=Lit.= ~Johnston~, Manna von Eucal. mannifera. Chem. Gaz. 1843

(Jahresb. d. Pharm. 1849). -- ~Thomson~, Ebenda. -- ~Berthelot~,

Annal. d. chim. et phys. (3) 46. -- ~Rischbieth~ und ~Tollens~,

Melitose aus Eucalyptus-Manna, Ber. d. d. chem. Ges. 18, S. 2615. --

~Scheibler~ und ~Mittelmeier~, Ber. d. d. chem. Ges. 22, S. 1678.

-- ~Passmore~, Manna von Euc. Gunnii Pharm. Journ. Transact 1891,

p. 717. -- ~Maiden~, Chemistry of australian indigenous vegetation.

Am. Journ. pharm. 1896. -- ~Ebert~, Beitr, z. Kenntn. seltener

Mannasorten. Diss. Zürich 1908. Weitere Literatur s. oben.

b) Lärchen-Manna.

Das _Lärchenmanna_, Manna von Briançon, Manna brigantiaca, Manna

brianzona (so in dem Frankfurter Catalogus von 1582 I, S. 817;

in dem Pariser Zolltarif von 1542 steht: Manne de Dauphiné et de

Provence I, S. 815; ebenso in den Edicts (I, S. 706), bei ~Pomet~

heißt sie auch _Manna laricaea_) tritt auf jungen Trieben aller

Bäume von =Larix europaea L.= im Sommer auf und wird wohl nur in dem

Dauphiné bei Briançon (Depart. des Hautes-Alpes) in beschränktem Maße

gesammelt. Es diente in Frankreich früher als gelindes Abführmittel.

Zur Zeit ~Geoffroys~ (I, S. 947), der es als +Manne de Melèze+

bezeichnet, war sie in Gebrauch. Jetzt scheint es auch in Frankreich

ohne Bedeutung zu sein. Es bildet trockene weißliche Körnchen, die

ihre kristallinische Beschaffenheit der Melezitose (~Berthelot~,

~Alechin~) verdanken.

Ein, wie es scheint, ähnliches _Manna_ findet sich auf =Cedrus

libanotica=. ~Pomet~ bezeichnet es als sehr selten und sehr geschätzt

unter dem Namen «Manne masticine du Levant ou de Syrie». In der

Brandenburgischen Taxe 1574 (I, S. 817) heißt es _Manna Syriaca,

i. e. mastichina optima_, Manne de Levant. Es ähnelt dem calabrischen

Manna und bildet Körner ähnlich dem _Mastix_. Es ist wohl dasselbe,

welches ~Geoffroy~ Cédrine nennt und von dem er meint, daß es schon

dem ~Hippokrates~ und ~Galen~ bekannt gewesen sei.

Auch =Pinus excelsa= ~Wallich~ (und _P. longifolia_) liefert in

Indien, besonders bei Simla im Himalaya (~Flückiger~) ein Manna.

~Watt~ bemerkt, daß dies in größerer Menge nur alle 20 Jahre

auftretende _Manna_ die Zweige und Nadeln inkrustiere und auch auf

den Boden tropfe. Er hält es für identisch mit dem Libanonceder-Manna

(siehe oben).

In Nordamerika liefert die +Zuckerfichte+ =Pinus Lambertiana= ein

zuckerreiches _Manna_ (~Lloyd~). Vgl. auch ~Thurber~, California

Manna, Ph. J. 1877, 893 (_Pinus Lambertiana_ liefert angebrannt

«Pinit», ein Manna). Ähnliche Zuckeraussonderungen wurden beobachtet

an _Libocedrus decurrens_ und einer and. californ. Conifere.

=Lit.= ~Pomet~, Hist. gen. d. drog. p. 238. -- ~Geoffroy~, Tract. d.

mat. med. 1757, IV, p. 142. -- ~Watt~, Dictionary. -- ~Berthelot~,

Ann. chim. phys. (3) 55. -- ~Alechin~, Journ. d. russ. chem. Ges. 21,

S. 420. -- ~Lloyd~, Californische Manna. Ber. d. pharm. Ges. 1897.

Keine der oben (S. 131 bis 136, S. 147 und S. 151 bis 152) behandelten

Mannaarten enthält +Mannit+.

