=Lit.= ~De Candolle~, L’origine des plantes cultiv. --

+Pharmacographia indica+ (dort die Geschichte des Reis in Indien).

-- ~Watt~, Dictionary of econom. prod. India. -- ~K. Braun~,

Der Reis in Deutsch-Ostafrika. Ber. über Land- u. Forstw. in

Deutsch-Ostafrika. 1908. -- ~Hehn~, Kulturpfl. u. Haust., VII. Aufl.

1902. -- ~Tschirch~, Ind. Heil- und Nutzpflanzen (mit Abbild.:

Sawah, Reismühlen usw.). -- +Les grandes cultures+ (zahlreiche

Abbild. der Kultur und Ernte). -- ~Semler~, Trop. Agrikultur, 2.

Aufl. -- ~Wiesner~, Rohstoffe (dort d. ältere Lit.). -- ~Tschirch~,

Stärkemehlanalysen. Arch. Pharm. 1885. -- ~Tschirch-Oesterle~,

Anatom. Atlas, Taf. 45 (dort eine ausführl. Beschreib. d.

Frucht). -- ~Moeller-Winton~, Mikrosk. d. Nahrungs- u. Genußm.

1905 (Abbild.). -- ~van Gorkom~, Rijst in Beschreijvende Catalog.

Kolon. Mus. Haarlem 1907 und Oostindische Cultures. -- ~Harz~,

Landwirtschaftl. Samenkunde. -- +Abbild.+: ~Nees von Esenbeck~, t.

36, ~Bentley-Trimen~, Medicinal plants t. 291, ~Berg~, Charakteristik

t. 6 und ~Hackel~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. II. 2, 41. --

~Kobert~, Zeitschr. Angew. Chem. 1910, 1249. -- Asche: ~Hauke~,

Zeitschr. Österr. Apoth. Verein 1902.

3. Amylum Maidis.

Mais- oder Mays-Stärke -- amidon de mays (franz.) -- maize starch

(engl.) -- in Amerika: corn starch -- maïszetmeel (holl.) -- amido del

mais (ital.) -- maissi tärkkelys (finn.) -- kukorica kemenyitő (ung.)

-- ἄμυλον ἀραβοσίτον (n.-gr.).

=Stammpflanze=: =Zea Mays= L. (~Linné~, Spec. plant. I, 971) mit mehr

als 300 Spielarten, die sechs Gruppen bilden: Balgmais (huskcorn),

Zahnmais (dentcorn), Weichkorn (softcorn), Steinmais (flintcorn),

Zuckermais (sweetcorn), Puffmais (popcorn). Der Coyotemais Mexikos

wird von einigen als die wilde Urform (?) betrachtet. In Deutschland

unterscheidet man: Gemeiner Mais, Perlmais, Pferdezahnmais, Zuckermais,

Cuzcomais, Balgmais.

=Syn.= Indianisch Korn (~Cordus~), Indian Corn (engl.), Corn

(in Amerika), Türkischer Weizen, Türkenkorn, Türkisch Korn

(~Bock~, ~Fuchs~), Blé turc (franz.), Kukuruz (Österreich-Ungarn,

Donauländer), Welschkorn (~Bock~), Türgga (Appenzell), Syrische

Durrha (Ägypten), Ägypt. Korn (Türkei), Mekka Weizen (Persien),

Arabisch Korn (Griechenland), Guineahirse (Portugal), Tureskorichljib

(Rußland). Beim Mais sagt also die Länderbezeichnung nichts über die

wahre Provenienz aus.

=Etym.= Zea von ζέα, ζειά griech. Name eines _Triticum_ (s. S.

188), von ζῆν = leben -- Mais von haitanisch (Tupi) Mahiz, mahis.

~Columbus~ importierte auch das Wort. «Kukuruz» nach ~Lippmann~ vom

spanischen Cucurucho.

=Systemat. Stellung.= Gramineae, Maideae.

