+Hausindustrie+ dargestellt, so z. B. wird in Tägerig, im Kanton
Aargau, aus «Chorn» (_Trit. Spelta_) sog. +Ammelemähl+ (Ammermehl,
Kernenstärke) in ziemlich primitiver Weise noch jetzt bereitet. Die
Industrie reicht dort jedenfalls bis 1678 zurück und ehedem wurde fast
in jedem Hause «g’ammelemählet». Das interessante Verfahren ist (von
Abbildungen begleitet) ausführlich beschrieben von ~Meier~, Tägliger
Ammelemähl (in Die Schweiz 1908, 105).
=Handel.= Die Weizenstärke kommt im Handel in sehr verschiedener Form
und Güte vor. Entweder findet sie sich in größeren oder kleineren
unregelmäßigen Stücken (Bröckelstärke, Schäfchen) oder mannigfach,
meist zu Stengeln, Stäbchen oder scharfkantigen Stücken geformt
(Tafel-, Strahlen-, Kristall-, Stangen-, Stengel-, Zettelstärke) oder
endlich als Pulver.
Die Feinheit wird durch Bezeichnungen, wie feinste Tulleanglais,
Musselinstärke, feinste weiße Patentstärke, mittelfeine und ordinäre
Stärke abgestuft.
=Anatomie.= Die Stärkekörner der Weizenstärke bilden zwei ziemlich
scharf geschiedene, durch Mittelformen wenig miteinander verbundene
Formen: Großkörner und Kleinkörner (Fig. 66).
Die +Großkörner+ sind dick linsenförmig, von der Fläche betrachtet
rund, aber sehr selten streng kreisförmig, bisweilen zum Oval
übergehend oder mit geschweiften Umrißlinien, in der Seitenansicht
länglich elliptisch mit einem Zentralspalt. Schichtung fehlt. Der
zentral gelegene Kern ist undeutlich. Die Größe variiert. Die größten
messen 30-38, ja sogar 45 mik. und mehr, die kleineren 15-25 mik. Die
Großkörner der _Spelta_stärke sind etwas kleiner, meist 20-25 mik.
Die +Kleinkörner+ sind meist rundlich oder oval, seltener polyedrisch
oder in ein Spitzchen auslaufend. Die Größe beträgt 2-9,5, meist 6-7
mik.
[Illustration: Fig. 66.
_Weizenstärke._ x Körner von der Seite. y zusammengesetzte Körner.
[Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
Als +Nebenform+ finden sich zusammengesetzte Körner mit 2-25
Teilkörnern, sowie einige Zwischenformen der Groß- und Kleinkörner,
auch wohl zusammengesetzte Großkörner oder sackartige Formen.
=Chemie.= Weizenstärke enthält durchschnittlich 83 (82-85)%
Stärke, 13 (12-16)% Wasser, 1,9% (die kleberarme nur 0,1-0,15%)
Stickstoffsubstanz, 0,35 (0,1-0,5)% Asche, 0,31% (die schlechteren
Sorten 1-1,5%) Rohfaser und 0,19% Fett.
Weizenstärke reagiert schwach sauer (Milchsäure). ~Soxhlet~ fand (vor
längerer Zeit) in Weizenstärke im Durchschnitt 0,141% freie Säure auf
Milchsäurehydrat berechnet. ~Saare~ fand neuerdings den Säuregrad
zumeist 1-1,4 (= ccm N/10 Natron). ~Patch~ beobachtete (1900) auch
alkalische Reaktion.
Bei 62,5° sind die Körner der Weizenstärke noch wohl erhalten,
die der Roggenstärke aber schon verkleistert (~Wittmarck~). Der
Weizenstärkekleister ist trübe, geruch- und geschmacklos.
=Prüfung.= Die Prüfung erfolgt durch das Mikroskop. Die Weizenstärke
muß auf Chloroform schwimmen. Mit kaltem Wasser angerieben darf das
Filtrat mit Jod keine Bläuung geben, sonst ist Stärkeabkochung (zur
Stengelformung) zugesetzt. Die saure Reaktion darf nur sehr schwach
sein. Der Aschengehalt darf 0,5% nicht übersteigen (~Hauke~).