D. Drogen, welche Tetrasaccharide enthalten.

Von den Tetrasacchariden ist nur die aus den Knollen von _Stachys_arten

durch ~von Planta~ und ~E. Schulze~ 1890 isolierte +Stachyose+ bekannt,

die mit der +Manneotetrose+ (Mannatetrasaccharid), die ~Tanret~ 1903

aus dem Eschenmanna isolierte (vgl. S. 109), identisch ist. Sie

reduziert, besitzt die Formel C₂₄H₄₂O₂₁.4 H₂O und zerfällt bei leichter

Hydrolyse in Manninotrisaccharid (Manninotriose oben S. 109) und

Fruktose, bei vollständiger Spaltung in 1 Mol. Glukose, 1 Mol. Fruktose

und 2 Mol. Galaktose. [Lit. in ~Lucien Piault~, Sur le Stachyose Thèse.

Paris 1910.]

E. Polysacchariddrogen.

Zu den Polysacchariden gehören die Stärke, das Dextrin, das Inulin

und die große Klasse der Membranine, zu der wir die Zellulose

und ihre Modifikationen, z. B. die Hemizellulosen, Lichenin, die

Membranschleime, das Pektin, das Gummi und verwandte Bildungen

ziehen müssen, und denen wir dann auch Kork, Cutin, Pollenin, die

Pilzzellulose und das Chitin angliedern können. Ihre Konstitution ist

noch nicht bekannt. Wir gründen unsere Anschauungen auf die Tatsache,

daß aus allen diesen Substanzen bei geeigneter Behandlung, besonders

bei der hydrolytischen Spaltung, Körper der Zuckergruppen entstehen.

[Eine ganz abweichende, sehr fragwürdige Anschauung vertritt neuerdings

~Jentys~ (Bull. Acad. Cracovie. 1907), der alle oben genannte

Substanzen für kolloidale Tannidglykoside hält.]

I. Stärkegruppe.

+Stärkemehl+, +Stärke+, +Satzmehl+ -- amidon, fécule (franz.) (im Code

franc. steht +amidon+ de blé und +fécule+ de pomme de terre) -- starch

(engl.) -- zetmeel (holl.) -- amido (ital.) -- almidon (span.) -- amido

(port.) -- amydonu (rum.) -- stärkelse (schwed.) -- tärkkelys (finn.)

-- kemenyitő (ung.) -- ἄμυλον (griech.).

Wenn wir auch nicht annehmen können, daß die Stärke das +erste+

Assimilationsprodukt der Pflanze ist -- das sind wohl andere Körper

der Zuckergruppe --, so ist sie doch sicher das erste +sichtbare+,

das in Form sehr kleiner Körnchen im Innern der Chlorophyllkörner

auftritt (Assimilationsstärke). Ebenso +wandern+ die Kohlehydrate

wohl auch nicht in Form von Stärke, obwohl wir in den Leitungsbahnen

oder deren Nähe oft kleine Stärkekörnchen antreffen (transitorische

Stärke), sondern ebenfalls in Form von anderen Gliedern der

Zuckergruppe. [Die Ausfällung der löslichen Stärke in den Pflanzen

soll (nach ~Wolff~ und ~Fernbach~) durch ein Ferment (Amylokoagulase)

bewirkt werden.] Sicher aber ist die Stärke die Form, die die im

Assimilationsprozeß gebildeten Kohlehydrate am häufigsten annehmen,

wenn es sich darum handelt, das Material in Form von Reservestoffen zu

deponieren (Reservestärke). Nicht nur in Vegetationsorganen, in den

unterirdischen Reservebehältern (Knollen, Rhizomen, überwinternden

Wurzeln), sowie im Stamm und immergrünen Blättern, sondern auch in

den oberirdischen Reproduktionsorganen (Samen und Früchten) finden

wir in unzähligen Fällen Reservestärke in großer Menge (60 bis 80,

in einzelnen Teilen des _Mais_korns bis 93%) abgelagert, und gerade

diese Organe sind es daher, die eine technische Ausbeutung der Stärke

erlauben und denn auch in der Tat dazu herangezogen werden, während

Assimilations- und transitorische Stärke in zu geringen Mengen

vorkommen, um eine Darstellung lohnend erscheinen lassen. Aus Knollen

wird die Kartoffelstärke, aus Rhizomen das St. Vincent Arrowroot, aus

dem Stamm der Sago, aus dem Endosperm der Samen die verschiedenen

Cerealienstärkesorten, aus den Cotyledonen die Leguminosenstärke

dargestellt. Die Franzosen unterscheiden die Stärke der Samen als

+Amidon+ von der Stärke der unterirdischen Organe, der +Fécule+, doch

werden neuerdings (L. ~Planchon~ 1910) beide Worte auch als synonym

promiscue benutzt. Der Gehalt der unterirdischen Reservebehälter an

Stärke schwankt nach der Vegetationsperiode. Für die Fabrikation ist es

wichtig festzustellen, wann das Organ die meiste Stärke enthält.