=Beschreibung.= Der diclin monöcische Mais wird 60 cm bis 6 m hoch, je

nach der Spielart. An der Spitze des Halmes finden sich die männlichen

Blütenrispen. In den Blattwinkeln stehen 2-3 kolbenförmige, je nach

der Spielart sehr verschieden große weibliche Ähren, von häutigen

Hüllblättern umgeben. Die schwammige Achse trägt 8-10 Längsreihen

zweiblütiger Ährchen, deren untere Blüte nur unvollständig entwickelt

ist. Die Griffel sind sehr lang und hängen aus den Kolbenscheiden weit

heraus. Sie werden neuerdings als +Stigmata Maidis+ arzneilich benutzt.

Beim Heranwachsen platten sich die Früchte, die in geraden oder etwas

schrägen Längszeilen liegen, etwas gegeneinander ab. Sie bilden den

bekannten Maiskolben.

Die Früchte sind von sehr verschiedener Größe, Form und Farbe. Letztere

wechselt von weiß über gelb zu orange. Auf der einen Fläche der

Frucht ist das große helle, ovale Scutellum deutlich und in seiner

Mitte der gestreckt ovale Keimling. An das Scutellum grenzt das weiße

Mehlendosperm, an dieses das glasige Hornendosperm (Fig. 71). In

ersterem liegen die Stärkekörner locker gehäuft, in letzterem erfüllen

sie die Zelle dicht und platten sich gegeneinander ab. Der Unterschied

zwischen Horn- und Mehlendosperm wurde bereits von ~Raspail~ (1825)

erkannt. Die Verschiedenheit der Stärke in den beiden Endospermen

stellte dann ~Payen~ (1838) fest. Der Bau der Fruchtschale ist

ausführlich beschrieben in ~Tschirch-Oesterle~, Anatomischer Atlas.

=Pathologie.= Prof. ~Ed. Fischer~ berichtet über die pflanzlichen

Schädlinge: Die wichtigsten Zerstörer der Früchte und Fruchtkolben

der Maispflanze sind Ustilagineen:

_Ustilago Maidis_ (~Dc.~) ~Tul.~ bildet an Stengeln, Blättern,

männlichen und weiblichen Blütenständen beulenförmige Pilzgallen,

die an den Stengeln die Größe eines Kindskopfes erreichen können. In

denselben entstehen die Brandsporen; schließlich zerfallen sie in

eine schwarze, brandige Masse. Daß dadurch die Körnerbildung mehr

oder weniger unterdrückt werden kann, versteht sich von selbst. Die

Sporen der _Ustilago Maidis_ werden neuerdings arzneilich benutzt.

_Ustilago Reiliana_ ~Kühn~ bildet ihre Brandsporen in den

Fruchtknoten.

_Ustilago Fischeri_ ~Pass.~ entwickelt die Brandlager in der

Kolbenspindel.

Es gibt außerdem verschiedene Pilze, die die vegetativen Teile

der Maispflanze befallen und dadurch indirekt die Körnerbildung

beeinträchtigen können. Unter diesen ist eine der gefährlichsten

die in Java auftretende Lijer-Krankheit, welche junge Pflanzen zum

Absterben bringt. Sie ist auf eine _Peronospora_ (_P. Maidis_)

zurückzuführen. Auch sind neuerdings Bakterienkrankheiten der

Maispflanze beschrieben worden.

[Illustration: Fig. 71.

_Zea Mais._

1. Längsschnitt durch die Frucht, frs Fruchtschale, HEnd Hornendosperm,

MEnd Mehlendosperm, pl Plumula, Rad Radicula, cal Calyptra, col

Coleorhiza, 2 einzelne Zelle des Hornendosperms, 3 einzelne Zelle des

Mehlendosperms, 4 das Klebernetz zwischen den Stärkekörnern.

[Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

=Kultur.= Der Mais besitzt ein großes Anpassungsvermögen, obwohl seine

ursprüngliche Heimat wohl im tropischen Klima lag. Er braucht aber eine

gewisse Menge Feuchtigkeit und gedeiht in trockenen Klimaten nicht.

