3. +Fliegen+: _Lasioptera rubi_ ~Heeg~. Diese kleine Fliege legt

ihre Eier in die noch krautartigen Schößlinge der Himbeerbüsche.

Durch den Fraß der jungen Maden entstehen längliche Anschwellungen

(Stengelgallen), die man sehr häufig an Himbeerstengeln wahrnimmt.

Im Frühling fliegen die fertigen Insekten aus den mittlerweile

verholzten Gallen aus.

4. +Schnabelkerfe+: _Aphis rubi_ ~Kalt~. an _Rubus_arten, besonders

an den Blättern, seltener auch an den krautartigen Stengeln.

=Beschreibung.= Die Himbeere ist keine Beere, sondern eine

Sammelfrucht, die aus einer Gruppe von Fruchtknoten hervorgeht, die in

einer Blüte vereinigt sind. Jedes einzelne Früchtchen ist eine Drupa

mit saftigem Mesocarp und sklerotischem, beim Herauslösen des Samens

an diesem als grubige Hülle haften bleibendem Endocarp. Die 20-50

Einzelfrüchtchen liegen auf dem Fruchtboden so dicht nebeneinander, daß

sie sich gegenseitig abplatten. Sie sind behaart und tragen noch den

c. 4 mm langen, etwas unter dem Fruchtscheitel inserierten Griffel.

Die schön rote (seltener gelbliche) Sammelfrucht löst sich als hohles,

halbes Ellipsoid von dem an dem Stiel bleibenden Fruchtboden ab, der an

seiner Basis die Reste des Kelches und der Stamina trägt. Die abgelöste

Himbeere sieht aus wie ein umgestülpter Topf und die chinesische

Bezeichnung fu-pau-tsze heißt denn auch «umgeworfene Schüssel».

Die Himbeere reift im Juli oder August. Nur die roten werden verwendet,

die weißen und gelben sind Albinoformen. Die aromatischeren,

duftreicheren Waldhimbeeren werden bevorzugt.

[Illustration: Fig. 22.

_Rubus strigosus._

I. Sammelfrucht in nat. Gr. II. Querschnitt durch ein Früchtchen. Epi

Epidermis. Hy Hypoderm. Mes Fruchtfleisch. F Steinschale (Endocarp).

S Samenschale. R Raphe. E Endosperm. Em Embryo. III. Steinkern in

natürlicher Größe. IV. Derselbe 8fach vergr. [Nach A. L. +Winton+.]]

[Illustration: Fig. 23.

_Rubus strigosus._

Steinschale und Randschicht des Samens im Querschnitt. End Endocarp. S

Samenschale. E Endosperm. [Nach A. L. +Winton+.]]

=Lit.= ~Bailey~, the evolution of our native fruits. London 1898.

-- ~Flückiger~, Pharmakognosie. -- ~Arechoug~ (Über d. Abstam.

u. d. Verwandtsch. d. Rub. idaeus). Journ. of bot. 1873 (Bot.

Jahresber. 1874). -- +Abbild.+ in ~Berg-Schmidt~, Atlas d. offiz.

Pfl. 2. Aufl. Taf. 64 (dort die florist. Lit.). -- ~Pabst-Köhler~,

Medizinalpfl. Taf. 43. -- ~Hayne~, Arzneipfl. III t. 8 u. and. --

Über die schwierige Gattung Rubus vgl. auch ~Focke~ in Engler-Prantl,

Pflanzenfam.

=Anatomie.= Das +Pericarp+ ist von einer aus polygonalen Zellen

bestehenden Epidermis bedeckt, die Spaltöffnungen und an den freien

Flächen der Frucht lange einzellige Haare in großer Zahl trägt, die

so stark verfilzt sind, daß sie der Oberfläche ein sammetartiges

Aussehn verleihen. Unter der Epidermis liegt eine Schicht

kollenchymatischer Zellen. Das Mesocarp (Fruchtfleisch) besteht zu

äußerst aus kristallführenden, vorwiegend aber aus radial gestreckten

dünnwandigen Parenchymzellen, das sklerotische Endocarp aus zwei

Schichten, einer die höckerige Beschaffenheit der herausgelösten

«Steinkerne» bedingenden, ungleich breiten, äußeren Schicht, die aus

längsgestreckten und einer schmalen inneren Schicht, die aus vorwiegend

quergestreckten Zellen besteht. Die Richtungen der Zellen der beiden

Schichten kreuzen sich also.

