=Gewinnung.= In +allen+ Süßholz bauenden und sammelnden Ländern wird

auch Succus dargestellt, am meisten wohl jetzt in Rußland, das England

und Amerika damit versorgt. Der in Deutschland verwendete stammt meist

aus Italien oder Kleinasien, der spanische, französische, englische

wird zumeist im Lande selbst verbraucht. In Italien, dessen Succus

für uns in erster Linie in Betracht kommt, wird sowohl in Calabrien

(der Succus heißt in Frankreich geradezu «Réglisse de Calabre») wie in

Sicilien Succus fabriziert, meist in von Großunternehmern abhängigen

Kleinbetrieben auf dem Lande, die ziemlich konservativ an den

Gebräuchen festhalten und seit 100 Jahren wenig geändert haben.

[Illustration: Fig. 31.

Waschen und Schneiden der _Süßholz_wurzel in der Fabbrica liquirizia

des Barone +Compagna+ in Corigliano. Die gewaschenen Wurzeln werden von

zwei Arbeitern mit Stangen in die ganz vorn sichtbare Schneidemaschine

geschoben. [+Ravasini+ phot.]]

Der Succus kann in der Form fester Stangen +nur+ aus +frischer+ Wurzel

dargestellt werden. Nur +diese+ Stangen werden hart und wetterfest und

lassen sich brechen. Wird Succus aus getrockneter Wurzel dargestellt,

so erhält man Stangen, die beim Liegen sich abplatten, nicht hart

und wetterfest sind und sich beim Versuche, sie zu brechen, biegen

(~Kämmerer~). Der Grund ist nicht bekannt.

[Illustration:

Tafel I.

4 3 2 1

Fabbrica liquirizia des Barone Senatore Compagna in Corigliano (Prov.

di Cosenza).

In 1 werden die Wurzeln gereinigt, gewaschen, geschnitten und gekocht

und der Saft eingedampft, in 2 wird der Succus ausgerollt, in 3

getrocknet, in 4 magaziniert.

(Ravasini.)

]

[Illustration:

Tafel II.

+Interno di un solo frantoio+ (Fabbrica liquirizia di Barone Compagna.

Dirett. Luigo Caruso).

Zerquetschen der Süßholzwurzel mit den Lavawalzen.

(Ravasini.)

]

[Illustration:

Tafel III.

+Lavorazione Biglie+ (Fabbrica liquirizia di Barone Compagna. Dirett.

Luigo Caruso).

In der Mitte: Ausrollen der Stengel. Rechts: Stempeln. Links:

Ausbreiten zum Trocknen und Beurteilung.

(Ravasini.)

]

~Flückiger~ berichtet über die Darstellung in Catania: Anfangs April

1889 besuchte ich in Catania zwei Fabriken, welche die Wurzel der in

der Gegend wildwachsenden Pflanze vom Oktober bis April verarbeiten.

Die gewaschene, geschnittene und auf dem Reibsteine zerquetschte

Wurzel wird in eisernen Pfannen (Caldaja), welche 2½ hl fassen,

zweimal mit Wasser ausgekocht, dann zweimal gepreßt, was für eine

Beschickung jeweilen einen Tag in Anspruch nimmt. Zum Zwecke des

Pressens füllt man die gekochte Wurzel aus den Pfannen entweder in

korbartiges Geflecht, Frantojo, aus Spänen von Kastanienholz (Sporta

di pezzuola) oder schichtet sie mit 18 durchlöcherten Eisenplatten

(lastre di ferro), welche, durch ein hölzernes Gestell (Gabbia)

zusammengehalten, der Wirkung der Presse unterworfen werden. Nach der

Klärung, welche durch ruhiges Stehen des Saftes herbeigeführt wird

(die zuletzt abfließenden Anteile werden auf neue Portionen

der Wurzel gegossen), kocht man den Saft in der Caldaja mit Hilfe von

Steinkohlenfeuer ein und bringt ihn schließlich mittelst Holzkohlen

zu der geeigneten Konsistenz. Eine Pfanne liefert so ungefähr 400 kg

Pasta, welche sogleich durch Arbeiterinnen auf einem geölten Tische

aus Nußbaumholz geteilt wird, wie oben erwähnt. Entweder formt man

daraus Blöcke (Blocchi oder Pani) von 5 kg, welche in blaues Papier

eingewickelt je zu 20 in eine Kiste (Cassa) verpackt werden. Oder man

stellt aus der Pasta mit Hilfe von Rinnen aus Marmor oder Messing

Stangen (Bilie) von gleicher Größe her, welche nach dem Stempeln

rasch gewaschen werden, um sie von dem während des Ausrollens

aufgenommenen Öle zu befreien. Schließlich erfolgt das Austrocknen

auf Hürden (Tavole) im Magazin, wozu die Sommermonate erforderlich

sind, weil wenigstens in jenen Fabriken in Catania kein Trockenraum

mit Heizung eingerichtet war. Kupfer ist hier, wie man sieht, bei der

Fabrikation ausgeschlossen.

