=Anatomie.= Die Ausläufer sind von Sekundärkork bedeckt, der in der

Stärkescheide entstanden ist (die primäre Rinde, die «Wurzelhaare»

trägt, wird frühzeitig abgeworfen, ~Tschirch~, Angew. Anatomie Fig.

316). Die +Korkschicht+ ist oft 10-25 Zellenreihen dick und schuppt

infolge von «Trennungsschichten» zwischen den Korkplatten ab. In der

unter dem Kork liegenden Rindenpartie finden sich Oxalat führende

Zellen, vereinzelte Bastfasern und (sehr zerstreut) Protophloëmbündel.

Die +sekundäre+ Rinde ist von 3-8 Zellen breiten, sich nach außen

verbreitenden Markstrahlen (Rindenstrahlen) durchzogen, die Stärke

und Öltröpfchen führen. Zwischen ihnen liegt der sekundäre Siebteil.

Er besteht aus Siebröhren, Cambiform, Bastfasern und Phloëmparenchym.

Die Siebröhren sind nur in der Nähe des Cambiums unverändert

erhalten. Etwas weiter nach außen sind sie samt dem Cambiform

obliteriert und bilden nicht mehr leitende, breite, gestreckte, von

Spalten durchzogene Keratenchymbänder (Fig 28). Das Phloëmparenchym

obliteriert nicht. Es führt Stärke, Öl und da und dort monosymmetrische

Oxalatkristalle (Einzelkristalle und Zwillinge), letztere besonders

in der unmittelbaren Umgebung der zahlreichen Bastfasergruppen

in sog. Kristallkammerfasern. Die kristallführenden Zellen sind

mit einer unregelmäßigen bis fast an den Kristall heranreichenden

Verdickungsschicht versehen, die mit Jodschwefelsäure blauviolett

wird und früher entsteht als der Kristall. Dadurch erscheint der

Kristall wie in einer Tasche steckend. Die Bastfasern sind sehr

lang und stark, oft fast bis zum Verschwinden des Lumens, verdickt.

Ihre primäre Membran ist stark verholzt, die sekundäre wenig, die

tertiäre nicht oder fast gar nicht. Das Cambium ist wenig deutlich.

Der +Holzkörper+ besteht aus Gefäßen, Tracheïden, Holzparenchym und

Bastfasern (Libriform). Namentlich an der Peripherie finden sich

sehr zahlreiche und sehr weite Gefäße. Im allgemeinen differiert die

Weite der Gefäße erheblich: die engsten haben eine lichte Weite von

25 mik., die weitesten bis 170 mik., die meisten 100-130 mik. Die

engsten besitzen kurze Tüpfel mit spaltenförmigem Ausführungsgang,

die mittleren Leiter- und Netzleistenverdickungen, die weitesten

schief reihenförmig angeordnete rhombische Tüpfel mit spaltenförmigem

Ausführungsgang. Die Perforationsstellen der ursprünglichen Querwände

sind gut zu sehen, die Gefäßwand daher deutlich gegliedert (Fig. 29).

Die Gefäße werden begleitet von Tüpfel- oder Netzfaser-Tracheïden. Das

Holzparenchym führt den gleichen Inhalt wie das Phloëmparenchym und die

Markstrahlen. Die Bastfasergruppen, die in nichts von denen der Rinde

abweichen, werden von Kristallkammerfasern begleitet, die ähnliche, im

Typus der Form ⎔ folgende Kristalle einschließen. Es finden sich sowohl

Einzelkristalle wie Zwillinge. Im Zentrum pflegt ein mehr oder weniger

großes parenchymatisches +Mark+ zu liegen.

In allen parenchymatischen Zellen findet sich neben meist einzelnen

kleinen, rundlichen, spindelförmigen, ei- oder stäbchenförmigen,

meist 1,5-7 (selten bis 20 und 30) mik. großen +Stärkekörnern+,

+Glycyrrhizin+. Setzt man konzentrierte Schwefelsäure hinzu, so

färbt sich das ganze Gewebe strohgelb und der Farbstoff wird von

den Membranen der Gefäße und der primären Membran der Bastfasern

gespeichert (~Tschirch-Oesterle~, Atlas).

[Illustration: Fig. 29.

_Glycyrrhiza glabra._ Längsschnitt durch den Gefäßteil eines Ausläufers.

