Mikroskop. Untersuch. -- ~A. Meyer~, Unters. über die Stärkekörner.
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sc. pharm. 1906. -- ~Syniewski~, Lieb. Ann. 199. Ber. d. d. chem.
Ges. 30, 2415. -- ~Vogl~, Nahrungs- und Genußm. 1899. -- ~Jos.
Moeller~, Mikroskopie d. Nahr. u. Genußmittel, 2. Aufl. -- ~Villiers~
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~Tschirch~, Stärkemehlanalysen. Arch. Pharm. 1884 u. 1885 und Angew.
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~Tschirch~, Pflanzenphys. Wandtafeln. -- ~T. F. Hanausek~, Nahrungs-
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Hess~, Unters. einig. trop. Stärkem. Zeitschr. öster. Apoth. Vereins
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Journ. am. chem. soc. 1899, Science 1900 u. and. -- ~Sachsse~, Chemie
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-- Über die Asche der Stärken: ~La Wall~, Am. journ. pharm. 1897.
~Duhamel de Monceau~ l’art de faire l’amidon. Paris 1775. -- ~v.
Wagner~, Die Stärkefabrikation. Braunschweig 1876. -- ~Seel~,
Gewinn. u. Darst. d. wichtigst. Nahr. u. Genußm. Stuttgart 1902.
-- Über die Bestimmung von Stärke in Getreidesamen nach ~Lindet~,
vgl. Zeitschr. Angew. Chemie 1898, 166. -- Über die Untersuchung
der Rohmaterialien und der Stärke: ~Eckenbrecher~ in ~Lunge~, Chem.
techn. Untersuchungsmethoden III, 494.
Vgl. ferner meinen Artikel Amylum in der Realenzyklopädie der ges.
Pharmazie I, S. 583, ~Euler~, Pflanzenchemie und ~Czapek~, Biochemie
(dort die bot. Lit.). -- ~Payen~, Mém. sur l’amidon, considéré sous
les points de vue anatomique, chimique et physiolog. Ann. sc. nat.
1838, II, 27 (erster Versuch einer mikroskop. Diagnose). -- Eine
ziemlich vollständige Liste der Stärke liefernden Pflanzen findet
sich in ~Wiesner~, Rohstoffe I, S. 564. Einen Bestimmungsschlüssel
gab ~Moeller~ (Mikroskopie). Die ~Dufour~sche Tabelle zur Bestimmung
der Stärkesorten ist abgedruckt in Pharm. Praxis 1904, S. 54. -- ~von
Hoehnel~, Die Stärke und d. Mahlprodukte. Allgem. Waarenk. Kassel
1882. -- ~Harz~, Landwirtsch. Samenkunde. Berlin 1885. -- ~Berg~,
Anatom. Atlas. -- ~Flückiger-Tschirch~, Grundlagen. -- ~Moeller~,
Mikroskopie d. Cerealien. Pharm. Centralh. 1884 und Pharmakogn. Atlas
1892, Taf. 1-27. -- ~W. Lenz~, Eine neue mikrochem. Unterscheid. d.
Roggen- und Weizenstärke. Apoth. Zeit. 1909 und Arb. aus d. pharm.
Inst. d. Univers. Berlin VII, 1910. -- ~Bloemendal~, Bijdragen tot de
Kennis van zetmeel. Pharm. Weekbl. 1906. -- ~Baur~ und ~Polenske~,
Trennung von Stärke u. Glykogen. Arb. d. Kais. Gesundheitsamt. 1906.
-- ~Fouard~, Sur les propriétés colloïdales de l’amidon et sur
l’unité de sa constitution. Bull. soc. chim. 1908. -- ~Lintner~,
Journ. pr. Chem. 34 (1886). -- ~Schlicht~, Verzuckerung d. Stärke.
Jahresb. d. Schles. Ges. f. vaterl. Kultur. 1909. -- ~Dubasc~, Chem.
Zeit. 1904, 1149. -- ~Lagerheim~, Zeitschr. f. Mikrosk. 14. --
~Maquenne~, Bull. soc. chim. 1906. -- ~Wolff~ u. ~Fernbach~, Compt.
rend. 137 u. 138. -- ~Corsini~, La guaiaco reazione nella diagnosa
della farine. Riv. d’igiene e sanit. pubbl. 1905. -- ~Bellier~, Ann.
de chim. analyt. 1907, 224 (Verwendung des KOH, auch in Rev. intern.
des falsific. et d’analyse d. mat. aliment. 1907).
