Dextrin, Stärkezucker, Gelatine zugesetzt (s. unten). Stärke
erwähnt bereits ~Guibourt~, ~Woodcock~ Reis- und Weizenmehl, sowie
Johannisbrotpulver, ~Vogl~ Mehl und Dextrin. Doch muß man hier
vorsichtig sein mit dem Vorwurf der Verfälschung, da sich in Italien
bisweilen die Arbeiter, welche das Ausrollen besorgen, die Hände mit
Stärke einreiben (s. oben), um das Ankleben des Succus zu verhindern.
Bisweilen (neuerdings selten) enthält der Succus Kupfer (Pharm. Zeit.
1894). Eine neuerdings von den Fabrikanten zur Erzielung größerer
Festigkeit der Stangen beliebter Zusatz von 0,03% Gelatine dürfte kaum
zu beanstanden sein. Früher wurden als Verfälschung angegeben: die
Extrakte von Quecken, Löwenzahn und Cichorien, Schwefeleisen, Tonerde
(~Wollweber~ 1862).
=Schädlinge.= Oft wird alter Succus von _Sitodrepa panicea_ (I, S.
379), _Nicobium castaneum var. hirtum_ (I, S. 381) und einer anderen
weißen Käferlarve (ebenda) befallen und zerstört.
=Prüfung.= Im allgemeinen verlangt man jetzt von einem guten Succus,
daß er höchstens 25% nicht in Wasser löslicher Substanzen enthalten
soll (~Madsen~ fand 26-45%, ~Fromme~ dagegen nur 14,2-25,26%). Eine
Wertbestimmung kann auf folgende Weise ausgeführt werden.
1 g lufttrockener, in möglichst kleine Stücke zerbrochener
Süßholzsaft wird mit 150 g lauwarmem Wasser und 10 Tropfen Ammoniak
übergossen, die Mischung öfters umgeschüttelt und nach 24 Stunden
durch ein tariertes Filter von 10 cm Durchmesser filtriert; der
Rückstand wird auf das Filter gespült und mit soviel Wasser
nachgewaschen, daß das Filtrat 200 g wiegt. Das Gewicht des bei 100°
getrockneten Rückstandes soll nicht mehr als 25 cg betragen. Werden
40 g des Filtrats auf dem Dampfbade zur Trockne eingedampft, so soll
der Rückstand wenigstens 12 cg wiegen, 160 g des Filtrats, auf 10 g
eingedampft, geben mit 30 g Weingeist vermischt, einen bräunlichen
Niederschlag, welcher, mit Weingeist vollkommen ausgewaschen und bei
100° getrocknet, nicht mehr als 24 cg wiegen darf (Dextrin, Gummi)
(Pharm. helvet. IV). Die Asche darf 6-8%, der Wassergehalt 17% nicht
übersteigen.
Für die +Bestimmung des Glycyrrhizins+ besitzen wir keine ganz
zuverlässige Methode. Am besten hat sich bisher die gravimetrische
Methode von ~Hafner~ bewährt, die für die Praxis leidlich zuverlässige
Resultate ergibt. Ich habe sie etwas abändern lassen (vgl. die
Dissertation von ~Cederberg~, Bern 1907). Meine oben (S. 90) erwähnte
Methode muß noch an größerem Material durchgeprüft werden. Sie lieferte
~Ella Eriksson~ bei Cassano gut übereinstimmende Resultate.
Da das trockene Süßholz c. 5,5-7% Glycyrrhizin enthält und ungefähr
25 bis 30% Extrakt gibt (in den Fabriken, wo anders gearbeitet wird,
16-20% der +frischen+ Wurzel), so müssten in gutem Succus etwa 16-21%
Glycyrrhizin enthalten sein, vorausgesetzt daß das Glyzyrrhizin bei der
Fabrikation intakt bleibt, was aber nicht der Fall ist.
Tabellen über Analysen von _Succus liquiritiae_ finden sich im
Kommentar zum deutschen Arzneibuch von ~Hager-Fischer-Hartwich~ 1896,
II, S. 624, ~Wittstein~s Handwörterbuch d. Pharmakognosie S. 821 und
bei ~E. Schmidt~, Apoth. Zeit. 1900, 216. Die Angaben von ~Parry~ s.
oben (S. 100).
