+Falter+: _Sesia cephiformis_ ~Ochs~, die Raupe dieses seltenen

Glasflüglers lebt in Stengelanschwellungen von _Juniperus

communis_. _Bupalus piniarius_ L., die Raupe dieses häufigen und

in Nadelholzrevieren oft schädlich auftretenden Spanners lebt auch

an _Juniperus communis_. _Cidaria juniperata_ L., Raupe an jungen

Trieben. _Ypsolophus juniperellus_ L., die kleine Raupe verspinnt die

Nadeln zu kleinen Säckchen und höhlt Nadeln und junge Triebe aus.

Außer diesen leben an _Juniperus_ noch eine große Anzahl von

Mikrolepidopteren, die aber weniger in Frage kommen.

=Einsammlung.= Es werden nur die vollreifen Beeren des zweiten Jahres

gesammelt und ohne Anwendung von künstlicher Wärme getrocknet.

Wacholderbeeren ziehen leicht Feuchtigkeit an, sie werden daher am

besten über Kalk aufbewahrt. Bisweilen kristallisiert Fruchtzucker auf

der Oberfläche aus. Das Pulver wird aus über Kalk getrockneten Beeren

hergestellt.

Man kann die dem Insektenfraß ausgesetzten Früchte dadurch schützen,

daß man sie mit Äther besprengt und in mit Äther ausgespülten, gut

schließenden Gefäßen aufbewahrt (~Idelson~).

=Handelssorten.= Wachholderbeeren kommen besonders aus +Nord-Italien+

(Parma), +Ungarn+, besonders den +Karpathen+, Frankreich, besonders

Südfrankreich und den Departements Jura, Doubs, Savoien, und

Deutschland (Ostpreußen, Lüneburger Heide), weniger aus Rußland und

Mähren. Der Handel spricht von italienischen, ungarischen und deutschen

Wacholderbeeren. Italienische sind in Säcken à 50 oder 60 kg im Handel.

=Morphologie der Droge.= Die Baccae juniperi sind fast kugelig,

kaum schwach dreikantig und besitzen einen Durchmesser von 5-9

(meist etwa 6-8) mm -- die indischen und die von Neufundland sind

größer --. Außen sind sie tief braunschwarz und meist noch mit einem

bläulichen Reif (Wachsüberzug) bedeckt. Nach Abwischen dieses sich

leicht abscheuernden Reifes erscheinen sie glänzend. An der Basis

sitzt oft noch als kleines Spitzchen der Sproßrest mit den kleinen

Hochblattwirtelchen. Etwas seitlich von der Spitze erblickt man die

breiten Spitzen der drei Fruchtblätter (s. oben), zwischen diesen mit

der Lupe den dreistrahligen Spalt. Bei den Früchten von _Juniperus

nana_, seltener bei _Jun. comm._, kommt es vor, daß der Galbulus durch

Verwachsung von zwei dreizähligen Blattvierteln entsteht, also an der

Spitze sechs Nähte sich zeigen. Diese Form hat ~Göppert~ als _Juniperus

commun. var. duplicata_ beschrieben. Bei _Juniperus Oxycedrus_ ist

diese Erscheinung häufig (~Flückiger~). Das Innere ist markig-mürbe,

grünbräunlich, durch zahlreiche Ölbehälter oft glänzend punktiert. Die

drei sehr hartschaligen Samen lassen sich leicht herauspräparieren.

Sie sind oval-oblong, stumpf-dreikantig, meist mit einem starken,

bisweilen fast flügelartigen Kiele versehen, an der Mikropylarseite

zugespitzt, die Spitze nach oben gerichtet. Sie sind bis zu halber Höhe

mit der Fruchtschale (Zapfenschuppe) verwachsen, oben frei. Succedane

Querschnitte lehren, daß die Samen an der Basis der Frucht vollkommen

ringsum, in der Mitte nur außen und oben gar nicht untereinander und

mit dem Fruchtblatte verwachsen sind und die Fruchtblätter unten

vollkommen, in der Mitte nur an den Rändern, ganz oben gar nicht

miteinander verwachsen sind. Sie tragen, in die Testa eingesenkt, an

der Basis der Bauchseite 1-2, an der Rückenseite 2-8, meist ungleich

große, blasige, rundlich-elliptische, beim Herauslösen meist an dem

Samen haften bleibende Ölbehälter. Der gerade Embryo ist in Endosperm

eingebettet.

