110688, 1907: 114342, 1908: 99537. Von der Einfuhr 1908 stammte das
meiste (67055 dz) aus Kleinasien und Spanien (24382 dz). Beträchtlich
war auch noch die Zufuhr aus der europäischen Türkei (3031) und
Persien, geringer die aus den russischen Häfen am Schwarzen und
Asowschen Meer, aus Griechenland und den Jonischen Inseln, Syrien,
Italien, Frankreich, Chile, Australien. +Deutschland+ importierte
1909: 184665 dz +Rosinen+.
2. =Passulae minores=, Uvae corinthiacae -- Kleine Rosinen, Korinthen
-- Raisins de Corinthe -- Currants -- von =Vitis vinifera var.
apyrena= L.
Die etwa erbsengroßen, kernlosen Korinthen kommen aus Griechenland,
besonders von den Jonischen Inseln (z. B. Zante), dann auch von
Morea. Patras im Peloponnes ist der größte Korinthenhafen. Sie bilden
einen Hauptexportartikel Griechenlands und kommen meist in Kisten in
den Handel (Fig. 15).
Die Korinthen enthalten im Fruchtfleisch reichlich
Weinsteinkristalle. Der rote Farbstoff ist auf die peripherischen
Zellschichten beschränkt.
[Illustration: Fig. 15.
Beginn der Verschiffung der Korinthenkisten (10.-15 August). [Aus Les
grandes cultures.]]
Sie enthalten im Mittel c. 62% +Invertzucker+ und zwar 31-36%
+Lävulose+ und 25-30% +Dextrose+; im Mittel 1,52% freie Säure (auf
Weinsäure bezogen) und 0,4% +Apfelsäure+, sowie im Mittel 2,61%
+Weinstein+, etwas Borsäure (~Norton~) und 1,84% Asche.
+Griechenland+, das Hauptproduktionsland von Korinthen, wohin die
Rosinentraube ungefähr um das Jahr 1600 kam, produzierte 1907:
288300000, 1908: 328500000 venezian. Liter Korinthen (σταφίς) und
exportierte 1907: 247238809, 1908: 201333485 venez. Liter. Viel
geringer war der Export von Rosinen (Sultaninen, s. oben). Er betrug
1907: 733433, 1908: 15207440 venez. Liter (~Emmanuel~). Ein venez.
Liter ist = 480 g.
Die Einfuhr von Korinthen in Hamburg betrug seewärts in dz 1906:
80728, 1907: 89682, 1908: 65839. Von der Einfuhr 1908 stammte
das meiste (64291 dz) von Griechenland und den Jonischen Inseln.
Geringere Mengen kamen von Kleinasien, Italien, Algier. +Deutschland+
importierte 1909: 158604 dz +Korinthen+.
=Pathologie.= Prof. ~Ed. Fischer~ berichtet über die Schädlinge:
Bei der großen Bedeutung, welche der Weinrebe als Kulturpflanze
zukommt, ist naturgemäß auch ihren Schädlingen eine ganz spezielle
Aufmerksamkeit geschenkt worden. Die Zahl der auf _Vitis vinifera_
nachgewiesenen Parasiten ist daher auch eine besonders große. Wir
greifen im folgenden, besonders nach ~Sorauer~s Handbuch der
Pflanzenkrankheiten, Editio 3., nur einige der allerwichtigsten
heraus und beschränken uns auf solche, die auch auf die Beeren
übergehen. Im übrigen verweisen wir auf die phytopathologische
Literatur, speziell auch auf ~Viala~, Les maladies de la Vigne und
~Semler~, Tropische Agrikultur.
_Plasmopara viticola_ (~Berk.~ et ~Curt.~), ~Berl.~ et ~de Toni.~,
ruft auf der Weinrebe die unter dem Namen «+falscher Mehltau+» oder
«+Mildew+» bekannte Krankheit hervor, die in einer Verfärbung und im
Absterben der Blätter besteht, was auch ein Kleinbleiben der Beeren
infolge von Nahrungsmangel nach sich ziehen kann. Der Pilz kann aber
auch Blüten und jüngere Früchte befallen und bringt letztere zum
Verschrumpfen und Abfallen. Bekämpft wird diese Krankheit besonders
mit der Bordeauxbrühe (vgl. ~Tschirch~, Das Kupfer vom Standpunkt der
Hygiene. Stuttgart 1893).
