Einige der sehr zahlreichen deutschen Volksnamen s. unter Etymologie.

-- Mhd.: Pipawe, Säuschnabel, -- mnd.: Pympanne, Soege- oder

Sundistel. -- Im Mittelalter: corona monachi, custos hortorum, dens

leonis, rostrum porcinum, solsequium minus, aphaca.

Bei ~Simon Seth~: φάκη -- bei ~Matthioli~ auch: Dens caninus,

ambugia, ambuleia (auch für Cichorium!), bei ~Gesner~: Hieracium

minus.

=Stammpflanze= und =Systemat. Stellung=. =Taraxacum officinale= ~Weber~

(in ~Wigg.~ Prim. Fl. Hols. 56) [Taraxacum officinale (~Withering~)

~Wiggers~, Taraxacum Taraxacum (L.) ~Karstens~, T. vulgare ~Schrank~,

T. Dens leonis ~Desf.~, Leontodon Taraxacum L., L. vulgare ~Lam.~, L.

officinalis ~With.~, Hedypnois Taraxacum ~Scop.~].

Die Pflanze variiert: a) _genuinum_ ~Koch~ (_Leontodon Taraxacum_

~Poll.~), b) _Tarax. glaucescens_ M. B., c) _T. corniculatum_ ~Dc.~, d)

_T. alpinum_ ~Hoppe~, e) _T. taraxoides_ ~Hoppe~, f) _T. lividum_ W.

K., (_T. palustre_ ~Sm.~), g) _T. leptocephalum_ ~Rchb.~

+Compositae+, Cichorieae -- Crepidinae.

=Etym.= Taraxacum ist wohl aus dem Arabischen: tarachakûn,

tharachschakuk (so bei ~Ibn Baithar~) tarakshagan, tarascon

(= eine Art wilder Cichorie), pers.: tarkhaskqun (so bei ~Ibn

Sina~) umgebildet und dies aus dem Griechischen τάραξις (= eine

Augenkrankheit) und ἀκέομαι (= heilen) entstanden, da alle sog.

Cichorien, zu denen auch _Taraxacum_ gerechnet wurde (in Graubünden

und in Salzburg heißt noch heute _Taraxacum_: Cichorien, in Bern:

wilde Wägluëge), Augenheilmittel waren (s. Cichorium). Bei ~Bock~

heißt T. auch Augenwurzel. Andere leiten das Wort von ταράσσειν (=

stören) ab und bringen es in Beziehung mit der abführenden Wirkung;

noch andere von τράξυνον oder τρόξυνον (= Wilder Lattich). --

+Hedypnois+ von ἡδύς = süß und πνεῦμα = Atem. -- +Leontodon+ aus λέων

(= Löwe) und ὀδούς (= Zahn) wegen der eigenartig gezähnten Blätter

(daher auch der engl. Name hawkbit = Habichtsbiß). Wurde zunächst

in dens leonis (so im Ortus sanitatis, in der Alphita und in den

mittelenglischen Medizinbüchern, in der Alphita auch: doloroune)

und dann in alle anderen Sprachen übersetzt: Lewenzahn, Löwenzehe

(deutsch, so bei ~Bock~) -- dent de lion, Liondent (franz.) --

dandelion (engl., in ~Meddygon Myddfai~ [XIII. Jahrh. I, S. 683]:

dent y llew). -- +Kettenblume+ (holl. Kettingbloem), weil die Kinder

aus den ineinander gesteckten hohlen Stengeln Ketten bilden. --

+Pustblume+, weil die Kinder sich durch Abblasen der reifen, mit

Flugapparaten versehenen Früchte belustigen (~Kanngiesser~). --

+Mönchshaupt+, +Pfaffen-+ oder +Mönchsblatten+ (so bei ~Fuchs~, im

Gothaer Arzneibuch (I, S. 680): papenplatte; in den mittelenglischen

Medizinbüchern: Capud monachi, franz.: Couronne de moine) wegen des

Aussehens des kahlen, von den Fruchten befreiten Rezeptakulums.