Die zarte +Samenschale+ ist stark zusammengefallen, besonders in der

Nährschicht. Nur die Epidermen pflegen gut erhalten zu sein. Das

Perisperm, der Nucellarrest, bildet eine schmale helle Zone. Das

Endosperm dagegen ist mehrere Zellreihen dick. Die kleine Radicula

liegt an der Spitze des Samens. Die großen oblongen, plankonvexen,

fleischigen Cotyledonen bilden die Hauptmasse des Samens.

Der erhalten bleibende lange +Griffel+ ist am Grunde verbreitert

und dort behaart. Die Epidermis ist kleinzellig, das Gewebe enthält

Oxalatdrusen.

=Lit.= ~Tschiercke~, Beitr. z. vgl. Anat. u. Entwicklungsg. einiger

Dryadeenfr. Zeitschr. f. Naturw. 1886. -- ~Winton~, Beitr. z.

Anat. d. Beerenobstes. Zeitschr. Unters. Nahr.- u. Genußm. 1902

(auch Rep. Connect. Agr. Exp. Stat. 1902) (mit zahlr. Abbild.).

-- ~Moeller-Winton~, Nahrungs- u. Genußm. 2. Aufl. (mit Abbild.).

-- ~Villiers et Collin~, Altérat. et Falsific. d. subst. aliment.

1900. -- ~Marpmann~, Beitr. z. mikrosk. Unters. d. Fruchtmarmelad.

Zeitschr. angew. Mikrosk. 1896.

=Chemie.= Die frischen Früchte liefern c. 70 (67-78)% Saft, der

sich durch Gärung klärt. Frische Himbeeren enthalten im Mittel

4,38-4,7% +Invertzucker+ (das Verhältnis von Lävulose zu Dextrose

ist wie 4,6:2,5), keinen oder wenig (0,72 bis 2%, ~Buignet~: 0,95%)

+Rohrzucker+, +Apfel+- und +Zitronensäure+: 1,48% freie Säure (auf

Apfelsäure berechnet). Auch +Ameisensäure+ ist nachgewiesen und sehr

kleine Mengen +Salicylsäure+ (wohl als Methyläther, ~Traphogen~), 1,45%

+Pektinsubstanzen+, 2,08% +Pentosane+, 0,32% +Asche+ (enthält viel

Kali und Phosphorsäure, ~Goessmann~). In der Trockensubstanz finden

sich im Mittel 35,82% Zucker. Waldhimbeeren sind ärmer an Zucker als

Gartenhimbeeren. Sie enthalten davon nur c. 2,8-3,5% (~Gallencamp~,

~Zervas~, ~Seiffert~). Im Himbeersaft werden neuerdings +Zitronensäure+

(0,65-0,75%) und +Weinsäure+ (0,18-0,22) angegeben (~Kayser~ 1906).

~Pabst~ erklärte Apfelsäure und Zitronensäure als vorherrschend.

~Scheele~ fand Zitronensäure und Äpfelsäure etwa in gleichen Mengen,

~Bley~ im Verhältnis 8:13. Das Aroma (der Riechstoff) scheint ein

+Fettsäureester+ zu sein.

Aus dem destillierten Aqua Rubi idaei scheiden sich Flocken ab, die

ausgeäthert in kleinen Blättchen erhalten werden können, die in Alkohol

und Äther und auch in Wasser und Kalilauge sich lösen (~Bley~).

Die fast regelmäßig im Himbeersaft auftretende Nachtrübung ist auf

mikrokristallinische Abscheidung von +Ellagsäure+ zurückzuführen

(~Kunz-Krause~ und ~Schweissinger~).

~Hefelmann~ fand in +frischen Preßsäften+ sächsischer und werderscher

Himbeeren im Mittel 0,437% Asche, die Alkalinität der Asche war = 5,64

ccm Normallauge. Das Verhältnis von Asche zur Alkalinität sinkt nicht

unter 1 : 10 herab (~Beythien~ und ~Waters~). Die freie Gesamtsäure

betrug 1,561% (auf Apfelsäure berechnet). Der Alkoholgehalt 2,99%.