=Anwendung.= Die Weizenstärke ist jetzt die in der Pharmazie am meisten
angewendete (s. S. 157). Viele sog. Kraftmehle, Kindermehle, Amidons
enthalten Weizenstärke (oder Weizenmehl) oder bestehen daraus. Ebenso
Semolina, Semoule d’Igname, Nevilles Patent flour of lentills, Bullocks
Semula, Baby food u. and.
=Geschichte.= Während ~Buschan~ die Cerealien nur bis zur
neolithischen Periode zurückverfolgen konnte, haben die Ausgrabungen
von ~Piette~ gezeigt, daß schon der paläolithische Mensch im
südlichen Frankreich in der älteren glyptischen Periode des
Renntierzeitalters Cerealien kannte und wohl auch in roher Weise
kultivierte (~Hoops~). Aus der Übergangszeit von der paläolithischen
zur neolithischen Periode, also lange vor der Epoche der polierten
Steinäxte, ist kultivierter Weizen und sind Getreidemühlen (von
~Piette~) sicher nachgewiesen. Auch nach ~Solms-Laubach~ ist die
Kultur der Getreidepflanzen unendlich viel älter als man gewöhnlich
annimmt. Wir wissen jetzt, «daß in Zentralasien schon Getreide gebaut
wurde, als Sibirien und die turanischen Steppen noch vom Meere
bedeckt waren und die Gobi sich eben aus einem Binnenmeere in eine
Wüste verwandelte, daß die Weizenarten von Mittelasien aus sich über
Persien und Nordafrika schon zur Eiszeit bis in das Mittelmeergebiet
verbreiteten und schon vor dem Ende der pleistocänen Epoche bis nach
Spanien und Südfrankreich gelangten». Auch in Mittel- und Nordeuropa
reicht der Getreidebau bis in die neolithische Periode zurück. Die
ältesten Getreidearten waren hier Weizen, Gerste und Hirse. _Triticum
vulgare_, _T. dicoccum_ und _monococcum_, _Hordeum hexastichum_ und
_distichum_ und _Panicum miliaceum_ wurden, wie Funde in Pfahlbauten,
Aschengruben, Feuerherdresten usw. zeigen, schon zur Steinzeit
dort überall gebaut. Das älteste Getreide der Indogermanen war
die Gerste (~Hoops~). In Troja fand ~Schliemann~ Früchte von _Tr.
monococcum_. Im alten Indien wurde hauptsächlich Reis (vrībíṣ),
dann Weizen (godhūmas = Barbarenessen) und Gerste (yávas) gebaut
(~Lassen~). Auch in China ist Weizenbau uralt (vgl. I, S. 522). Die
Urform des Weizen ist entweder _Triticum Spelta_ oder _T. dicoccum._
Weizen (swt, beti, bet-t, bet) und zwar _Triticum vulgare_ ~Vill.~
(begrannten und unbegrannten) und wohl auch _T. dicoccum_ ~Scbr.~ und
auch _T. turgidum_ L. wurde bereits vor 4000 Jahren auch in Ägypten
in großem Stile angebaut. Die Weizenernte in allen ihren Phasen ist
ausführlich dargestellt in einem Grabe von Chum el Achmar, an der
Ostwand des Ti-Grabes in Saqqarah (III. Jahrtaus. n. Chr.) u. and.
Ein 3500-4000 Jahre alter Ziegel enthält Weizenkörner. Solche sind
auch in zahlreichen Gräbern gefunden worden. Weizenähren tragen die
Herrscher oft auf den bildlichen Darstellungen in der Hand. Auch auf
unzähligen Bildwerken späterer Zeit finden wir Getreideähren (oft mit
Mohnköpfen vergesellschaftet, vgl. das Mekonopeignion I, S. 926) in
den Händen der Götter und Fürsten. Die ὄλυρα der Griechen (~Herodot~)
war wohl, wie der far der Römer, _Triticum dicoccum_, der Emmer
(~Buschan~, ~Schweinfurth~). Der πυρός des ~Dioskurides~, der von der
arzneilichen Anwendung des Weizenmehles viel zu berichten weiß, war
wohl _T. vulgare_. Die ζειά des ~Dioskurides~ war wohl _T. dicoccum_
(δικόκκος) und _T. monococcum_ (ἅπλη). ~Hippokrates~ bediente sich
gern des Weizens. Weizenstärke tritt auch als Appretur schon auf
frühmittelalterlichen Papieren sowohl als Kleister, wie in Substanz
aufgewalzt auf (~Wiesner~, ~Kobert~).