Schon ~Jos. Acosta~ (I, S. 754) beschrieb seine Kultur. Die Früchte

werden in Amerika durch eigene «Maisschäler» vom Kolben abgelöst. Die

größte Menge Mais, c. 80% der Gesamtweltproduktion, erzeugt jetzt

Nordamerika: etwa 50 Mill. t. im Jahre, den meisten die nördlichen

Mittelstaaten (bes. Iowa, Illinois, Kansas, Nebraska, Missouri, Ohio,

Indiana). Auch Kanada, Mexiko, Zentral- und Südamerika (Argentinien)

bauen viel Mais; in Afrika: Ägypten, Algier. Geringer ist die Kultur

in Asien, beträchtlich in Europa, besonders in Italien, Deutschland,

Ungarn, Rumänien, Schottland und in Rußland (vgl. auch die Karte auf S.

189).

Die +Maisfrucht+ enthält 62 bis 74,5% Stärke, 8-12% Eiweiß, 4,5-6,5%

Öl, 1,6-2,7% Rohfaser, 8-14,5% Wasser. Maiskleie liefert bei der

Hydrolyse mit verdünnten Säuren u. a. Xylose. (Über die Eiweißkörper

des Maiskornes vgl. ~Donard~ und ~Labbé~, Compt. rend. 1903.)

=Darstellung der Maisstärke.= Die Maisstärke, welche das einzige

Amylum der amerikanischen Pharmakopoëe ist, wird in großem Stile nur

in Nordamerika dargestellt, in geringerer Menge in Brasilien, Neu

Südwales, England, Frankreich, Deutschland, Niederösterreich und

den Donaufürstentümern. Die eingequollenen Körner werden zerquetscht

und der Brei in Cylindersieben ausgewaschen. Man verwendet hierbei,

da das Korn ziemlich hart ist, das Natronverfahren (wie beim _Reis_,

~Leconte~) oder läßt den Brei gären (~Watt~) oder setzt ihm schweflige

Säure zu. Die Lauge löst den die Körner miteinander verkittenden Kleber

(Fig. 71). Die gemeine amerikanische Maisstärke in Brocken besteht

aus Hornendospermkörnern, die Duryea Maizena, das feinste Maismehl,

vorwiegend aus Mehlendospermkörnern. Beide werden aus dem großen

Pferdezahnmais in großem Stil dargestellt; die St. Bernhardswerke in

Cincinnati produzieren täglich 25000 kg. Die amerikanische Maisstärke

heißt Corn flour oder Corn starch. Auch Mondamin ist Maisstärke. Ebenso

Patent corn flour, Palamoud, Potage des Sultanes usw.

[Illustration: Fig. 72.

_Maisstärke._ [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

=Anatomie.= Die Stärkekörner (Fig. 72) haben eine verschiedene Gestalt,

je nachdem sie aus dem Hornendosperm oder dem Mehlendosperm (s. oben)

stammen. Ihre Größe schwankt zwischen 8,5 und 31,5, meist beträgt sie

15 bis 20 mik.

Die +Hornendospermkörner+ sind mehr oder weniger scharfkantig oder

abgerundet kantig, isodiametrisch oft mit einem zentralen Spalt oder

einer Zentralhöhle versehen, ungeschichtet, bisweilen noch zu mehreren

zusammenhängend. Die Größe beträgt meist 10-18-23 mik, steigt aber auch

bis 25 mik und darüber.

Die +Mehlendospermkörner+ zeigen sehr unregelmäßige, aber stets

abgerundete Formen, regelmäßige Kugeln sind selten, Schichten fehlen

meist, der Zentralspalt bisweilen. Die Größe variiert sehr. Sie beträgt

9-23, meist 10-15 mik, steigt aber auch auf 25-30 mik. Daher erscheint

das Mehlendosperm oft großkörniger als das Hornendosperm.

