_Glycyrrhiza glabra_ ist eine etwa mannshohe (1-2 m) Staude mit einem

riesigen, viele Quadratmeter bedeckenden Systeme von Wurzeln und

Ausläufern (vgl. die Abbild. in I, S. 324), die auch oberirdisch, wenn

sie ungehindert wachsen kann, zu einem wahren Dickicht werden kann.

Wie schwer es ist, eine ganze Pflanze mit allen ihren nicht selten 8

m langen Ausläufern aus dem Boden zu graben, zeigt die von ~Weigand~

mitgeteilte Sitte, daß die Gärtnerzunft von Bamberg ehedem als

Meisterstück von den Gesellen verlangte, daß sie eine Süßholzpflanze

mit allen Wurzeln und Ausläufern unversehrt aus dem Boden graben mußten

(~Flückiger~). Wenn man sie sich selbst überläßt, okkupiert sie bald

weite Strecken. Auf Kreta, in Kleinasien und nördlich vom Kaukasus

ist sie z. B. ein lästiges Unkraut, auch in Sicilien, wo Süßholz wild

im Simetotal (bei Catania) wächst und in Calabrien, wo man sie in der

pianura di Sibari im Flußtal des Crati nördlich von Corigliano und

Rossano findet (~Ravasini~).

An den feinen Nebenwurzeln finden sich Wurzelknöllchen (~Tschirch~) wie

bei so vielen Papilionaceen.

_G. glabra_ wächst noch auf Sandboden, verlangt aber reichliche

Bewässerung, gedeiht also am besten an Flußufern, in trockenen

Flußbetten oder im Überschwemmungsgebiet. Und so treffen wir denn

sowohl das wildwachsende Süßholz, wie auch die Kulturen fast

ausschließlich in Flußtälern: am Guadalquivir, am Ebro, am Mäander, am

Ural und an der Wolga, am Amu Darja und im Euphrat-Tigristale.

Wir dürfen jetzt wohl annehmen, daß das spanische und italienische

Süßholz (wie überhaupt das europäische) von _Glycyrrhiza glabra_

L. α. _typica_ ~Reg.~ et ~Herd.~, das russische von _Glycyrrhiza

glabra_ L. γ. _glandulifera_ ~Reg.~ et ~Herd.~, das mesopotamische von

_Glycyrrhiza glabra_ L. β. _violacea_ ~Boiss.~ und das chinesische von

_Glycyrrhiza asperrima_ L. fil. α. _uralensis_ ~Boiss.~ (_G. uralensis_

~Fisch.~) abstammt. Ob letztere auch das Uralsüßholz liefert, ist sehr

zweifelhaft (s. unten). Ich glaube es nicht. Auch ~Holmes~ hält (1910)

die Stammpflanze für die gleiche wie die des russischen Süßholz.

=Lit.= ~Linné~, Spec. pl. ed. I 742. -- Abbild. in ~Berg-Schmidt~,

Atlas, Taf. 55 (dort auch die florist.-Lit.). -- ~Pabst-Köhler~,

Medizinalpfl. Taf. 135. -- ~Bentley-Trimen~, Medicin. plants. und

zahlreichen anderen Abbildungswerken. -- ~Boissier~, Flora orientalis

II, 202. -- ~Regel~ und ~Herder~, Enumer. plant. in regionibus

cis- et transiliensibus etc. Bull. soc. imp. d. naturalistes de

Moscou 1866. II 527. -- ~Sestini~, Gazetta chimic. italian. 1878.

-- ~Whitmann~, Zeitschr. d. Öster. Apoth. Ver. 1886. -- ~Bunge~,

Enumerat. plant. quae in China boreali colleg. Petrop. 1831. --

~Bretscheider~, Bull. Roy. Kew Gardens 1896. -- ~Aitchison~, Some

plants of Afghanistan. Pharm. Journ. 1886, 465. -- ~Kowalew~,

Diss. Petersb. (Chem. Z. 1907. Rep. 589). -- ~Tschirch~, Artikel

Glycyrrhiza in Realenzyklop. d. Pharm. V, 706.