Ähnlich lautete schon die Beschreibung der Bereitung, die wir in

~Th. Martius~, +Über die Anfertigung des Succus liquiritiae crud.+

(Buchn. Rep. 89. 289, 1845) finden und die Angaben ~Hanburys~, die

dieser 1872 auf Grund eigener Beobachtungen in Calabrien in der

Pharmakographia machte.

~Hartwich~ teilt (nach Auskünften, die er 1896 erhalten) folgendes über

die Bereitung mit (Kommentar zum Arzneibuch für das Deutsche Reich

II, S. 622): Die Fabrikation zerfällt in die drei Operationen des

Auskochens der Wurzeln, Klären des Saftes und Eindampfen desselben.

In Italien werden in der vom November bis Juni reichenden Campagne

die Nebenwurzeln (?) der mindestens vier Jahre alten Pflanzen durch

Aushacken gewonnen, während man die Hauptwurzel und die tiefer als

½ m liegenden Nebenwurzeln (?) zur Erzeugung von Nachwuchs schont.

Gewaschen, werden sie zerschnitten und durch Reiben in einen feinen

Brei verwandelt. In den italienischen Betrieben scheint ein Schälen

nicht stattzufinden. In Tiflis wird nur geschälte Wurzel verarbeitet.

Das Reiben geschieht in allen größeren Fabriken durch Maschinen.

Die breiige Masse wird nun durch etwa 15 Stunden mit Wasser gekocht,

nach dem Abkochen durch Beutel filtriert, meist auch ausgepreßt,

und in ein Bassin zum Klären gebracht. Aus den Klärbassins gelangt

der Auszug durch mit feinen Metallsieben versehene Pumpen in flache

Abdampfschalen, Caldaja in Italien genannt, wo die dünne Succuslösung

erst auf freiem Steinkohlen-, dann auf Holzkohlenfeuer, um gegen Ende

zu starke Erhitzung zu vermeiden, unter Umrühren eingedampft wird. Eine

solche Caldaja ergibt etwa 400 kg Succus. Das Trocknen geschieht auf

Holzplatten an der Luft und erfordert lange Zeit und warme Witterung.

Vor dem Verpacken wäscht man sie nochmals, reibt sie mit Lakritzlösung

ab und schichtet sie zwischen Lorbeerblättern, um das Aneinanderkleben

zu verhüten.

Nach 1910 von ~Ravasini~ erhaltener Auskunft wird der Succus meist

in ziemlich primitiver Weise, neuerdings aber auch sorgfältiger, nur

von Mitte Dezember bis Anfang Mai dargestellt. Man benutzt 4-5jährige

Pflanzen, da sowohl jüngere wie ältere weniger Succus liefern. Die

Ausläufer und Wurzeln werden gewöhnlich im Herbst, gleich nach

Eintreten der ersten Regengüsse, wenn die Erde schon lockerer ist,

ausgegraben. Sie werden gereinigt, dann in Fragmente von 3-6 pollici

geschnitten (Fig. 31), mit Wasser sorgfältig gewaschen und in einer

aus zwei Lavawalzen bestehenden Mühle zerquetscht (Taf. II). Nun

bisweilen zunächst über Nacht mit Wasser mazeriert oder direkt mit

Wasser einige Stunden bei schwachem Feuer ausgekocht und dann scharf

in einer Presse (strettojo) abgepreßt. Die abgepreßte Wurzel wird dann

meist noch zweimal auf stärkerem Feuer ausgekocht und der Saft, nachdem

er durch ein Sieb filtriert worden war, in einem +kupfernen+ Kessel

soweit eingedampft (einige Fabriken benutzen hierbei Vacua), daß die

Konzentration gerade ein Filtrieren noch erlaubt, nun ein zweites Mal

filtriert und darauf unter fortwährendem Umrühren mit hölzernen Spateln

bei gelinderem, allmählich erlöschendem Feuer soweit eingedampft, bis

die Masse beim Erkalten hart wird. Nun formt man aus dieser Masse

Brote (pani, blocchi) zu c. 5 kg, die in Kisten von 20 Broten (100 kg)