=Lit.= Mit der Prüfung des Succus beschäftigten sich: ~Madsen~,
Investigationes of Succus liqu. Kopenhagen 1881. -- ~Diehl~, Jahresb.
d. Pharm. 1883, 269 (Seine Methode auch in ~Hager-Fischer-Hartwich~,
Kommentar). -- ~Schröder~, Ebenda. S. 271. -- ~Py~, Journ. pharm.
chim. 1897, 280. -- ~Piltz~ (1876, vgl. ~Wittstein~s Handwörterb.
S. 821). -- ~Prollius~ in Fischer-Hartwich, Handb. d. pharm. Prax.
-- ~Hager-Fischer-Hartwich~, Kommentar z. d. Arzneibuch 1896. --
~Kremel~, Notizen z. Prüf. d. Arzneim. u. Komment. z. Öster. Pharm.
Ed. VII, Arch. d. Pharm. 1889. -- ~Diehl~, Pharm. Rundsch. New
York 1883. -- ~Kinzey~, Am. Journ. pharm. 1898. Journ. de pharm.
1898. 7. 304. -- ~Hafner~, Zeitschr. d. Öster. Apoth. Ver. 1899 und
1900. Pharm. Centralh. 1899. -- ~Fromme~, Pharm. Centralh. 1901,
324. -- ~Trubeck~, Journ. Am. Chem. Soc. 1900 (Pharm. Zeit. 1900).
-- ~Zetzsche~, Pharm. Centralh. 1901. 277. -- ~E. J. Parry~, The
Liquorice-juice of commerce. Chem. and Drugg. 1910, 21. -- ~H. J.
Möller~, ~Hager~, ~Utescher~, ~Fresenius~, ~Glücksmann~, ~Morpurgo~,
~Ledden Hülsebosch~, ~Stein~, ~Moore~, ~Tschirch~, ~Cederberg~,
~Eriksson~ u. and.
=Anwendung.= Amerika braucht viel für Kautabak, Frankreich etwas für
ein Getränk, den Coco, England für Porter und Ale. Das meiste wandert
in die Pharmazie für die Süßholztabletten. China und Japan brauchen
Succus in der Tusche- und Tintenfabrikation.
=Geschichte=, s. Rad. liquiritiae.
d) Drogen, welche Mannit enthalten.
Auch die Mannose (s. oben S. 6) ist eine Hexose. Sie ist in der Natur
selten frei zu finden (_Amorphophallus_), öfter in glykosidischer
Bindung (_Sem. strophanthi_) oder als Polysaccharid (Mannane s.
Membranine). Wohl aber spielt ihr Reduktionsprodukt, der d-Mannit,
in der Drogenkunde eine Rolle, dessen Beziehungen zur Mannose der
Vergleich der Formeln zeigt:
H H OH OH
d-Mannose: CHO--C--C--C--C--CH₂OH
OH OH H H
H H OH OH
d-Mannit: CH₂OH--C--C--C--C--CH₂OH
OH OH H H
Der Mannit (Fraxinin, Syringin) ist also ein +Zuckeralkohol+. Er
ist nicht sehr süß und bildet Nadeln oder rhombische Prismen, Schmelzp.
166°, die sich in 6,5 Teilen Wasser und 1500 Teilen absolutem Alkohol
lösen. Er reduziert ~Fehling~sche Lösung auch in der Wärme
nicht, wohl aber nach Oxydation mit Permanganat.
1. Eschenmanna.
Manna (in zahlreich. Sprachen) -- Himmelsbrot, Himmelstau -- Manne --
Mana (span.).
=Etym.= +Das+ (nicht die) _Manna_ von hebr. man, arab. mann =
Geschenk des Himmels oder von hebr. man hu = «was ist das?» nach dem
Ausrufe der Juden, als sie den ersten Mannaregen sahen (vgl. II.
Mose, 16, IV. Mose, 11), so schon von ~Geoffroy~ gedeutet. _Manna_
bei ~Dioskurides~, ~Plinius~, ~Galen~ bedeutet stets eine geringere
Sorte der betr. Droge, z. B. _Manna thuris_ (so auch bei ~Paulus
Aegineta~), d. h. kleinkörniger _Weihrauch_. Die _Mannaesche_ hieß
bei den Alten μέλεα (oder πολυμέλεα?).
