Pflanzenfamilien. -- ~Saare~, Fabrikation der Kartoffelstärke. 1897.
-- ~Harvey W. Wiley~, The manufacture of Starch from potatoes and
Cassava. U. St. Dep. Agr. Div. chem. Bull. 58 (1900). -- ~Tschirch~,
Realenzyklop. d. Ges. Pharm. und ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas.
-- ~De Candolle~, Geogr. bot. raison. und L’origine des plant. cult.
4 edit. 1896 (dort die Literatur). -- ~Wiesner~, Rohstoffe. --
Zahlreiche Analysen bei ~König~. -- Zur Geschichte der Kartoffel.
Prometheus 1910, S. 384. -- ~Hartwich~ u. ~Jama~, Chuña. Schweiz.
Wochenschr. 1909, 313. -- H. ~Jumelle~, Les plantes à tubercules
alimentaires (avec 15 Fig.). Paris 1910.
Vgl. auch E. ~Schulze~, Vorkommen von Hexonbasen in d. Knollen
d. Kartoffel. Landw. Vers. Stat. 1903. -- Über das +Solanin+ der
Kartoffeln vgl.: ~Firbas~, Monatsh. d. Chem. 1889, 541. -- ~Schnell~,
Apoth. Zeit. 1898, 775. -- ~Bauer~, Zeitschr. Angew. Chem. 1899, 99.
-- ~Weil~, Pharm. Zeit. 1900. -- ~Wintgen~, Arch. d. Pharm. 1906,
360. -- Über das +Vanillin+ der Kartoffelschalen vgl. ~Bräutigam~,
Pharm. Zeit. 1900, 165. -- Die Blüten der Kartoffelpflanze enthalten
ein mydriatisches Alkaloid neben Betain (~Schütte~).
b) Arrowroots.
Unter diesem Namen, der aus arrow (= Pfeil) und root (= Wurzel)
gebildet ist, begreift man alle aus tropischen Pflanzen, besonders
den unterirdischen Organen derselben, hergestellte Stärkemehle. Das
Arrowroot par excellence ist das _Amylum marantae_. Pfeilwurzel ist
der Name der _Maranta arundinacea_ und scheint das englische Wort
dafür Arrow root, das bereits 1791 (~Olaf Swartz~, Observat.) und
schon früher üblich war und dann auf das Stärkemehl übertragen wurde,
in die südamerikanischen Sprachen (brasil.: araruta) übergegangen
(~Spruce~) und nicht, wie ~Martius~ will, aus dem indianischen aru aru
(= Mehl, ursprünglich für _Manihot_ benutzt) oder aru (= Mehl) und ruta
(= Wurzel), oder aruac, dem Namen eines Volksstammes am Rio Negro,
oder, wie ~Roscoë~ meint, aus arri (dem Namen der Pflanze bei den
Indianern Guianas) entstanden zu sein. Der Name Pfeilwurz soll vielmehr
daher rühren, daß die Rhizome als Antidot gegen Pfeilgift von den
südamerikanischen Indianern benutzt werden (~Sloane~ 1687). 1750 wurde
ihr Saft, z. B. auf Barbados, als Gegengift getrunken (~Hughes~). Auch
~Brown~ erwähnt 1756 die Eigenschaften als Gegengift. «In der Tat wird
der ausgedrückte Saft auch von manchen weißen Bewohnern des tropischen
Amerika als Gegenmittel gegen Gift und als Heilmittel für schmerzhafte
Bisse von Insekten und Reptilien noch heute empfohlen» (~Peckolt~,
~Semler~).
=Lit.= ~Tschirch~, Arrowroot in Real-Enzyklop. d. ges. Pharm. --
Analysen seltener Arrowroots bei ~Balland~, Journ. pharm. chim. (6)
17, 476 (Jahresber. Pharm. 1903, 555). Die dazu gehörigen mikroskop.
Bestimmungen in ~Hess~, Unters. trop. Stärken. Zeitschr. Öster.
Apoth. Ver. 1906, 25 (mit Abbild.). -- Die etymologischen Angaben I,
S. 1063, Z. 18 sind zu berichtigen.
1. Westindisches Arrowroot.
=Syn.= Amylum marantae, Amylum Arrow, Ararutamehl -- Pfeilwurzelmehl,
Kraftmehl --, +St. Vincent Arrowroot+, Natal-, Jamaika-,
Bermudas-Arrowroot -- Arrowroot de la Jamaique. Auch: ostindisches,
brasilianisches, afrikanisches Arrowroot.
