=Chemie.= Der wichtigste Bestandteil des Eschenmanna ist der

+d-Mannit+. Derselbe wurde von ~Proust~ entdeckt (1806) und ist

identisch mit dem Fraxinin, Granatin, Primulin, Syringin und

Graswurzelzucker. Die Mengen, die davon in der _Manna_ gefunden wurden,

werden sehr verschieden angegeben. Ganz reines weißes _Manna_ bester

Qualität soll bis 90% enthalten (~Flückiger~), bei schlechter sinkt der

Gehalt auf 30% und weniger. Alle diese Angaben bedürfen einer Revision,

denn ~Tanret~ fand 1903 zwei neue krist. Zucker darin in beträchtlicher

Menge: +Manneotetrose+ (Mannatetrasaccharid C₂₄H₄₂O₂₁, F. 167,

wasserfrei α_{D} = +150°, vgl. weiter unten) und +Manninotriose+

(Mannatrisaccharid C₁₈H₃₂O₁₆, α_{D} = +167°, vgl. weiter unten). Das

_Manna_ in Tränen besteht zu c. ⅙, das _Manna_ in Körnern zu ⅓

aus diesen Zuckern. Nach ~Tanret~ enthält gewöhnliches _Manna_ 40,

_Manna_ in Tränen 55%, +Mannit+, 3 bzw. 2,2% +Glukose+, 3,4 bzw. 2,5%

+Lävulose+, 16 bzw. 12% +Manneotetrose+, 16 bzw. 6% +Manninotriose+, 2

bzw. 1,5% +Asche+, 0,1 bzw. 0,05% Harz, 10% Feuchtigkeit und 10% noch

zu untersuchender Körper. Früher (1890) wurde in _Manna_ gefunden:

11,8-11,31% +reduzierender Zucker+ (~Butler~); im allgemeinen schwankt

der Gehalt daran zwischen 2 (bei gutem) und 20% (bei schlechtem

_Manna_). ~Backhausen~ hält den Zucker für Traubenzucker, ~Buignet~ für

Invertzucker. Dann in geringeren Sorten: +Rohrzucker+, viel +Lävulose+,

+Dextrin+ (~Buignet~ 1868, ~Flückiger~ fand +kein+ Dextrin), +Schleim+,

der mit Salpetersäure Schleimsäure liefert (~Flückiger~), Spuren

+Zitronensäure+ und des aus der Rinde stammenden, fluoreszierende

Lösungen gebenden Glykosids +Fraxin+, das bei der Hydrolyse in Fraxetin

(ein Methyldioxycumarin) und Traubenzucker gespalten wird (fehlt in

altem _Manna_, ~Flückiger~). ~Thénard~ fand in schlechtem _Manna_

einen ekelerregenden Körper bis 1%. Schon ~Rebling~ fand, daß, je

besser das _Manna_ ist, um so mehr Mannit und um so weniger Zucker in

ihm enthalten ist. Er fand in _Manna cannellata_ 82% Mannit und 2%

Zucker; in _M. Gerace_ 57 bzw. 8%, in _M. commun._ 50 bzw. 18%, in

_M. Capace_ 37,5 bzw. 30%. Vier italienische Fabriken (2 in Mailand,

1 in Genua, 1 in Cefalù) verarbeiten Manna auf Mannit, der in coni e

pani und in tavoletti in den Handel kommt. Die +Coni+ (= 200-400 g)

sind in den Fig. 38 und 39 dargestellt. Die tavolleti sind Tafeln von

25, 50 und 100 g. Der +Aschen+gehalt des Manna schwankt zwischen 0,07

und 5% (~Dieterich~). Nur bei den schlechten Sorten steigt er über 3

(~Hauke~). Den +Feuchtigkeits+gehalt gibt Ph. helv. IV auf höchstens

10% an.

=Lit.= ~Tanret~, Compt. rend. 134, 1586, Bull. soc. chim. (3) 27,

947. -- ~Rebling~, Jahresber. d. Ph. 1855, 44. -- ~Butler~ in

~Flückiger~, Pharmakognosie (III), 27. -- ~Buignet~, Journ. pharm. 7,

401 und 8, 5. -- ~Flückiger~, Arch. Pharm. 200 (1872) 159. -- (Asche)

~Hauke~, Zeitschr. d. Öster. Apoth. Ver. 1902 und ~Dieterich~,

Helfenb. Ann. 1905 u. 1906. -- ~Proust~, Ann. chim. phys. 57, 143.