=Stammpflanze.= =Fraxinus Ornus L.= (Fraxinus panniculata ~Mill.~, F.
florifera ~Scop.~, F. argentea ~Loss.~, F. vulgatior ~Seg.~, Ornus
europaea ~Pers.~), Mannaesche, Frène à Manne, Manna ash.
=Etym.= _Fraxinus_ leitet ~Isidor~ aber kaum richtig davon ab
«quod magis inter aspera loca montanaque +fraga+ nascitur»;
wahrscheinlicher klingen die Ableitungen von φράγμα, Zaun, weil
der Baum für Zäune benutzt wurde, oder ῥῆγμα, Bruch, wegen der
Brüchigkeit des Holzes. _Esche_, wohl urindogermanisch, +holl.+
esch, +isl.+ askr, +schwed.+ ask, +ahd.+ ask, asch, +mhd.+ eesch,
eeisch, +altnord.+ ask-r, +engl.+ ash, +ags.+ aesc. (auch = Speer),
bei der ~Hildegard~: asch, aska (vielleicht verwandt mit aesculus
oder ὀξέα = Buche und Speer, ~Kanngiesser~). Die ursprünglichste Form
scheint ås-is gewesen zu sein (~Hoops~). «Möglich ist, daß Speer die
ursprüngliche Bedeutung gewesen ist, dann würde die Wurzel in as (=
werfen, schleudern) enthalten sein» (~Grassmann~). Auch das lat.
_Ornus_ (aus osinos) bedeutet sowohl Bergesche wie Speer (~Hoops~),
ob von ὄρεκνος (= auf Bergen wachsend)?
=System. Stellung.= +Oleaceae+, Oleoideae-Fraxineae. Sect. Ornus.
Die Mannaesche ist ein mäßig hoher Baum (5-7, selten über 10 m) mit
grauer glatter Rinde und unpaarig-gefiederten drei- bis vier-jochigen
Blättern. Die Blättchen sind eiförmig, zugespitzt, gesägt. Die
reichblütige überhängende Blütenrispe ist nicht länger als das Blatt.
Sie sieht wie ein zierlicher Federbusch aus, was daher kommt, daß die
Blüten 4-10 mm lange freie, schmal lanzettliche, hellgelblichweiße
Kronenblätter und zwei Stamina mit sehr langen Filamenten haben.
Der Baum ist in Südeuropa heimisch (waldbildend im Karst, in Kroatien,
Slavonien, Dalmatien). Er findet sich auch im Tessin, Südtirol, Krain,
Untersteiermark, Ungarn. Er wächst besonders an den nördlichen,
westlichen und östlichen Gestaden des Mittelmeeres, von Valencia
durch Südfrankreich bis nach Italien, von Istrien durch Dalmatien und
die Donauländer bis Macedonien, Thessalien, Griechenland, Smyrna,
Taurus, Libanon. Er hält nördlich der Alpen den Winter aus und ist ein
beliebter Zierbaum. Aber er verträgt auch das afrikanische Klima und
wird z. B. in Nordafrika kultiviert. Er blüht in Sizilien Ende März.
_Fraxinus rotundifolia_ ~Lam.~ ist gewiß nicht spezifisch von _F.
Ornus_ L. zu trennen. _Fr. americana_ ~Pers.~ ist gleichfalls,
wie eine Reihe anderer von ~Persoon~ beschriebener Arten, mit ihr
identisch, indem jene Formen irrtümlich als aus Amerika stammend
angegeben werden (~Schumann~). Ob man die Varietät _Fraxinus Ornus
var. rotundifolia_ als vornehmsten Mannalieferanten aufrecht
erhalten kann, scheint mir sehr zweifelhaft, denn wie ~Hanbury~ 1872
feststellte, verdient keine der in Sizilien kultivierten Mannaeschen
diesen Namen. In den Pflanzungen um Palermo fand ~Flückiger~
gerundete Fiederblättchen seltener als spitz-lanzettliche. Die
Blattform variiert jedenfalls sehr. In Sizilien wird von _Fr.
Ornus_ auch noch ein _Fr. fraxinaster_ unterschieden. In Sizilien
meint man, daß _Fr. rotundifolia_ (der sog. amolleo) gute, _Fr.
Ornus_ wildwachsend (frassino, orniello, avorniello) minderwertige
Castelbuono- oder Frassino-_Manna_ liefere.