=Lit.= ~Körnicke~, Getreidebau. -- Abbild. in Les grandes cultures du
monde. -- ~Harz~, Landwirtsch. Samenkunde. -- ~Tschirch-Oesterle~,
Anatom. Atlas. -- ~Moeller~, Mikroskop. d. Nahr. u. Genußm. 2 Aufl.
(dort weitere Lit.). -- Analysen in ~König~, Nahr. u. Genußm. --
~de Negri~, Chem. Zeit. 1898. -- ~Wönig~, Pflanz. im alt. Ägypt.
-- ~Hoops~, Waldbäume u. Kulturpfl. im german. Altert. 1905. --
~Solms-Laubach~, Weizen und Tulpe u. deren Geschichte. Leipzig
1899. -- ~Buschan~, Vorgeschichtl. Botan. 1895. -- ~Piette~,
L’anthropologie. 1896. -- ~Lassen~, Ind. Altertumskunde. -- ~Kobert~,
Zeitschr. f. angew. Chem. 1910, 1250. -- Abbild. d. Pflanze
~Bentley-Trimen~, Medicinal plants t. 294.
2. Amylum Oryzae.
Reisstärke, -- amidon de Riz (fr.) -- arroz (sp.) -- rice starch
(engl.) -- amido di riso (ital.) -- rijstzetmeel (holl.) -- riisi
tärkkelys (fin.) -- rizskeményitő (ung.) ἄμυλον ορύζης (n.-gr.).
=Stammpflanze=: =Oryza sativa= L. (~Linné~ spec. pl. I, 333) mit
den Kulturvarietäten: _montana_ (Bergreis), _glutinosa_ (Klebreis),
_praecox_ (frühreif. Reis), _perennis_ (ausdauernd. Reis),
_mutica_ (unbegrannter Reis), _minuta_ (kleiner Reis), _coarctata_
(gedrungenblüt. Reis). Im Museum in Calcutta finden sich Proben von
über 1100 Spielarten.
=Etym.= ὄρυζα (neben ὄρυζον) ist von +sansc.+ vrīhíṣ, +tam.+ arishi
abzuleiten. Über das +altpers.+ brîzi und das arabische arruz
(arrozz) gelangte das Wort in die europäischen Sprachen, in das
Spanische, wie so oft, durch Agglutination des arabischen Artikels,
in das Deutsche über +ital.+ riso. Im Sansc. heißt der Reis auch
dhánya (d. h. Erhalter des Menschengeschlechts) (hind.: dhán, chával).
=Systemat. Stellung.= Gramineae Oryzeae.
[Illustration: Fig. 67.
Die punktierten Stellen bezeichnen die Länder, in denen
_Reis_kultur getrieben wird.
....... Polargrenze der _Mais_kultur.
---------------- Verbreitungsgebiet der _Sago_palme.
[Vgl. auch +Langhans+, Kleiner Handelsatlas.]]
=Vorkommen und Kultur.= Der Reis ist im warmen Südostasien, besonders
in China und Indien, ferner im tropischen Australien und in Westafrika
heimisch. Er verlangt ein warmes Klima, gedeiht aber noch in der
Lombardei und Spanien, am besten freilich in tropischem Klima. Er
verlangt viel Wasser.
Die Kultur des _Reis_ (vgl. Fig. 67) ist in China uralt und noch
jetzt über die ganze südliche Hälfte des Reiches sowie Cochinchina
und Birma verbreitet. Die Sage berichtet, daß der Kaiser ~Shen
Nung~, den man auf 2800 n. Chr. ansetzt (die Datierung ist aber
sicher falsch), bei einer Zeremonie, bei welcher 5 Arten Getreide
gepflanzt werden mußten, den Reis pflanzte, während die anderen 4
von den Prinzen gepflanzt wurden. Aber es ist wahrscheinlich, daß
China die Pflanze vom Südwesten her erhielt, wo jetzt der beste
Reis der Erde produziert wird (~Semler~). In Indien spielte die
Reiskultur seit altersher eine große Rolle. Was der _Sago_ für den
Osten, das ist der _Reis_ für den Westen Südasiens. Von Indien,
das ¾ der Weltproduktion liefert, ist die Reiskultur nach dem
Mittelmeergebiet (Italien: Poebene, Lombardei, Venezien, Piemont und
Spanien: Andalusien, Valencia, Catalonien) und die Verein. Staaten
gebracht worden. Obenan steht hier Süd-Carolina, dann folgen
Louisiana und Georgia. «Wie nämlich mit dem Zucker und Kaffee und
der Baumwolle geschah, so auch mit dem Reis: erst die Versetzung in
die neue Welt hat ihn zu einem Weltprodukt gemacht. Europa war für
diese Frucht nur die Haltestation, wohin sie die Araber, die alten
Zwischenhändler des Ostens und Westens brachten und von wo andere
sie weiter nach Neu-Indien jenseits des Ozeans schafften» (~Hehn~).