=Stammpflanze und Systemat. Stellung. Maranta arundinacea= L. (~Linné~,
Spec. plant. 2.) nebst den Kulturformen: Maranta indica ~Tussac~ und M.
ramosissima ~Wall~. -- +Marantaceae+, Maranteae.
=Etym.= Maranta wurde von ~Plumier~ nach ~Bartolomeo Maranta~ (I, S.
851) benannt, dessen Werk Methodi cognoscendorum simplicium libri
tres. Venet. 1559, schon den Versuch einer Organographie und einer
Definierung des Artbegriffes enthält. Die Artbezeichnung arundinacea
erinnert an den rohrartigen Habitus (arundo) -- Bez. Arrowroot s.
oben.
=Beschreibung.= _Maranta arundinacea_ ist eine 1½-3 m hohe Staude
mit länglich-ei-lanzettlichen, schwach behaarten Blättern, weißen
Blüten und violetten Samen (Fig. 58). Die Kulturform _M. indica_, die
sich zuerst auf Jamaica gebildet hat und die jetzt viel in Vorderindien
kultiviert wird, hat breitere, kahle Blätter und weiße Samen. Die
Pflanze ist ursprünglich in Dominica heimisch, aber (schon im XVIII.
Jahrh.) zunächst nach Barbados und Jamaica, dann auch nach St. Vincent,
Haiti und Mexiko gebracht worden.
Die Pflanze bildet ein ziemlich großes unterirdisches Sproßsystem
mit zahlreichen, etwa daumenstarken Gliedern («Fingern»). Diese
Speichersprosse, die wie die Kartoffeln aus den angeschwollenen Enden
unterirdischer Achsen bestehen, sind keulenförmig, von gelblicher
Farbe, in Abständen von 2-2,5 cm gegliedert und dort mit den faserigen
Resten der Niederblätter besetzt (Fig. 59).
Zur Zeit wo die Stengel absterben ist das Rhizom am stärkereichsten.
Es enthält alsdann 25-27% Stärke (und ziemlich viel Kali und
Phosphorsäure). Zu dieser Zeit wird es geerntet.
Die Marantarhizome enthalten (nach ~Macdonald~, ~Leuschner~ und
~Watts~) c. 27% Stärke, 63% Wasser, 1,5% Stickstoffsubstanz, 2-4%
Dextrin, Zucker usw., 2,8-3,9% Rohfaser, 0,3% Fett, 1,2% Asche, die
sehr reich an Kali ist (54,06% K₂CO₃).
=Pathologie.= _Sphaerostilbe repens_ ~Berk.~ et ~Br.~ ist als Parasit
in dem Rhizom von _Maranta arundinacea_ aufgefunden worden, wo er in
Form von Rhizomorphen auftritt (~Ed. Fischer~).
=Kultur.= Die Kulturen auf den +Bermuden+ (bes. Long Island) liefern
das feinste Arrowroot, da die Bereitung dort am sorgfältigsten
betrieben wird. Noch Anfang der siebziger Jahre des XIX. Jahrh. standen
sie in erster Reihe, dann ging die Produktion zurück und in den
achtziger Jahren betrug der Export kaum 1000 kg. Dann hat sich aber
die Produktion wieder gehoben und noch heute erzielt das Arrowroot der
Bermuden die höchsten Preise. Das zweitbeste ist das von Jamaica, aber
auch dort sind die Kulturen stark zurückgegangen. Gering ist der Anbau
in Grenada und auf der Insel Montserrat. Auf Barbados, Tortola und
Antigua ist er aufgegeben. Dagegen sind die Kulturen auf der kleinen
englischen Insel +St. Vincent+, besonders in den Distrikten Coomera
und Pimpana, ständig in die Höhe gegangen, so daß diese Insel jetzt
wichtigste Quelle für Marantastärke geworden ist. Nur diese ist jetzt
im Großhandel. Die Produktion erreicht 1 Mill. kg. Auch in Natal, der
zweitwichtigsten Bezugsquelle, ist die Produktion im Steigen (c. 3000
Kisten im Jahr), ebenso in Südbrasilien (Rio de Janeiro, Espirito
Santo, Sa. Catharina und Para) -- hier wird aber fast nur für den
eigenen Bedarf fabriziert. Dies gilt auch für die Canarischen Inseln,
Liberia, Lagos, Sierra Leone, Madagascar und das Capland.