-- +Luchten+, +Lichter+, +Lampen+ wegen der Blütenstände. --

Milchbluome, Milchdistel, Milchrödel wegen des Milchsaftes. -- Wegen

der diuretischen Wirkung: Seichblume, Pissblume (bei ~Matthioli~ und

~Anguillara~: pisciainletto, franz.: pissenlit, holl.: pis in t’bed,

pissebloem). Verächtlich wegen der großen Häufigkeit und Lästigkeit:

Knotenblume, Säublume (in der Schweiz), Kuhblume, Schäfchenblume,

Pferdeblume (paardenbloem), Hundeblume (holl. hondsbloem, franz.

pissechien), Lusblom. -- Butterblume, Ankeblume, Dotterblume (so bei

~Bock~) wegen der gelben Farbe. -- An den hohlen Stengel erinnern

Bezeichnungen wie: Röhrlinkraut (bei ~Gesner~, Hort. germ.),

Pfaffenröhrlein. -- Erotische Beziehungen verraten: Pampelblume,

Bumbaumel u. and.

=Beschreibung der Pflanze.= Die Pflanze ist über die ganze nördliche

Halbkugel bis in die arktische Region verbreitet und in vielen Gegenden

ein lästiges Unkraut der Äcker, Wiesen und Gärten. Sie findet sich

ebenso in Europa wie in Nordafrika, in Vorderasien, Persien, Himalaya,

Indien, China, wie auch, wohl dorthin verschleppt, in Nordamerika und

geht nach Norden bis Grönland, Island und Novaja Semlja und weit hinauf

auch ins Gebirge.

[Illustration: Fig. 75.

_Taraxacum officinale._

bl basale Blattrosette, rh Rhizom, hw Hauptwurzel, w Nebenwurzeln.

[Aus +Karsten-Oltmanns+, Pharmakognosie.]]

Der Habitus der perennierenden Pflanze wechselt etwas nach dem

Standort. Die arktischen und Gebirgsformen (_T. palustre_ ~Dc.~ und _T.

nudum_ ~Jord.~) sind z. B. kleiner. An trockenen Standorten bildet der

Löwenzahn eine horizontal ausgebreitete Rosette tiefgesägter derber

Blätter, an feuchten, zwischen hohem Gras, richten sich die dann nur

schwach gezähnelten großen, zarten Blätter vertikal auf. Die lange, oft

tief (5 dcm und mehr) in den Boden dringende, meist einfache Wurzel

trägt ein kurzes, bisweilen mehrköpfiges Rhizom (Grundachse) (Fig.

75). Die lanzettlichen, kahlen oder wolligen Laubblätter bilden eine

grundständige Rosette. Ihr Rand ist schrotsägeförmig («Löwenzahn»).

Die Pflanze hat keine Winterruhe. Sie treibt auch über Winter Blätter.

