Die +Tapioka+ wird in der Weise dargestellt, daß man die gespitzten

Knollen in großen Trommeln wäscht (I, Fig. 140), in Reibmaschinen

zerreibt und den Brei auf Musselin- oder Messingdraht-Sieben mit Wasser

auswäscht (die auf den Sieben bleibende Faser dient als Futtermittel).

Die Stärkemilch wird aus dem Zylinder in eine Reihe von Bottichen

gedrückt, in denen sie sich absetzt und wiederholt mit Wasser gewaschen

wird (I, Fig. 141). Der Bodensatz wird herausgeschnitten und entweder

auf durch künstliche Wärme geheizten flachen, viereckigen, zinnernen

Behältern getrocknet (Tapiokamehl) oder noch feucht in tiefen Pfannen

erwärmt, dann auf die Zinnplatten gebracht und mit hölzernen Rechen

so lange gekrückt, bis durch Zusammenballen der Stückchen Schollen

entstanden sind (I, Fig. 143), die man in Sortiermaschinen sortiert

(Flake-[Flocken-]Tapioka) oder endlich (ähnlich wie beim _Sago_, s. d.)

nach Hindurchpressen der feuchten Masse durch Siebe in dem bekannten,

an zwei Schnüren aufgehängten Tuche durch zuckende Bewegungen gekörnt

(geperlt) und dann auf erhitzten Schalen gerollt, d. h. oberflächlich

verkleistert (I, Fig. 142, Pearl- [Perl-] Tapioka). Manche Fabriken

perlen nur ohne zu rollen. Ich sah in Singapore drei Größen runder

Tapiokakügelchen: Seed Tapioca (1-1,5 mm Durchmesser), med. Pearl (3

mm) und bulled Pearl (5 mm). Sorgfältig wird aller Staub abgehalten.

Primitiver ist die Bereitung in den chinesischen Tapiokafabriken

Singapores, die ohne oder mit sehr primitiven Maschinen arbeiten

(Beschreibung bei ~Semler~). Auch Vorderindien und die französischen

Kolonien (franz. Guayana, Martinique, Guadeloupe, Réunion, die Kolonien

in Westafrika und Neucaledonien) produzieren etwas Maniokmehl.

Frankreich fabriziert aus der Maniokstärke zahlreiche Produkte

(Tapioka, T. Crécy, T. au cacao, T. julienne). Die Tapioka indigène ist

jedoch Kartoffelstärkesago.

Man erhält c. 33% der Knollen Tapiokamehl.

=Handel.= Der Handel unterscheidet Perl, Graupen, Flocken, Mehl.

Perl-Tapioka und Maniokmehl kommt aus Singapore in Säcken à 70 kg.

Flake-Tapioka in solchen à 65 kg in den Handel. Die höchsten Preise

erzielt Rio-Tapioka und beste Singapore.

[Illustration: Fig. 61.

_Manihotstärke._ x zusammengesetzte Körner. [Nach +Tschirch-Oesterle+,

Atlas.]]

Die Ausfuhr von Tapioka aus Brasilien beträgt c. 7 Mill. Liter, die

von Maniokmehl c. 8 Mill. kg. Die Einfuhr von Tapioka in Hamburg wird

in den Listen jetzt nicht mehr von der des Sago getrennt (vgl. S.

182). (1898 importierte Hamburg 13500 Sack Tapioka und Maniokmehl und

22400 Sack Sago und Sagomehl.)

Deutsch-Ostafrika führte 1906: 59911, 1907: 42157 kg Maniok (Mhogo)

aus.

+Deutschland+ importierte 1909 Tapioka: 12935 dz aus Brit. Indien und

9999 dz aus Brit. Malacca.

=Anatomie.= Die meisten Stärkekörner sind zusammengesetzt und zwar

am häufigsten aus zwei Körnern, einem großen rundlichen und einem

kleineren. Seltener sind die beiden Teilkörner gleich groß oder mehr

wie zwei zu einem Korne vereinigt. Doch zerfallen die zusammengesetzten

leicht in die Teilkörner (Fig. 61). Das Mehl besteht vorwiegend aus

diesen, die oft die Form einer Kesselpauke besitzen. Einfache Körner

sind selten. Die Körner haben fast alle einen zentralen, bisweilen

sternförmigen Spalt.

