Ob das aus dem Extractum taraxaci bisweilen auskristallisierende

+Calciumlaktat+ in der Pflanze präformiert ist oder sich erst (aus

Zucker, ~Ludwig~) nachträglich bildet, ist noch zu untersuchen. Der

besonders in vergorenen, aber auch in frischen Auszügen der Wurzel

auftretende +Mannit+ [~Widnmann~ (1832), ~Frickhinger~ (1840), T. u.

H. ~Smith~ (1849)] ist wohl ein erst bei der Verarbeitung auftretendes

Produkt. ~Hermbstädt~ glaubte +Weinstein+ (?) gefunden zu haben.

Der in den Blättern, Blüten und Stengeln von ~Marmé~ gefundene +Inosit+

fehlt der Wurzel (~Stillé~, ~Maisch~). Doch glaubte ihn ~Marmé~ auch

dort gefunden zu haben.

Der Feuchtigkeitsgehalt beträgt 13,4% (~Nygård~).

Die +Asche+ der Wurzel beträgt 7,8% im Frühjahr, 5,5% im Herbst

(~Frickhinger~). Die im April gegrabene Wurzel lieferte bei 100°

getrocknet nach ~Flückiger~ 5,24%, ~Nygård~ 4,85% Asche (Analyse der

Asche bei ~Sayre~ 1897). ~Hauke~ fand 6,85-7,72%; obere Grenzzahl 8%.

Die Pharm. austr. fordert für die Blätter höchstens 16%, für die Wurzel

höchstens 8% Asche.

In den Blättern findet sich neben Inosit Schleim, Zucker, Harz

(~Sprengel~).

Im Mai mit Blütenknospen gesammelte Blätter enthielten 2,81%

Stickstoffsubstanz, 0,69% Fett, 7,45% stickstofffreie Extraktivstoffe

(Zucker), 1,90% Asche (~Storer~ und ~Lewis~).

~Sayre~ konnte (1894) keinen Unterschied im Gehalt der Droge an

Taraxacin, Harz und reduzierendem Zucker finden, ob die Pflanze

im Hochlande Amerikas oder in der Ebene gesammelt wurde. +Die

Septemberwurzel enthält das meiste Taraxacin, die Märzwurzel gibt das

meiste Extrakt, die Augustwurzel enthält das meiste Inulin und die

Oktoberwurzel das meiste Lävulin+ (~Sayre~).

Der als Cichorienersatz verwendete =Löwenzahnkaffee= enthält 8,46%

Wasser und in der Trockensubstanz: 65,74% wässriges Extrakt, 1,53%

Zucker, 18,64% Rohfaser und in der Asche wasserlöslich 3,20%, unlöslich

4% (~Kornauth~).

=Chemie.= Ältere Analysen von ~Delius~ (De taraxaco. Erlangen 1754),

~John~ (Chem. Unters. der Löwenzahnmilch. Chem. Schr. IV u. in

~Gmelin~, Handb. d. Chem. II, 1827) und ~Squire~ (~Brande~, Dict.

of mat. med. 532). -- ~Pfaff~, Syst. d. Mat. med. VI. -- ~Pereira~,

Elem. of mat. med. -- ~Polex~, Arch. Pharm. 19, 1839, 50, Pharm.

Journ. I, 425. -- ~Jürgens~, Diss. Dorpat. -- ~Dragendorff~ a. a. O.

-- ~Widnmann~, Buchn. Repert. 43 (1832), 281. -- ~Frickhinger~, Vgl.

Analys. der im Herbst u. Frühj. gesammelten Wurzeln. Rep. 23, 45.

Pharm. Jahresb. 1840. -- ~Buchner~, ebenda 1841. -- T. und H. ~Smith~

(mit ~Wilson~ u. ~Stenhouse~), On the extraction of mannite from the

root of Dandelion. Pharm. Journ. 8 (1848/49), 480. -- ~Schweitzer~,

Chem. News II (Arch. Pharm. 1861, 380). -- ~Ludwig~, Arch. d. Pharm.