[Illustration: Fig. 58. _Maranta arundinacea._ [Koloniaal Museum
Haarlem.]]
Indien kultiviert in Madras, Bengalen, Bombay und Pondichery, sowie auf
Ceylon und in Burma (wie es scheint ist das Rhizom hier stärkeärmer).
Australien kultiviert in Queensland und Neu-Süd-Wales.
~Louis Planchon~ hatte 1909 Muster von Martinique, Annam, Cochinchina,
Guadeloupe, Guyana, Madagascar in Händen.
Die Kulturmethode hat mit der der Kartoffel viel Ähnlichkeit. Man setzt
Abschnitte, besonders die knospentragenden Endstücke der Wurzelstöcke
(«Saatwurzeln») oder benutzt junge Schößlinge als Saatgut, die man in
Abständen von 15 cm setzt. Nach 8-12 Monaten kann geerntet werden. Auf
den Bermuden wird im Mai gepflanzt und im März und April geerntet.
Man hebt die ganze Pflanze aus dem Boden, schneidet die Rhizome ab
und benutzt das Kraut als Gründüngung. 1000 qm Land liefern etwa 6240
kg Knollen, die 1296-1370 kg Stärke geben. Die Kultur ist leicht zu
erlernen, verlangt kein großes Kapital und gibt mit wenig Düngung bald
Erträgnisse auf relativ schlechtem Boden. Nur ist ein frostfreies,
tropisches oder subtropisches Klima erforderlich.
[Illustration: Fig. 59.
+Die unterirdischen Organe von+ _Maranta arundinacea_.
Sps. Speichersproß, WS. Wandersproß, K. Knospe, BS. Blätter und Blüten
bildender Sproß. [+Tschirch+.]]
=Darstellung der Marantastärke.= Die Ausbeute an Stärke aus den
Knollen, die etwa 52-83 g wiegen (~Peckolt~), ist 15-19% (~Eberhard~
erhielt 20,78%). Die Fabrikation ist auf den Bermuden teils Groß-,
teils Hausindustrie. +Sie wird mit großer Sorgfalt betrieben.+ Die
gewaschenen Rhizome werden zunächst sehr sorgfältig geschält (die
Schale enthält einen Bitterstoff), dann nochmals gewaschen und zu einem
Brei zerquetscht. Der Brei fällt dann in einen feindurchlöcherten
Zylinder, in dem sich eine mit hölzernen Schaufeln besetzte Walze
dreht. Die durch die Löcher gehende Stärkemilch wird in Sedimenteurs
absetzen gelassen, die Stärke vom Wasser getrennt und in flachen
Kesseln mehrmals gewaschen. Die Stärke wird alsdann, nachdem die obere
Schicht entfernt wurde, mit neusilbernen Schöpflöffeln in flache
Kupferpfannen gebracht, diese mit Gaze überbunden und in die Sonne
gestellt. Die trockene Stärke wird in mit Papier ausgekleidete Fässer
gebracht.
In St. Vincent schält man die Rhizome nicht. Sie kommen nach dem
Waschen in den Pulper. Die Pulpa wird handgesiebt und die Stärkemilch
durch mehrere Siebkolonnen in mit weißglasierten Ziegeln ausgemauerte
Senkbassins geschickt. Der Absatz wird dann wiederholt unter Schlagen
mit hölzernen Stöcken mit Wasser gewaschen. Das Vortrocknen erfolgt auf
Horden, dann legt man die halbtrockene Stärke in eigenen Trockenhäusern
locker auf siebartig durchbrochene Drahtunterlagen. «Durch das
Austrocknen brechen die zuerst auf die oberste Etage gelegten Stücke
auf und fallen auf die nächste Etage, bis sie schließlich fein gekörnt
auf die unterste Etage gelangen» (~Semler~). In drei Tagen muß die
Trocknung beendet sein. Dann gelangt das Arrowroot in Zinnkästen oder
in mit Papier ausgeklebte Fässer. Äußerste Sauberkeit wird beobachtet,
alle Geräte sind von Kupfer, Messing, Neusilber usw., alle riechenden
Substanzen werden ferngehalten.
