Auch die =Zuckerwurzel= (_Sium Sisarum_), die man in Südeuropa und

Nordafrika kultiviert, wird nicht auf Zucker ausgebeutet, obwohl

~Marggraf~ in ihr Rohrzucker fand.

Aus dem Safte der =Agave= (vgl. I, S. 1018) bereiteten die alten

Mexikaner und Peruvianer Zucker. Jetzt geschieht dies nicht mehr. Im

Safte der _Agave americana_ finden sich 6% Saccharose und 2,6% Fruktose.

Der Saft der =Birke= wurde in Schottland und Irland, und wird noch

jetzt da und dort in Nordamerika auf Zucker verarbeitet. (Näheres in

~W. Lenz~, Über Birkensaft in Arb. d. pharm. Instit. Berlin VII [1910],

228.)

Früher diente auch =Heracleum sphondylium= und =sibiricum= in Nordasien

zur Zuckerbereitung. Man trocknete die Stengel und klopfte die

Zuckereffloreszenz ab.

Den Zucker aus =Asclepias syriaca= kannte bereits ~Avicenna~.

Die süß schmeckenden Früchte von =Glyceria fluitans= (Mannagras,

Mannahirse), von denen man bis ins XVIII. Jahrh. glaubte, daß sie wie

der Tau vom Himmel fielen, sind zur Zuckerbereitung, wie es scheint,

nie benutzt worden.

Zucker aus =Cocosmilch= dargestellt enthielt 74,95% Saccharose.

Zucker aus dem Safte von =Borassus flabelliformis= 79,12% Saccharose

(~Bourquelot~).

In von _Ahorn_blättern abgespültem =Honigtau= fand ~Kreis~ 19,7% der

Trockensubstanz Invertzucker, 9,7% Rohrzucker und 40,1% Dextrin.

Weitere Angaben bei ~Lippmann~, Gesch. d. Zuckers.

II. Rohrzucker enthaltende Mannaarten.

(Sämtlich frei von Mannit.)

a) =Alhagi Manna oder Terendschabin.=

Khorosani, Alhagi-Manna, persische Manna, Terendschabin, Taranjabin,

Taryngiabin, -- Terengebin (pers. = Fruchthonig, engebin = Honig,

~Aitchison~ übersetzt: Honig vom Grünen, d. h. vom grünen Strauch),

yavása-sarkara (ind.); -- bei ~Rhazes~ und ~Avicenna~: Terengiabin,

bei ~Ibn Baithar~: Tarandschubin, arab. Elbâdsch; bei ~Simon

Januensis~: Tereheniabin; bei ~Serapion~ (I, S. 606) Tereniabin, bei

~Garcia da Orta~: Tirimiabin, Trungibim; bei ~Alpini~ und ~Cordus~

(I, S. 800): Tereniabin (oder _Manna orientalis_ s. Drosomeli). Die

_Manna granata_, z. B. in der Frankfurter Liste (I, S. 812) und bei

~Cordus~, war vielleicht auch _Alhagi-Manna_ (~Flückiger~). Die im

Mittelalter über Aleppo in den Handel gebrachte sog. syrische Manna

war diese, die wohl auch ~Megenberg~ sah.

Die Stammpflanze, =Alhagi Maurorum= ~Tournef.~ (Dc.) (_Hedysarum

Alhagi_ L., _Alhagi manniferum_ ~Desv.~, _Alhagi camelorum_

~Fischer~), eine Papilionacee, wird überall in Persien, besonders

in Khorâsan, als Kamelfutter benutzt, daher Kamelsdorn. Das _Manna_

schwitzt, wie es scheint, nur unter besonderen Bedingungen (nach

größerer Hitze? auf besonderen Standorten?) als ein süßes Exsudat in

Tröpfchen aus. Denn trotz der weiten Verbreitung der Pflanze, die

auch in Afghanistan, Belutschistan und Hindostan gefunden wird, kommt

dieses _Manna_ nur aus Nord-Persien (Taebris) und vom persischen

Golf (Bender-Buschir), übrigens meist stark mit Früchten und Stielen

vermischt, in den Handel (~Schlimmer~). Die Gegend von Ruikhaut in

Persien ist durch dieses _Manna_ berühmt (~Aitchison~). ~Ibn Baithar~

zitiert nach Ishak Ben Amrân: «Tarandschubin ist ein Tau, der vom

Himmel fällt, der dem festen körnichten Honig gleicht und Honigtau

genannt wird. Der chorasanische ist der häufigste, welcher auf

den Baum Elhâdsch, welcher der Aakul Hedysarum Albagi ist, fällt.