107 (1861), 8. -- ~Marmé~, Lieb. Ann. 129 (1864). -- ~Symes~, Pharm.

Journ. (3) 10 (1869), 361. -- ~Elborne~, Succus Taraxaci. Pharm.

Journ. 15 (1884/85) (dort die ältere Lit.). -- ~Kromayer~, Arch.

Pharm. 1861, 6 und die Bitterstoffe. 1862. -- ~La Wall~ (Extrakt),

Amer. journ. pharm. 1896, 7. -- ~Sayre~, Amer. Journ. pharm. 1894,

505, 1895, 465, 1896, 518, 1897, 494 und The important constituents

of Taraxacum root. Amer. journ. ph. 1897, 543. -- ~Sayre~, Alkaloid

constituents of Taraxacum. Proc. Amer. pharm. Assoc. 1898, 341.

-- ~Zwaluwenburg~ und ~Gomberg~, Amer. journ. pharm. 1899, 500

(Proc. am. ph. ass. 1899, 305). -- ~Stoddart~, Pharm. Journ.

1870/71, 882.-- ~Storer~ und ~Lewis~ (1877) bei ~König~ (dort auch

weit. Lit). -- ~Nygård~, Pharmac. Notisblad Helsingfors 1909. --

~Rundquist~, Farm. Notisbl. Helsingfors 1904. -- ~Koch~, Amer.

journ. ph. 1892, 65. -- Pharm. Jahresb. 1892, 76. Bot. Jahresber.

1892 II, 408. -- Asche: ~Röders~ Handelsber. (Pharm. Post 1905). --

~Kleiber~, Vers. z. Best. d. Gehaltes einiger Pfl. u. Pflanzenth.

an Zellwandbestandteilen, Hemicellulosen u. Cellulose. Diss. Zürich

1900. -- ~Storer~, Chem. Centralbl. 1902, 1155. -- ~Havenhill~, West.

Drugg. 1905 (Literaturübersicht). -- Vgl. auch ~Flückiger-Hanbury~,

Pharmacographia und ~Flückiger~, Pharmakognosie.

=Anwendung.= Der harntreibenden Wirkung wegen (s. oben) nennt schon

~Lobelius~ das Kraut _Herba urinaria_, andere _seris_ (s. oben S.

203) _urinaria_. Der Saft der frischen, im Frühjahr gegrabenen ganzen

Pflanze ist noch jetzt bei den sog. «blutreinigenden» Frühlingskuren

in Gebrauch, galt von jeher auch in Indien schon als ein Heilmittel

bei Leberleiden, und wird auch neuerdings wieder dafür warm empfohlen

(~Fyfe~ 1906). Die Wirkung beruht wohl auf dem Taraxacin.

_Taraxacum_ steht auch in der Liste der ~Kneipp~schen Mittel als Mittel

gegen Hämorrhoiden, Leberleiden usw. -- Der Saft der frischen Pflanze

auch gegen Gelbsucht.

In Formosa ist _Taraxacum_ ein Antidot bei Schlangenbissen (~Jackson~).

Auf Island werden die frischen Wurzeln gebraten gegessen (~Schübeler~).

In England dienen die jungen Blätter als Gemüse. Die geröstete Wurzel

ist ein Kaffeesurrogat. Hierbei kommt in erster Linie das Inulin

in Betracht (s. oben). Dandelion Cocoa ist ein Gemisch von _Extr.

taraxaci_ und löslichem Cacao (~Stoddart~).

=Geschichte.= Die Griechen und Römer beachteten die Pflanze wenig.

Sie ist vielleicht das πέρδιον (Perdikion) des ~Theophrast~

(~Parkinson~, Theatr. Botan.). Die ἀφάκη des ~Theophrast~,

~Dioskurides~ und ~Plinius~ kann nicht _Taraxacum_ gewesen sein,

obwohl ja der Name aphaka der Pflanze im Mittelalter anhaftete und

die Pflanze jetzt in Griechenland πικραφάκη heißt (s. oben S. 207).