Die Großkörner messen 15-23 mik, erreichen aber eine Größe von

25-36 mik. Die Kleinkörner messen meist 5-15 mik. Bei der geperlten

und gerollten Tapioka finden sich Körner in allen Stadien der

Verkleisterung: mit vergrößertem Spalt, trichterförmig erweiterter

Bruchstelle und mannigfachen Verquellungen (Fig. 61 z).

Maniokstärke enthält im Mittel 84,36% Stärke, 14,47% Wasser, 0,74%

Stickstoffsubstanz, 0,16% Fett, 0,06% Rohfaser und 0,21% Asche.

=Geschichte.= ~Columbus~ traf bei den Eingeborenen der Antillen

_Cassave_ in Benutzung (I, S. 745) und auch ~Cortes~ berichtet

über _Yucas_ (I, S. 749), ebenso ~Petrus Martyr~ (I, S. 766) über

Juca-Sorten und ihre Kultur, der auch schon ihre Schädlichkeit im

frischen Zustande kannte und wußte, wie sie unschädlich zu machen

sind (vgl. auch I, S. 1021). Die Pflanze hatte sich also schon in

vorkolumbischer Zeit über Mittelamerika und die Inseln verbreitet.

Aus Südamerika haben wir über _Yuca_ (Caçavi) Nachrichten von ~Jos.

de Acosta~ (I, S. 762), aus Brasilien über _Aypi_ und _Maniot_ solche

von ~Jean de Léry~ (Hist. d’un voyage faiet en la terre du Brésil

etc. 1585). Nach Indien kam die _Manihot_pflanze schon Ende des

XVI. Jahrh. durch die Portugiesen. Sie wurde dort besonders an der

Westküste kultiviert. ~Linschoten~ (I, S. 743) erwähnt bereits 1596

ihre Kultur daselbst. Nach Calcutta kam sie 1794 von Südamerika, nach

Ceylon 1786 von Mauritius. In Indien und auch in Assam dient sie als

Heckenpflanze. Afrika erreichte sie ebenfalls sehr frühzeitig. Der

_Cassave_ gedenken ~Fernandez~ (I, S. 755), ~Walter Raleigh~ (I, S.

714), ~Piso~ (I, S. 893) und ~Monardes~ (I, S. 779). ~Piso~ bildet

eine Tapiokafabrik ab. Die Blausäure fand schon ~Henry~ 1834 in den

Knollen. Über ein Bier der Indianer Guianas aus _Cassave_ vgl. I, S.

1019.

=Lit.= ~Pohl~, Plant. Brasil. icones t. 23, 24. -- ~Pax~ in

~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. -- ~Bentley-Trimen~, Medicinal plants

t. 235 (dort auch weitere Literatur). -- ~Berg~, Charakteristik t.

24. -- Flora brasiliensis, Euphorbiac. t. 65 (1874). -- Abbild.

auch in ~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpfl. Taf. 111. -- Die Kultur

beschrieben in ~Semler~, Tropische Agrikultur. -- Die Bereitung auch

in Flora 1869, 369 und ~Harvey W. Wiley~, Manufacture of starch from

Potat. and Cassava. U. S. Dep. Agr. 1900. -- Verbreitung in Indien

in ~Watts~ Dictionary. -- Kultur in Malacca: Pharm. Post 1882. --

~Philippi~, Elem. de Botánica etc. en Chile 1869. -- ~Henry~, Journ.

de pharm. 1834. -- ~Henry~ et ~Boutron Chalard~, Journ. de pharm.

22, 118. -- ~Lacerda~, Sur l’action toxique du suc de Manioc. Compt.

rend. 92, 1116. -- ~Guignard~, Sur l’existence et la localisation

de l’emulsine dans les plantes du genre Manihot. Bull. Soc. Bot.

41, 1894, 103. -- ~Romburgh~, Ann. jard. bot. Buitenz. 1899. --

~Leuschner~, Ber. d. pharm. Ges. 1904. -- Anatomie in ~Louis

Planchon~ et ~Juillet~, Ann. Mus. col. Marseille 1910.