_Uncinula necator_ (~Schwein.~) ~Burr.~ (_U. spiralis_ ~Berk.~ et
~Curt.~), eine Erysiphacee, entwickelt ihr Mycelium auf den Blättern
ganz epiphytisch, bloß Haustorien in die Oberhautzellen entsendend.
Es sieht daher aus wie ein spinnwebeartiger Überzug, der dann infolge
der Conidienbildung mehlig bestäubt erscheint. Diese Conidienform des
Pilzes ist längst unter dem Namen _Oidium Tuckeri_ bekannt und die
Krankheit wird daher kurzweg +Oidium+ oder +echter Mehltau der Rebe+
genannt. Besonders verderblich wird sie dadurch, daß der Pilz auch
auf die jungen Beeren übergeht, die klein bleiben, Risse bekommen
und zugrunde gehen. Erfolgreich bekämpft wird diese Krankheit durch
Aufstäuben von Schwefelblumen.
_Guignardia Bidwellii_ (~Ell.~) ~Viala~ et ~Rawaz~, besonders in der
Pyknidenform (_Phoma uvicola_ ~Berk.~ et ~Curt.~) bekannt, ruft die
sog. Schwarzfäule (Black-rot) der Trauben hervor, bei der die Beeren
mißfarbige, später braune Flecken erhalten, dann verschrumpfen und
vertrocknen.
_Charrinia Diplodiella_ (~Speg.~) ~Viala~ et ~Rawaz~, mit ihrer
Pyknidenform _Coniothyrium Diplodiella_ (~Speg.~) ~Sacc.~, wie die
vorige ein Pyrenomycet, ist der Erreger der +Weißfäule+ (White-rot).
Die Beeren nehmen dabei erst eine grauweiße Farbe an und trocknen
schließlich ebenfalls ein.
_Botrytis cinerea_ ~Pers.~, ein grauer Schimmel, wird als
Conidienform des Discomyceten _Sclerotinia Fuckeliana_ angesehen. Auf
reifen Beeren auftretend ruft er die sog. +Edelfäule+, auf unreifen
die +Sauerfäule+ hervor. Fäulniserscheinungen der Beeren können
übrigens auch durch _Penicillium_ hervorgerufen werden.
_Gloeosporium ampelophagum_ (~Pass.~) ~Sacc.~ (_Sphaceloma ampelinum_
~de By.~), eine «Imperfecte», ist der Erreger des +Schwarzen
Brenners+ oder der +Anthraknose+, die auf allen Teilen des
Weinstockes auftritt und auch die Beeren befällt. Letztere erhalten
braune Flecken, schrumpfen und vertrocknen.
_Melanconium fuligineum_ (~Scrib.~ et ~Viala~) ~Cav.~, ebenfalls eine
Imperfekte, ruft ein Verschrumpfen der Beeren hervor, das unter dem
Namen «+Bitterrot+» bekannt ist.
=Schädlinge.= Häufig finden sich in älteren Rosinen und Korinthen
Milben, besonders _Carpoglyphus passularum_ (~Israel~).
=Anwendung.= _Passulae_ gehören zu den Früchten der Spec. pectoral.
cum fructibus. Abführkorinthen (_passulae laxativae_) werden durch
Einquellen von Korinthen in Wiener Trank und Trocknen bereitet.
Früher wurden auch die Weinranken (_Pampini vitis_) und der Saft
(_Omphacium_) vor der Reife gesammelter Weinbeeren (_Agresta_)
benutzt. Die Pharmazie benutzt meist Valenciarosinen (~Hanbury~).
Gemahlene Traubenkerne sind als Kaffeefälschung beobachtet worden.
Der eingedickte Traubensaft heißt bei ~Ibn Baithar~ thilâ (so
auch bei ~Galen~). Frischer Traubenmost wurde schon von den Alten
als Versüßungsmittel benutzt und +Traubenzucker+ stellten schon
die Araber aus eingedicktem Traubensaft dar (~Ibn al Awam~,
~Ibn Batuta~). Sie wußten bereits, daß er sich von Rohrzucker
unterscheide. Er findet sich auch bei ~Pegolotti~, ~Olivier de
Serres~ (1600), ~Glauber~ und ~Juncker~ (Conspectus chemiae 1730).
~Glauber~ stellte 1660 aus Most, Rosinen, Kirschen und Birnen
körnig-kristallinischen Traubenzucker dar (I, S. 883). Rein
erhielt ihn ~Marggraf~ (I, S. 964). Zur Zeit der Kontinentalsperre
bestanden in Frankreich Traubenzuckerfabriken, die aber eingingen,
als ~Kirchhoff~ 1811 die Darstellung des Stärkezuckersirups (Sirop
impondérable, Capillairsyrup) entdeckte (~von Lippmann~).
