=Kultur.= Die Sagopalmen sind jetzt auch in Kultur in Ost-Sumatra

(Bengkalis), auf dem Rioux-Lingga-Archipel und Billiton, in West-Borneo

(Sambas, Pontianak), in den Sümpfen von Celebes, auf Bunguran, der

Hauptinsel der Groß-Natunas, westlich von Borneo und auf der Halbinsel

Malakka, z. B. bei Singapore; zur Atapgewinnung der Blätter für die

Dachbedeckung auch an den Flußläufen Javas (bes. _M. Sagu_). Die Kultur

bietet keinerlei Schwierigkeiten. Die Anpflanzung erneuert sich selbst

durch Wurzelschößlinge. Doch wird die Hauptmasse des in Südostasien

produzierten Sago von wildwachsenden Pflanzen gewonnen.

Die =Darstellung der Sagostärke= ist sehr primitiv (Fig. 63 u. 64,

vgl. auch I, Fig. 139). Von den Eingeborenen wird, sobald eine

_Sagopalme_ gefunden wurde, zunächst festgestellt, ob dieselbe etwa

bereits blüht oder gar Früchte trägt. In diesem Falle ist sie für

die Sagogewinnung nicht mehr tauglich. Blüht sie nicht, so stellt

man fest, ob sie «klopbaar», d. h. so mit Stärke gefüllt ist, daß

die Ausbeutung lohnt (der Eingeborene unterscheidet hier fünf Grade

der «Reife»). Ist der Baum als «klopbaar» befunden, was zwischen

dem fünften und zehnten Jahre der Fall zu sein pflegt, so wird er

gefällt und der Stamm, nachdem Blätter und Scheiden entfernt, in

mehrere Stücke zerschnitten und diese in der Mitte aufgespalten. Nun

setzt sich ein Mann rittlings auf den gespaltenen Stamm und klopft

mit einem axtartigen Instrumente (stani paluk, pemaluk), das an der

Spitze bisweilen einen Stein trägt, oder auch wohl mit den Füßen, das

ganze innere Gewebe (sog. «Mark», Grundgewebe nebst Gefäßbündeln) in

Flocken heraus (Fig. 63). Diese werden nun, wenn Wasser in der Nähe

ist, was, da die Sagopalmen Sumpfpflanzen sind, meist der Fall ist,

an Ort und Stelle weiter verarbeitet oder in aus Sagoblattscheiden

gebildeten Körben (timbil) zu einem Wasser getragen. Hier erfolgt

die Auswaschung nun in der Weise, daß man über einem ausgehöhlten

Sagostamme oder einem Kahne oder einer aus Rinde oder Sagoblattscheiden

hergestellten langen, auf Stützen ruhenden Rinne am einen Ende ein

eigenartiges «Filter» anbringt. Das zerfaserte «Mark» wird auf eine

durch einen gebogenen Rottan- oder Bambu-Stecken straff gespannte

beutelartige Seihvorrichtung, die oft aus der zerfaserten Blattscheide

der _Cocospalme_ besteht, geschüttet und auf dieser durch Aufgießen

von Wasser und Umrühren ausgewaschen (Fig. 64). Der eine hält die

Seihvorrichtung, der andere gießt. Die Stärkemilch läuft für gewöhnlich

nicht direkt in die lange Rinne, sondern erst in eine meist aus einer

Blattscheide gebildete kurze und breite Rinne, die bisweilen unten

eine Siebvorrichtung besitzt. Durch diese einfache oder doppelte

Seihung werden die meisten Fasern zurückgehalten -- sie werden

verfüttert -- und auf dem Boden der langen Rinne, die durch Fasern

der _Sago_blätter, der _Cajuput_rinde oder _Aren_palme gedichtet

wird, setzt sich das Stärkemehl ziemlich rein ab. Das Wasser fließt

über den Rand der Rinne oder am Ende (durch ein weiteres Sieb) ab und

wird schließlich ganz abgelassen. 800 kg Markmasse liefern 320-350

kg Sagomehl. Das Rohsagomehl wird dann in Massen von c. 30 Pfund in

Blätter gewickelt und diese mit Rottan verschnürt oder in eigenartigen

aus Sagopalmblättern gebildeten Körben (tuman, tamang) als Rohsago

(sagumanta, lapia-manta) auf den Markt gebracht. Aus ihm werden die

Hauptspeisen der Molukken dargestellt (~Warburg~). In Sumatra bringt

man den Rohsago in Zuckerhutform in den Handel. Ein Baum kann 150-300

kg marktfähige Ware produzieren.

