=Lit.= ~C. von Nägeli~, Die Stärkekörner. 1858. -- ~Wiesner-Hübl~,

Mikroskop. Untersuch. -- ~A. Meyer~, Unters. über die Stärkekörner.

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-- Über die Asche der Stärken: ~La Wall~, Am. journ. pharm. 1897.

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Wagner~, Die Stärkefabrikation. Braunschweig 1876. -- ~Seel~,

Gewinn. u. Darst. d. wichtigst. Nahr. u. Genußm. Stuttgart 1902.

-- Über die Bestimmung von Stärke in Getreidesamen nach ~Lindet~,

vgl. Zeitschr. Angew. Chemie 1898, 166. -- Über die Untersuchung

der Rohmaterialien und der Stärke: ~Eckenbrecher~ in ~Lunge~, Chem.

techn. Untersuchungsmethoden III, 494.

Vgl. ferner meinen Artikel Amylum in der Realenzyklopädie der ges.

Pharmazie I, S. 583, ~Euler~, Pflanzenchemie und ~Czapek~, Biochemie

(dort die bot. Lit.). -- ~Payen~, Mém. sur l’amidon, considéré sous

les points de vue anatomique, chimique et physiolog. Ann. sc. nat.

1838, II, 27 (erster Versuch einer mikroskop. Diagnose). -- Eine

ziemlich vollständige Liste der Stärke liefernden Pflanzen findet

sich in ~Wiesner~, Rohstoffe I, S. 564. Einen Bestimmungsschlüssel

gab ~Moeller~ (Mikroskopie). Die ~Dufour~sche Tabelle zur Bestimmung

der Stärkesorten ist abgedruckt in Pharm. Praxis 1904, S. 54. -- ~von

Hoehnel~, Die Stärke und d. Mahlprodukte. Allgem. Waarenk. Kassel

1882. -- ~Harz~, Landwirtsch. Samenkunde. Berlin 1885. -- ~Berg~,

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Mikroskopie d. Cerealien. Pharm. Centralh. 1884 und Pharmakogn. Atlas

1892, Taf. 1-27. -- ~W. Lenz~, Eine neue mikrochem. Unterscheid. d.

Roggen- und Weizenstärke. Apoth. Zeit. 1909 und Arb. aus d. pharm.

Inst. d. Univers. Berlin VII, 1910. -- ~Bloemendal~, Bijdragen tot de

Kennis van zetmeel. Pharm. Weekbl. 1906. -- ~Baur~ und ~Polenske~,

Trennung von Stärke u. Glykogen. Arb. d. Kais. Gesundheitsamt. 1906.

-- ~Fouard~, Sur les propriétés colloïdales de l’amidon et sur

l’unité de sa constitution. Bull. soc. chim. 1908. -- ~Lintner~,

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Jahresb. d. Schles. Ges. f. vaterl. Kultur. 1909. -- ~Dubasc~, Chem.

Zeit. 1904, 1149. -- ~Lagerheim~, Zeitschr. f. Mikrosk. 14. --

~Maquenne~, Bull. soc. chim. 1906. -- ~Wolff~ u. ~Fernbach~, Compt.

rend. 137 u. 138. -- ~Corsini~, La guaiaco reazione nella diagnosa

della farine. Riv. d’igiene e sanit. pubbl. 1905. -- ~Bellier~, Ann.

de chim. analyt. 1907, 224 (Verwendung des KOH, auch in Rev. intern.

des falsific. et d’analyse d. mat. aliment. 1907).

I. Stärke aus unterirdischen Organen.

a) Amylum solani.

=Syn.= Kartoffelstärke, -- fécule de pomme de terre (franz.) -- potato

starch (engl.) -- aardappelzetmeel (holl.) -- amido di patate (it.) --

potaatti tärkkelys (fin.) -- ἄμυλον γεωμήλων (n.-griech.).

=Stammpflanze und systemat. Stellung. Solanum tuberosum L.= (~Linné~,

Spec. plant. 183), Erdapfel, Erdbirne, Grundbirne, Potacke mit

zahlreichen (c. 900) Varietäten, Sorten und Kulturrassen.

+Solanaceae+, Solaneae -- Solaninae, Sect. Pachystemonum.

