlich.
Sie beträgt ⅓-⅔ des Durchmessers der Zelle. Die Baumwolle
besitzt daher eine sehr bedeutende Festigkeit. Der Querschnitt
der Baumwollhaare, die nie zu Gruppen zusammenhängen (wie einige
Bastfasern), ist elliptisch, eiförmig, lineal, mitunter nierenförmig
oder halbmondförmig, gekrümmt (Fig. 88) -- niemals kreisrund oder
polygonal; das Lumen der Umrißlinie entsprechend, linienförmig, schmal,
länglich, niemals kreisrund. Schichtung fehlt oder ist nur schwach
angedeutet. Nach Behandlung mit Jod-Schwefelsäure ist der Querschnitt
meist breit-elliptisch oder unregelmäßig aufgequollen, das Lumen
aber unverändert länglich; die Zellwand himmelblau, in den äußeren
Partien dunkler; Cuticula und Inhalt undeutlich (~T. F. Hanausek~,
~von Höhnel~). +Verschiebungen+ (im Sinne ~von Höhnels~), die bei den
gebrochenen Fasern (Lein, Hanf) stets vorkommen, fehlen der Baumwolle.
Läßt man auf das Haar frisches konzentriertes, durch Auflösen
frisch gefällten Kupferoxydhydrates in konz. Ammoniak bereitetes
Kupferoxydammoniak einwirken (~Cramer~, 1857), so quillt die Wand und
läßt Schichtung hervortreten. Die Cuticula zerreißt oder bleibt in
Form von Ringen da und dort erhalten, zwischen denen die Zellulosewand
bauchig hervorquillt (Fig. 89). Der Inhalt zeigt, da sich das Haar bei
dieser Behandlung verkürzt, Querfaltungen, doch treten die bauchigen
Hervorquellungen bisweilen nicht hervor, z. B. nicht bei _G. flavidum_
und _religiosum_ (~Wiesner~), nicht bei gebleichten Baumwollwaren
(Zwirn, Kattun), deren Fasern die Cuticula fast vollständig fehlt,
nicht bei Anwendung von zu wenig konzentriertem Kupferoxydammoniak.
Die Cuticula ist nicht immer gleich ausgebildet. Sie ist bald dünn
und glatt (Sea Island, Lang. Georgia von _G. barbadense_), bald
derb, gekörnelt und rauh (die matten, dickfaserigen Sorten von _G.
arboreum_, _herbaceum_, _religiosum_). Die unreife (todte) Baumwolle
ist schwerer in Kupferoxydammon löslich, färbt sich mit Jodjodkali
nur hellgelb und ist nicht doppelbrechend (~R. Haller~). Ihre Wand
ist dünn, das Haar nicht gedreht, die Cuticula fein gestreift. Wird
Baumwolle mit Kalilauge gekocht und dann ausgewaschen, so färbt
sie sich mit Jodjodkalilösung rötlichbraun. Chlorzinkjod färbt die
Wand, wenn sie dünn ist, so daß nur schwache Quellung eintritt,
braunrot, bei starker Quellung violett bis blau (~A. Meyer~). Mit
Jodjodkali behandelte Baumwolle wird durch konz. Schwefelsäure in
eine blaue Gallerte übergeführt. Cuticula und Plasma werden hierbei
gelbbräunlich. Phloroglucin-Salzsäure und Anilinsulfat-Schwefelsäure
färben Baumwolle nicht. Nach Behandeln mit Ammoniak tritt auf der
Cuticula feine Streifung hervor. Die seidenartig glänzende, besser
färbbare +mercerisierte Baumwolle+, die dadurch erhalten wird, daß
Baumwollgewebe oder Garne in stark gespanntem Zustande mit Ätzalkalien
behandelt werden, besitzt keine Cuticula mehr, quillt daher mit
Kupferoxydammon gleichmäßig, zeigt keine korkzieherartige Drehung und
meist randlichen Querschnitt. Zur Herstellung der Schießbaumwolle
eignet sich nur langstapelige Baumwolle (~Dawson~).