verpackt werden, oder man formt mit den Händen, die man mit Stärke,

Öl oder Asche einstreut, oder mittelst geölter hölzernen oder auch

aus Messing gebildeter Formen die bekannten Stangen (+bastoni+ oder

+biglie+, Taf. III), die je nach den Fabrikmarken in verschiedenen

Größen, und zwar zu 6, 8, 15, 25, 35, 45, 55, 75, 90 und 120 g geformt

werden. Diese Stangen werden dann am einen Ende gestempelt (Taf. III,

Fig. 32) und auf hölzernen Platten 2-3 Monate hindurch dem Trocknen

überlassen. Die Stempel sind jetzt:

1. +nach den Fabrikanten+ benannt: ~R. de Rosa~ (in Atri bei Teramo),

~Martucci~, ~Baracco~, ~Gui Grasso~, ~Conte d’Alife~, ~Zagarese e

Co.~, ~Sinib(aldo) Oddo~, ~Duca di Atri~ oder ~d’Atri~ (in der Provinz

Abruzzo ulteriore), ~Muzzi~ (nicht mehr im Handel), ~Grimaldi~,

~Pignatelli~ (Fürst P. in Torre Cerchiara), ~Duca di Corigliano~

(alte gute Marke), Barone ~Compagna~ (in Corigliano, Taf. II u.

III). ~Solazzi~ (in der Nähe von Corigliano), ~B. Fichera~, Barone

~Amarelli~, ~Salvago~, ~Savarini~, F. S. D. (nicht mehr im Handel), P.

S. (= Principe de Salerno), ~Burgarella~, ~S. Franco~, ~Di Surdo~, ~La

Rosa~, ~Caflisch~ (Catania), ~G. Bongiorno~ u. a.

[Illustration: Fig. 32.

Verschiedene Formen der Succusstangen. [+Ravasini+.]]

2. +nach den Orten+ benannt: +Corigliano+ und +Atri+ (diese zwei Marken

sind auch unter den nach den Fabrikanten genannten Marken angeführt,

da sich die betreffenden Herren dieser Besitze nach dem Orte auch Duca

di Corigliano und Duca d’Atri nannten), +Cassano+ (mit und ohne Stern,

vorzüglich, wegen des Papagei auf der Vignette auch als «Pappagalo»

bekannt), +Gerace+, +Messina+, +Rossano+, +Policoro+, +Sicilia+,

+Catanzaro+, +Torcella+, +Puglia+ usw. (s. die Karte auf S. 98).

3. mit Phantasienamen: +Theseus+ (von G. e. R. ~Fritz~), dann vom

Barone Compagna fabriziert: +Schiavonea+, +Cedonia+, +Cesarello+,

+Venetta+, +Fratelli+; vom Grafen ~D’Alife~ fabriziert: +Favella+; von

~de Rosa~: +Regina+; von ~Caflisch~: +Vittoria+, endlich +Imperial+ usw.

Über die außerdem erwähnten Marken: Pollici, Lavoro, Derosas

(wahrscheinlich Imitation von ~de Rosa~), Convitato, Ferrajuolo, S.

Rafft, Lagusso, Cagliano, Pastora, konnte ich nichts in Erfahrung

bringen.

Bisweilen sieht man bei den Stangen außer dem Fabrikstempel auch

Eindrücke, die von Stiften herrühren, die sich in den Formen finden

(namentlich bei der Marke Ferrajuolo) oder einen Stern (~Cassano~),

oder ein Wappen (~Pignatelli~), oder die Bezeichnung «Sug pur»

(~Caflisch~), «Italy» (~Duca di Corigliano~, Barone ~Compagna~) usw.

Die Stangen werden, nachdem sie vom Staube befreit und glänzend gemacht

wurden (lavoro di lustratura) mit Lorbeerblättern (in Rußland mit

Eichenblättern) bedeckt und in Kisten zu 50, 60 oder 100 kg verpackt

(lavoro d’incasso). -- 3% Tara werden für die Blätter gerechnet.

