Eine auffällige ist die sog. +Rübenschwanzfäule+; sie besteht darin,
daß die Rübe, beim Schwanzende beginnend, abstirbt, wobei eine
Inversion des Rohrzuckers stattfindet.
In Algier beobachtete ~L. Trabut~ eine Krankheit der Rübenwurzeln,
die im Auftreten von fleischigen, traubigen Auswüchsen besteht, in
welchen in stark vergrößerten Zellen ein Pilz auftritt, den ~Trabut~
für eine +Ustilaginee+ hielt, der aber nach Untersuchung von ~Magnus~
zu dem Chytridineengenus +Urophlyctis+ gehört (_U. leproides_
[~Trab.~] ~Magn.~). -- _Peronospora Schachtii_ wird als Erreger
der sog. +Kräuselkrankheit+ der Herzblättchen der Rübe angesehen,
welche mitunter einen nicht unbeträchtlichen Schaden stiftet. -- Bei
der sog. +Wurzel-+ oder +Herzfäule+ der Rüben tritt u. a. _Phoma
Betae_ ~B. Frank~ auf, welche nach ~Prillieux~ und ~Delacroix~ die
Pyknidenform des Pyrenomyceten _Mycosphaerella tabifica_ ist; doch
ist das ursächliche Verhältnis dieses Pilzes zu der Krankheit nicht
in jeder Hinsicht klargestellt. Derselbe Pilz in Gemeinschaft mit
_Pythium de Baryanum_ und _Aphanomyces laevis_ soll auch bei der
gefährlichsten bei uns vorkommenden Rübenkrankheit, dem Wurzelbrand,
beteiligt sein. -- Das Mycel von _Sclerotinia Libertiana_ und
ein Mycel unbekannter Zugehörigkeit (_Rhizoctonia_) befallen die
Rübenwurzeln, ersteres speziell auch die eingekellerten Rüben. Nicht
völlig aufgeklärt ist in bezug auf ihren Urheber auch die sog.
+Schorfkrankheit+ der Rüben.
Über die Krankheiten der Zuckerrübe berichtet fortlaufend der
Jahresber. über d. Untersuch. u. Fortschritte auf d. Gesamtgebiete
der Zuckerfabrikation (herausg. v. ~Joh. Bock~) Braunschweig,
~Vieweg~.
=Gewinnung.= In der Zuckerrübe bezw. in dem Safte derselben sind
(bes. durch ~v. Lippmann~) sehr zahlreiche Substanzen nachgewiesen;
neben +Rohrzucker+, der etwa 15-18% ausmacht, wenig Raffinose und
Invertzucker, dann Zitronensäure, Oxalsäure, l-Apfelsäure, r-Weinsäure,
Aconitsäure, Adipinsäure, Bernsteinsäure, Glutarsäure, Glykolsäure,
Glyoxylsäure, Malonsäure, Oxyzitronensäure, Tricarballylsäure, ferner
Glutamin, Asparagin, Leucin, Tyrosin, dann Lecithin, Cholin, Betain,
Citrazinsäure, bisweilen auch Coniferin, Vanillin, Brenzcatechin,
ferner Phytosterin und eine Rübenharzsäure, -- Arabinsäure,
Metapektinsäure, Metarabin, Pararabin, γ-Galaktan, endlich Xanthin,
Guanin, Hypoxanthin, Adenin, Carnin, Arginin, Guanidin, Allantoin,
Vernin und Vicin, von Enzymen Tyrosinase und ein Farbstoff.
Aufgabe der Rübenzuckerfabrikation ist es, den Rohrzucker von dem
«Nichtzucker» zu trennen und zur Reinkristallisation zu bringen.