Die Stärke ist bei den Drogen ein sehr verbreiteter

Zellinhaltsbestandteil, ohne daß man sagen kann, daß die Wirkung

vieler derselben auf die Stärke zurückzuführen ist. Sie fehlt _Rhiz.

graminis_, _Rad. gentianae_, _Rad. Saponariae_, _Rad. Senegae_ und

wird hier durch andere Reservestoffe vertreten. Bei den unterirdischen

Organen der Compositen, Campanulaceen, Goodeniaceen und Stylidieen ist

sie durch Inulin ersetzt. Beim Austreiben der Vegetationsorgane und

beim Keimen der Samen wird die Stärke allmählich gelöst. Die Körner

zeigen Korrosions- und Abschmelzungserscheinungen (Fig. 51). Man kann

also anatomisch feststellen, ob z. B. gekeimtes Getreide vorliegt.

Die Umwandlung der Stärke in Zucker erfolgt bei der Keimung durch

Sekretionsdiastase, bei dem sog. Transport der (transitorischen)

Stärke, wobei ebenfalls Lösung eintritt, durch eine besondere (?)

Translokationsdiastase.

[Illustration: Fig. 51.

+Stärke aus gekeimtem Weizen.+ [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

Daß die Stärke ein Polysaccharid ist, gründen wir auf ihr Verhalten zu

Enzymen und bei der Hydrolyse. Läßt man Diastase auf Stärkekleister

einwirken, so geht allmählich die Blaufärbung durch Jod verloren. Jod

färbt zunächst purpurrot, dann braunrot und schließlich gar nicht mehr.

Es entstehen zunächst Amylodextrine. Die Endprodukte sind Dextrin,

Maltose und Dextrose. Das Enzym Amylase, richtiger Amylomaltase,

verwandelt Stärkekleister (nicht unverletzte Kartoffelstärke) zunächst

in ein hochmolekulares Dextrin und Maltose (Weizen- und Gerstenstärke

werden direkt angegriffen, ~Dubrunfaut~). Unter Umständen werden beide

durch Amyloglykase weiter in Dextrose übergeführt:

(C₆H₁₀O₅)ⁿ + H₂O --> (C₆H₁₀O₅)ⁿ⁻² + C₁₂H₂₂O₁₁,

Stärke hochmolekulares Maltose

Dextrin

(C₆H₁₀O₅)₂ + H₂O --> C₁₂H₂₂O₁₁,

abgebautes Dextrin Maltose (vgl. S. 115)

C₁₂H₂₂O₁₁ + H₂O --> 2(C₆H₁₂O₆).

Maltose Dextrose (vgl. S. 6)

Auch beim trocknen Erhitzen auf 150-180° verwandelt sich Stärke in

Dextrin. Auch hier entsteht daneben Zucker.

Es gelang ~Maquenne~, die Stärke vollständig zu verzuckern und so den

Beweis zu erbringen, daß sie +ausschließlich aus Maltosanen+ besteht.

~A. Meyer~ nimmt an, daß die Stärkekörner neben sehr wenig Amylodextrin

und etwas mehr (0,6-2,5%) nicht mit Jod sich bläuender α-+Amylose+

(Stärkezellulose, ~Nägeli~, ~Brown~, ~Hérou~) vornehmlich β-+Amylose+

(Granulose, ~Nägeli~) enthalten. Andere (~Syniewski~) halten sie für

einheitlich, ~Fouard~ für ein Kolloid.

~Maquenne~ zeigte im Gegensatz zu ~A. Meyer~, daß der Hauptbestandteil

der Körner α-Amylose (Amylose, ~Maquenne~) ist, die er durch

Retrogradation als «künstliche Stärke» in reichlicher Menge daraus

darstellte, besonders bei Anwendung von Amylokoagulase (~Wolff~ und

~Fernbach~). Die Stärke besteht nach ihm aus 80 bis 85% +Amylose+

(~Maquenne~) und 15-20% verschieden kondensierten +Amylopektinen+.