~Pabst~ fand im Liter Saft 46 g +Lävulose+ und 25 g +Dextrose+.

Die +freie Säure+ beträgt in +vergorenem+ Himbeersaft im Mittel 1,836%

(auf Apfelsäure berechnet), die flüchtige Säure, auf Essigsäure

berechnet, im Mittel 0,359% (~Späth~), die Asche 0,515%.

Der +Farbstoff+ ist nicht näher untersucht. Er ist in der Pflanze im

Zellsaft gelöst, gehört also zur Gruppe der +Anthocyane+ ~Marquarts~

und zwar zur Gruppe des Weinrots. Er ist mit dem Weinrot selbst

verwandt (~Pabst~). Der Himbeerfarbstoff gibt im Spektrum zwei nicht

scharf getrennte Bänder, eins bei E und ein zweites zwischen b und

F, die aber bald zu einem breiten Bande zwischen D½ E und F

zusammenfließen (~v. Lepel~). Ausgepreßter Himbeersaft entfärbt sich

mit der gleichen Menge Salpetersäure (spez. Gew. 1,2) gemischt erst

nach 2-3 Tagen. Äther, Essigäther, Amylalkohol, Chloroform nehmen den

Farbstoff nicht auf. Bleiessig gibt mit Himbeerpreßsaft einen starken

grünen Niederschlag, das Filtrat ist schwach gelblich. Vergleiche

zwischen den Reaktionen der Farbstoffe der Himbeeren, Kirschen und

Heidelbeeren stellten ~van den Driessen-Mareeuw~, ~Späth~ u. and. an

(vgl. Jahresber. d. Pharm. 1900, S. 588). Über Nachweis von fremden

Farbstoffen im Himbeersaft vgl. ~Riegel~ (Pharm. Zeit. 1897, S. 247).

Der mit Wasser verdünnte Himbeersirup gibt, der Kapillaranalyse

unterworfen, eine untere, schwach schmutzigviolette, c. 2,8 cm breite

und eine darüber liegende, fast farblose, steif anzufühlende Zone.

Nach Zusatz von etwas Fuchsinlösung erhält man eine 3 cm breite,

schmutzigviolette Zone, darüber 0,15 cm lebhaft fuchsinrot mit

violettem Stich, 1,1 cm hell fuchsinrot und zu oberst 5,5 cm rötlicher

Schein (~Goppelsröder~).

In den Himbeerkernen sind 14,6% eines fetten, stark trocknenden

+Öles+ enthalten, welches Linolsäure, Linolensäure, Ölsäure und

Isolinolensäure enthält (~Kriżiżan~).

=Lit.= ~König~, Nahr.- u. Genußm. -- ~Bley~, Arch. Pharm. (2), 13

(LII). -- ~Reichardt~ (~Seyffert~), Arch. Pharm. (3) 12 (1879). --

Analysen von ~Gallenkamp~ (1854) und ~Zervas~ (1855) in Jahresber.

d. Chem. 1857, S. 636. -- ~Goessmann~, Amer. Chem. Journ. 1. --

~Buignet~, Ann. chim. et pharm. (3) 61 (1861). -- ~Traphogen~ und

~Burke~, Journ. Amer. chem. soc. 1903 (Pharm. Zeit. 1903, S. 323).

-- ~Hefelmann~, Zeitschr. f. öffentl. Chem. 1905. -- ~Beythien~ u.

~Waters~, Zeitschr. f. Unters. d. Nahr. u. Genußm. 1905. -- ~v.

Lepel~, Über d. Verhalt. v. Fruchtsäften verschied. Alters gegen

Reagent. Zeitschr. Anal. Chem. 1880 (dort auch die Spektren der

Reaktionen). -- ~H. W. Vogel~, Spektralanalyse. -- (Farbstoff)

~Pabst~, Bull. soc. chim. 1885 und ~van den Driessen~, Ned. Tijdschr.

1900. -- ~Kunz-Krause~ u. ~Schweissinger~, Apoth. Zeit. 1907, S. 825.

Über Himbeersaft vgl. die zahlreichen Arbeiten in den Zeitschriften

für Untersuchung der Nahrungs- und Genußmittel.