Es geschieht dies jetzt meist in der Weise -- im einzelnen werden
Abweichungen beobachtet --, daß die gut gewaschenen Rüben in Schnitzel
geschnitten und in den zu Batterien vereinigten Diffuseuren der
Diffusion unterworfen werden. Der von den Diffuseuren kommende, etwa
12-15% Rohrzucker enthaltende Saft wird in der Hitze mit Kalkhydrat
behandelt, nahezu mit Kohlensäure saturiert und zum Sieden erhitzt,
durch Filterpressen geleitet, dann nochmals mit Kohlensäure oder
schwefliger Säure saturiert und schließlich wieder durch die
Filterpresse geleitet. Der so erhaltene Dünnsaft, der 10-12% Zucker
enthält, wird in Vakuumapparaten eingedickt und dann auf verschiedene
Weise zur Kristallisation gebracht. Durch Zentrifugieren der erkalteten
Masse gewinnt man den «Rohzucker», was von diesem abgeschleudert
wird ist der Sirup, der bei weiterem Verkochen noch ein oder zwei
«Nachprodukte» liefert, und die letzte, nicht mehr kristallisierbare
Mutterlauge ist die +Melasse+. Sie wird jetzt oft noch mittelst
Strontian chemisch entzuckert, oder durch Vergärung auf Alkohol und
die Melasseschlempe auf Kaliumcarbonat verarbeitet. Der Rohzucker wird
meist in eigenen Raffinerien raffiniert (Konsumzucker) und gelangt dann
als ganz reiner weißer +Kristallzucker+ (und Raffinade) meist in den
charakteristischen Hüten oder in Würfeln in den Handel.
Die Herstellung der bekannten Zuckerhüte (Zuckerstöcke) erfolgt in der
Weise, daß man den Kristallbrei in konische, mit der Spitze nach unten
aufgestellte Formen füllt, die Mutterlauge abfließen läßt und dann oben
eine gesättigte reine Zuckerlösung aufgießt («deckt»). Diese verdrängt
die Mutterlauge und wird schließlich abgesaugt, worauf man die Hüte in
Trockenstuben trocknet.
=Produktion.= Die +Rübenzuckerproduktion+ Europas betrug 1907/08:
6527800 t, davon entfallen auf Deutschland 2135000 t, auf
Österreich-Ungarn und Rußland je etwa 1400000 t, der Rest auf
Frankreich, Belgien, Holland u. and.
Es wird zurzeit (1910) wieder mehr Rohrzucker wie Rübenzucker
produziert. (1907/08 mehr Rübenzucker.) Beide liegen in einem steten
Kampfe.
Die Rübenanbaufläche betrug 1908/09 allein in Deutschland 432400 ha,
in Rußland, das jetzt mit Deutschland in Konkurrenz tritt, sogar
561300 ha, in ganz Europa 1680700 ha. In Deutschland waren 1909 361
Rübenzuckerfabriken in Betrieb. Der meiste Zucker wird in Preußen
gewonnen.
Deutschland exportierte 1909 von +Rübenzucker+ in Doppelzentner:
Kristallzucker 3303364; Platten-, Stangen-, Würfelzucker 440225;
gemahlenen Melis 300992; Stücken- und Krümelzucker 141253 (bes. nach
der Schweiz); gemahlene Raffinade 160694; Brotzucker 128994; Farin
69335; Kandis 30827; rohen Zucker (festen und flüssigen) 4037927 dz.
Die Rübenzuckerproduktion ist ein kompliziertes Problem, das auf
das innigste ebenso mit einem rationellen Zuckerrübenbau (Erzielung
hochprozentiger Rüben), mit den Bodenpreisen und Arbeitslöhnen, sowie
den Besteuerungsverhältnissen, wie auch den maschinellen Einrichtungen
der Fabriken, der chemischen Kontrolle des Betriebes und der Verwertung
der Abfälle und Nebenprodukte zusammenhängt.