[Aus +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

Die +Wurzeln+ weichen nur wenig von den Ausläufern ab. Der sekundäre

Bau ist fast ganz derselbe. Sogar Mark wird oft gebildet, so daß

es schwer hält, an kleinen Stücken Wurzeln von Ausläufern zu

unterscheiden. Das primäre (meist tri- oder tetrarche) Bündel geht bald

in den kollateralen Bau über und die primäre Rinde wird frühzeitig

abgestoßen und ist nur an 8-10 mm dicken Wurzeln noch in Form von

Fetzen zu sehen (~Tschirch~, Angew. Anatomie, Fig. 315).

Bisweilen sind beim Süßholz einzelne Partien der Rinde, des Holzkörpers

oder des Markes durch Binnenkorkbildung eingekreist und so aus dem

Saftverkehr ausgeschaltet. An der Außenseite dieser Korkbänder finden

sich reichlich Oxalatkristallzellen (~Vogl~) -- oft ganze Nester

bildend.

Das meist aus geschälter Wurzel hergestellte, daher korkfreie +Pulver+

(bei schlecht mundierter Ware treten einige Korkzellen auf) wird durch

konzentrierte Schwefelsäure dunkelrot- bis orangegelb. Es läßt die

Stärkekörner, die Kalkoxalatkristalle und deren Splitter, die Fragmente

der getüpfelten und Netzleistengefäße sowie die Bastfasern und deren

Gruppen erkennen, die oft von Kristallkammerfasern begleitet sind.

=Lit.= ~G. W. Wedel~, De glycyrrhiza 1717 (hier die erste,

allerdings sehr primitive mikroskopische Untersuchung). -- ~Wigand~,

Flora 1877 und Lehrbuch 1879. -- ~Tschirch~, Angew. Anatomie

und Artikel Liquiritia in Realenzykl. d. Pharm. VIII, 234. --

~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas. -- ~Tschirch-Holfert~, Arch. d.

Pharm. 1888, S. 473. -- ~Vogl~ in ~Wiesner~, Rohstoffe. 2. Aufl. --

~A. Meyer~, Drogenkunde. -- Der primäre Bau bei ~Holfert~, Arch.

Pharm. 1889. -- Das Pulver sehr ausführlich in ~Koch~, Mikrosk. Anal.

d. Drogenpulver II, Taf. 17 und auch bei ~Kraemer~, Am. journ. ph.

1897, Proc. Am. ph. ass. 1898, 310. -- ~Icliffe~, Drug. Circ. 1900

u. and. -- Entwicklungsgesch. von Frucht und Samen v. Gl. gl. in

~Stscherbatscheff~, Beitr. z. Entw. einig. Sam. u. Fr. Arch. Pharm.

1907, 48.

=Chemie.= Der wichtigste Bestandteil des Süßholzes ist das

Glycyrrhizin. Das +Glycyrrhizin+ (Glycyrrhizinsäure, Süßholzzucker,

Wurzelzucker) wurde von ~Pfaff~ aufgefunden und +Glycion+ genannt,

~Robiquet~ gab ihm 1809 den Namen Glycyrrhizin. Es wurde dann von

~Döbereiner~, ~Berzelius~, ~Buchner~, ~Martin~, ~Hirsch~, ~Rump~,

~Flückiger~ und ~Möller~, ~Sestini~ u. and. studiert. ~A. Vogel~ jun.

gab ihm die Formel C₁₆H₂₆O₆, ~Roesch~: C₁₆H₂₄O₆, ~T. Lade~: C₃₆H₄₈O₁₄,

~Gorup-Besanez~: C₄₈H₇₂O₁₈, ~Habermann~: C₂₂H₃₃NO₉ oder C₄₄H₆₆N₂O₁₈.

Auch ~Roussin~ gibt Stickstoff als Bestandteil an, ebenso ~Tschirch~

und ~Relander~ (1898). ~Gorup-Besanez~ rechnet das Glycyrrhizin

zu den Glykosiden. ~Habermann~ erhielt bei der Hydrolyse eine

harzige Substanz, die er Glycyrrhetin nannte neben Parazuckersäure,

~Gorup-Besanez~ einen gärungsfähigen Zucker. Die zuerst von ~Flückiger~

(1867) ausgesprochene, von vornherein unwahrscheinliche Ansicht, daß

das Glycyrrhizin in der Pflanze als Ammonsalz vorhanden sei, wurde von

~Roussin~ (1875) wiederholt und ging in alle Lehrbücher über. Sie ist

von ~Tschirch~ und ~Cederberg~ (1907) widerlegt worden. In Pflanzen

sind übrigens organische Ammonsalze bisher niemals gefunden worden.