=Geschichte.= Aus den Pfahlbauten sowohl der neolithischen wie der

Bronze-Periode kennen wir Steinkerne der Himbeeren (~Buschan~). Die

Himbeeren und Brombeeren der Pfahlbauer stammten jedenfalls von

wildwachsenden Pflanzen (~Hoops~). -- βάτος war bei den Griechen

die Himbeere und die Brombeere, βάτος ἰδαία (bei ~Dioskurides~)

vielleicht die Himbeere (~Fraas~), benannt nach dem Berge Ida

(entweder der Psiloriti auf Candia, wo aber jetzt keine Himbeeren

mehr wachsen, oder der Kaz dagh in Nordwest-Kleinasien, ~Flückiger~).

βάτος ἀκανθώδης des ~Theophrast~ war möglicherweise auch _Rubus

idaeus_, jedenfalls βάτος ὀρθοφυής. _Rubus idaeus_ steht schon bei

~Plinius~, ob aber damit unsere Himbeere gemeint ist, wie ~Fraas~

will, ist fraglich. Bei den arabischen Schriftstellern fehlt sie,

ebenso bei der ~Hildegard~ (I, S. 667) und bei ~Albertus Magnus~ (I,

S. 672). Der _Rubus_ der Alphita ist wohl die Brombeere (s. d.). Ob

die Griechen und Römer unsere Himbeeren benutzten, ist nicht ganz

sicher. Das Mittelalter beachtete sie nicht. ~Cordus~ (Dispensatorium

I, S. 800) benutzte die Früchte (_Mora Rubi idaei_) neben Maulbeeren

und Erdbeeren zum Rob Diamoron. Der _Syr. rubi idaei_ scheint

zuerst von ~Gesner~ (Epistolar. medicin. libr. III, vgl. I, S. 847)

dargestellt worden zu sein, den seine herrliche Farbe, sein höchst

angenehmer Geschmack und Geruch entzückten (vgl. ~Flückiger~, 3.

Aufl. S. 862). Die Pflanze beschrieben ~Bock~, ~Fuchs~, ~Cordus~.

~Bock~ gab eine Abbildung. In ~Bauhins~ Pinax heißt sie _Rubus idaeus

spinosus_.

Fructus Rubi fruticosi.

=Syn.= Brombeere -- baie de ronce (franz.) -- blackberry (engl.) --

braambes (holl.) -- heggi málna (ung.).

Brämel, Bramel, Brambla, Brombesing, Haiper, Swartjebeere; +angels.+:

brēmbelaeppel, braemelberian, blace berian, -- +arab.+: ullaik,

ʿullaiq, ollaik (bei ~Ibn Baithar~). Dieser Name umfaßt aber wohl,

ebenso wie bâthus, thut elwahschi, auch die Himbeere; -- brema, brama

(~Hildegard~), kratzen, bramenbeer (~Cordus~), prumen, brambernstruch

(Ort. san.), prauper (~Megenberg~) -- +chin.+: hiuen-tiau-tsze.

=Stammpflanze und systemat. Stellung.= =Rubus fruticosus= L. mit vielen

Spielarten, oder in verschiedene Arten aufgelöst. +Rosaceae+, Rosoideae

-- Potentilleae -- Rubinae.

=Etym.= +Rubus+ im Latein. Kollektivum für verschiedene (dornige)

Sträucher; vielleicht von ῥάπτειν stechen, unwahrscheinlicher von

reber = rot, denn nur die unreife Frucht der Brombeere ist rot; aber

auch das +franz.+ ronce ist wohl verwandt mit rouge = rot; mures ist

wohl von μαυρός schwarz, wegen der schwarzen Farbe der reifen Frucht,

abzuleiten. Das Gleiche sagt das englische blakeberien, blackberry

(~Kanngiesser~). Der Name Brombeere von +mhd.+ brame = Dorn deutet

auf die dornige Beschaffenheit, ebenso das englische bramble und

das niederländische brambezi. -- +mhd.+ brâmber, +ahd.+ brâmberi,

eigentlich die Beere «einer Dornart», +ahd.+ brâmo, +mhd.+ brâme

(auch «Dornstrauch» überhaupt, ~Kluge~). Im Mittelalter finden sich

auch die Namen morus rubi, citromora, batus (in der Alphita = Rubus

ferens mora, bedegar) mora bati, mora silvatica, dumus, genesta,

Morabati, Vepres.