In +Hausindustrie+ stellten schon die westindischen Neger Arrowroot
dar: durch Zerstampfen der Wurzelstücke in hölzernen Mörsern. Jetzt
wird Arrowroot im Kleinbetrieb auch auf den Bermuden bereitet. Die
gewaschenen und geschälten Rhizome werden in einfachen Reibmaschinen
zerrieben, der Brei nacheinander auf drei Haarsieben von verschiedener
Maschenweite mit Wasser ausgewaschen, die Stärkemilch absetzen gelassen
und vom Satzmehl die obere Schicht mit einem neusilbernen Löffel
abgekratzt, dann wird die Stärke nochmals gewaschen und schließlich in
Horden auf Siebtuch mit Gaze bedeckt in der Sonne getrocknet.
=Handel.= St. Vincent-Arrowroot ist in Barrels à 100 kg im Handel
(extra prima 00 und prima 0) -- eine besonders gute Sorte auch wohl in
Kisten mit vier Dosen à 20 kg.
Das Tonkin-(Maranta-)Arrowroot (Bot-Hoang-Tinh) ist bisweilen in Papier
gewickelt in kleinen Paketen von 15 mm Durchmesser im Handel (Abbild.
bei ~Louis Planchon~).
Der Arrowroot-Export aus St. Vincent erreichte 1908 einen Wert von
27713 Pfund Sterling. Die Einfuhr von _Arrowroot_ nach +London+
betrug 1906: 14772, 1907: 11087, 1908: 12337, 1909: 13936 barrels,
und 1906: 255, 1907: 36, 1908: 109 boxes and tins. Pfeilwurz(-mehl?)
ist auch Ausfuhrartikel von Deutsch-Ostafrika (~Braun~).
[Illustration: Fig. 60.
_Marantastärke._ [+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
=Beschreibung.= Marantastärke ist dadurch ausgezeichnet, daß sie
zwischen den Fingern gerieben ein eigentümliches knirschendes Geräusch
hervorruft.
Sie liefert mit siedendem Wasser einen farb-, geruch-, und
geschmacklosen, durchsichtigen und schleimigen Kleister, der einen
lichtbläulichen Schimmer besitzt.
Der Grund, warum von vielen das westindische Arrowroot vorgezogen
wird, ist der, daß es infolge seiner Bereitung immer neutral ist
(Kartoffelstärke ist das nie, sie reagiert wie Weizenstärke immer
sauer, Reisstärke alkalisch) und infolge der großen, auf die
Herstellung verwendeten Sorgfalt die reinste Stärke des Handels ist.
Marantastärke zeigt deutliches Aufquellen bei 66,2°, Beginn der
Verkleisterung bei 66,2° und vollständige Verkleisterung bei 70°
(~Lippmann~).
=Anatomie.= Die +Stärkekörner+ (Fig. 60) sind sehr verschieden
gestaltet. Rundliche, ovale, ei- oder birnförmige bilden die
Hauptmasse, daneben finden sich dreieckige, spindelige, keulen- oder
birnförmige, ja bisweilen sogar viereckige oder rhomboidische. Einige,
die als «Leiter» dienen können, sind seitlich genabelt. Viele haben
einen zentralen oder (häufiger) exzentrisch, meist am breiteren Ende,
gelegenen Spalt. Die Exzentrizität des Kerns beträgt meist ½-⅓. Die
Schichtung ist oft deutlich, aber zarter als bei der Kartoffelstärke.
Die Körner sind dick-rundlich oder doch nur schwach abgeplattet.
Die Größe variiert sehr, meist beträgt sie 30-40 mik. Die kleinen sind
oft nur 7,5-15 mik., die großen erreichen 45-55, selten 60 mik. (St.
Vincent A.) oder gar 70-75 mik. (Bermudas A.). Die größten Körner
sind also mit der Lupe zu erkennen. Zusammengesetzte Körner fehlen
(~Moeller~, ~Tschirch~).
=Verfälschung.= ~Louis Planchon~ beobachtete 1910 _Maniok_, ~Mitlacher~
1904 _Weizen_-, _Mais_-, _Bohnen_- und _Reisstärke_, ~Brown~ 1891
_Kartoffelstärke_, ~Waage~ 1893 Tahiti Arrowroot (von _Tacca
pinnatifida_), ich selbst 1898 ostindisches Arrowroot (von _Curcuma_)
als Verfälschung bzw. Ersatz des westindischen Arrowroot. Das Mikroskop
läßt alle diese leicht erkennen. _Curcuma_stärke und _Manihot_ dürften
der _Maranta_stärke ziemlich gleichwertig sein.