-- ~Bouillon la Grange~, Journ. ph. 3 (1817), 10. (Erste Erwähnung

kristallisierten Mannits «Manne pure»). -- Ältere Analysen von

~Fourcroy~ und ~Vauquelin~, ~Bucholz~, ~Leuchtweiss~. -- Mikroskop.

Charakteristik auch bei ~Kraemer~, Proc. Am. Ph. Ass. 98, 334.

[Illustration: Fig. 39.

Trocknen der Mannit-Coni bei F. +Giglio+ e Co. in Cefalù

(Sizilien).]

Bei der Mannaesche entsteht der d-Mannit in größerer Menge erst infolge

der Verwundungen, ist also ein pathologisches Produkt. Doch scheint er

in Organen, besonders der Rinde, der Oleaceen (_Olea_, _Phyllirea_,

_Fraxinus_, _Syringa_) normal vorzukommen -- das Fraxinin ist unreiner

Mannit.

Mannit scheint weit verbreitet zu sein (~Czapek~). Er findet sich

auch bei _Evonymus_arten, _Platanus orientalis_, im Kambialsafte

der Fichte (~Kachler~), der _Cort. canellae_ (~Meyer~ u.

~Reiche~), der Rinde von _Genipa brasiliensis_ (~Kwasnik~) und

_Basanacantha spinosa_ (~Grützner~), in den Früchten von _Coffea

arabica_ (2,2%, ~Boussingault~), von _Prunus Laurocerasus_

(~Vincent~ und ~Delachanal~), _Hippophaë rhamnoides_ (~Erdmann~),

in _Aconitum_knollen (~Flückiger~), im _Süßholz_ (~Tschirch~),

in _Rhiz. graminis_ (~Völcker~), _Sellerie_ und _Daucus Carota_

sowie in _Laminaria_- und _Fucus_arten (~Stenhouse~). d-Mannit ist

bei zahlreichen höheren Pilzen ein wichtiger Reservestoff, der

bisweilen bis zu 20% der Trockensubstanz ausmacht. Das Bakterium

der Mannitkrankheit des Weines bildet aus Fruktose Mannit. Über

das Vorkommen von Mannit in verschiedenen Vegetationsperioden

verdanken wir ~de Luca~ Untersuchungen. Daß bei den _Oliven_

Mannit in Fett übergeht, zeigte ~Gerber~ durch genaues Studium des

Respirationsquotienten.

=Lit.= ~Czapek~, Biochemie. -- W. ~Meyer~ u. ~von Reiche~, Lieb.

Ann. 47 (1843), 234. -- ~Völcker~, Über das Vorkommen von Mannit in

den Wurzeln von Triticum repens. Ann. d. Chem. 59 (1846), S. 380. --

~Stenhouse~, Lieb. Ann. 51 (1844) und 91 (1854), 255. -- ~Paschkis~,

Pharm. Centrh. 1884, 193. -- ~Kachler~, Monatsh. d. Chem. 7 (1886),

410. -- ~Jandrjer~, Bot. Jahresb. 1893 II, 461. -- ~Kwasnik~, Chem.

Zeit. 1892, 109. -- ~Grützner~, Arch. Pharm. 1895. -- ~Luca~,

Compt. rend. 55, 470 u. 506. -- ~Peckolt~, Mannithaltige Pflanzen

Brasiliens. Zeitschr. Österr. Apoth. Ver. 1896. -- Zusammenstellung

d. Vorkommens von Mannit in ~Fehling~s Handwörterbuch IV, 265.

=Prüfung.= Die Bestimmung des in Alkohol unlöslichen Teiles

(«Rohmannit») kann nach ~Dieterich~ erfolgen (Helfenb. Ann. 1893).

Gutes _Manna_ soll mindestens 70-75% Rohmannit enthalten. Werden 2 g

_Manna_ mit 2 g Wasser und 40 g Weingeist eine Stunde am Rückflußkühler

gekocht, heiß durch gereinigte Baumwolle filtriert, Rückstand und

Filter mit 10 g heißem Weingeist nachgewaschen, so soll nach dem

Verdunsten der Flüssigkeit das Gewicht des bei 100° getrockneten

Rückstandes mindestens 1,5 g betragen, was einem Minimalgehalt von 75%

(Roh-) Mannit entspricht (Ph. helv. IV.).

