Dies Manna enthält 30,95% Dextrin, 17,93% Invertzucker mit

überschüssigem Fruchtzucker, 10,71% Gemenge von Dextrin und

Invertzucker (~Ludwig~).

=Lit.= II. Mose 16 und IV. Mose 11. -- Tamarix mannifera im Botan.

Lexicon Kitâb aš-šaǧar (um 980). -- ~Antonius Martyr~, De locis

sanctis cap. 39. -- ~Ritter~, Erdkunde von Asien XIV, 1846, 665-695.

-- ~Tischendorf~, Aus dem heiligen Lande 1862. -- ~Ebers~, Durch

Gosen zum Sinai 1872, S. 223-243. -- ~Flückiger~, Pharmakogn.

-- ~Wellstedt~, London and Edinb. Phil. Mag. X 1837, p. 226. --

~Berthelot~, Arch. Ph. 115 (1861) u. Jahresber. d. Chem. 1861, S.

751. -- ~Schweigg~, Journ. 29. -- ~Dierbach~, Magazin d. Pharm.

1826. -- ~Haussknecht~, Mannasorten des Orient. Arch. Pharm. 1870.

-- ~Ludwig~, Über d. Bestandt. einig. Mannasort. d. Orient. Ebenda.

-- ~Stolze~ und ~Andreas~, Handelsverhältnisse Persiens, Petermanns

Mitt. Ergänzungsh. 77 (1885).

Über +andere persische Mannaarten+ vgl. ~Haussknecht~ a. a. O. --

~Polak~, Persien 1865. -- ~Vambery~, Reise in Mittelasien 1865. --

Ausland 1867, -- Jahresber. d. Pharm. 1869, -- Pharmacographia p. 415.

Eine chem. Unters. der Mannaflechte bei ~Castrey~ (Bull. gén. de

Thérap. 138, 942, Pharm. Zeit. 1899, 238). -- ~H. W. Reichardt~, Über

die Mannaflechte _Sphaerothallia esculenta_ ~Nees~. Verh. Zool. Bot.

Ges. 1864.

III. Rohrzuckerfrüchte.

Fructus Ceratoniae.

=Syn.= Johannisbrot, Sodbrot, Soodschote, Bockshörndl, -- Siliqua

dulcis -- Caroube, Carrouge (franz.) -- Locust been, Carob, St. Johns

Bean or bread, Algaroba of Spain (engl.) -- caroba, frutto del carubbio

(ital.) -- johannisbrood (holl.) -- johanneksen leipä (finn.) --

szentjánoskenyér (ung.) -- κεράτιον (n.-griech.). -- Kharnûb nûbti

(ind.).

Der Name Carobe wird auch für andere Dinge benutzt, z. B. für die

von _Pemphigus cornicularius_ auf _Pistacia Terebinthus_ erzeugten

Gallen. Carobenblätter sind die Blätter einer Anzahl von Bignoniaceen

(_Jacaranda_-, _Bignonia_-, _Sparattosperma_-, _Kordelestris_-Arten).

=Etym.= Die hieroglyphischen Inschriften nennen die Frucht der

_Ceratonia_ darouga, ouâh und djari. Die beiden ersten Worte bedeuten

ursprünglich (nach ~Loret~) einen gekrümmten Gegenstand mit spitz

zulaufenden Enden (wie das Mondhorn = κρέας), besonders eine Schote

(κεράτιον); der dritte bezeichnete die süße Pulpa der Frucht darouga

hat die gleiche Wurzel wie die semitischen Worte quarouga und garouta

(~Buschan~).

Johannisbrotbaum, weil sich nach der Legende Johannes der Täufer von

den Früchten in der Wüste ernährte. (Man zeigt in Palästina sogar den

Baum!) Der Ausdruck +Johannisbrot+ findet sich (zuerst?) im Inventar

der Ratsapotheke Braunschweig 1522.