I. Stärke aus unterirdischen Organen.
a) Amylum solani.
=Syn.= Kartoffelstärke, -- fécule de pomme de terre (franz.) -- potato
starch (engl.) -- aardappelzetmeel (holl.) -- amido di patate (it.) --
potaatti tärkkelys (fin.) -- ἄμυλον γεωμήλων (n.-griech.).
=Stammpflanze und systemat. Stellung. Solanum tuberosum L.= (~Linné~,
Spec. plant. 183), Erdapfel, Erdbirne, Grundbirne, Potacke mit
zahlreichen (c. 900) Varietäten, Sorten und Kulturrassen.
+Solanaceae+, Solaneae -- Solaninae, Sect. Pachystemonum.
=Etym.= Die Italiener nannten die Kartoffel wegen ihrer Ähnlichkeit
mit der Trüffel tartufo, daraus entstand (zwischen 1650 und 1760)
durch Dissimilierung das deutsche, noch jetzt im Elsaß gebräuchliche
tartuffel (tuften, tüften in Mecklenburg). Unwahrscheinlich erscheint
die Umbildung aus Erdapfel (mhd. ërtapfel = Trüffel?), Herdapfel
(Erdtuffel, Artoffel) = pomme de terre. Auch der Name Grumbirn
(= Grundbirne, Erdbirne) deutet auf das subterrane Vorkommen der
Knollen. Das engl. potato ist angeblich haitischen Ursprungs
(Pataken, ostfränk.) -- Nachtschatten = schwarzer Schaden --. Solanum
von solari trösten, stärken oder von solo den Sonnenstich verursachen
= verrückt machen (~Kanngiesser~). -- Der Strychnos der Alten war
wohl ein Solanum. -- +Der+ Knollen besser wie +die+ Knolle.
=Beschreibung.= _Solanum tuberosum_ ist ein vieljähriges,
angedrückt behaartes, ästiges Kraut von 50-120 cm Höhe, mit
unterbrochen fiederschnittigen Blättern -- Endlappen größer als die
schiefherzförmigen Seitenlappen -- Blüten weiß oder violettrötlich mit
flach radförmiger Krone in doldenartigen Wickeln. Früchte gelbgrüne,
etwa kirschengroße Beeren. Die Pflanze wird nur durch die Knollen,
nicht durch die Samen fortgepflanzt. In den Achseln der unteren
Blätter der Pflanze, sogar der schrumpfenden Cotyledonen (ct in Fig.
52), entspringen unterirdische Ausläufer (Wandersprosse), welche mit
Niederblättern (éc) besetzt sind und Nebenwurzeln (r’) treiben, jedoch,
wenn sie ans Licht kommen, auch zu Laubsprossen werden können. Die
Enden dieser unterirdischen Ausläufer werden durch Anschwellen zu
knollenartigen Speichersprossen (tb). Diese bilden die Kartoffeln.
In ihnen ist das stärkeführende Speicherparenchym des Markes stark
vermehrt (Hypertrophie des Markes). Die einen randständigen Kreis
bildenden Gefäßbündel sind nur klein. Außen ist der Knollen von einem
mehrreihigen Kork umgeben, der das wasserreiche Knollengewebe vor dem
Austrocknen schützt (Fig. 53). Da und dort finden sich am Knollen
kleine schuppenförmige Niederblätter, in deren Achseln Knospen, die
sog. «Augen» (br. Fig. 52) liegen, die austreiben können, bei der
Vermehrung der Kartoffel dies auch tun und eine neue Pflanze erzeugen.
Die Parenchymzellen der Randschichten sind kleiner als die der inneren
Partien. Die roten Sorten enthalten in allen Zellen neben Stärke
einen roten Zellsaft, die rotschaligen nur in den Randschichten. Die
Kartoffel enthält 15-20% Stärke (zahlreiche Analysen bei ~König~).
Doch steigt in einigen Sorten der Stärkegehalt bis 22 oder gar 24%. In
Deutschland allein sind c. 3 Mill. Hektar unter Kartoffelbau.
[Illustration: Fig. 52.
_Solanum tuberosum._
Bildung der Knollen (Speichersprosse) an unterirdischen Wandersprossen.
Unten Längsschnitt durch die Spitze eines jungen Knollen. [Aus +Sachs+,
Lehrbuch.]]