Ein gutes Bild über die Zuckerproduktion der Erde gibt uns die Ein-
und Ausfuhr von Nordamerika. Es führte ein an versteuerbarem Zucker:
----------------------+----------+----------+----------+--------------
| 1906 | 1907 | 1908 | 1909
======================+==========+==========+==========+==============
+Melasse+ | 16021076| 24630935| 18882756| 22092696
(vorwiegend aus Cuba) | | | | Gallons
| | | |
+Rübenzucker+ not | | | |
above Nr. 16 Dutch | | | |
standard in color | | | |
(vorwiegend aus | 48548919| 397745046| 221036900| 98625908
Deutschland) | | | | Pounds
| | | |
+Rohrzucker+ dito | | | |
(vorwiegend aus Cuba | | | |
und den westind. | | | |
Inseln, aus holländ. | | | |
Indien und den | | | |
Philippinen) |3921605729|3986510021|3144022433|4084921078 „
| | | |
+Zucker+ , above Nr. | | | |
16 Dutch standard in | | | |
color (vorwiegend aus | | | |
aus Deutschland, | | | |
Österreich und Canada)| 9176782| 7584908| 6937789| 5874032 „
Dem steht eine Ausfuhr gegenüber von:
----------------------+----------+----------+----------+--------------
| 1906 | 1907 | 1908 | 1909
======================+==========+==========+==========+==============
+Melasse+ (vorwiegend | | | |
nach Großbritannien | 10205885| 3193322| 3320419| 3973908
und Canada) | | | | Gallons
| | | |
+Sirup+ (vorwiegend | | | |
nach Großbritannien, | | | |
Dänemark und Canada) | 12335645| 14115819| 13181095| 13865756 „
| | | |
+Brown Sugar+ | | | |
(vorwiegend nach | 276556| 58587| 13285| 60882
dänisch Westindien) | | | | Pounds
| | | |
+Raffinierter Zucker+ | | | |
(vorwiegend nach | | | |
Großbritannien und | | | |
Südafrika, dann nach | | | |
Zentralamerika und | | | |
Labrador) | 21899290| 21179016| 25497358| 79885415 „
=Handelssorten.= Der Handel unterscheidet: Raffinade (Abarten:
Würfelzucker, und Pilé, Cubes, Granulated (Sandzucker), Kastorzucker,
Kristallzucker), Melis, Farinzucker (Bastardzucker). (Vgl. auch
unter Produktion.) Für die pharmazeutischen Präparate darf nur beste
Raffinade oder Kristallzucker benutzt werden. Pharm. helv. IV verlangt
z. B. Abwesenheit von Metallen und Traubenzucker, läßt nur Spuren
von Kalk und Sulfaten zu und schreibt vor, daß 0,5 g ohne wägbaren
Rückstand verbrennen sollen.
=Prüfung.= Ein für medizinische Zwecke brauchbares _Saccharum_
muß weiß sein. 1 ccm der Lösung (2=3) mit 1 ccm Kobaltnitrat und
2 ccm Natronlauge versetzt muß eine beständige violette Färbung
annehmen. 2 Teile Zucker geben mit 1 Teil Wasser einen farblosen,
geruchlosen, neutralen Sirup von 1,330 spez. Gewicht, der beim
Stehen nichts absetzen darf und sich mit Alkohol klar mischen muß.
10 ccm des Sirups dürfen nach Zusatz von 1 ccm Natronlauge und 1
ccm Kupfersulfat innerhalb 5 Minuten bei gewöhnlicher Temperatur
höchstens eine grünliche Trübung, dagegen keine Abscheidung von rotem
Kupferoxydul zeigen (Traubenzucker). Die verdünnte Lösung muß gegen
Schwefelwasserstoff und Ammoniumoxalat indifferent sich verhalten und
durch Barytnitrat und Silbernitrat höchstens opalisierende Trübung
geben.
Medizinalzucker muß ultramarinfrei sein. Das blaue Ultramarin wird
zugesetzt, um die gelbe Farbe unreinen Zuckers zu verdecken. Während
nämlich unser Auge sehr empfindlich ist für Gelb und schon eine schwach
gelbe Färbung deutlich wahrnimmt, ist es für Blau wenig empfindlich.
=Geschichte.= ~Marggraf~ ist der wissenschaftliche, ~Achard~ der
technische Begründer der Rübenzuckerindustrie (I, S. 964). Der erste
von ~Achard~ in etwas größerem Maßstabe dargestellte Rübenzucker
wurde 1798 von der Berliner Zuckersiederei-Kompagnie auf Kandis,
Farin und Syrup raffiniert (~v. Lippmann~). Auch ~Nöldechen~,
~Hermbstädt~ und ~Göttling~ fabrizierten bereits im XVIII. Jahrb.
Rübenzucker. Die erste wirkliche Rübenzuckerfabrik setzte ~Achard~
1802 in Betrieb.
=Lit.= ~v. Lippmann~, Gesch. d. Zuckers (dort weitere Literatur).
-- Les grandes cultures. -- ~Roessig~, Vers. einer bot. Bestimm. d.
Runkel- oder Zuckerrübe. Leipz. 1800. -- ~Scheibler~, Aktenstücke zur
Rübenzuckerfabrikation in Deutschland. Berlin 1875. -- ~Rümpler~,
Ausführl. Handbuch der Zuckerfabrikation 1909 (vervollständ.
Sonderabdruck des Artikels Zucker in ~Muspratts~ Chemie). --
~Rümpler~, Die Nichtzuckerstoffe der Rüben. -- ~Wiley~, Exper. with
Sugar beets U. S. Dep. of Agric. 1894 und Progress of the Beet-Sugar
Industry in the United States. House of representatives Doc. 699.