+Nebenform+: Zu zweien zusammengesetzte gestreckte Körner oder deren

Teilkörner und ganz kleine rundliche Körner von 2-10 mik und Übergänge

zwischen Mehl- und Hornendospermstärke.

=Handel.= Die Ausfuhr von «Starch» aus den +Vereinigten Staaten+

betrug 1907: 51334580, 1908: 48125851, 1909: 33228278 Pounds. Es

handelte sich hierbei wohl hauptsächlich um Maisstärke.

+Deutschland+ führte 1909 c. 7 Mill. dz Mais ein, den meisten aus

Argentinien, dann aus dem europäischen Rußland, Rumänien und den Ver.

Staaten.

Deutschland führte 1909: 10850 dz Mais-, Weizen- und andere Stärke

(aus Großbritannien und den Ver. Staaten) ein. Die Ausfuhr betrug c.

11000 dz.

=Chemie.= +Maisstärke+ enthält durchschnittlich 84,14% Stärke, 13,95%

Wasser, 1,53% Stickstoffsubstanz und 0,38% Asche. Sie enthält auch

ein Gluko-Xylan (Storer). Maisstärke zeigt deutliches Aufquellen bei

50°, Beginn der Verkleisterung bei 55° und vollkommene Verkleisterung

bei 62,5° (~Lippmann~). Maisstärke reagiert oft sauer. ~Saare~ fand

den Säuregrad der Maisstärke oft sehr beträchtlich, besonders bei

geringeren Sorten (Zeitschr. f. Spiritusfabrikat. 1901).

Die _Stigmata Maidis_ sind reich an Zucker und Gummi (19,5%) enthalten

c. 5,5% Fett und sowohl im Äther- wie im Alkoholauszuge neben Harz

kristallinische Substanzen (~Fischer~, Am. Journ. Pharm. 1886).

=Anwendung.= Der Mais, die Maismehle und die Maisstärke spielen in

Nordamerika die gleiche Rolle wie bei uns Weizen- und Kartoffelmehl

und Weizen- und Kartoffelstärke und in England Reisstärke (s. oben S.

157) und haben die anderen fast verdrängt. Maismehl und Maisschrot

sind Futtermittel. Maiskolbenmehl (Cob meal) wird aus dem ganzen

Fruchtstand inkl. der Spindel dargestellt. In großen Mengen wird Mais

zur Glukosefabrikation benutzt, wofür er sich am besten eignet (man

behandelt mit Salzsäure bei 60-80°); dann zur Maltosefabrikation

(Behandeln mit Malz), zur Darstellung von Sirup (Behandeln mit

schwefliger Säure), Dextrin usw. Auch die Brennereien verschlingen

große Mengen.

=Geschichte.= Der Mais, der schon in präkolumbischer Zeit fast durch

ganz Amerika kultiviert wurde (Gräberfunde in Arizona, Ankona usw.)

-- die Mexikaner hatten eine Maisgöttin -- ist das Gegengeschenk

der neuen Welt für den Reis, den die alte ihr brachte. Er wurde von

~Columbus~ wahrscheinlich schon von seiner ersten Reise (1493) nach

Europa gebracht (I, S. 745); jedenfalls schon 1500 in Spanien gebaut.

Bei ~Hernandez~ (I, S. 761) ist dem Mais (Tlaoelli, +span.+ Maizio)

ein großes, mit Abbildungen geschmücktes Kapitel gewidmet. Er hat

sich außerordentlich rasch über Europa, Afrika und Asien verbreitet

und bildet jetzt ebenso für Südeuropa und die Levante, wie für China

und Japan, ja selbst für einige Negerstämme Afrikas, «die nie einen

Europäer gesehen haben», ein wichtiges Nahrungsmittel. Die Venetianer

verbreiteten den Mais im XVI. Jahrh. im Orient, nach Deutschland kam

er im gleichen Jahrhundert aus Italien, wo die Polenta bekanntlich

eine beliebte Speise ist. Nach Afrika brachten ihn im XVI. Jahrh. die

Portugiesen und die Spanier brachten ihn von Osten her nach Südasien.

