und an Crataegus, auch an Äpfeln, Quitten usw. Früher fast
überall sehr häufig, ist der Falter heute in sehr vielen Gegenden
Deutschlands zur Seltenheit geworden. Die Raupen leben in der Jugend
in Nestern; wo sie auftreten, sind sie gewöhnlich massenhaft.
_Thecla betulae_ L., _T. pruni_ L., _T. spini_ W. V., Raupen
vornehmlich an Prunusarten, auch an Mandelbäumen und Rhamnusarten.
_Aglaope infausta_ L., _Ino pruni_ W. V. Die asselförmigen Raupen
an _Prunus_arten. Kommen nicht überall vor. An allen _Prunus_arten
leben gelegentlich auch eine ganze Anzahl polyphager Bärenraupen
(_Arctiidae_). Aus der großen Zahl der Spinnerraupen seien ferner
noch die hauptsächlichsten angeführt; unter diesen finden sich die
schädlichsten aller Lepidopteren. _Cossus ligniperda_ F. (_Cossus
cossus_ L.), Raupe sehr oft auch in _Prunus_arten (s. Morus).
_Zeuzera pyrina_ L. Raupe nicht nur in Waldbäumen, sondern auch in
Gärten in fast allen Obstbäumen, auch in Syringen und Staphyllaea.
_Dasychira pudibunda_ L., Raupe an allerhand Laubholz, meist Buchen,
doch oft auch in Gärten an Obstbäumen. _Porthesia chrysorrhoëa_ L.,
_P. similis_, ~Füssly~, Raupen in Nestern an Waldbäumen. In Gärten
an Obstbäumen oft sehr schädlich. Auch an Weißdorn gemein. _Psilura
monacha_ L., die Nonne. Diese sehr gefährliche Raupe tritt oft an
Laubhölzern, namentlich aber an Nadelhölzern sehr schädlich auf,
oft den Nadelwald auf weite Strecken vernichtend. In Gärten und
an Alleen scheint sie Kernobst (Kirschen) zu bevorzugen. Sie ist
polyphag. _Ocneria dispar._ L. Die sehr schädliche und gefräßige
Raupe an Laubholz; Pflaumen-, Kirschen- und Apfelbaum oft ganz
entblätternd. _Bombyx crataegi_ L., _B. populi_ L., _B. neustria_
L., _B. lanestris_ L., Raupen an fast allen Obst- und Waldbäumen;
namentlich die Raupe des Ringelspinners oft überaus schädlich in
Gärten und an Alleen. _Phalera bucephala_ L. Die sehr schädliche
Raupe oft in großer Anzahl an Linden, Ahorn, Rosen, Pappeln, Weiden,
Birken, Erlen, Buchen, Hainbuchen, Eichen, Kirschen, Aprikosen,
Pflaumen, Schlehen, Apfel- u. Birnbäumen. Nimmt in Parkanlagen
gelegentlich auch exotische Laubhölzer an. _Lasiocampa pruni_ L.
Raupe des seltenen Falters an Prunusarten. _L. quercifolia_ L.
Raupe der Kupferglucke in Baumschulen oft sehr schädlich. Gern an
_Prunus_arten. _Saturnia pavonia_ L. Raupe auch an Prunusarten
usw. _Aglia tau_ L. Raupe an Eichen, Buchen, Linden usw., auch an
_Prunus_. Die Zahl der Eulen- und Spannerraupen, die an _Prunus_arten
und anderen Obstbäumen leben, ist ebenfalls ganz außerordentlich
groß, doch sind alle diese keine eigentlichen Schädlinge, die nur
selten einen Kahlfraß usw. an Obstbäumen herbeizuführen imstande
sind. Letzteres kommt dagegen dem sehr schädlichen _Cheimatobia
brumata_ L. und _Hibernia defoliaria_ L. und einigen anderen in
bedeutendem Maße zu. Auch die Zahl der Mikrolepidopterenraupen, die
an _Prunus_arten leben, ist sehr groß. Auch unter ihnen finden sich
Schädlinge wie _Sciaphila nubilana_ ~Hb.~, die einen Kahlfraß ganzer
Gegenden herbeiführen können. Sie können hier nicht alle angeführt
werden, da sie gegenüber den schädlichen Spinnern weniger wichtig
erscheinen.