1900. -- Jahresbericht über die Untersuchungen und Fortschritte auf
dem Gesamtgebiete der Zuckerfabrikation. Begr. v. ~Stammer~, herausg.
v. ~Bock~; der 48 Jahrg. (1908) erschien 1909. -- Abbild. der Pflanze
bei ~Pabst-Köhler~, Medizinalpflanzen t. 55 und in Les grandes
cultures.
Auf einer anderen Chenopodiacee, _Salsola foetida_, beobachtete
~Aitchison~ 1887 in Afghanistan ein aromatisch schmeckendes _Manna_.
III. Ahornzucker.
=Syn.= Maple sugar.
=Stammpflanzen= und =Systemat. Stellung=. =Acer saccharum= (Sugar
maple) und dessen Varietät _A. saccharum nigrum_ (black maple) in
erster Linie, dann auch: _Acer rubrum_ (red maple), _Ac. saccharinum_
(silver maple), _Ac. macrophyllum_ (Oregon maple), _Ac. Negundo_ (box
elder). _Acer saccharinum_ ~Wangenh.~ ist abgebildet bei ~Pax~ in
~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. III, S. 271.
+Aceraceae.+
=Gewinnung.= Der Saft des Zuckerahorn enthält im Liter 240-270 g
Rohrzucker. (Auch der Saft unseres Ahorn enthält im Frühjahr c. 3%
Zucker.) Reiner frischer Ahornsaft enthält keine Spur reduzierenden
Zucker (~Wiley~). Der Ertrag hängt vom Standorte ab. Ahornbäume
auf Höhenzügen und südlichen Abdachungen haben den zuckerreichsten
Saft. Je frischer das Klima, um so feiner ist der Geschmack des
Saftes. Die Indianer der nördlichen Staaten Nordamerikas benutzten
seit undenklichen Zeiten den Ahornzucker. Sie schnitten in ganz
geregeltem, aber ziemlich rohem Betriebe mit einer Axt den Baum
horizontal an und leiteten den Saft mit einem Stück Rinde in Gefäße,
wo er dann konzentriert wurde, im Winter durch Ausfrierenlassen.
Sie kannten festen Zucker. Die ersten Ansiedler ahmten die Methoden
der Indianer nach und verbesserten sie langsam. Das Einkochen und
Kristallisierenlassen fand im Walde selbst statt (Fig. 42). Eine
eigentliche Ahornzuckerindustrie entwickelte sich um die Mitte des
XIX. Jahrh. Sie führte zu einer Verbesserung der Art des Anschneidens
und besonders der Konzentrationsarbeit. Die Verwundung wurde nun
nicht mehr mit einer Axt gemacht, sondern ein ⅜ Zoll großes Bohrloch
angelegt, in dasselbe eine Metallröhre, meist verkupfertes Eisenrohr,
eingesetzt und ein Eimer angehängt (Taf. VI). Das Eindicken erfolgt
jetzt in langen flachen, schräggestellten Pfannen (Cooks Evaporator),
über deren fragmentierten, mit Dampf oder durch direkte Heizung
erwärmten Boden der Saft aus den Tanks in Zickzackbahn langsam von
einem Ende zum anderen fließt (Fig. 43). In entlegenen Gegenden werden
auch die alten Methoden noch geübt.
[Illustration:
Tafel VI.
Ahornsaftgewinnung in Amerika. Die Eimer am Baume befestigt während der
Saison.
[Nach Fox und Hubbard.]]
[Illustration: Fig. 42.
Eindampfen des Ahornsaftes im Walde in Nordamerika. [Nach +Fox+ und
+Hubbard+.]]
[Illustration: Fig. 43.
Moderne Verdampfungseinrichtung für den Ahornsaft in Nordamerika. [Nach
+Fox+ und +Hubbard+.]]
Jeder Baum liefert jährlich 50-150 Liter Saft, woraus 12-35 kg Zucker
gewonnen werden können. Der mir vorliegende Ahornzucker ist etwas
gefärbt.