Auch bei den Broten werden Lorbeerblätter, die schon ~Geoffroy~ 1742

erwähnt, als Packmaterial benutzt.

Wie aus Obigem hervorgeht, vermeidet man nicht immer kupferne Kessel

(auch ~Janssen~-Florenz erwähnt solche) und messingne Formen für den

Succus in Massen. Immerhin gilt jetzt die Tendenz, sie möglichst

auszuschließen, z. B. geschieht dies in vielen italienischen, dann

in den englischen Fabriken und endlich in denen von Tiflis, wo man

eiserne Kessel usw. vorzieht. Die Furcht vor dem Kupfer ist übrigens

unbegründet (vgl. ~Tschirch~, Das Kupfer vom Standpunkt der Hygiene

usw.).

Aus 5 Teilen frischer Wurzel erhält man c. 1 Teil fertige Ware

(nach ~Woodcock~ 16%, nach ~Ravasini~ aus Winterwurzel 18-22, aus

Sommerwurzel 12-14%).

Die Stangen werden zwischen Lorbeerblättern in Kisten von 60, 110-120

kg verpackt. Das Gewicht der Lorbeerblätter darf nicht mehr als 3% des

Gesamtgewichtes betragen. Außer in Stangen wird auch Succus in massa

(blochi, pani) fabriziert (s. oben).

Die Gesamtausfuhr Italiens an Succus betrug 1908 (nach Mitteilung des

italienischen Handelsministeriums): 11664 Quintal (1 Qu. = 100 kg) im

Werte von 1749600 Lire (1909: 13744 Quint.). Der meiste italienische

Succus ging nach England (3102 Qu.), dann folgt Belgien, Österreich,

Holland und Deutschland. 1910 existierten allein in Catania sieben

Häuser, die Succus fabrizieren ließen (~Ravasini~).

Zu der von ~Ravasini~ gezeichneten Karte der +italienischen

Succusfabrikation+ (Fig. 33, S. 98) gibt dieser folgende

Erläuterungen.

Die Fabrik der Barone ~Compagna~ liegt bei Corigliano. Sie fabriziert

die Primamarken +Duca di Corigliano+ (Stangen von 4, 3, 2 und 1 onze)

und +Cassano+ mit Stern und einige Sekundasorten (s. d. Karte),

Jahresproduktion: 1500-2000 dz. Nicht weit davon -- bei Isola

Caporizzuto -- liegt die Fabrik des Barone ~Alberto Baracco~, die die

berühmte Marke «Baracco» herstellt und in +Rossano+ befinden sich die

Fabriken der Marchese ~G. Martucci~ und des Barone ~Amarelli~, aus

der die guten Marken ~Martucci~, Barone ~Amarelli~ und ~G. Amarelli~

hervorgehen. Beide sollen mit Vakuumapparaten arbeiten. In der Nähe

von Rossano liegen die Lakritzfabriken der Grafen ~d’Alife~ und von

~Zagarese~ & Co. Die erstere Fabrik macht die Marken Conte d’Alife,

Solazzi und Favella, die zweite die Marke Zagarese, sowie die Fabrik

des ~Francesco Pignatelli~ in Cerchiara di Calabria, in der die

Marke V. Pignatelli hergestellt wird. Südlicher, bei Policoro, liegt

dann die Fabrik von ~B. Berlingieri~, die die Marken Gerace (nach

dem Orte an der Ostküste) und P. S. fabriziert. Ein Rest der alten

Lakritzfabrikation in Ascoli ist die Fabrik ~R. de Rosa~ in Atri bei

Teramo (in Abruzzo), die die Marken de Rosa und Regina herstellt. Die

Marke Muzzi, ebenfalls aus Abruzzo, ist erloschen.

In +Sizilien+ ist Catania Hauptort der Fabrikation. Die größte Fabrik

ist die der ~Fratelli Caflisch~, die die vorzügliche Sorte Caflisch

mit der Bezeichnung Sug pur macht. Mittelsorte ist G. Bongiorno,

schlechtere: Vittoria (in kleinen Stangen von 6-8 und 15-17 g).

Die Firma ~Bernardo Fichera~ fabriziert Marke Fichera, die Firma ~La

Rosa Pastore~ die Marke La Rosa. Die Firma ~Gui Grasso~ soll die

Fabrikation aufgeben wollen.

[Illustration: Fig. 33

Die wichtigsten Fabrikationsorte des _Succus liquiritiae_ in Italien.