=Etym.= Die Italiener nannten die Kartoffel wegen ihrer Ähnlichkeit

mit der Trüffel tartufo, daraus entstand (zwischen 1650 und 1760)

durch Dissimilierung das deutsche, noch jetzt im Elsaß gebräuchliche

tartuffel (tuften, tüften in Mecklenburg). Unwahrscheinlich erscheint

die Umbildung aus Erdapfel (mhd. ërtapfel = Trüffel?), Herdapfel

(Erdtuffel, Artoffel) = pomme de terre. Auch der Name Grumbirn

(= Grundbirne, Erdbirne) deutet auf das subterrane Vorkommen der

Knollen. Das engl. potato ist angeblich haitischen Ursprungs

(Pataken, ostfränk.) -- Nachtschatten = schwarzer Schaden --. Solanum

von solari trösten, stärken oder von solo den Sonnenstich verursachen

= verrückt machen (~Kanngiesser~). -- Der Strychnos der Alten war

wohl ein Solanum. -- +Der+ Knollen besser wie +die+ Knolle.

=Beschreibung.= _Solanum tuberosum_ ist ein vieljähriges,

angedrückt behaartes, ästiges Kraut von 50-120 cm Höhe, mit

unterbrochen fiederschnittigen Blättern -- Endlappen größer als die

schiefherzförmigen Seitenlappen -- Blüten weiß oder violettrötlich mit

flach radförmiger Krone in doldenartigen Wickeln. Früchte gelbgrüne,

etwa kirschengroße Beeren. Die Pflanze wird nur durch die Knollen,

nicht durch die Samen fortgepflanzt. In den Achseln der unteren

Blätter der Pflanze, sogar der schrumpfenden Cotyledonen (ct in Fig.

52), entspringen unterirdische Ausläufer (Wandersprosse), welche mit

Niederblättern (éc) besetzt sind und Nebenwurzeln (r’) treiben, jedoch,

wenn sie ans Licht kommen, auch zu Laubsprossen werden können. Die

Enden dieser unterirdischen Ausläufer werden durch Anschwellen zu

knollenartigen Speichersprossen (tb). Diese bilden die Kartoffeln.

In ihnen ist das stärkeführende Speicherparenchym des Markes stark

vermehrt (Hypertrophie des Markes). Die einen randständigen Kreis

bildenden Gefäßbündel sind nur klein. Außen ist der Knollen von einem

mehrreihigen Kork umgeben, der das wasserreiche Knollengewebe vor dem

Austrocknen schützt (Fig. 53). Da und dort finden sich am Knollen

kleine schuppenförmige Niederblätter, in deren Achseln Knospen, die

sog. «Augen» (br. Fig. 52) liegen, die austreiben können, bei der

Vermehrung der Kartoffel dies auch tun und eine neue Pflanze erzeugen.

Die Parenchymzellen der Randschichten sind kleiner als die der inneren

Partien. Die roten Sorten enthalten in allen Zellen neben Stärke

einen roten Zellsaft, die rotschaligen nur in den Randschichten. Die

Kartoffel enthält 15-20% Stärke (zahlreiche Analysen bei ~König~).

Doch steigt in einigen Sorten der Stärkegehalt bis 22 oder gar 24%. In

Deutschland allein sind c. 3 Mill. Hektar unter Kartoffelbau.

[Illustration: Fig. 52.

_Solanum tuberosum._

Bildung der Knollen (Speichersprosse) an unterirdischen Wandersprossen.

Unten Längsschnitt durch die Spitze eines jungen Knollen. [Aus +Sachs+,

Lehrbuch.]]

=Pathologie.= Prof. E. ~Fischer~ berichtet über die pflanzlichen

Schädlinge: Die wichtigste Krankheit der Kartoffel wird hervorgerufen

durch _Phytophthora infestans_ (~Mont~) ~de Bary~. Dieser Parasit

bewirkt ein Absterben des Krautes, das natürlich auch ein

Zurückbleiben der Knollenentwicklung zur Folge haben kann. Aber

es geht der Pilz selber auch auf die Knollen über, Bräunung und

Absterben ihres Gewebes bedingend. Sekundär hinzutretende Bakterien

und Schimmel vollenden dann den Zersetzungsvorgang. Indes scheinen

gewisse Schimmelpilze, namentlich _Fusarium Solani_ (~Mart.~)

~Sacc.~, auch selbständig Erkrankung (Trockenfäule), wenigstens

bei verwundeten Knollen, hervorrufen zu können. Eine Chytridiacee

_Chrysophlyctis endobiotica_ ~Schilbersky~ wird als Erreger

einer +Schorfkrankheit+ der Kartoffel angesehen. Endlich sind in

neuerer Zeit auch eine Reihe von primären Bakterienkrankheiten der

Kartoffelknollen beschrieben worden.