3. +Fliegen+: _Trypeta signata_ ~Mg.~ Die Made dieser Fliege lebt
vornehmlich in den süßen Kulturkirschen, oft in solcher Anzahl, daß
man fast keine Kirsche aufbricht, in der nicht eine solche Made
vorhanden wäre. Verschiedene _Cecidomyia_-Arten leben an den Blättern
von Prunusarten.
4. +Schnabelkerfe+: _Aphis pruni_ ~Fb.~ lebt in sehr großer
Anzahl auf der Rückseite der Blätter von Prunusarten, dieselben
deformierend. Die Blätter kräuseln sich zusammen und machen einen
krankhaften, weißbestäubten Eindruck. Die Fruchternte wird dadurch
oft für Jahre vereitelt. _Aphis cerasina_ ~Wek.~ lebt besonders
auf Kirschen (auch an Schlehen), die Blätter deformierend und die
Fruchternte verhindernd.
=Chemie.= Saure Kirschen enthalten 6,3-10,2% +Invertzucker+, in der
Trockensubstanz 44-62%; 1,2-2% +freie Säure+ (auf Apfelsäure berechnet).
Süße Kirschen enthalten meist 10,70-13,11 (bis 16,5)% +Invertzucker+,
in der Trockensubstanz 42-58 (bis 72)%; 0,3-1% +freie Säure+ (auf
Apfelsäure berechnet). Unreife Kirschen enthalten viel +Apfelsäure+,
+Zitronensäure+ und +Bernsteinsäure+, sowie etwas +Inosit+ (~Keim~).
Der +Pentosangehalt+ der Kirsche beträgt 0,61-1,07% (~Wittmann~).
Die +Reinasche+ in der Trockensubstanz beträgt in der ganzen Frucht
2,35, im Fruchtfleisch 2,25% (~König~). Die Samen enthalten 37,61%
der Trockensubstanz +Fett+. ~Schmid~ fand in getrockneten Kirschen
+Glycerin+.
Kirschen enthalten im Kilogramm meist 0,1-0,2 mg (~Desmoulière~) bis
0,4 mg (~Traphogen~) +Salicylsäure+, wohl als Methylester, sowie kleine
Mengen +Borsäure+ (~Norton~).
Die Samen enthalten ein +Blausäure abspaltendes Glykosid+ nebst einem
glykosidspaltenden +Fermente+. Die Abspaltung der Blausäure war schon
~Ittner~ bekannt (1809). Durch Destillation der gegorenen zerstampften
Früchte wird in der Schweiz, dem Schwarzwald und anderwärts der
«+Kirsch+», ein Schnaps, bereitet, der c. 43-58 Vol.% Alkohol und c.
14-48 mg Blausäure im Liter enthält (Zusammensetzung bei ~Windisch~,
Arb. d. k. Gesundheitsamtes 1895).
Der +Farbstoff des Kirschsaftes+ zeigt die gleichen Absorptionsbänder,
wie der des Himbeersaftes. Unterschiede in den Spektralreaktionen
treten bei Einwirkung von Reagentien hervor (vgl. bei ~Lepel~). Mit der
Zeit verändert sich der Farbstoff.
=Geschichte.= Ob die in der Liste der Pflanzen des königlichen
Gartens des ~Nebukadnezar~ von ~Ben Sira~ aufgeführten +Kirschen+
(wie ~J. Löw~ übersetzt) wirklich welche waren, scheint mir unsicher.
Es ist nicht mehr festzustellen, ob das Wort κεράσια (κέρασος), das
neben κράνεια von den Griechen benutzt wird (~Theophrast~), die süße
Vogelkirsche oder die saure Kirsche oder beide bedeutete. Es ist
nicht griechisches Indigenat, sondern stammt vom Pontus, von dem
Worte Kirahs, hat also mit κέρας nichts zu tun. Die Stadt Cerasus
ist nach der Kirsche, nicht (wie ~Isidor~ meint) diese nach der
Stadt benannt (~Buschan~). Die Veredelung der Süßkirsche (_Prunus
avium_) scheint frühzeitig am Pontus erfolgt zu sein und von dort
hat wohl ~Lucullus~ die süße Edelkirsche nach Italien gebracht
(~Koch~). Die Kirschkerne aus der Stein- und Bronzezeit sind alles
Süßkirschen-Steinkerne (~Heer~, ~Buschan~). ~De Candolle~ nimmt an,
daß die Sauerkirsche (_Prunus Cerasus_) schon in vorgeschichtlicher
Zeit aus _Prunus avium_ hervorgegangen sei. Die Sauerkirsche ist
durch Funde aus paläolithischer Zeit in Südfrankreich beglaubigt.