Neben dem Orte ist der Fabrikant und neben diesem sind die von ihm

fabrizierten Sorten angegeben. [+Ravasini+.]]

In Messina wurden die Fabriken der Firmen ~Santo Franco~ (Marke S.

Franco) und ~Salvago Nunzio e Co.~ (Marke Salvago) durch das Erdbeben

vom 28. Dezember 1908 zerstört. Die Neffen des umgekommenen ~Santo

Franco~ errichteten unter der Firma ~Fratelli Ainis~ eine neue Fabrik

(Marke S. Franco).

Die Fabriken von ~Sinibaldo Oddo~ in Termini Imerese (Marke Sinib.

Oddo) und ~Vito Burgarella~ in Trapani (Marke Burgarella) sind

eingegangen, da das Süßholz im Imeratal ausgerottet ist. Die Fabrik

von ~Vincenzo Giuffrida~ in Caltagirone macht nur Brote à 5 kg (in

Kisten zu 100 kg).

Zwei österreichische Fabriken bestehen in Auspitz (Mähren). Englische

Fabriken, die +meist mit Vakuumapparaten arbeiten+, bestehen in

England (Yorkshire Lakrizen, Pontefract cakes, s. oben S. 84) und am

Kaukasus, in Kasan und Astrachan, dann in Nazli, Sokia, Aidin und

Alaschehr bei Smyrna. Auch Syrien fabriziert Succus (1901), dann

Mesopotamien. Eine russische Fabrik, von einem Deutschen begründet und

jetzt von der pharmazeutischen Handelsgesellschaft betrieben, besteht

in Tiflis.

Amerika erzeugt in Philadelphia und New York Succus aus eingeführtem,

russischen, griechischen und kleinasiatischen Süßholz, ebenso

Deutschland.

Französische Fabriken bestehen in Nîmes (die Sorte «Bayonne» scheint

jetzt verschwunden zu sein), spanische in Gerona und Vittonia. Die

Fabriken in Sevilla und Saragossa gehören französischen Konsortien.

In Griechenland wurde Succus in Patras dargestellt (1910 nicht mehr,

~Emmanuel~) und Morea (Gastuni) figurierte früher auch unter den

Sorten (seit 1910 nicht mehr). Südrussische Marken sind z. B. +Sanitas

Tiflis+, die als vortrefflich gilt, da die Fabrik mit modernen

Einrichtungen (Vakuum usw.) arbeitet. In Deutschland sind Baracco,

Marke J. G. ~Stern~, J. D. ~Riedel~ u. a. beliebt, in Österreich

Martucci und Theseus (von ~Fritz~). Einige nicht italienische Firmen

lassen sich in Italien Marken mit ihrer Firma herstellen, z. B.

G. e R. ~Fritz-Pezoldt e Süss~, J. D. ~Riedel~, J. G. ~Stern~.

Baracco ist am teuersten und wird oft nachgemacht, auch der Stempel

(wegen des Markenschutzes) in Baraco, Barraco abgeändert. Die in

Italien verbreitetste Marke ist jetzt de Rosa. Spanische Marken sind

+Alicante+, +Careño+, +Zaragossana+, +Spaniola+, +Imit. Baracco+.

Spanischer Succus heißt in Italien allgemein d’Alicante. Er gilt

als schlechte Qualität. In Italien gelten als die besten Marken:

Corigliano, Cassano, Baracco und Martucci. ~Hafner~ bezeichnete

(Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 1900) Cassano als minderwertig,

Salvago als die beste.

Die Einfuhr von Lakritzen nach +Hamburg+ betrug seewärts 1906:

3032, 1907: 3615, 1908: 3524 dz. Von der Einfuhr 1908 stammten aus

Kleinasien 402, +Italien+ 1232, Rheinprovinz 1313, Frankreich 227,

Großbritannien 196, Russische Häfen am Schwarzen und Asowschen

Meer 73, Bremen 35, Griechenland und ionische Inseln 12, übrige

Einfuhr seewärts 34. Mit der Eisenbahn und von der Oberelbe 354 dz.

+Deutschland+ importierte 1909: 5817 dz Succus, davon 2902 dz aus

Italien und 1548 aus der asiat. Türkei. +Frankreich+ importierte

1908: _Succus_ (jus de réglisse) 908705 kg, besonders aus Spanien

und der Türkei, nur 66435 kg aus Italien. +Nordamerika+ importierte

Licorice paste 1908: 644457, 1909: 551084 pounds.