3. Ostindisches Arrowroot.

=Syn.= Amylum Curcumae, A. indicum, Farina Tik, Curcumastärke,

Tikhur (hind.), Tickar, Tavakhir (Bomb.), Tikor, Kooa (Tam.),

Ararut-ke-gadde (Dec.), -- Tikmehl, Travancorastärke. -- Bombay-,

Malabar-, Tellichery-Arrowroot. -- Indian Arrowroot.

=Etym.= Tikhur und Tavakhir (ind.) abgeleitet von tavakshiri und

tavakshiryeka-pattrika, den Sanskritnamen einiger _Curcuma_spezies.

=Stammpflanze= und =Systemat.= =Stellung: Curcuma angustifolia

Roxb.= (Wild or East India Arrowroot, Narrow Leaved Turmeric);

dann auch: _Curcuma leucorhiza_ ~Roxb.~ (und in beschränktem Maße

(nach Pharmacogr. indica): _C. montana_ ~Rosc.~, _C. longa_ L., _C.

aromatica_ ~Salisb.~, _C. rubescens_ ~Roxb.~, _Hitchenia caulina_

~Baker~).

+Zingiberaceae+ Hedychieae.

=Beschreibung.= _Curcuma angustifolia_, die eigentliche Tikhur- oder

ostindische Arrowrootpflanze, ist heimisch in Zentralindien, von

Bengalen bis Bombay und Madras, besonders im tropischen Himalaya und

Oudh, _C. leucorhiza_ in Behar und Tikar (Tikari, Tikhar oder Tikor,

südlich von Patna, unweit Gaya). _C. angustifolia_ wird in Madras,

Kanara, Cochin, Travancore, Malabar und anderen Gegenden Indiens,

_C. leucorhiza_ an der Malabarküste kultiviert. Beide besitzen

ein großes, nicht gelb gefärbtes unterirdisches Speichersystem,

einen Zentralknollen und viele Nebenknollen, die in Indien als

Nahrungsmittel benutzt werden und aus denen man dort, besonders in

Travancore, auch reichlich Stärke bereitet, die jedoch nicht so gut

ist wie die _Marantastärke_ -- sie reagiert z. B. stets etwas sauer.

Sie gelangt in beschränktem Maße von Malabar und Bombay zur Ausfuhr.

Die Stärkekörner sind flach scheibenförmig und besitzen am schmäleren

Ende gewöhnlich einen nabelartigen Ansatz, in dem der Kern liegt,

dessen Exzentrizität meist beträchtlich ist: ⅕-¹⁄₁₇. Ihr Umriß ist

also, wenn man sie von der Fläche betrachtet, sackartig. Von der

Seite betrachtet sind sie lineal-länglich. Die Schichtung ist sehr

dicht und zart. Die typischen Körner sind 35-60 mik lang, 25-35 mik

breit und 7-8 mik dick, doch steigt der Längsdurchmesser bisweilen

auf 70-80, bei _C. leucorhiza_ sogar auf 105, ja 145 mik.

Mit Sappanholzauszug gefärbt liefert Curcumastärke ein Färbemittel,

den gelâl der indischen Bazare.

Als ostindisches Arrowroot werden auch andere in Vorderindien

gewonnene Stärkesorten (Maranta-, Cassave-, Canna-, Cycadeen-,

Palmen-Stärke) bezeichnet.

=Lit.= +Abbild.+: ~Roscoe~, Monandrous plants of the order

Scitamineae Liverpool 1828. -- ~Petersen~, in ~Engler-Prantl~,

Pflanzenfamil. -- ~Roxburgh~, Flora indica. -- ~Watt~, Dictionary.

-- ~Dymock~, Veget. mat. med. of India. -- Pharmakographia indica.

-- ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas. -- ~L. Planchon~ et ~Juillet~

a. a. O.

[Illustration: Fig. 62.

_Curcuma angustifolia_ Roxb.

Zentralknollen mit Nebenknollen und angeschwollenen Wurzeln.

[+Petersen+ in +Engler-Prantl+, Pflanzenfam.]]