Daher fehlen die Knospenschuppen. Als Schutz der jungen Blätter mögen

vielzellige Haare dienen, die in großen Mengen von deren Oberhaut

gebildet werden (~A. Meyer~, ~Karsten-Oltmanns~). Die Vielköpfigkeit

wird dadurch erzeugt, daß nach Absterben des Endsprosses in den

Achseln der oberen Blätter seitliche Knospen sich entwickeln. Die

Stengel sind kahl. Sie tragen keine Blätter, sondern an der Spitze

nur ein Blütenkörbchen, dessen Hüllblätter lineal sind, die äußeren

abwärts gebogen. Sämtliche Blüten des Körbchens sind hermaphrodite

Zungenblüten, von goldgelber Farbe, mit einem Pappus (Kelch) am Grunde

der Kronenröhre. Abends oder bei regnerischem Wetter schließen sich die

Körbchen. Der zwischen Fruchtknoten und Pappus liegende Teil verlängert

sich, wenn die Krone abgefallen ist, und so sitzt der sich horizontal

ausbreitende Haarkranz schließlich mit langem Stiele, der dreimal so

lang ist als die Frucht, dieser auf. Die Pappusteile der einzelnen

Früchte orientieren sich zu einer Hohlkugel, so daß das reife Körbchen

rund ist. Die lineal-keilförmigen, gerippten, hellbraunen Früchte lösen

sich zur Reifezeit leicht vom kahlen, weißen Fruchtboden, der wie eine

Glatze aussieht «Pfaffenplatte»), ab und werden, da der Pappus als

Flugorgan dient, wie Luftschiffe, auf weite Strecken hin getragen, was

wesentlich zur Verbreitung der Pflanze beiträgt. Bei _Taraxacum_ findet

sich Parthenogenesis.

Die frische Wurzel ist braungelb, fleischig und milcht stark beim

Verletzen. Sie schrumpft beim Trocknen beträchtlich. Die trockene

Wurzel milcht nicht. Die frische Wurzel bricht leicht, ist daher schwer

auszugraben.

Der bald mehr süßliche, bald mehr bittere Geschmack tritt in

sehr verschiedener Weise hervor je nach dem Entwicklungsstadium,

der Einsammlungszeit und, wie ~Flückiger~ meint, auch der

Bodenbeschaffenheit. Während die Wurzel (wie überhaupt die ganze

Pflanze) im Frühjahr reich an Milchsaft ist, ist sie im Herbst reich an

Inulin.

Das deutsche Arzneibuch schreibt die im Frühjahr vor der Blütezeit

zu sammelnde Wurzel samt den Blättern vor (auch die Japanische

Pharmakopoëe 1907 hat _Rad. taraxaci cum herba_), die österreichische

Pharmakopoëe läßt die Blätter im Frühjahr, die Wurzel im Spätherbst

sammeln, die schweizerische nur die Wurzeln, diese im Spätherbst.

_Taraxacum_ wird in Indien in den Nordwest-Provinzen, besonders bei

Saharanpur für die Government sanitary establishments angebaut. Wir

benutzen nur die wildwachsende Pflanze, die in größeren Mengen z. B. in

Thüringen gesammelt wird, aber auch in der Schweiz das gemeinste aller

Unkräuter ist. Österreich exportiert _Rad. taraxaci_ (~Mitlacher~).

=Lit.= Abbild.: ~Berg-Schmidt~, Atlas t. 8 (dort die

florist.-Literatur), ~Pabst-Köhler~, t. 5 und ~Bentley-Trimen~,

Medicinal plants t. 159. -- ~Gilg~, Pharmakogn. 360. --

~Karsten-Oltmanns~, Pharmakognosie. -- ~Gideon Weidemann~, Beitr. z.

Morphol. d. perennier. Gewächse. Diss. Marburg 1871. -- ~Schübeler~,

Pflanzenwelt Norwegens. 1875. -- ~Alice Henkel~, U. S. Dep. Agric.

1906, Nr. 89. -- ~Eberle~, Proc. Am. ph. assoc. 1905. -- ~Holmes~

(Stammpflanze). Pharm. Journ. 1900, 65, 419. -- Die Morphologie

ausführlich in ~A. Meyer~, Drogenkunde. -- Einsammlung: ~Elborne and

Wilson~, Pharm. Journ. (3) Nr. 773.

=Pathologie.= Auf den oberirdischen Teilen von _Taraxacum officinale_

sind zahlreiche Parasiten bekannt, z. B. _Olpidium simulans_,

_Synchytrium Taraxaci_, _Sphaerotheca Humuli_, _Puccinia Taraxaci_,

_P. variabilis_, die Aecidienform von _Puccinia sitvatica_ u. a.,

doch dürften dieselben kaum in wesentlicher Weise die unterirdischen

Teile schädigen. Auf letzteren wird _Torula rhizophila_ ~Corda~

_subsp. Taraxaci_ ~Desm.~ angegeben (~Ed. Fischer~).