=Pathologie.= Prof. E. ~Fischer~ berichtet über die pflanzlichen
Schädlinge: Die wichtigste Krankheit der Kartoffel wird hervorgerufen
durch _Phytophthora infestans_ (~Mont~) ~de Bary~. Dieser Parasit
bewirkt ein Absterben des Krautes, das natürlich auch ein
Zurückbleiben der Knollenentwicklung zur Folge haben kann. Aber
es geht der Pilz selber auch auf die Knollen über, Bräunung und
Absterben ihres Gewebes bedingend. Sekundär hinzutretende Bakterien
und Schimmel vollenden dann den Zersetzungsvorgang. Indes scheinen
gewisse Schimmelpilze, namentlich _Fusarium Solani_ (~Mart.~)
~Sacc.~, auch selbständig Erkrankung (Trockenfäule), wenigstens
bei verwundeten Knollen, hervorrufen zu können. Eine Chytridiacee
_Chrysophlyctis endobiotica_ ~Schilbersky~ wird als Erreger
einer +Schorfkrankheit+ der Kartoffel angesehen. Endlich sind in
neuerer Zeit auch eine Reihe von primären Bakterienkrankheiten der
Kartoffelknollen beschrieben worden.
=Lit.= ~Appel~ und ~Kreitz~, Der derzeitige Stand unserer Kenntnisse
von den Kartoffelkrankheiten und ihre Bekämpfung. Mitt. Kais.
Biol. Anstalt f. Land- und Forstwirtschaft 1907, Heft 5. -- Über
die Bekämpfung der Kartoffelkrankheit mit Bordeauxbrühe vgl. auch
~Tschirch~, Das Kupfer vom Standpunkt der Hygiene usw. Stuttgart 1893.
Über tierische Schädlinge berichtet ~Israël~:
1. +Käfer.+ _Agriotes lineatus_ L.: Larve die Kartoffelknollen
durchlöchernd, sonst an Getreide- und Graswurzeln. _Melolontha
vulgaris_ L., der Maikäfer: Der Engerling lebt an den Wurzeln aller
möglichen Pflanzen und Waldbäume, auch oft in großen Mengen an den
Kartoffelknollen.
2. +Schmetterlinge.+ _Acherontia atropos_ L., der Totenkopf: Die
in Mittel- und Norddeutschland vorkommenden Raupen stammen von
Faltern, die im Mai aus südlicheren Ländern (Ungarn) zugeflogen sind.
Sie leben meist auf Kartoffelkraut, doch auch, wenn sie häufiger
auftreten, auf _Datura_, _Lycium_, _Hyoscyamus_, _Daucus_, _Syringa_,
_Philadelphus_ usw. Schädlich wird die Raupe wohl niemals, da sie
meist einzeln vorkommt. _Calocampa exoleta_ L.: Die polyphage, sehr
schöne Raupe, lebt unter andern auch an Kartoffelkraut.
3. +Fliegen.+ _Sciaria vitripennis._ ~Klug~.: Die Made dieser Fliege
lebt gern an faulenden Kartoffeln in Kellern.
In Kartoffelstärke findet sich bisweilen die Milbe _Aleurobius
farinae_.
[Illustration: Fig. 53.
Querschnitt durch die Randschicht des Kartoffelknollen.
[+Tschirch+.]]
=Darstellung von Kartoffelstärke.= Kartoffelstärke wird in größerem
Stil seit 1846 fabrikmäßig dargestellt. Die in Trommeln gewaschenen
Kartoffeln werden in Zerkleinerungsapparaten zerrieben und samt
dem Kartoffelsaft (Fruchtwasser) durch Siebapparate geleitet (Fig.
54). Die zurückbleibende Pulpa wird entweder verfüttert oder auf
Mühlsteinen vermahlen und durch die Siebapparate geschickt. Die
Gemische von Fruchtwasser und Stärke werden vereinigt (Rohstärkemilch),
durch mehrere Siebe (Fein- oder Raffiniersiebe) von den Fasern und
Schalenteilchen befreit und in gemauerten Absatzkästen (Sedimenteurs)
6-10 Stunden sedimentiert (bisweilen unter Zusatz von Schwefelsäure)
oder zunächst durch 20 m lange Rinnen (Flutensystem) geschickt, in
denen sich die gröberen Stärkekörner absetzen und dann zum Absetzen
der feinsten Körner in Bottiche geleitet. Nach dem Absetzen wird
das Fruchtwasser abgelassen, die oft noch stark gefärbte Rohstärke
herausgestochen und in Waschbottichen (Laveurs) mit Rührwerken
gewaschen (Fig. 55). Es setzt sich dann am Boden reine Stärke
(Schlemm-, Schabe-, Hinter-Stärke) und darüber gefärbte Schlammstärke
ab, die nach dem Abziehen des Waschwassers vorsichtig von der reinen
Stärke getrennt wird, die man entweder als +grüne Stärke+ in den Handel
bringt bzw. auf Dextrin oder Traubenzucker verarbeitet oder durch
Waschen noch weiter reinigt und nach dem Abcentrifugieren des Wassers
(in Raffiniercentrifugen) auf Horden oder in mechanischen Apparaten
trocknet.