~Wolf~ und ~Fernbach~ nehmen (1906) an, daß die Stärke besteht aus

+Amylosen+, die polymerisiert +und+ verzuckert werden können, aus

+Amylosen+, die bloß verzuckert werden können und aus dem +Amylopektin+

von ~Maquenne~ und ~Roux~. +Alle+ diese Angaben sind aber noch +sehr

unsicher+.

~Pfeiffer~ und ~Tollens~ geben der Stärke die Formel C₂₄H₄₀O₂₀, doch

besitzt dieselbe nur vorläufigen Charakter, wie auch die Formel

~Syniewskis~ (C₅₄H₉₆O₄₈)ₙ - 3n H₂O,) der sie als ein hochmolekulares

Anhydrid des Amylogens auffaßt. Das +Amylogen+ (C₅₄H₉₆O₄₈), das

wasserlöslich ist und nicht reduziert, denkt sich ~Syniewski~ aus

drei Maltoseresten und einem 18 Kohlenstoffe enthaltenden Dextrinrest

aufgebaut, der aus drei Glukoseresten besteht, von denen zwei als

Isomaltose darin enthalten sind.

Die aus mit Jod auf 330° erhitzter Stärke erhaltenen +künstlichen+

Stärkekörner von +Rodewald+ und ~Kattein~ hatten ein Molekulargewicht

von 32700.

Reines Jod färbt reine trockene Stärke gelb. Die Stärke wird nur dann

durch Jod blau gefärbt, wenn Wasser und Jodwasserstoff oder eine

Verbindung desselben, oder eine Substanz die aus Jod HJ bildet, zugegen

ist. Der Jodstärke kommt (nach ~F. Mylius~) die Formel (C₂₄H₄₀O₂₀J)₄.HJ

zu. ~Küster~ und ~A. Meyer~ halten sie jedoch für eine Lösung des

Jod-Jodwasserstoffs in der Stärkesubstanz. Das Verhältnis zwischen dem

in die Stärke eingehenden und dem in wässriger Lösung verbleibenden Jod

folgt dem ~Nernst~schen Verteilungsgesetze. Noch ⅕₂₈₀₀ Jod bewirkt

in Stärkekleister Violettfärbung. Die Jodreaktion der Stärkekörner

läßt sich dadurch fixieren, daß man die blaugefärbten Körner mit

Silbernitrat behandelt, das Präparat der Sonne aussetzt und dann mit

Hydrochinon «entwickelt», die Körner bleiben dann (durch Ag) dauernd

braun (~Lagerheim~). Durch Jod wird von in der Natur vorkommenden

Substanzen nur noch das Saponarin ~Bargers~ blau gefärbt (Ber. d. chem.

Ges. 1902. Zuerst ~Dufour~ fand in den Epidermiszellen der Blätter von

_Saponaria officinalis_ und _Bryonia dioica_ einen wasserlöslichen

Körper, der mit Jod sich bläut.); wohl aber färben sich auch einige

Membranine (s. Lichenin) und Spaltungsprodukte von Membraninen durch

Jodpräparate blau bzw. violett, wie die Phellonsäure und das Glukosamin

(vgl. auch unter Zellulose).

Legt man verschiedene Stärkeproben auf eine Glasplatte, stellt ein

Uhrglas mit einigen Kristallen Jod daneben, so färben sich nach 24

Stunden die einzelnen Stärkesorten verschieden: Maisstärke wird

schwarzviolett, Getreidestärke taubengrau, Kartoffelstärke gelbgrau,

Sago milchkaffeefarben (~Dubasc~).

Bei einigen Stärkesorten gibt, da Oxydasen darin vorkommen,

Guajaktinktur eine Blaufärbung (~Corsini~), doch tritt dieselbe niemals

an den Stärkekörnern selbst ein.

Das Stärkekorn ist farblos und durchsichtig. Die weiße Farbe der Mehle

rührt von der Luft her, die zwischen den Körnern liegt.

Stärke nimmt reichlich Wasser auf (sog. grüne Stärke enthält c. 55%),

lufttrocken enthält Stärke 13-19% Wasser.