_Manna_ darf weder Stärke, noch Mehl, noch Honig enthalten. Der

Ricettario fiorentino von 1498 (I, S. 794) erwähnt feingepulvertes

Süßholz als Verfälschungsmittel des _Manna_, ~Meunieur~ (1842)

Stärkezucker, ~Frickhinger~ neuerdings Weizenbrotteig, ~Jandous~

Traubenzucker.

=Anwendung.= _Manna_ ist ein gelindes Abführmittel, das oft mit _Senna_

kombiniert wird.

=Geschichte.= Die Alten glaubten, daß _Manna_ vom Himmel fällt:

«Jupiter melle pluit» sagt ~Galenus~ (Lib. 3 De alimentis). Über

das _Manna_ der Bibel vgl. weiter hinten. Was das mnn, das ~Ebers~

mannu liest, an den Wandungen des Laboratoriums im Tempel von Edfu

war, wissen wir nicht. Es soll den Antakörnern (vom Nehabaume)

gleichen, doch wissen wir nicht, was dies war (_Weihrauch_?), auch

soll die Lesart anta (nach ~Spiegelberg~) falsch sein und das Wort

ᶜntjw (vokalisiert etwa: ᶜᵃnt^êj^êw) lauten. Weihrauch wird meist

sntr oder ʿnt_ỉ_ geschrieben. ~Brugsch~ und ~Loret~ halten mnn für

Erdpech, nicht für _Manna_. Es war wohl ein Harz. Die älteste sichere

Erwähnung eines süßen _Manna_ ist wohl in Suśrutas (I, S. 505) zu

finden, wo süße Exsudate von _Anethum Sowa_, _Cordia latifolia_ und

«_a foliis_» erwähnt werden. (Solche _Manna_ von den Blättern «di

fronda» findet sich noch in einer Taxe von Rom 1558 I, S. 188.) Aber

sowohl dieses _Manna_ wie das bei den Arabern des Mittelalters, ~Ibn

Baithar~ (I, S. 608), ~Amran~ (I, S. 598) und ~Serapion~ erwähnte,

als auch die oftmals (Alphita, Frankfurter Liste, Braunschweiger

Inventar, bei ~Cordus~, ~Schröder~) genannten _Mannas_, besonders

_Manna granata_, _granulata_ oder _mastichina_ sind sicher kein

Eschenmanna, sondern persische oder syrische Produkte, vornehmlich

das Alhagimanna (s. weiter hinten), dann Cedernmanna. Sie standen

in hohem Ansehn als gelinde Abführmittel und wurden auch noch,

als zuerst das calabrische, dann das sizilianische Eschenmanna in

Aufnahme gekommen war, viel benutzt. Noch 1578 gibt ~Acosta~ an,

daß das beste _Manna_ aus dem Orient über Venedig komme. Aber weder

er noch ~Garcia da Orta~, noch früher ~Avicenna~, unterschieden die

Mannen gut. In dem Frankfurter Catalogus von 1582 ist die _Calabrina_

als die schlechteste, die _Brianzona_ als mittelmäßige, _granulata_,

_granata seu mastichina_ als die beste bezeichnet. Dagegen bezeichnet

~Wecker~ 1574 im Antidotarium (I, S. 807) die calabrische als die

beste. ~Schröder~ führt in seiner Pharmakop. medic. phys. noch 1649

_Tereniabin_, _Manna granata_ und _mastichina_ neben der calabrischen

auf. In der ersten +brandenburgischen Taxe+ 1574 steht: _Manna

syriaca id est mastichina optima_ (M. de levant.) und _M. calabrina

non adulterata_ (gemein gut Manna). In der Reformatio von +Worms+

1609 steht _M. granata sive granulata_, _M. mastichina_ (die best

M., die sich den Mastixkörnlein vergleicht), _M. calabrina_ (die

allerschlechst und geringst M.). Der +Ricettario fiorentino+ von

1567 (I, S. 794) erwähnt neben Manna di Soria solche von Cosenza

di Calauria. Zuerst wurde also Eschenmanna in Calabrien gewonnen

(~Hanbury~). ~Wenrich~ meint, daß die Mannaesche nebst dem Zuckerrohr

durch die Araber nach Sizilien gebracht wurde (die Pflanze ist aber

in Sizilien heimisch). Die früheste (aber zweifelhafte) Erwähnung des

sizilianischen _Manna_ stammt aus dem IX. Jahrh., wo es unter den

Dingen genannt wird, die die Venetianer in Sizilien holten (~Marin~).