Die Deutung von aphake als _Vicia cracca_ oder _Lathyrus aphaca_

erscheint mir wahrscheinlicher, denn es steht zwischen lens und

pisum. Eher deutet die Beschreibung von _Hedypnoïs_ als einer Art

Cichorie, die sich bei ~Plinius~ findet, auf _Taraxacum_ und dieser

Name findet sich auch unter den Synonymen der Pflanze bei ~Fuchs~

(t. 680) und ~Gesner~. Die Araber (~Rhazes~, ~Avicenna~) benutzten

die Pflanze unter den oben (S. 207) angeführten Namen, aus denen

dann _Taraxacum_ wurde, welcher Name aber erst wieder bei ~Lobelius~

und ~Lonicerus~ auftaucht (~Flückiger~). ~Haller~ benutzte ihn als

Genus. Bei ~Ibn Baithar~ heißt die Pflanze, die als wilde Cichorie

bezeichnet wird, +Tharachschakuk+ oder Marurijat. ~Simon Seth~ (XI.

Jahrh.) verbreitet sich eingehend über ihre Heilkraft. Im Pen tsʿao

kang mu (I, S. 519) steht _Taraxacum_ unter den sanften, schleimigen

Pflanzen. ~Fuchs~ bildete die Pflanze ab, ebenso ~Bock~. ~Linné~

wählte (1762) den Namen _Leontodon Taraxacum_. Der Löwenzahn war der

Liebesgöttin ~Freya~ geweiht. Sie wird noch heute (z. B. im Aargau)

von den Mädchen zum Liebesorakel und Schönheitsmittel benutzt. In der

Schweiz ist sie Kiltblume. In der Hamburger Apothekerordnung 1587 (I,

S. 818) steht: _Rad. taraxaconis_.

=Paralleldrogen.= Als «Substitutes for Taraxacum» führt die

Pharmacographia indica auf: _Lannaea pinnatifida_ ~Cass.~, _Lactuca

Heyneana_ DC., _Emilia sonchifolia_ DC., _Sonchus oleraceus_ ~Linn.~,

_Echinops echinatus_ ~Dc.~, _Dicoma tomentosa_ ~Cass.~, _Notonia

grandiflora_ ~Dc.~, _Tagetes erecta_ ~Linn.~, _Anaphalis neelgerriana_

~Dc.~, _Carduus nutans_ L. und _Calendula officinalis_ L. Nach ~Dymock~

in Indien auch: _Brachyramphus sonchifolius_ ~Dc.~ und _Microrhynchus

sarmentosus_ ~Dc.~ Nach ~Dragendorff~ in China: _Taraxacum sinense_

~Dc.~ und _T. laevigatum_ ~Dc.~

Rad. Bardanae.

Klettenwurzel -- glouteron, bardane (franz.) -- bur, burdock (engl.)

-- klis (holl.) -- gobo, kitakisu, uma fuki (jap.) -- seta koroki

(aino) -- ta-li-tzu, nin fang (chin.).

=Syn.= Nach ~Sprengel~ (Hist. rei herb.) die ἀπαιρίνη des

~Theophrast~ (Hist. plant. VII, 14) und das ἄρκτειον des

~Dioskurides~. Das ἄρκτιον im Cod. Constant. ist jedenfalls ein

Arctium (kein Verbascum!) +Althd.+: bletacha, chledda, cliba, kletta,

kliba, letiche lettecha, pletecha -- +mhd.+: burres, chledden,

clesse, crasse, klaten, klett, klobe, breit ledecha, sumerlatich

-- +mnd.+: klive, krotenbleder. Die vielen alten deutschen Namen

zeigen, daß die Pflanze diesseits der Alpen viel beachtet wurde. Im

Mittelalter auch: Lappa (z. B. bei ~Isidor~), Lapathum, Personata. In

der +Alphita+ (I, S. 642) steht: Bardana, Lappa maior, Lappa inversa,

clote, burr, gert. Es wird Lappa major (bardona) von Lappa incisa

(agrimonia) und Lappa caprina unterschieden. Bei ~Hildegard~ heißt

die Lappa auch cletta. Lappa findet sich bei ~Albertus Magnus~ (I, S.