4. Queensland-Arrowroot.

=Syn.= Cannastärke, Tous les mois, Fécule de Tolomane oder Tulema

(korrumpiert aus Tous les mois). Fécule de la Nouvelle Galle du Sud.

=Stammpflanze= und =Systemat. Stellung=. =Canna edulis= ~Edw.~ (_C.

edulis_ Ker. Bot. Reg. IX 775). Dann auch in beschränktem Maße:

_Canna indica_ L. (Heimat unbekannt, wahrscheinlich aber wie alle

_Canna_arten, Amerika, jetzt in Vorderindien allgemein verbreitet:

Indian shot or bead, seit 1570 in Europa kultiviert), _C. discolor_

(liefert in Trinidat ein sehr gutes Arrowroot: Canna root), _C.

coccinea_ ~Rosc.~ (Südamerika), _C. gigantea_ (Brasilien), _C.

paniculata_ (Peru), _C. Achiras_ ~Gill.~ (Trop. Südamerika), _C.

flaccida_ und _glauca_ (Carolina).

+Cannaceae+ (früher Zingiberaceae).

Im Großen für den Export wird nur _Canna edulis_ (Achira in Peru,

Meeru in Brasilien) wegen der Blüten die «rote Arrowrootpflanze»

genannt, kultiviert, deren Heimat Peru ist, die dort auch Adeira

heißt und deren Knollen (eine Pflanze liefert bisweilen 50 Pfund

davon) wie Kartoffeln gegessen werden. Sie ist schon vor langer Zeit

zunächst nach Westindien, dann auch nach Queensland gebracht worden,

wo sie bald die _Maranta_kultur verdrängte, da die Stärke aus ihren

Knollen sehr leicht zu gewinnen ist. In Queensland waren 1909 etwa

200 acres mit _Canna_ bestellt, die 15-20 cwt Arrowroot pro acre

lieferten; Queensland produziert jetzt jährlich c. 600000 pounds

dieses Arrowroot, das im Gegensatz zur _Marantastärke_ (white A.)

purple Arrowroot genannt wird. Die Rhizome sind in c. 6-8 Monaten

reif, werden dann gewaschen. zu einem Brei zerrieben und dieser

auf Metallsieben ausgewaschen. Die abgesetzte Stärke trocknet man

auf Calicot. Der ganze Prozess wird in 24 Stunden zu Ende geführt.

Von Queensland (Coomera, Pimpara) und aus St. Kitts (S. Christoph,

einer der kleinen Antillen) kommt das _Canna_-Arrowroot jetzt in

den Handel. Auf St. Kitts war die Produktion Mitte des XIX. Jahrh.

ziemlich bedeutend, ist aber jetzt stark zurückgegangen.

Die Cannastärke ist die grobkörnigste aller Stärkearten. Einzelne

Körner treten schon mit bloßem Auge als helle Pünktchen hervor.

Die Stärkekörner differieren in Form und Größe ziemlich, doch

prävalieren die großen sackartigen, dicklinsenförmigen. Von der

Fläche gesehen sind sie rundlich, eiförmig, breit-sackartig, das

breitere Ende abgerundet, das schmälere breit genabelt. Der Kern

liegt stark exzentrisch. Die Schichtung ist deutlich bei allen

Körnern, oft grob. Halb zusammengesetzte Körner sind nicht selten.

Der Längsdurchmesser beträgt 60-70-95 mik, doch steigt er nicht

selten bis auf 110, ja 130 und sogar 145 mik.

Unter dem Namen Queensland-Arrowroot geht auch die Stärke von _Zamia

spiralis_.

=Lit.= +Abbild.+: ~Bentley-Trimen~, Medicin. plants. t. 266 (_C.

edulis_) und ~Rheede~, Hort. Malabar XI, t. 43 (_C. indica_). --

Pharmacogr. indica. -- ~Thompson~, Jahresb. d. Pharm. 1892, 121. --

~Semler~, Trop. Agrikultur. -- ~Tschirch-Oesterle~, Atlas (dort die

Stärke abgebildet). -- Pharm. Journ. 1909, 768, nach Agric. News

1909, 8, 119.