=Lit.= ~Linné~, Spec. plant. I, 1057. -- Abbild. ~Berg-Schmidt~,
Atlas, II. Aufl. Taf. 40 (dort auch die übrige systemat. Lit.). --
~Pabst-Köhler~, Medizinalpflanzen, Taf. 115.
=Pathologie.= Unter den verschiedenen auf Zweigen und Stämmen von
~Fraxinus Ornus~ bekannten Pilzen scheint, unseres Wissens, keiner
als Krankheitserreger eine wichtige Rolle zu spielen (~Ed. Fischer~).
[Illustration: Fig. 34.
Die Orte der Mannagewinnung in Nordwest-Sizilien. [+Ravasini.+]]
[Illustration: Fig. 35.
Mannaeschenpflanzungen (Frassinetti) aus der Umgebung von Cefalù in
Sizilien. Die Arbeiter sind im Begriff Einschnitte zu machen (1910).
[+Ravasini.+]]
=Kultur.= Die _Manna_ liefernden Kulturen der Mannaesche (orniello,
frassino della manna) liegen an der Nordküste von Sizilien und zwar
im oberen Teile der Seezone oder dem unteren der Mittelzone. In der
Seezone finden sich _Sumach_, _Oliven_, _Orangen_, _Korkeiche_,
_Maulbeerbaum_; in der Mittelzone _Pistazien_, _Walnuß_, _Mandel_,
_Kastanie_, _Johannisbrotbaum_. Die Mannaesche ist besonders mit
_Olive_ und _Kastanie_ vergesellschaftet. Sie braucht keinen guten
Boden und keine Düngung, wohl aber Sonne. Doch sind neuerdings Versuche
mit Kalidüngung gemacht worden (Kali beeinflußt die Zuckerproduktion
günstig). Die Sämlinge werden in Entfernungen von 1½-2 m oder
noch weiter (3-4 m, ~Mariani~) gepflanzt. Die Mannaeschenpflanzungen
(+Frassineti+) bilden lichte Haine (I, Fig. 17). Die unteren Äste
werden bis zu einer Höhe von 2 m entfernt.
Die Kulturen finden sich jetzt (Fig. 34) vornehmlich im westlichen
Teile der Nordküste Siziliens bei Palermo, S. Maria di Gesú,
gegen Valdese, dann in den Bezirken Torretta, Capaci, Cinisi,
Terrasini-Favarotta, westlich von Palermo, dann östlich davon, bei
Belmonte Mezzagno und vornehmlich bei Cefalù. Hier gehen sie weit
in die Berge (bis 1100 m) hinauf nach Castelbuono, San Mauro und
Geraci Siculo. Hier und bei Cefalù wird das beste _Manna_ gewonnen,
bei Castelbuono (hier auch von wildwachsenden Bäumen) die geringeren
Sorten (~Flückiger~). Im Distrikte Cefalù sind noch Castelverde,
Pollina und Lascari zu nennen. Ganz im Westen wird _Manna_ im Bezirk
Trapani (Castelamare del Golfo bei Alcano, Monte Giuliano) gewonnen
(~Ravasini~). Da und dort scheint man auch mit Pfropfungen Versuche
gemacht zu haben. Die Kulturen der Mannaesche, die zurzeit noch 4000
ha bedecken und in den genannten Gegenden die Haupteinnahmequelle der
Bewohner bilden, weichen jetzt vielfach rentableren Kulturen, z. B.
denen der _Orange_ (über die untergegangenen vgl. Geschichte). Doch
sind allein in der Gegend von Palermo 2070 ha in Mannaeschenkultur und
an der Einsammlung, die dort 980 dz pro Jahr beträgt, beteiligen sich,
die Kinder nicht mitgerechnet, 800-900 Personen. Die +Mannagewinnung
in Calabrien ist erloschen+. Eine minimale Menge wird noch gewonnen
südlich von Neapel, in Cetara bei Salerno, in San Martino Valle Caudino
bei Avellino und in Accettura bei Potenza (~Ravasini~).
=Lit.= ~Flückiger~, Pharmakognosie. -- ~Arcuri~, Coltivazione del
Frassino da Manna, Agricoltura meridionale 1879.
[Illustration: Fig. 36.