Er wächst in Syrien und Chorasân und trägt grüne Blätter und rote

Blumen, die keine Früchte tragen. Der beste Honigtau ist der weiße

von Chorasân kommende.» ~L. Rauwolff~ (I, S. 771) beschreibt das

Manna, das er 1573 auf dem Bazar in Aleppo sah und den Baum, der es

erzeugt.

~Mir Muhammed Husain~ gibt an, daß es in Khorasan, Mawarunnahi,

Kurjistan und Hamadan gesammelt werde. Es bildet braune, trockene

Klümpchen von unregelmäßiger Gestalt, die mit Pflanzenresten

untermischt sind. Einige sind durchscheinend körnig, spröde,

kristallinisch, andere zäh, weich, amorph (~Ebert~). Sie riechen

bisweilen schwach sennaartig.

Dies _Manna_ bildete das hauptsächlichste süße Abführmittel der alten

persischen Ärzte und wurde wohl schon in Suśrutas als Hedysarum und

von ~Theophrast~ (Hist. plant. IV, cap. 4) erwähnt. Es dient noch

jetzt in Persien als Abführmittel und kommt dort in grünlich-gelben

Broten in den Handel. ~Dymock~ fand es 1891 in indischen Bazaren.

~Ludwig~ fand in ihm c. 35,5%, ~Ebert~ 42% Rohrzucker und c. 20%

Schleim. Daneben fand sich etwas Chlorophyll. Der unlösliche

Rückstand betrug c. 32%. Er bestand aus Pflanzenresten (Dornen,

Blättern, Blüten), Sand und (zugesetzter) fremder Stärke (~Ebert~).

+Die kristallinischen Stücke sind nahezu reiner Rohrzucker.+ Der

Feuchtigkeitsgehalt schwankt (1,5-5,5%). ~Villiers~ fand darin

+Melezitose+ (C₁₈H₃₂O₁₆.2 H₂O), deren Darstellung daraus ~Alechin~

beschrieb. ~Ebert~ fand den Körper nicht.

=Lit.= Die Pflanze (zuerst?) im Botan. Lexikon Kîtab as-šaǧar (um

980). -- ~Ebert~, Beitr. z. Kenntn. einig. selt. Mannasorten. Diss.

Basel 1908 (dort die Literat.). Derselbe auch in Zeitschr. d. Österr.

Apoth. Ver. 46 und Apoth. Zeit. 1909. -- ~Polak~, Persien 1865. --

~Schlimmer~, Terminol. medico pharmac. Franc.-Pers. Teheran 1874.

-- ~Ludwig~, Bestandt. einig. Mannasort. d. Orient. Arch. d. Pharm.

1870. -- ~Villiers~, Bull. soc. chim. 27, p. 98. -- ~Flückiger~,

Pharmakognosie (dort S. 31 weitere Lit.) -- ~Heyd~, Levantehandel. --

~Haussknecht~, Arch. d. Pharm. 1870. -- ~Alechin~, Zeitschr. d. russ.

chem. Ges. 21, p. 420.

Nach ~Collin~ (Journ. pharm. chim. 1890) werden in Persien zwei

purgierende und fünf pektorale Mannen unterschieden. Eine Übersicht

über persische und indische Mannen auch bei ~Hooper~, Pharm. Journ.

1890.