[Illustration: Fig. 63

+Memukul Sagu+, d. h. Herausklopfen des Sagomarkes. [Nach der Zeichnung

eines Malaien (+Tupamahu+) in Bull. Kol. Museum Haarlem Nr. 44.]]

In Süd- und West-Neu-Guinea ist die Bereitung des Sago ähnlich wie

auf den Molukken, auf Celebes, auf dem Lingga-Archipel und den

Key-Inseln (siehe I, Fig. 139). Sonderliche Reinlichkeit scheint

nirgends beobachtet zu werden, wie z. B. ~Martin~ von der Bereitung auf

Ceram direkt betont. In Zentral-Borneo wird das «Mark» mit den Füßen

getreten, während man Wasser darüberlaufen läßt.

In Brit. Nord-Borneo wird sowohl _Metroxylon Sagu_ wie die dornige

Sagopalme _M. Rumphii_ benutzt, letztere ist kleiner, ist mit Dornen

bewehrt, wird daher von wilden Schweinen weniger zerstört. Sie geht

weiter ostwärts und ist namentlich in Neu Guinea und der Moluccen

verbreitet.

In Singapore, wo besonders _Sagus Rumphii_ und _laevis_ kultiviert

werden, werden die Stämme in 4-6 Fuß lange Stücke zerschnitten,

dann geschält und mit einer primitiven Raspel geraspelt. Auch in

Nordost-Sumatra wird das Stamminnere geraspelt. Die so erhaltenen

Flocken werden durch Treten und Spülen mit fließendem Wasser von

ihrer Stärke befreit; die Stärkemilch durch eine lange Rinne in ein

längliches Becken geleitet. Die abgesetzte Rohstärke geht in die

Sagofabriken. Hier wird sie zunächst durch wiederholtes Aufschlemmen

und Durchseihen der Stärkemilch durch Tücher von den Fasern

(Sagorefuse) befreit, dann die Stärkemilch wiederholt durch lange, am

Ende durch Tücher geschlossene Rinnen geschickt, das Wasser abgelassen

und die Stärke in Blöcken herausgenommen.

[Illustration: Fig. 64.

+Meramasdan menapis sagu+, d. h. Kneten und Auswaschen des

Rohsagomehls. [Nach der Zeichnung eines Malaien (+Tupamahu+) in Bull.

Kol. Mus. Haarlem Nr. 44.]]

Sagomehl kann das ganze Jahr hindurch gewonnen werden.

Der für den Außenhandel bestimmte Rohsago geht meist nach Singapore,

dem eigentlichen Sagohafen der Welt, wohin er vom März bis Oktober

gebracht wird. Hier (dann auch in Sarawak und Brunei, wo ebenfalls

Fabriken bestehen) wird er, da er noch ziemlich viel Zellfragmente

enthält, durch Schlämmen gereinigt (Sago flour, Sagomehl) oder

gereinigt und granuliert, geperlt (Pearl Sago, Perlsago). Das Geschäft

liegt fast ganz in den Händen von Chinesen. Das Perlen des Sago

geschieht in der Weise, daß man die halbgetrocknete, durch Schlämmen

eigener Art (Beschreibung bei ~Semler~) gereinigte Stärke zerbricht,

die Stücke siebt und in ein Tuch bringt, das an zwei von der Decke

herabhängenden Seilen befestigt ist (I, Fig. 142). Die Arbeiter führen

die Stärke durch geschicktes, viel Übung erforderndes Rütteln des

nur halb gefüllten Tuches in Kügelchen (Perlen) verschiedener Größe

über. Diese werden durch Sortiersiebe nach der Größe getrennt und dann

auf flachen heißen Schalen von ¾ m Durchmesser, die bisweilen mit

einem vegetabilischen Fett bestrichen werden, unter Rühren mit einem

hölzernen Instrumente mit gebogener Kante gerollt (gedämpft), dann

nochmals durch Siebe sortiert und getrocknet. Durch das Erhitzen werden

die Körner oberflächlich verkleistert. Manche Fabriken perlen nur ohne

zu rollen. Meist werden kleinere Kügelchen von 1-1,5 mm (Small Pearl

Sago) und große von 2,5-3 mm hergestellt. Bisweilen wird der Sago ein

zweites Mal «geröstet».