Mannastalaktiten am Baum (Sizilien). [Aus der Zeitschrift «Die
Ernährung der Pflanze».]]
=Gewinnung.= Wenn die Bäumchen 7-12 Jahre alt und wenigstens 2 m
hoch sind und man die Stämmchen mit Daumen und Mittelfinger gerade
umspannen kann, beginnt die Gewinnung. Schon 4 cm dicke Stämmchen geben
reichlich _Manna_ und bleiben 12-20 Jahre ertragsfähig. Dann wird der
Baum geschlagen. Aus dem Stuppen entwickeln sich neue Triebe, die nach
4-5 Jahren angeschnitten werden können. Das Anschneiden geschieht
folgendermaßen: Mit einem gekrümmten scharfen und großen Messer (I,
Fig. 150), das mit einer oder beiden Händen geführt wird, macht man
im Juli, August und September frühmorgens zunächst an der Basis des
Stämmchens einen Querschnitt durch die ganze Dicke der Rinde, bei
den jüngeren Bäumen um ⅓, bei den älteren um ¼ des Umfanges und
fährt nach oben aufsteigend fort, indem täglich vormittags ein neuer
Horizontalschnitt gemacht wird (Fig. 35). Die Einschnitte sind etwa
um Fingerbreite oder etwas weiter (1-4 cm) voneinander entfernt. Sie
werden entweder genau horizontal oder etwas schief geführt. Wenn die
eine Seite bis zur Ansatzstelle der Äste mit Einschnitten versehen
ist, werden dieselben auf der nächst anstoßenden Seite in der gleichen
Weise gemacht. Die Anzahl der Einschnitte beträgt pro Baum oft 90.
Ein Arbeiter kann an einem Vormittag 4000 Bäume verwunden. Aus den
Einschnitten fließt eine braune, bläulich fluoreszierende Flüssigkeit,
die in wenigen Stunden fast weiß und kristallinisch wird und in einigen
Stunden ihren anfangs bitterlichen Geschmack verliert. An geneigten
Ästen treten hierbei natürlich stalaktitenartige Bildungen (Zapfen,
Canoli, daher vielleicht canelata?) auf (Fig. 36), das meiste aber
rinnt etwas an dem Stamme herab und erstarrt auf der Oberfläche in
Form rinnenförmiger (daher cannellata, M. in cannoli) Stücke, die
auf der einen Seite den Abdruck der Oberfläche des Baumes, auf der
anderen wulstige Erhebungen zeigen (Manna cannellata, oder lat.:
cannulata). Ob die früher sicher geübte Sitte, in die Wunde einen
Grashalm (canna) einzuführen und an ihm das _Manna_ erstarren zu
lassen, wie es ~Pomet~ 1694 abbildet, noch jetzt geübt wird, weiß ich
nicht. Ich habe niemals Halme oder Höhlungen, die von herausgelösten
Halmen herrühren könnten, in Handelsmanna gesehen. ~Ravasini~ sagt mir,
daß die Sitte nicht mehr besteht, auch ~Mariani~, der die Mannahaine
1909 besuchte, erwähnt sie nicht. Das vom Stamme oder den Ästen
herabtropfende _Manna_ wird von daruntergebreiteten Ziegeln oder den
Stengeln (pali) des Feigenkaktus (_Opuntia vulgaris_) aufgefangen
(Manna in sorta). Jüngere Bäume (des amolleo) liefern das beste
_Manna_, ältere (des frassino) die geringeren, zum Teil schmierigen
Sorten: Manna frassino, M. a sminuzzo (von sminuzzare = zerkleinern),
M. in frasca (= Zweig), M. in grosso usw. Das Einsammeln (Fig. 37)
geschieht bei heiterem Wetter in Zwischenräumen von mehreren Tagen
oder wöchentlich bzw. alle 10 Tage von Mitte Juni bis Mitte September.
Beim Biegen der Stämmchen lösen sich die Mannastücke von selbst ab
(Cannelata). Das Haftenbleibende wird mit einem Spatel abgekratzt
(Rotami), die kleineren Stücke davon sind M. in lagrime. Die Arbeiter
tragen meist zwei aus Baumrinde gefertigte Röhren oder andere Behälter
an einem Bande über die Schulter. In die eine legen sie die sorgfältig
vom Baume gelösten weißen Stücke, in die andere die meist gefärbten,
herabgeflossenen Massen. Diese bilden die beiden Handelssorten. Droht
Regen, der ja das _Manna_ auflösen und fortführen würde, so wird sofort
jeder verfügbare Arbeiter aufgeboten und man rettet was zu retten ist.