~Boccone~ erwähnt in seinen Curiösen Anmerckungen 1697: Terengiebin

(Alhagi), Chirchest (Xirquest, Xircest, Scirquest, Siracest),

Guczangkemin, Men essemà (Men essalüa) und ein Manna aus der Feige,

sowie das Mannagras und die _Manna caccia_ Ungarns (Hermata chassa).

-- Vgl. ferner: ~Virey~, Sur la manne des Hébreux et les mannes

divers de l’Orient. Journ. ph. 4 (1818), 120 (dort ältere Lit.). --

~Maiden~, Vegetable exudationes. Scient. res. of the Elder Exploring

Expedit. 1892.

b) Tabaschir.

Tabâshîr, Tabaxir, aus Tvak-Kshira (sansc. = Rindenmilch)

korrumpiert, bei Suśrutas: tugâkshîrî -- Vaṁça rocana, Báns lochan

(hind.), Bambusmanna, Vanśa śarkarā = Bambuszucker (_Saccharum

bambusae_), Vanśa karpura = Bambuscampher (_Manna bombacina_ bei

~Alpini~?).

I. +Tabaschir+ (I) findet sich an der Oberfläche der Halme einiger

indischer Bambusarten, bes. =Bambusa stricta= ~Roxb.~ (_Dendrocalamus

strictus_ ~Nees~), die in Zentral- und Südindien heimisch ist, in

Form von stalaktitenähnlichen, gegen den Halm hin abgeplatteten

weißen oder hellbräunlichen Stücken, die sich leicht und vollständig

im gleichen Gewichte Wasser lösen und fast vollständig aus Rohrzucker

bestehen (~Hooper~), jedenfalls nur wenig reduzierenden Zucker

enthalten. Die Asche beträgt 0,96%. Nur 0,77% einer ~Fehling~sche

Lösung reduzierenden Substanz ließen sich nachweisen.

+Dies+ Tabaschir ist wohl (auch nach ~Lippmann~) das σάκχαρον des

~Dioskurides~, das er «Honig des Zuckerrohrs» nennt und als durch

Ausscheidung entstanden und dem Salze ähnlich beschreibt. Es war ein

Handelsartikel der Westküste Indiens, besonders von Thana, wo es

~Edrisi~ (1135) traf. Ebenso kennt es ~Ibn Sina~, die Zollliste von

Aden (I, S. 699) und ~Garcia da Orta~ (I, S. 736). Es wird noch jetzt

in der orientalischen Medizin benutzt, ist aber selten geworden. Auch

die Pharmac. persica von 1681 (I, S. 808) führt dies Tabaschir auf.

II. +Ein anderes Tabaschir+ (II) kommt +im Innern+ der Halme der

Bambusen vor. Es wird schon von ~Ibn Baithar~ bestimmt von dem oben

beschriebenen unterschieden. Es besteht fast ganz oder zum größten

Teil aus Kieselsäure und Silikaten. ~Fourcroy~ und ~Vauquelin~

fanden darin 70%, ~Ince~ 86,39-91,69%, ~Rost van Tonningen~ 86,38%,

~Thomson~ 90,5%, ~Guibourt~ 97,39% Kieselsäure, daneben Kalk, Kali,

Natrium. Es enthält aber auch 4,25% Rohrzucker neben 2,6% Schleim

(~Ebert~).

Die Beziehungen der beiden Tabaschire können wir uns so denken,

daß ursprünglich in das Innere der Halme ein Gemisch von Silikaten

und Zucker abgeschieden wurde, die zunächst in wässriger Lösung

sich befanden. (Ich habe beim Anschneiden von Bambushalmen in

Java oft im Innern eine beträchtliche Menge einer wässrigen

Flüssigkeit gefunden.) Dann dialysierte besonders an den Knoten

der kristallinische Zucker durch die Halmwand nach außen, wo er

nur in der Trockenzeit sich erhielt und auskristallisierte, in der

Regenzeit aber abgewaschen wurde und in der Höhle der Internodien

blieb eine zuckerarme Lösung zurück, die die amorphen, kolloidalen

Substanzen (Schleim und Silikate) enthielt (~Ebert~). Diese gab dann

beim Eintrocknen das Tabaschir II. Das würde erklären, daß Tabaschir

I seltener ist. (~Kobus~, der auf ~Lippmanns~ Ersuchen vor einigen

Jahren den Sachverhalt untersuchte, fand obige Theorie in Java nicht

bestätigt.) Auch das Tabaschir II wird noch jetzt arzneilich benutzt.