Ceratonia (so bei ~Galen~) von κερωνία, ion., sonst auch κερατεία,

die Frucht in der Bibel: κεράτιον; auch ~Dioskurides~ schreibt:

κεράτια, vielleicht von κέρας Horn, wegen der Form der Frucht,

+neugriech.+ ξυλοκερατέα, -- +pers.+: charnûb, +arab.+: charrûb

(bei ~Ibn Baithar~: chirnub), davon +ital.+ carrobo, carruba,

+span.+ garrobo, algarobbo, +port.+ alfarroba, +franz.+ caroube,

carouge. Im Albanes.: tšotšobanuze (= Ziegenhorn). Bei ~Plinius~

(XIII, 8): _Siliqua_, quam Jones cerauniam vocant; bei ~Columella~:

_Siliqua graeca_; bei ~Scribonius Largus~: _S. syriaca_ -- _Siliqua_

vielleicht aus λόβος (Wickenfrucht) umgebildet und übertragen

(~Koch~) --; _Siliqua dulcis_ zuerst bei ~Prosper Alpin~ (De plant.

aegypt. 1591); bei ~Cordus~ findet sich: _Fructus ceratoniae_,

_Xyloceratia_, _Xylocaracta_. Auch im Nördlinger Register steht _Xilo

caracta_ (_Siliqua dulcis_).

[Illustration: Fig. 44.

_Ceratonia Siliqua._

A blühender Zweig, B männliche Blüte, C hermaphrodite Blüte, D

Längsschnitt durch dieselbe mit dem hutförmigen Discus, E Hülse,

F Längsschnitt durch die Basis derselben, G Längsschnitt und H

Querschnitt durch den Samen.

[Nach +Taubert+ in +Engler-Prantl+, Pflanzenfam.]]

=Stammpflanze.= =Ceratonia Siliqua= L. (~Linné~, Syst. veget. ed. XIV,

1167, 1), Johannisbrotbaum, Johannsbrodbaum und Judasboom (mhd.) --

Caroubier.

=Systemat. Stellung.= +Leguminosae+, Caesalpinioideae -- Cassieae.

=Beschreibung.= Der Johannisbrotbaum besitzt paarig-gefiederte

Blätter mit lederartigen, wenigjochigen Blättchen und sehr kleinen

Nebenblättern. Er ist polygam diöcisch. Die Blüten stehen in

seitlichen kurzen, gebüschelten Trauben (~Plinius~ sagt, die

_Ceratonia_ trägt ihre Früchte am Stamm). Sie besitzen keine Corolle,

sondern nur 5 kurze unscheinbare Kelchblätter, die männlichen Blüten

fünf große epipetale Stamina und einen rudimentären Fruchtknoten,

die hermaphroditen 5 kleine Stamina (Staminodien?) und einen großen

gestreckten, kurzgestielten, in der Mitte eines hutförmigen, drüsigen

Diskus inserierten behaarten Fruchtknoten mit kurzem Griffel,

schildförmiger Narbe und zahlreichen Ovulis (Fig. 44).

Die Frucht ist eine Hülse, ein +Legumen+. Daher ist die Bezeichnung

_Siliqua_ (d. h. Schote) _dulcis_ falsch und irreführend. Sie stammt

aber aus dem Altertum, wo man nicht zwischen Hülse und Schote

unterschied, überhaupt nicht differenzierte. Übrigens spricht man auch

heute noch fälschlich von Vanille+schoten+, Hülsen+früchten+ und unsere

«+Schote+» (_Pisum_) ist bekanntlich auch eine Hülse.

[Illustration: Fig. 45.

_Ceratonia Siliqua_ mit Früchten. [Nach +Hamilton+.]]

Die Früchte hängen in großen Büscheln an den Zweigen. Ein alter Baum

(Fig. 45) vermag Tausende von Kilogramm Caroben zu liefern.