Die Ahornzuckerindustrie hat sich namentlich in den nördlichen Staaten
der Union ausgebreitet. Von der fast 12 Mill. Pfund betragenden
Menge Ahornzucker, die die Vereinigten Staaten 1900 produzierten,
entfallen auf die New England States (Maine, New Hampshire,
Vermont, Massachusetts, Connecticut) fast 5½ Mill., etwa ebenso
viel lieferten die Middle Atlantic States (New York, New Jersey,
Pennsylvania, Maryland, Virginia, West Virginia), etwa 1 Mill. die
Centralstates und nur wenig North Carolina. Der meiste Ahornzucker
kommt aus den Staaten Vermont, New York und Pennsylvania. Auch
Ahornsyrup wird viel gewonnen, 1900 etwa 2 Mill. Gallonen, davon kam
mehr als die Hälfte aus den Zentralstaaten, besonders Ohio. 1909 soll
die Produktion an Ahornzucker auf 22½ Mill. Pfund gestiegen sein.
15 Mill. Eisenröhren mußten neu verkupfert werden. 1901 belief sich
die Gewinnung an Ahornzucker und Sirup in +Kanada+ auf 17804825 lbs
im Werte von 1780482$. Hiervon fallen auf die Provinz Quebec 13,56
Mill. lbs, auf die Provinz Ontario 3,91 Mill. lbs. Die Produktion soll
seither noch gestiegen sein. Auch sind eigens Ahornbäume in letzter
Zeit angepflanzt worden (~Tunmann~).
~Hermbstädt~ fand 1809 Rohrzucker in folgenden _Acer_-Arten: _Acer
saccharinum_, _A. pseudoplatanus_, _A. campestre_, _A. platanoides_,
_A. dasycarpum_, _A. tataricum_, _A. Negundo_, _A. monspessulanum_.
Eine lohnende Zuckerbereitung ist auch bei den japanischen
Zuckerahornarten _Acer argutum_ und _A. japonicum_ möglich.
=Lit.= ~Fox and Hubbard~, The maple Sugar industry U. S. Dep. of
agricult. Bur. of forestr. 1905. -- ~Will. F. Hubbard~, Maple Sugar
and Sirop. U. S. Dep. of agricult. Farmers Bull. Nr. 252, 1906.
IV. Palmzucker.
Die Gewinnung des +Palmzucker+ (jaggery) ist in B. I, S. 1017
geschildert. Dort sind auch die Palmzucker liefernden Palmen genannt.
In ziemlich beträchtlicher Menge wird Palmzucker auf dem malaiischen
Archipel, z. B. in Java, aus dem Safte der Zuckerpalme, _Arenga
saccharifera_ ~Labill.~ (_Gommutus saccharifera_ ~Spr.~, _Saguerus
Rumphii_ ~Roxb.~), gewonnen. Diese in Malacca Gumúti, in Java Aren oder
Anau, in Menado Akol (weitere Namen bei ~Clerq~) genannte, ziemlich
struppige (Abbild. in ~Tschirch~, Ind. Heil. u. Nutzpfl.) Gomuti-
oder Arenpalme, wächst im Innern der Malaiischen Inseln, fern von der
Küste. Sie enthält im Stamm ziemlich viel Stärke, die ihr den Namen
Sagopalme von Malacca verschafft hat und die z. B. auf Celebes gewonnen
wird. Sobald die Palme sich aber anschickt ihren Blütenstand zu
bilden wird diese Stärke in Zucker umgewandelt. Sobald die weiblichen
Infloreszenzen sich entwickelt haben und die erste männliche erscheint,
wird der Kolben geklopft bis bei Einschnitten reichlich Saft austritt,
dann abgeschnitten und die durch Blätter gegen Bienen geschützte
Schnittfläche mehrfach erneuert. «Nunmehr wird an der Schnittfläche ein
aus mehreren Internodien bestehendes, unten geschlossenes, im Innern
aber durch Durchlochen der trennenden Querwände in eine Röhre von oft
2 m Länge verwandeltes Stück Bambusrohr derartig befestigt, daß der
aus der Schnittfläche ausfließende Saft in die durch Räuchern innen
«sterilisierte» Röhre fließt. Diese Röhre hängt der Länge nach am
Baum herab und ist mittelst Rotang- (oder Eju, d. h. Aren-) Schnüren
am Stamm befestigt. Sobald ein zweiter Blütenstand erscheint, wird
in der gleichen Weise verfahren. Ich sah oftmals an einem Baume 3-4
solcher Bambusröhren hängen. Täglich fließen etwa 2-3 Monate hindurch
2-4 Liter des Zuckersaftes aus. Derselbe wird, nachdem die Röhre alle
paar Tage herabgenommen und entleert worden ist über freiem Feuer
eingedampft, bis ein Tropfen, auf einen Stein gebracht, erhärtet. Aus
der infolge der unsorgfältigen Bereitung braunen Zuckermasse werden
alsdann runde Scheiben oder rechteckige Blöcke geformt, die in die
Blätter des _Aren_ oder der _Zalacca edulis_ geschlagen als Gula-aren
(d. h. Arenzucker) auf den Markt gebracht werden» (~Tschirch~). Die
Abgabe des Zuckersaftes dauert ziemlich lange, so daß ein Baum viel
Zucker zu liefern im stande ist. Ein Hektar Arenpalmen könnte c. 8000
Pfund liefern, doch ist die Arenpalme nirgends in Plantagenkultur.