=Lit.= ~Appel~ und ~Kreitz~, Der derzeitige Stand unserer Kenntnisse

von den Kartoffelkrankheiten und ihre Bekämpfung. Mitt. Kais.

Biol. Anstalt f. Land- und Forstwirtschaft 1907, Heft 5. -- Über

die Bekämpfung der Kartoffelkrankheit mit Bordeauxbrühe vgl. auch

~Tschirch~, Das Kupfer vom Standpunkt der Hygiene usw. Stuttgart 1893.

Über tierische Schädlinge berichtet ~Israël~:

1. +Käfer.+ _Agriotes lineatus_ L.: Larve die Kartoffelknollen

durchlöchernd, sonst an Getreide- und Graswurzeln. _Melolontha

vulgaris_ L., der Maikäfer: Der Engerling lebt an den Wurzeln aller

möglichen Pflanzen und Waldbäume, auch oft in großen Mengen an den

Kartoffelknollen.

2. +Schmetterlinge.+ _Acherontia atropos_ L., der Totenkopf: Die

in Mittel- und Norddeutschland vorkommenden Raupen stammen von

Faltern, die im Mai aus südlicheren Ländern (Ungarn) zugeflogen sind.

Sie leben meist auf Kartoffelkraut, doch auch, wenn sie häufiger

auftreten, auf _Datura_, _Lycium_, _Hyoscyamus_, _Daucus_, _Syringa_,

_Philadelphus_ usw. Schädlich wird die Raupe wohl niemals, da sie

meist einzeln vorkommt. _Calocampa exoleta_ L.: Die polyphage, sehr

schöne Raupe, lebt unter andern auch an Kartoffelkraut.

3. +Fliegen.+ _Sciaria vitripennis._ ~Klug~.: Die Made dieser Fliege

lebt gern an faulenden Kartoffeln in Kellern.

In Kartoffelstärke findet sich bisweilen die Milbe _Aleurobius

farinae_.

[Illustration: Fig. 53.

Querschnitt durch die Randschicht des Kartoffelknollen.

[+Tschirch+.]]

=Darstellung von Kartoffelstärke.= Kartoffelstärke wird in größerem

Stil seit 1846 fabrikmäßig dargestellt. Die in Trommeln gewaschenen

Kartoffeln werden in Zerkleinerungsapparaten zerrieben und samt

dem Kartoffelsaft (Fruchtwasser) durch Siebapparate geleitet (Fig.

54). Die zurückbleibende Pulpa wird entweder verfüttert oder auf

Mühlsteinen vermahlen und durch die Siebapparate geschickt. Die

Gemische von Fruchtwasser und Stärke werden vereinigt (Rohstärkemilch),

durch mehrere Siebe (Fein- oder Raffiniersiebe) von den Fasern und

Schalenteilchen befreit und in gemauerten Absatzkästen (Sedimenteurs)

6-10 Stunden sedimentiert (bisweilen unter Zusatz von Schwefelsäure)

oder zunächst durch 20 m lange Rinnen (Flutensystem) geschickt, in

denen sich die gröberen Stärkekörner absetzen und dann zum Absetzen

der feinsten Körner in Bottiche geleitet. Nach dem Absetzen wird

das Fruchtwasser abgelassen, die oft noch stark gefärbte Rohstärke

herausgestochen und in Waschbottichen (Laveurs) mit Rührwerken

gewaschen (Fig. 55). Es setzt sich dann am Boden reine Stärke

(Schlemm-, Schabe-, Hinter-Stärke) und darüber gefärbte Schlammstärke

ab, die nach dem Abziehen des Waschwassers vorsichtig von der reinen

Stärke getrennt wird, die man entweder als +grüne Stärke+ in den Handel

bringt bzw. auf Dextrin oder Traubenzucker verarbeitet oder durch

Waschen noch weiter reinigt und nach dem Abcentrifugieren des Wassers

(in Raffiniercentrifugen) auf Horden oder in mechanischen Apparaten

trocknet.