5. Tahiti-Arrowroot.

Taccastärke, Fécule de pia, Fécule de Kabija, Williams Arrowroot.

=Tacca pinnatifida ~Forsk~.= (_T. sitorea_ ~Rumph.~, _T.

pinnatifolia_ ~Gärtn.~), +Taccaceae+, ist auf den Südseeinseln

heimisch und wird auf Tahiti und den benachbarten Inseln +Pia+

genannt. Sie wird dort und neuerdings auch in China, Indien

(in Bombay: diva kanda), dem malaiischen Archipel, Queensland

und Sansibar in beschränktem Maße angebaut. Die großen, sehr

stärkereichen (26-29% Stärke enthaltenden) Rhizome, die in Tahiti

auf Stärke verarbeitet werden, schmecken sehr scharf, doch läßt sich

die Schärfe durch mehrmaliges Auswaschen der abgeschiedenen Stärke

beseitigen. _Tacca_ hat von allen den stärkemehlreichsten Knollen.

=Lit.= ~Pax~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. -- ~Rumphius~, Herb.

amb. V, t. 114 (Kopie in ~Engler-Prantl~ II, 5. 129.) -- ~Semler~,

Tropische Agrikultur. -- ~Wohltmann~, Tacca pinnatifida, die

stärkemehlreichste Knollenfrucht d. Erde. Tropenpflanzer 1905, 120.

-- ~Tschirch-Oesterle~, Atlas (dort die Stärke abgebildet). -- ~Louis

Planchon~ et ~Juillet~ a. a. O.

6. Guyana Arrowroot.

Dioscorea-Stärke, Yamswurzelstärke, fécule d’Igname, Farinha de Cará,

Cara.

Die _Yams_- oder _Ignamen_wurzeln, die diese Stärke liefern, stammen

von zu den Dioscoraceen gehörenden kletternden _Dioscorea_-Arten, von

denen _D. alata_ L. und _bulbifera_ L. (inkl. _sativa_ L.) in den

Tropen, _D. japonica_ (inkl. _Batatas_) in den Subtropen, besonders

Chinas und Japans, viel als Nahrungspflanzen -- yam bedeutet im

Dialekt der Neger von Guinea «essen», igname bei den amerikanischen

Indianern «Brotwurzel» -- kultiviert werden. _D. alata_ stammt aus

Südasien, _D. japonica_ aus Ostasien, _D. bulbifera_ scheint in

beiden (?) Hemisphären heimisch zu sein. Andere Arten kommen in

Afrika und Australien vor und werden dort kultiviert. In Kamerun

kultiviert man _D. dumetorum_. Die größten Knollen von 15-18, ja

40-50 kg werden auf den Fijiinseln und auf Neu Guinea erzielt.

_Yams_knollen enthalten 9-25% Stärke. Einige japanische Arten lassen

sich sogar in Südeuropa anbauen, bieten aber kaum einen Ersatz für

die Kartoffel.

Für die Stärkegewinnung kommt in erster Linie =Dioscorea alata=

L. (Wing Stalked Yam, white Yam; in Indien: Kham alu, sund.: Huwi

lilien, auf den Südseeinseln: ubi) in Betracht, die in den Tropen

große, mehrere Kilogramm schwere Knollen -- es sind solche von 10 kg

und über ½ m Länge keine Seltenheit -- bildet, die meist etwa 17%

Stärke enthalten (~Maisch~). Weniger wird dazu _D. sativa_ (mit 22%

Stärke) benutzt. _D. bulbifera_ enthält nur 3,7% Stärke neben 16,9%

Zucker.

_D. alata_ wird in Brasilien, Guiana, Indien und den Südseeinseln

kultiviert, aber, wie es scheint, nur in Guyana und Brasilien

(_Farinha de Cará_) in etwas größerem Stil auf Stärke verarbeitet.

Die Gewinnung scheint nicht sehr sorgfältig zu geschehen, denn das

Handelsprodukt zeigt noch eine Menge Gewebsreste.

Die Stärke ist abgebildet in ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas.

~Columbus~ traf (I, S. 754), als er die Antillen betrat, dort _Yams_

bereits in Kultur.