[Illustration: Fig. 18.

_Juniperus communis._ Querschnitt durch den reifen Samen und das

angrenzende Gewebe des Fruchtblattes. Die Nährschicht (4 und 5)

ist bis auf die innere Epidermis (5) obliteriert, ebenso der

Nucellarrest (6, 7). Die Nährschicht dringt an den Ecken (x) in die

Sclereidenschicht der Samenschale (3) ein. End Endosperm, rad Radicula,

scb Sekretbehälter. [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

=Anatomie der Droge.= Die Epidermis der +Fruchtschale+ ist außen

stark verdickt, an den Seitenwänden getüpfelt. Sie enthalten außer

dem großen Zellkern eine braune, körnige, durch Jod gelbbraun,

durch Eisenchlorid grünschwarz, durch Kali goldgelb sich färbende

Masse, die die tief braunschwarze Farbe der Außenseite bedingt. Die

Auffassung (von ~Nestler~), daß die in und auf der Frucht sich sehr

häufig aber nicht immer findenden Fadenpilze [_Aspergillus_ (?),

~Lendner~ fand mindestens drei verschiedene] die Umfärbung der grünen

Beeren in Braunschwarz bedingen, ist nicht richtig. Die die Reifung

begleitende, sehr rasch eintretende, schon ~Theophrast~ bekannte

Farbenänderung wird vielmehr bedingt durch den Sauerstoff der Luft und

die Wirkung von Peroxyden und Peroxydasen auf den Gerbstoff und die

harzartigen Substanzen der Epidermis (~Lendner~). Der Außenwand der

Epidermiszellen ist ein feinkörniger Wachsüberzug aufgelagert, den man

besonders auf den frischen Früchten regelmäßig findet. Spaltöffnungen

finden sich meist nur an der Spitze der Frucht. Gegen den Spalt hin

werden die Epidermiszellen der Innenseite der Fruchtwand papillös und

am Spalt schieben sich die Pupillen zahnartig ineinander. Auf die

Epidermis folgt ein schwach kollenchymatisches Hypoderm von einigen

Zellschichten. Dann wird das Gewebe rasch sehr lückig und reich

durchlüftet. Die großen rundlichen Zellen enthalten einen großen

Zellkern und oft noch Chlorophyllkörner (bei der unreifen Frucht auch

Stärke). Bei Glycerinpräparaten kristallisiert in diesen Zellen oft

Zucker in schönen Tafeln aus. In dieses mürbe Gewebe sind reichlich

große, schizogene Ölbehälter eingebettet, die von elliptischer Form

in der äußeren Fruchtwand 100-150 mik. weit, im inneren Teile der

Fruchtwand eine Weite von 1-2 mm erreichen, also mit bloßem Auge

sichtbar sind. Sie gehören alle zur Fruchtwand, sind aber zum Teil

der Samenschale so fest eingefügt, daß sie beim Herauslösen der Samen

an diesen haften bleiben (Fig. 16). Sie enthalten in der Droge meist

einen hellen, zähen Balsam, bei unreifen Früchten ein farbloses Öl,

bei alten Früchten eine bisweilen kristallinische Harzmasse. Das Öl

verharzt rasch. Bei jüngeren Früchten ist das Sezernierungsepithel und

die resinogene Schicht gut sichtbar. Außerdem findet man in dem Gewebe

einzeln oder zu Gruppen vereinigt zahlreiche leere, bisweilen verbogene

oder verkrümmte +Idioblasten+ (Tonnenzellen ~Moellers~) mit verholzter,

bisweilen etwas verdickter Wand, behöften Tüpfeln oder (seltener)