In den Eschenhainen ist daher auch in der Nacht eine Wache aufgestellt,
die eine Glocke zieht. Sobald die Glocke ertönt, eilt alles herbei. Die
Handelsberichte berichten oft von durch Regen gestörten Ernten. Der
Preis steigt alsdann rasch, da die Produktion manchmal (z. B. 1901)
auf ¼ sinkt. Zu einer Mittelernte gehören mindestens 4-5 ungestörte
Einsammlungen. Auch anhaltende Trockenheit beeinflußt die Produktion
ungünstig. Das aus den untersten Einschnitten des Stammes, sowie aus
älteren Bäumen gewonnenes _Manna_ ist unreiner, trocknet schwer aus,
bleibt daher mehr oder weniger feucht und schmierig. Der aus den
oberen Wunden ausgeflossene Saft, besonders jüngerer Bäume, gibt das
beste, reinste, rasch austrocknende, durch und durch kristallinisch
erstarrende _Manna_. Das besonders im August und September gesammelte
_Manna_ wird dann in der Sonne getrocknet. Ein Hektar enthält etwa
5000 Bäumchen (oder weniger), die 80-100 kg Manna liefern. Auf 4,5 kg
Manna in canoli kommen 85,5 Manna in sorta. Die Mannaproduktion geht,
da unrentabel, zurück. Der Export beträgt aber immer noch c. 1 Mill.
Lire (~Mariani~). Castelbuono produziert allein c. 2000 dz. Angeblich
soll _Manna_ auf _Fraxinus Ornus_ auch durch den Stich der _Cicada
Orni_ entstehen. Ich glaube, daß +jede+ Verwundung bei den Oleaceen die
Mannitproduktion steigert.
Unsorgfältig wird _Manna_ in Castelbuono gesammelt. Man kratzt die
Ausscheidungen in toto von der Rinde und sortiert dann in bessere
Stücke (M. Castelbuono scelte, d. h. auserlesene) und schmierige (M.
frassino, bei Venedig: M. sporca [= schmutzige Manna] genannt).
[Illustration: Fig. 37.
Ablösen des Manna in Sizilien.
[Aus der Zeitschrift „Die Ernährung der Pflanze“.]]
Ein neuerer Bericht von ~Ward~ lautet: Das Manna fließt aus
Schnitten, die an zehnjährigen Bäumen quer durch die Rinde in der
Ausdehnung von etwa ⅓ der Peripherie täglich gemacht werden, --
während der Saison, die im September endigt, täglich etwa 45 --.
Die am Baume erhärtende Masse bildet die _Manna cannoli_, die bei
feuchtem Wetter herabfließende die _Manna rottami_ (= Bruchstücke,
«Bruchmanna»). Im folgenden Jahre werden frische Einschnitte neben
denen des Vorjahres gemacht und im dritten Jahre wird der Prozeß an
dem noch uneingeschnitten gebliebenen Reste der Rinde wiederholt,
dann der Stamm nahe der Wurzel gefällt. Jede Wurzel treibt dann
mehrere, meist vier neue Stämme.
Als Nebenprodukt erhält man nach ~Ravasini~ bei der Mannaernte ein
honigartiges, nicht erhärtendes Sekret von süßem Geschmack, das
+Mielocco+ genannt wird. Dieses wird in hohlen Stengeln von _Opuntia
Ficus indica_ (sog. pali) aufgefangen und hat den Vorteil, keine
fremden Beimengungen mit sich zu führen. Es wird gewöhnlich der M.
rottami beigemengt.
=Lit.= ~Langenbach~, Pharm. Zeit. 17, 38, Jahresber. d. Pharm.
1872, 137. -- ~Cleghorn~, Transact. Bot. Soc. Edinburgh. 1868/69,
Jahresb. d. Pharm. 1870, 144. -- ~Stettner~, Arch. Ph. 1848, 194. --
~Flückiger~, Arch. Pharm. 1889, 1028 u. Pharmakognosie. -- Über die
Mannaproduktion in Calabrien: ~Hanbury~, On calabrian Manna. Science
papers, p. 362; in Sicilien: ~Ward~, Pharm. Journ. 1893, 381 (Pharm.