=Pathologie.= Prof. ~Ed. Fischer~ berichtet über die Schädlinge:

_Glycyrrhiza glabra_ wird von einer Uredinee _Uromyces Glycyrrhizae_

(~Rabh.~) ~Magnus~ befallen, deren Mycel ganze Sprosse durchzieht

und an der Unterseite der Blätter Uredolager produziert. Aus dieser

Form des Auftretens ist zu schließen, daß das Mycel im Rhizom

perenniert (s. ~P. Magnus~, Über das Auftreten eines _Uromyces_

auf _Glycyrrhiza_ in der alten und in der neuen Welt. Berichte der

deutschen botan. Gesellschaft 1890).

Im Süßholz des Handels findet sich bisweilen die Mehlmotte _Pyralis

farinalis_.

=Kultur und Ernte.= _Glycyrrhiza glabra_ α. _typica_ wird vornehmlich

in Spanien und in Italien kultiviert. Spanien exportiert Süßholz,

Italien verarbeitet das meiste auf Succus. Die spanischen Kulturen

liegen besonders im Tal des Ebro und Guadalquivir bei Alicante,

Tortosa, Barcelona, Cordóba, Elche (s. auch Handelssorten). In Spanien

ist Süßholz auch vielfach verwildert zu finden. Die italienischen

Kulturen finden sich besonders in Calabrien, dann in Atri bei Teramo,

in Abruzzo ulteriore primo und auf Sicilien, besonders im Süden

(Caltanisetta). Bei Catania wird auch wildwachsendes Süßholz auf Succus

verarbeitet. Südfrankreich baut auch etwas Süßholz. Dann England:

Surrey (Mitcham), Yorkshire (Pontefract, Nottingley), bei London: Kew,

Isleworth, aber lange nicht genug für den eigenen Bedarf. In Österreich

bestehen Kulturen bei Auspitz in Mähren und in einigen ungarischen

Distrikten, z. B. bei Sassin (Komitat Neutra). Unbedeutend ist die

Kultur bei Bamberg, einem Orte, bei dem seit alter Zeit (vgl. I, S. 32)

Süßholz gebaut wurde, das ehedem einen vortrefflichen Ruf genoß, dann

bei Schweinfurt (Schwebheim). Apotheker ~Kraft~ in Bamberg berichtet

mir darüber (1910): «Der Süßholzbau im Bamberger Flurbezirk ist

auf einige wenige kleine Parzellen zurückgegangen, deren Erträgnis

ungeschnitten in kleine Bündel verflochten am Gemüsemarkt zum Verkauf

kommt. Kommerzielle Bedeutung hat der Anbau in der Gegenwart, welche

ich aber auf beinahe 25 Jahre ausgedehnt wissen will, denn so lange

beobachte ich das selbst, nicht.» Im XVI. Jahrh. lieferte Bamberg

den ganzen Bedarf Deutschlands. Kleinasien kultiviert bei Smyrna und

Sokia etwas Süßholz. Das meiste wird aber von wildwachsenden Pflanzen

gesammelt, da sich die Pflanze im Innern von Kleinasien in großer Masse

findet, wild z. B. im Mäander- und Hermustal. Man sieht oft weite

Strecken des Bodens östlich von Smyrna ganz durchwühlt (~Kannenberg~).

In Syrien bestehen Kulturen nur in der Umgegend von Antiochia (seit

1865). Hier, wie in Kleinasien, scheint es sich ebenfalls um _G.

glabra_ zu handeln, da die Droge der spanischen ähnelt. Man sammelt in

Kleinasien vom Oktober an. Am Abend liefern die Bauern das gesammelte

Süßholz in die Depots. Dort bleibt die Wurzel bis zum Mai oder Juni

und nimmt hierbei um 50% ab. Es wird dann entweder unsortiert in

hydraulisch gepreßten Vals à 220 pounds (besonders nach Nordamerika)

versandt, oder in debris und bagettet sortiert und in Säcken à 300-330

pounds (besonders nach Frankreich) exportiert (~Harris~ 1909). Über die

Kulturen in Rußland vgl. unter Handelssorten.