120 Jahre nach Einführung der Kirsche in Italien wurde sie bereits
am Rhein, in Belgien und Britannien von den erobernden Römern
gebaut (~Plinius~). Auf den pompejanischen Wandgemälden (I, S. 575)
findet sich _Prunus Cerasus_, die wohl nicht lange nach der süßen
Edelkirsche nach Italien kam. _Cerasarios_ diversi generis stehen im
Capitulare (I, S. 620) und im Breviarium (I, S. 621), aber nicht im
St. Galler Klosterplan (I, S. 622). Bei ~Albertus Magnus~ heißt die
Sauerkirsche amarella, amarena. _Cerasorum nuclei_ stehen im Compend.
des Magister Salerni (I, S. 639). ~Glauber~ stellte bereits 1660 (s.
S. 883) aus Kirschen Traubenzucker dar.
=Lit.= +Abbild.+ in ~Berg-Schmidt~, Atlas, Taf. 61 (dort auch die
florist. Literatur). -- ~Hehn~, Kulturpflanzen usw. -- ~Buschan~,
Vorgeschichtl. Botanik 1895. -- ~Keim~, Stud. über d. chem. Vorgänge
bei d. Entwickl. u. Reife der Kirschfrucht. Wiesbad. 1891. -- ~von
Lepel~, Über d. Verhalt. v. Fruchtsäft. verschied. Alters gegen
Reagent. Zeitschr. anal. Chem. 1880. -- ~Schmid~, Zeitschr. f.
Unters. d. Nahr.- u. Genußm. 1901. -- ~Desmoulière~, De la presence
norm. d’acide salicylique dans div. subst. aliment. d’orig. végét.
Thèse. Paris 1902 und Journ. pharm. chim. 19 (1904). -- ~Norton~,
Amer. Chem. Soc. 1909. -- ~König~ a. a. O. -- ~Moeller-Winton~
a. a. O. -- Entwicklungsgesch. von Frucht u. Same bei _Prunus
cerasifera_ in ~Copper~, Beitr. z. Entwicklungsgesch. offiz. Samen u.
Fr. Dissertation Bern 1909.
Fructus Mori.
=Syn.= Maulbeeren -- mûre, mûres noires (franz.) -- mulberry (engl.) --
more (ital.) -- moerbezie (holl.) -- μῶρον oder συκάμινον (n.griech.).
Bei ~Megenberg~ Maulper, im +mhd.+ auch: Mulbaum, Muleberban und
Mulbeire, sowie dubere, dusbere, suazbere.
=Etym.= Daß μόρος, μῶρον von μέρος = Teil (d. h. aus vielen Teilen
zusammengesetzte Sammelfrucht) oder von μῶρος = unschmackhaft, fade
abzuleiten wäre, erscheint mir unwahrscheinlich. Einleuchtender ist
mir die Ableitung von μαυρός dunkelfarbig (+kelt.+ mor = schwarz),
ein Ausdruck, der auch auf die Brombeere weist, die vielfach mit der
schwarzen Maulbeere zusammengeworfen wurde. Das griechische μῶρον und
lateinische môrum Maulbeere geht allmählich in mor, mori, moreni,
Brombeere über. Der Stamm mor kehrt dann wieder in +ahd.+: Môrperi,
murperi, murpoum, +mhd.+: morber. -- Maulbeere aus dem Lateinischen
umgebildet.
=Stammpflanze und systemat. Stellung.= =Morus nigra= L. -- Moraceae --
Moroideae -- Moreae.