Über die tierischen Schädlinge berichtet ~Israël~: Auf Löwenzahn

lebt eine große Anzahl von Schmetterlingsraupen. Der Lepidopterologe

benutzt daher Löwenzahn als eine Art Universalfutter. Fast alle

polyphagen Raupen, namentlich eine große Anzahl von Eulenraupen,

nehmen in der Gefangenschaft gerne Löwenzahn als Futter an. In der

Natur findet man auf dieser Pflanze viele Raupen, die nur wohl

gelegentlich die Blätter als Futter annehmen, aber auch gerade so

gern alle möglichen anderen Pflanzen annehmen. Es seien nur einige

erwähnt. _Zygaena Filipendulae_ L. auch an _Trifolium_arten usw.

_Bombyx trifolii_ W. V. _Bombyx rubi_ L. _Crateronyx dumi_ L.

_Crateronyx taraxaci_ W. V. _Dasychira fascelina_ L., _Spilosoma

mendica_ Cl., _Spilosoma luctifera_ W. V., _Spilosoma fuliginosa_

L., auch an allen möglichen anderen Pflanzen. Mehrere _Nemeophila_-

und _Arctia_arten leben u. a. an Löwenzahn, _Mania maura_ L. auch

an Erlen, Weiden, Epheu, Berberitze usw. _Hadena porphyrea_ ~Esp.~,

_Orthosia humilis_ W. V. _Mamestra dentina_ W. V., _M. albicolon_

~Hbn.~, _M. leucophaea_ W. V., _M. serena_ W. V. Mehrere _Agrotis_-

und _Polia_arten leben an _Taraxacum_, ferner einige _Cucullia_-

und _Orrhodia_- und _Hadena_arten usw. usw. Unter den Spannern sind

es besonders _Acidalia_- und _Cidaria_arten, die die Blätter von

_Taraxacum_ fressen.

Die Droge unterliegt, wie die anderen Inulinwurzeln, sehr dem

Wurmfraß (_Anobium paniceum_ u. and.). In ihr findet sich bisweilen

_Tinea zeae_, die indische Mehlmotte (~Jackson~).

=Beschreibung der Droge.= _Taraxacum_ gehört zu den tiefwurzeligen

Pflanzen (s. oben). Die Wurzel ist spindelförmig, graubraun,

grob-längsrunzlig mit nur wenigen oder keinen Nebenwurzeln besetzt,

einfach oder wenige Fasern bildend und oben einen rundlichen,

querrunzlichen Wurzelkopf (Rhizom) tragend. Dieses Rhizom ist meist

nur kurz (Fig. 76, rh). Doch findet man bisweilen, wenn die Pflanze

z. B. beim Umackern des Bodens mit Erde bedeckt worden war, längere

gestreckte. Ältere Achsenstücke sind bisweilen durch tiefgreifende

Peridermbildung in mehr oder weniger zahlreiche netzförmig miteinander

zusammenhänge Stränge gespalten (~A. Meyer~).

Nach dem Aufweichen quer durchschnitten zeigt die Wurzel eine breite

Rinde, die mindestens den Durchmesser des Holzkörpers besitzt, in

der man schon mit bloßem Auge, besser mit der Lupe, +zahlreiche

konzentrische Zonen+ bemerkt (Fig. 76,1), die durch Gruppen von

Milchsaftschläuchen und Siebröhren gebildet werden. Der gelbe

marklose, undeutlich strahlige Holzkörper ist entweder regelmäßig als

solider Zentralzylinder entwickelt oder, und dies besonders gegen die

Wurzelbasis hin und bei dickeren Wurzeln, unregelmäßig zerklüftet (Ph.

helv. Ed. IV). Die beiden primären Markstrahlen sind bei dünnen Wurzeln

deutlich. Das Lupenbild des Rhizomquerschnittes (Fig. 76,2) zeigt ein

zentrales Mark, einen darumgelegten Kreis von Gefäßbündeln und in

der breiten Rinde die gleichen konzentrischen Zonen wie die Wurzel.