In Nordamerika sind neuerdings erfolgreiche Anbauversuche mit _Gl.

glabra_ gemacht worden (I, S. 72), wesentlich auf Empfehlung von

~Rittenhouse~ (Amer. journ. ph. 1895 und 1897), der 1895 selbst mit der

Kultur in New Jersey, Pennsylvania, Louisiana und Florida begann. Auch

Kalifornien kultiviert etwas.

In den Kulturen blüht _Glyc. glabra_ selten, und wenn sie blüht, bildet

sie nur wenige oder keine Samen. Man vermehrt das Süßholz nicht durch

Samen, sondern durch Knospen (buds) und Ausläufer (runner), die in

England z. B. Anfang April gesetzt werden. Zwischen den Pflanzreihen

werden dort Gräben gezogen, die ein leichtes Ausheben des ganzen

Ausläufersystems ermöglichen. In den ersten Jahren werden in England

Kartoffeln und Kohl dazwischen gepflanzt. In Mischkultur (mit Weizen,

Erbsen, Mais) befindet sich das Süßholz auch bisweilen in Calabrien.

Die besten Wurzeln und Ausläufer werden nach 3-4 Jahren erhalten. In

England erntet man im September, in Spanien vom September bis März, in

Syrien beginnt die Ernte im November. Ernte pro Hektar: c. 1000 kg.

Das Süßholz leidet nicht von Parasiten und verträgt Frost gut. Bei der

Ernte bedient man sich des Pfluges. Sie ist nicht leicht, denn nach 5-6

Jahren können die Wurzeln eine Dicke von 2 dm, die Ausläufer eine Länge

von 8 m erreichen. Die Pflanze läßt sich leicht durch die Ausläufer,

die auch zum Teil im Boden bleiben, vermehren. Sie ist sehr dankbar

und anspruchslos. In England steckt man die Ausläufer senkrecht in den

Boden.

Die Wurzeln werden in den Produktionsländern nach dem Graben und

vor dem Trocknen zunächst auf Haufen geschichtet und machen, wie

es scheint, hierbei eine Gärung durch, die ihnen eine schöne Farbe

verleiht.

Die geernteten Ausläufer und Wurzeln werden gewaschen, geputzt und

meist auch durch oberflächliches Abschaben von den Nebenwurzeln

befreit. Das Schälen (s. russisches Süßholz) geschieht am

Produktionsorte und in den Handelszentren (z. B. in Hamburg).

=Lit.= Kultur in Italien: ~Sestini~, Gazz. chim. ital. 1878. --

England: Pharmakographia, Jahresber. d. Pharm. 1894, 156 und

~Whitmann~, Zeitschr. Öster. Apoth. Ver. 1886, 277. -- Kleinasien:

Jahresb. d. Ph. 1884, 268, ~Kannenberg~, Kleinasiens Naturschätze

und ~Nickum~, Am. J. pharm. 1895, 306. -- Syrien: Pharm. Zeit.

1886, 129. -- Rußland: Pharm. Journ. 1889, 613 u. and. (vgl. unter

Handelssorten). -- Österreich: ~Gawalowski~, Pharm. Post 1901. --

Amerika: Am. journ. pharm. 95 und 1896, 636 u. Proc. am. ph. ass.

1895, 865. -- New South Wales: Am. journ. ph. 1897. -- Neuseeland:

Arch. Pharm. 1883, 854. -- Deutschland: ~Hartwich~, Historisches über

die Kultur von Arzneipflanzen. Schweiz. Wochenschr. 1893, 441. --

~Tschirch~, Anbau der Arzneigew. in Deutschl. Arch. Ph. 1890.

=Handelssorten.= 1. +Russisches+ S. Bis 1870 genügte die Produktion

Spaniens, dann erschien zuerst Südrußland (speziell die nördlich vom

Kaukasus gelegenen Länder), dessen Süßholz seit Anfang des XIX. Jahrh.

in Deutschland bekannt war, dann Kleinasien (besonders Anatolien) auf

dem Platz. Jetzt beherrscht seit 1908 das +Uralsüßholz+ vom Ural und

den benachbarten Steppen den deutschen Handel, das schon 1889 von dem

+kaukasischen+ unterschieden und diesem gegenübergestellt wurde.