Ich sah nur einzelne Exemplare. Zu ~Junghuhns~ Zeit (Mitte des XIX.
Jahrh.) gab es in der Residentschaft Bandong noch 159 Kochplätze für
Arenzucker mit 334 eisernen Pfannen. Jetzt verdrängt der Rohrzucker
allmählich den Arenzucker. Immerhin traf ich 1889 noch viel davon in
den Warongs (Garküchen) und auf dem Pasar (Markt). Der Zucker der
_Arenga saccharifera_ besteht zu 87,97% aus Rohrzucker und enthält nur
1,53% Dextrose und 0,18% Fruktose (~Déon~). Ursprünglich ist er wohl
reine Saccharose.
Die chilenische Cocos- oder Coquito-Palme (I, S. 1018) liefert in Chile
große Mengen +Palmenhonig+, eine Hacienda bei Valparaiso mit 150000
Bäumen z. B. jährlich 200000 Liter (~Semler~).
Der zum Export gelangende Palmenzucker der Dattelzuckerpalme, der sog.
wilden indischen Dattelpalme (_Phoenix silvestris_), wird hauptsächlich
in Bengalen gewonnen. Seine Bereitung, durch Anzapfen der Stämme,
Einführen eines Bambusröhrchens und Eindicken des Saftes, schildert
~Semler~ (Tropische Agrikultur, 2. Aufl. 1897, 686; vgl. auch ~Watt~,
Dict. econom. prod. of India).
Die Gewinnung des Zuckers wird in Indien auf dem Lande noch ziemlich
primitiv nach alten Methoden betrieben. Schon ~Joseph~, ein Indianer
von Calechut (I, S. 743), beschreibt die Palmzuckergewinnung.
Lohnend erwies sich auch die Zuckergewinnung aus der Dattelpalme
und der Cocospalme. In Malabar setzt man dem abgezogenen Safte der
Cocospalme (vgl. I, S. 1017) etwas Muschelkalk hinzu, um ihn am
Gären zu hindern. Der zum dicken Sirup eingedickte Palmsaft wird auf
Palmblätter aufgestrichen und erhärtet hier. Dieser Cocospalmzucker
ist in Malabar ein namhaftes Handelsprodukt (~Schröter~). In Malacca
wird übrigens Zucker auch aus der Arenpalme, die dort auch Kabong heißt
und in Kultur sich befindet, bereitet. Die Blütenkolben heißen dort
«mayams».
Über Palmweingewinnung vgl. I, S. 1017. Schon ~Odorico di Porto
Maggiore~ (I, S. 726) berichtet von «Bäumen, die Wein tragen». In
Ceylon (Moratuwa) und Vorderindien (Tolligunj, Konnagar) wird sehr viel
Cocospalmsaft, sowie Dattelzuckermelasse auf Arak (Toddy) verarbeitet,
der in Deutschostafrika Tembo heißt.
=Lit.= ~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpfl. -- ~Bentley-Trimen~,
Medicinal plants. -- ~Simmonds~, Tropical Agricult. -- ~Watt~,
Diction. econ. prod. -- ~Schröter~, Die Palmen (I, S. 1020). --
~Clercq~, Nieuw Plantkund. Woordenboek voor Nederl. Ind. 1909.
V. Sorghumzucker.
=Stammpflanze.= =Sorghum saccharatum= ~Pers.~ (Andropogon Sorghum var.
saccharatus, Holcus saccharatus L.) und einige Sorten von =Sorghum
vulgare= ~Pers.~ (Andropogon Sorghum var. vulgaris). -- +Gramineae+ --
Andropogoneae, Andropogon. Untergattung: Sorghum.