=Lit.= Abbild. in ~Tschirch~, Ind. Heil- und Nutzpfl. t. 110 und

dies. Handb. I, Fig. 46. -- ~Watt~, Dictionary. -- ~Wiesner~,

Rohstoffe (dort weitere Lit.). -- ~Clerq~, Nieuw plantk. woordenb.

-- ~De Candolle~, L’orig. des plant. cult. -- ~Louis Planchon~ et

~Juillet~ bilden a. a. O. die Stärke von _D. alata_ L., _D. eburnea_

Lour., _D. trifida_ L. (Fécule de Cousse-couche) u. _D. divaricata_

Blanco ab.

Unter dem Namen Guyana-Arrowroot geht aber auch das +Stärkemehl

der unreifen Früchte+ von =Musa paradisiaca= L. (_M. sapientum_

~Brown~.). Während die _Banane_ (in Niederl. Indien: Pisang, in Engl.

Indien: Plantain, franz.: Bananier) jetzt in den Tropen überall

als Nahrungsmittel bez. Obst in zahlreichen Varietäten kultiviert

wird, scheint nur in Britisch- und Französisch-Guyana, in Brasilien,

Jamaika, Porto-Rico und den Bermuden, dann auch in Zentralafrika

(am Ruwenzori, ~Stanley~) aus der Frucht Mehl bereitet zu werden.

Deutsch-Ostafrika führte 1907: 1116 kg, 1908: 941 kg Bananenmehl aus.

Man schält die unreifen Früchte, trocknet an der Sonne, vermahlt

und siebt die zerkleinerte Masse. Das Mehl (conquintay, fou-fou),

das also noch Gewebsreste enthält, bildet den Handelsartikel, doch

scheint da und dort (Bermuden) auch die Stärke daraus abgeschieden zu

werden. Das Mehl unreifer Bananen wird in England zur Brotfabrikation

benutzt und zur Herstellung eines Bananenkakao. Bananenmehl (aus

Jamaika) enthält: 78,32% stickstoffreie Subst. (bes. Stärke), 12,77%

Wasser, 4,69% Eiweiß, 1,28% Rohfaser, 0,49% Fett, 2,45% Asche (~von

Sury~).

Die sehr eigenartigen Stärkekörner sind in ~Tschirch-Oesterle~,

Anatom. Atlas abgebildet, vgl. auch ~Louis Planchon~ et ~Juillet~,

a. a. O. Reife Bananenfrüchte enthalten nur 1-2% Stärke, unreife bis

80%. Bei der Reife verwandelt sich die Stärke in Zucker.

Die _Banane_ (sansk. kadalī, so in Suśrutas I, S. 505) ist seit

Urzeiten in Indien in Kultur. Die Griechen trafen sie auf dem

Alexanderzuge (I, S. 430). ~Theophrast~ und ~Plinius~ beschreiben sie

als pala, d. h. Blatt (hier pars pro toto), bei den Arabern hieß sie

mouz oder mauwz (~Mesuë~, ~Ibn Baithar~) und im Koran talk. Sie ist

so frühzeitig nach der neuen Welt gekommen, daß ~Humboldt~ sie als

auch in Amerika heimisch betrachtete.

=Lit.= ~Wiesner~, Rohstoffe. -- Pharmacograph. indic. -- ~De

Candolle~, L’origine d. pl. cult. -- Über den Pisang vgl. auch

~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpflanzen (dort Abbild.). -- ~Semler~,

Trop. Agrikultur. -- Abbild. schon in ~Rheedes~, Hort. Malab. Vgl.

auch I, Fig. 25. -- ~von Sury~, Chem. Zeit. 1910, Nr. 52.

Als +Fécule de la chataigne de la Guayane+ wird endlich auch die

Stärke der _Sterculiacee Pachira aquatica_ ~Aubl.~ bezeichnet

(beschrieben bei ~Wiesner-Hübl~).

7. Batatenstärke.

Fécule de batate ou patate, Brasilianisch.es Arrowroot ex parte.