=Beschreibung.= Der Baum wächst wild angeblich im nördlichen
Kleinasien, Armenien, Südkaukasus bis Persien. Der schwarze
Maulbeerbaum ist unzweifelhaft wild in Süd-Transkaukasien und wohl
auch in einigen persischen Provinzen zu treffen. Nach Europa kam
er ungefähr zur Zeit der attischen Tragiker (~Hehn~). In Italien
wurde er bis zur Einführung des weißen Maulbeerbaumes (c. 1434) zur
Seidenraupenzucht benutzt. Jetzt dort verwildert. Er wird jetzt auch
nördlich der Alpen kultiviert. Die Früchte reifen noch in Gotland,
Schweden und England. Die Alten warfen ihn vielfach mit der Sykomore
zusammen. Die Maulbeere ist eine +Scheinfrucht+. Sie ist entstanden aus
dem scheinährenförmigen weiblichen Blütenstande durch Auswachsen und
Fleischigwerden der vierblätterigen Blütenhüllen (Perigone), die als
saftige Fruchthülle die Früchte (Nüßchen) umhüllen und Scheinfrüchtchen
bilden. Diese Scheinfrüchtchen treten zu einer eirunden, etwa 2 cm
langen, fast schwarzen, mit purpurfarbigen, säuerlich-süßen Safte
erfüllten Scheinfrucht zusammen, die also ein Fruchtstand ist.
Die Maulbeere ist etwa 2½ cm lang. Die einzelnen Früchtchen, bei
denen man noch deutlich an der Spitze den vierstrahligen Spalt und die
vier Perigonblätter bemerkt, messen 2-3 mm.
Die der Himbeere äußerlich ähnlichen Früchte schmecken nur, wenn sie
ganz reif sind, halten sich dann aber nur kurze Zeit.
[Illustration: Fig. 24.
_Morus alba._ A ♀ Blütenstand. B. Fruchtstand. [Nach +Baillon+.]]
=Pathologie.= Über die Schädlinge berichtet ~Israël~: Falter: Die
in Deutschland noch in der Umgebung vieler Städte (in Gärten, Parks
auch als Alleebäume) anzutreffenden Maulbeerbäume stammen aus einer
Zeit, als man die Zucht der Seidenraupe auch nach Deutschland zu
verpflanzen trachtete. Die Blätter dieser Bäume sind die Hauptnahrung
für die Seidenraupe, die Larve des Spinners _Bombyx mori_. In der
Gefangenschaft läßt sie sich auch mit den Blättern von _Scorzonera
hispanica_ erziehen. Sonst leben gelegentlich auf _Morus_arten die
Raupen von _Acronycta aceris_ L. _Smerinthus tiliae_ L.: Die Zucht
der letzteren ergab oft die braune Varietät. _Cossus ligniperda_ F.
(_Cossus cossus_ L.): Diese große Holzraupe fand ich bei Hanau am
Main in dem Holze von Wurzeln und Stämmen gefällter Maulbeerbäume.
(Sonst lebt diese sehr schädliche Raupe meist in den Stämmen von
Weiden, Pappeln, Eichen, Birnen, Äpfeln, Kirschen und anderen
Laubhölzern.)
=Chemie.= Frische Maulbeeren enthalten 84,71% Wasser, 9,19%
+Invertzucker+, 1,86% +freie Säure+ (auf Apfelsäure berechnet), c. 2%
Pektinstoffe, 0,57% Asche (~van Hees~ 1857). In der Trockensubstanz
finden sich 60,10% Zucker. Die Maulbeere ist also eine der
zuckerreichsten Früchte. Maulbeeren enthalten auch eine sehr kleine
Menge Salicylsäuremethylester (~Desmoulière~).
Auch aus den Maulbeeren wurde, wie den Holunderbeeren (s. d.), den
Wacholderbeeren (s. d.) und den Möhrenwurzeln ein +Roob+ (Rob, Rubb)
bereitet, der unter dem Namen Rob mororum baccarum bekannt war.
Der Sir. Mori ist hauptsächlich Geschmackskorrigens. In Griechenland
wird aus Maulbeeren ein berauschendes Getränk dargestellt.
=Geschichte.= Der Maulbeerbaum wird von den alten Schriftstellern
erwähnt und war z. B. den alten Juden bekannt. Maulbeeren (tut)
werden von ~Ben Sira~ auch unter den Pflanzen des königlichen Gartens
des ~Nebukadnezar~ aufgeführt (~J. Löw~). μορέα bei ~Dioskurides~ (I.
Kap. 180) ist _Morus nigra_ und _alba_ (συκμόμορον war die Sycomore).
Bei ~Theophrast~ hat Maulbeerbaum und Sycomore den gleichen Namen.