Er wurde schon 1496 auf Java ausgesät. Im XVI. Jahrh. kam er auch

nach China. Da Reisende ihn schon zu so früher Zeit überall in Asien

fanden, glaubte man anfangs, daß er auch dort seine Heimat habe.

=Lit.= Abbild.: ~Berg~, Charakteristik t. 6, ~Bentley-Trimen~,

Medicinal plants t. 296, ~Hackel~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam.

II, 2, 19. -- ~Bonafous~, Hist. nat. agric. et econom. du Maïs.

Paris 1836. -- ~De Candolle~, L’origine des plantes cultiv. 4.

Aufl. 1896 (dort weitere histor. Lit.). -- Abbild. der Kultur und

Verarbeitung in Les grandes cultures du monde. -- ~Wittmack~, Über

antiken Mais aus Nord- und Südamerika. Zeitschr. f. Ethnologie

XII. -- ~Moeller-Winton~, Mikroskopie (dort viele gute Abbild.

und weitere Liter.). -- Analysen in ~König~, Nahr.- u. Genußm. --

~Harz~, Landwirtsch. Samenkunde. -- ~Wiesner~, Rohstoffe (dort die

ältere Lit.). -- ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas und ~Tschirch~,

Stärkemehlanalysen. Arch. Pharm. 1884/85. -- ~A. Meyer~, Arch. d.

Pharm. 1884, 912.

4. Fruct. Hordei.

Gerste -- orge -- barley -- gerst.

Im Code franc. steht oberflächlich geschälte Gerste (orge mondé)

und ganz bis zum Endosperm geschälte (orge perlé), in der

niederländischen Pharmakopoëe: Fruct. hordei decorticati (gepelde

gerst).

Die Stammpflanze der Fruct. hordei ist =Hordeum vulgare= L. (~Linné~,

Spec. plant. 84). Gramineae -- Hordeeae, von der auch die zwei

Unterarten, die sechszeilige Gerste (_H. hexastichum_) und die

vierzeilige Gerste (_H. genuinum_) kultiviert werden. Auch _Hordeum

distichum_ mit _var. zeocrithum_ wird sehr viel gebaut.

In bezug auf die +Krankheiten+ der Gerste gilt im wesentlichen

dasselbe, was für _Triticum vulgare_ gesagt wurde. Neben mehreren

Pilzen, die indirekt den Körnerertrag beeinträchtigen (_Erysiphe

graminis_, _Puccinia graminis_, _glumarum_, in Rassen, die zum

Teil nicht auf Weizen übergehen; _Puccinia simplex_, _Melanospora

damnosa_) finden wir als direkte Zerstörer der Früchte vor allem

Ustilagineen, und zwar die beiden Flugbrandarten _Ustilago Hordei_

(~Pers.~) ~Kell.~ et ~Sw.~ und _Ustilago nuda_ (~Jens.~) ~Kell.~

et ~Sw.~ Auch _Claviceps purpurea_ kommt auf der Gerste vor (~Ed.

Fischer~).

Als tierische Schädlinge der Gerste nennt ~Israel~:

1. +Käfer+: _Sitophilus granarius_ L. Dieser kleine Rüsselkäfer

legt seine Eier an die Körner aufgespeicherter Getreidevorräte. Die

Larve höhlt die Körner des Weizens, der Gerste und des Roggens aus

und tritt oft in Massen auf. _Sitophilus oryzae_ L., der Reiskäfer.

Dieser Käfer ist mit Reis aus dem Oriente nach Europa verschleppt

worden, nimmt aber bei uns auch die Körner von Mais, Weizen und

Gerste an und tritt gelegentlich schädlich auf. Der sog. Springmais

ist auf diesen Käfer zurückzuführen.

2. +Falter+: _Gelechia cerealella_ ~Oliv.~ Räupchen in Gerste

und Weizenkörnern. In einigen Gegenden Deutschlands ist dieser

Kleinschmetterling schon schädlich aufgetreten. _Orobena frumentalis_

L. Die Raupe lebt in den Halmen des Roggens, der Gerste und des

Weizens.