Aus der Literatur, mit Ausnahme der analytischen, ist selten klar

ersichtlich, welches der beiden gemeint ist.

So würden denn ~Salmasius~ und ~Humboldt~ Recht haben, die (entgegen

der Meinung ~Pereiras~) meinten, daß das σάκχαρον der Griechen der

«Saft des Bambusrohres» gewesen sei (vgl. auch ~Pereiras~ Handbuch

II, S. 26).

=Lit.= ~Fourcroy~ u. ~Vauquelin~, Ann. du Museum VI, 1806 (amerikan.

Tabaschir). -- ~Guibourt~, Hist. des drog. simpl. -- ~Thomson~,

Rec. of Gen. Science 1836. -- ~Rost van Tonningen~, Jahresb. d.

Chem. 1860. -- Pharmacographia indica. -- ~Watt~, Dictionary of the

economic prod. of India. -- ~Hooper~, Pharm. Journ. 1891 und 1900,

640. -- ~Ince~, Ebenda. 1896 (dort Analysen). -- ~Poleck~, Bambusa

arundinacea, Pharm. Centrh. 1886 u. Zeitschr. d. Österr. Ap. Ver.

1887. -- ~Huth~, Der Tabaschir in sein. Bedeut. für d. Bot. Mineral.

u. Phys. Berlin 1887. -- ~Kurz~, Indian Forester I. -- ~Brandis~,

Ebenda XIII. -- ~Ebert~, Beitr. z. Kenntn. selten. Mannasort. Diss.

Zürich. 1908. -- ~Flückiger~, Zur Geschichte d. Tabaschir. Zeitschr.

d. Österr. Apoth. Ver. 1887 u. Schweiz. Zeitschr. f. Pharm. 1859.

c) =Californisches Manna.=

Auch an einem anderen Grase, =Phragmites communis=, ist ein wohl durch

Aphiden (~Watson~) erzeugtes süßes Exsudat beobachtet worden (Pater

~Picolo~ und ~Ross Browne~ bei ~Lloyd~), das als +Californisches Manna+

bekannt ist. Es wird noch jetzt von Indianern gesammelt (~Lloyd~,

Californian Manna. Amer. journ. pharm. 1897 (deutsch in Ber. d. pharm.

Ges. 1897).

d) =Blue Grass Manna.=

Ebenfalls von einem Grase, und zwar von dem in Neusüdwales heimischen

=Andropogon annulatus= ~Forsk.~, stammt das Blue grass Manna (~Baker~

and ~Smith~, Pharm. Journ. 1897).

e) =Weidenmanna oder Bide Khecht.=

Das +Weidenmanna+ (Bide khecht, Bid chischt) wird im Spätsommer von

den Blättern von =Salix fragilis= L. in Persien ausgeschwitzt und

nördlich von Teheran in den Dörfern am Fuße des Elbrus (~Polak~) oder

dem Distrikt Cheriar (~Schlimmer~) gesammelt. Ein ähnliches _Manna_

scheint auf Apfelbäumen, auf _Pirus glabra_ und _Salsola foetida_

vorzukommen.

Es bildet unregelmäßige weiße oder rote Stücke. Den ~Ebert~ 1908

vorgelegenen Stücken waren Rosenblätter und eine Ferulaceenfrucht

beigemengt. ~Haussknecht~ sagt, es werde mit Mehl vermischt.

Es enthält in den reinsten Stücken 50% Rohrzucker. Daneben findet

sich darin 17,5% Dextrose, 13,26% andere wasserlösliche Bestandteile.

Der unlösliche Rückstand (Gips, Weizenmehl, Pflanzenreste) betrug

19,2%.