Nicht erwähnt wird sizilianisches _Manna_ von ~Pegolotti~ (c. 1340),

~Antonio da Uzzano~ (c. 1442) u. and.

Auch bei ~Saladin~ (Compendium aromatariorum 1488) und ~Pontano~

wird nur calabrisches Eschenmanna erwähnt und bei ihnen wie bei

~Matthioli~ (Comment. Venet. 1565 lib. I), wie es scheint, nur

solche, die freiwillig an Blättern, Zweigen und am Stamme austrat.

Ebensolches («di fronde» und «di corpo») findet sich auch in der

römischen Taxe vom Jahre 1558. In ~Saladins~ Compendium aromatariorum

wird der Mai als Sammelmonat des _Manna_ genannt: «Collige etiam in

isto mense _mannam_ tam in oriente quam in +Calabria+, quia tunc ros

ille preciosus de celo cadit». Ein Zeitgenosse ~Saladins~, ~Giovanni

Gioviano Pontano~, verherrlichte in dem Gedichte «de pruina et rore

et manna» die Einsammlung des _Manna_ durch die calabrischen Bauern.

Der Brauch, die Rinde der Stämme durch Einschnitte zu verwunden, sog.

«_Manna forzata_» zu erzeugen, kam Mitte des XVI. Jahrh. auf. 1691

betrug die bei Campana und Bocchiglioro in Calabrien gesammelte Menge

30000 Pfund (~Hanbury~). Im XVIII. Jahrh. mußte der gesamte Ertrag

der Krone abgeliefert werden (~Flückiger~).

~Hanbury~ resümiert: Eschenmanna wurde zuerst in der ersten Hälfte

des XV. Jahrh. und zwar in Calabrien gesammelt («_Manna_ nostra

aetate coepit in Calabria provenire» sagt 1470 ~Raffaele Maffei

Volaterranus~). Das Einkerben behufs Vergrößerung des Ertrages ist

dort vor Mitte des XVI. Jahrh. nicht bekannt.

In Sicilien wurde _Manna_ erst sehr viel später produziert. Es wird

zuerst als _Manna forzata_ bei ~Boccone~ 1697 erwähnt, der als

Produktionsorte: Giachia, Jeraci, Castel Buono, S. Mauro, Mistretta,

Carini und Capaci angibt, also ungefähr die gleichen Orte, wo noch

heute _Manna_ gesammelt wird (s. oben). ~Annibale Brigante~ zeigte,

daß das freiwillig austretende mit dem durch Einschnitte erzeugten

_Manna_ identisch ist. ~Pomet~ erwähnt 1694 _Manna_ von Calabrien

(Galliopoli au Mont Saint Ange) und Sizilien und bildet die Gewinnung

mittelst der Canna ab (Hist. gen. d. Drog. p. 236). Auch ~Geoffroy~

gedenkt des sicilianischen Manna. Ende des XVII. Jahrh. dominierte

dieses Manna bereits. ~Pomet~ erwähnt allerdings noch: _Manne

de la Tolfe_ (fälschlich = _Manne de Briançon_ gesetzt), _Manne

liquide_ = Tereniabin (s. weiter unten). ~Boccone~ erwähnt 1697 von

Calabrien: _Manna di Corpo_ (das beste, aus kleinen Wunden freiwillig

ausfließend), _M. forzata_ («wie Eiszapfen», durch Einschnitte mit

einem dreischneidigen Messer ≡ oder in Form von ̭̂), _M. forzatella_

oder _di foglio_ (freiwillig aus den Blättern der wilden Orni

ausfließend).