673). Bardana steht bei ~Cordus~ (I, S. 797), Bardane und Klyve im

Gothaer Arzneibuch (I, S. 679).

=Stammpflanze und Systemat. Stellung.= =Arctium L.= (Lappa ~Juss.~)

Die Gattung Arctium hat vier Arten, die aber auch nur als Abarten

einer Grundform (_Arctium Lappa_ L.?) betrachtet werden (~Schinz~ und

~Keller~ halten die Arten aufrecht):

_Arctium tomentosum_ (~Lam.~) ~Schrank~ (_A. Bardana_ W., _Lappa

tomentosa_ ~Lam.~), Köpfe doldentraubig, dicht spinnewebig, filzig,

innere Hüllblätter mit gerader Stachelspitze, fast strahlend.

_Arctium Lappa_ L. (ex parte. _A. majus_ ~Schrank~, _Lappa

officinalis_ ~All.~, _L. major_ ~Gärtn.~). Sehr groß, bis 3 m, Köpfe

doldentraubig, Hüllblätter grün, kahl, Körbe wallnußgroß.

_Arctium minus_ ~Schrank~ (_Lappa glabra_ _Lam._, _L. minor_ ~Dc.~).

Köpfe traubig, Hüllblätter an der Spitze rötlich, etwas spinnewebig.

_Arctium nemorosum_ ~Lejeune~ (_Lappa macrosperma_ ~Wallr.~, _L.

nemorosa_ ~Körn.~) mit rutenförmig übergebogenen Zweigen.

Alle liefern _Rad. bardanae_. Die letztgenannte Art in Mitteleuropa,

die drei anderen in Europa und Asien weit verbreitet, z. B. in

Japan, namentlich auf Schutt und in Dorfstraßen, an Wegen und Hecken

häufig, in Nordamerika eingeschleppt. (Abbild. bei ~Hoffmann~ in

~Engler-Prantl~, Pflanzenfamilien IV, 5, 319.)

+Compositae+, Cynareae-Carduinae.

=Etym.= +Lappa+ (Lapathum) von λαβεῖν (= ergreifen, vielleicht

in Beziehung zum keltischen lapp, llap = Hand) wegen der an den

Kleidern festhaftenden Früchte, welche Eigenschaft ihr bei den

Griechen den Namen φιλάνθρωπος (quod vestibus hominum inhaeret ob

asperitatem sagt ~Isidor~) und im Deutschen die Bezeichnung Klette

eintrug und wohl auch mit dem französischen Namen grateron (von

gratter = kratzen) und mit der englischen Bezeichnung bur (ags.

burr, dän. borre) zusammenhängt, das mit borre (ital.) und borste

in Beziehung gebracht wird. Unwahrscheinlicher erscheinen mir die

Ableitungen von λάπη (= Schleim), obwohl in dem französ. Namen

glouteron (glutinosus = klebrig) ähnliches anklingt. -- An die

breiten Blätter erinnert: Oreille de géant (= Riesenohr), sowie viele

Volksnamen (s. bei ~Pritzel-Jessen~) und auch im engl. burdock --

aus dem wohl das spätlatein. bardane entstand (?) -- steckt etwas

ähnliches: dock, angs. docce ist der Name vieler breitblättrigen

Stauden (~Kanngiesser~). Die Ableitung von Bardana von barda (ital.

= Pferdedecke) oder gar von den Barden (~Wittstein~) erscheint mir

abenteuerlich. -- Arctium, ἄρκτιον wohl von ἀρκτός (= Bär) wegen der

wolligen Beschaffenheit. Die japan. Bezeichnungen seta (= Hund) und

uma (= Pferd) bei Pflanzennamen, wie unser Hundszunge, Roßkastanie

usw., halb verächtlich (wegen der großen Häufigkeit). -- Vielleicht

war das kekel (?) der alten Juden (I, S. 489) Klettenwurzel.

=Kultur.= Die Pflanze wird in Japan in umfangreichstem Maße

kultiviert und die Wurzel als Gemüse von allen Bevölkerungskreisen

gegessen. Japan erzeugte 1888: 72 Mill. pounds (~Nitobe~).