netzleistenartigen Verdickungen. Man kann dieselben als versprengte,

metamorphosierte Tracheiden eines nicht normal ausgebildeten

Tracheidensaumes oder Transfusionsgewebes betrachten. Sie sind auch im

Pulver durch Anwendung von Phloroglucin-Salzsäure leicht sichtbar zu

machen und finden sich auch an den Gefäßbündeln. Die zarten Gefäßbündel

sind zahlreich. Drei größere, den Mittelrippen der Fruchtblätter

entsprechende sind der Außenwand genähert. Innerhalb derselben finden

sich je sechs in einem nach außen offenen Bogen angeordnete kleinere.

Sie zeigen strahlige Anordnung ihrer Elemente und führen neben einer

Gruppe derber Bastfasern mit meist linksschiefen Tüpfeln zarte

Spiralfasertracheïden von meist nur 7-8 mik. Weite.

Die +Samenschale+ zeigt folgenden Bau (Fig. 18). An den inneren Seiten,

wo die Samen freiliegen, ist die aus der Epidermis des Integumentes

hervorgehende Samenschalepidermis zu sehen. Sie besitzt gegen den

Hohlraum hin verdickte Außenwände. Diese Epidermis löst sich frühzeitig

von der darunter liegenden Schicht ab und ist beim reifen Samen als

zarte Haut oft auf weite Strecken abgetrennt. Unter der Epidermis

folgt eine Reihe parenchymatischer Zellen. Dort, wo der Same mit dem

Fruchtblatte verwachsen ist, geht sein Gewebe ganz allmählich in das

des Fruchtblattes über. Die dritte Schicht der Samenschale ist die

Sklereïdenschicht. Sie besteht aus verschieden stark, besonders in

den inneren Partien der Schale sehr erheblich verdickten und dort

radial gestreckten Sklereïden von verschiedener Gestalt, deren Wand

verholzt und geschichtet ist und die reichliche Tüpfel besitzen.

Im Lumen führen sie oft einen oder mehrere Oxalatkristalle. An die

Sklereïdenschicht schließt sich die +Nährschicht+ an, die beim reifen

Samen meist sehr stark obliteriert ist. Dort, wo der Same scharf

dreikantig ist, dringt die Nährschicht in Form flügelartiger Zapfen in

die Kanten ein. Die innere Epidermis der Nährschicht (innere Epidermis

des Integumentes) obliteriert nicht. Das +Perisperm+ ist bis auf eine

zarte bräunliche, das Endosperm bedeckende Haut resorbiert, die aus

fast ganz obliterierten Zellen besteht. Die Außenwand der Epidermis

besteht aus drei Schichten, einer Stäbchenschicht, einer zapfenartig

in die Zwischenwände vordringenden derben, gelblichen Zwischenschicht

und einer hellen, inneren quellbaren Zelluloseschicht. Die ersten

beiden sind cuticularisiert. Das zartwandige +Endosperm+ enthält Öl

und Aleuronkörner mit Kristalloid und Globoiden. Der innere Rand des

Endosperms besteht aus Quellgewebe. Die gegen die Spitze des Samens

gerichtete gerade +Radicula+ und die beiden plankonvexen +Cotyledonen+

enthalten ebenfalls Öl und Aleuron.

=Lit.= ~A. Meyer~, Wissensch. Drogenkunde (mit Abb.). --

~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas. -- ~Moeller~, Pharmakognosie, 2.

Aufl. u. Nahrungs- u. Genußmittel. -- ~Nestler~, Über d. Vorkommen

von Pilzen in Wachholderbeeren. Ber. d. d. Bot. Ges. 1899. --

~Lendner~, Bull. scienc. pharmacol. 1903. -- Vgl. auch H. ~Mongin~,

Et. anat. de la feuille des Junipérinées Thèse. Paris 1902.