Südamerika baut nur wenig. Im großen Stile wird Reis ferner in Japan,
Hinterindien, Siam und auf Java gebaut, dann auch auf den anderen
Inseln des malaiischen Archipels. In Afrika baut Ägypten Reis. Die
Kultivateure unterscheiden +Wasserreis+ (+ind.+ aus) und +Bergreis+
(+ind.+ boro) und eine Zwischenform (+ind.+ amum), sowie den hier
nicht in Betracht kommenden Klebreis. In Java, dessen Reiskultur hoch
entwickelt ist, sah ich die beiden typischen Kulturmethoden, die in
den Bergen übliche trockene Methode der gaga (tegal), wo der Bergreis
(_O. montana_ = paddi tjereh) -- seltener Klebreis (p. ketan) --
auf trockene Felder ausgesät wird und die im ganzen Mittelland
gebräuchliche der sawah (rawah, vgl. I, Fig. 24), bei der _Oryza
sativa_ und _praecox_ in quadratischen, terrassenartig übereinander
liegenden, periodisch bewässerten Feldern meist durch Einpflanzen von
in Saatbeeten erzeugten Pflänzlingen (seltener durch Aussaat) gebaut
wird. Die Reiskultur verursacht viel Arbeit. In Java heißt der Reis
im Halme +paddi+, gedroschen +gaba+, geschält +bras+, gekocht +nassi+.
=Pathologie.= Über die pflanzlichen Schädlinge berichtet Prof.
~Ed. Fischer~: Unter den Krankheiten, welche die ganze Reispflanze
ergreifen, ist besonders die +Brusone-Krankheit+ zu erwähnen, mit
der die in Japan auftretende +Imotsi+-Krankheit identisch zu sein
scheint. Es handelt sich um eine Fleckenkrankheit, die auch völlige
oder teilweise Sterilität der Rispen nach sich zieht. Die meisten
Autoren sehen eine Imperfekte, _Piricularia Oryzae_ ~Cav.~ als
Ursache an, doch halten andere das Auftreten dieses Pilzes für eine
sekundäre Erscheinung. In den Blüten von _Oryza_ ist _Claviceps
purpurea_ beobachtet worden; nahe verwandt mit derselben ist nach
~Brefelds~ Untersuchungen sehr wahrscheinlich _Ustilaginoidea Oryzae_
(~Pat.~) ~Bref.~, die in dem Fruchtknoten eine schwarze Conidienform
bildet, welche man früher als einen Brandpilz (_Tilletia Oryzae_
~Pat.~) ansah.
[Illustration: Fig. 68. _Oryza sativa_.
1. Einblütiges, kurz begranntes Ährchen, die Spelzenhülle geöffnet.
2. Querschnitt durch eine von Palea inferior (pi) und Palea superior
(ps) eng umschlossene Frucht. 3. Längsschnitt durch die Frucht. 4.
Längsschnitt durch den Keimling: scut. Scutellum, pl. Plumula, rad.
Radicula.
[Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
=Beschreibung.= _Oryza sativa_ wird etwa 1 m hoch. Die einblütigen,
etwas platten, von vier glumis behüllten Ährchen sind zu großen, meist
ziemlich zusammengezogenen, seltener ganz lockeren Rispen vereinigt.