Die Verkleisterungstemperatur ist bei den einzelnen Stärkesorten

verschieden. Sie schwankt zwischen 50 und 77,5°. Die Bestimmung der

Verkleisterungstemperatur wird zur Differentialdiagnose benutzt,

ebenso das Verhalten zu Kalihydratlösungen verschiedener Konzentration

(~Bellier~). ~Lenz~ benutzt die verschieden große Quellungsfähigkeit

der Stärke durch Natriumsalycilatlösung zur Unterscheidung der

einzelnen Stärkesorten.

Die Stärke entsteht, wie es scheint, stets in (oder auch an?)

Stärkebildnern (Amyloplasten, Chromatophoren). Reste derselben finden

sich bisweilen noch (_Rhiz. iridis_, Kronenröhre von _Verbascum_,

Anatom. Atlas Taf. 22). Sie findet sich stets in Form von Körnern,

deren Größe in den Reservebehältern zwischen 4 (_Reis_) und 170 mik.

(_Canna_) und deren Kubikinhalt zwischen 20 und 320000 Kubikmik.

schwankt. Wenn ihre Größe 150 mik. erreicht, so sind sie mit bloßem

Auge sichtbar. Die Größe schwankt für jedes Stärkemehl nur in

bestimmten Grenzen. Man bestimmt die Grenzwerte der Längsdurchmesser

und gibt außerdem die am häufigsten vorkommenden Werte an. Auch die

Form ist für jedes Stärkemehl charakteristisch, wenigstens findet

sich stets ein «Typus», der als «Leiter» dienen kann (~Tschirch~).

Sehr oft ist auch die Schichtung und die Lage des Kerns diagnostisch

wichtig, wie die Feststellung ob einfache, komplexe, solitäre,

adelphische, monotone oder polytone Körner (~A. Meyer~) vorliegen. ~A.

Meyer~ betrachtet die stets doppelbrechende Stärke als ein Organoid

und zwar als einen aus zahllosen kurzen Amylosetrichiten aufgebauten

Sphärokristall.

~Delbrück~ teilte (Chem. Zeit. 1901, 195) eine Methode zur Prüfung der

Stärke auf Gesundheit mit.

Lösliche Stärke kann man durch Erwärmen mit 2% Natriumperboratlösung

darstellen, oder nach der ~Lintner~schen Methode: Erhitzen mit 7,5%

Salzsäure während 3 Tagen auf 40°, Auswaschen der Säure und Trocknen.

Kleine Mengen von Stärke erkennt man am besten mit Jod-Chloralhydrat.

Die fabrikmäßige Darstellung der Stärke beruht im wesentlichen

auf einer Zerkleinerung der stärkeführenden Gewebe, Auswaschen

(Ausschlämmen) der Stärkekörner und Trennen derselben von den

Zellresten und dem Wasser. Bei Knollen (z. B. Kartoffeln) verfährt

man entweder in der Weise, daß man die Organe auf Reibezylindern in

einen Brei verwandelt und diesen auf Sieben mit Wasser auswäscht

(ausbürstet) -- auf dem Siebe bleibt die Pülpe -- oder die in Scheiben

geschnittenen Knollen zunächst durch Gärenlassen in Haufen aufschließt

(~Völcker~). Intakte Stärke widersteht der Gärung und Fäulnis. Bei

Samen (z. B. Weizen) verfährt man entweder in der Weise, daß man die

10-15 Tage eingequollenen Samen zwischen Walzen zerquetscht und aus dem

Brei die Stärke austritt (in Tretfässern) bezw. ausschlämmt, oder indem

man den Brei zuerst gären läßt, oder aber -- und hierbei erhält man den

Kleber als Nebenprodukt -- indem man vom Mehle ausgehend dieses mit

Wasser ausknetet (~Martin~) bezw. zentrifugiert. Festere Samen werden

auch zuvor mit Alkalien (Natron, Kalk, Ammoniak) aufgeschlossen. Das

sich zunächst absetzende Satzmehl ist sehr wasserreich (grüne Stärke).

Es wird gewöhnlich in Trockenkammern ausgetrocknet und dann in der

Sonne oder künstlich gebleicht.

Fabrikmäßig dargestellt werden nur verhältnismäßig wenige Sorten, da

trotz der weiten Verbreitung der Stärke nur selten alle Bedingungen

für lohnende technische Ausbeute -- Reichtum des Materials an Stärke,

leichte Zerkleinerung, Abwesenheit störender Beimengungen, billige

Gewinnung, gleichmäßige Beschaffenheit des Materials -- vorhanden sind.