3. +Fliegen+: _Cecidomyia destructor_ ~Say.~ Larve lebt wie die von

_Orbona_ in den Halmen der Cerealien.

Die Früchte der Gerste sind von den beiden Paleis dicht und fest

umschlossen und fallen aus diesen nicht heraus (Anatom. Beschreibung

in ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas). Für den Arzneigebrauch werden

sie geschält. Der Same zeigt drei Reihen Aleuronzellen.

Die Stärke ähnelt sehr der Weizenstärke, doch sind die Großkörner

etwas kleiner, meist 15-30 (am häufigsten um 25) mik.

Die Gerste enthält c. 64,5% Stärke, 13,5% Wasser, 11,15%

Stickstoffsubstanz, 2,1% Fett, 1,5% Zucker, 5,3% Rohfaser, 2,7% Asche.

Die geschälte Gerste wird zu Tisanen und Gargarismen benutzt. Die

gekeimte Gerste ist Grundlage der Bierbereitung (vgl. I, S. 1019) und

Ausgangsmaterial für die Darstellung des +Malzextraktes+.

Das Gerstenmehl wird aus den mehr oder weniger entspelzten Körnern

dargestellt und spielt auch als Bestandteil einiger Kindernährmittel

(~Timpes~ Kraftgries, ~Kobens~ Nährpulver, ~Gehrings~ Laktin) eine

Rolle. Das präparierte Gerstenmehl, _Farina hordei praeparata_

(30 Stunden im Dampfbade erhitztes Gerstenmehl), war, da leicht

verdaulich, früher sehr beliebt und ist der Vorläufer der sog.

Kindermehle. Früher war das sog. ~Hufeland~sche präparierte

Gerstenmehl bei den Ärzten sehr beliebt, das in der Weise bereitet

wurde, daß man eine größere Portion Gerstenmehl in einen Beutel

eingeschlossen, in ein Wasserbad hing, 14 Stunden -- unter öfterem

Ersatz des Wassers -- in dem siedenden Wasser beließ, dann

herausnahm, die schlüpfrige Randschicht entfernte und den «Kern»

pulverisierte.

Die Gerste heißt im Ägyptischen btt (die hieroglyphischen Zeichen I,

S. 470). Bei antiken Räucherungen fand Gerstenmehl Anwendung (vgl.

I, S. 1060). Alphita, das der berühmten Drogenliste (I, S. 639) den

Namen gegeben hat, war _Farina hordei_.

Die Gerste war das Hauptgetreide der alten Indogermanen, die (nach

~Hoops~) vor ihrer Trennung in Asiaten und Europäer ihre Stammsitze

in Mitteleuropa westlich von der Linie Königsberg-Odessa hatten.

=Lit.= ~Moeller-Winton~ a. a. O. -- ~Hoops~ a. a. O. -- Große

Monographie: ~Lermer~ und ~Holzner~, Beitr. z. Kenntn. d. Gerste 1888

mit 52 Großfol. Taf.

IV. Stärke aus den Cotyledonen von Samen.

Leguminosenstärke.

Die +Leguminosenstärke+ findet sich in den Cotyledonen der Samen

der Bohne und der Erbse. Sie wird arzneilich nicht angewendet.

(Beschreibung der Samen und der Stärke in ~Tschirch-Oesterle~,

Anatom. Atlas, Taf. 48, 49 u. 53, bei ~Vogl~, ~Moeller-Winton~,

~Hanausek~ u. and. -- ~Tschirch~, Stärkemehlanalysen. Arch. Pharm.

1884).