Zeit. 1894, 45). -- ~Mariani~, Über d. Mannabaum u. s. Kultur in Die
Ernähr. d. Pflanze 5 (1909) S. 25.
=Handelssorten.= Der italienische Handel unterscheidet Capaci cannolo,
C. rottami, Geraci cannolo, G. rottami, G. lagrime, Castelbuono scelta.
Der deutsche Handel unterscheidet jetzt +Manna cannellata electa+ (_in
lacrimis_, Tränenmanna) und +in fragmentis+ (_in granis_, _guttis_,
Tränenbruch), dann +Gerace optima+ (feine rottami) und +Gerace II+
(frassino). Die Gerace (richtiger Geraci) wird auch (fälschlich)
als calabrina bezeichnet oder gar als Calabre Gerace (!). Die
Cannellata ist oft doppelt so teuer als die Gerace. Die billigste ist
die Castelbuono. Früher wurde _cannellata_, _gerace_, _calabrina_,
_communis_, _capace_ (diese weich wie Terpentin) unterschieden, später
dann _cannellata_ und _pinguis_ (_sordida_). Die Händler unterscheiden
die Handelssorten auch nach den Orten, wo sie gewonnen wurden. Das
Manna kommt in Kisten zu 30, 50 und 90 kg in den Handel.
Allein aus Cefalù wurden in den letzten zehn Jahren 3000 dz
Cannellata und 2000 dz Frassino exportiert. +Italien+ exportierte
_Manna_ 1907: 2320, 1908: 1776, 1909: 2432 Quint. +Deutschland+
führte 1909: 372 dz +Manna+ aus Italien ein. +Frankreich+ importierte
1908 41737 kg.
Eine +künstliche+ _M. cannellata_ wird in Italien in der Weise
dargestellt, daß man _M. calabrina_ im zehnfachen warmen Wassers
löst, die Lösung koliert, mit Tierkohle digeriert, mit Eiweiß klärt,
stark eindampft, mit der Masse Stäbchen begießt und das Übergießen
nach dem Erhärten jeden Aufgusses solange fortsetzt, bis man die
nötige Dicke erhalten (Nieuw Tijdschr. Pharm. 1885). Neuerdings
kommt jetzt aus Italien auch eine «_Manna pura_» in den Handel, die
in der Weise dargestellt wird, daß man das _Manna_ löst, filtriert,
eindampft und Brote zu 1 kg formt. Sie ist 15% teurer als _Manna
cannellata_.
Schlecht schmeckendes _Manna_ kann man durch Behandeln der wässerigen
Lösung mit Tierkohle reinigen (~Hirsch-Schneider~, Kommentar 1891).
=Beschreibung der Droge.= Gutes Eschenmanna bildet flache oder
rinnenförmige oder stalaktitische, trockene, leicht zerreibliche, auf
dem Querbruch bisweilen geschichtete Stücke von gelblich-weißer Farbe,
honigartigem Geruche und süßem, schwach herbem Geschmacke. Die geringen
Sorten bilden mehr oder wenig gelb-bräunliche, körnige, bisweilen
ziemlich weiche oder gar schmierige Massen. Oft sind helle Körner durch
eine bräunliche Masse verklebt. Die Arzneibücher verlangen meist nur
die _M. cannellata_. Zerdrückt man ein Körnchen Manna in einem Tropfen
Öl und betrachtet es unter dem Mikroskop, so sieht man zahlreiche,
wohlausgebildete Kristalle und deren Fragmente, betrachtet man ein
Körnchen _Manna_ in Wasser, so findet man meist einige Gewebsfragmente,
vorwiegend des Holzkörpers der Mannaesche und Pilzsporen (Pharm. helv.
IV), bisweilen auch Calciumoxalatkristalle und Stärkekörner.
Man bewahrt _Manna_ über Kalk auf (Ph. helv. IV). Gut getrocknetes
_Manna_ findet sich jetzt in Blechbüchsen im Handel (~Caesar~ und
~Loretz~).
[Illustration: Fig. 38.
Herstellung der Mannit-Coni bei F. +Giglio+ e Co. in Cefalù (Sizilien).]