Ein ähnliches Manna liefert _Salix tetrasperma_ in Indien. Dies

enthielt 10% eines reduzierenden Zuckers (Pharm. Zeit. 1893, 548).

Aus einem Bidenguébine wurde neben 12% Glukose ein der Saccharose

ähnlicher Zucker (+Bidenguebinose+) isoliert. Über das andere

Weidenmanna siehe weiter unten.

=Lit.= ~Ebert~ a. a. O. -- ~Flückiger~, Pharmakognosie. -- ~Ludwig~,

Arch. Pharm. 1870 (dort die ältere Lit.). -- ~Haussknecht~ a. a. O.

-- ~Hooper~, Pharm. Journ. 1890.

f) =Eichenmanna oder Gueze-elefi.=

Das Eichenmanna, Vallonenmanna, _Manna quercina_ oder _quercea_,

Gueze-elefi (gezza, bei den Türken küdret halwa = Himmelssüßigkeit,

daraus vielleicht Trehala korrumpiert) erwähnt schon ~Theophrast~

(hist. plant. lib. 3). Es entsteht in Persien auf den Blättern

und Fruchtbechern von =Quercus Vallonea= ~Kotschy~ und =Quercus

persica= ~Jaub. et Spach~ (~Ibn Baithar~ nennt _Q. coccifera_ =

dschidár), angeblich durch die Blattlaus _Coccus manniparus_ (?).

Im August werden die Eichenwälder von diesen Blattläusen befallen,

die Blätter bedecken sich mit einem feinen Mehltau, der zu sehr

süßen wasserhellen Tropfen zusammenfließt, die abtropfend oft den

ganzen Boden ringsum bedecken (~Haussknecht~). Dies auf die Erde

fallende Manna scheint nicht gesammelt zu werden. Die Bewohner

der Bergdistrikte sammeln vielmehr die von der _Manna_ befallenen

Blätter, wiegen sie fein und stellen aus der klebrigen Masse

graugrüne, zähe, gut haltbare Klumpen dar. Andererseits tauchen sie

die klebrigen Blätter auch in heißes Wasser, dampfen zum Sirup ein

und verwenden diesen direkt oder dicken weiter ein, vermischen das

Extrakt mit Mehl, streichen auf Leinwandstreifen und trocknen an der

Sonne. Dies Produkt heißt Pekmes (~Haussknecht~). Es scheint auch

vorzukommen, daß man die Blätter trocknet und das eingetrocknete,

pulverig gewordene Manna abklopft (~Berthelot~, ~Schlimmer~).

Die mit der Blattmasse vermischten Klumpen, wie es scheint die

einzige in den Handel gebrachte Sorte dieses _Manna_, enthält (nach

~Ebert~) 52,2% Rohrzucker (~Berthelot~ fand in der von der Blattmasse

befreiten Masse 61%), 19% Traubenzucker, 10,3% Schleim, 7,45%

Feuchtigkeit und 10% Rückstand. (Darunter nur wenige Tierreste.)

~Ludwig~ und ~Flückiger~ geben 48 resp. 90% Traubenzucker und keinen

Rohrzucker an, doch sagt ~Flückiger~ nur, daß er rechtsdrehenden

Zucker gefunden habe, den er nicht zum Kristallisieren bringen

konnte. Dextrin, das ~Berthelot~ angibt, konnte er nicht finden.

~Ludwig~ hat nur die Drehung des Auszuges bestimmt.

=Lit.= ~Polak~, Persien, das Land und seine Bewohner. 1865.

-- ~Schlimmer~ a. a. O. -- ~Ebert~ a. a. O. -- ~Flückiger~,

Pharmakognosie u. Arch. Pharm. 1872. -- ~Ludwig~, Bestandt. einiger

Mannasort. des Orient. Arch. Pharm. 1870 (dort die ältere Literat.).