Die +Glycyrrhizinsäure+ ist in der Pflanze an Kalium und Calcium

gebunden (nach ~Sestini~ nur an Ca, was aber unwahrscheinlich ist).

~Tschirch~ und ~Cederberg~ erhielten auch zuerst die Glycyrrhizinsäure

über das tertiäre Kaliumsalz in reiner Form und zeigten, daß sie bei

der Hydrolyse in +Glycyrrhetinsäure+ und +Glukuronsäure+ zerfällt. Sie

formulierten daher:

_____________

| |

O.HC.CHOH.CHOH.CHO.CHOH.COOH

/

C₃₁H₄₅O₃-COOH + 2 H₂O

\

O.HC.CHOH.CHOH.CHO.CHOH.COOH

| |

-------------

OH

/

= C₃₁H₄₅O₃-COOH + 2 (CHO.CHOH.CHOH.CHOH.CHOH.COOH)

\

OH

Glycyrrhetinsäure Glukuronsäure

Die Glukuronsäure wurde dann durch ~Tschirch~ und ~Gauchmann~

(1908) weiter identifiziert und wahrscheinlich gemacht, daß in der

Glycyrrhetinsäure nur eine doppelte Bindung und der Kern:

---

| OH

/ \/ \

| | |

\ /\ /

| OH

---

enthalten ist, sowie daß wahrscheinlich die Bindung der Glukuronsäure

an den α-Hydroxylen erfolgt.

Weder die Glycyrrhetinsäure (F = 210°), die in Nadeln kristallisiert,

noch die Glukuronsäure (s. oben S. 77) sind süß. Wohl aber schmeckt

sowohl die in farblosen Schuppen oder Prismen kristallisierende

dreibasische, optisch inaktive Glycyrrhizinsäure C₄₁H₅₅O₇(OH)₆(COOH)₃

(F = 205°) als ihre wasserlöslichen Kalium- und Ammoniumsalze intensiv

und rein süß, nicht kratzend -- noch in Lösungen 1:20000. Sie

reduzieren weder Fehlingsche Lösung noch ammoniakalische Silberlösung.

Die Glycyrrhizinsäure ist in heißem Wasser löslich. Die Lösung gesteht

beim Erkalten zu einer Gallerte (beim Rohglycyrrhizin beobachtete

dies schon ~Pfaff~). Das Glycyrrhizin, +das einen besonderen Typ der

Süßstoffe darstellt+, ist zu etwa 5,3 bis 7% in der Droge enthalten

(~Tschirch~, ~Cederberg~ und ~Eriksson~). Die früheren Autoren

(~Flückiger~, ~Sestini~, ~J. H. Möller~ u. and.) sprechen von 6,27,

7,5, 8% und noch höheren Zahlen (9% ~Gawalowski~). Sie hatten aber nur

unreines G. in Händen. Russisches Süßholz ist glycyrrhizinreicher als

spanisches. Das fand schon ~Neese~ (1863).

Das Roh-Glycyrrhizin fällt beim Versetzen der Perkolate der Wurzel mit

Schwefelsäure als pflasterartige Masse aus. Aus der alkoholischen

Lösung der letzteren (1=3) fällt bei weiterem Alkoholzusatz eine

+stickstoffhaltige gummiartige Masse+. Dampft man das Filtrat zur

Trockne, löst in Alkohol und setzt Äther hinzu, so fällt eine

+außerordentlich bitter und dabei kratzend schmeckende Masse+ aus. Das

so gereinigte Glycyrrhizin gibt an Äther etwas +Glycyrrhetinsäure+ (s.

oben) ab, die also das Glycyrrhizin in der Pflanze begleitet. In dem

Filtrate von der Schwefelsäurefällung (s. oben) findet sich d-+Glukose+

und +Mannit+ (~Tschirch~ und ~Relander~). Doch ist fraglich, ob Mannit

primär gebildet in der Droge vorkommt. ~Arnst~ und ~Hart~ geben den

Zuckergehalt bei span. Süßholz zu 9,57, bei russischem zu 10,39%

an, ~König~ auf 7,44 bzw. 6,01% (in der Trockensubstanz 8,16 bzw.