=Herkunft und Gewinnung.= Die Zuckerhirse oder das chinesische
Zuckerrohr (Sorgho) und das wohl kaum davon verschiedene, bisweilen
aber als _Sorghum kaffrarium_ davon unterschiedene afrikanische
Zuckerrohr (Imphee), sind ursprünglich an der Ostküste von Afrika
heimisch, aber jetzt über die Erde verbreitet. Die Zuckerhirse wurde
zunächst nach China gebracht. Von dort aus kam sie über Europa nach
Amerika.
Die Stengel enthalten in den Zellen des Grundgewebes Rohrzucker.
Die Menge an Gesamtzucker beträgt oft bis 16% (~Wachtel~), weil sie
aber zum großen Teile aus Invertzucker besteht, ist die Ausbeute an
kristallisiertem Zucker nur klein, meist nur wenige Prozente, während
die Zuckerrüben schon bis 18%, das Zuckerrohr (z. B. in Cuba) schon 13%
ihres Gewichtes krist. Zucker lieferten. Am meisten macht die Tatsache,
daß der Saft der Zuckerhirse neben Rohrzucker und unkristallisierbarem
Zucker (Glukose), viel Eiweiß und Aschenbestandteile enthält und
sauer reagiert, die Darstellung von krist. Sorghumzucker schwierig
und wenig lohnend. Dagegen kann mit Erfolg Sorghumsirup dargestellt
werden. Es geschieht dies in Amerika, wo sich eine ziemlich große
Sorghumzuckerindustrie -- meist jedoch in Kleinbetrieben -- entwickelt
hat, in dem oben (S. 127) erwähnten Cooks Evaporator. Die großen
Hoffnungen, die man in Nordamerika auf die Sorghumzuckerbereitung
setzte, haben sich nicht oder doch nicht in dem Maße als man zur
Zeit des «Sorghumfiebers» dachte, erfüllt. Immerhin wurden dort
angeblich 1885 (vorübergehend) 600000 Pfund, aber ziemlich unreiner,
Sorghumzucker gewonnen. Auch in Frankreich, in Indien und Australien
sind mehrmals wenig erfolgreiche Versuche mit Sorghumzuckerbereitung
gemacht worden. Der gereinigte +Sorghumzucker+ enthält 92% Saccharose
und 4,5% Glukose.
Einen Sirup bereiten die Mexikaner übrigens auch aus den Stengeln von
=Zea Mais= L. (~Tayler~), doch ist wohl, besonders aus der _Süßmais_
genannten Varietät, deren frisch ausgepreßter Saft 15-16% Rohrzucker
enthält, von jeher, schon in der präkolumbischen Zeit, auch fester
Zucker dargestellt worden (Berichte des ~Cortez~). In Europa wurde
schon im XVIII. Jahrh. Maiszucker gewonnen. Daß der _Mais_stengel
Rohrzucker enthält, zeigte 1836 ~Pallas~.
Aus Zuckermaissaft wird in Mexiko, aus Zuckerhirsesaft in China ein
berauschendes Getränk bereitet. In Mexiko heißt dies +Pulque de Mahiz+.
=Lit.= ~Semler~, Tropische Agrikultur III, 301. -- ~H. W. Wiley~,
Rec. of experim. conduct. by the Commissioner of agriculture in
the manufacture of Sugar from Sorghum at Rio Grande, New Jersey,
Kenner, Louisiana, Conway springs, Douglass and Sterling, Kansas
1888, sowie Record of experiments with Sorghum 1890-1893 U. S. Dep.
of Agriculture. Div. of Chem. Bulletin 20, 29, 34 u. 40. -- Rep. of
the secretary of agriculture 1892. -- ~Wachtel~, Centralbl. f. Agrik.
Chem. 1880.
VI. Andere Rohrzucker liefernde Materialien.
Es ist auch vorgeschlagen worden, die =Ananas= auf Rohrzucker zu
verarbeiten, da deren Fruchtstand 11,5% kristallisierenden Zucker
enthält. Er wird aber von 2% nicht kristallisierenden Zuckers
begleitet. Der Saft eignet sich also nicht zur Rohrzuckergewinnung,
ganz abgesehen davon, daß das Ausgangsmaterial zu teuer ist.
Das gleiche gilt von den =Aprikosen=, die neben 6% kristallisierendem
Zucker, 2,75% unkristallisierbaren enthalten (~Semler~).