Der Perlsago aus Molukkensago ist immer rötlich. Auch durch

Zuckerkouleur bräunlich gefärbter Sago ist im Handel, früher auch

ziegelroter [durch Bolus (?) gefärbter].

=Handel.= Nach Singapore kam 1906 Rohsago besonders aus Sarawak

(Nordwest-Borneo), dann aus Sumatra und Labuan und dem Niederl.

Archipel, weniger aus Niederl. Borneo, Johore und Brit. Nord-Borneo,

am wenigsten aus Pinang und Rioux. Die Molukken verbrauchen ihren Sago

fast ganz als Nahrungsmittel.

1908 kamen nach Singapore: +Gereinigter Sago+ in kg: aus Djambi

(Sumatra) 2600 kg, Bengkalis (Sumatra) 503236, Rioux 648580, Indragiri

(Sumatra) 11852, Westborneo 3629800, Celebes 7316. +Ungereinigter,

roher Sago+: Aus Ostsumatra 20500, Rioux 3461876, Indragiri 7430238,

Westborneo 694398, Süd- und Ostborneo 14508, Celebes 390352 kg.

Der Wert der Ausfuhr von Sagomehl aus +Singapore+ betrug 1906: 2030082

Singaporedollars (= M 2,20), von Pearl Sago (und Rohsago): 365769

Doll. Es wurden 715836 Pikuls Sagomehl und 77381 Pikuls Pearl Sago

exportiert. Der meiste ging nach London, viel auch nach Italien.

+Hamburg+ importierte 1908 33703 dz _Sago_ und _Tapioka_ (s. oben S.

173). Davon kamen 16077 von Singapore, 13877 von Brit. Ostindien,

2322 von Nied. Ostindien, geringere Mengen aus China und Brasilien.

+Deutschland+ importierte 1909 «Pfeilwurzelmehl (Arrowroot), Sago und

Sagomehl, Madioka und Sagoersatzstoffe»: 3654 dz aus Brit. Indien

und 8616 dz aus Brit. Malacca. +Frankreich+ importierte 1908 «Sagou,

Salep et fécules exotiques» 117844 Qintal. besonders aus Englisch-

und Niederländ.-Indien, dann auch (30265) von Réunion und Brasilien.

Sago und Sagomehl kommt in Kisten und Säcken à 85 kg in den Handel.

=Anatomie.= Die Stärkekörner des Sago flour, der ein weißes oder

grauweißes bzw. rötlichweißes Pulver bildet, sind entweder einfach oder

zusammengesetzt. Die zusammengesetzten zeigen ein großes Hauptkorn von

30-68 (selten bis 80) mik Länge, dem meist an kurzen Ausstülpungen 1-5

(meist 2-3) Nebenkörner von meist 10-20 mik Durchmesser angesetzt sind.

In der Handelsstärke sind die Nebenkörner meist abgefallen und man

sieht am Hauptkorn nur die meist ebenen Ansatzstellen (Fig. 65).

Das Hauptkorn ist sehr mannigfach gestaltet, länglich, trapezförmig

oder dreieckig-rhombisch, stets mehr oder weniger rundlich, nicht

abgeplattet. Der Kern liegt exzentrisch (meist ½-¼) und ist oft von

einem ein- oder mehrstrahligen Stern durchzogen. Die Nebenkörner sind

halbkugelig, mützen- oder tiaraförmig.

Als +Nebenform+ kommen einfache, meist sehr große, 50-65 mik. messende,

eirunde oder gestreckt oval-längliche mit exzentrischem Kern oder zwei-

bis mehrstrahliger Kernspalte vor.

Im geperlten und gerollten (s. oben) Sago findet man die gleichen

Formen, daneben aber Körner in allen Stadien der Verkleisterung. Die

Verkleisterung beginnt in den inneren, weicheren Schichten. In den

ersten Stadien der Verkleisterung ist oft eine große, nach außen durch

einen Kanal sich öffnende Zentralhöhle sichtbar, im letzten bilden die

Körner einen unregelmäßig wulstigen Ballen mit zarter Kontur (Fig. 65,

a-c). Der nur geperlte, nicht gerollte Sago zeigt diese verkleisterten

Körner nicht. Er ist rein weiß, während der andere partiell hyalin

erscheint.