II. Amylodextringruppe.

Behandelt man Stärke mit verdünnten Säuren oder mit Diastase, so

wird zunächst Amylodextrin gebildet. Diesen Körper hatte ~Schulze~

(1848) zuerst in Händen. Er nannte ihn +Amidulin+. Der eigentliche

Entdecker ist aber ~Musculus~ (1870), der ihn dextrine insoluble dans

l’eau nannte. Den Namen +Amylodextrin+ gab ihm ~Walter Nägeli~ (1873),

der den Körper auch kristallisiert in Sphärokristallen erhielt. Das

Erythrodextrin und das Achroodextrin sind unreines, vorwiegend mit

Dextrin verunreinigtes Amylodextrin. ~Lintners~ Amylodextrin ist mit

viel Amylose (~Meyer~) verunreinigtes Amylodextrin. Von der Amylose

(reiner Stärkesubstanz, s. oben S. 154) unterscheidet sich Amylodextrin

(nach ~A. Meyer~) durch folgende Eigenschaften:

+Amylose+ +Amylodextrin+

Bleiessig gibt Niederschlag in gibt selbst in 6% Lösung

0,05% Lösung keinen Niederschlag

Tanninlösung gibt einen Niederschlag gibt keinen Niederschlag,

noch in 0,005% Lösung selbst in 5% Lösung

Jodlösung in verd. Lösung rein blau in verd. Lösung rein rot

~Fehling~sche wird nicht reduziert 100 g Amylodextrin

Lösung reduziert so stark wie

5,6 g Dextrose

(α)_{D} in Lösung von Ca(NO₃)₂ = +230° +195°

Reines Amylodextrin kristallisiert in Nadeln, Tafeln und

Sphärokristallen. Die Löslichkeit in kaltem Wasser ist gering, besser

löst es sich in Wasser von 60°, noch besser bei 90°. Siedender Alkohol

von 50% löst reichlich. Das Molekulargewicht ist sehr hoch.

Die «Stärke, welche sich mit Jod rot färbt», die man bisweilen in

Pflanzen findet, ist eine an Amylodextrin reiche Stärke. Sie wurde

zuerst von ~Nägeli~ (1858) im Samenmantel von _Chelidonium majus_

beobachtet, dann von ~Gris~ (1860) im _Klebreis_ (_Oryza sativa_ var.

_glutinosa_), von ~A. Meyer~ in _Panicum miliaceum_ var. _glutinosum_

und _Sorghum vulgare_ var. _glutinosum_ und von mir im Samenmantel von

_Myristica fragrans_ gefunden, dessen Hauptbestandteil sie bildet.

+Gepulverte+ _Macis_ +ist an ihr leicht zu erkennen+. In Embryonen

fand sie ~Treub~, in phanerogamischen Parasiten ~Russow~. Diese durch

Jod rot werdenden Stärkekörner enthalten neben Amylodextrin noch

(Dextrin und) Amylose. Ich habe sie «+Amylodextrinstärkekörner+»

genannt, ~Bütschli~ betrachtet sie als ein besonderes stärkeähnliches

Kohlehydrat: +Amyloerythrin+. Zu ihnen gehört auch die sog.

Florideenstärke (vgl. _Carrageen_).

=Lit.= ~Musculus~, Zeitschr. f. Chem. 1869 u. 1870 u. Zeitschr.

f. phys. Chem. 2. -- ~Walter Nägeli~, Beitr. z. näh. Kenntn. d.

Stärkegruppe. Leipz. 1874. -- ~Shimoyama~, Beitr. z. Kenntn. d.

japan. Klebreis. Diss. Straßburg 1886. -- ~Dafert~, Beitr. z. Kenntn.

d. Stärkegruppe. Landw. Jahrb. 1886. -- ~Arth. Meyer~, Stärkekörner

1895. -- ~Tschirch~, Inhaltsbest. d. Arill. v. Myrist. fragr. Ber.

d. Bot. Ges. 1888, 138. Artikel Amylodextrin in Realenzykl. d. ges.

Pharm. u. Angew. Anatomie. -- ~Euler~, Grundlagen d. Pflanzenchemie

1908.