6,58%) Glukose (direkt Fehling reduzierend). Nach ~Rasenack~ kommt

auch reichlich +Saccharose+ im Süßholz vor. (~König~ gibt davon für

spanisches 2,13, für russisches 10,38% an.) +Das Süßholz ist also ein

wahres Arsenal von Süßstoffen. Es enthält deren nicht weniger wie vier.+

Die von mir vorgeschlagene +Methode der Bestimmung der drei Süßstoffe+

(Glukose, Rohrzucker, Glycyrrhizin) nacheinander in derselben Lösung

ist von ~Ella Eriksson~ in meinem Institut durchgeprüft worden. Sie

beruht darauf, daß Glukose in der Kälte, Saccharose bei kurzem,

Glycyrrhizin erst bei lange anhaltendem Kochen ~Fehling~sche Lösung

reduzieren und nach ~Allihn~ bestimmt werden können. In dem mit

Alkohol von den Schleimstoffen befreiten Auszuge wird zuerst durch

zwölfstündiges Stehenlassen mit ~Fehling~scher Lösung in der Kälte

die Glukose oxydiert und nach ~Allihn~ bestimmt, im Filtrate vom

Kupferoxydul wird durch 3 Minuten langes Kochen mit ~Fehling~scher

Lösung die Saccharose bestimmt und dann aus dem Filtrate das

Glycyrrhizin mit Schwefelsäure ausgefällt, aufgelöst und 15 Stunden

mit ~Fehling~scher Lösung gekocht und dann ebenfalls nach ~Allihn~

bestimmt. Wir fanden in lufttrockenem Süßholzpulver: Glukose

1,39-1,45%, Saccharose 2,40 bis 2,57%, Glycyrrhizin 6,42-7,13%. Nach

der ~Cederberg~schen gravimetrischen Methode erhielten wir etwas

weniger, nämlich 5,5-5,6% Glycyrrhizin bei dem gleichen Material.

Ferner findet sich im Süßholz l-+Asparagin+ = NH₂CO.CH₂.CH(NH₂).COOH,

2-4% (~Sestini~), das ~Caventou~ darin auffand und +Agedoil+

nannte (auch ~Pfaff~ hatte es in Händen). ~Henry~ und ~Plisson~

identifizierten es 1828 mit dem von ~Vauquelin~ und ~Robiquet~ (1809)

im Spargel aufgefundenen Asparagin. ~Robiquet~ erwähnt in seiner

Analyse eine kristallinische Substanz, ähnlich dem Vauqueline.

~Moulin~ weist das Asparagin dadurch nach, daß er Schwefelsäure und

etwas Resorcin zusetzt, erhitzt und verdünntes Ammoniak hinzufügt.

Es entsteht eine fluoreszierende Lösung. Ferner enthält das

Süßholz bis 3,5% +Fett+ (wir fanden nur 0,2-0,8%), etwas +Harz+

(Glycyrrhizinharz?), gelben +Farbstoff+ in den Gefäßwandungen, durch

Kali tiefgelb, wenig +Gerbstoff+, viel +Stärke+ (in span. Süßholz

31,33, in russischem 20,73%, ~Arnst~ und ~Hart~), +Gummi+ 1,5-4%

(~Madsen~) und ein +ätherisches Öl+ (0,03% in spanischer, 0,035% in

russischer Droge, ~Haensel~). Süßholz enthält auch kleine Mengen

+Salicylmethylat+ (~Desmoulière~). Die bisweilen angegebene Apfelsäure

dürfte Glukuronsäure gewesen sein. Der +Extraktgehalt+ beträgt bei

russischem Süßholz meist 35-38%, bei spanischem 20-25% (~La Wall~

erhielt 1896 55%; Pharm. helv. IV verlangt wenigstens 28% bei 100°

getrocknetes Extrakt, die Ph. austr. 30%). +Asche+ 3-6% (selten mehr

als 5%, ~Hauke~, nach ~Dieterich~ 3,2 bis 6,15 (im Pulver etwas mehr;

~Dieterich~: russisches 4,8-11,7, span. 5,1-9,9); nach Pharm. helvet.

IV höchstens 6%. Der +Wasser+gehalt beträgt 6,5-10% (im Mittel 8,75

~Arnst~ und ~Hart~).

Durch Liegenlassen in Ammoniakgas soll Süßholz etwas süßer werden

(~Landerers~ Rad. liquirit. ammoniata). Die Prozedur ist aber

unzulässig; in ihrer Wirkung zudem zweifelhaft.

=Lit.= (Glycyrrhizin.) Ältere Lit. in ~Schwartze~, Tabellen 1819.