_Rubus fruticosus_, die europäische wilde Brombeere, die über Europa

und Asien verbreitet ist, findet sich in Nordamerika weder wild noch

in Kultur. Dort wird sie vertreten durch _Rubus villosus_ ~Ait.~

(kriechende Brombeere, Taubeere), _Rubus canadensis_ L. (dornenlose

Brombeere) und _Rubus nigrobaccus_ ~Bail.~ (große oder Buschbrombeere,

gemeine amerikanische Buschbrombeere). _Rubus nigrobaccus var. sativus_

~Bail.~ ist der Stammvater der meisten Gartenvarietäten.

=Beschreibung.= Die Brombeere ist der Himbeere (s. d.) ähnlich gebaut,

doch sind die Früchtchen kahl und dem Fruchtboden angewachsen. Die

Brombeer-Sammelfrucht löst sich also nicht so leicht von diesem ab wie

die Himbeere. Die Epidermiszellen der Fruchtwand sind gestreckt. Die

Griffel sind kürzer (c. 2 mm lang) und kahl. Sie verbreitern sich an

der Basis nicht. Die «Steinkerne» sind meist (doch schwankt dies nach

den Spielarten) etwas kürzer und dicker als bei der Himbeere, was schon

~Heer~ zur Unterscheidung der Pfahlbaufunde benutzte. ~Winton~ gibt

umgekehrt an, daß sie größer seien.

Die Sammelfrüchte von _Rubus caesius_ L. bestehen meist nur aus wenigen

Früchten. Sie sind blauschwarz und hellblau bereift. Die geruchlosen,

säuerlichen Sammelfrüchte von _Rubus saxatilis_ bestehen aus 3-7

ziemlich großen, scharlachroten Früchten.

=Pathologie= s. bei _Rubus idaeus_.

=Chemie.= Frische Brombeeren enthalten im Mittel 5,3% +Invertzucker+,

wenig (0,48%) oder keinen Rohrzucker, 0,77% +freie Säure+ (auf

Apfelsäure berechnet), 1,44% +Pektinstoffe+. In der Trockensubstanz

finden sich im Mittel 40,17% Zucker.

Der Blackberry-+Farbstoff+ ist in seinen Reaktionen von ~Kraemer~

studiert worden (vgl. The origin and nature of color in plants. Proc.

amer. philos. soc. XLIII.).

Die Brombeeren enthalten auch sehr kleine Mengen +Salicylsäure+, wohl

als Methylester (~Traphogen~ und ~Burke~).

=Geschichte.= Einige nehmen an, daß der brennende Busch (seneh)

des Moses ein Brombeerstrauch gewesen sei (~Rosenmüller~). Da der

Strauch in Griechenland häufig ist, war er ~Homer~, ~Theophrast~

und ~Dioskurides~ bekannt. βάτος; (= Dornstrauch) umfaßte auch die

Brombeere. βάτα heißt sie noch im heutigen Griechenland. Batus seu

Rubus findet sich auch in den Spuria ~Macri~ (I, S. 626). ~Plinius~

erwähnt die Brombeere. ~Palladius~ gibt (De re rustica XIV) eine

Vorschrift für Brombeergelée. Aus den Pfahlbauten der neolithischen

Periode kennen wir Brombeersteinkerne. Bei ~Scribonius Largus~ (I,

S. 578) und ~Celsus~ (I, S. 588) steht Rubus. Morus fructus, Mora

rubi, blakeberien, Rubus ferens mora in der Alphita (I, S. 657) waren

wohl Rubus fruticosus, ebenso batus der Sinonoma. In ~Serapions~

Tabula steht Rubus neben Rubus canis, bei ~Albertus Magnus~ heißt die

Brombeere Ramnus (!), bei ~Hildegard~ steht brema. Der Succus mororum

Rubi des ~Cordus~ ist Brombeersaft. Das im ganzen Mittelalter sehr

geschätzte, auch in ~Karls~ Capitulare erwähnte Getränk +moratum+

wurde aus Brombeeren, Honig und Wein bereitet mit einem Zusatz von

Gewürzen (~Fischer-Benzon~, Gesch. uns. Beerenobstes. Bot. Centralbl.

1895).

=Lit.= ~Godfrin~, Etude histol. sur les Tégum. semin. d. Angiosp.