Die einzige Droge, die hierher gehört, die =Macis=, deren

Grundparenchymzellen dicht mit Amylodextrinstärkekörnern erfüllt sind

(vgl. ~Tschirch~, Angew. Anatomie), wird weiter hinten bei _Myristica_

abgehandelt werden, da die _Macis_ besser zu den Riechstoffdrogen

gestellt wird. In gewissem Sinne kann aber auch das _Trehalamanna_ (S.

147) hierhergezogen werden, da es 25-32% Amylodextrinstärke enthält,

sowie die Rotalgen, in denen sich Florideenstärke findet.

Der =Klebreis= ist nur aus Ausgangsmaterial für ein gegorenes Getränk

(I, S. 1019) für uns interessant.

III. Dextringruppe.

Über das +Dextrin+ existiert keine Klarheit, wir wissen nur, daß

es ein Polysaccharid ist. Aber ob es nur ein Dextrin gibt und die

Formen Maltodextrin, Erythrodextrin, Achroodextrin, Amylozellulose

usw. Gemische oder Individuen darstellen, wissen wir nicht.

Die Dextrinliteratur bietet «ein trostlos verwickeltes, durch

zahlreiche Widersprüche getrübtes, vorerst völlig unentwirrbares

Bild» (~v. Lippmann~ 1904). Die jetzt vielfach reproduzierte Formel

(C₁₂H₂₀O₁₀)₃.H₂O) trägt also nur vorläufigen Charakter. ~Skraup~

erteilte (1905) dem Erythrodextrin ein Molekulargewicht von 1700 bis

2000.

~Arthur Meyer~ nimmt nur ein Dextrin an und betrachtet alle

Achroodextrine als Gemenge von Dextrin mit Maltose oder Isomaltose. Das

reine Dextrin ~Meyers~ zeigte α_{D} = +192° und ein kryoskopisches

Verhalten, das auf ein etwas größeres Molekulargewicht als 1223 ±25

hinweist. Es reduziert schwach ~Fehling~sche Lösung.

Dextrin wurde zuerst von ~Vauquelin~ (1811) als ein besonderer Körper

erkannt, dann zunächst von ~Persoz~ und ~Payen~ (1833) untersucht.

=Lit.= Die neuere Literatur bei ~Lippmann~, Chemie der Zuckerarten.

-- ~A. Meyer~, Stärkekörner. 1895.

Dextrin.

Das Dextrin (Dextrine, Dextrina) des Handels wird jetzt meist durch

direktes Erhitzten von Stärke auf 150-200°, seltener durch Einwirkung

von verdünnten Säuren oder Diastase auf Stärkekleister gewonnen.

Die Darstellung des +Röstdextrins+ (Röstgummi, Leiokom), welches jetzt

hauptsächlich im Handel ist und ein gelbliches Pulver bildet, erfolgt

meist durch Erhitzen von luftrockener Kartoffelstärke in rotierenden,

mittelst überhitzten Wasserdampf erwärmten Trommeln auf 180-200°,

seltener durch Erhitzen von feuchter Stärke in flachen Kästen auf 160°.

Bei der Darstellung des +Säuredextrins+, welches ein weißes Pulver

darstellt, wird die Stärke mit 2-9 ‰ chlorfreier Salpetersäure

und etwas Wasser vermischt, in dünner Schicht auf 110° im Luftbade

erhitzt. Seltener wird Salzsäure, Schwefelsäure oder Oxalsäure benutzt.

(Letztere muß nach der Behandlung entfernt werden.)

Bei der praktisch nur selten ausgeführten Darstellung des

+Diastasedextrins+ wird die Stärke bei 60-75° mit Malzaufguß behandelt.

Endlich wird auch das auf eine der genannten Weisen erhaltene

Rohdextrin dadurch gereinigt, daß man es mit Wasser auszieht, mit

Alkohol ausfällt oder die Lösung eindampft und den Rückstand trocknet.

[Illustration: Fig. 73.

+Dextrinierte (Kartoffel-)Stärke+: a in Öl, die übrigen in Wasser.

[Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 28 / 120 段