Da und dort sind Blattspurstränge sichtbar. Am Rhizom findet man die

Ansätze der tiefst inserierten Blätter oder deren Narben. Da der Wurzel

mechanische Elemente fehlen, bricht sie gerade-körnig.

[Illustration: Fig. 76.

_Taraxacum officinale._

1. Lupenbild des Wurzel-Querschnittes. 2. Lupenbild des

Rhizom-Querschnittes. [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

Die Angabe ~Schrenks~ (Jahresb. Pharm. 1887, 67), daß die

_Taraxacum_+wurzel+ Mark enthalte, beruht auf einem Irrtum. Er hat wohl

den Rhizomteil mit der Wurzel verwechselt.

Die oben noch die Blattrosette tragende Wurzel ist unter der

Bezeichnung _Rad. taraxaci cum herba_ im Handel.

=Lit.= ~Bentley~, On the characters of Dandelion root and the

means whereby it may be distinguished from other roots (einiger

Kompositen). Pharm. Journ. XVI, 1856/57, 304 (mit Abbild.).

=Verfälschungen.= ~Giles~ fand (1851) in der Droge die Wurzeln von

_Apargia hispida_. Als Verfälschungen werden auch genannt _Rad.

cichorei_ (~Rusby~, s. oben S. 204) und die Wurzel von _Rumex crispus_.

Die mikroskopische Untersuchung läßt diese Beimischungen leicht

erkennen. Keine der genannten Wurzeln zeigt die konzentrische Zonung

der Rinde. Die Rinde ist bei _Cichorium_ radial gestreift.

=Lit.= ~Giles~, Root of rough hawkbit (Apargia hispida) substituted

for Taraxacum. Pharm. Journ. XI, 1851/52, 107.

[Illustration: Fig. 77.

_Taraxacum officinale._

Querschnitt durch die Wurzel am Cambium (c), sb Siebröhren, obl

obliterierte Siebröhren, m Milchröhren, g Gefäße, hp Holzparenchym.

[Aus +Tschirch+, Angewandte Anatomie.]]

[Illustration: Fig. 78.

_Taraxacum officinale._

Milchröhrensystem der Wurzel. [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