=Pulver.= Im Pulver walten die Parenchymreste und Sklereïdengruppen

vor, sowie Reste der äußeren Epidermis. Auch einzelne Sklereïden

sind zu finden, ferner die Zellen des Transfusionsgewebes (s. oben)

und abgebrochene Papillen der Innenepidermis der Fruchtschale. Im

Ölpräparat findet man die Aleuronkörner.

=Lit.= ~Koch~, Mikrosk. Analys. d. Drogenpulv. IV. Taf. XIII.

=Chemie.= Frische Wachholderbeeren enthalten 7,07% +Invertzucker+

(in der Trockensubstanz 32,88%), keine Saccharose, 6,67% sonstige

stickstofffreie Stoffe, 2,79% +freie Säure+, 0,9% +Stickstoffsubstanz+

und 78,5% +Wasser+ (~König~).

~Donath~ (und ~Franz~) fanden in mährischen Wacholderbeeren: +Zucker+

29,65% (12,62), wachsähnliches +Fett+ 0,64% (0,094), +Harz+ im

Alkoholauszug 1,29% (1,33), +ätherisches Öl+ 0,91% (0,89), +Rohfaser+

15,83% (29,43), +Bitterstoff+ (Juniperin) 1,37% (0,24), +Pektin+

0,73 (1,64), +Ameisensäure+ 1,86% (1,5), +Essigsäure+ 0,94% (0,57),

+Apfelsäure+ 0,21% (0,43). Alte Früchte enthalten auch Buttersäure.

~Behrend~ fand in italienischen Wacholderbeeren: 25,8% Zucker. In ganz

reifen fand ~Franz~ 26,49%, in halbreifen aber nur 8,46% Zucker. Der

amorphe Bitterstoff, das +Juniperin+ von ~Steer~, das sich aus einer

Auflösung des Roob und aus dem Dekokte absetzt, ist schwarz, in viel

Wasser und in Äther löslich. Es soll (nach ~Vogt~) ein Glukotannid (?)

sein oder enthalten. Wahrscheinlich ist auch noch Chlorophyllan darin

(~Tschirch~) und noch anderes. ~Niccolet~ fand ein krist. +Harz+,

welches ~Henry d. J.~ analysierte (C = 75, H = 5%).

Im Durchschnitt liefern italienische Beeren 1-1,5, bayrische 1-1,2,

ungarische 0,8-1% +ätherisches Öl+; ostpreußische, polnische,

thüringische und fränkische Beeren geben 0,6-0,9%, schwedische 0,5%

(~Gildemeister~ und ~Hoffmann~). Je wärmer das Klima, umso höher

also der Ölgehalt (~Mayer~). Die ölärmsten sind die von Trondjem und

Tjelwestat Orebro (Schweden).

Das meist linksdrehende Öl enthält in dem zwischen 155-162° siedenden

Anteile +Pinen+ C₁₀H₁₆ (~Tilden~, ~Wallach~), in der Fraktion

260-275° +Cadinen+ (~Schimmel~). In dem Anteile 162-260° sind die

charakteristisch riechenden Bestandteile enthalten. Ester (~Kremel~)

sind es hier nicht (~Schimmel~). Die Verseifungszahl liegt meist bei

3,3-3,7 und steigt selten auf 7,4 und 16,4 (~Kremel~). Im Nachlauf

fand ~Schimmel~ (1895) einen in Nadeln kristallisierenden Körper vom

Schmelzpunkt 165-166°. Es ist dies wahrscheinlich der schon früher

von ~Buchner~, ~Blanchet~, ~Wandesleben~, ~Zaubzer~ beobachtete

+Wacholdercampher+ (Wacholderstearopten), dem ~Wandesleben~ die Formel

C₆H₁₄O₆ gibt.

Der +Pentosan+gehalt beträgt 5,96-6,07%. Auch +Inosit+ ist

nachgewiesen. Das Wachs, das den Reif der Früchte bildet, besteht

aus +Cerotinsäure- und Palmitinsäure-Myricylalkohol+ neben geringen

Mengen eines einwertigen Alkohols mit niedrigem Molekulargewicht und

Glycerinestern (~Vogt~).