Fast überall wird der Succus nach der gleichen Methode dargestellt. Nur

in Neuseeland wird (oder wurde wenigstens 1883) dem durch Auskochen

mit Wasser erhaltenen, unter Zusatz von Schwefelsäure eingedampften,

dann mit Alkohol gefällten und mit Pottasche neutralisierten Safte

Stärke, Erbsmehl und Gummi zugesetzt. In Italien wird nahezu die ganze

Süßholzernte auf Succus verarbeitet.

Die extrahierten Rückstände dienen als Feuerungsmaterial, früher wurden

sie zur Papierbereitung benutzt (~Mérat e Lens~). Dazu müssen sie sich,

da die Bastfasern sehr lang und sehr zahlreich sind, gut eignen.

=Lit.= ~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia. -- ~Flückiger~,

Pharmakognosie, III. Aufl. und Arch. Pharm. 1889. -- ~Sestini~, Gazz.

chim. ital. 1878 (Jahresb. d. Ph. 1878). -- ~Woodcock~, Journ. d.

pharm. chim. 13 (1886), 275 (Chem. Drugg.). -- ~Mérat-Lens~, Diction.

univers. III; auch ~Fontenelle et Poisson~, Man. compl. du marchand

papet. Paris 1828. -- Bereitung in Sizilien: Apoth. Zeit. 86.

=Beschreibung der Droge.= Die Stangen besitzen je nach der Sorte einen

verschiedenen Durchmesser und verschiedene Länge (11-20 cm lang und

1-2,5 cm dick). Sie sind schwarz, außen glatt, in der Wärme biegsam,

trocken in der Kälte brechend mit muscheligem Bruch. Der Strich ist

braun. Sie verlieren beim Trocknen bei 100° bis 20% Wasser, schwimmen

auf Chloroform und sinken in Schwefelkohlenstoff unter. Bei 100°

getrocknet beträgt das spez. Gewicht ungefähr 1,427 (~Flückiger~).

=Chemie.= Kaltes Wasser entzieht dem Succus c. 60-75, bisweilen sogar

bis 90% +lösliche Bestandteile+ (inkl. der Feuchtigkeit), Pontefract

Cakes (Dunhills) z. B. geben 71% an kaltes Wasser. Die Stangen

behalten hierbei, wenn man sie zwischen Holzwolle packt, ihre Form.

Der Rückstand, der noch Spuren Glycyrrhizin enthält, besteht zum Teil

aus +Stärkekleisterballen+, pektinösen und gummösen Substanzen, und

enthält etwa so viel Asche als der Succus selbst (3,29% ~Flückiger~).

+Unverkleisterte Stärke enthält er nicht.+ In Lösung geht Glycyrrhizin,

Glukose, Saccharose, Mannit und deren Umwandlungsprodukte, welch

letztere auch in Alkohol sich lösen. Ferner die oben (S. 90) genannten

Begleitstoffe. Der wässerige Auszug gibt mit Weingeist eine Fällung.

Das Rohglycyrrhizin wird aus ihm durch Schwefelsäure ausgefällt

(Lakritzlösungen dürfen daher keine Mineralsäuren, aber auch keine

Alkaloide zugesetzt werden!). Die gewaschene Fällung in Ammoniak gelöst

und eingedampft gibt das im Handel als Glycyrrhizinum ammoniacale

(~Merck~, ~Pégurier~) bekannte, in schwarze Lamellen gebrachte

Präparat, das auch aus Süßholz dargestellt wird (in Frankreich als

+Glyzine+ bekannt).

Im Durchschnitt findet sich im Succus: 7-20, meist 10-14% Wasser, in

+kaltem Wasser unlösliche Substanz+ 10-40, meist 17-33%, darin: c.