Die grüne Stärke enthält bis 50%, die centrifugierte c. 35%, die

fließende oder kaufechte, bei gewöhnlicher Temperatur getrocknete

14-20%, die getrocknete 8-15, meist 12% Wasser. Letztere kommt in

Stücken oder gemahlen als Pulver in den Handel. Das Trocknen erfolgt

meist auf Gipsböden in großen Trockenkammern (Fig. 56) bei höchstens

40° in lebhaftem Luftzuge. Die Schlammstärke geht entweder in die

Branntweinbrennerei oder wird, mit Wasser gemischt, in großen Behältern

mit Rührwerk am Absetzen verhindert, dann auf Schüttelsiebe gebracht

und nach dem Flutensystem durch Schlemmrinnen oder Schlemmtafeln

geschickt. Aus dem Fruchtwasser wird meist noch Sekundastärke

abgeschieden. Der Schlamm, die Pülpe (Kartoffelfaser, petit sous)

und die Abwässer werden entweder zu Futtermitteln (Pülpekleie)

verarbeitet oder zu Düngezwecken benutzt. (Vgl. auch die Darstellung in

~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas.)

[Illustration: Fig. 54.

+Stärkefabrik+, Grundriß (unten) und Durchschnitt (oben) (für

Kartoffel- und Cassavestärkefabrikation).

1. Kocher (Boiler), 2. Maschine, 3. Wäscher, 4. Reiber, 5. Reiber Tank,

6. Pumpe vom Reiber Tank zum Sieb, 7. Zylindersieb, 8. Schüttelsieb,

9. Stärkeablagerungs-Tank, 10. Rühr-Tanks, 11. Milch-Tanks, 12.

Milchpumpe, 13. Zentrifugal-Tank, 14. Zentrifuge, 15. Stärke-Elevator,

16. Trockenzimmer, 17. Pulp-Tank, 18. äußere Ablagerungs-Tanks,

19. Wasser aus dem Wascher, 20. Ausfluß zur Bewässerung (w.

Frisch-Wasser-Pumpe). [Nach +Wiley+.]]

Bei der ~Völcker~schen Methode werden die in Scheiben geschnittenen

Kartoffeln in Haufen gären gelassen und der Brei ausgewaschen.

Bisweilen werden beim Reinigungsprozeß außer Schwefelsäure auch

Ammoniak, Soda, Pottasche, Natronlauge herangezogen und zum Bleichen

Chlor benutzt.

Man erhält jetzt etwa 15-18% Stärke aus den Kartoffeln. Mehr als 80%

der in der Kartoffel enthaltenen Stärke läßt sich nicht gewinnen;

selbst ein rationeller Betrieb erzielt meist nur 66-75%, da selbst die

vollkommensten Reiber nicht alle Zellen öffnen. In den Kartoffelknollen

finden sich auch Histidin, Lysin und Arginin (~E. Schulze~). Die

Zusammensetzung ist der ähnlich, die wir bei etiolierten Keimpflanzen

finden.

Die Kartoffelstärkefabrikation wurde von ~N. J. Bloch~ 1811 im Elsaß

(Düttlenheim) begründet. Vorher, im XVIII. Jahrh., bestand sie nur

als Hausindustrie. Sie blüht jetzt besonders in Frankreich (Depart.

Vosges, Oise, Loire, Sarthe, Seine) und Deutschland. Hier seit

den dreißiger Jahren des XIX. Jahrh. In Deutschland bestehen 663

Kartoffelstärkefabriken, besonders in Preußen (630), Mecklenburg,

Anhalt, Braunschweig, Hessen. Auch Nordamerika produziert jetzt viel

Kartoffelstärke.

[Illustration: Fig. 55. +Stärkewäscher+ (für Kartoffel- und

Cassavestärkefabrikation) innere Ansicht. [Nach +Wiley+.]]

[Illustration: Fig. 56. Stärketrockenraum (für Kartoffel- und

Cassavestärke). [Nach +Wiley+.]]

Die Jahresproduktion betrug 1897 c. 1 Mill. dz grüne und c. 3 Mill.

dz trockene Stärke (~Saare~).