Der Baum ist in Syrien und Palästina heimisch, nicht in Ägypten

und Griechenland, auch nicht in Arabien (~Schweinfurth~), kam aber

frühzeitig nach Ionien, Knidos, dem südwestlichen Kleinasien und

Rhodus (~Theophrast~, ~Plinius~). Seine nördliche Grenze fällt jetzt

etwa mit der der _Citronen_ und _Orangen_ zusammen (~Hehn~). Er ist

empfindlicher als die _Olive_. Das südlichste Vorkommen ist Yemen.

Jetzt ist er vielfach verwildert (in der Kyrenaica, Algier, Sicilien

usw.).

=Lit.= ~Bonzom~, ~Delamotte~ et ~Rivière~, Du Caroubier et

de la caroube. Paris 1878. -- ~Taubert~ in ~Engler-Prantl~,

Pflanzenfam. III (Abbild.). -- ~G. Bianca~, Il carrubo, Monogr.

storico-botan-agrar. L’Agricoltura italian. VII 1881. -- ~Hamilton~,

Botanique de la bible 1871. -- Abbild. eines Caroubier auch in La

Nature 1902, 316.

=Pathologie.= Auf den Blättern von _Ceratonia Siliqua_ kommen mehrere

Pilzarten aus den Gruppen der +Pyrenomyceten+ und Imperfekten vor,

es ist auch nicht ausgeschlossen, daß dieselben auch auf die jungen

Früchte übergehen, doch sind Angaben hierüber nicht bekannt geworden

(~Ed. Fischer~).

=Kultur.= Der Johannisbrotbaum, der in das Mittelmeerdrogenreich

gehört, ist ein ziemlich hoher, weit ausgebreiteter, reichlich

schattenspendender, immergrüner Baum (Fig. 45), der die Meeresnähe

liebt. Er wird sehr oft Jahrhunderte alt, wächst langsam und trägt

meist erst mit 20 Jahren Früchte. Behufs reichlicher Fruchtbildung

muß er (wie _Ölbaum_ und _Weinstock_) beschnitten und am besten

auch künstlich befruchtet werden. Meist besorgt jetzt der Wind die

Befruchtung und es ist bekannt, daß aus gewissen Gegenden (offenbar

solchen, wo männliche Bäume reichlich wachsen) wehende Winde den

Fruchtertrag steigern. Erst neuerdings erhält man die männlichen

Bäume, die von den Bauern Siciliens früher vernichtet oder nur zum

Pfropfen benutzt wurden. Sein Anbau reicht nicht sehr weit zurück.

Erst ~Palladius~ (I, S. 574) beschreibt Anbau und Fortpflanzung in

Italien (späteres Einschiebsel? ~Hehn~). Die Araber gaben der Kultur

ihre heutige Verbreitung über Spanien, Süditalien, Apulien, Sicilien,

Sardinien, Griechenland und die Inseln. Er wird jetzt auch in Indien

(Panjab, Madras) kultiviert (~O’Conor~ 1876). Er wurde dort 1840 durch

~Royle~ eingeführt.

Die Kultur hat zahlreiche Varietäten ausgebildet, die sich durch

ihre Süßigkeit, die Größe der Früchte, das Aroma, die Haltbarkeit

unterscheiden. Durch Pfropfen wurde in Cypern, Chios und Candia eine

große, fleischige, sehr süße Sorte erzielt (~Flückiger~).

=Produktion und Handelssorten.= Hauptsächlicher Lieferant der Caroben

ist seit mindestens 6 Jahrhunderten +Cypern+, das jährlich viele

Millionen kg verschifft, teils vom Cap Karrubieh, unweit Larnaka an der

Südküste, teils von Limasol im Westen und Cerigna im Norden, dann auch

aus Mazota und Lefkara.

Als beste gelten die ebenfalls in beträchtlicher Menge versandten

italienischen, speziell die von Sicilien (Avola), von Bari (Puglia),

Mola und die sog. Honig-Caroben. Auch die Levante, Kleinasien, Candia

und Spanien liefern viel. Als die zuckerreichsten gelten die aus dem

Küstengebirge von Algarve.