=Beschreibung.= Die Kletten sind zweijährige Kräuter mit langer

spindelförmiger Wurzel und bis über meterhohen aufrechten ästigen,

mehr oder weniger wollig-behaarten Stengeln. Die großen dicken, am

Rande buchtig-gezähnten Blätter sind unterseits mehr oder weniger

weißlich-filzig. Die kugeligen Blütenkörbe besitzen hakenartig

gebogene Deckblätter. Die Einschließung der Blüten in den Hüllkelch

war schon den Alten aufgefallen. Bei ~Plinius~ steht «Notabile et in

Lappa quae adhaerescit, quoniam in ipsa flos nascitur, non evidens,

sed intus occultus et intra seminat, velut animalia, quae in se

pariunt» (!). Die Wurzel wird im Herbste des ersten oder im Frühjahr

des zweiten Jahres gesammelt. Sie ist fingerdick, dunkelgraubraun,

innen grauweißlich, oft mit schwammig-fädigem Kern und riecht frisch

widerlich narkotisch wie Mohnköpfe (~Wittstein~). Trocken ist sie

fast geruchlos und schmeckt fade, schleimig-süßlich. Oben trägt

sie oft einen weißlichen Schopf. Die deutlich strahlig gebaute

Wurzel besitzt im Holzkörper schmale Gefäßstrahlen, Markstrahlen

und viel Holzparenchym. In älteren Wurzeln findet sich Libriform

(~Zörnig~). Die Gefäßstrahlen setzen sich nach außen in keilförmige

Sieb-Milchröhrenstrahlen fort. Die Endodermis bleibt erhalten. Im

Zentrum findet sich ein weißes, schwammiges, aus abgestorbenem

Zellgewebe entstandenes, sehr zerrissenes, markartiges Gewebe,

sog. «falsches Mark» (~Berg~). Im zweiten Jahre wird das Gewebe

der Markstrahlen mehr oder weniger zerstört, so daß zuletzt nur

noch schwammige Rindenreste und die von den Holzparenchymresten

bekleideten Xylemplatten übrig bleiben (~Lürssen~). Sie enthält

reichlich Inulin (bis 57% ~Kellner~, 70% ~Weckler~), 6,32% Zucker

(~Nygård~), 0,065% flüchtiges Öl. Eine allgemeine Analyse teilte

~Weckler~ mit. Er fand 5% Glukose, 0,4% Fett, Schleim, einen

Bitterstoff, Harz und Gerbstoff. Die frischen Wurzeln enthalten 73,8%

Wasser, 5,6% Stickstoff, 10,5% Asche (~Nitobe~). In den Früchten fand

~Trimble~ ein bitteres Glykosid, Lappine.

=Pathologie.= Über die tierischen Schädlinge der Pflanze berichtet

~Israël~: _Agrotis stigmatica_ ~Hübn.~: Raupe an _Lappa_-,

_Lactuca_-, _Plantago_-, _Primula_-, _Geum_arten und anderen niederen

Pflanzen. _Plusia gamma_ L.: Die Raupe dieser gemeinsten aller Eulen

ist polyphag. Auf _Lappa_arten tritt sie häufig auf. Mitunter auf

Kleefeldern und Rübenäckern verheerend. _Plusia jota_ L.: Raupe

auch an _Anthemis_, _Lonicera_, _Vaccinium_, _Lamium_ usw. _Plusia

chrysitis_ L.: Außer an _Lappa_arten auch an den verschiedensten

anderen Pflanzen, _Dipsacus pilosus_, _Urtica_, _Stachys_ usw. _Polia

flavicincta_ W. V.: Raupe an _Lappa_, _Artemisia_, _Rumex_arten usw.