-- ~Pfaff~, System d. Mat. med. I, 187. VI, 113. -- ~Döbereiner~,

Elemente d. pharm. Chem. 149. -- ~Robiquet~, Ann. de chim. 72

(1809), 143, ~Trommsd.~ Journ. 19. -- ~Berzelids~, Poggend. Ann. 10

(1827). -- ~Martin~, Jahresb. d. Chem. 1860. -- ~Rumpf~, N. Repert.

d. Pharm. 4, 153. -- ~Hirsch~, Jahresb. d. Chem. 1860, 551; 1871,

308. -- ~Flückiger~, Pharmakognosie I. Aufl. -- ~A. Vogel~, Journ.

f. prakt. Chem. 28, 1. -- ~Lade~, Ann. Chem. Pharm. 59, 224. --

~Gorup-Besanez~, Ann. Chem. Pharm. 118, 236. -- ~Roesch~, Beitr. z.

Kenntn. d. Glyc. Dissert. Erlangen 1877. (Jahresb. d. Pharm. 1878,

426.) -- ~Weselsky~ u. ~Benedict~, Ber. d. chem. Ges. 1876, 1158. --

~Roussin~, Journ. pharm. chim. 1875. (Arch. d. Pharm. 1876, 157.) --

~Sestini~, Gaz. chim. ital. 1878, 131 (Ber. 1878) u. Arch. d. Pharm.

1880, 233. -- ~Habermann~, Sitzungsb. d. Wien. Akad. 74 (1878) u.

Ann. d. Chem. 197 (1879), 105. -- ~Tschirch~ u. ~Relander~, Schw.

Wochenschr. f. Ch. u. Ph. 1898, S. 243. -- ~Tschirch~ u. ~Cederberg~,

Arch. Pharm. 1907, 97. -- ~Tschirch~ u. ~Gauchmann~, Arch. Pharm.

1908, 545 u. 558. -- ~Rasenack~, Arbeit. d. K. Gesundheitsamt. 1908.

~Haensels~ Berichte 1899. -- ~Arnst~ u. ~Hart~, Zeitschr. ang. Chem.

1893, 136. -- ~König~, Nahr. u. Genußm. II, 1065. -- ~Kremel~,

Pharm. Post. 22, 194. -- ~Moulin~, Journ. pharm. 1896. 543. -- ~La

Wall~, Am. journ. pharm. 1896. -- ~Neese~, Jahresb. d. Ph. 1863. --

(Asche.) ~Hauke~, Zeitschr. Österr. Apoth. Ver. 1902, 418; ~Moor~ and

~Priest~, Ph. journ. 1900 und ~Dieterich~, Helfenb. Ann. 1890.

+Glycyrrhizin in anderen Pflanzen.+ Mit Sicherheit nachgewiesen

und durch Analysen belegt ist das Glyzyrrhizin bisher nur in der

Wurzel der zu den Phaseoleen gehörenden _Periandra dulcis_ ~Mart.~

(_P. mediterranea_ ~Vell. Tab.~), der brasilianischen Süßholzwurzel

(Alcassuz), in der ~Peckolt~ es bereits vermutete, durch ~Tschirch~

und ~Gauchmann~, sowie in der _Monesiarinde_ von _Pradosia

lactescens_ (~Vell.~) Radlk. (_Chrysophyllum glycyphloeum_ ~Casar~.),

einer brasilianischen Sapotacee, aus der zuerst ~Payen~ den Süßstoff

in unreiner Form erhielt, ebenfalls durch ~Tschirch~ und ~Gauchmann~.

Die Wurzel von _Abrus precatorius_ soll nach ~Hooper~ 1,5%

Rohglyzyrrhizin enthalten, die Blätter sogar 9-10%. (Die Zahlen sind

wohl zu hoch.) Die _Jequiritywurzel_ ist als Süßholzersatz (indisches

Süßholz) empfohlen worden. Doch sind die Auszüge etwas bitterer

(~Rudolfe~). Ferner wird Glyzyrrhizin angegeben in _Glycyrrhiza

lepidota_ (~Mac Cullough~), _Sarcocolla_, _Trifolium alpinum_ L.

(die unterirdischen Teile als Réglisse des montagnes bekannt),

_Astragalus glycyphyllos_, Rhizom von _Polypodium vulgare_ (Engelsüß)

und _pinnatifidum var. indivisa_ (~Guignet~), _Myrrhis odorata_ L.