In Bari heißen die schlechten Sorten Caballo.

Die Gesamtproduktion wurde 1895 auf jährlich c. 10 Mill. kg geschätzt.

1910 war sie höher. Haupthandelsplatz für Caroben ist wohl +Triest+.

=Handel.= +Deutschland+ importierte 1909: 37393 dz _Johannisbrot_,

vorwiegend aus Cypern, Malta, Gibraltar, etwas auch aus Italien.

+Hamburg+ importierte 1908 24689 dz _Johannisbrot_; davon aus

Cypern 18878, Italien 2130, Griechenland und den Jon. Inseln 1690,

der europäischen Türkei 921. +Italien+ exportierte 1907: 109269,

1908: 77645, 1909: 73331 Quint. Carrube. Von Bari, einem großen

Carobenhandelsplatz, gehen ganze Schiffsladungen nach Rußland.

+Frankreich+ importierte 1908 232147 Quintal. Carrobe (carouge),

besonders aus der Türkei, aber auch aus Algier und Tunis.

[Illustration: Fig. 46.

_Ceratonia Siliqua._

Querschnitt durch die Frucht. MC. Mesokarp, EC. Endokarp, End.

Endosperm, Cot. Cotyledonen, R. Radicula. [+Tschirch+]]

[Illustration: Fig. 47.

_Ceratonia Siliqua._

Längsschnitt (parallel der Fläche der Frucht) durch die Lücken in den

Randwülsten der Frucht. [+Tschirch.+]]

=Beschreibung der Droge.= Die zur Reifezeit tief braunvioletten Früchte

sind besonders in jungen Stadien etwas hornartig gekrümmt (wohl

darnach κεράτια s. oben auch in Bockshörndl und dem albanesischen

Worte (s. oben) wird auf Horn angespielt). Sie reifen nicht immer.

Sie sitzen einem kurzen Stiele auf und erreichen bisweilen eine Länge

von 25 cm und eine Breite von 4 cm, variieren übrigens in der Größe

sehr, je nach den Kulturvarietäten. Die Spitze, als kleines Zäpfchen

erscheinend, ist etwas seitlich gegen die Bauchnaht herabgedrückt.

Die Mitte ist beiderseits vertieft und zeigt zierliche, in gegen den

Rand konvergierenden Fächerstrahlen (Fig. 44 E und 47) vom Stiele

her aufsteigende Linien. Der Rand ist beiderseits wulstig verdickt

und jeder der Wülste durch eine Mittelfurche geteilt, so daß der

Querschnitt hantelförmig erscheint (Fig. 46). Der einen Furche

entspricht die Bauchnaht, der andern die Rückennaht. In diesen

Randwülsten liegen vier Reihen von Höhlungen. Schneidet man daher die

Wülste parallel der Breitseite der Frucht an, so sieht man in jedem

Wulst eine Reihe von ovalen, übereinander angeordneten Höhlungen mit

ziemlich glatten Wänden (Fig. 47). Dort, wo die Samen liegen, ist die

Mittelfläche etwas, aber meist nicht stark aufgetrieben. Dies tritt

an jungen unentwickelten Früchten noch deutlicher hervor. Die Samen

sind zahlreich, bis 15; sie liegen in ovalen, glatten, vom Endocarp

ausgekleideten Höhlungen ziemlich dicht übereinander. Die Brücken

zwischen ihnen sind nur schmal. Nicht immer sind alle gut entwickelt.

Sie sind glatt, rotbraun, glänzend und mit einem ziemlich langen

Funiculus an der Bauchnaht inseriert (Fig. 44F). Sie enthalten, in ein

helles Schleimendosperm eingebettet, den gelblichen Keimling, der zwei

netzaderige Cotyledonen besitzt (Fig. 44 F, G, H u. 46).