Im XVIII. Jahrh. wurde in Calabria citra am Golfe von Taranto,

besonders in dem Territorium von Rossano, dann bei Corigliano,

Cariati und Cosenza (~Boccone~ erwähnt noch Lucciro, Tarsia, Taverna,

Castrovillari, Viesti, zwischen Bari und dem Monte S. Angelo) viel

_Manna_ gewonnen (~Riedesel~, ~Cappel Craven~). Die sicher bis in den

Anfang des XIX. Jahrh. blühende Mannaindustrie Calabriens war, wie

~Hanbury~ 1872 an Ort und Stelle feststellte, damals schon so gut

wie erloschen. Man sammelte von den «ornelli» nur noch ganz geringe

Mengen für den eigenen Gebrauch im Gebiete von Rossano, ja die

Regierung hatte sogar das Herstellen von Einschnitten verboten.

Auch die Mannaproduktion in den Maremmen von Toscana ist erloschen.

Ebenso die im XVI. und XVII. Jahrh. blühende Mannagewinnung im

Kirchenstaat (S. Lorenzo) und in Cività vecchia (Manna von Tolfa). Im

XVIII. Jahrh. unterschied man Calabrina-, Tolfa- und Puglia-Manna.

~Boccone~ erwähnt 1697 als Produzenten von _Manna_ noch: S. Felicita,

Tolfa, Castro, Palombara, Vicovaro, Monte flavio, Cori, Albano,

Montecelle, Montorio, Sassa und die Seeseite von Siena. ~Boccone~

beschreibt die Gewinnung des Manna von Tolfa, das mit dem _Manna

forzata_ Calabriens übereinstimmt, durch täglich zwei Einschnitte an

der Ostseite des Stammes.

Daß _Manna_ +nicht+ vom Himmel fällt, sondern der Succus concretus

fraxini ist, behaupteten schon ~Angelus Palea~ und ~Bartholomaeus ab

urbe vetere~, zwei Franziskaner, die 1543 einen Kommentar zu ~Mesuë~

schrieben, und ~Donatus Antonius ab Altomari~, medicus et philosophus

Neapolitanus, zeigte c. 1558 durch einen Versuch, indem er die Bäume

mit Tüchern bedeckte und doch _Manna_ darauf fand, daß dies richtig

ist. Des ~Altomari~ Beobachtungen bestätigten ~Goropius~, ~Lobelius~,

~Pena~, ~Costaeus~ u. and. Trotzdem wird noch 100 Jahre später im

Antidotario romano das _Manna_ immer noch als Tau bezeichnet, der vom

Himmel fällt.

Der erste, der deutlich die abführende Wirkung des _Manna_ erwähnt,

ist ~Actuarius~ (XIII. Jahrh., I, S. 792), doch bezieht sich

die Angabe nicht auf Eschenmanna, ebensowenig wie die analogen

Bemerkungen der Araber. Die purgierende Wirkung des Eschenmanna

behandelt zuerst ausführlich ~Rolfink~ (1667, De purgant.

vegetabil.). Die Spagyriker destillierten das _Manna_ (vgl. I,

S. 869). ~Geoffroy~, der in seiner Materia med. das _Manna_ sehr

eingehend behandelt, teilt eine pyrochemische Analyse des _Manna_

mit. Bei den Chemikern des XVI. Jahrh. galt die Bezeichnung «Manna»

für eine besondere Form «Salz» oder «Gummi». ~Pedemontanus~ nennt (I,

S. 879) die Benzoësäure «mannaartig».

=Lit.= ~Ebers~, Durch Gosen zum Sinai. Leipzig 1871. -- ~Brugsch~,

Hieroglyph. Wörterbuch, -- ~Loret~, Rec. d. trav. relat. à la

philolog. et archéol. égypt. 16. p. 158. -- ~Hanbury~ (Pharm. Journ.

1869), Arch. Pharm. 1870, 80. -- ~Flückiger~, Pharmakognosie. --

~Sylvii Bocconis~, Curiöse Anmerkungen über Ein unn ander natürliche

Dinge 1697. I Anm. von der Italiänischen Manna. So in diesem Seculo

zusammlen angefangen worden. -- ~St. F. Geoffroy~, Materia med. I, p.

498 (dort die Observationes des ~Altomari~).