Die schwarzen Maulbeeren finden sich bei ~Hippokrates~ (de victus
ratione lib. II). Maulbeere heißt bei ~Aeschylos~ μόρον. ~Diodor~
unterscheidet den maulbeeren- von dem feigentragenden συκάμινος.
Im Mittelalter wird der Maulbeerbaum zum Unterschiede von dem
Brombeerbusch wohl mora celsa oder sycomorus celsa (Baumbrombeere)
oder einfach celsa (celsus) genannt, die Früchte mora celsi. Bei ~Ibn
Baithar~ heißt er tuth. Er findet sich auch in ~Karls~ Capitulare (I,
S. 620) sowie im St. Galler Klosterplan (I, S. 622) als murarius,
und dem Kalender des ~Harib~ aus dem Jahre 961 (I, S. 612) -- Sir.
de moris wurde im Juni bereitet --. Dann im Brevis de Melle des
Klosters Corbie u. and. Bei der ~Hildegard~ (I, S. 670) heißt er
mulbaum, mulberbaum. In der Alphita steht: ~Celsus~, sicaminum, bei
~Serapion~: mora celsi, tut (I, S. 644). Der Succus mororum de arbore
ist Maulbeersaft.
=Lit.= ~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia. -- ~Vogl~, Nahrungs- und
Genußm. -- ~Fresenius~, Ann. Chem. pharm. 101. -- ~König~ a. a. O. --
~Moeller-Winton~ a. a. O. -- Abbild. in ~Bentley~ and ~Trimen~. --
Über _Morus alba tartarica_ (Russian Mulberry) vgl. U. St. Dep. Agr.
Forest. Divis. 1907 Circ. 83.
b) Drogen, die Sorbit enthalten.
Das Reduktionsprodukt der d-Glukose ist der d-Sorbit:
OH H OH OH
CH₂OH--C--C--C--C--CH₂OH,
H OH H H
der sich in den Beeren von _Sorbus aucuparia_ findet -- neben der
verwandten
H OH H
+d-Sorbose+: CH₂OH--CO--C--C--C--CH₂OH.
OH H OH
Sorbit ist bisher nur in Pomoideen, Prunoideen und Spiraeoideen
gefunden worden (z. B. _Pirus commun._, _P. Malus_, _Mespilus
germanic._, _Prunus Cerasus_, _P. domestica_, _P. persica_, _P.
armeniaca_, _P. Laurocerasus_). Nur Pflanzen dieser Familien besitzen
die Fähigkeit, aus Sorbit Stärke zu bilden (~Treboux~).
Der Chirkhestit (s. _Schir-kist-Manna_) der Pomacee _Cotoneaster
nummularia_ ist wohl auch Sorbit.
c) Drogen, die Glukuronsäure enthalten.
An die Glukose schließt sich die zugehörige Säure, die Glukuronsäure,
deren Beziehungen zur Glukose durch Vergleich der folgenden Formeln
ersichtlich ist:
OH H OH OH
d-Glukose: COH--C--C--C--C--CH₂OH,
H OH H H
OH H OH OH
Glukuronsäure: COH--C--C--C--C--COOH.
H OH H H
(An diese schließt sich dann die beim Behandeln der d-Glukose mit
Salpetersäure entstehende d-Zuckersäure:
OH H OH OH
COOH--C--C--C--C--COOH.)
H OH H H
Freie Glukuronsäure, die der Tierkörper oftmals bildet, ist in
Drogen oder Heilpflanzen bisher nicht gefunden worden. Auch
gebundene war bis vor Kurzem in Pflanzen nicht bekannt. Denn die
Euxanthinsäure, die sich im Jaune indien (Indian Yellow, Piuri, Purree,
Indischgelb), einem in Indien viel benutzten Farbstoffe, findet,
ist kein rein pflanzliches Produkt. Er wird aus dem Harn von Kühen
dargestellt, die mit Mangoblättern gefüttert wurden. Er besteht aus
dem Glukuronsäure-Euxanthonäther resp. dem Calcium-Magnesiumsalze
desselben. Das Euxanthon entstammt der Pflanze, die Glukuronsäure dem
tierischen Organismus, der die Fähigkeit besitzt, eingeführte Phenole
durch Paarung mit Glukuronsäure zu verestern und durch den Harn
fortzuschaffen.