Die Blüten besitzen sechs Stamina. Die meist etwa 6-7 mm lange Frucht
ist von der Seite stark zusammengedrückt, zeigt zwei seitliche Furchen
und wird von den miteinander verzahnten Spelzen (paleis) dicht und
fest umschlossen (Fig. 68). Diese Spelzen sind knorpelig, lederig,
reich an mechanischen Elementen, anliegend, rauhhaarig, die Palea
inferior fünfrippig, begrannt, die Palea superior dreirippig. Bei dem
wilden Reis fallen (wie bei den meisten wilden Getreidearten) die
Früchte bei der Reife aus den Ähren heraus. Frucht- und Samenschale
sind zart und obliteriert. Durch das +Schälen+ und +Polieren+ werden
die Paleae und auch die Frucht- und Samenschale (Silberhaut) sowie
die 1-2reihige Aleuronschicht und der stark exzentrisch gelegene,
leicht sich ablösende Keimling entfernt, so daß das Korn dann nur aus
dem Endosperm besteht. Der Bau der Spelzen und der Fruchtschale ist
beschrieben in ~Tschirch-Oesterle~, Anatomischer Atlas. Die Größe
der Reiskörner schwankt zwischen der eines Senfkornes und der eines
Melonenkernes, die Farbe von hellgelb bis schwarz. Ungeschälter Reis
heißt in Indien +paddy+, in Nordamerika +rough rice+. Durch Schälen
in der Reismühle (im peeler, polisher, huller) wird das Gewicht auf
die Hälfte oder zwei Drittel reduziert. Das Produkt heißt +Kochreis+.
Das beim +Schälen+ abfallende ist die +Reiskleie+, die aber immer
noch c. 25% Stärke, 6,5% Eiweiß und c. 5,5% Fett (daneben aber c. 46%
Rohfaser) enthält. Das durch +Polieren+ des Kochreis abfallende ist
noch stärkereicher (30-50%) und bildet daher ein gutes Ausgangsmaterial
für die Darstellung der Reisstärke. Die Eingeborenen der verschiedenen
Länder Asiens besorgen das Schälen des Reis nur selten in Mühlen. Ich
sah in Südostasien den Reis in Mörsern stampfen, durch hölzerne Klöpfel
schlagen und durch mechanisch mit den Füßen in Bewegung gesetzte breite
Hämmer klopfen (vgl. auch Fig. 69).
Geschälter Reis enthält 74,9-77% Stärke, 0,68% Rohfaser, c. 9,2%
Eiweiß, ungeschälter c. 74% Stärke, 3,1% Rohfaser und 7,8% Eiweiß.
[Illustration: Fig. 69.
+Japanische Reisschälmethode.+
Stampfen des Reis in einem Mörser mit einem mit dem Fuß gehobenen,
knieförmig gebogenen Holz.
[Aus Les grandes cultures.]]
=Produktion.= Die +Reisernte+ wird jetzt pro Jahr auf 175 Milliarden
(engl.) Pfund (lb.) = c. 80 Mill. t. geschätzt. Britisch Indien
produziert 60, China 50-60, Japan 15, Siam 6,75, Java 6,5, franz.
Hinterindien 5, Korea 3, Formosa 2,75 Milliarden lb., Italien erzeugt
750 Millionen Pfund, je c. 500 Mill. lbs. erzeugen Spanien, Ceylon, die
Philippinen, die Vereinigten Staaten (Louisiana, Texas, Süd-Carolina,
Arkansas). In letzteren stieg 1908 die Produktion auf 608 Mill. lbs.
(1907 erzeugte Nordamerika 18738000 Bushels Reis.) Es wird jetzt
dort nicht nur Flußschlemmland, sondern auch Prairieland zum Reisbau
herangezogen. Europa führt jährlich für 344 Mill. Mark Reis ein.
Deutschland verbrauchte 1907 für 31743000 Mark. Der Jahresumsatz
des +Weltreismarktes+ beträgt 600-800 Mill. M. Vom indischen Reis
unterscheidet man drei Sorten: Tafelreis, Ballam und Moonghy. Den
meisten Reis exportiert Burmah, dann folgt Bengalen und Madras. In Code
franc. steht geschälter (décortiqué) Reis.
Als =Schädling= der Früchte ist der +Käfer+: _Rhizopertha pusilla_
~Fabr.~ zu nennen, dessen Larve vermutlich eingeschleppt wurde.
Er ist namentlich in Hafenplätzen öfter schädlich aufgetreten
(~Israel~). Über _Calandra Oryzae_ vgl. I, S. 383. Siehe auch unter
_Mais_.