Bisweilen findet man im Sagomehl auch Körner in allen Stadien der

Korrosion. Es scheint dies Stärke zu sein, die von Stämmen gewonnen

wurde, die schon zu sehr der Blütenbildung sich näherten, bei denen

also bereits die Stärke in Auflösung begriffen war.

Unter dem Namen «Sago» kommen aber noch einige andere Produkte in den

Handel: der deutsche oder französische (indigène) Sago aus Kartoffel-

oder Weizenstärke, die Tapioca aus Maniok, der Portlandsago aus

_Arum_stärke und der brasilianische Sago aus Batatenstärke. Diese alle

sind leicht an dem Bau der Stärkekörner zu erkennen.

=Eigenschaften.= +Sagostärke+ enthält im Durchschnitt 81,51% Stärke,

15,85% Wasser, 2,16% Stickstoffsubstanz und 0,48% Asche; Real Pearl

Sago: 83,60% Stärke und 15,8% Wasser; Sago Ia Korrels sogar 84,9%

Stärke.

+Sagostärke+ beginnt bei 66,2° zu verkleistern und ist bei 70°

vollständig verkleistert.

=Geschichte.= Als die Europäer Südostasien betraten, fanden sie

bereits das Mehl der Sagopalme als wichtigstes Nahrungsmittel in

Gebrauch. ~Marco Polo~ (I, S. 726) beschreibt die sumatranische

Sagopalme und die Gewinnung des Sago, ähnlich wie sie noch heute

betrieben wird und auch ~Odorico di Porto Maggiore~ (I, S. 726)

gedenkt der «Bäume, die Mehl tragen». Auch ~Wallace~ beschreibt die

Sagobereitung. Sie wird in Singapore seit 1819 von Chinesen betrieben.

[Illustration: Fig. 65.

_Sagostärke_ mit verschiedenen Verkleisterungsformen. c ganz

verkleistert. [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

=Lit.= ~Rottboell~ in Nye Samling af K. Danske Vidensk. Selsk. Schr.

1783 p. 527. -- ~Griffith~, Palms of East India. -- +Abbild.+:

~Bentley-Trimen~, Medicinal plants T. 278 und ~Blume~, Rumphia

II, t. 126 u. 127. -- ~Valentini~, Museum muscorum (I, S. 914).

-- ~Mohnike~, Blicke auf d. Pflanz.- u. Tierleb. in den Niederl.

Malaienländ. 1883. -- ~Warburg~ in ~Tschirch~, Ind. Heil- und

Nutzpflanzen (dort auch Abbild.). -- ~Wiesner~, Rohstoffe (dort die

ältere Lit.). -- Am ausführlichsten (mit zahlr. Abbild.) +Sagoe en

Sagoepalmen+, Bulletin 44 des Koloniaal Museums Haarlem 1909 (mit

Beitr. von ~van Oljen~, ~Fortgens~ und [malaiisch] ~Tupamahu~). --

~Veth~, Bijdragen tot de kennis van de voornaamste voortbrengselen

van Nederl. Indie. IV. De Sagoe 1866. -- ~Semler~, Tropische

Agrikultur. -- ~de Clercq~, Nieuw plantk. Woordenb. v. Ned. Ind.

1909. -- ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas. -- ~Tschirch~, Artikel

Arrowroot in Realenzyklop. d. ges. Pharm.

2. Andere Palmen- (und Cycadeen-)Stärke.

Ebenfalls einen Sago bzw. ein sagoähnliches Mehl liefern (jedoch

nur in beschränktem Maße) die Cycadeen: =Cycas circinalis= (paku

adji) auf den Salomonsinseln, ferner: _Cycas revoluta_ in Japan und

China, _Zamia integrifolia_ (Koonti) in Florida, _Z. spiralis_ in

Australien, _Z. media_ in Ostindien, _Z. pumila_, _angustifolia_

und _tenuis_ in Westindien. Dann die Palmen: =Arenga saccharifera=

~Labill.~ (Zuckerpalme, Aren, s. S. 128) auf den Sangirinseln, auf

Celebes und Ceylon, _Eugeissona tristis_ (bulang nanga), _Caryota

purpuracea_ (bulang talang), _Caryota urens._ L. in Mysore, _C.

Rumphiana_ ~Mart.~ auf den Molukken, _Borassus flabelliformis_ L.