_Maranta_stärke darf nicht über 15% Wasser und 0,5% Asche enthalten
(~Hauke~).
=Anwendung.= _Arrowroot_ wird ziemlich viel in der
Schokoladefabrikation verbraucht. Dann als «Kraftmehl» in der Medizin
(Kindernährmittel). Es ist das teuerste aller Stärkemehle.
=Geschichte.= Die Pflanze wird zuerst von ~Sloane~ 1696 erwähnt,
der sie _Canna indica radice alba alexipharmaca_ nennt. Sie wurde
in Dominica entdeckt und schon 1756 in vielen Gärten auf Jamaika
kultiviert. ~Hughes~ und ~Browne~ erwähnen bereits die Darstellung
des Mehles und halten es für besser als Weizenstärke. Die Schrift
~Jos. Schneider~, Über Systemsucht unter den Ärzten nebst einem
Anhang über Arrow Root und Crotonöl, Fulda 1823, scheint die erste
Beschreibung und Empfehlung des Marantaarrowroot +für medizinische
Zwecke+ zu enthalten. Wenigstens bemerkt ~Pfaff~ (System der
Materia medica 1824), daß es Anfang der zwanziger Jahre des XIX.
Jahrh. zuerst in den Handel gebracht worden sei. Er bemerkt auch
bereits, daß es keine Vorzüge vor unserer heimischen Stärke besitze.
Doch scheint es schon früher, Ende des XVIII. Jahrh. (1799), in
beschränktem Maße von Jamaika exportiert worden zu sein (~Rennie~
Hist. of Jamaica). In England war es im Anfang des XIX. Jahrh.
in Gebrauch. Die Rhizome und die Darstellung der Marantastärke
beschrieben zuerst ~Tussac~ (Flore des Antilles 1808, 1, 183) und
~Lunan~ (Hortus jamaicensis 1814). ~Browne~ beobachtete 1756, daß
der Wurzelstock der Pflanze auf Jamaica gemahlen als Nahrungsmittel
benutzt wurde. Die erste Einführung der Pflanze nach England 1732
wird ~Houston~ zugeschrieben. Nach Indien (die Gattung _Maranta_
fehlt der alten Welt) kam sie (wahrscheinlich zunächst die Form _M.
ramosissima_) ungefähr 1830 über das Capland (~Watt~, Diction.).
Sie wird seitdem dort kultiviert, in größerem Maße seit 1840. Im
XIX. Jahrh. kam sie auch nach der Küste von Guinea (~Hooker~,
Nigerflora), nach Natal, Südafrika, Brasilien und den Bermuden,
einer kleinen Inselgruppe nördlich von den Antillen, wo sie jetzt
überall kultiviert wird. In St. Vincent befinden sich jetzt die
umfangreichsten Kulturen. In Australien (Neu Süd Wales) wird die
verwandte Art, _M. nobilis_ ~Moore~, gebaut.
=Lit.= ~Körnicke~, Monograph. Marantear. Prodr. Bull. soc. imp.
d. natur. Moscou 1862. -- +Abbild.+: ~Hayne~ 9 t. 25/26 (cop.
nach ~Redouté~, Liliac. t. 57 u. ~Tussac~, Flore des Antilles
t. 26). -- +Düsseldorfer+ Abbild. 13 t. 10/11. -- ~Roscoe~,
Monandrous plants of the order Scitamineae. Liverp. 1828 t. 25. --
~Bentley-Trimen~, Medicinal plants t. 265. -- ~Petersen~, Marantaceen
in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. -- Dann: ~Sloane~, Catal. plant.,
quae in insula Jamaica etc. London 1696, 122 und History of Jamaica
1707, 253. -- ~Browne~, Civil and nat. hist. of Jamaica 1756.
-- ~Grisebach~, Flora of the Brit. West Ind. Islands 1864. --
~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia.
Bereitung in Westindien: ~Leuschner~, Zeitschr. f. öffentl. Chemie
1902 (Pharm. Zeit. 1902, 200), Ber. d. pharm. Ges. 1904. ~Semler~,
Trop. Agrikultur. ~Macdonald~, Pharm. Journ. 1887, 1042, -- in
Queensland: Pharm. Journ. 1882, 224; -- in Brasilien: ~Eberhard~
(~Hirschberg~), Arch. Pharm. 134 (1868), 257. ~Wimmel~, Hamb.