=Geschichte.= Die Heimat der Kultur des Weinstockes ist wohl in der
Nähe des Caspimeeres, am Oxus und Jaxartes und südlich vom Kaukasus
zu suchen. Von dort haben sie vielleicht die Ursemiten nach Westen
gebracht, zunächst wohl nach Palästina, Syrien, Phönikien, Babylonien
und Ägypten. ~Schrader~ hält aber nicht die Semiten für die Erfinder
der Weinkultur, sondern indogermanische Stämme des westlichen
Kleinasiens. Er leitet οἶνος (Wein) von dem indogermanischen voino,
vino (= Ranke) ab. Das Wort Wein ist auch indogermanisch und stammt,
wie vitis, von dem urindogermanischen uei = sich winden, bezeichnete
also zunächst die Rebe (~Hoops~). Die Phönikier brachten die
Weinkultur dann nach Massilia (Marseille), von dort kam sie nach
Spanien. Die Römer brachten sie nach dem Norden. In Afrika baut
Tunis und Algerien sowie das Capland Wein. Auch Australien ist jetzt
Weinland geworden, ebenso China. In Amerika baut Chili, Argentinien,
Peru, Bolivien, Brasilien, Uruguay, Mexiko, ferner Florida, Virginien
und Kalifornien Wein. In prähistorischen Tuffsteinablagerungen von
Montpellier finden sich Weinblätter (~Planchon~), in Pfahlbauresten
Weinbeerensamen (Heer). Wild findet sich _Vitis vinifera_ noch
jetzt da und dort in Spanien, so daß anzunehmen ist, daß sie über
ganz Europa verbreitet war. In Pfahlbauten der neolithischen und
Bronze-Periode sind Traubenkerne oft gefunden worden (Verzeichnis
bei ~Buschan~). Schon auf ägyptischen Denkmälern aus der Zeit der
V. Dynastie (um 3500 n. Chr.) finden wir Darstellungen von Anbau
und Pflege des Weinstockes und Bereitung des Weines. Er hieß dort
arp. Die alten Ägypter kannten acht Weinsorten. Der Weinstock muß in
prähistorischer Zeit nach Ägypten gebracht worden sein. Ebenso findet
er sich auf vielen babylonischen Denkmälern (I, S. 481, 483). Auch in
uralten griechischen Gräbern finden sich Darstellungen der Weinernte.
Auf dem Schilde des ~Achill~ wird die Traubenlese geschildert. Kreta,
das Eldorado der antiken Heilpflanzenkultur, war in früher Zeit
auch ein wichtiges Weinland, da das +damalige+ Klima Italiens der
Weinkultur nicht eben hold war (~Buschan~). Die Weinberge von Burgund
und Bordeaux bestanden schon zu ~Strabos~ Zeit, die an der Mosel und
am rechten Rheinufer im II. bzw. III. Jahrh. (~Hoops~).
Bereits die alten Ägypter trockneten die Weinbeeren und bereiteten
Rosinen. Man fand solche -- es war besonders _Vitis vinifera
var. monopyrena_ -- unter den ägyptischen Grabbeigaben (~Braun~,
~Schweinfurth~). Rosinen (inekuun -- Körner) sind ein Bestandteil
des Kyphi (I, S. 473). Die Rosinen werden auch in der Bibel erwähnt
(in Jesaias und Jeremias), sogar bereits kernlose Beeren (sorek).
Im Edikt ~Diocletians~ (I, S. 570) stehen «ubae passae fabriles
et maximae». Im Mittelalter waren Rosinen nördlich der Alpen ein
Luxusartikel. In den mittelalterlichen Heilmittellisten, der Alphita
(I, S. 655), bei ~Platearius~, ~Serapion~ und in den Synonoma
~Bartholomei~ stehen passulae, uva passa, haineb, uva çibib. Rosinen
(pansa) finden sich auch im Zollbuch von Barcelona c. 1430 (I,
S. 705), die Danziger Liste von 1410 (I, S. 811) führt sie als
Einfuhrartikel von Lissabon auf. _Passulae enucleatae_ stehen im
Nördlinger Register (I, S. 813). Bei ~Cordus~ (I, S. 801) finden sich
_passulae enucleatae_ und _mucilago_ sowie _p. laxativae_ (s. oben).