+Nordamerika+ produzierte bereits 1899: 15500 tons Kartoffelstärke.

Davon entfielen auf Maine und New Hampshire 9000, auf New York 400,

auf Wisconsin und andere Weststaaten 6100 t.

+Hamburg+ importierte 1908 seewärts 89613 dz +Kartoffelstärke+

und +Kartoffelmehl+, (davon 82388 dz aus den Niederlanden) und

exportierte 123948 dz.

+Deutschland+ exportierte 1909: 303032 dz Kartoffelstärke, etwa die

Hälfte nach Großbritannien.

=Handel.= Im Handel findet sich die Kartoffelstärke entweder in

Pulverform oder in unregelmäßigen Stücken, Brocken (Brockenstärke,

Schäfchen) oder in Form runder, gepreßter Stengelchen (Stengel- oder

Kristallstärke). Die grüne Stärke heißt im Handel auch Naßstärke.

Das Kartoffelmehl des Handels ist meist auch nichts anderes als

Kartoffelstärke. Der Großhandel unterscheidet aber zwischen

Kartoffelmehl und Kartoffelstärke (~Julius Grossmann~) -- letztere ist

etwas teurer. Bei beiden, die in Säcken à 100 kg gehandelt werden,

werden die Qualitäten superior und prima unterschieden.

=Anatomie.= Die +Stärkekörner+ variieren in der Größe außerordentlich.

Von ganz kleinen, wenige mik großen findet man alle Übergänge bis zu

Körnern von 90, 100 mik und darüber (selten 110-145) Längsdurchmesser.

Die größten erscheinen daher schon mit bloßem Auge als feine helle

Pünktchen. In der Kartoffelstärke des Handels fehlen jedoch die

ganz kleinen und oft auch die ganz großen, denn sie ist ja ein

Schlämmprodukt. Die Fabrikation erzeugt jetzt oft durch sorgfältiges

Schlemmen Kartoffel-Stärkesorten, die bald kleine, bald mittlere,

bald große Stärkekörner enthalten. Die besten Sorten enthalten

die größten Körner. So fand ~Saare~ den mittleren Durchmesser bei

Superior 32,8-35,5, bei Prima 21, bei Sekunda 16,9, bei Tertia 12,5

mik. Alle Körner sind exzentrisch (⅓-⅙), was leicht durch das

Polarisationsmikroskop festgestellt werden kann. Der Kern liegt am

schmäleren Ende der entweder rein ovalen oder unregelmäßig rhombischen,

keil- oder beilförmigen, oder ellipsoidischen Körner. Meist ist auch

die Schichtung sehr deutlich: einige grobe und zahlreiche sehr feine

Schichten. Als Nebenform findet man kleine rundliche und mittelgroße,

halb- oder ganz- (zu 2-3) zusammengesetzte Körner mit oft tiaraförmigen

Teilkörnern.

[Illustration: Fig. 57.

+Kartoffelstärke.+ y zusammengesetzte, x halbzusammengesetzte Körner.

[Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

=Chemie.= Trockene Kartoffelstärke enthält durchschnittlich: 79,64%

Stärke, 19,22% Wasser, 0,69% Stickstoffsubstanz, 0,33% Asche, 0,08%

Rohfaser und 0,04% Fett. Grüne (feuchte) Kartoffelstärke enthält

nach ~Saare~ im Durchschnitt: 48,5% Wasser, 50,5% Stärke, 0,12%

Fruchtwasserreste, 0,22% Sand, 0,15% Faser. Kartoffelstärke reagiert

schwach sauer (Schwefelsäure aus dem Sedimenteur oder Milchsäure vom

~Völcker~prozeß). Langes Auswaschen mit verdünntem Ammoniak entfernt

die Säure (~Fesca~). ~Soxhlet~ fand (vor längerer Zeit) in der

Kartoffelstärke 0,108 bis 0,765 (im Mittel 0,331)% freie Säure auf

Milchsäure berechnet. Sehr selten reagiert Kartoffelstärke alkalisch.