Die grüne Stärke enthält bis 50%, die centrifugierte c. 35%, die
fließende oder kaufechte, bei gewöhnlicher Temperatur getrocknete
14-20%, die getrocknete 8-15, meist 12% Wasser. Letztere kommt in
Stücken oder gemahlen als Pulver in den Handel. Das Trocknen erfolgt
meist auf Gipsböden in großen Trockenkammern (Fig. 56) bei höchstens
40° in lebhaftem Luftzuge. Die Schlammstärke geht entweder in die
Branntweinbrennerei oder wird, mit Wasser gemischt, in großen Behältern
mit Rührwerk am Absetzen verhindert, dann auf Schüttelsiebe gebracht
und nach dem Flutensystem durch Schlemmrinnen oder Schlemmtafeln
geschickt. Aus dem Fruchtwasser wird meist noch Sekundastärke
abgeschieden. Der Schlamm, die Pülpe (Kartoffelfaser, petit sous)
und die Abwässer werden entweder zu Futtermitteln (Pülpekleie)
verarbeitet oder zu Düngezwecken benutzt. (Vgl. auch die Darstellung in
~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas.)
[Illustration: Fig. 54.
+Stärkefabrik+, Grundriß (unten) und Durchschnitt (oben) (für
Kartoffel- und Cassavestärkefabrikation).
1. Kocher (Boiler), 2. Maschine, 3. Wäscher, 4. Reiber, 5. Reiber Tank,
6. Pumpe vom Reiber Tank zum Sieb, 7. Zylindersieb, 8. Schüttelsieb,
9. Stärkeablagerungs-Tank, 10. Rühr-Tanks, 11. Milch-Tanks, 12.
Milchpumpe, 13. Zentrifugal-Tank, 14. Zentrifuge, 15. Stärke-Elevator,
16. Trockenzimmer, 17. Pulp-Tank, 18. äußere Ablagerungs-Tanks,
19. Wasser aus dem Wascher, 20. Ausfluß zur Bewässerung (w.
Frisch-Wasser-Pumpe). [Nach +Wiley+.]]
Bei der ~Völcker~schen Methode werden die in Scheiben geschnittenen
Kartoffeln in Haufen gären gelassen und der Brei ausgewaschen.
Bisweilen werden beim Reinigungsprozeß außer Schwefelsäure auch
Ammoniak, Soda, Pottasche, Natronlauge herangezogen und zum Bleichen
Chlor benutzt.
Man erhält jetzt etwa 15-18% Stärke aus den Kartoffeln. Mehr als 80%
der in der Kartoffel enthaltenen Stärke läßt sich nicht gewinnen;
selbst ein rationeller Betrieb erzielt meist nur 66-75%, da selbst die
vollkommensten Reiber nicht alle Zellen öffnen. In den Kartoffelknollen
finden sich auch Histidin, Lysin und Arginin (~E. Schulze~). Die
Zusammensetzung ist der ähnlich, die wir bei etiolierten Keimpflanzen
finden.
Die Kartoffelstärkefabrikation wurde von ~N. J. Bloch~ 1811 im Elsaß
(Düttlenheim) begründet. Vorher, im XVIII. Jahrh., bestand sie nur
als Hausindustrie. Sie blüht jetzt besonders in Frankreich (Depart.
Vosges, Oise, Loire, Sarthe, Seine) und Deutschland. Hier seit
den dreißiger Jahren des XIX. Jahrh. In Deutschland bestehen 663
Kartoffelstärkefabriken, besonders in Preußen (630), Mecklenburg,
Anhalt, Braunschweig, Hessen. Auch Nordamerika produziert jetzt viel
Kartoffelstärke.