Die Glukuronsäure ist im Pflanzenreich zuerst im Süßholz aufgefunden
worden (1907 ~Tschirch~ mit ~Cederberg~ und ~Gauchmann~), sie scheint
aber auch in Algen, z. B. _Laminaria_, vorzukommen (~Tollens~).
Neuerdings (1910) zeigte ~Goldschmiedt~, daß auch das +Scutellarin+,
das ~Molisch~ in _Scutellaria_ und anderen Labiaten fand, ein
Glukuronsäureester ist. Eine gute Reaktion auf Glukuronsäure ist die
von ~Tollens~ mit Naphtoresorcin (Ber. d. chem. Ges. 1908, 1788): es
entsteht ein ätherlöslicher, rotvioletter Farbstoff, dessen Spektrum
ein Band bei D zeigt. Diese Reaktion unterscheidet die Glukuronsäure
von den Pentosen, mit denen sie sonst manche Reaktionen teilt
(z. B. die mit Orcin- und Phoroglucinsalzsäure). Mit α-Naphthol und
konz. Schwefelsäure gibt Glukuronsäure und ihre Verbindungen eine
smaragdgrüne Färbung, die durch allmählichen Zusatz von Wasser in Blau
und Violett übergeht. (~Guido Goldschmiedt~, Eine neue Reaktion auf
Glukuronsäure. Zeitschr. phys. Chem. 65 [1910] 389). Glukuronsäure
liefert bei der Destillation mit HCl Furfurol. Die Glukuronsäure ist
flüssig und schmeckt sauer, aber ihr kristallisierendes Anhydrid
(Lakton):
OH H OH OH
CHO--C--C--C--C--CO,
H \ H H /
\ /
\ /
O
schmeckt süß.
Rad. liquiritiae.
=Syn.= Rad. glycyrrhizae, Süßholz, Süßholzwurzel, Lakrizwurzel -- bois
ou racine de réglisse (franz.) -- liquorice root (engl.) -- legno
dolce, liquirizia, regolizia (ital.) -- zoethout (holl.) -- lakritsi
juuri (finn.) -- edesgyökév (ung.) -- γλυκύρριζα (n.-gr.).
Bei ~Theophrast~: γλυκεῖα ἡ σκυθική (russisches Süßholz), bei
~Dioskurides~: γλυκυῤῥίζη (D. führt noch folgende Namen an:
Glyceraton, Symphyton, Leontica, Glycophyton, Scythion, Adipson,
Sylithra, Lybiestason, Omoeomoeon, Penthaomoeon), bei ~Plinius~,
~Celsus~ u. and.: Radix dulcis. ~Galens~ Glykyrrhiza war wohl _Gl.
glandulifera_, des ~Scribonius Largus~(I, S. 577): Glycyrrhiza war
wohl _G. glabra_; im Liber medicinalis von St. Gallen (IX. Jahrh.):
gliquiritia. Die spätlateinische Form liquiritia tritt wohl zuerst
im IV. Jahrh. bei ~Theodorus Priscianus~ (in De diaeta cap. 9),
dann auch bei ~Vegetius Renatus~ (I, S. 591) auf. Sie findet sich
z. B. bei +Otho Cremonensis+. In ~Isidor~s Etymologicon (I, S. 592):
ligusicium, liguricium, bei ~Hildegard~ (I, S. 668) liquiricium
(Hunigwurz); im Gothaer Arzneibuch (I, S. 679): lacrisse, lacrissen,
lacrissyen, lakerissien, lecritzen; im Tegernseer Arzneibuch (I,
S. 678): liquiricii; bei ~Harpestreng~ (I, S. 684): lyquericia,
lykrissa, lykriz, lakriz. In mittelengl. Medizinbüchern des XIV.
Jahrh.: licoris, in Meddygon Myddfai 683: licraz (lacris ist die
vallonische Form). Altfranzösisch: requelice, recolice, recalisse.