(~Schröder~), _Guilielma speciosa_ ~Mart.~, _Ononis spinosa_ (das

Ononid soll glyzyrrhinähnlich sein), _Lepidota Pursh._ (angeblich

8,5%), _Tabermirca nummularia_, _Alyssicarpus longifolius_, _Macrua

arenaria_ (die Wurzel der letzteren Pflanze findet sich in indischen

Bazaren. ~Simmonds~). Doch ist bei keiner dieser Pflanzen bisher

der Beweis erbracht, daß wirklich Glyzyrrhizin vorliegt. Daß der

von ~Rasenack~ untersuchte und als Glykosid erkannte Süßstoff von

_Eupatorium Rebaudianum_, auf welche Pflanze ~Bertoni~ (Pharm. Zeit

1902, 108) aufmerksam machte, +nicht+ Glyzyrrhizin ist, zeigten

~Tschirch~ und ~Gauchmann~ (1908).

=Lit.= ~Peckolt~, Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 1867; Pharm.

Rundsch. 1888. -- ~Payen~, Exam. chim. et méd. du Monesia. Paris

1841. -- ~Guignet~, Rep. d. pharm. 13, 72. -- ~Hooper~, Pharm. Journ.

1894, 937 (_Abrus_ auch: ~Norman~, Bull. of ph. 1897). -- ~Simmonds~

Bull. of pharm. 1894, 205. -- ~Rudolfe~, ebenda 1897. -- ~Flückiger~,

Pharmakogn. und Pharmakographia. -- ~Guignet~, Jahresb. 1885, 16.

-- ~Schröder~, ebenda (Arch. Pharm. 1885, 621). -- ~Tschirch~ und

~Gauchmann~, Arch. Pharm. 1908. -- ~Mac Cullough~, Am. journ. ph.

1890, 388.

Der =Geschmack= des Süßholz ist eigenartig kräftig süß, schwach

kratzend, ein wenig schleimig und sehr schwach bitterlich.

=Verfälschung.= Im Pulver wurde als Verfälschung Olivenkernmehl und

Maisstärke gefunden (~Evans~), auch Kartoffelstärke (1908). ~Wigand~

gibt (1887) als Verfälschung des Pulvers an: Mehl, Arrowroot, Curcuma,

Farinzucker, Guajac, Schüttgelb, _Sem. Trigonellae_. Ich habe 1909

nichts dergleichen beobachtet. Auch ~Mitlacher~ fand Süßholz wenig

verfälscht. ~Bastin~ beschreibt die Unterschiede (?) der Stolonen und

Wurzeln. ~Hanson~ macht auf Verfälschung des Pulvers mit ausgezogenem

Pulver aufmerksam.

=Lit.= ~Evans~, Pharm. Journ. 1905. -- ~Wigand~, Pharmakognosie. --

~Mitlacher~, Ergebnisse d. Apotheken-Visitationen usw. Zeitschr. d.

Öster. Ap. Ver. 1904. -- ~Bastin~, Detection of stem admixtures in

Root drugs. Pharm. Journ. 1902, 652. -- ~Hanson~, Amer. Drugg. 1886

(Jahresb. d. Ph. 1896).

=Schädlinge.= Ein Schädling der Süßholzdroge ist _Pyralis farinalis_,

die Mehlmotte (~Jackson~). Dann besonders _Niptus hololeucus_

~Faldermann~, eine sehr schädliche Ptinide, die durch russisches

Süßholz in Deutschland eingeschleppt, in den letzten Dezennien sich

stark ausgebreitet hat (~Israel~).

=Geschichte.= Das Süßholz gehört zu den ältesten Drogen. Es findet

sich im Magical Papyrus (I, S. 465) und ist einer der Bestandteile

des Theriak (I, S. 551). Bei den Indern diente Süßholz (madhuka)

beim Liebeszauber (~Joret~). Eine Abkochung der Süßholzwurzel und

des Süßtee (_Gymnostemma cissoides_) wird auch zum Bade Buddhas bei

dessen Geburtsfeier am 8. Tage des 8. Monats benutzt. Am Morgen

dieses Festes wird die Statue des Gottes in eine Kufe gesetzt und

mittels einer Kelle von den Betenden dreimal mit diesem Tee begossen.