=Darstellung der Reisstärke.= Reisstärke wird besonders in England,
dann in Belgien, Frankreich, Deutschland (Altona, Ulm), Österreich
(Fiume, Tirol), Italien und Amerika aus schlechteren Reissorten,
aus +Bruchreis+, +havariertem+ Reis oder den beim Polieren des Reis
erhaltenen Abfällen bereitet.
Da die Stärkekörner die Zellen dicht erfüllen, genügt Einweichen und
Zerquetschen der Früchte nicht, um die Körner zu isolieren. Sämtliche
zur Anwendung kommende Verfahren (~Jones~, ~Ransford~, ~Berger~) laufen
darauf hinaus, daß der die Körner verkittende Kleber durch Behandlung
mit verdünnter Ätzlauge (z. B. 0,25% Natronlauge), Ammoniak oder Säuren
oder durch ein «Gärverfahren» gelöst, das Reiskorn «aufgeschlossen»,
d. h. aufgelockert wird. Die weitere Behandlung ist wie bei der
Weizenstärke (s. d.). Neuerdings wird in Frankreich auch der
elektrische Strom herangezogen. Nach dem ~Stoltenhoff~schen Verfahren
werden die Körner im Vacuum 6-8 Stunden mit fließender Natronlauge
behandelt (die Lauge wird mit Säure gefällt, der gefällte Kleber ist
als «Energin» im Handel). In Deutschland gibt es 12 Reisschälmühlen und
Reisstärkefabriken. Über den Klebreis vgl. Amylodextrin.
[Illustration: Fig. 70.
_Reisstärke._ [Nach ~Tschirch-Oesterle~, Atlas.]]
=Anatomie.= Das Endosperm des Reis ist bisweilen in ein Horn- und
Mehlendosperm geschieden. Ein Teil und zwar die Hauptmasse erscheint
alsdann glasig, ein Teil in der Nähe des Scutellums mehlig. Die
Stärkekörner erfüllen die Zelle dicht. Zusammengesetzte Stärkekörner
treten nur undeutlich hervor. Ihre Begrenzungslinie ist nie glatt
(wie beim Hafer). Die +Stärkekörner+ der +Reisstärke+ (Fig. 70), die
auch wohl (fälschlich) +Reismehl+ genannt wird, sind kristallartig
scharfkantig-eckig, besonders häufig fünfeckig. Rundliche Körner sind
selten. Sie sind ziemlich gleichartig in Gestalt und Größe, meist
4,5-6 mik lang, die größeren bis 8,5, nie über 10 mik, die kleinsten 3
mik. Bisweilen hängen noch einige Körner zusammen. Einige zeigen eine
Kernhöhle.
=Chemie.= Reisstärke enthält durchschnittlich 85,18% Stärke, 13,7%
Wasser, 0,88% Stickstoffsubstanz, 0,3% Asche; Spuren Fett und
Rohfaser. Reisstärke beginnt bei 53,7° aufzuquellen und bei 58,7° zu
verkleistern, bei 61,2° (nach ~Dafert~ bei 73°) ist die Verkleisterung
vollkommen (~Lippmann~).
=Handel.= Im Handel ist die Reisstärke entweder in kantig-prismatischen
Stücken als Strahlen-, besonders Kristallstärke oder aber (die
schlechteren Sorten) in Form unregelmäßiger Brocken (Schäfchen) oder
als Pulver. «Royal Anglais» ist belgische (Remy-)Stärke, Corn flour
besonders feine Reisstärke.
Die Gesamteinfuhr an +Reisstärke+ betrug in Hamburg 1908: 24661 dz,
die Einfuhr an Reis 2354543 dz, der meiste (1810385 dz) kam aus Brit.
Ostindien.
Deutschland führte 1909 polierten Reis 851935 dz, enthülsten und
Bruchreis 2178571 dz ein, letzteren vornehmlich aus Brit. Indien,
dann auch aus Siam und französ. Indien (Reis in der Hülse nur
163958 dz) und exportierte +Reisstärke+ 53497 dz besonders nach
Großbritannien.
=Prüfung.= Reisstärke besteht fast nur aus Stärkekörnern (s.
oben) mit sehr wenig Zellresten, bildet also ein sehr feines und
gleichmäßiges Pulver. Die Beimengung von Spelzen ist leicht an der sehr
charakteristischen Epidermis derselben zu erkennen, andere Stärke an
den abweichenden Formen (am schwierigsten Haferstärke -- kommt aber in
praxi kaum vor).