Die Frucht bricht glatt, trotzdem sie sehr faserig ist. Der Querbruch

erscheint infolge des Zuckerreichtums glänzend.

=Schädlinge.= In den Früchten findet sich bisweilen die Larve von

_Myelois Ceratoniae_.

[Illustration: Fig. 48.

_Ceratonia Siliqua._ Querschnitt durch die Randschicht der Fruchtwand.

[K. H. Hällström gez.]]

=Anatomie= (Fig. 48 u. 49). Das Epicarp ist eine einreihige Epidermis,

deren Zellen außen stark verdickt und cuticularisiert sind. Von der

Fläche gesehen sind sie gradwandig polyedrisch, 12-30 mik. breit. Sie

enthalten einen braunen Inhaltskörper. Einige Spaltöffnungen sind über

die Epidermis regellos verteilt, ebenso einige wenige Haare oder, da

diese oft abgebrochen sind, deren Fußteile (~Vogl~). Die Behaarung

wechselt sehr. Bisweilen fand ich gar keine, dann wieder viele und

lange. Dann folgt das Mesocarp. Unter der Epidermis liegen zunächst

etwa 6-8 Reihen parenchymatischer, mit braunem, phlobaphenartigem

Inhalte vollständig erfüllter Zellen (Fig. 48, 2). Dann folgt ein

unvollständiger gemischter Ring. Derselbe besteht vorwiegend aus

reichgliederigen Bastzellgruppen, denen da und dort Brachysklereïden

angelagert sind. Die Bastzellen sind ziemlich lang (nach ~Möller~ fast

1 mm, nach ~Vogl~ sogar bisweilen über 1,5 mm, und c. 18 [10-30] mik.

breit), stark verdickt, mit meist stumpfen oder knorrigen Enden und nur

wenig schiefgestellten Spaltentüpfeln versehen. Die Bastzellgruppen

sind von Kristallkammerfasern begleitet. Die Kristalle stecken in einer

Tasche. Dann folgt ein lockerer Kreis kleiner, im Längsverlauf bogig

hin und her gekrümmter Bündel mit nicht sehr weiten, meist zu einer

radialen Platte vereinigten Spiral-, Netzleisten- oder Tüpfelgefäßen.

[Illustration: Fig. 49.

_Ceratonia Siliqua._ Querschnitt durch den innersten Teil der

Fruchtwand, dort wo ein Same liegt. [K. H. +Hällström+ gez.]]

Soweit diese Bündel reichen, ist das Grundparenchym engzellig.

Innerhalb des Gefäßbündelkreises wird es aber ziemlich unvermittelt

weitzellig und die großen Zellen strecken sich sehr entschieden

radial. In dieser Ausbildung reicht das Gewebe bis zum Endocarp. Die

Zellen dieser Mittelschicht (Fruchtmus, Fig. 48, 5) enthalten (unter

Alkohol betrachtet) entweder deutliche Kristalle oder unregelmäßig

eckige Massen (von Zucker?). Diese Inhaltsbestandteile lösen

sich daher meist in Wasser und es bleibt körniges Plasma zurück.