=Anatomie.= Der primäre Bau der Wurzel, der an zarten Nebenwurzeln

der Droge vom Durchmesser 0,12-0,20 mm noch kenntlich ist, ist diarch

(oder triarch). Die primäre Rinde ist nur 2-5 Zellreihen dick. Sie

führt Milchröhren, ebenso wie die primären Siebteile. Frühzeitig geht

der primäre Bau in den sekundären über. Schon 0,25 mm dicke Wurzeln

zeigen sekundäre Gefäße, die weiter zu sein pflegen als die primären,

und bei einer 0,5 mm dicken Wurzel ist der Cambiumring kreisförmig

geschlossen. Die primäre Rinde bleibt oft lange erhalten. Meist wird

sie erst, wenn die Wurzel mehrere Millimeter dick ist, abgeworfen. Die

dicke Hauptwurzel, aus der die Droge vornehmlich besteht, ist außen

von mehrreihigem Pericambialkork bedeckt. Die sekundäre Rinde besteht

zur Hauptmasse aus vom Cambium her sehr regelmäßig in Radialreihen

angeordnetem Phloëmparenchym, dessen dünnwandige Zellen in die Länge

gestreckt, alle gleichlang und gleichhoch sind und daher auch auf dem

Längsschnitt in regelmäßigen Radialreihen liegen. In der sekundären

Rinde liegen, eingebettet in das Rindenparenchym, 10-30 konzentrische

Kreise kleiner Gruppen, die aus Siebröhren und Milchröhren bestehen

(Fig. 79). Die letzteren gehören zu den gegliederten Milchröhren,

wie sie für die Cichoraceen charakteristisch sind. Sie bilden ein in

tangentialer Richtung anastomosierendes Netz (Fig. 78), das, sobald

eine Stelle desselben bei der frischen Wurzel durch das Messer verletzt

wird, seinen ganzen Inhalt ausfließen läßt. Der dabei reichlich

austretende weiße Milchsaft wird bald schwarzbraun. Bei der Droge

ist der Inhalt, der sich mit Alkannin-Essigsäure färbt und neben

Eiweiß auch den Bitterstoff (Taraxacin) und die Gutta (Taraxacerin)

enthält, jedoch geronnen und selbst relativ resistent gegen Alkohol

geworden. Die Milchröhren besitzen eine Weite von 12-22 mik. Nie

anastomosieren die Milchröhren zweier Zonen, stets nur die derselben

in tangentialer Richtung. Bei einer 4,5 mm dicken Wurzel zähle ich

9, bei einer 6 mm dicken 14 Kreise. Durch dieselben bekommt die

Rinde ihr charakteristisch gezontes Aussehn. Die Siebröhren und die

Milchröhren sind etwa gleich weit, beide etwas enger als das umgebende

Phloëmparenchym. Die Milchröhren prävalieren bei weitem, so daß sie die

eigentlich leitenden Organe der sekundären Rinde sind. Sie sind häufig

mit Ausstülpungen versehen (Fig. 78), an denen sie oft durch Resorption

der trennenden Wände miteinander verschmelzen. Ihren körnigen Inhalt

kann man sich sehr schön sichtbar machen, indem man die frische Wurzel

in Alkohol legt und die Längsschnitte mit Jod tingiert. Bei dieser

Behandlungsweise erhält man auch das in der Wurzel in reichlicher Menge

im Zellsaft gelöst enthaltene +Inulin+ in prächtigen Sphaerokristallen

(Fig. 74), Aggregaten zierlicher oft dentritisch verzweigter Nadeln und

isolierten verzweigten Nadeln auskristallisiert, besonders schön in den

großen Phloëmparenchymzellen. Rindenstrahlen sind in der Rinde nicht zu

erkennen (Fig. 77).

In dem zentralen Holzkörper sind Markstrahlen nicht zu sehen. Die

Bildung des sekundären Holzes erfolgt also regellos und nicht

strahlig, oder doch wenigstens sehr undeutlich strahlig. Zwischen

den dicht gedrängten leiterartig oder netzleistenförmig verdickten

(Fig. 79), 10-45 mik. weiten, im Längsverlauf schwachgeschlängelten,

im Querschnitt eckig konturierten Gefäßen liegen schmale

Holzparenchymbänder. Im Zentrum des Ganzen sieht man bisweilen noch die

englumigen primären Gefäße.

[Illustration: Fig. 79.

_Taraxacum officinale._

Aus dem Längsschnitt durch die Wurzel. s Siebröhren, Mi Milchröhre, gf

Gefäße, Er Ersatzfaser. [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

Im äußeren Teile der sekundären Rinde sind die Milchröhren

spärlicher, auch weniger regelmäßig angeordnet. Die Milchröhren

werden von Siebröhren begleitet, deren Glieder etwa so lang sind wie

Phloëmparenchym- und Cambiumzellen. Bei den Sieb-Milchröhren-Gruppen

der Rinde bemerkt man +Pektinisierung+ der Mittellamellen. Die

Phloëmparenchymzellen zeigen bei Behandlung mit Chlorzinkjod oft

eine feine Streifung, machen also den Eindruck von Ersatzfasern. Sie

enthalten im Zellsaft gelöst das Inulin (s. oben S. 201), sehr selten

Stärke.