(Palmyrapalme, in Ostindien, Ceylon) und _B. tunicata_ ~Lour.~,

_Guilielma granatensis_ ~Karst.~ in Neugranada und Venezuela, sowie

einige _Cocos_-, _Oreodoxa_-, _Phoenix_- und _Chamaerops_-Arten

(Nordamerika); ferner _Raphia vinifera_ und _Medemia nobilis_ auf

Madagaskar u. and. Die Stärke der _Palmyra_palme ist der echten

Sagostärke ähnlich, weicht aber doch in einigen Punkten ab.

Namentlich sind hoch zusammengesetzte Körner hier häufiger (Näheres

bei ~Wiesner~). ~Louis Planchon~ und ~Juillet~ bilden a. a. O. die

Stärke von _Borassus flabelliformis_, _Caryota urens_, _Phoenix_ und

anderen Palmen und Cycadeen ab.

III. Stärke aus dem Endosperm von Samen.

1. Amylum tritici.

Weizenstärke, -- amidon de blé ou froment (franz.) -- wheat starch

(engl.) -- amido di frumento (ital.) -- tarwe zetmeel (holl.) --

hwetestärkelse (schwed.). -- vehnä tärkkelys (fin.) -- búza keményitő

(ung.) -- σιτάμυλον (n.-griech.).

=Stammpflanze: Triticum vulgare= ~Vill.~, Hist. pl. Dauph. II, 153 (T.

sativum ~Lam.~ Encyc. meth. 1787) und Verwandte.

=Etym.= «Triticum quod tritum e spicis» (~Varro~) -- von tero,

trivi, tritum = reiben (mahlen) oder terere = treten (austreten,

ausdreschen), -- πυρός (von πῦρ s. Geschichte) wegen der feuergelben

Farbe der Früchte. Ein Weizenfeld erscheint im Herbst von Weitem

gesehen rotorange. -- blé (franz.), biada (ital.) von spätlatein.

bladum = Korn, oder +angels.+ blaed = Frucht, oder +kelt.+ blawd =

Mehl. -- froment aus frumentum. -- +Weizen+ im got.: hwaiteis, germ.:

hwaitja, ahd.: weizzi, mhd.: weitze, von hwîta = weiß, wegen der

Farbe des Mehls. Davon auch engl. (common) wheat. Der Weizen heißt im

Ägyptischen swt (die hieroglyphischen Zeichen, I, S. 470), koptisch

suo; daraus entstand das griechische σῖτος als Lehnwort.

=Systemat. Stellung.= +Gramineae+, Hordeae.

~Körnicke~ teilt die Weizensorten in folgende drei Gruppen:

1. +Triticum vulgare+ ~Vill~. Dazu _T. vulg._ (im engeren Sinne), _T.

compactum_ ~Horst~ (Zwergweizen) _T. turgidum_ L. (englischer Weizen),

_T. durum_ ~Desf.~ (Hartweizen).

2. +Triticum polonicum.+

3. +Triticum monococcum.+

Abbild. der Ähren in ~Mull-Guyot~, Encyclop. d’Agriculture (einige

auch bei ~Hackel~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam.).

=Beschreibung.= _Triticum vulgare_ besitzt einen langen, schlanken,

oberwärts hohlen Stengel und eine lange dichte, deutlich vierkantige

Ähre. Die parallel der Spindel zusammengedrückten +Ährchen+ sind

4(-7)blütig, 3-4 Blüten sind fruchtbar. Sie werden an der Basis von 2

großen, bauchigen, kahnartigen, derben, gegenüberstehenden, in eine

kurze gerade Stachelspitze (Granne) auslaufenden glumae (Hüllspelzen)

bescheidet (Involukrum der Partialinfloreszenz). Jede der Blüten ist

von 2 Paleis (Deckspelzen) behüllt. Die Palea inferior ist kahnartig

bauchig, begrannt, die Palea superior ist zweikielig, auf der

Rückenseite kahnartig vertieft, unbegrannt.

Die Weizenfrucht fällt aus der Paleis heraus. Sie zeigt auf der einen

Seite eine tiefe Rinne und an der Spitze einen «Bart», aus ziemlich

stark verdickten Haaren bestehend. An der Basis liegt seitlich der

kleine Keimling und sein Scutellum. Der Bau der Fruchtschale ist in

~Tschirch-Oesterle~ Anatom. Atlas beschrieben. Die Aleuronschicht des

Samens ist einreihig. Der Kleber findet sich in dem Stärkeendosperm

neben den Stärkekörnern. Die Keime enthalten 15,5% Öl (~de Negri~).