2. Australisches Manna.

Dieses Manna (Outeman genannt) findet sich an einer Polygalacee,

_Myoporum platycarpum_ ~Rob. Brown.~, dem sog. Sandelholzbaume

Australiens und herabgeflossen am Fuße der Bäume am Boden. Es wird

in der Nähe der südaustralischen Fowler Bay gesammelt. Frisch ist

es weiß, im Handel aber rotbräunlich. Die Stücke sind handgroß

und bilden bis ein Fuß lange, kerzengerade Zylinder. Unterm

Mikroskop sieht man zahlreiche Mannitkristalle. Dieses australische

Manna enthält 89,65% Mannit, 2,87% reduzierenden Zucker, 0,51%

invertierbaren Zucker (Rohzucker?) und 2,37% Schleim (~Maiden~).

=Lit.= ~Bennett~, Wanderings in New South Wales. London 1834. --

~Maiden~, Pharm. Journ. 1893, 608 (~Flückiger~, Apoth. Zeit. 1893,

39). -- ~Flückiger~, Arch. Pharm. 1894, 311.

3. Platanus-Manna.

Ein Manna mit 90% Mannit erwähnt ~Jandrier~. Es wird von _Platanus

orientalis_ gesammelt.

=Lit.= ~Jandrier~, Comp. rend. 117 (1892), 498.

4. Manna von den Capverdischen Inseln.

In diesem Manna fand ~Berthelot~ 1856 Mannit (Ann. chim. phys. 47,

86). Seine Provenienz ist unbekannt.

5. Harlálumanna.

In Indien durch Erhitzen der Wurzeln des Baumes Katrā erhalten. Es

scheint Mannit zu enthalten (~Hooper~).

6. Olivenhonig.

_Olivenhonig_ (azzal zitoun) nennen die Eingeborenen von Bibans ein

aus den Stämmen kranker Olivenbäume ausschwitzendes _Ölbaummanna_,

das nach ~Trabut~ und ~Battandier~ (Journ. pharm. 1901 (13) 177,

Zeitschr. Nahrungsm.-Unters. 1901, 991 u. Apoth. Zeit. 1901, 209)

52% Mannit, 7,8% reduzierenden Zucker, 9,3% durch Alkohol fällbare

Substanzen enthält. Es soll infolge einer Bakterienerkrankung

austreten.

Die mannitfreien Mannasorten s. unter Disaccharide und Trisaccharide.

e) Drogen, welche Dulcit enthalten.

Der Dulcit ist dem Mannit stereoisomer, wie aus dem Vergleich der

Formeln hervorgeht:

OH H H OH

Dulcit: CH₂OH--C--C--C--C--CH₂OH,

H OH OH H

H H OH OH

Mannit: CH₂OH--C--C--C--C--CH₂OH.

OH OH H H

Er steht aber auch zur d-Galaktose (vgl. S. 6) in Beziehung, deren

Reduktionsprodukt er ist. Dulcit bildet derbe, asparaginartige

Kristalle, F. 186, optisch inaktiv, nicht gärungsfähig, nicht

reduzierend.

Dulcit ist in einem Manna von Madagascar, im Kraute von _Melampyrum

nemorosum_ (~Hünefeld~, ~Eichler~, ~Erlenmeyer~) und im Cambialsafte

von _Evonymus europaeus_, in der Rinde von _Evonymus atropurpureus_

(~von Hoehnel~), überhaupt im japanischen und europäischen

Pfaffenhütchen, auch im Honigtau von _Evonymus japonicus_

(~Marquenne~), in _Celastrus_ und _Schaefferia_, wie überhaupt in

Celastraceen (~Kubel~, ~v. Gilmer~, ~Borodin~) und Scrophularineen

(~Eichler~, ~Monteverde~, ~v. Gilmer~, ~Borodin~) gefunden worden.

Vorkommen oder Fehlen von Mannit und Dulcit kann als Gattungs- und

Gruppenmerkmal bei Scrophulariaceen verwertet werden (~Monteverde~).

Madagascar-Manna.

Dieses Manna unbekannter Provenienz, das kristallinische helle Knollen

bildet, besteht fast aus reinem Dulcit. Um Dulcit daraus darzustellen,

braucht man es nur aus Alkohol oder heißem Wasser umzukristallisieren.

~Gilmer~ zeigte, daß der Melampyrit von ~Hünefeld~ und ~Eichler~, sowie

der Evonymit von ~Kobel~ mit Dulcit identisch sind.

=Lit.= ~Laurent~, Compt. rend. 30, 41, 339 und 31, 694. Lieb. Ann.