Die abtropfende Flüssigkeit wird gesammelt und bildet ein geschätztes

Heilmittel (~Junker von Langegg~). _Liquiritia_ gehört auch zu den

Drogen der ersten Klasse («Fürsten») der Shen nung Pen tsʿao king,

des ältesten chinesischen Kräuterbuches (I, S. 515). Es wurde seit

alter Zeit, wie noch heute bei Katarrhen der Luftwege benutzt. Bei

~Theophrast~ steht (IX, 13): γλυκεῖα δὲ καὶ ἡ σκυθική. καὶ ἔνιοι δὲ

καλοῦσιν εὐθὺς γλυκεῖαν αὐτήν. γίνεται δὲ περὶ τὴν Μαιῶτιν. χρησίμη

δὲ πρός τε τὰ ἄσθματα καὶ πρὸς τὴν βῆχα ζηρὰν καὶ ὄλως τοὺς περὶ τόν

θώρακα πόνους. ἔτι δὲ πρὸς τὰ hέλκη ἐν μέλιτι. δύναται δὲ καὶ τὴν

δίψαν παύειν ἐάν τις ἐν τῶ στόματι ἔχῃ usw. Und ποιεῖ δὲ τὸ χύλισμα

πρὸς τραχύτητας ἀρτηρίας (der Saft wirkt gegen Rauheit der Luftröhre)

sagt schon Dioskurides (III, 5). Scribonius kennt Lakritz-Pastillen.

Wir finden es also bei ~Theophrast~ (I, S. 548) und ~Dioskurides~

(I, S. 561). Ferner bei ~Galen~ (I, S. 581), ~Oribasius~ (I, S.

588), ~Marcellus Empiricus~ (I, S. 590), ~Paulus Aegineta~ (I, S.

592) und ~Alexander Trallianus~, die auch bereits das Süßholzextrakt

kennen. Ebenso findet es sich bei ~Susrutas~ (I, S. 505). Die Inder

werden es wohl von den Persern und Arabern übernommen haben. Es war

bei ihnen sehr geschätzt, kommt aber in Indien, das die Droge noch

heute vom persischen Golf, Karachi und Afghanistan bezieht, nicht

vor. Auch die Kultur des Süßholz ist alt, besonders die in Spanien.

Doch reicht sie hier nicht bis ins X. Jahrh. zurück. Der Kalender

des ~Harib~ erwähnt Süßholz nicht. Die Kultur des Süßholz «auf dem

Acker» bei Bamberg wird von den einen (~Reuss~, Walafridi Strabi

Hortulus 1834) auf die Gemahlin ~Heinrichs~ II., ~Kunigunde~ (†

1033), von anderen (wohl richtiger) auf die Benediktiner der Abtei

Michaëlsberg zurückgeführt, die im XV. Jahrh. das Süßholz aus Italien

(und Spanien?) nach Deutschland brachten. Im Vocabular ~Africs~,

Erzbischof von Canterbury (X. Jahrh.), in ~Karls~ Capitulare, im St.

Galler Klosterplan, im Hortulus und bei ~Macer Floridus~ fehlt das

Süßholz. Es wurde also in Deutschland kaum vor dem XIII. Jahrh.,

wahrscheinlich erst vom XV. Jahrh. an kultiviert. ~Platearius~ (I,

S. 635) und ~Crescenzi~ (I, S. 678) erwähnen Kulturen in Italien und

beschreiben die Darstellung des _Succus_. ~Tabernaemontanus~ (I, S.

848) erwähnt _Succus liquiritiae_ von Creta. «Liquiritia» (_Radix_?

oder _Succus_?), figuriert auch im XIV. Jahrb. in englischen

Dokumenten (Testamentsexekution des Bischofs von Exeter 1310),

unter Regolitia figuriert Liquiritia in verschiedenen Vorschriften

des «Ricettario fiorentino» 1498. In der Frankfurter Liste 1450

(I, S. 812) steht Lequeritia und Succus liqworicic, bereits in

dem Frankfurter Catalogus von 1582 (I, S. 817) findet sich _Rad.

dulcos scythica_ (russisches) und _hispanica_, sowie cretischer

(_candiacus seu creticus_) und venedischer Süßholzsaft. Die Eßlinger

Taxe 1571 (I, S. 816) hat liquiriciae liquor cond(ensatus).

Eine Abbildung der Pflanze, der Handelsform der Droge und einer

Succustablette mit dem Reichsadler gab schon ~Bock~ (Fig. 30). Nach

~Tabernaemontanus~ wurde schon Anfang des XVI. Jahrh. viel Süßholz

in Deutschland gebaut und _Succus_ (im Gegensatz zum venedischen

_vulgaris_ genannt) dargestellt (vgl. auch Taxe von Worms 1609). Des

bambergischen Süßholz gedenken ~Cordus~, ~Bock~ und ~Gesner~ (Horti

german.). ~Schröder~ erwähnt in seiner Pharmac. med. chym. sogar

+nur+ das bambergische. In der Reformation von Frankfurt 1656 steht

ausdrücklich: _Liquiritiae succus_ impissatus Bambergensis. Das

englische Süßholz steht in der ~Berlu~-Liste (1724, I, S. 949). Die

Süßholzkultur in Italien scheint nicht viel über das XIII. Jahrh.

zurückzureichen. Sie wird zuerst bei ~Crescenzi~ erwähnt. Und auch

später kann sie nicht bedeutend gewesen sein, denn ~Anguillara~,

~Matthioli~ und ~Porta~ (Villae Libri XII) erwähnen sie nicht.