[Illustration: Fig. 55. +Stärkewäscher+ (für Kartoffel- und
Cassavestärkefabrikation) innere Ansicht. [Nach +Wiley+.]]
[Illustration: Fig. 56. Stärketrockenraum (für Kartoffel- und
Cassavestärke). [Nach +Wiley+.]]
Die Jahresproduktion betrug 1897 c. 1 Mill. dz grüne und c. 3 Mill.
dz trockene Stärke (~Saare~).
+Nordamerika+ produzierte bereits 1899: 15500 tons Kartoffelstärke.
Davon entfielen auf Maine und New Hampshire 9000, auf New York 400,
auf Wisconsin und andere Weststaaten 6100 t.
+Hamburg+ importierte 1908 seewärts 89613 dz +Kartoffelstärke+
und +Kartoffelmehl+, (davon 82388 dz aus den Niederlanden) und
exportierte 123948 dz.
+Deutschland+ exportierte 1909: 303032 dz Kartoffelstärke, etwa die
Hälfte nach Großbritannien.
=Handel.= Im Handel findet sich die Kartoffelstärke entweder in
Pulverform oder in unregelmäßigen Stücken, Brocken (Brockenstärke,
Schäfchen) oder in Form runder, gepreßter Stengelchen (Stengel- oder
Kristallstärke). Die grüne Stärke heißt im Handel auch Naßstärke.
Das Kartoffelmehl des Handels ist meist auch nichts anderes als
Kartoffelstärke. Der Großhandel unterscheidet aber zwischen
Kartoffelmehl und Kartoffelstärke (~Julius Grossmann~) -- letztere ist
etwas teurer. Bei beiden, die in Säcken à 100 kg gehandelt werden,
werden die Qualitäten superior und prima unterschieden.
=Anatomie.= Die +Stärkekörner+ variieren in der Größe außerordentlich.
Von ganz kleinen, wenige mik großen findet man alle Übergänge bis zu
Körnern von 90, 100 mik und darüber (selten 110-145) Längsdurchmesser.
Die größten erscheinen daher schon mit bloßem Auge als feine helle
Pünktchen. In der Kartoffelstärke des Handels fehlen jedoch die
ganz kleinen und oft auch die ganz großen, denn sie ist ja ein
Schlämmprodukt. Die Fabrikation erzeugt jetzt oft durch sorgfältiges
Schlemmen Kartoffel-Stärkesorten, die bald kleine, bald mittlere,
bald große Stärkekörner enthalten. Die besten Sorten enthalten
die größten Körner. So fand ~Saare~ den mittleren Durchmesser bei
Superior 32,8-35,5, bei Prima 21, bei Sekunda 16,9, bei Tertia 12,5
mik. Alle Körner sind exzentrisch (⅓-⅙), was leicht durch das
Polarisationsmikroskop festgestellt werden kann. Der Kern liegt am
schmäleren Ende der entweder rein ovalen oder unregelmäßig rhombischen,
keil- oder beilförmigen, oder ellipsoidischen Körner. Meist ist auch
die Schichtung sehr deutlich: einige grobe und zahlreiche sehr feine
Schichten. Als Nebenform findet man kleine rundliche und mittelgroße,
halb- oder ganz- (zu 2-3) zusammengesetzte Körner mit oft tiaraförmigen
Teilkörnern.
[Illustration: Fig. 57.
+Kartoffelstärke.+ y zusammengesetzte, x halbzusammengesetzte Körner.
[Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
=Chemie.= Trockene Kartoffelstärke enthält durchschnittlich: 79,64%
Stärke, 19,22% Wasser, 0,69% Stickstoffsubstanz, 0,33% Asche, 0,08%
Rohfaser und 0,04% Fett. Grüne (feuchte) Kartoffelstärke enthält
nach ~Saare~ im Durchschnitt: 48,5% Wasser, 50,5% Stärke, 0,12%
Fruchtwasserreste, 0,22% Sand, 0,15% Faser. Kartoffelstärke reagiert
schwach sauer (Schwefelsäure aus dem Sedimenteur oder Milchsäure vom
~Völcker~prozeß). Langes Auswaschen mit verdünntem Ammoniak entfernt
die Säure (~Fesca~). ~Soxhlet~ fand (vor längerer Zeit) in der
Kartoffelstärke 0,108 bis 0,765 (im Mittel 0,331)% freie Säure auf
Milchsäure berechnet. Sehr selten reagiert Kartoffelstärke alkalisch.