Innerhalb des mehrreihigen Cambiums liegt der Holzkörper, der zu

innerst noch wenige zarte primäre Gefäße erkennen läßt. Die sekundären

liegen ziemlich unregelmäßig eingebettet in Holzparenchym und zarte

Ersatzfasern (Fig. 79). Sekundäre Markstrahlen treten nicht deutlich

hervor -- nur bei jüngeren Wurzeln zwei breite primäre (Fig. 76, 1).

Die engsten Gefäße sind spiralig verdickt, die weiteren zeigen Leiter-

und Netzleistenverdickungen.

Die Nebenwurzeln zeigen deutliche +Heterorhizie+ (~Tschirch~):

Ernährungswurzeln und Befestigungswurzeln. Letztere besitzen einen

zentralen Libriformzylinder.

Das Rhizom besitzt die gleichen Elemente, jedoch ein mehr oder weniger

großes Mark (Fig. 76, 2).

In der Stärkescheide der Blätter findet sich Stärke. Milchröhren

treten auch in die Blattnerven höherer Ordnung ein. Die Blätter tragen

6-8zellige, dünnwandige, oft kollabierte Haare und an den Rippen der

Blattunterseite mehrzellige Borstenhaare mit spornartig ausgebogenen

Enden (~Zörnig~).

=Lit.= ~Hanstein~, Milchsaftgefäße 1864, Taf. IX. -- ~Dippel~,

Entsteh. d. Milchsaftgefäße. Rotterdam 1865. Taf. V. -- ~De

Bary~, Anatomie S. 489, 519, 533 u. 540. -- ~Flückiger-Tschirch~,

Grundlagen. -- ~Arthur Meyer~, Wissensch. Drogenkunde (hier die

Anatomie ausführlich). -- ~Vogl~, Interzellulars. u. Milchsaftgef.

in der Wurzel d. gemeinen Löwenzahns. Sitzungsb. d. Wien. Akad. 48

(1863) u. Beitr. z. Kenntn. d. Milchsaftorg. d. Pfl. ~Pringsheims~

Jahrb. 5. und Nahrungs- und Genußm. -- ~Tschirch-Oesterle~, Atlas. --

~Thouvenin~, Contribut à l’étude anatom. des racines de la fam. des

Composées. Thèse Nancy 1884 avec 6 tabl. -- ~Holfert~, Primäre Anlage

d. Wurzeln. Arch. Ph. 1889, 481. -- ~Zörnig~, Arzneidrogen 1909. --

~Schrenk~, Amer. Drugg. 1887. -- ~Dohme~, Drug. Circ. 1897, 178. --

Pulver: ~Kraemer~, Proc. am. pharm. assoc. 1898, 305. -- Anat. Abb.:

~Planchon-Collin~, Les drogues simples II, Fig. 647, ~Moeller-Winton~

a. a. O. und ~Tschirch~, Angew. Anatomie, Fig. 601.

=Chemie.= Der Hauptbestandteil der _Rad. taraxaci_ ist das +Inulin+,

von dem ~Rundquist~ (1904) bis 39,65% fand (die Angabe von ~Sayre~, der

79,02% (!) Inulin gefunden haben will, beruht wohl auf einem Fehler

der Bestimmungsmethode). ~Koch~ fand 15,6% in Handelsware, in selbst

gegrabener 5,2%, neben c. 1% +Saccharose+, 0,46% +Glukose+, Harz und

Schleim. Die Löwenzahnwurzel ist, wenn wir auf das Inulin abstellen,

im Spätherbst zu sammeln, da sie zu dieser Zeit am reichsten an Inulin

ist. Eine im Oktober gegrabene _Rad. taraxaci_ enthielt 24,3%, eine im

März gesammelte 1,7% Inulin (~Dragendorff~).

An Stelle des Inulins tritt im Winter bisweilen Stärke (~Dippel~), im

Frühjahr ein +Zucker+ (bis 17%) und etwa ebensoviel Lävulin auf.