Der aus Kartoffelstärke bereitete Kleister ist klar (Unterschied von

Weizenstärkekleister) und riecht unangenehm durch aus der Fabrikation

herrührende Zersetzungsprodukte, die von den Körnern absorbiert

wurden. Dieser sog. Krautgeruch tritt besonders beim Behandeln mit

Schwefelsäure oder Salzsäure hervor. ~Payen~ isolierte den riechenden

Körper, der nur höchstens zu 0,01% vorhanden ist. Er läßt sich durch

Soda entfernen (~Martin~). Kartoffelkleister schäumt nicht, wie die

kleberhaltigen Kleister der Cerealien.

=Verfälschung.= Kartoffelstärke wird öfter zur Verfälschung anderer

Stärke- oder Mehlsorten benutzt, doch ist beste Kartoffelstärke teurer

als feinstes Weizenmehl. Daher findet man auch bisweilen umgekehrt

Kartoffelstärke mit anderen Mehlen vermischt. Hier entscheidet

das Mikroskop. Kartoffelstärke verkleistert mit Alkalien (z. B.

2-4% Ätzkali) leichter als Weizenstärke. Darauf wurde ein Nachweis

der Kartoffelstärke im Weizenmehl gegründet (~Krüger~ 1885). Die

mikroskopische Prüfung ist aber sicherer und rascher.

=Prüfung.= Für die Prüfung kommt in erster Linie das Mikroskop in

Betracht. Der Wassergehalt soll 16% nicht viel überschreiten (max.

18%), was entweder mit dem (übrigens nur unsichere Resultate gebenden)

~Bloch~schen Fekulometer oder durch direkte Trockengewichtsbestimmung

(~Saare~) ermittelt wird. Die Asche darf 0,5% nicht übersteigen, der

Rohfasergehalt nicht 0,2-0,3%.

=Anwendung.= Kartoffelstärke ist ein wichtiges Appreturmittel und

wird zum Stärken und Leimen des Papiers viel benutzt, neuerdings

auch zur Herstellung von sog. deutschen Sago (Kartoffelsago,

Kartoffeltapioka, imitierter Sago), minderwertigen Macaronis,

Vermicelli usw. herangezogen. Sie wird in der Papierfabrikation,

zum Stärken der Wäsche, zum Appretieren feiner Gewebe, zur

Weberschlichte, beim Zeugdruck, zur Kleisterdarstellung, zur

Fabrikation von Stärkezucker, Stärkesirup und Dextrin (Leiogomma),

zur Herstellung von Puder (Poudre de riz, P. de serail, Blanc

végétal) und Celluloid (C. A. ~Wolff~) und zum Auspudern der Formen

der Metallgießereien benutzt. Sie dient auch für sich selbst und in

Gemisch mit anderen Stärkesorten als Nährmittel (Kraftmehl, Amidon,

Solanta, Semoule d’Igname) -- ist aber nur von wenigen Pharmakopoëen

(franz., holl.) aufgenommen. Die +Waschblaukugeln+ bestehen aus Gips,

Kartoffel- und Weizenstärke mit einem Zusatz von Ultramarin, Smalte

oder einem anderen blauen Farbstoffe, die +Glanz+stärke enthält

Stearinsäure, Walrat, Gummi, Borax u. a. mehr.

=Geschichte.= Die Heimat der Kartoffel ist Chile und Peru (~De

Candolle~). Es ist aber nicht sicher, ob wirklich das Mehl der in

der Sonne getrockneten Kartoffeln bei den Eingeborenen von Peru und

Chile seit Urzeiten in Gebrauch war. Die Chuña ist etwas anderes.

Nämlich eine seit Jahrhunderten benutzte, noch heute dargestellte,

aus gefrorenen +Kartoffeln+ (vielleicht von _Solanum Maglia_

~Schlchtdl.~ oder _Sol. immite_ ~Dunal~?) in den Anden Südamerikas

bereitete Konserve (~Hartwich~). Jedenfalls fand ~Pizarro~ 1526 in

Peru und ~Diego D’Almagro~ 1535 in Chile Kartoffeln in reichlicher

Benutzung, als sie das Land betraten und die Kultur der Pflanze

bestand zu jener Zeit in Südamerika von Chile bis nach Neu-Granada.

Möglicherweise, ~Acosta~ bestätigt dies für Peru, ~Cieca~ für Quito

(I, S. 762), bestand diese Kultur dort schon seit langer Zeit, wie in

Brasilien die Kultur des verwandten _Solanum Commersonii_, während

sie in Mexiko unbekannt war. Die Europäer schenkten aber ebenso

wie die Eingeborenen Chiles der Pflanze keine besondere Beachtung.