Der aus Kartoffelstärke bereitete Kleister ist klar (Unterschied von
Weizenstärkekleister) und riecht unangenehm durch aus der Fabrikation
herrührende Zersetzungsprodukte, die von den Körnern absorbiert
wurden. Dieser sog. Krautgeruch tritt besonders beim Behandeln mit
Schwefelsäure oder Salzsäure hervor. ~Payen~ isolierte den riechenden
Körper, der nur höchstens zu 0,01% vorhanden ist. Er läßt sich durch
Soda entfernen (~Martin~). Kartoffelkleister schäumt nicht, wie die
kleberhaltigen Kleister der Cerealien.
=Verfälschung.= Kartoffelstärke wird öfter zur Verfälschung anderer
Stärke- oder Mehlsorten benutzt, doch ist beste Kartoffelstärke teurer
als feinstes Weizenmehl. Daher findet man auch bisweilen umgekehrt
Kartoffelstärke mit anderen Mehlen vermischt. Hier entscheidet
das Mikroskop. Kartoffelstärke verkleistert mit Alkalien (z. B.
2-4% Ätzkali) leichter als Weizenstärke. Darauf wurde ein Nachweis
der Kartoffelstärke im Weizenmehl gegründet (~Krüger~ 1885). Die
mikroskopische Prüfung ist aber sicherer und rascher.
=Prüfung.= Für die Prüfung kommt in erster Linie das Mikroskop in
Betracht. Der Wassergehalt soll 16% nicht viel überschreiten (max.
18%), was entweder mit dem (übrigens nur unsichere Resultate gebenden)
~Bloch~schen Fekulometer oder durch direkte Trockengewichtsbestimmung
(~Saare~) ermittelt wird. Die Asche darf 0,5% nicht übersteigen, der
Rohfasergehalt nicht 0,2-0,3%.
=Anwendung.= Kartoffelstärke ist ein wichtiges Appreturmittel und
wird zum Stärken und Leimen des Papiers viel benutzt, neuerdings
auch zur Herstellung von sog. deutschen Sago (Kartoffelsago,
Kartoffeltapioka, imitierter Sago), minderwertigen Macaronis,
Vermicelli usw. herangezogen. Sie wird in der Papierfabrikation,
zum Stärken der Wäsche, zum Appretieren feiner Gewebe, zur
Weberschlichte, beim Zeugdruck, zur Kleisterdarstellung, zur
Fabrikation von Stärkezucker, Stärkesirup und Dextrin (Leiogomma),
zur Herstellung von Puder (Poudre de riz, P. de serail, Blanc
végétal) und Celluloid (C. A. ~Wolff~) und zum Auspudern der Formen
der Metallgießereien benutzt. Sie dient auch für sich selbst und in
Gemisch mit anderen Stärkesorten als Nährmittel (Kraftmehl, Amidon,
Solanta, Semoule d’Igname) -- ist aber nur von wenigen Pharmakopoëen
(franz., holl.) aufgenommen. Die +Waschblaukugeln+ bestehen aus Gips,
Kartoffel- und Weizenstärke mit einem Zusatz von Ultramarin, Smalte
oder einem anderen blauen Farbstoffe, die +Glanz+stärke enthält
Stearinsäure, Walrat, Gummi, Borax u. a. mehr.
=Geschichte.= Die Heimat der Kartoffel ist Chile und Peru (~De
Candolle~). Es ist aber nicht sicher, ob wirklich das Mehl der in
der Sonne getrockneten Kartoffeln bei den Eingeborenen von Peru und
Chile seit Urzeiten in Gebrauch war. Die Chuña ist etwas anderes.
Nämlich eine seit Jahrhunderten benutzte, noch heute dargestellte,
aus gefrorenen +Kartoffeln+ (vielleicht von _Solanum Maglia_
~Schlchtdl.~ oder _Sol. immite_ ~Dunal~?) in den Anden Südamerikas
bereitete Konserve (~Hartwich~). Jedenfalls fand ~Pizarro~ 1526 in
Peru und ~Diego D’Almagro~ 1535 in Chile Kartoffeln in reichlicher
Benutzung, als sie das Land betraten und die Kultur der Pflanze
bestand zu jener Zeit in Südamerika von Chile bis nach Neu-Granada.