Soc. d. scienc. Nancy 1880. -- ~Winton~, Beitr. z. Anatom. d.

Beerenobstes. Zeitschr. Unters. d. Nahr.- u. Genußmittel 1902 u.

Connect. Agric. Exp. Stat. 1902. -- ~Lampe~ a. a. O. -- ~Traphogen~

u. ~Burke~, Pharm. Zeit. 1903, S. 323. -- ~Moeller-Winton~ a. a. O.

-- ~König~ a. a. O. -- Die ältere chem. Literatur in ~John~, Tabellen.

Fructus Cerasi acidi.

=Syn.= Sauerkirsche, Weichselkirsche, Morelle. -- cerise (franz.) --

cherry (engl.) -- ciliegia (ital.) -- zure kers (holl.) -- kirsikka

(finn.) -- καρπός ὀξίνων κερασίων (n.griech.).

=Etym.= +Kirsche mhd.+ Kirse, +alam.+ chriesi (s in sch umgebildet),

+ahd.+ Kirsa «stammt sicher nicht aus lat. +cerasum+, sondern, wie

die verwandten roman. Worte, aus einem ceresia», +mlat.+ cerésea.

Die Entlehnung des hd. fällt wohl vor das VII. Jahrh. (~Kluge~). Im

Gothaer Arzneibuch (I, S. 680) steht noch Kersebere. Weichsel ist

(nach ~Hoops~) der alte vorrömische deutsche Name der einheimischen

Vogelkirsche, der auch nach Einführung der römischen Kulturkirsche an

der wilden Kirsche haften blieb.

=Stammpflanze und systemat. Stellung. Prunus Cerasus= L. (~Linné~,

Spec. plant. edit. I, 474). +Rosaceae+, Prunoideae. Untergattung

Cerasus (Mischling von Süß- und Sauerkirsche?).

Man unterscheidet von der sauren Kirsche zwei Varietäten (von

~Ehrhart~ 1792 als Arten betrachtet und wohl auch als _Cerasus acida_

~Gärtner~ und _Cerasus austera_ ~Leight~ unterschieden): α. _acida_

~Ehrh.~ (Glaskirsche) mit farblosem Safte (Unterarten und Varietäten

in ~Ascherson-Gräbner~ Synopsis) und β. _austera_ ~Ehrh.~ (schwarze,

saure Kirsche). Die saure Kirsche (_Pr. Cerasus_) wächst sicher wild in

Transkaukasien, wird aber auch in Macedonien, am Bithynischen Olymp und

am Kaukasus angegeben. In Mitteleuropa ist sie verwildert. Ihre Kultur

erstreckt sich über Europa und die Vereinigten Staaten. Die wilde süße

Kirsche (_Pr. avium_) war schon in vorgeschichtlicher Zeit in Europa

heimisch (~Engler~).

=Beschreibung.= Die Kirsche ist ein relativ kleiner Baum mit

gerundeter Krone. Die Langtriebe der sauren Kirsche sind unfruchtbar,

die gestielten Früchte werden an der Spitze von in den Blattachseln

stehenden gestauchten Kurztrieben erzeugt. Die Blüte besitzt nur

einen Fruchtknoten. Aus ihm entsteht eine niedergedrückt kugelige

Steinfrucht von meist braunschwarzer Farbe und purpurrotem Mesocarp.

Das sklerotische Endocarp umschließt den Samen und bildet mit ihm den

kugeligen harten «Steinkern» der Früchte. Der Same besteht aus den zwei

plankonvexen Cotyledonen und einem kurzen Würzelchen.

Pathologie. Prof. ~Ed. Fischer~ berichtet über die =pflanzlichen

Schädlinge=: Auf _Prunus Cerasus_ ruft _Sclerotinia cinerea_

(~Bon.~) ~Schroeter~ ein Absterben der Laubtriebe und Blütenstiele

hervor, kann aber auch Fäulniserscheinungen der Früchte bewirken. Es

entwickelt sich dabei eine Nebenfruchtform des Pilzes in Gestalt von

grauen Schimmelpolstern (_Monilia cinerea_ ~Bon.~) (siehe ~Woronin~,

Über _Sclerotinia cinerea_ und _Sclerotinia fructigena_, Mém. Acad.