Traubenbeeren finden sich auch im Pen ts’ao kang mu als Heilmittel.
=Lit.= ~Delitzsch~, Die Bibel und der Wein. 1885. -- ~Wönig~, Pfl.
d. alt. Ägypt. -- ~Hehn~, Kulturpfl. -- ~Buschan~, Vorgeschichtl.
Botanik. -- ~Rosenmüller~, Biblische Naturgeschichte. -- ~Hoops~,
Waldbäume u. Kulturpflanzen. 1905. -- ~Vogl~, Nahr.- u. Genußm.
1899. -- ~Jos. Moeller~, Mikrosk. d. Nahrungs- u. Genußm. (dort
weitere Literatur). -- ~T. F. Hanausek~, Nahrungs- u. Genußm. 1884.
-- ~Villiers et Collin~, Traité d. altérat. et falsif. 1900. --
~Howard~, Microsc. exam. of fruits. U. S. Agric. Dep. Bull. 66. --
~Lampe~, Bau u. Entw. saftiger Früchte. Zeitschr. f. Naturw. 1886.
-- ~Schuler~, Stud. über d. Bau u. d. Zusammens. d. Traubenbeere.
Weinlaube 1880. -- ~König~, Nahrungsm. (dort die chem. Lit.). --
~Fitz~, Ber. d. chem. Ges. 1871. -- Man vergleiche auch die Literatur
der Unters. d. Nahrungs- u. Genußm. -- Über die Rosinenbereitung vgl.
auch ~Semler~, Trop. Agrikultur.
δ) Zu Roobs oder Pulpen verarbeitete Früchte.
Hierher gehören die _Wacholderbeeren_, die _Fliederbeeren_, die
_Pflaumen_, _Jujuben_, _Sebesten_ und die _Blaubeeren_, von denen seit
der Zeit der Araber Roobs (Robs, Rubbs, I, S. 1062) bereitet wurden,
aber nicht immer in arzneilicher Benutzung waren. Bei ~Cordus~ (I,
S. 796) stehen auch noch folgende Roobs: R. de Ribes, de Berberis,
Nucum, Diamorum, Cerasorum, Diamarenatum; in der Prager Taxe 1659:
Roob Myrobalanorum; bei ~Cordus~ unter den Lenitiva et solutiva auch:
Medulla sive Pulpa prunorum.
Fructus Juniperi.
=Syn.= Baccae Juniperi, Galbuli juniperi, Wacholderbeeren, Jachandel-,
Johandel-, Kuddig-, Kattick-, Kranewitt-, Enebeer-, Reckholder-,
Knirk-Beeren, -- Baies de genièvre (franz.) -- Juniper berries (engl.)
-- Bacca di ginepro (ital.) -- Jenever bes (holl.) -- Katajan marja
(finn.) -- boróka bogyó (ung.) -- ἀρκευθίς (griech.).
In der +Alphita+ und den +Sinonoma+ (I, S. 650): geneure, gost,
quikentre, grana juniperi, uva et semen. Bei der ~Hildegard~: cedrus
und Wacholder, bei ~Albertus Magnus~ (I, S. 674): Juniperus, in den
mittelenglischen Medizinbüchern (I, S. 683): tribulus. Weitere siehe
unten unter Etym. und bei ~Kanngiesser~.
=Etym.= +Wacholder+ (~Kluge~ schreibt Wachholder, beide
Schreibweisen sind zulässig) von wach = lebendig (hier = immergrün)
und +ahd.+ trâ (engl. tree) ter, tar = Baum; das ol ist eine
Ableitungsendung. +ahd.+ Wecholter oder Wachholtern (zugrunde liegt
das Wort wëhhalturia oder wëhhaltar), +mhd.+ auch Queckholter
(Norddeutschland), von queck = lebendig (hier = immergrün),
+angels.+ quicbeam; Wachholder auch vielfach entstellt in weckholter
(~Brunschwig~, ~Bock~), wecheltürre, weckelder, wachhilter. Bei
~Hildegard~ auch: wachelterboum, bei ~Meggenberg~: wechalter, im
+Ortus sanitatis+ und bei ~Cordus~: weckholder. Im +mnd.+ wachandel.