76, 358; 80, 345. -- ~Jaquelain~, Ebenda. -- ~Gilmer~, Lieb. Ann.

123, 375. -- ~Czapek~, Biochemie I, 212.

B. Drogen, welche Disaccharide von Hexosen enthalten.

Die Disaccharide oder Hexobiosen sind als durch Kondensation

zweier Moleküle eines Monosaccharids, und zwar einer Hexose,

unter Wasseraustritt entstanden zu denken, sind also ätherartige

Anhydride der Hexosen. Hierher gehört die +Saccharose+ (Rohrzucker,

Rübenzucker), die ein d-Glukose--d-Fruktose-Äther ist, die +Laktose+

(Milchzucker), die als d-Galaktose--d-Glukose-Äther und die damit

wohl stereoisomere +Maltose+ (Malzzucker oder Maltobiose), die als

d-Glukose--d-Glukose-Äther zu betrachten ist. Zu der Gruppe der

Disaccharide gehört auch die dem Rohrzucker ähnlich gebaute +Trehalose+

oder +Mykose+ (C₁₂H₂₂O₁₁.2 H₂O), die in dem Trehalamanna, im Mutterkorn

und anderen Pilzen (_Fung. sambuci_, _Agaricus Muscarius_) vorkommt.

Untenstehende Formeln zeigen die Beziehungen der drei wichtigsten

Disaccharide von Hexosen zueinander.

Durch Säuren oder Enzyme werden sie in ihre Komponenten aufgespalten.

Invertase spaltet Rohrzucker in Glukose und Fruktose; Laktase spaltet

Milchzucker in Glukose und Galaktose.

Bereits ~Lavoisier~ machte von einem Disaccharid, dem Rohrzucker, eine

Elementaranalyse.

CH------- CH₂OH CHO -----CH

| \ \ | | / /|

HCOH \ O----C-- HCOH / /HCOH

| \ | \ | | / |

| O | \ | | O |

OHCH / OHCH \ OHCH | | OHCH

| / | O | O | |

HC--- HCOH / HCOH / +---CH

| | / | / |

HCOH HC--/ HCOH / HCOH

| | | / |

CH₂OH CH₂OH CH₂ CH_₂OH

(d-Glukoserest) (d-Fruktoserest) (d-Glukoserest) (d-Galaktoserest)

+Rohrzucker+, +Saccharose+ +Milchzucker+, +Laktose+

(Anhydridzucker) (Aldehydzucker)

CHO ---CH--

| / | \

HCOH / HCOH \

| / | O

OHCH / OHCH /

| O | /

HCOH / CH---

| / |

HCOH / HCOH

| / |

CH₂--- CH₂OH

(d-Glukoserest) (d-Glukoserest)

+Maltose.+

1. Rohrzuckergruppe.

Saccharose scheint bei den Tieren zu fehlen, ist aber bei den

Pflanzen viel weiter verbreitet als man früher annahm. Das haben

neuere Untersuchungen besonders von ~E. Schulze~, ~Andersen~,

~Harlay~ und ~Bourquelot~ dargetan, welch letzterer mit Hilfe seiner

Invertinmethode, die eine Reindarstellung der Zucker nicht benötigt,

gute eindeutige Resultate erhielt. Nachgewiesen ist sie z. B. in

Zuckerrohr, Zuckerrüben, Zuckerahorn, Zuckerhirse, vielen Palmsäften,

Krappwurzel, Kaffeebohnen, Gerste, Wallnüssen, Haselnüssen, Mandeln,

Johannisbrot, in den Nektarien vieler Blüten (vgl. ~Beilstein~,

Handbuch). Sehr viel Rohrzucker fanden wir in einer _Rad. rhei

monachorum_. ~Harlay~ fand (1905) viel auch in _Umbelliferen_wurzeln.

~Buignet~ gab ihn 1861 für viele Früchte an. Doch sind alle älteren

Angaben mit Vorsicht aufzunehmen.