15% +gummöse Substanz+ und +Stärkekleister+ (1,33-35,5 [?] Stärke,

~Piltz~), dann 11 bis 16% +Zucker+ (~Piltz~), bisweilen aber nur

6-7%. Der Extraktgehalt schwankt zwischen 33 und 79%. Meist beträgt

er 55-72%. Über den +Glycyrrhizingehalt+ können wir noch kein ganz

sicheres Urteil abgeben, da eine ganz genaue Bestimmung desselben noch

nicht gefunden wurde. Es kommt also sehr auf die Methode an. Bisher

wurde immer nur Rohglycyrrhizin bestimmt (siehe Wertbest.). Es werden

angegeben Prozente Ammoniumglycyrrhizat im Mittel: 5,8-(11,9) 20,8

(~Kremel~), 4,02-13,34 (~Py.~), 1,33-18,14 (~Piltz~), 3-30, meist

10-18 (~Prollius~), 15,8 (~Rennard~), 1,8-8,6 (~Schröder~), 6,4-27,78

(~Kinzey~), in einer Tifliser Marke Sanitas 30 (~Utescher~). In der

Tabelle bei E. ~Schmidt~ (Ap. Zeit. 1900, 216): 6,6-14,7% (Salvago

meist 10-13%).

~Parry~ gab (1910) folgende Zahlen:

----------------+------+-----+---------+--------+---------+----------

|Wasser|Asche|Unlöslich|Glycyrr-| Zucker

| | |in Wasser| hizin | vor der |nach der

| | | | |Inversion|Inversion

================+======+=====+=========+========+=========+==========

Calabrischer |10,95-|5,95-| 17,95- | 9,95- | 11,90- | 14,50-

Succus (Stengel| 13,60| 7,55| 25,15 | 12,50 | 13,50 | 15,50

u. Block) | | | | | |

Anatolischer |16,95-|6,80-| 6,90- | 18,85- | 10,88- | 12,90-

Succ. (Block) | 20,50| 7,22| 8,50 | 23,50 | 12,0 | 13,90

Spanischer | | | | | |

Succus |8,55- |5,95-| 22,05- | 5,95- | 12,50- |14,45-

(Block) |10,50 | 7,12| 26,55 | 6,65 | 14,50 | 15,25

~Ella Eriksson~ fand mit Benutzung meiner Methode (siehe oben S. 90)

in meinem Laboratorium (1910) in Cassano: 15,9-16,8% Glycyrrhizin

(nach ~Cederberg~ bestimmt 12,8 bis 15,6%), 5,8-6,3% Fehlingsche

Lösung in der Kälte reduzierende Substanz und 11,1-11,8% Fehlingsche

Lösung bei kurzem Kochen reduzierende Substanz.

Der Succus läßt sich nur schwer veraschen. Der +Aschengehalt+

wechselt sehr. Gute Sorten (z. B. Baracco) geben nicht mehr als 5%

der lufttrockenen Substanz alkalische Asche. Die Asche des in Wasser

unlöslichen Rückstandes beträgt etwas über 3% (~Flückiger~, s. oben),

doch steigt die Gesamtasche oft auf 6, 8, 10, nach ~Madsen~ sogar auf

14%. Guter Succus gibt nicht mehr als 8%. Gefälschter Lakritzen hat oft

weniger als 2% Asche, so daß auch eine untere Grenze verlangt werden

sollte. In der Asche der echten Lakritzen finden sich 34-43% Kali (in

der von gefälschtem 18-30%, ~Dyer~ 1888).

Von Einfluß für die Zusammensetzung des Succus ist, ob derselbe durch

kalte Extraktion der Wurzel, oder kaltes Auspressen des Saftes, oder

Auskochen der Wurzel erhalten und ob das Auskochen lange oder kurze

Zeit bei mäßigem oder starkem Feuer fortgesetzt wurde, endlich ob

und wie der Saft geklärt, ob Teile des Saftes durch Ausfällen oder

Koagulation abgeschieden und durch Filtrieren abgetrennt wurden

und ob bei dem Eindampfen das Vakuum benutzt wurde oder nicht,

bezw. bei starkem oder mäßigem Feuer eingedampft wurde. Daraus,

daß ein einheitliches Verfahren nicht existiert, erklärt sich die

außerordentliche Verschiedenheit der Handelsprodukte und der schon

vor 60 Jahren gemachte, ganz berechtigte Vorschlag, den Succus selbst

darzustellen event. nach einer Vorschrift der Pharmakopoee. Zugegeben

mag werden, daß für die Festigkeit der Stangen ein gewisser Prozentsatz

unlöslicher Substanz (wohl hauptsächlich Stärke und Pektinkörper)

notwendig ist.

Die Veränderungen, die die Bestandteile der Wurzel bei der Darstellung

des Succus erleiden, sind noch nicht studiert. Ich habe Gründe

anzunehmen, daß ein Teil des Glycyrrhizins gespalten wird.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 14 / 120 段