Der Geschmack des Uralsüßholz ist intensiv und rein süß, während das

Kaukasussüßholz schwach und unangenehm süßlich schmeckt (~Caesar~ u.

~Loretz~). Die Ernte bewegte sich zwischen 10- und 15000 Pud (1907).

An den Ufern des Ural, an denen _Glycyrrhiza_ in großen Mengen wächst,

wird übrigens schon seit langem Süßholz gesammelt, vor 25 Jahren so

viel, daß damals die Regierung das Graben einschränken, bzw. ganz

verbieten mußte. Das +russische Uralsüßholz+ ist zurzeit das beste, und

doppelt so teuer als Alicante. Es kommt in gut mundierter (einfach und

doppelt geschälter), schön gelber Ware in Ballen, à 70, 90, 110 und

120 kg in den Handel, wird auf der großen Messe in Nischni-Nowgorod

gehandelt und gelangt über Moskau und Petersburg nach Hamburg.

Auch die beim Schälen und Nachschälen abfallenden, sehr billigen

«Schnitzel» sind Handelsartikel (Ballen à 140 kg) und werden viel auf

_Succus_ verarbeitet. Der Großhandel unterscheidet einfach und doppelt

mundiertes S.

[Illustration: Fig. 25.

_Rad. liquiritiae ross._ «peeled». [+Wright Layman+ and +Umney+ phot.]

[Vgl. auch +Greenish+, Textbook.]]

Angeblich sollte das Uralsüßholz von _Glycyrrhiza uralensis_ ~Fisch.~

(_Gl. asperrima_ L., fil. α _uralensis_ ~Reg.~ et ~Herd.~, _G.

glandulifera_ β _grandiflora_ ~Ledeb.~, _G. glandulifera_ ~Kar.~

et ~Kir.~) stammen, dessen einheimischer Name Chuntschir ist.

Das von dieser Pflanze gesammelte Süßholz soll (nach ~Kowalew~)

pharmakognostisch von dem spanischen und russischen abweichen und im

Glycyrrhizingehalt zwischen beiden stehen. Das im Herbst gesammelte

ist glycyrrhizinreicher als das im Sommer geerntete. Es ist mir

jedoch fraglich, ob das Uralsüßholz von dieser Pflanze stammt und

nicht vielmehr ebenfalls von der naheverwandten _Glycyrrhiza glabra_

γ _glandulifera_ ~Reg.~ et ~Herd.~, der bis vor kurzem allein als

Stammpflanze des russischen Süßholz in Betracht kommenden Pflanze.

Diese letztere wurde in ziemlich umfangreichem Maße auf den Inseln des

Wolgadeltas und bei Sarepta kultiviert und die Droge über Astrachan

nach Moskau gebracht. Dann wurden in den achtziger Jahren des XIX.

Jahrh. Kulturen auch bei Batum am Schwarzen Meer angelegt und Liakha

(Distrikt Elisabethpol) wurde Hauptstapelplatz für +kaukasisches

Süßholz+. Aber die Pflanze findet sich auch wildwachsend sowohl in

Ciskaukasien im Gebiete des Kuma und Terek und im Dagesthangebiet wie

auch in Transkaukasien, besonders im Gouvernement Elisabethpol (früher.

tartarisches Khanat Gandscha) zwischen Tiflis und Batum. Die Ernte im

Kaukasus beträgt oft 11000 t und mehr.