In der Taxe von Ferrara von 1424 (I, S. 811) findet sich Requelizia,
in ~Saladin~s Compendium: Rad. lyquyrrhizae. In dem Inventar von
~Lefort~ 1439 (I, S. 805) steht rigalice. In der Frankfurter
Liste 1450: liqworicic. Auch die volksetymologischen Umbildungen
Lackaricie, Lackeritze, Lackritze, Leckerici, Leckwariz, Licritz,
Lickweritzie, Lukretia (!), Luquatze, Lichtkritz finden sich. In der
+Alphita+ (I, S. 652), +Circa instans+ und den +Tabulae+, sowie bei
~Simon Januensis~ (I, S. 664): liquiritia, gliceria, glacoria, bei
~Serapion~, ~Najm Ad-Dyn Mahmud~ und ~Ibn Baithar~ (I, S. 611) auch
sūs (sous), in den +Sinonoma+ (I, S. 639): glicoricia, glicida (hier
mit Paeonia offic. [Glycysida bei ~Scribonius~] zusammengeworfen).
Die Synonymie der Patres bei ~Schröder~ (I, S. 891), wo sich auch der
Name Galissienhout findet. -- hind.: mulhatti, jethimahd -- sanscr.:
madhuka (= Süßholz), yashti madhu (= Süßstengel) -- arab.: aslussús,
aslus-sûs (= Süßwurzel) -- pers.: bikhe-mahak. shîrin bagân, urâk dâr
haram (auch glikiriza ~Leclerc~); -- chin.: kau-tsʿau (kao tsao, kom
tso), kao = Leim, Pflanzenharz, tsao = Kraut.
=Etym.= Das Stammwort für alle Namen ist γληκυρῥίζη (von γλυκύς =
süß und ῥίζα = Wurzel). Aus diesem Worte ist das latino-barbarische
liquiritia, in all’ seinen zahlreichen Umformungen (vgl. auch I,
S. 1060) lakriz, reglisse etc. entstanden. Das sanskritische madhu
bedeutet ebenfalls Süßigkeit, süß. Es kehrt beim Honig (S. 8) und Met
(I, S. 1016) und den Bassiablüten (S. 23) wieder.
=Stammpflanze. Glycyrrhiza glabra= L. (G. laevis ~Pall.~, Liquiritia
officinalis ~Moench~).
=Systematische Stellung.= +Leguminosae+, +Papilionatae+ -- Galegeae --
Astragalinae, Sect. Euglycyrrhiza.
=Beschreibung der Stammpflanze.= Die Pflanze bildet einfache Stengel,
eine oft gewaltige Wurzel und zahlreiche Ausläufer. Die Blätter sind
unpaarig gefiedert, vielpaarig, mit eioblongen, stumpflichen, an der
Spitze meist etwas ausgerandeten, kurz stachelspitzigen, oberseits
kahlen, unterseits schwach drüsigen und sonst kahlen oder behaarten
kurzgestielten Blättchen. Die gestielten Trauben sind kürzer als die
Blätter, sie sind später locker. Der Kelch ist röhrenförmig fast bis
zur Hälfte in pfriemliche Zipfel geteilt. Die Fahne ist lineal-oblong,
nur wenig aufwärts gekrümmt. Von den zehn geraden Staubfäden sind neun
beinahe bis zur Hälfte in eine oben geschlitzte Röhre verwachsen, aber
auch das zehnte hängt am Grunde mit dieser zusammen. Der Fruchtknoten
enthält 6-8 campylotrope Ovula. Die gerade Hülse ist in eine
Stachelspitze ausgezogen.
_Glycyrrhiza glabra_ ist durch Südeuropa bis Mittelasien verbreitet.
Sie variiert sehr nach dem Standort und bildet zahlreiche Varietäten
und Wuchsformen.
Es werden von ihr jetzt (nach ~Boissier~) folgende Varietäten
unterschieden, die zum Teil früher als Arten gingen:
α) _typica_ Reg. et Herd. (_G. glabra_ Aut.), ziemlich kahl,
Kelchzähne linealisch-pfriemlich, so lang wie die Röhre,
Fahne bläulich, Hülse kahl, drei-sechssamig; in Südeuropa,
Mittelmeerländer, Kleinasien, Krim, kaukasisch-kaspisches Gebiet,
Syrien, Nordpersien, Turkestan, Afghanistan.
β) _violacea_ Boiss., ziemlich kahl; Blättchen kleiner, elliptisch,
Kelchzähne breiter, pfriemlich, etwas kürzer als die Röhre, Fahne
violett, Hülse kahl, etwas schmäler, vier-siebensamig; im Euphrat-
und Tigrisgebiet, Babylonien, Assyrien.