Die Spanier brachten Mitte des XVI. Jahrh. die Pflanze nach Europa

und sie scheint zuerst in Sevilla als Zierpflanze angebaut worden

zu sein. ~Walter Raleigh~ und ~Thomas Herriott~, sowie ~Hawkins~

brachten 1585 (1586) Kartoffelknollen von Virginien (Carolina),

wohin _Solanum tuberosum_ wohl aus Südamerika gekommen war, nach

Europa (Island). ~Gerard~ (Herbal, vgl. I, S. 909) hatte die Pflanze

1597 in seinem Garten, vielleicht auch 1587 der Breslauer Arzt

~Scholz~. ~Clusius~, der sie 1588 von ~Philippe de Sivry~ erhielt

und in Wien kultivierte, beschrieb sie und bildete sie unter dem

Namen Papas Peruanorum ab (Rarior. plant. historia). Ende des XVI.

oder Anfang des XVII. Jahrh. war die Kultur der Kartoffel in Toscana

verbreitet (~Pater Magazzini~) und als ~Raleigh~ 1623 nochmals und

mit besserem Erfolge als das erste Mal Anbauversuche machte, waren

die Tartufoli schon in Spanien und Italien gut bekannt. 1588 kam

die Kartoffel nach Wien, 1591 nach Dresden. Anfang des XVII. Jahrh.

waren die Blüten bei der Pariser Hofgesellschaft sehr beliebt und

1616 kam der Knollen als besonderer Leckerbissen auf die königliche

Tafel. Die Knollen, von denen diese Kultur ausging, stammten nicht

von ~Raleigh~, sondern waren wohl direkt oder indirekt (über Spanien)

von Südamerika importiert. In Europa wurde die Kartoffel besonders

durch ~Francis Drace~ (I, S. 751), einem Verwandten von ~Hawkins~

gegen Ende des XVI. Jahrh. bekannt, doch ist es zweifelhaft, ob

die von ~Drace~ ursprünglich eingeführte Knollenfrucht nicht die

_Batate_ war. Von Italien kam die Kartoffel und ihr Name (s. oben)

nach Deutschland und wurde dort Mitte des XVIII. Jahrh. heimisch.

Ihre Kultur verbreitete sich aber nur langsam. 1678 fand sich die

Pflanze in den Gärten des ~Grossen Kurfürsten~, 1680 baute sie der

Bauer ~Hans Rogler~ in Selb (Nordost-Bayern) auf dem Felde. Und nun

breitete sich in Bayern und im Vogtlande der Anbau aus, der von den

Kanzeln herab empfohlen wurde. Noch ~Friedrich der Grosse~ mußte im

Teuerungsjahr 1745 energisch für sie eintreten und festen Fuß hat

sie bei uns eigentlich erst im Anfang des XIX. Jahrh. gefaßt. Die

russische Regierung zahlte noch Mitte des XIX. Jahrh. Prämien für

den Anbau. In größerem Maßstabe wird sie seit 1684 in Lancashire

(England), seit 1717 in Sachsen, seit 1728 in Schottland, seit 1738

in Preußen (im größeren Maßstabe seit den Jahren 1770-1772), seit

1783 in Frankreich angebaut. Dort wirkte der Apotheker ~Parmentier~

für sie und noch heute heißt die Kartoffelsuppe in Frankreich Soupe

Parmentier. Jetzt hat sich die Kartoffel sogar die Tropen (Gebirge in

Java) und das arktische Gebiet (Hammerfest) erobert.

Die Stammform von _Solanum tuberosum_ nennt ~Alph. de Candolle~:

_S. tuberosum_ α _Chiloense_ (gefunden 1862 von ~Philippi~ auf der

lnsel Chiloe). Er unterscheidet von ihr die Varietäten β _cultum_, γ

_Sabini_ und δ _Maglia_. Doch faßt ~Baker~ den Begriff S. tuberosum

weiter. Nach ihm erstreckt sich das Verbreitungsgebiet nicht nur

über Chile und Peru, sondern auch über Ecuador, Columbia, Costarica,

Mexiko und die südwestlichen Staaten von Nordamerika.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 23 / 120 段