~Rosenberg~ berichtete mir 1907, daß in Transkaukasien das Einsammeln

der Wurzeln von den wildwachsenden Pflanzen ausschließlich durch

zum Teil noch nomadisierende Tartaren betrieben werde und daß der

Süßholzhandel dort durch feste Verträge mit den Aoulältesten von

den Engländern monopolisiert sei, die viel Süßholz (zur Porter-

und Alefabrikation) über die Häfen am Schwarzen Meer (Batum, Poti,

Noworossiisk) nach England exportieren und auch in Elisabethpol eine

_Succus_fabrik angelegt haben. Die Wurzel wird mittelst hydraulischer

Pressen zu großen rechteckigen Ballen gepreßt, die mit 8-10 eisernen

Reifen umgeben werden (Fig. 26). Die extrahierte Wurzel wird als

Feuerungsmaterial benutzt, die Asche auf Pottasche verarbeitet. Die

erste russische _Succus_fabrik im Kaukasus legte Anfang der neunziger

Jahre ein Deutscher (~Peters~) in Tiflis an. Die von ihm eingeführte

Marke «Sanitas» ist noch jetzt im Handel.

[Illustration: Fig. 26.

_Rad. liquiritiae ross._ «unpeeled». [+Wright Layman+ and +Umney+

phot.] [Vgl. auch +Greenish+, Textbook.]]

Auch in Ciskaukasien kommt Süßholz massenhaft wild vor, namentlich

im Überschwemmungsgebiete des Terek und Sulak. Dieses Land, das aus

abwechselnden Vegetations- und Überschwemmungsschichten besteht, wird,

wie mir ~Rosenberg~ berichtete, seit einigen Jahren von deutschen

Kolonisten, meist Menonitengemeinden in Kultur genommen. Hier bildet

die Pflanze mit ihren Ausläufern wahre Labyrinthe und es ist

außerordentlich schwer sie ganz herauszubringen, um den Boden in Kultur

zu nehmen. Man sieht dort auf den Feldern ganze Berge Süßholz, die,

wenn die Handelskonjunktur ungünstig ist, einfach zu Feuerungszwecken

benutzt werden.

Der große Bedarf an Süßholz, den besonders die _Succus_fabriken

neuerdings im Kaukasus haben, wird jetzt vornehmlich durch die Bucharei

gedeckt, wo die Süßholzpflanze an beiden Seiten des Amu-Darja in großen

Mengen wächst. Zentrum der Gewinnung ist die Stadt Tschardshui. Die

Wurzel wird hier, nachdem sie nach dem Graben vorgetrocknet wurde, in

großen Trockenanstalten fertig getrocknet und mittelst hydraulischer

Pressen zu Ballen von 9-10 Pud gepreßt. Ein großer Teil der Wurzeln

wird über Krassnowodsh und Batum nach England und Amerika ausgeführt.

Die Ausfuhr betrug im Jahre 1909 über 600000 Pud.

Rußland verbraucht übrigens viel Süßholz zum Einmachen der Früchte. Das

russische Süßholz, das man in Bastmattenballen im Handel findet, ist

meist geschält (Fig. 25), doch kommt auch ungeschältes vor (Fig. 26).

2. +Spanisches Süßholz.+ Das spanische Süßholz ist stets ungeschält

und besteht nur aus den Ausläufern. Die beste Sorte ist +Tortosa+

(Catalonien) in Packleinewandballen à 24 Bunde à 5 kg (2 bouts 29/30

cm). Es bildet schön gewachsene, fast gleichdicke, im Querschnitt

runde Stücke. Es ist zurzeit 1½ mal teurer als die zweite Sorte:

+Alicante+, die in Säcken à 60 kg im Handel ist, bisweilen aber (z. B.

1909) fehlte. Die Händler machen einen Unterschied zwischen gelbem,

rotem und braunem Süßholz. Das beste spanische Süßholz (Tortosa) kommt

aus Aragonien und Catalonien, aus der Nähe des Ebro; das zweitbeste aus

Córdoba (Andalusien), aus dem Tale des Guadalquivir, sowie aus Navarra

und Alt-Castilien; geringere Sorten aus Alicante (Valencia). Hauptorte

für den Export sind Sevilla, Alicante, Barcelona, Bilbao und Malaga.