-- ~Haussknecht~, Mannasorten d. Orient. Ebenda 1870. -- ~Berthelot~,

Ann. chim. phys. 3 ser. t. 67.

g) =Schîr-Khist.=

Bei ~Avicenna~: Szirchosta. Die Bezeichnung Schîr-Khist,

Schir-Khisht, Shîrkhisht (= erhärtete Milch) +ist ein

persisch-indischer Kollektivbegriff für Manna überhaupt+ (Dict.

econom. prod. Ind.), wird aber auch für eine besondere Sorte, nämlich

das schon von ~Ibn Baithar~ unter dem Namen Schîrschaschak als

Husten- und Abführmittel erwähnte _Manna_ benutzt, das in Herat,

dem Elbrus und in Khorasan gesammelt wird (~Schlimmer~) und von der

Amygdalacee =Cotoneaster nummularia= ~Fischer et Meyer~ (und von der

Polygonacee =Atraphaxis spinosa= L.) stammt (~Haussknecht~).

Das von ~Ebert~ 1908 untersuchte _Manna_, das bestimmt von

_Cotoneaster_ stammte (~Hartwich~), bildete grauweiße, bröcklige,

von Kristallen durchsetzte Stücke von Erbsengröße und süßem, schwach

mehligem Geschmack. Die beigemengten Pflanzenreste (Stücke der

Stengel, Rinde, Kelche und Blättchen) waren von einem mehligem

Überzuge bedeckt. Dieses _Manna_ enthielt 12,9% Rohrzucker, 37,5%

Glukose, 24,2% Schleim, 15,9% Feuchtigkeit. Es wird noch heute

in Persien benutzt (~Polak~). In dem in Indien viel benutzten

_Manna_ von _Cotoneaster nummularia_ ~Fisch. et Meyer~, einem bis

14 Fuß hohen Strauche der Paropamisuskette und Khorasans, das im

Juni durch Abschütteln der Zweige gesammelt und massenweise nach

Persien und Indien exportiert wird (~Aitchison~), fand ~Hooper~

8,3% Glykose, 4,1% Rohrzucker, gegen 50% +Chirkhestit+ (C₆H₁₄O₆

«dem Mannit und Sorbit verwandt», wahrscheinlich Sorbit, ~Raby~).

Da Schîr-Khist ein Sammelname ist (siehe oben) -- bei ~Ibn Baithar~

lautet der Sammelname Mann -- ist es begreiflich, daß auch andere

Mannaarten unter diesem Namen gelegentlich in den Handel kamen

und kommen. So ist das Schîr-Khist von ~Raby~, in dem er einen

neuen, angeblich dem Sorbit ähnlichen Zucker, den Chirkhestit,

sowie das =Bidenguebin=-(Bid-engebin?-) =Manna=, in dem derselbe

die Bidenguebinose auffand, sicher von der obigen verschieden und

wohl den Weidenmannas (s. oben S. 133) anzugliedern. Und auch

das Schîr-Khist von ~Ludwig~, in dem dieser 17,8% linksdrehenden

Zucker und 22,5% Stärke fand, muß ein anderes Produkt gewesen sein

(_Atraphaxis-Manna_?). _Atraphaxis-Manna_ erwähnt ~Garcia da Orta~

unter dem Namen Xirquest, Xircast. Die Manna mastichina des ~Prosper

Alpin~ war vielleicht Schîr-Khist.

=Lit.= ~Polak~ a. a. O. -- ~Schlimmer~ a. a. O. -- ~Haussknecht~

a. a. O. -- ~Ebert~, Dissert. Zürich 1908. -- ~Raby~, Chirkhest and

Bidenguebin. Ph. Journ. Transact. 19 (1889) p. 993. -- ~Ludwig~

a. a. O. -- ~Hooper~, Pharm. Journ. 1890, 421.

Weitere Mannaarten siehe unter den Trisacchariden, unter Mannit und

Dulcit. Eine Liste der indischen Mannaarten in ~Watts~ Dictionary.