_Triticum vulgare_ ändert ab: _var. aestivum_ (Sommerweizen), Ähre

etwas locker, Deckspelzen nicht begrannt, gleich den Hüllspelzen

sammetartig behaart oder kahl und _var. hibernum_ (Winterweizen),

Ähre sehr dicht, Deckspelzen lang begrannt.

Außer _Triticum vulgare_ wird oft auch _T. Spelta_ (Spelz, Dinkel,

Korn) gebaut. Ährchen mit 5 Blüten, von denen die drei unteren

fruchtbar.

In Gebirgsgegenden baut man _T. monococcum_ (Einkorn) mit

dreiblütigen Ährchen, bei denen nur die unterste Blüte fruchtbar ist.

Selten kultiviert werden _T. dicoccum_ (Emmer) mit vierblütigen

Ährchen, bei denen die zwei unteren Blüten fruchtbar. _T. polonicum_

(polnischer Weizen), mit nickender Ähre, _T. durum_ mit knorpeligen

Hüll- und Deckspelzen und _T. turgidum_.

Die Weizenernte der Erde wird pro Jahr auf 190 Milliarden engl. Pfund

geschätzt.

Die Frucht des Weizen enthält Rohrzucker (~E. Schulze~). Die

Weizenkleie liefert bei der Hydrolyse Arabinose und Xylose (~Schulze~,

~Tollens~).

=Pathologie.= Prof. ~Ed. Fischer~ berichtet über die pflanzlichen

Schädlinge: Zunächst gibt es eine Reihe von parasitischen Pilzen,

welche Stengel, Blätter und auch Spelzen befallen und dadurch auch

auf den Körnerertrag ungünstig wirken, so die Rostpilze _Puccinia

triticina_, _glumarum_, _graminis_, der Mehltaupilz _Erysiphe

graminis_, dann _Melanospora damnosa_ (~Sacc.~) ~Lindau~, ~Ophiobolus

graminis~ ~Sacc.~, _Septoria graminum_ ~Desm.~ u. andere. Die Körner

selber werden namentlich von Brandpilzen zerstört, unter denen

_Tilletia Tritici_ (~Bjerk.~) ~Wint.~ und _Tilletia laevis_ ~Kühn~

in erster Linie stehen. Es rufen dieselben den sog. +Steinbrand+,

+Stink-+ oder +Schmierbrand+ des Weizens hervor. Äußerlich

unterscheiden sich die erkrankten Ähren und die befallenen Körner

wenig von den normalen, aber beim Öffnen der letzteren findet man

sie vollständig von der schwarzen, nach Heringslake riechenden

Sporenmasse des Parasiten erfüllt. Die ganze Blüte wird zerstört

durch den Flugbrand _Ustilago Tritici_ (~Pers.~) ~Jens.~ In einer von

diesem Pilz befallenen Ähre tritt zwischen den Spelzen der schwarze

Sporenstaub sehr auffällig zutage. In dem Fruchtknoten des Weizens

entwickelt sich ferner das Mutterkorn _Claviceps purpurea_ (s. den

betreffenden Abschnitt), wiewohl es hier weniger häufig angetroffen

wird als auf dem Roggen. -- Eine Deformation der Ähren bringt die

Peronosporee _Sclerospora macrospora_ ~Sacc.~ hervor.

Über tierische Schädlinge des Weizens berichtet ~Israel~:

1. +Käfer+: _Anisoplia fruticola_ ~Fabr.~, _Anisoplia agricola_

~Fabr.~ Larven im Boden an Graswurzeln, Käfer an den Blüten, die

Organe der Befruchtung zerstörend. _Lema melanopa_ L., _Lema

cyanella_ L. Beide Käfer sind dem Volke als Getreidehähnchen bekannt.

Die Larven dieser Käfer sind meist mit ihrem Kote bedeckt. Sie

leben an den Blättern des Weizens, lange Streifen aus denselben

herausfressend. _Agriotes lineatus_ L. Larve an den Wurzeln von

Getreide. Oft schädlich.

2. +Falter+: _Hadena exclamationis_ L., _Hadena tritici_ L. Die

Raupen dieser gemeinen Eulen werden, wenn sie in Massen auftreten,

den Getreidefeldern verderblich. Sie sind im übrigen _polyphag_.