⁹⁄₁₀ aller Samen sind stärkefrei! In großem Maßstabe werden Kartoffel-,

Weizen-, Mais- und Reisstärke fabrikatorisch dargestellt.

Da Stärke aus der Luft reichlich Wasser und Gerüche anzieht, muß sie an

einem trockenen und geruchfreien Orte aufbewahrt werden.

=Geschichte.= ~Dioskurides~ sagt vom _Amylum_, daß es diesen Namen

trage, weil es ohne Mühle hergestellt werde (α privativum und μύλη

Mühle). Er beschreibt die Darstellung aus +Sommerweizen+ (ἐκ πυροῦ

σητανίου καθαροῦ). Derselbe wird 5 Tage in Wasser eingequollen, dann

mit den Füßen zerquetscht und unter Wasserzusatz getreten. Die oben

aufschwimmenden Hülsen werden entfernt, der Brei koliert und schnell

auf Steinen in der Sonne getrocknet. Ein für arzneiliche Zwecke nicht

verwendbares könne man aus Dinkel (ἐκ ζέας βραχείσης) bereiten. Er

hält das ägyptische und kretische _Amylum_ für das beste. Ähnlich

äußert sich über die Darstellung des _Amylums_ (appellatum quod sine

mola fiat) ~Plinius~, der die Bewohner von Chios für die Erfinder

des Verfahrens hält, das chiotische für das beste erklärt und es

auch ex siligine herstellen läßt. Er kennt ferner das Hafermehl

und die Verwendung der Amylacea bei Diarrhöen, die auch ~Rhazes~

erwähnt. ~Plinius~ bezieht sich auf ~Cato~. In der Tat findet man

bei diesem (vgl. I, S. 572) die erste kurze Angabe über Darstellung

des _Amylums_. Es heißt in ~Cato~, De re rustica im LXXXVII Capitel:

«Amyllum sic facito. Siliginem purgato bene, postea in alveum indat,

eo addat aquam bis in die. Die decimo aquam exsiccato, exurgeto bene,

in alveo puro misceto bene, facito tanquam faex fiat. Id in linteum

novum indito exprimito cremorem in patinam novam, aut in mortarium.

It omne ita facito, et refricato denuo. Eam patinam in sole ponito,

arescat. Ubi arebit, in aulam novam indito, inde facito cum lacte

coquat.» Auch die Bezeichnung Satzmehl, Absatz, κατάστατον findet

sich schon bei den Alten. Reismehl war ein beliebtes Heilmittel

bei den alten Indern (I, S. 504) und wurde auch zu Liebestränken

benutzt. Des Gersten-, Linsen- und Ervenmehles bediente sich

~Hippokrates~ (I, S. 541) als Hautmittel. Das waren aber wohl

Mehle. In ~Scribonius Largus~ Compositiones (I, S. 576) steht

amulum. ~Ibn Baithar~ (I, S. 608) führt es unter dem Namen Naschâ

(pers. Naschâstadsch) auf (das garâ, garirâ wird von ~Elgafâki~

als ein Stärkemehl (?) aus einem wohlriechenden Samen -- Sison des

~Dioskurides~ -- bezeichnet). In der Tabula des ~Serapion~ (I, S.

605) steht amilum, in der Alphita (I, S. 641) und Circa instans:

amidum (amitum) de tritico (Sinonoma ~Bartholomaei~). Die Alphita hat

bekanntlich ihren Namen nach der damaligen Bezeichnung für farina

hordei (vgl. I, S. 639). Bei ~Matthaeus Sylvaticus~ resp. ~Simon

Januensis~ (I, S. 663) steht amilum vel apoyois. ~Cordus~ (I, S.

797) verwendete ein _Amylum_ und ein _Amylum assatum_. In der ersten

brandenburgischen Taxe 1574 (I, S. 817) steht _Amylum vulgo amidum_

(Krafft melh). Der Ausdruck Kraftmehl kehrt dann später bis ins XIX.