Im Gothaischen Arzneibuch (I, S. 681): wachandelenbere. Daraus im
Niederdeutschen: machandel (Ostfriesland) -- Jachandel (oberschles.)
aus jach = munter (hier = immergrün) -- Rechholder (~Cordus~),
Reckholder (in der Schweiz) aus reck = regsam (= queck und jach,
s. oben) -- +kattick+, kaddie, katachu vom +altslav.+ kaditi =
räuchern -- +kranwit+ (bei ~Meggenberg~) kranawit, kranetwit
kraewet, kranawet (Österreich), sogar kranat aus +ahd.+ chrana (=
Beere, unwahrscheinlicher aus kran = Kranich oder grôni = grün) und
witu (= Holz) -- +knirk+ aus knick (= Hecke, niedriges Gesträuch,
~Kanngiesser~). Im Würzburger Rezept (I, S. 624) steht: aitiolidus =
chraneuuito. Der Wacholder besitzt zahllose Volksnamen.
=Lit.= ~Pritzel~ und ~Jessen~, Volksnamen. -- ~Kanngiesser~,
Etymologie. -- ~Perger~, Studien über die deutschen Namen der in
Deutschland heimischen Pflanzen. Denkschr. d. Wiener Akademie. 1860.
=Stammpflanze.= =Juniperus communis= L. (~Linné~, Spec. plant. ed. I,
1040).
=Etym.= Die Ableitung von _Juniperus_ ist zweifelhaft. ~Isidor.
Hispal.~ (I, S. 592) glaubt, daß in _Juniperus_ der Begriff πῦρ =
Feuer enthalten sei (nach der Form des Strauches oder weil das Holz
das Feuer lange unterhält). Andere leiten es von iunix (= Kuh) und
parere (= gebären) ab oder bringen es gar mit juvenis und parere
(um die Benutzung von _Juniperus_arten als Abortiva anzudeuten) in
Verbindung, noch andere mit dem keltischen Worte jeneprus = rauh.
~Kanngiesser~ bezeichnet die Ableitung ~Boerhaaves~ von junior und
pario («da die jüngeren grünen Früchte gezeitigt werden, während die
alten schwarzen noch am Strauche hängen») als die wahrscheinlichste.
Aus _Juniperus_ entstand dann genévrier (franz.), enebro (span.),
genepro (ital.), zimbro (port.), ferner jenever.
=Systemat. Stellung.= +Coniferae+, Pinoideae, Cupressineae, Cupressinae
(Sectio Oxycedrus). Über die sonst benutzten Arten der Gattung
_Juniperus_ vgl. ~Tschirch~, Art. Juniperus in Realenzykl. d. Ges.
Pharm. VII, 178.
Die Arten der +Gattung+ _Juniperus_ bilden Bäume oder Sträucher mit
in alternierenden, zwei- oder dreigliedrigen Wirteln angeordneten
Nadeln oder Schuppen und diöcischen oder monöcischen Blüten (Fig.
16). Die männlichen Blüten werden von an der Basis von Staubblättern
inserierten Pollensäcken gebildet, die weiblichen bilden einen kleinen
armgliedrigen Zapfen. Die Zapfenschuppen des weiblichen Blütenstandes
entstehen durch vollständige Verwachsung der Deck- und Fruchtblätter
und erzeugen so einen beerenartigen Zapfen (Beerenzapfen, Galbulus,
Scheinbeere), der die 1-3 (selten 4-8) Samen einschließt. Pollen ohne
Exineblasen. Ovula frei, nicht in einen Fruchtknoten eingeschlossen
(gymnosperm, nacktsamig), aufrecht, Integument krugförmig, an der
Spitze offen. Zwei Cotyledonen. Bei der Sectio Oxycedrus sind die
Nadelquirle dreizählig. Der Harzbehälter der Nadel (der +nicht+ fehlt
wie die Systematiker vielfach behaupten) wölbt sich nach außen nicht
vor (wie bei _Sabina_). Fruchtschuppen mit nur einer seitlichen Blüte.
Zapfenschuppen in 1-3gliedrigen Wirteln, von denen nur der obere
fruchtbar ist.