Gewerbebl. 1868 (Jahresb. d. Ph. 1869). ~Peckolt~, Brasilian. Nutz-
u. Heilpfl. (Marantaceen), Pharm. Rundschau. New York 1894, 87; -- in
Sansibar: Pharm. Journ. 1893, 789. -- In Indien: ~Watt~, Dictionary
econ. prod. Ind. V, 182.
Ferner: ~Wiesner~, Rohstoffe. -- ~Hanausek~, Pharm. Centralh. 1889.
-- ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas. -- ~Tschirch~, Arrowroot in
Realenzyklop. d. ges. Pharm. I. -- ~Jos. Moeller~, Mikroskopie.
-- ~Macdonald~, Journ. soc. chem. ind. 6 (1887), 334. -- ~Watts~
Pharm. Journ. 1894, 624 (Kew Bulletin 84). -- ~Louis Planchon~ et
~Juillet~, Ann. Mus. col. Mars. 1910. -- Asche: ~Hauke~, Zeitschr.
Österr. Apoth. Ver. 1902. Über andere stärkeliefernde Marantaarten s.
~Wiesner~, Rohstoffe. II. Aufl.
2. Maniok.
=Syn.= Maniok und Mandioca (in Brasilien, Argentinien und Paraguay),
Brasilianisches Arrowroot, Amylum brasiliense -- Bahia-, Rio-,
Para-Arrowroot -- Cassava, Cassave oder Cassada (in Westindien und
den Ver. Staaten) -- Yuca oder Juca (in Zentralamerika, Columbien,
Venezuela, Peru, Ecuador, Bolivien) -- Pan de tierra caliente (in
Chile), -- Fécule de Yuca, amidon de Yuca. -- Maravuli (in Indien) --
Marachini (malaiisch). -- Brasilian. Arrowroot ex parte. -- Moussache.
-- Verarbeitet: Tapioca.
=Stammpflanze und systemat. Stellung.= =Manihot utilissima= ~Pohl~
(Jatropha Manihot L., Janipha Manihot ~Kunth~ -- Mandioca brava
[brasil.], Yuca amarga [Chile], bitterer Maniok) liefert vornehmlich
den aus Südamerika exportierten Maniok. Dann auch =Manihot Aipi= ~Pohl~
(_M. palmata_ ~Müll. Arg.~, -- Mandioca mansa oder aipim [brasil.],
Yuca dulce (Chile), süßer Maniok), vielleicht nur eine Varietät von
_M. utiliss._ oder _M. palmata_ und endlich _M. carthaginiensis_
~Müll.~ Arg. (_Jatropha Janipha_ L., _Manihot Janipha_ ~Pohl~). --
+Euphorbiaceae+ Platylobeae-Crotonoideae-Manihoteae.
Beide Haupt-Manihotarten sind in den Tropen Südamerikas heimisch (_M.
utiliss._ wohl im unteren Amazonastale), aber frühzeitig zunächst
nach Westindien, dann nach Vorder- und Hinterindien (Malacca), dem
malaiischen Archipel und endlich auch nach Polynesien und Afrika
gebracht worden.
=Kultur.= Ihre Kultur hat sich in allen diesen Ländern rasch
ausgebreitet und Maniok wurde ein wichtiges Nahrungsmittel der Tropen.
In Südamerika ist Maniok, der übrigens auch in Neugranada, Peru und
Ecuador gebaut wird, so wichtig wie bei uns die Kartoffel. In Ostafrika
findet man ihn in jedem Negerdorf. Neuerdings wird _Manihot utilissima_
auch im südlichen Florida in größerem Umfange kultiviert, sowie in
Ceylon (hier in Mischkultur mit _Eleusine caracana_).