3. +Fliegen+: An _Triticum_ leben auch mehrere _Cecidomyia_arten,

z. B. _C. tritici_, _destructor_, _flava_, _aurantiaca_ und andere.

4. +Gradflügler+: _Thrips frumentarius_ ~Beling~. Dieser Blasenfuß

lebt oft gesellig an diversen Cerealien und schädigt besonders

die sich entfaltenden Ährchen, welche samt den Spelzen von der

gemeinsamen Spindel abfallen.

5. +Schnabelkerfe+: _Aphis cerealis_ ~Kalt~. Diese (grüne Kornlaus

vom Volke genannte) Blattlaus lebt an den Ähren sehr vieler

Gramineen, auch an Roggen, Weizen, Gerste und Rispengräsern (Hafer

usw.).

_Tylenchus tritici_, das sehr gefährliche Weizenälchen, ist sehr

resistent. Es kann in Glycerin leben und wird von Belladonna,

Morphin, Atropin, Curare und Strychnin nicht getötet.

Über die +Kornmotte+ (I, Fig. 333) vgl. I, S. 375 u. 383.

=Darstellung der Weizenstärke.= Weizenstärke wird in größtem Maßstabe

in Europa (und Amerika) dargestellt, in Deutschland besonders in

der Gegend von Halle a. S. -- meist aus den Früchten von _Triticum

vulgare_, aber auch _T. durum_ und _turgidum_ (in Langenau,

Württemberg) und _T. Spelta_ (Kernenstärke, s. w. u.) werden dazu

benutzt. Entweder wird Weizenmehl auf Stärke und Kleber verarbeitet,

oder man geht von dem ganzen Korn aus, zerquetscht dieses und

verarbeitet den Brei auf Kleber und Stärke oder letztere allein.

Geht man vom Mehle aus (~Martin~sche Methode), so wird dieses in einer

Teigknetmaschine mit Wasser zu einer steifen Masse angemacht und diese

in Sieben mit Wasser so lange ausgewaschen, bis dieses nicht mehr

milchig abläuft. Das «Stärkewasser» läßt man in dem Absatzbottich

schwach gären, um die letzten Reste des Klebers zu zerstören, läßt dann

das Wasser ab und reinigt dann die Stärke durch wiederholtes Waschen

und Absetzenlassen. Bei diesem Verfahren bleibt der größte Teil des

sehr wertvollen Klebers auf den Sieben zurück und wird auf Futtermittel

(Klebermehl, Kleberkörner) verarbeitet.

Geht man von der unvermahlenen Frucht aus, so wird diese zunächst

(im Quellstein, Quellstock) in Wasser aufgeweicht, dann zwischen

Walzen zerquetscht, der Brei (das «Gut») mit Wasser angerührt und im

Gutbottich (14 Tage bei 20°) gären gelassen. Hierbei wird der Kleber

durch saure (faulige) Gärung zerstört und die Stärke fast vollständig

abgeschieden (reif). Die hierbei erhaltene Masse wird, nachdem man das

«Sauerwasser» abgelassen, in Waschtrommeln oder Tretmühlen gebracht,

die aus diesen abfließende Stärkemilch wird in Bottichen absetzen

gelassen und dann abgezogen (Sauerverfahren von Halle). Um den Verlust

des Klebers zu vermeiden, werden die eingequollenen Weizenkörner

bisweilen (Elsässer Methode) geschrotet, zerquetscht und auf Sieben,

die die Hülsen und den Kleber zurückhalten, ausgewaschen. Die

Waschwässer (Rohstärkemilch) läßt man in Absatzbottichen unter Zusatz

von Sauerwasser sauer werden, wodurch die Reste des Klebers gelöst

werden, die Stärke wird dann durch Waschen gereinigt. Der auf den

Sieben zurückbleibende Kleber, der noch viel Hülsen und Stärke enthält,

wird entweder auf menschliche Nahrungs- oder Futtermittel verarbeitet,

oder dient als Klebe-, Steifungs- oder Verdickungsmittel. Bisweilen

werden bei der Reinigung Ätzkali, Ammoniak oder Schwefelsäure benutzt.

Bei der Herstellung der besten Handelssorten werden vor dem Trocknen

die oberen Schichten des Stärkesedimentes abgeschabt.

Das Verfahren aus Mehl liefert c. 45%, das Verfahren aus dem Korn mit

Gärung c. 60%, ohne Gärung c. 52% der im Korn enthaltenen Stärkemenge.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 26 / 120 段