_Polia polymita_ L.: Raupe meist vereinzelt an _Primula_, _Lappa_

und anderen niederen Pflanzen. _Polia Chi._ L.: Raupe an vielen

Krautgewächsen, als _Lappa_, _Aquilegia_, _Galium_, _Sonchus_,

_Lactuca_ usw. _Gortyna flavago_ W. V., _Ochracea_ ~Hb.~: Die

Raupe dieses schönen Falters lebt in den Stengeln (einzeln, selten

zu mehreren in einer Pflanze) vieler markhaltiger Pflanzen. Sie

bevorzugt in den verschiedenen Gegenden auch verschiedene Pflanzen.

In Thüringen lebt sie hauptsächlich in _Lappa_arten, sonst auch in

_Sambucus_, _Verbascum_, _Valeriana_, _Scrophularia_, _Petasites_,

_Cirsium_, _Carduus_ usw. _Conchylis badiana_ L.: In Stengel und

Wurzel von _Lappa_arten usw. _Conchylis posterana_ ~Hffg.~: Raupe in

den Blütenköpfen von _Lappa_- und _Cirsium_arten, auch in anderen

Kompositen, die Samen ausfressend. _Depressaria_arten: Verschiedene

_Depressaria_arten leben in den Blütenköpfen und Stengeln von

_Lappa_arten und anderen Kompositen. _Parasia Capella_ L.: Die

Räupchen dieser Motte leben in dem Blütenboden von _Lappa_arten und

anderen Kompositen, die Samen fressend.

In der trocknen _Radix bardanae_ leben sehr gerne die Larven von

_Anobium paniceum_ und _striatum_, ferner diejenigen von _Ptinus

fur_ und _Ptinus latro_. Durch den Wurmfraß zerfällt die Wurzel

alsbald zu Pulver. Es empfiehlt sich, die durch den Großhandel

bezogene Ware, welche sehr häufig schon mit Käferbrut infiziert ist,

erst in einem Holz- oder Blechkasten neben verdunstendem Chloroform

einige Zeit liegen zu lassen, und sodann die absolut trockene Wurzel

in gut schließenden Blech- oder Glasgefäßen aufzubewahren. Diese

Vorsichtsmaßregel sei auch namentlich bei allen Umbelliferenwurzeln

empfohlen und bei sonstigen Drogen, die ätherische oder riechende

Stoffe enthalten (~Israël~).

=Anwendung.= Die Klettenwurzel ist aus unbekannten Gründen ein altes

Haarwuchsmittel. Das «Klettenwurzelöl» verlangt noch heute das Volk

und im Bernischen heißt die Pflanze Haarballe oder Haarwachswürze.

Sollte es sich hier nicht um eine Signatura handeln und die starke

Behaarung der Pflanze sie zu einem Haarwuchsmittel gemacht haben?

Medizinisch wird sie besonders in Nordamerika als Diureticum, Laxans

und Sudorificum benutzt. _Rad. Bardanae_ ist auch ein Bestandteil

des Spec. lignorum, des sog. Blutreinigungstees. Die Samen waren

als Diuretikum und (nach ~Linné~, Mat. med.) als Purgans ehedem

geschätzt. Auch die Blätter wurden früher benutzt. Die Klette steht

auch in der Liste der ~Kneipp~schen Mittel und spielen hier sowohl

die Blätter wie die Wurzel eine Rolle. Die «haarwuchsfördernde Kraft»

der Wurzelabkochung wird auch von ~Kneipp~ behauptet.

Als Verwechslungen werden _Rad. belladonnae_ (stärkehaltig) und die

Wurzel von _Symphytum officinale_ L. angegeben.

=Lit.= ~Berg~, Pharmakognosie. -- ~Luerssen~, Med. pharm. Botan.

-- ~Wittstein~, Handwörterb. d. Pharmakognosie, S. 408. -- ~Inazo

Nitobe~, Burdock as a vegetable. Am. journ. pharm. 1897, 416

(dort auch eine Aschenanalyse). -- Abbild. in ~Berg-Schmidt~,

Atlas, 1. Aufl. t. XIX. und ~Hayne~, Arzneigew. II, t. 35 u. 36.

-- Anatom. Abbild. in ~Oudemans~ Atlas, ~Berg~, Anatom. Atlas t.