Jahrh. oft wieder. Die Satzmehle oder faecula früherer Jahrhunderte

waren besonders: _Faecula Ari_, _Bryoniae_, _Colchici autumnalis_,

_Elaterii_, _Orchidis_, _Pseudacori_, _Paeoniae_. Man schrieb ihnen

spezifische Wirkungen zu. Wie ~Flückiger~ (Dokumente, s. d. Taxen)

mitteilt, wurden im XVII. Jahrh. besonders vier Faecula in den

Apotheken gehalten von den Wurzeln oder Knollen von _Arum maculatum_

L., _Bryonia alba_ L., _Iris florentina_ L. (und _I. Pseudacorus_)

und _Paeonia officinalis_ L. Dazu kam dann noch das Mehl von _Rad.

Serpentariae_ (_Polygonum Bistorta_ L.) und das _Amylum Mechoacannae_

(_Jalapae_). Bei ~Gren~ (System d. Pharmac. 1799) findet sich nur

noch Weizenstärke. Auch ~Pomet~ und ~Lémery~ erwähnen nur das Amidon

der Getreidefrüchte (nicht ein Arrowroot oder Kartoffelstärke).

~Dierbach~ (1841) Weizen- und Kartoffelstärke. Neuerdings werden für

gewöhnlich nur fünf Stärkemehle in den Apotheken gehalten und zum

Teil in den Pharmakopoëen aufgeführt: Reis-, Weizen-, Kartoffel-,

Mais- und Maranta-Stärke, nur die japanische und die portugiesische

Pharmakopoëe haben andere Stärkemehle (s. weiter unten). Die

germanischen Völker bevorzugen die Weizenstärke. Die einzelnen Sorten

vertreten sich jetzt vielfach. In Amerika spielt die Maisstärke die

gleiche wichtige Rolle in Industrie und Pharmazie, wie in England die

Reisstärke, auf dem Kontinent die Weizen- (und Kartoffel-)Stärke und

in Japan die Stärke von _Erythronium Dens canis_ L. und _Pueraria

Thunbergiana_ ~Benth~. Dies kommt auch in den Pharmakopoëen zum

Ausdruck. Unter _Amylum_ schlechthin verstehen die Pharmakopoëen der

romanischen Länder (und Deutschlands) Weizenstärke, die Pharmakopoëe

von Nordamerika Maisstärke, die Britannika Weizen, Mais und Reis,

die portugiesische _Mandioca_ oder _Manihot_, die Japonica die oben

genannten Sorten. In der portugiesischen Pharmakopoëe steht auch

noch _Amylum ari_. Die erste Stärke, die fabrikmäßig zunächst in

Hausindustrie dargestellt wurde, ist die Kartoffelstärke, deren

Fabrikation schon ~Friedrich der Grosse~ anregte (1765). ~N. C.

Bloch~ begründete (1811) die Kartoffelstärkefabrikation im Elsaß.

Auch Weizenstärke wurde zuerst von der Hausindustrie dargestellt.

Schon ~Leeuwenhoek~ betrachtete 1716 Cerealien- und Bohnenstärke

mit dem Mikroskop (Philos. Transact.). Da er sich selbst stärkere

Linsen schliff wie sie ~Malpighi~ und ~Grew~ zur Verfügung standen,

konnte er seine Beobachtungen auch auf kleinere Objekte ausdehnen.

~Luke Howard~ erkannte 1800 die Veränderungen der Stärkekörner durch

Wasseraufnahme beim Erhitzen. Noch vor ~Schleiden~ zeigte 1838

~Payen~ und 1842 ~Pereira~ (I, S. 340), daß sich die Stärkemehlsorten

durch das Mikroskop unterscheiden lassen. Die umfangreichsten

morphologisch-anatomischen Untersuchungen über die Stärkekörner

finden sich aber in dem mit vielen Tafeln geschmückten Werke von ~C.

Nägeli~, Die Stärkekörner. Zürich 1858. In ihm wurde auch die Theorie

des Wachstums der Stärkekörner durch Intussuszeption verfochten,

die jetzt als überwunden gelten kann (~A. F. W. Schimper~, ~Arthur

Meyer~). ~Kirchhoff~ fand 1811 die Verzuckerung von Stärkekleister

durch Malzauszug (Diastase). ~Collin~ und ~Gaulthier de Claubry~

beobachteten 1814 die Blaufärbung durch das wenige Monate zuvor

entdeckte Jod. Die ältesten Hadernpapiere (VIII. Jahrh. n. Chr.)

waren mit Weizenstärkekleister geleimt (~Wiesner~).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 22 / 120 段