St. Petersbourg Ser. VIII, T. 10, 1900).

_Gnomonia erythrostoma_ (~Pers.~) ~Auersw.~ befällt zwar fast nur die

Süßkirsche, seltener die Sauerkirsche. Es entwickelt sich dieselbe

auf den Blättern und Früchten, letztere in ihrer Entwicklung hemmend

und zum Absterben bringend, und überwintert in den am Baume hängen

bleibenden dürren Blättern, wo im Frühjahr seine Ascosporen reifen,

und aufs neue Blätter und Früchte befallen. Besonders intensiv trat

diese Krankheit in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts

im Altenlande bei Hamburg auf (~B. Frank~, Die jetzt herrschende

Krankheit der Süßkirschen im Altenlande. Landwirtschaftliche

Jahrbücher XVI, 1887).

_Fusicladium Cerasi_ ~Rabenh.~ bringt auf den noch grünen Kirschen

mißfarbige Flecke hervor und kann zur Folge haben, daß sie im

Wachstum zurückbleiben und abdorren. -- Fäulniserscheinungen an

Kirschen werden auch durch ein _Gloeosporium_ hervorgerufen.

Über die =tierischen Schädlinge= von _Prunus_-Arten (Prunus

_armeniaca_ L., _spinosa_ L., _cerasifera_ ~Ehrh.~, _domestica_ L.,

_insititia_ L., _avium_ L., _cerasus_ L., _chamaecerasus_ ~Jacq.~,

_mahaleb._ L., _padus_ L., _Persica vulgaris_ ~Mill~,) berichtet

~Israël~:

Die Zahl der auf Prunusarten lebenden Insekten ist sehr groß. Als die

wichtigsten Insekten seien folgende angeführt.

1. +Käfer+: _Phytoëcia cylindrica_ L. Larve in dürren Zweigen von

Obstbäumen, auch in alten Ballonkörben. _Saperda scalaris_ L. Larven

in frischen Trieben von Kirschbäumen und anderen Laubhölzern.

_Liopsus nebulosus_ L. Die Larve dieses Bockkäfers lebt im Splinte

von Kirschbäumen, auch in anderen Obstbäumen. _Anthonomus druparum_

L. Die Larven dieses Rüsselkäfers leben in den Blüten und Früchten

von _Prunus cerasus_ u. _Pr. padus. Magdalinus cerasi_ L., _M.

pruni_ L. und andere Magdalinusarten leben als Larven unter der

Rinde abständiger Schlehen, Kirschen, Quitten, Pflaumen, Äpfel und

anderer Obstbäume, auch oft in trocknen Ästen. _Phyllobius pyri_

L., _P. argentatus_ L., _P. oblongus_ L. und andere Phyllobiusarten

schaden als fertige Rüsselkäfer den Kirschen- und Pflaumenbäumen

oft sehr durch das Benagen und Ausfressen der Knospen. _Rhynchites

cupreus_ L., _R. bacchus_ L., _R. alliariae_ L. und andere

Rhynchitesarten leben als Larven in den unreifen Früchten von

Kirschen, Pflaumen, Äpfeln, Traubenkirschen, Aprikosen, Mispeln,

Ebereschen usw. usw. _Rhinosimus planirostris_ ~Fabr.~, Larven in

dürren Zweigen von Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Schwarz- und

Weißdorn. _Eccoptagaster pruni_ ~Ratzb.~, _E. rugulosus_ ~Ratzb.~,

Larven dieser Splintkäfer gerne in Apfel-, Pflaumen-, Quitten-,

Pfirsich- und anderen Obstbäumen, auch Kirschbäumen. _Polygraphus

pubescens_ ~Fabr.~ Larve im Splinte von Kirschbäumen, auch oft in

verschiedenen Koniferen. _Bostrychus chalcographus_ L., _B. dispar._

~Fabr.~ und andere Borkenkäfer leben nicht nur in Nadelhölzern,

sondern auch in rückgängigen Laubhölzern des Waldes und der Gärten.

_Valgus hemipterus_ L., Larve in Prunusarten und Weiden; auch in

Johannisbeerstöcken.

2. +Falter+: Auch die Zahl der an Prunusarten lebenden

Lepidopterenraupen ist ganz enorm. Es seien nur die hauptsächlichsten

angeführt.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 10 / 120 段