Die sog. weiße oder süße Kartoffel (sweet potato, ind.: míta-alú),

=Batatas edulis= ~Chois.~ (_Ipomoea batatas_ ~Lamk.~, _Convolvulus

Batatas_ L., _C. edulis_ ~Thunb.~), eine +Convolvulacee+, eine

wichtige Nahrungspflanze der Tropen und Subtropen, besitzt

spindelförmige Knollen, die oft 1-2 kg, selten bis 6 kg schwer

werden. Sie hat sich von ihrer Heimat im tropischen Amerika, wo sie

sich von Mexiko über die Antillen und Peru bis Paraguay hin seit

Jahrhunderten in Kultur befindet -- ~Columbus~ traf sie (_Ages_)

auf den Antillen (I, S. 745), ~Acosta~ (_Comores_) in Südamerika

(I, S. 762), auch ~Petrus Martyr~ (I, S. 766) gedenkt ihrer -- über

die meisten tropischen und subtropischen Gebiete, bis nach Japan

hin, verbreitet; nach Neuseeland vielleicht «auf einer der uralten

polynesischen Wanderungen» (~Semler~). Denn ihr Name kumara findet

sich sowohl auf Neuseeland wie bei den Quichua-Indianern Perus.

Sie verlangt nicht zu feuchtes Klima und leichten sandigen Boden. In

den Tropen enthält der Knollen c. 10% Zucker und nur 9% Stärke, in

den Subtropen c. 3% Zucker und 14-15% Stärke.

Die Knollen werden in beschränktem Maße in Brasilien, auf Martinique,

Guadeloupe und Réunion, in Cochinchina und Indien auf Stärke

verarbeitet.

Die Stärke ist abgebildet in ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas.

=Lit.= ~Roxburgh~, Flor. ind. 162. -- ~Louis Planchon~ et ~Juillet~,

Ann. Mus. col. Mars. 1910. -- Weitere Lit. in ~Wiesners~ Rohstoffen

und ~Watts~ Dictionary.

8. Arumstärke.

Die Knollen von =Arum maculatum= L. werden in Südeuropa hier und da

in beschränktem Maße auf Stärke verarbeitet (Portland-Arrowroot),

ebenso die Knollen des seit Jahrhunderten kultivierten =Arum

esculentum= L. (inkl. _Arum Colocasia_ ~Willd.~, _Colocasia

antiquorum_ ~Schott.~, neuseel.: taro, sansk.: kuchoo, mal.: kelady,

talus, japan.: imo -- das _Arum aegypticum_ des ~Plinius~) auf

Martinique, in Japan und den Südseeinseln. Letztere trägt den Namen

Fécule de chou-choute, F. de chou caraïbe oder F. de chou-taró. Ob

auch _Arum macrorhizum_ L. (Apé) auf Tahiti auf Stärke verarbeitet

wird, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Die Bulbi Megarici von =Arum italicum= ~Lam.~ erwähnt schon ~Cato~

(I, S. 572). Auch ihre Stärke wurde viel in früheren Jahrhunderten

(S. 156) und wird noch jetzt bisweilen abgeschieden (nach ~Höhnel~ in

Italien und Algier). _Arum_stärke ist in Portugal offizinell.

Die _Arum_-Stärkekörner sind abgebildet in ~Tschirch-Oesterle~,

Anatom. Atlas. Auch bei ~Louis Planchon~ und ~Juillet~ finden sich

a. a. O. verschiedene Aroideenstärken abgebildet.

9. Costarica Arrowroot.

Dies Arrowroot stammt von den Knollen der zentralamerikanischen

=Yucca gloriosa= L.

10. Japanisches Arrowroot.

Die japanische Pharmakopoëe hat (neben Kartoffelstärke) die Stärke

der Zwiebel der japanischen Liliacee =Erythronium Dens Canis= L.

(Katakuri) und der Wurzel der Papilionacee =Pueraria Thunbergiana

~Benth.~= (_Dolichos hirsutus_ ~Thunb.~), zweier in Japan und China

vorkommender Pflanzen als Ersatz der in Europa üblichen Stärkesorten

aufgenommen. (Abbild. der _Erythronium_stärke in ~Moeller~,

Mikroskopie S. 138.) In Japan wird auch aus _Pteris aquilina_

(Warabi) und der Wurzel von _Conophallus Konjak_ (Konyaku) Stärke

hergestellt.