Junge Wurzeln des Löwenzahn enthalten bis zu 20% des nicht süßen,

optisch inaktiven +Lävulins+ (C₆H₁₀O₅)ₙ (+Synanthrose+ oder +Inulose+,

~Lefranc~, ~Popp~, ~Dragendorff~, vgl. S. 218).

Der Zucker scheint zur Zeit der kräftigsten Entwicklung der Pflanze

in größter Menge gebildet zu werden und gegen den Herbst abzunehmen,

im Winter aber wieder reichlicher aufzutreten, da die Wurzel nach den

Winterfrösten wieder süßer schmeckt als im Herbst. Fetter Kulturboden

begünstigt die Zuckerbildung (~Dragendorff~).

Die Zellwand beträgt 23,1% des Gewichtes, davon sind Hemizellulosen

13,7% und Zellulose 9,4% (~Albert Kleiber~). ~Storer~ fand bei der

Hydrolyse +Mannose+. Die Membranen enthalten also ein Mannan.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die frische stark milchende Wurzel,

besonders wenn sie noch die Blätter besitzt (s. oben), eine ganz

andere Wirkung hat wie die getrocknete, die wir übrigens als _Rad.

taraxaconis_ erst in einer Taxe von Hamburg 1587 finden (I, S. 818) und

die lange nicht so bitter ist, wie die frische. Der bittere Geschmack

tritt vor und nach der Blütezeit am kräftigsten hervor, und besonders

bei Pflanzen, die auf magerem Boden wachsen. Die Extrakte haben daher

eine ganz verschiedene Zusammensetzung, je nachdem sie aus der frischen

Wurzel (und dem Kraut) oder der trockenen Wurzel bereitet und ob

sie im März, im Juli oder im Herbst dargestellt wurden (~Widnmann~,

~Frickhinger~). Die Extraktausbeute wechselt ebenfalls sehr, je nach

der Zeit der Einsammlung (Angaben bei ~Pereira~). Der Extraktgehalt der

_Rad. taraxaci_ beträgt nach ~Dieterich~ 19,9, nach ~La Wall~ 35% (s.

unten).

Der frische weiße Milchsaft, der zu einer braunen bröckeligen

Masse (+Leontodonium+) gerinnt, ist eine Emulsion aus Eiweiß, Harz

und einem guttaartigen (?) Körper, den man +Taraxacerin+ (C₈H₁₀O?

Kautschuk ~Pfaffs~?) genannt hat (~Kromayer~), und enthält auch den

wasserlöslichen, kristallisierbaren (~Squire~, ~Stoddart~) Bitterstoff,

das +Taraxacin+ (~Polex~, ~Kromayer~), auf den wohl die Wirkung des

Succus recens beruht. Taraxacin und Taraxacerin bedürfen jedoch

erneuten Studiums. Stellen wir auf den Bitterstoff ab, so muß die

Wurzel im Juli oder im März gesammelt werden. Das bittere +Taraxacin+,

das ~Sayre~ aus dem Chloroformauszuge in Kristallen erhielt (es

kristallisiert aus Aceton), ist zu 0,05% in der Droge erhalten (die

bei der Behandlung des amorphen Taraxacins mit H₂O₂ entstehende

Taraxacinsäure ist Oxalsäure). Es wird von einem scharfen Stoffe

begleitet. Auch das wachsartige Taraxacerin (C₉H₁₅O) erhielt ~Sayre~

kristallinisch.

~Sayre~ glaubte (1898) auch 0,002% eines Alkaloides, +Taraxin+,

gefunden zu haben. ~Zwaluwenburg~ und ~Gomberg~ konnten (wenigstens

in im Oktober und November gesammelten Wurzeln) kein Alkaloid

nachweisen, wohl aber einen nicht alkalisch reagierenden Körper mit

Alkaloidreaktionen.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 30 / 120 段