Eine Zusammenstellung der Pflanzen, die ein Manna liefern, auch

in Chem. Drugg. 1890, 863. Eine ältere Monographie der Mannen gab

~Claudius Salmasius~ (Plinian. exercitation. Ultraject. 1689).

h) =Tamarixmanna.=

Das Tamariskenmanna (arab. Gazánjabín, pers. gazangabín --

Ges-engebin, Gesendschebin, Gäzändjebîn, -- in der Pharmacop.

persica 1681 (vgl. I, S. 808): Guezengebin, umfaßte hier wohl

mehrere Mannaarten; -- bei ~Alpini~: Terengebil) wird von =Tamarix

gallica var. mannifera= ~Ehrenberg~ (+arab.+ asl, tarfá [so auch bei

~Serapion~], athel [bei ~Amran~, I, S. 598], -- +pers.+ gaz -- gaz

angabin [oder ges-engebin] also = Tamariskenhonig; _Tamariscus_ steht

in der Alphita «arbor genestae s. miricae», I, S. 660) gesammelt und

soll angeblich durch die Schildlaus _Coccus manniparus_ ~Ehrenb.~

erzeugt werden. Diese bis 7 m hohe Tamariske findet sich fast in ganz

Persien (besonders häufig im Süden), dann in Afghanistan, Arabien,

in der sinaitischen Wüste, Ober-Ägypten und Nubien. «Die glänzend

weißen, honigdicken Tropfen dieser eigentümlich angenehm riechenden,

wohlschmeckenden Tamariskenmanna träufeln in der Sonnenwärme des Juni

und Juli von den obersten Zweigen herunter, werden in der Umgebung

des St. Katharinenklosters am Sinai in lederne Schläuche gesammelt

und seit Jahrhunderten (bereits ~Antonius Martyr~, c. 570 n. Chr.,

berichtet davon) teils genossen, teils den Pilgern teuer verkauft,

da die ganze Ernte im günstigsten Jahr nur 700 Pfund beträgt»

(~Wellsted~, ~Flückiger~). ~Burkhart~ traf den Baum im Tale Scheikh

und nur in diesem einen Tale Arabiens, durch das die Juden seinerzeit

zogen, kommt er in größerer Menge vor. Das _Manna_ wird vor

Sonnenaufgang gesammelt, wenn es erhärtet ist, in der Sonne schmilzt

es. Die Araber kochen es und seihen es durch ein Stück Zeug. Es ist

schmutzig gelb, schmeckt süß und etwas gewürzhaft, hart wird es nie.

In Persien scheint, jetzt wenigstens, _Tamarixmanna_ nicht gesammelt

zu werden. _Tamarixmanna_ enthält 55% Rohrzucker, 25% Lävulose und

20% Dextrin (~Berthelot~).

Nach der gewöhnlichen Annahme, die sich auf die Ausführungen von

~Ritter~, ~Tischendorf~ und ~Ebers~ stützt, soll dies +das Manna der

Bibel+ sein. Auch ~Flückiger~ nimmt dies an. Ich lasse die Frage

offen (I, S. 490) und führe (a. a. O.) als möglich an, daß es sich

um eine Flechte (vielleicht um die Mannaflechte _Sphaerothallia

esculenta_) gehandelt haben könne. Ich stütze mich auf ~Haussknechts~

Ausführungen, der bemerkt:

«Was nun die +biblische Manna+ anlangt (d. h. _Chlorangium Jussuffii_

~Link~ [_Lecanora esculenta_ ~Eversmann~, _Lecanora desertorum_

~Krempelhuber~]), so kann ich mir darunter nur eine solche oder

eine ihr doch ähnliche +Flechte+ vorstellen, die auch das scheinbar

Wunderbare in der biblischen Darstellung sehr gut erklärt. Etwas

Übertreibung muß man den Orientalen zugute halten, behaupten sie ja

doch noch heute, daß diese Manna vom Himmel falle. Daß die Juden ihre

Manna nur am Morgen, wenn der Nebel verschwunden war, sammelten,

ist klar, weil dann die durch die Feuchtigkeit angeschwollenen

Flechten leicht sichtbar waren; nach längerer Einwirkung der

Sonnenstrahlen aber (2. Mos. 16, 21) schmolz sie, was wohl eine

falsche Übersetzung ist, es hätte heißen müssen: «+verschwand+

sie», indem die austrocknende Flechte sich zusammenkrümmt und sich

mechanisch mit Erde umhüllt (resp. nun zwischen den Steinen nicht

mehr sichtbar ist. ~Tschirch~). Aus 4. Mos. II, 7-9 ersieht man,

daß die Manna eine trockene, feste Substanz sein mußte, da sie in

Mühlen gestoßen wurde. Daß die Manna sich nur in stets unkultiviert

gewesenen Wüsten fand, wo sich Flechten in großer Menge bilden

konnten, geht aus Josua 5, 12 hervor, weil dieselbe bei Annäherung

an kultivierte Gegenden aufhörte. Daß die Flechte +unausgetrocknet+

in großen Massen aufgehäuft, sofort sich erhitzen und verderben

mußte, ist selbstverständlich. Auch die Geschmacksangabe der Bibel

paßt nur hierher «wie Semmel mit Honig», obgleich es richtiger

gewesen wäre, wenn diese Stelle mit «+wie süßes Mehl+» oder «+wie

süßes Brot+» übersetzt worden wäre, denn die Semmeln kannten sie ja

damals ebensowenig als heute. Da ~Ehrenberg~ +Manna-Ausschwitzungen

auf Tamarix in den Schluchten des Sinai+ beobachtet hat, so hat

man seitdem allgemein und mit ziemlicher Bestimmtheit angenommen,

daß diese auch die _Manna_ der Juden gewesen sei. Allein die

Eigenschaften dieser _Manna_ widersprechen den Angaben der Bibel

vollständig. Auch ist es gar nicht denkbar, daß die verhältnismäßig

so geringe Ausschwitzung einem ganzen Heere zur Nahrung hätte dienen

können. Bezieht man aber die Angaben auf diese Flechte, so kann man

nicht umhin, nur in ihr die wahre Manna der Juden zu erblicken.»

Auch ~Henry Castrey~ (La Nature 1898) teilt die Ansicht, daß

es sich um eine Flechte handle. Er nennt das «Manna der Juden»

_Sphaerothallia esculenta_ N. ab Es. und berichtet, daß noch heute

die Araber, welche die Sandwüsten Arabiens durchqueren, diese

Flechte, welche sich dort sehr häufig findet und nach jedem Regen

große Haufen auf dem Sande bildet, zur eigenen Ernährung wie zum

Futter der Kamele benutzen. Die erbsengroßen, auf dem Bruche mehligen

Körner von ziemlich angenehmem, schwach süßem Geschmacke enthalten

14% Stickstoffsubstanz, 32% Kohlehydrate, 4% Fett, sind also wohl

imstande eine Zeitlang als Nahrung zu dienen. Über einen neuerlich

erfolgten «Mannaregen» bei Diabakr, bei dem die Flechte zu Brot

von guter Beschaffenheit verbacken werden konnte, erhalten wir

Nachrichten durch La Nature 1891.

Das oben erwähnte _Chlorangium_ wird von den Persern gemahlen und zu

Brot verbacken und ist auf den Bazaren in Isphahan unter dem Namen

schirsad bekannt.

Die Auffassung, daß das Manna mit dem Tau vom Himmel falle, finden

wir auch bei ~Mesue~.

Mit der _Tamarixmanna_ vielfach verwechselt wurde ein den gleichen

Namen: ges-engebin (d. h. _Tamarixmanna_) tragendes Manna, das in

Persien von =Astragalus florulentus= ~Boiss. et Haussk.~, =Astr.

adscendens= ~Boiss. et Haussk.~ besonders im Westen von Ispahan

gesammelt und viel benutzt wird. Es bedeckt wie ein Mehltau die

Zweige und läßt sich abklopfen. Die beste Sorte trägt den Namen Ges

Alefi oder Ges Chonsari. Es wird mit Mandeln, Pistazien, Gewürzen

und Mehl zu eigenartigen, sehr beliebten Gebäcken verarbeitet

(~Haussknecht~).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 19 / 120 段