II. Stärke aus Stämmen.

1. Sago.

=Etym.= Sagu bedeutet im Malaiischen sowohl Mehl wie die mehlliefernden

(Sago)-Palmen (Sagu baduri ist _M. Rumphii_, Sagu ihur _M. silvestr._,

Sagu makanaru _M. longispinum_) -- _Metroxylon_ von μήτρα = Mark und

ξύλον = Holz -- Betr. ~Rumphius~ vgl. I, S. 899.

=Stammpflanze.= Die Sagopalmen gehören zur Gattung _Metroxylon_,

die auf die Tropen der alten Welt beschränkt ist und bilden wenige,

schlecht charakterisierte, vielleicht gar nicht spezifisch verschiedene

Arten (~Warburg~).

Meist unterscheidet man: =Metroxylon Rumphii= ~Martius~ (Sagus Rumphii

~Willd.~, S. spinosus ~Roxb.~, S. genuina ~Blume~, die dornige

Sagopalme, Bariam oder Bi (N.-Guin.), Karasula (Jav.), Kirai (Mal.

Bat. Sund.), Lapia (Amb.), Rumijah (Atjeh), Sagu (Vulg. Mal.) Rambia).

Dies ist der eigentliche Sagobaum der Molukken -- und =Metroxylon

Sagu= ~Rottboell~ (M. Sago ~König~, M. inerme ~Mart.~, Sagus laevis

~Jack~, S. inermis ~Roxb.~, S. Rumphii ~Blume~), von den Eingeborenen

vielfach mit den gleichen Namen wie der zuerst genannte Baum

bezeichnet, da und dort aber auch davon unterschieden, über den ganzen

Archipel verbreitet, aber mehr im Westen. Von ihm sowie von dem wohl

dazugehörigen =M. laeve= (_Sagus laevis_) stammt wohl das meiste des

nach Europa verschifften Sago.

Weniger in Betracht kommen: _M. silvestre_ ~Mart.~, der wilde Sagobaum

der Molukken und _M. longispinum_ ~Mart.~, der wenig Ausbeute liefert,

_Sagus elata_ (Java) u. and. In den Tropen der neuen Welt (Brasilien,

Guadeloupe) wird _Sagus farinifera_ kultiviert.

=Beschreibung.= Die Sagopalmen gedeihen besonders auf feuchtem Boden,

der periodischen Überschwemmungen ausgesetzt ist. Sie sind durch den

malaiischen Archipel verbreitet, von Malakka und Sumatra bis zu den

Fijiinseln gehend, mit Siam und Mindanao als Nordgrenze, den kleinen

Sundainseln und Neu-Guinea als südlichste Punkte. (Vgl. die Karte im

Kap. _Reis_, S. 189.) Sie fehlen in Australien. Es sind Palmen mit

einem kriechenden Stamm, die in sumpfigen Niederungen wachsen und

selten die ebenen Landstriche verlassen. Sie werden 25-30, selten

bis 42 Fuß hoch, bleiben lange buschig und entwickeln erst spät,

dann aber rasch den dicken Stamm. Sie sind monöcisch-polygam und

blühen nur einmal, nach 10-15 Jahren, mit einem großen endständigen

Blütenstand, der ungeheuere Massen von Blüten und Früchten bildet.

Um diese ausbilden zu können, speichert die Pflanze große Mengen

Stärke im Stamm. Meist stirbt die Palme bald nach der Fruchtbildung.

Die Sagopalme ist eine der nützlichsten Pflanzen, die wir besitzen.

Sie nimmt mit dem schlechtesten, sonst zu keiner Kultur brauchbaren

Sumpfboden vorlieb; ein Stamm enthält, wenn er nach 15 Jahren reif

zum Fällen ist, 400-900 (in der Regel 500-600) Pfund Sago, was für

den jährlichen Unterhalt einer Person ausreicht; aus den im Boden

bleibenden unterirdischen Organen erneuert sich die Pflanze leicht.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 25 / 120 段