XIII., ~Planchon-Collin~, Drog. simpl. II, Fig. 654 u. 655, ~Vogl~,

Anatom. Atlas, und ~Hérail~ et ~Bonnet~, Manipulations pl. V. --

~Tschirch~, Anatomie, S. 117. -- Anatomie in ~Zörnig~, Arzneidrogen.

-- ~Weckler~, Analysis of burdock root. Am. journ. pharm. 1887,

393. -- ~Kellner~, Landw. Versuchsstat. 30 (1881), 42. -- ~Nygård~,

Farm. Notisbl. 1909. -- ~Trimble~ and ~MacFarland~, Examinat. of

burdock fruit. Am. journ. pharm. 1885, 127. -- ~Trimble~, The

bitter principle of burdock fruit. Am. journ. pharm. 1888, 79. --

Anatomie der Frucht von Arctium Lappa bei ~Gerdts~, Bau u. Entw. d.

Kompositenfr. Diss. Bern 1905 u. F. ~Ebert~, Beitr. z. Kenntn. d.

chines. Arzneisch. Diss. Zürich 1907.

V. Lävulindrogen.

Die Lävuline oder Synanthrosen verhalten sich zum Inulin wie die

Dextrine zur Stärke. Es sind wohl niedrigere Glieder von demselben

Kondensationstypus.

Lävuline finden sich oft in beträchtlicher Menge in _Rad. taraxaci_ (s.

oben).

VI. Triticindrogen.

Das +Triticin+ (~H. Müller~) wird, da es bei der Hydrolyse mit

verdünnten Säuren und der Einwirkung von Diastase (nicht von Invertin)

+Fruktose+ liefert, ebenfalls zu den Polysacchariden gerechnet. Es

spaltet Fruktose schon beim Kochen mit Wasser ab. Man gibt ihm die

Formel C₃₆H₆₀O₃₀ = 6(C₆H₁₀O₅). Es wurde außer in _Triticum repens_

auch in der Wurzel von _Dracaena australis_ gefunden. Es dreht links,

ist nicht gärungsfähig und reduziert ~Fehling~sche Lösung kaum. Es

trägt gleichfalls den Charakter eines Reservekohlenhydrates. Es ist

vielleicht mit dem +Irisin+ (~Wallach~), +Phleïn+ und +Graminin+

(~Ekstrand~ und ~Johanson~) identisch (~Tollens~, ~Keller~). Doch

formulieren ~Ekstrand~ und ~Mauzelius~: +Triticin+ = C₃₆H₆₀O₃₀,

+Graminin+ = C₄₈H₈₀O₄₀, +Phleïn+ = C₉₀H₁₅₀O₇₅, +Irisin+ = C₉₆H₁₆₆O₈₀.

Alle liefern bei der Hydrolyse +Fruktose+.

Rhiz. Graminis.

=Syn.= Stolones graminis, Rad. agropyri, Rad. Cynagrostis, Rad.

graminis albi, s. arvensis, s. canini, s. officinarum, s. repentis,

s. vulgaris, +Queckenwurzel+, Graswurzel, Ackergras-, Ackermauer-,

Laufquecken-, Päden-, Saatgras-, Bayer-, Feg-, Hundsgras-Wurzel --

petit chiendent (dent de chien), chiendent commun gramont, chiendent

rampant ou officinal (chiendent wohl ursprünglich = _Cynodon Dactylon_)

(franz.) -- couch grass, quitch grass, qu. root, dog grass, kwich

(engl.) -- kweekgras, graswortel (holl.) -- gramegna (ital.) --

gramenha, grama (span.) -- ῥιζωμα ἀγρώστεως (griech.).