Reisstärke reagiert stets alkalisch. Die medizinisch angewendete soll
aber doch nur sehr schwach alkalisch sein, also mit Wasser geschüttelt
ein nahezu neutrales Filtrat liefern (Ph. helv. IV). Die Asche
übersteige 0,5% nicht (~Hauke~).
=Anwendung.= Reisstärke ist in der Revalenta arabica (Revalescière du
Barry), im Racahout des Arabes, in der Kaiffa, dem Palamoud des Turcs,
der Palmycena und anderen Geheimmitteln enthalten. Reis wird gegen
Diarrhoe angewendet. Die Reisstärke ist die wichtigste Poudre-Grundlage
(poudre de riz). Reisstärke gibt, da sie vollständig, sehr gleichmäßig
und gummiartig verkleistert, eine vorzügliche Appretur, wird aber
wegen des hohen Preises nur zur Appretur feinerer Stoffe benutzt.
Silberglanzstärke ist Reisstärke mit 10-15% Borax, Doppelstärke
enthält neben Reis- und Kartoffelstärke 6-7% Borax und 2-2,5% Stearin.
Crêmestärke ist mit Farbstoffen gefärbt.
Reis ist das wichtigste Nahrungsmittel Südasiens (China, Indo-China,
Indien, Malaiisch. Archipel) und großer Teile Afrikas, denn er
enthält neben viel Kohlehydraten (vornehmlich Stärke) auch ziemlich
viel Stickstoffsubstanz (s. oben), so daß man sich von ihm allein
ernähren kann. Reis kann aber nicht verbacken werden. «In dem Kranze
wertvoller Nutzpflanzen, die die Tropen ihren Bewohnern liefern,
ist der Reis eines der schönsten Blätter, ja er bildet mit dem Coco
und dem Pisang die Grundsubstanz aller Speisen, die der Eingeborene
in Ceylon und Java, ja im ganzen malaiischen Archipel genießt»
(~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpflanzen). Und auch der Holländer geht
in Indien täglich um Mittag zur «Reistafel». In Asien werden aus Reis
mehrere alkoholische Getränke hergestellt (vgl. I, S. 1019). Schon
die alten Inder kannten ein Reisbier.
=Geschichte.= Reis findet sich noch nicht in Rig-Veda, in
Atharva-Veda ist er mit másha (_Phaseolus Roxburghii_) und _Sesam_
zusammen erwähnt. Die Alten des Abendlandes bauten Reis nicht,
bezogen ihn aber aus Indien. Ein gebräuchliches Nahrungsmittel wurde
er im Altertum des Abendlandes nicht. Selbst Reistisane war teuer
(~Hehn~). Das Abendland wurde durch den Alexanderzug (I, S. 529)
mit dem Reis bekannt. ~Theophrast~ beschreibt ihn gut. Damals wurde
Reis in Sawahs (s. vorn) nicht nur im Indusdelta, sondern auch im
Zweistromlande und am Oxus gebaut (~Strabo~). Im Periplus (I, S.
536) wird Reis als Ausfuhrartikel von Limyrike und Reiskulturen
in Ostindien bei Barygaza und Ariake erwähnt. Nach Ägypten und
Spanien brachten die Araber die Reiskultur, ins Mailändische und
Venezianische kam sie Anfang des XVI. Jahrh. (~Hehn~). ~Albertus
Magnus~ (I, S. 673) bespricht Rizum. Der Reis ist bei den Indern
Symbol des Reichtums und der Fruchtbarkeit. Er spielt dort im
Hochzeitsritus, bei den Ceremonien zur Erlangung von Kindern sowie
als Liebesorakel und Aphrodisiacum, Allheilmittel, Schönheitsmittel
eine Rolle. Auch in England wirft man der Braut Reiskörner nach.
Reis ist die Pflanze der javanischen Ceres, Dewi Sri. Die Reiskultur
hat aus den Malaien, orang malayu, d. h. herumschwärmenden Leuten,
seßhafte gemacht. «Reis und Tee» heißt im Japanischen soviel
wie bei uns «Essen und Trinken». Reismehl tritt als Appretur auf
frühmittelalterlichen Papieren sowohl als Kleister wie in Substanz
aufgewalzt auf (~Wiesner~, ~Kobert~). Die +Reisstärke+ ist ziemlich
spät erst in Aufnahme gekommen.