_Manihot utiliss._ ist ein Strauch, dessen Blätter einige Ähnlichkeit
mit den Blättern des ja auch zu den Euphorbiaceen gehörigen
_Ricinus_strauches besitzen und dessen Früchte breit geflügelt sind
(Unterschied von _M. Aipi_). Die Pflanze bildet zahlreiche (5-8) große,
meist 25-45 cm lange Knollen, die bisweilen eine Länge von 60 cm und
ein Gewicht von 4 kg erreichen können (~Semler~). Selten sind Knollen
von 12-15 kg Gewicht. Im Durchschnitt liefert eine Pflanze nicht mehr
als 4-6 kg Knollen. _M. Aipi_ mit kleineren Knollen wird im allgemeinen
weniger (besonders in Paraguay und Neu-Caledonien) angebaut. Den
meisten Manihot baut Brasilien, wo besonders in den Küstenprovinzen
gegen 30 Spielarten kultiviert werden. Das Maniokmehl ist ein ebenso
wichtiges Nahrungsmittel wie Reis, Sago und Weizenmehl. Die Kultur
der Pflanze ist sehr einfach. Sie gedeiht am besten in der Nähe des
Meeres und an Flußufern. Sie braucht tropisches Klima, besonders
Luftfeuchtigkeit. Die Vermehrung geschieht durch Stecklinge. Die
westindischen Pflanzer erzielen durch Unterdrückung der Blüte größere
Knollen. In den Straits Settlements erntet man nach 9-10 Monaten. Dann
ist der Knollen am stärkereichsten.
Die Knollen enthalten 17-39% Stärke und 3,5% Eiweiß. Die Knollen des
bitteren Maniok enthalten 0,0132-0,0442%, die des süßen 0,0102-0,0238%
+Blausäure+. Ein Teil der Blausäure scheint sich in glykosidischer
Bindung zu finden, denn die Giftigkeit auch der süßen Knollen steigt
durch mehrtägiges Liegen oder durch Gärung (~Semler~).
Während in den Tropen die Knollen von _Manihot utilissima_ sehr viel
Blausäure enthalten, sind die im subtropischen Florida kultivierten
Kulturformen so arm daran, daß man sie ohne weiteres genießen kann. Die
Pflanze trägt dort den Namen «süße Cassava», da sie 17% Zucker enthält.
In den Wurzeln, Blättern, Blüten und unreifen Früchten findet sich auch
+Aceton+ (~Romburgh~).
=Bereitung des Mehls und der Tapioka.= Brasilien produziert in
den Nordprovinzen besonders Maniokmehl (Farinha), d. h. die ganze
zerriebene und getrocknete Wurzel. Tapiokafabrikation wird (in
Hausindustrie) besonders in Bahia, Minas und Rio de Janeiro betrieben.
Gering ist die Produktion auf den Capverden und Mascarenen, sowie auf
Réunion, wo auch Tapioka fabriziert wird, auf Martinique, Guadeloupe,
Travancore, Guiana. Enorm ist der Anbau der Manihotpflanze durch das
ganze tropische Afrika, z. B. im Kongogebiet, wo sie ein wichtiges
Nahrungsmittel ist, aber keine Tapioka liefert. Neuerdings (1898)
wird Manihot auch in Togo gebaut und Stärke daraus dargestellt.
Merkwürdigerweise hat sich dagegen gerade in den Gegenden, wo Maniok
von vornherein mit dem Sago in Wettbewerb treten mußte, d. h. in den
Straits Settlements, bes. in Singapore (dann auf Malakka und in der
Provinz Wellesley) nicht nur die Kultur der Pflanze, sondern auch
die Bereitung der Sagoähnlichen Tapioka eingebürgert und ist die
Fabrikation hier durch Einführung rationellen Maschinenbetriebes
rasch zu großer Bedeutung gekommen. Sie liegt jetzt vorwiegend in
europäischen Händen, doch fabrizieren auch Chinesen nach ihren alten
Methoden.
Das +Cassavemehl+ bereiten die Brasilianer, indem sie die gewässerten
Knollen schälen, auf einem Reibeisen zerreiben, den Brei, nachdem er
durch ein korbartiges Sieb gedrückt worden ist, in einem Sack, der
unten ein Gewicht trägt, aufhängen und so von dem sehr giftigen Saft
(der übrigens ein berauschendes Getränk, Tucupi, liefert) befreien. Die
ausgedrückte Masse wird dann geröstet und gesiebt.
Die +Maniokstärke+ wird in Brasilien wie Maranta-Arrowroot bereitet
(s. d.). Sie ist bisweilen in Kügelchen (Carima) im Handel. Die
Bereitung erfolgt in der Weise, daß die zermahlenen Knollen auf
Gazesieben mit Wasser ausgewaschen werden, die Stärkemilch in
Sedimenteurs geleitet und der Absatz wiederholt gewaschen wird.