γ) _glandulifera_ Reg. et Herd. (_G. glandulifera_ W. K.; _G.
hirsuta_ Pall.; _G. brachycarpa_ Boiss.), niedriger. Stengel behaart
oder etwas rauh; Fahne violett, Hülsen zerstreut oder dichter
stachelig, +drüsig+, bald mehr-, bald wenigsamig. In Südost-Europa
(Ungarn, Galizien), Westasien (mittlere und südliche russische
Gouvernemente), bis Turkestan und Afghanistan, Süd-Sibirien,
Tschugarei, China bis zur großen Mauer.
δ) _pallida_ Boiss., Stengel angepreßt und kraus kurzhaarig;
Kelchzähne schmal pfriemlich bis doppelt so lang wie die Röhre; Fahne
rötlich weiß. In Assyrien.
Auch die als _G. asperrima_ (Linn. f. suppl. 330) bezeichnete Art,
die «in arenosis et collibus inter Wolgam et Jaicum, in deserto
Tatarico ad fl. Karaman, in mont. Uralens. et ad lacum Inderiensem»
angegeben wird (~De Candolle~, Prodrom. II, 248), ist wohl ebenso
wie die mit ungenügender Diagnose in ~De Candolles~ Prodromos
veröffentlichte _G. uralensis_ (~Fisch.~ in litt.) vom Ural nur
eine Varietät von _glabra_. Früher wurde ja auch _glandulifera_ als
besondere Art betrachtet (_G. glandulifera_ Waldst. et Kit. Pl.
Rar. Hung. I. 20 t. 21). ~Regel~ und ~Herder~ sind nicht dieser
Ansicht, wollen aber doch wenigstens _asperrima_ und _uralensis_
vereinigen. Sie beschreiben von _Gl. glabra_ folgende Varietäten:
α _typica_, β _asperula_, γ _hispidula_, δ _glandulifera_ (= _Gl.
glandulifera_ Waldst. et Kit., _G. glandulifera._ Boiss. et Buhse),
ε _echinata_, ζ _tuberculata_, -- von _G. asperrima_: α _uralensis_,
β _desertorum_, γ _sutinermis_, δ _intermedia_, ε _glabra_, ζ
_typica_. Jedenfalls steht _G. uralensis_ der _glabra_, besonders
der Varietät _glandulifera_ sehr nahe, denn ~Ledebour~ nennt sie in
seiner Flora rossica: _G. glandulifera_ β _grandiflora_ und auch
_G. glandulifera_ Kar. et Kir. ist synonym damit. Sie findet sich
«in Sibirica uralensi, in Sibiria altaica, in Dahuria, in Mongolia
chinensi, in desertis soongoro-kirghisicis», geht also, da _Gl.
glabra_ β _glandulifera_ als «in Hungaria, in provinciis caucasicis
et transcaucasicis, in desertis soorgoro-kirghisicis volgensibusque»
angegeben wird, weiter nach Norden und Osten. ~Ascherson~ und
~Graebner~ stellen in ihrer Synopsis _G. glandulifera_ wieder als Art
der _G. glabra_ gegenüber.
Dagegen ist die in Apulien und der Tartarei heimische _Glycyrrhiza
echinata_ (Linn. spec. 1046, Abbild. in ~Berg-Schmidt~, Atlas, I.
Aufl.) sicher als eine gute Art anzusprechen. Sie bildet keine
Ausläufer und ihre Wurzel ist nicht gelb und nicht süß. Sie kann
daher kein Süßholz liefern. Trotzdem zum Überfluß 1887 ~Becker~ (in
den Bull. Soc. imp. d. natural. Moscou) nachwies, daß sie in der Tat
kein Süßholz gibt (vgl. auch ~Flückiger~, Pharmakognosie III), wird
sie auch noch in neueren Werken (z. B. ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam.,
~Ascherson-Gräbner~, Synopsis) immer wieder als Stammpflanze des
russischen Süßholz aufgeführt. Sie ist wohl die _Glycyrrhiza_
des ~Dioskurides~, der die Wurzel als ὑπόστρυφνος (etwas herb)
bezeichnet, die oberirdischen Teile aber eher wie bei _glandulifera_
und _glabra_ beschreibt. Die Konfusion beginnt also bereits hier.