Eingestreut in dies zuckerführende Gewebe finden sich sowohl in den

äußeren kleinzelligeren als auch den inneren großzelligen Schichten

zahlreiche +Gerbstoffzellen+, einzeln oder zu vielgliedrigen Gruppen

vereinigt, in Form und Größe dem Zuckerparenchym gleichend. Sie

enthalten neben anderen Substanzen vornehmlich Gerbstoff -- man kann

sie daher als +Gerbstoffschläuche+ betrachten. In der frischen Frucht

erfüllt die Masse die ganze Zelle. Beim Trocknen löst sich der solide

Gerbstoffkörper als faltiger Sack von der Zellwand ab. Dadurch kommt

dann ein sehr eigentümliches mikroskopisches Bild zustande. Die

Inklusen fallen leicht aus den Zellen heraus und sind isotrop und

nicht hohl, sondern solide (~Tichomirow~), aber nicht gleichartig

in der Masse: in eine dunklere, gelatineartige Grundmasse ragen vom

Rande her hellere, kugelige Gebilde (Fig. 50). Diese «Inhaltskörper»,

«Inklusen», sind von gelber, kupferroter oder violettroter Farbe, oft

quergestreift. Sie werden durch Kali graublau bis violettblau, beim

Erwärmen sofort tiefblau (die Färbung mit Kali ist abhängig von der

Konzentration, Lauge von 25% und mehr färbt reinblau, schwache [bis 5%]

rötlich-violett; dazwischen entstehen Mischfarben, ~Hällström~), durch

Eisenchlorid violettblau bis tiefblau, fast schwarz, durch Jod und

Jodschwefelsäure gelb, durch Vanillinsalzsäure rot (~Winckel~), durch

Eau de Labaraque gelblich-rot (~Tichomirow~), durch Millons Reagens

blaugrün, durch Orceïn rubinrot, durch Ammonmolybdat und Schwefelsäure

tiefblau, mit Osmiumsäure blauschwarz (~Hartwich~ und ~Winckel~). Sie

sind unlöslich in Wasser, Alkohol, Glycerin, Äther, verdünnten Säuren,

fetten und äther. Ölen. Ammoniak färbt sie nicht. Starke Lauge bewirkt

ein Hervorquellen blauer Tropfen (~Flückiger~). Der blaue Farbstoff ist

in Alkohol und Äther unlöslich. Woraus die Masse besteht ist unbekannt.

Sie scheint ein Phloroglukotannid zu enthalten. Die Inklusen werden

sehr frühzeitig angelegt, schon 1 cm lange Früchte enthalten einige

fertig ausgebildet, viele in Bildung begriffen. Schon in ganz frühen

Stadien färben sich die Zellen mit Eisenchlorid, Osmiumsäure und

Vanillinsalzsäure. Die Entwicklung des Inhaltes scheint zentripetal

vor sich zu gehen. In jungen Inklusenzellen findet sich ein feines,

gegen Kali resistentes Gerüst. Doch gibt dieses nicht die Kali- und

Eisenreaktion, auch Jod und Millons Reagens färben es nicht, wohl

aber Methylenblau (~Hällström~). In den äußeren Schichten sind die

Gerbstoffsäcke klein, in den inneren groß, wie das Parenchym.

Ähnliche Inklusen finden sich bei der _Dattel_ (s. d.) in den

_Kaki_früchten u. and. _Diospyros_arten, bei _Anona reticulata_,

_Zizyphus vulg._, _Elaeagnus angustifol._ (~Tichomirow~), in den

_Fruct. Rhamni cathartic._ und den blauen Trauben, sowie in der

Fruchtschale von _Glycyrrhiza glabra_ (~Stscherbatscheff~). Sie wurden

von ~Flückiger~ bei _Ceratonia_ aufgefunden (Pharmakogn. I. Aufl.)

und sind hier so charakteristisch, daß man an ihnen eine Beimengung

von Caroben oder Carobenkaffee überall, besonders nach Zusatz von

Vanillinsalzsäure, leicht erkennen kann.

Die innerste Zone des Mesocarps ist oft kollabiert (Fig. 49, 7). Die

leeren Randwulstlücken (s. oben) scheinen durch Schwinden des Gewebes

zu entstehen. Jungen Früchten fehlen sie.

Das Endocarp besteht vornehmlich aus stark in tangentialer

Richtung gestreckten, stumpfendigen Bastzellen mit dicker Wand und

longitudinalen oder sehr steil schiefgestellten Spaltentüpfeln.

Diese Bastzellen verlaufen parallel der Kontur der Hohlräume,

in denen die Samen liegen, nicht immer gerade, sondern oftmals

gekrümmt und zu federnden Verbänden vereinigt, also anastomosierend.