Benutzt wurde das Süßholz aber das ganze Mittelalter viel, kaum

weniger als in späterer Zeit, denn es fehlt in keinem medizinischen

Werke. Italienisches und spanisches Süßholz gelangte 1264 nach

England und zahlte 1305 dort Zoll (I, S. 713). In Sizilien wurde

1770 _Succus_ noch ebenso bereitet wie zur Zeit des ~Platearius~

(~Riedesel~, Reise durch Sizilien 1770). Der _Succus liquiritiae_ ist

als Heilmittel kaum jünger als die Wurzel. Schon ~Andromachus~ (I, S.

551) nennt «Cyanea Glycyrrhizae» (nach ~Cordus~: _Succus liquir._)

unter den Bestandteilen des Theriak. ~Dioskurides~ empfiehlt ihn. In

~Megenbergs~ Buch der Natur (Mitte des XIV. Jahrh. I, S. 692) steht

lakritzenzahersaf, daz man süezholz haizt. Es ist dies die erste

Erwähnung des Succus in Deutschland. ~Saladinus~ führt ihn in seiner

Series medicaminum im Compendium Aromatariorum 1488 auf. ~Theoderich

Dorsten~ beschrieb im Botanicon, Francf. 1540, die Darstellung in

Italien und ~Walter Ryff~ gab in seinem Confectbüchlein, Frankf.

1544, eine verbesserte Vorschrift (~Flückiger~). Schon im XV. Jahrh.

finden wir ihn in Taxen (s. d.). In den rates of marchandizes (I, S.

921) findet sich der _Succus_. In der ~Berlu~-Liste (I, S. 951) steht

_Succus liquiritiae angl._ und _hispan_. In den Taxen +Frankfurt+

1718 und +Goßlar+ 1731 steht _Succ. liquir. hispanic._ In ~Geoffroys~

Materia medica (1742) wird besonders spanischer, französischer und

holländischer _Succus_ erwähnt (dann cretensischer, italienischer

und deutscher) und als bester der catalonische (circa Dertusam et

Ilerdam paratus) bezeichnet. Auch ~Gren~ erwähnt 1799 vorwiegend den

letzteren (neben sizilianischen). In dem +Antidotario romano+ vom

Jahre 1675 wird gesagt, daß der Succus aus den in der Gegend von

Ascoli im Herbste gesammelten Wurzeln dargestellt werde. Im XVIII.

Jahrh. wird der Suc de reglisse de Bayon erwähnt.

=Paralleldrogen.= Die in Nordamerika heimische _Glycyrrhiza lepidota_

~Nud.~ enthält Glycyrrhizin (~Cullongh~), nach ~Hooper~ sogar 6,39%.

Sie wird aber, wie es scheint, nicht in größerem Stile benutzt. Vgl.

auch indisches Süßholz (S. 91) und brasilianisches Süßholz (S. 91).

=Lit.= ~Cullongh~, Amer. journ. pharm. 1890. -- ~Hooper~, Pharm.

Journ. 1894.

[Illustration: Fig. 30.

Aus Hieronymi Tragi (+Bock+), Historia stirpium 1552. Links die

Handelsform des _Süßholz_, rechts _Succus_tablette mit Stempel. [Phot.

verkleinert.]]

Succus liquiritiae.

=Syn.= Extract. glycyrrhizae oder liquiritiae crud., Lakritzen (in

vielen Sprachen [vgl. I, S. 1060], auch finn. lakritsi), Süßholzsaft,

Bärendreck, Bärenzucker, -- Suc oder jus de réglisse (franz.) --

Extract or juice of liquorice (engl.) -- Sugo oder succo di liquirizia

oder di regolizia (ital.) -- drop (holl.) -- ὀπός γλυκυρρίζης (n.-gr.)

-- bei ~Actuarius~ (I. S. 792): Succus dulcis radix -- hind.:

jathímadh-ká-ras, mulatthi-ká-ras -- pers.: asus, rob-a-sus. -- arab.:

rubbussús. -- (Etym. s. Süßholz).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 13 / 120 段