Der wässerige Extrakt soll nicht weniger als 20% betragen (Ph. austr.).

Die Handelsware liefert bisweilen 30-32%.

Der Wacholderbranntwein (Steinhäger, Gin, Genièvre) enthält 42,5-55

Vol.% Alkohol (~Mansfeld~ und ~Franz~ bei ~König~). Über die

Herstellung des Wacholderbranntweins vgl. ~Behrend~, Zeitschr. Spir.

Industr. 1890.

Der +Asche+gehalt der Früchte beträgt meist 3-4,5% und soll 5% nicht

überschreiten (Ph. helv. IV). Die Asche ist grünlich.

Wenn die zerquetschten Beeren, behufs Gewinnung des ätherischen Öles,

mit Dampf destilliert werden, so bleibt in der Blase eine süße Masse.

Sie wird mit heißem Wasser ausgelaugt und im Vakuum eingedickt. Dies

ist der =Succus= oder =Roob juniperi= (Wacholdermuß, Wacholdersalse,

Kaddigmus, Johandelbeersaft, Rob de genièvre). Er riecht kaum nach

Wacholderbeeröl, enthält aber bisweilen so viel Zucker, daß dieser

reichlich auskristallisiert. Die Pharmakopoeen (z. B. die Helvet. IV)

verstehen jedoch unter «Succus juniperi inspissatus» ein aus +nicht+

destillierten Beeren unter nachherigem Zuckerzusatz hergestelltes

Extrakt. Will man ein pektinreiches Extrakt, so muß die Extraktion

unter +gleichzeitigem+ Zuckerzusatz erfolgen (~Tschirch~).

Unreife Wacholderbeeren sind nicht süß und enthalten Stärke, die später

verschwindet (~Aschoff~), sowie reichlich Peroxydasen (~Lendner~). Auch

das ätherische Öl unreifer Früchte ist anders zusammengesetzt wie das

reifer (~Blanchet~ und ~Sell~). Die Pharm. brit. läßt das _Ol. junip._

aus unreifen Beeren destillieren.

=Lit.= ~Steer~, Analys. d. Früchte v. Jun. com. Sitzungsber. Wien.

Akad. XXI und ~Buchn. Repert.~ VI (1857). -- ~König~, Nahrungs- u.

Genußm. IV. Aufl. -- ~Donath~, Jahresber. d. Ph. 1873. Polytechn.

Journ. 1877, Vierteljahrsschr. f. Nahr. u. Genußm. 1892. -- ~Franz~,

Ebenda. -- ~Ritthausen~, Landw. Versuchsstat. 1877. -- ~Behrend~,

Chem. Zeit. 1890. -- ~Vogt~, Dissert. Erlangen 1889. -- ~Niccolet~,

Journ. d. pharm. 17 (1831). -- Asche bei ~Hauke~, Zeitschr. d.

österr. Apoth. Ver. 1902.

~Gildemeister~ und ~Hoffmann~, Äther. Öle. -- ~Wandesleben~, Jahresb.

d. Chem. 1861. -- ~Zaubzer~, Rep. Pharm. 22. -- ~Tilden~, Jahresb. d.

Ph. 1877. -- ~Wallach~, Lieb. Ann. 227 (1885). -- ~Kremel~, Pharm.

Post 1888. -- ~Schimmel~, Berichte 1887, 1890, 1895. -- ~Mayer~,

Prager Rundschau 1884. -- Ältere Lit. in ~Schwartzes~ Tabellen

und ~Gmelins~ Handb. d. Organ. Chem. V (1858). Die Ausbeute an Öl

ermittelten bereits ~Cartheuser~ (I, S. 962) und ~Spielmann~ (I, S.

965). Das Öl untersuchten auch ~Buchner~ (Repert. 1825), ~Blanchet~

(Lieb. Ann. 1833), ~Dumas~ (ebenda 1835), ~Soubeiran et Capitaine~

(ebenda 1840).