Physiologisch betrachtet ist Rohrzucker dort, wo er in so großen

Mengen auftritt, daß seine Gewinnung lohnt, als Reservestoff

aufzufassen. In den Stämmen der Palmen und dem Zuckerrohr, wo er im

ganzen Grundgewebe sich findet, ersetzt er die Stärke und ist in

erster Linie zur Ernährung des austreibenden Blütenstandes bestimmt

oder war doch hierfür in erster Linie gebildet. Bei der Zuckerrübe

ersetzt er ebenfalls andere Reservestoffe, die sonst in unterirdischen

Reservebehältern vorkommen. Durch Kultur und Auslese läßt sich die

Menge des Zuckers auch hier steigern, und die Kultur hat bereits

eine starke Steigerung erzielt. Bei der Zuckerrübe z. B. von 3 auf

26%! Rohrzucker findet sich besonders in Pflanzenteilen, die kein

Chlorophyll enthalten (~Jodin~).

Über die Verbreitung von Saccharose im Pflanzenreich vgl. ~Czapek~,

Biochemie, und von ~Lippmann~, Chemie der Zuckerarten. Die Identität

von Palmenzucker, Sorghumzucker, Ahornzucker und Johannisbrotzucker mit

Rohrzucker stellte schon ~Berthelot~ fest (Jahresber. d. Chem. 1858,

486; dort die Lit.).

Daß Rohrzucker ein vortreffliches Nahrungsmittel ist, wußten schon

die alten indischen, persischen und arabischen Ärzte (~Lippmann~),

daß er dies sein muß, geht schon aus seiner hohen Verbrennungswärme

hervor. Dieselbe beträgt (nach ~Rubner~) cal. für 1 g: 4001, cal. für

1 g-Mol: 1368,3. Bei großen Muskelanstrengungen eignet er sich daher

außerordentlich zum Ersatze des Blutzuckers und des Glykogens und

ist in bezug auf Eiweißersparnis dem Fette überlegen. 1 g Sauerstoff

liefert bei der Oxydation von Rohrzucker 1511 Meter-Kilogramm Arbeit

(~Zuntz~). Die Kreuzfahrer kauten nach den Berichten des Mönches

~Albertus Aquensis~ bei Nahrungsmangel Zuckerrohr.

Über die aus Zucker hergestellten gegorenen Getränke vgl. I, S.

1016. Vergärbar sind nur die Zuckerarten mit drei, sechs oder

neun Kohlenstoffatomen. Über Zuckervergärung ohne Enzyme vgl. die

Zusammenstellung in Pharm. Praxis 1908, 266 (~Schade~).

~Camill Hoffmeister~ beschreibt folgende mikro-histochemische

Methode zum Nachweis von Rohrzucker +neben+ Glukosen: die

Schnitte aus dem zu untersuchenden Gewebe, 3-4 Zelllagen dick,

werden direkt in Schälchen mit konzentrierter, siedendheißer

Kupfersulfat-Seignettesalz-Natronlauge gebracht, so daß das

Oxydationsmittel möglichst rasch und in großem Überschuß einwirken

kann. Nach 1-2 Minuten ist die +Glukose+ quantitativ oxydiert. Man

nimmt die Schnitte heraus, spült dieselben durch Herumschwenken in

einer Porzellanschale mit stark verdünnter Weinsäurelösung rasch ab und

bringt sie auf dem Objektträger in einen Tropfen einer konzentrierten

Lösung von Magnesiumchlorid. Das Magnesiumchlorid löst, besonders bei

kurzem Erwärmen, den Niederschlag von Kupferoxydul in 1-2 Minuten

glatt auf. Man spült nun das Magnesiumchlorid mit weinsäurehaltigem

Wasser ab und bringt den Schnitt in einen Tropfen konzentrierter

Invertinlösung auf den Objektträger. Man läßt mehrere Stunden die

Zimmertemperatur einwirken. Ist der Tropfen nahe am Eintrocknen,

so wird von neuem befeuchtet. Die genügende Zeit zur Inversion

des +Rohrzuckers+ war stets erreicht, sobald das Eintrocknen 2-3

mal vor sich gegangen war. Nun wird der Schnitt mit einem Tropfen

Kupfersulfat-Seignettesalz-Natronlauge bedeckt, das Deckglas darüber

gelegt und vorsichtig bis eben zur Siedetemperatur erhitzt. Ist

Rohrzucker vorhanden, so scheidet sich rotgelbes Kupferoxydul ab. Beim

mikrochemischen Zuckernachweis nach der Methode von ~Sachs~ (s. oben S.

7) werden die rohrzuckerhaltigen Zellen hellblau gefärbt.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 16 / 120 段