Zum Typus des spanischen Süßholzes gehören und auch von _G. glabra_

α. _typica_ stammen die übrigen europäischen Sorten. +Italien+

verarbeitet das Süßholz auf _Succus_ und exportiert wenig (vom Typus

des spanischen). +Sicilianisches Süßholz+ war 1909 geschält, an der

Sonne und im Ofen getrocknet, im englischen Handel. +Griechisches

Süßholz+ war 1906 im deutschen Handel in Pack. à 60 und 150 kg zu

finden. +Englisches Süßholz+ wird wenig exportiert. Es wird meist

auf _Succus_ (Pontefract cakes) verarbeitet. Das gleiche gilt von

dem +österreichischen+ (~Gawalowski~ 1906) und dem +südfranzösischen

Süßholz+. Die übrigen Sorten sind ohne Bedeutung für den deutschen

Handel.

3. +Kleinasiatisches Süßholz+ geht über Smyrna besonders nach

Nord-Amerika, das 1909 mehr als die Hälfte seines Bedarfes, nämlich

53½ Mill. Pounds aus der asiatischen Türkei, einführte. Anatolische

Wurzel steht betreffs der Süße zwischen spanischer und russischer. Sie

kommt über Smyrna und ähnelt der spanischen.

4. +Syrisches Süßholz.+ Ausfuhrhafen für syrisches Süßholz sind Suedieh

und Alexandrette. Dorthin wird die Wurzel auf Kamelen gebracht. Es

ähnelt dem spanischen.

5. +Mesopotamisches+ und +persisches Süßholz+. Im Zweistromlande

wächst viel Süßholz (_var. violacea_ und _pallida_), das meist an Ort

und Stelle auf _Succus_ verarbeitet, aber auch exportiert wird (über

die Häfen im persischen Golf). Persien exportiert viel besonders nach

Indien, der Türkei, aber auch nach Europa.

6. +Australisches Süßholz.+ In +Neuseeland+ besteht seit Anfang

der achtziger Jahre des XIX. Jahrh. eine Süßholzkultur und

_Succus_fabrikation. In Australien (Neu Süd-Wales) gedeiht

_Glycyrrhiza_ vorzüglich und das geerntete Süßholz ist gut

(~Finzelbach~), aber noch nicht im Handel.

7. +Kalifornisches Süßholz.+ In geringer Menge seit 1896 im

amerikanischen Handel (soll 14% Glycyrrhizin im Extrakt enthalten).

8. +Chinesisches Süßholz.+ China verbraucht große Mengen Süßholz.

Ich traf es zierlich geschnitten in allen chinesischen Apotheken.

Es ist dort nächst dem _Ginseng_ das meist benutzte Arzneimittel

(~Simmonds~). Es gilt als ein Mittel sich jung und schön zu erhalten.

In den europäischen Handel gelangt chinesisches Süßholz, das

ungeschält ist und spanischem gleicht, nicht. Dieses chinesische

Süßholz wird (mit mehr Recht wie das Uralsüßholz) von _G. uralensis_

~Fisch.~ (s. oben S. 79, 80, 82) abgeleitet, da die Pflanze in

Südsibirien, Ural, Turkestan und der Mongolei, sowie Tibet, also in

chinesischen oder China benachbarten Ländern vorkommt. Aber auch

die nordöstlichen Provinzen Chinas, z. B. die Mandschurei, liefern

große Mengen Süßholz. Stapelplätze sind Chefoo, Hankow, Shanghai,

Tientsin. Nach ~Bretschneider~ (1896) produzieren Shantung, Shensi,

Kansu, Netschwang Süßholz. (Über Mandschurisches Süßholz vgl. auch

Pharm. Journ. 1904, April.) _Glycyrrhiza uralensis_ wird auch von

~Przevalski~ als Stammpflanze des Süßholz genannt, das die Mongolen

an die Chinesen verkaufen, welche die Droge auf dem Hoangho hinunter

an die chinesischen Märkte bringen. Das Süßholz von _G. uralensis_

(Chuntschir) enthält nach ~Kowalejew~ mehr Glycyrrhizin als das

spanische und weniger als das russische. Die Herbstpflanze enthielt

mehr als die Sommerpflanze.