=Geschmack.= Die Wacholderbeere schmeckt eigenartig gewürzhaft,

süß mit etwas bitterlichem Beigeschmack.

=Verwechslungen.= _Juniperus Oxycedrus_ L. (im Mittelmeergebiete bis

Kaukasien) hat größere (bis 12 mm), glänzend braunrote Beeren. _J.

macrocarpa_ ~Sibth.~ (auch im Mittelmeergebiete) hat noch größere

Früchte (12-15 mm). _J. phoenicea_ L., zur Sectio Sabina gehörig (in

Südeuropa und dem Orient), hat rote glänzende Beeren von 8-14 mm

Durchmesser (das _Herb. Sabinae_ der französischen Apotheken stammt

oft von dieser Pflanze. ~Collin~). _J. Sabina_ L. hat schwarze,

blau bereifte Beeren von 6-8 mm Durchmesser. _J. virginiana_ L. hat

dunkelpurpurne Beeren.

Die Früchte von _Juniperus macrocarpa_ ~Sibthorp~, die die Größe einer

Kirsche erreichen, sind sehr süß. Noch besser schmecken die Früchte

von _Junip. californica_, die von den südkalifornischen Indianern in

großen Mengen gegessen werden (Am. journ. ph. 1878). Nur die Beeren von

_Juniperus Sabina_ sind als Beimischung in Wacholderbeeren wirklich

beobachtet worden (~Tschirch~). Die roten Beeren der _Phoenicea_ sind

leicht kenntlich.

=Anwendung.= Seit alter Zeit gilt Wacholder beim Volke als ein

souveränes Universalmittel gegen Wassersucht (wie der Holunder). Wie

hoch er geschätzt wurde, zeigt der folgende alte Vers:

Vor Hollerstaud’n und Kranawitt’n

Ruck’ i mein Huat und noag (= neige) mi bis halbe Mitt’n.

Auch beim Übertragen der Krankheiten der Pflanzen spielte ehedem der

«Herr Wacholder» oder «Frau Kranewitt» eine Rolle (I, S. 1008).

Um Hexen abzuwehren, werden kleine Kinder noch jetzt über Feuer

gehalten, in denen man Wacholderbeeren verbrennt. Wacholderräucherungen

galten auch als ein wirksames Mittel gegen die Pest:

In den gassen und ringen

Ettlich hundert Fewer prinnen

Von kranwitholz weyrauch darzu,

Damit der lufft sich raynigen thu.

(~Schmeltzl~ 1548.)

Jetzt ist die medizinische Anwendung der Beeren gering. Sie werden

benutzt zu Teemischungen und Räucherungen, zu Bädern und Kräuterkissen,

zum Genever (s. oben), in der Tierheilkunde zu Kropfpulvern und als

Diureticum (~Gmeiner~).

Extrahiertes Wacholderbeerenpulver, wohl aus der Öldestillation

stammend, ist als Verfälschungsmittel des _Pfeffer_ beobachtet worden

(~Spaeth~). Es wurde in Posten zu 300 Ztr. im Handel angeboten

(~Waage~).

Der serbische Schnaps +Wodnijika+ wird durch Vergärenlassen von

Wacholderbeeren mit Senf und Meerrettich gewonnen (I, S. 1018).

=Lit.= ~Gmeiner~, Pharm. Zeit. 1906. -- ~Spaeth~, Forschungsber. I

1893. -- ~Waage~, Verunrein. von Drogen. Ber. d. pharm. Ges. 1893.

=Geschichte.= Der _Wacholder_ wurde im Altertum zu Räucherungen

benutzt (wie auch heute noch), aber es handelte sich dabei wohl

mehr um _Juniperus Oxycedrus_ und _phoenicea_, die auch im

südlichen Mittelmeergebiet vorkommen. Diese sind wohl auch in der

+Bibel+ (Hiob 35, 4; Könige 19, 4) gemeint. Samen und Beeren von

_Juniperus phoenicea_ (+hierogl.+ prt šn, pershou -- der Baum

hieß in Ägypten ouôn, aoun, annou, arou, arlou --) sind mehrfach

in Ägypten gefunden worden (~Schweinfurth~, vgl. auch I, S. 462).