Sie werden begleitet von Schleimzellen, kristallführenden Zellen

(Kristallkammerfasern) und einigen wenigen Sklereïden (Fig. 49,

8). Innerhalb dieser Hautschicht liegt noch eine mehrzellige Zone

rundlichen Parenchyms (Fig. 49, 9). Diese Schicht verschleimt. An den

Stellen, wo keine Samen liegen, berühren sich die Ränder der Fruchtwand

für gewöhnlich und an den Seiten liegen hier eigenartige Haare

(~Hällström~).

Die +Samenschale+ besteht aus einer c. 150 mik. hohen Palisadenschicht,

deren 4 mik. breite Lichtlinie 55 mik. unter der derben Cuticula

verläuft. Die Außenwand der Palisadenzellen ist auf eine Strecke

von 45 mik. außerordentlich stark verdickt, das Lumen der Palisaden

selbst als feiner Spalt nur wenig über die Lichtlinie hinaus zu sehen.

Die T-Trägerzone ist schmal, die Nährschicht dagegen breit und von

zahlreichen Schichten kollabierter Zellen gebildet.

[Illustration: Fig. 50.

+Die Inklusen der Frucht von+ _Ceratonia Siliqua_. x Querdurchschnitte,

die übrigen in Aufsicht oder längsdurchschnitten. [+Tschirch.+]]

Das breite +Schleimendosperm+ enthält stark verdickte Zellen mit

gestrecktem oder sternförmigem Lumen. Die Interzellularsubstanz

(Mittelplatte, primäre Membran) der Zellen ist erst auf Zusatz von

Reagentien und auch dann noch nicht immer deutlich zu sehen. Sie

wird wohl in die Schleimmetamorphose einbezogen. Die sekundären

Membranverdickungsschichten sind Schleimmembranen, die tertiäre Membran

besteht aus Zellulose; nur diese färbt sich mit Jodschwefelsäure

blau. Der Schleim, der hier den Charakter eines Reservestoffes trägt,

verdankt also auch hier den sekundären Verdickungsschichten der Membran

seine Entstehung und gehört zu den echten mit Jod oder Jodschwefelsäure

sich nicht bläuenden Schleimen und zur Klasse der Zellulosine. Im

Inhalte der Schleimendospermzellen findet sich Eiweiß und fettes Öl.

Die +Cotyledonen+ enthalten gegen Wasser sehr resistente Aleuronkörner.

Die palisadentragenden Seiten liegen aufeinander. Procambiumstränge

durchziehen den mittleren Teil der Keimblätter.

=Lit.= ~Flückiger~, Pharmakognosie I. Aufl. (hier die Gerbstoffsäcke

zuerst erwähnt). -- ~Vogl~, Nahrungs- u. Genußmittel 1899. --

J. ~Moeller~, Mikroskopie. -- ~Fischer-Hartwich~, Handb. d.

pharm. Praxis. -- ~Hartwich~ und ~Winckel~, Arch. Ph. 1904, 471

und ~Winckel~, Über d. angebl. Vorkomm. d. Phloroglucins in d.

Pfl. Diss. Bern 1904. -- ~Tichomirow~, Die johannisbrotartigen

Interzellular-Einschließungen im Fruchtparenchym mancher süßen

Früchte usw. Bull. soc. imp. d. Natural. Moscou 1905. +Derselbe+:

Bot. Jahresb. 1884. -- K. H. ~Hällström~, Zur Entwicklungsgeschichte

der Fruchtwand von Ceratonia Siliqua L. und Tamarindus indica L. Ber.

d. pharm. Ges. 1910. -- ~Stscherbatscheff~, Arch. Pharm. 1907.