=Lit.= ~Kowalejew~, Pharm. Journ. Rußl. 1908, 1063 (Pharm. Zeit.

1909, Nr. 8).

Die Einfuhr von _Süßholz_ nach +Hamburg+ betrug seewärts 1906: 5484,

1907: 5088, 1908: 2503 dz. (= 100 kg). Davon kamen 1907 (1908) in

dz aus Arabien 442 (446), Kleinasien 16 (588), Syrien 235 (0),

Persien 1346 (0), Russischen Ostseehäfen 2010 (787), Frankreich 442

(146), Spanien 204 (151), russischen Häfen am Schwarz. u. As. Meer 0

(268), Großbritannien 388 (0). Übrige Einfuhr seewärts 5 (117), per

Eisenbahn und Oberelbe 660 (819). Deutschland verbraucht vornehmlich

russisches Süßholz. +Italien+ exportierte nur wenig Radiche di

Liquirizia, 1907: 1014, 1908: 822, 1909: 1061 Quint. +Frankreich+

importierte 1908 28840 Quintalm. Süßholz, bes. aus der Türkei und

Spanien, wenig (1366) aus Rußland, nur 443 Qˡm aus Italien, etwas

auch aus Algier. +Japan+ importierte Süßholz 1908: 558336, 1909:

614496 kin. Die +Vereinigten Staaten+ von +Nordamerika+ brauchen

sehr große Mengen Licorice root. Die Einfuhr betrug 1906: 102151969,

1907: 66115863, 1908: 109355720, 1909: 97742776 Pounds, vornehmlich

aus Rußland und der asiatischen Türkei (c. 2 Mill. auch aus Spanien).

Amerika kauft bisweilen die ganze kleinasiatisch-syrische Ernte auf.

[Illustration: Fig. 27.

_Glycyrrhiza glabra._ Lupenbild eines Ausläufers. [Aus

+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

=Beschreibung der Droge.= Das +spanische Süßholz+ besteht nur aus

den zu Bündeln vereinigten, meist geraden und einfachen ungeschälten

Ausläufern von ziemlicher Länge, die meist in Wasser leicht

untersinken. Wurzeln sind selten. Die Ausläufer sind oft auf weite

Strecken von gleicher Dicke und fast genau rundem Querschnitt. Sie sind

bis 2 cm dick, schwer, dicht, zäh, im Bruche grob- und langfaserig.

Die Oberfläche ist längsrunzelig und querrissig, in der Farbe etwas

wechselnd, graubräunlich bis rotbraun. Da und dort finden sich

Rindenhöckerchen und vereinzelte Knospen oder deren Ansatzstellen. Das

Innere ist gelb. Im Lupenbild tritt ein grobstrahliger Bau in Holz

und Rinde hervor. Letztere ist deutlich geflammt. Im Holzkörper sind

Gefäßöffnungen, das Cambium als graue Linie sichtbar. Die Ausläufer

haben immer ein Mark, die größeren Wurzeln bisweilen (Fig. 27).

[Illustration: Fig. 28.

_Glycyrrhiza glabra._ Querschnitt durch einen Ausläufer am Cambium.

[Nach +Tschirch+, Anatomie.]]

Das +russische Süßholz+ ist meist mehr oder weniger tief geschält

und daher auch außen hell zitronengelb. Es finden sich in ihm

sowohl die dünnen Ausläufer, wie die nach unten sich verjüngenden

Wurzeln, die bisweilen riesige Dimensionen annehmen und dann einen

gewaltigen rundlichen, bisweilen mehrteiligen Wurzelkopf tragen. Die

Ausläufer sind auch hier auf weite Strecken gleich dick. Der Bruch ist

meist faseriger als beim spanischen, welches überhaupt zäher, fast

hornartig zu sein pflegt. Öfter finden sich hier auch Zerklüftungen

im Holzkörper. Es ist meist leichter und lockerer als das spanische

und man findet oft Stücke, die in Wasser nicht untersinken. An der

Außenseite findet man zahlreiche Fäserchen: beim Schälen bloßgelegte

Bastfasergruppen der Rinde.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 12 / 120 段