In zahlreichen Rezepten des Papyrus ~Ebers~ werden Beeren von

_Juniperus phoenic._ aufgeführt. _Juniperus_ hieß in Ägypten

«syrisches Holz», da es aus Syrien eingeführt wurde. Die Vorschrift

zu dem berühmten Räuchermittel Kyphi (I, S. 473) enthielt die

Früchte dieser Pflanze, die bei ~Theophrast~ (I, S. 547) θυία ἄγριον

ἀείφυλλον heißt. ~Dioskurides~ erwähnt zwei Arten _Juniperus_:

ἄρκευθος μεγάλη (= _Junip. phoenicea_ oder _macrocarpa_?) und ἄ.

μικρά (= _Junip. communis_ [nach ~Daubeny~ I, S. 559] ἄρκευθις

nach ~Kanngiesser~ soviel wie «verfluchter Strauch» -- wegen der

stachligen Blätter). Als Synonyme sind bei ~Dioskurides~ in [] (vgl.

I, S. 471) Mnesitheon, Akatalis, Zuorinsipet (so bei den Afrikanern

= Karthagern), Libium (bei den Ägyptern), Juniperus (bei den Römern,

z. B. bei ~Plinius~), Joupikelluson (bei den Galliern) genannt. Auch

~Hippocrates~ (I, S. 541) verwendete ἄρκευθος (wohl _Junip. comm._)

neben κέδρος (_Junip. oxycedrus_). Bei den späteren Griechen finden

sich für _Jun. commun._ die Bezeichnungen κατζαραία, κατζούρον,

κατζαρία; für _J. phoenic._: κέντρος, κένδρος. Bei ~Ibn Baithar~

heißt der Wacholder ar’ar. Bei ~Scribonius~ findet sich _Juniperus_

(I, S. 577), ebenso bei ~Marcellus~ (I, S. 590) (hier _Juniperum

hispanum_). Wacholderbeeren stehen auch in ~Meddygon Myddfai~ (I,

S. 683), in der Alphita (s. oben), in Circa instans (I, S. 635), im

Medicus hortus pauperum des ~Mizaldus~ (I, S. 859), und bei ~Cordus~

(I, S. 799). ~Actuarius~ (I, S. 857) unterscheidet _Baccae minoris

Juniperi_ (_J. comm._) und _B. majoris Juniperi_ (_J. phoenic._?).

Den Rob führten die Araber des Mittelalters in die Medizin ein. Das

destillierte Wacholderbeerenöl wird erwähnt in ~Saladins~ Compendium

aromatariorum 1488, bei ~Ryff~ (I, S. 875), ~Cordus~ (I, S. 801), in

~Schnellenbergs~ Arzneybuch. Königsberg 1556, in ~Flaccus~, Estimatio

materiae medicae. Berol. 1574, in dem Frankfurter Catalogus von 1582

(I. S. 817), bei ~van Helmont~ (Ortus medicinae 1648) u. and. In

dem Braunschweiger Register 1521 (I, S. 814) steht _Ol. de granis

juniperi_ neben _Ol. junypery._ Bei ~Otho Cremonensis~ findet sich

Classa (_Resina juniperi_).

=Lit.= ~Buschan~, Vorgeschichtliche Botanik. 1895. -- ~Schweinfurth~,

Die letzt. botan. Entdeck. -- ~Unger~, Streifzüge etc. --

~Gildemeister-Hoffmann~, Ätherische Öle.

Fructus Sambuci.

=Syn.= Baccae Sambuci, Holunder-, Holler-, Holder-, Aalhorn-, Elder-,

Elhorn-, Schipken-, Fliederbeeren, Hutscheln, -- Grana aktes im

Mittelalter, -- im Gothaer Arzneibuch: vleder, -- in den mittelengl.