Möglicherweise, ~Acosta~ bestätigt dies für Peru, ~Cieca~ für Quito
(I, S. 762), bestand diese Kultur dort schon seit langer Zeit, wie in
Brasilien die Kultur des verwandten _Solanum Commersonii_, während
sie in Mexiko unbekannt war. Die Europäer schenkten aber ebenso
wie die Eingeborenen Chiles der Pflanze keine besondere Beachtung.
Die Spanier brachten Mitte des XVI. Jahrh. die Pflanze nach Europa
und sie scheint zuerst in Sevilla als Zierpflanze angebaut worden
zu sein. ~Walter Raleigh~ und ~Thomas Herriott~, sowie ~Hawkins~
brachten 1585 (1586) Kartoffelknollen von Virginien (Carolina),
wohin _Solanum tuberosum_ wohl aus Südamerika gekommen war, nach
Europa (Island). ~Gerard~ (Herbal, vgl. I, S. 909) hatte die Pflanze
1597 in seinem Garten, vielleicht auch 1587 der Breslauer Arzt
~Scholz~. ~Clusius~, der sie 1588 von ~Philippe de Sivry~ erhielt
und in Wien kultivierte, beschrieb sie und bildete sie unter dem
Namen Papas Peruanorum ab (Rarior. plant. historia). Ende des XVI.
oder Anfang des XVII. Jahrh. war die Kultur der Kartoffel in Toscana
verbreitet (~Pater Magazzini~) und als ~Raleigh~ 1623 nochmals und
mit besserem Erfolge als das erste Mal Anbauversuche machte, waren
die Tartufoli schon in Spanien und Italien gut bekannt. 1588 kam
die Kartoffel nach Wien, 1591 nach Dresden. Anfang des XVII. Jahrh.
waren die Blüten bei der Pariser Hofgesellschaft sehr beliebt und
1616 kam der Knollen als besonderer Leckerbissen auf die königliche
Tafel. Die Knollen, von denen diese Kultur ausging, stammten nicht
von ~Raleigh~, sondern waren wohl direkt oder indirekt (über Spanien)
von Südamerika importiert. In Europa wurde die Kartoffel besonders
durch ~Francis Drace~ (I, S. 751), einem Verwandten von ~Hawkins~
gegen Ende des XVI. Jahrh. bekannt, doch ist es zweifelhaft, ob
die von ~Drace~ ursprünglich eingeführte Knollenfrucht nicht die
_Batate_ war. Von Italien kam die Kartoffel und ihr Name (s. oben)
nach Deutschland und wurde dort Mitte des XVIII. Jahrh. heimisch.
Ihre Kultur verbreitete sich aber nur langsam. 1678 fand sich die
Pflanze in den Gärten des ~Grossen Kurfürsten~, 1680 baute sie der
Bauer ~Hans Rogler~ in Selb (Nordost-Bayern) auf dem Felde. Und nun
breitete sich in Bayern und im Vogtlande der Anbau aus, der von den
Kanzeln herab empfohlen wurde. Noch ~Friedrich der Grosse~ mußte im
Teuerungsjahr 1745 energisch für sie eintreten und festen Fuß hat
sie bei uns eigentlich erst im Anfang des XIX. Jahrh. gefaßt. Die
russische Regierung zahlte noch Mitte des XIX. Jahrh. Prämien für
den Anbau. In größerem Maßstabe wird sie seit 1684 in Lancashire
(England), seit 1717 in Sachsen, seit 1728 in Schottland, seit 1738
in Preußen (im größeren Maßstabe seit den Jahren 1770-1772), seit
1783 in Frankreich angebaut. Dort wirkte der Apotheker ~Parmentier~
für sie und noch heute heißt die Kartoffelsuppe in Frankreich Soupe
Parmentier. Jetzt hat sich die Kartoffel sogar die Tropen (Gebirge in
Java) und das arktische Gebiet (Hammerfest) erobert.
Die Stammform von _Solanum tuberosum_ nennt ~Alph. de Candolle~:
_S. tuberosum_ α _Chiloense_ (gefunden 1862 von ~Philippi~ auf der
lnsel Chiloe). Er unterscheidet von ihr die Varietäten β _cultum_, γ
_Sabini_ und δ _Maglia_. Doch faßt ~Baker~ den Begriff S. tuberosum
weiter. Nach ihm erstreckt sich das Verbreitungsgebiet nicht nur
über Chile und Peru, sondern auch über Ecuador, Columbia, Costarica,
Mexiko und die südwestlichen Staaten von Nordamerika.