=Chemie.= Die Früchte enthalten bis 32% +Saccharose+ und c. 18%

+Glukose+ (~Heckel~ und ~Schlagdenhauffen~). Den Rohrzucker, der

bisweilen in den Samenfächern und den Randhöhlen auskristallisiert

gefunden wird, erkannte schon ~Berthelot~ (1859) --. Der Zuckergehalt

schwankt nach den Sorten (in den Analysen von ~Fürstenberg~,

~Anderson~, ~Völcker~ wird der Zucker auf 51,4-70,7% angegeben).

~Balland~ fand in Candia Caroben 21,74% +Saccharose+ und 21,36%

+Glukose+, in Zypern Caroben 28,57 S. bzw. 14,53% G., in Creta Caroben

8,20 bzw. 26,04%, in Griechischen Caroben 29,4 bzw. 10,28%, in Mersina

Caroben 27,10 bzw. 12,75%, in Portugal Caroben 15,76 bzw. 21%. Ferner

ist nachgewiesen: +Wachs+, 1,82% +Gerbstoff+, +Pektin+. Die +Rohfaser+

beträgt 34%. ~Reinsch~ gibt an, daß die Fruchtschalen allein enthalten

in Prozenten: 12 Wasser, 6,2 Faser, 41,2 Zucker, 20,8 Eiweiß und

Pflanzenleim, 10,4 Gummi, 7,2 Pektin, 2 Gerbstoff. Die Samen allein:

44,8 Schleim, 33,7 Eiweiß, Gummi, Faser, 8 Stärke (?), Gerbstoff und

Leim, 2,1 Zucker, 1,5 Öl. Neuere Untersuchungen haben den Zuckergehalt

der Samen bestätigt (~Bourquelot~, ~Schulze~ und ~Frankfurt~). Man

fand 0,11% reduz. Zucker und 1,58% Rohrzucker. Der +Wasser+gehalt wird

auf 14,96-23,8% angegeben, das +Fett+ auf 0,55-1,28%, die +Asche+ auf

2,3-2,53%. Der Pentosangehalt beträgt c. 4,45% (~Wittmann~).

Der sehr charakteristische Geruch wird durch etwa 1,5% +Fettsäuren+,

besonders +Buttersäure+, bedingt. Auch Ameisensäure ist darin

nachgewiesen. ~Grünzweig~ zeigte, daß die von ~Redtenbacher~ in den

Caroben aufgefundene Säure, die ~Marsson~ daraus darstellen lehrte,

+Isobuttersäure+: (CH₃)₂=CH.COOH, ist. Der Gehalt daran variiert

nach dem Alter und der Aufbewahrung. Feuchtgehaltenes Johannisbrot

enthält mehr davon. Junge Früchte riechen nicht nach Buttersäure.

Dieselbe entsteht also erst im Reifungs-, bes. im Nachreifungsprozeß,

wohl durch Buttersäuregärung des Zuckers unter dem Einfluß eines

spezifischen Fermentes oder eines dem Protoplasma zugehörigen

Enzyms. Die Buttersäure wird von Capronsäure, Ameisensäure (und

Benzoësäure? +Grünzweig+) begleitet. Bei der Gärung der Caroben erhielt

~Beissenhirz~ Bernsteinsäure (1818).

In unreifem Johannisbrot, das sehr herbe schmeckt, fand ~Rosenthaler~

ein kristallinisches +Phenol+ und einen Körper mit Alkaloidreaktionen.

In +Carobenkaffee+ (s. hinten) wurde 44,2% Zucker, 2,4% Asche (in

Wasser löslich 1,9%) gefunden. Die Extraktmenge schwankt: 46,9%

(~Vogl~), 63,71% (~König~). ~König~ gibt an in Prozenten: Wasser

6,72, Stickstoffsubstanz 8,72, Ätherextrakt 3,51, stickstofffreie

Extraktstoffe 70,81, Rohfaser 7,65, Asche 2,59, Wasserextrakt in der

Trockensubstanz 58,13.

Das Pericarp macht 88-90, die Samen 10-12% der Frucht aus.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 20 / 120 段