Medizinbüchern (I, S. 683): hyldre. -- Baies de Sureau (franz.) --

Black elder fruit (engl.) -- Sambuco (ital.) -- Vliervrucht (holl.).

-- Selja puun marja (finn.) -- Bodza bogyó (russ.) -- καρπός ἀκτῆς

(n.-griech.).

Bei ~Dioskurides~, ~Hippokrates~, ~Theophrast~, ~Galen~: ἀκτή, auch

wohl ἄκεα, ἄκτεος. Nach ~Diosk.~ bei den Galliern: skobien, den

Dakiern: seba. Bei den Arabern des Mittelalters (~Rhazes~, ~Ibn

Baithar~): aktha (chamân, sabukat), in Japan: set-kotz-mo-kah.

=Etym.= +Sambucus+ wohl vom +äol+. σάμβυξ oder σάνδυξ (= roter

Farbstoff oder zum Rotfärben dienende Pflanze; nach dem Saft der

Beeren). Die Ableitung vom persischen sambuca (einem dreieckigen

Saiteninstrument), scheint mir zweifelhaft (zufälliger Gleichklang?).

Im Mittelalter auch Riscus, Ruscus. -- Holunder (besser wie

Hollunder) wohl von hohl (wegen des hohlen Markes) und tar, ter =

Baum (~Perger~: holantar, engl. the hollowtree, der hohle Baum,

hohl-ter) oder nach der Göttin ~Holla~ (~Freya~), der der Baum

geweiht war, oder von halt (= brechen, holder also Brechholz, wegen

der Zerbrechlichkeit des Holzes), ahd. holuntar, holenter, +mhd.+

holar, ellaer, holunder, holder, +mnd.+ holdern. Er hat uralte

Kultbeziehungen (vgl. das Kap. Pharmakoethnologie I, S. 1008 u.

1009) -- +Elder+ von +ags+. eller, ellarn = anzünden, weil durch

die ausgehöhlten Zweige das Feuer angeblasen wurde (~Kanngiesser~).

Nach ~Grassmann~ hat Eller und Hollunder die gleiche Wurzel al,

gotisch alan (= wachsen, sich erheben). Weitere Volksnamen bei

~Pritzel-Jessen~. Die befremdende Bezeichnung Ahornbeeren ist aus

Aalhornbeeren korrumpiert, dies aus ellarn (s. oben). Wie es kam,

daß der Name Flieder auch auf die Syringe übertragen wurde, ist

unbekannt. Flieder ist der niederdeutsche Name von _Sambucus nigra_.

Er stammt wohl von fleder (= flattern).

=Stammpflanze.= =Sambucus nigra= L., (~Linné~, Spec. plant. ed. I,

269). +Caprifoliaceae+, Sambuceae, Sect. Eusambucus.

Der schwarze Holunder ist ein Strauch oder Baum von bis 6 m Höhe mit

borkiger Rinde, dekussierten Ästen, die im Jugendstadium rund, grün und

von Lentizellen bedeckt sind. Ältere Äste enthalten ein großes Mark,

das sich leicht in toto herauslösen läßt und dann das bei Herstellung

mikroskopischer Schnitte vielbenutzte +Holundermark+ bildet. In den

Gärten finden sich viele Spielarten, die durch die Teilung der Blätter,

ganze oder teilweise Panachirung oder Chlorose sich unterscheiden

(laciniata, argentea, aurea, virescens, monstrosa) oder weiße Früchte

besitzen (leucocarpa).

Die Pflanze ist fast durch ganz Europa bis Taurien und Kaukasien

verbreitet -- auch vielfach kultiviert -- und geht in den Alpen weit

hinauf, bleibt aber meist den Hütten benachbart. Selten sieht man dort

und auch im Tal Hollunder frei. Er lehnt sich gern an die Hauswand oder

sucht doch deren Nähe.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 7 / 120 段