+Ahd.+ Quecca, +mhd.+ graesch, graische, grasse, +mittelalt.+:

herba graminis intuba. Volksnamen: Alescher- oder Apothekergras,

Bättigras, Bochwurze, Fegwurz, Geech (Bern), Grammen (Wallis),

Hundsgras, Knöpfligras, Knotengras, Kriechweizen, Laufquecken,

Pärde (Niederlaus.), Quetsch, Rechgras, Sandklever, Suckerwuttel,

Schnürligras, Spulwurz, Weißwurz, Wurmgras, Wullband, Zwecken. --

Bei ~Hildegard~: dorth (_Lolium temulentum_?); im Niederl. Herbar:

gers; bei ~Cordus~: graß, quecken. -- Bei ~Tabernaemontanus~ steht:

gramen caninum arvense seu gramen Dioscor. C. B. Gramen, Ruël. Dodo.

gal. Cord. in Dios. Cast. canarium medicatum, Ad. Lob. caninum quod

graecis ἄγρωστις, Dod. caninum vulgare, Lugdun. Graminis primi

Dioscor. species major, Thalio. -- Einige Autoren nehmen an, daß

_Agropyrum repens_ das ἄγρωστις der Griechen ἄγρωστις παρὰ τόν ἀγρὸν)

und das gramen sowie die radix canaria der Römer sei (vgl. dazu unter

Geschichte) und wohl auch des ~Steph. Magnetes~ radix agriae, des

~Ibn Baithar~: qutsami, des ~Abu Mansur~: tsîl, thîl. -- Synonyme

des Agrostis bei ~Dioskurides~ (in [], also spätere Einschiebsel):

Aigikon (= Ziegenpflanze), Hamaxitis, bei den Ägyptern: Anuphi,

Asifolium, Sanguinalis, Viola, bei den Spaniern: Aparia, bei den

Dakiern: Kotiata, bei den Afrikanern Jebal. -- Bei ~Ibn Baithar~

steht auch elnadschm oder elnadschir. -- Im Chinesischen heißt die

Graswurzel: Siau hwanchai oder meh-huh (~Dragendorff~).

=Etym.= Triticum s. S. 184. -- Repens wegen des langhinkriechenden

Rhizoms -- danach sind auch Namen wie Schnürligras, Sehnengras,

Spulwurz gebildet, sowie Päde (von pede = hinkriechend, verwandt

mit Pfad; petten = treten), Pädergras, Pedengras, Pehdenzel, Peyer.

-- Quecke von quecka, quick = lebendig, beweglich, deutet auf die

Beweglichkeit im Wachstum des Rhizoms, wie die verwandten: Quäk,

Quecken, Queke, Quetsch, Quitsch, Kweekgras. -- An die knotige

Gliederung des Stengels erinnern Namen wie Knöpfligras, Knopgras.

-- Chiendent = Hundszahn, weil die kranken Hunde es fressen

sollen (~Littré~), vielleicht aber nur verächtlich, wie doggrass

(~Kanngiesser~). -- Agropyrum von ἀγρός = Acker und πυρός = Weizen.

=Stammpflanze. Agropyrum repens= ~Palisot de Beauvois~ (Argrst. 102)

(Triticum repens L., Bromus glaber ~Scop.~, Elymus dumetorum ~Hoffm.~).

Variiert: α vulgare ~Döll.~, β aristatum ~Döll.~ (davon auch als Arten:

var. dumetorum ~Schreb.~, var. vaillantianum ~Wulfen~, var. sepium

~Thuill.~), γ majus ~Döll.~, δ glaucum ~Döll.~, ε caesium ~Pr.~ (auch

als Art). Beschreibung in ~Luerssen~, Mediz. pharm. Botan. II.

=Systemat. Stellung.= Gramineae, Hordeae.

=Verbreitung.= Die Quecke ist über Europa, Nordafrika, Asien (Sibirien,

Afghanistan, am Demavend bis 3000 m) und Nordamerika bis Patagonien und

Feuerland verbreitet. Sie ist ein auf Äckern und an Wegen, besonders

auf Sandboden (Norddeutschland) und auf Kulturland weit verbreitetes,

wegen der Verfilzung des Bodens durch die zahlreichen Wurzeln (Fig. 80)

sehr lästiges Unkraut.

[Illustration: Fig. 80.

_Agropyrum repens._ Rhizom (Wandersproß), K Knoten, JN Internodien, Nb

Niederblätter, W Wurzeln. [+Tschirch+ gez.]]

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 31 / 120 段