=Vorkommen und Verbreitung.= _Juniperus communis_ L. ist ein durch ganz
Europa bis zum äußersten Norden (Nordkap, Länder um die Hudsonsbai),
sowie durch Mittel- und Nord-Asien auf offenen Heiden und in Wäldern
als Unterholz verbreiteter, an den Seeküsten Bestand bildender, bis in
die subalpine Region der Gebirge (im West-Himalaya bis über 4000 m)
vordringender, in den Tropen und Subtropen fehlender, aber z. B. in
Nord-Italien häufiger, selten geselliger (Lüneburger Heide, Ostpreußen,
Ungarn) und dann einen bestimmten Vegetationscharakter (s. unten)
bedingender Strauch von niedrigem Wuchs, der aber auch höher (bis 3 m)
wird und dann pyramidale Umrisse zeigt, oder gar baumartig (bis 12 m),
und dann cypressenähnlich wird (z. B. jenseits der Alpen, in Norwegen).
In Ungarn bilden Wacholdersträuche oft undurchdringliche Dickichte.
Im Gebirge wird er, besonders auf Torfgrund, bisweilen humifus und
die Nadeln breiter und wenig stechend (Sierra Nevada bei 2600 m, auf
der Balkanhalbinsel, in Südsibirien). Solche niederliegende, in den
Hochalpen, in Schottland, Skandinavien, Nowaja Semlja und Grönland
vorkommende Formen werden wohl als _Juniperus nana_ ~Willd.~ (_J.
alpina_ ~Gaud.~, _J. prostrata_ ~Hort.~) oder _Juniperus sibirica_
~Burgsdorf~ unterschieden, aber auch als gute Arten betrachtet. Aus der
Ferne erscheinen diese meist isolierten niedrigen Büsche, die übrigens
oft reiche Fruchtbildung zeigen, fast wie eine Herde Schafe (ähnlich
den vegetable sheeps Neuseelands). Besonders der Kalk scheint den Wuchs
zu hemmen (vgl. ~Körnicke~ und ~Roth~ in ~Karsten~ und ~Schenck~,
Vegetationsbilder, 5. Reihe, Heft 1 und 2).
[Illustration: Fig. 16.
_Juniperus communis_ L.
a, b, c, ♂ männliche, e, f, ♀ weibliche Infloreszenz, d Pollen, g
Querschnitt durch f, i, k Samen. [Nach ~Berg-Schmidt~.]]
_Wacholder_, jetzt neben der _Kiefer_ das weitverbreitetste Nadelholz
Europas, muß schon in altgermanischer Zeit in ganz Deutschland
gewachsen sein (~Hoops~).
=Beschreibung der Stammpflanze.= Die anfangs glatte Rinde wird schon
beim zweijährigen Sproß braun und von ihr lösen sich dann oft Schuppen
und Bänder ab. Die jüngeren Internodien sind mehr oder weniger deutlich
dreikantig. Die linear-pfriemlichen, abstehenden, linealen, starren,
mit einer scharfen Stachelspitze versehenen, oberseits flachrinnigen
Nadeln stehen in alternierenden, dreigliedrigen, genäherten Quirlen.
Die Blüten stehen in den Achseln vorjähriger Blätter an kurzen
Seitensprossen. Die männlichen sind fast sitzend, klein (3-4 mm),
eikugelig bis oblong eiförmig. Bei den weiblichen ragen die drei
aufrechten Ovula aus der ziegeldachartigen Hülle frei hervor, behüllt
mit drei mit ihnen scheinbar alternierenden Fruchtblättern (Fig. 16).
[Illustration: Fig. 17.
_Juniperus communis._ Entwicklung des Galbulus.
1. Längsschnitt durch ein Zweiglein und die an seiner Spitze sitzenden
Ovula vor der Befruchtung. 2. Dasselbe nach der Befruchtung. Die
Fruchtblätter (hbl I) haben sich verdickt und beginnen um die
Samenanlagen herum zu wachsen. 3. Die Fruchtblätter sind schon fast um
die Samenanlagen herumgewachsen, doch hat sich die terminale Öffnung
noch nicht geschlossen. 4. Die Öffnung ist geschlossen. Die kongenitale
Verwachsung des Integumentes mit dem Fruchtblatte ist deutlich (links).
5. Reifer frischer Beerenzapfen längs durchschnitten. 6. Derselbe, quer
durchschnitten. [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
Die Entwicklungsgeschichte des Galbulus ist folgende (ausführlichere
Angaben bei ~A. Meyer~ und in ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas).
Fruchtbildende Zweiglein findet man bald in der Achsel aller drei
Nadeln, bald nur in der zweier oder einer Nadel des Wirtels. Sie sind
mit bis neun dreizähligen Wirteln kleiner Schuppenblätter besetzt.
An der Spitze des Zweigleins sitzen die drei Ovula, von denen jedes
nur ein Integument besitzt. Der Embryosack (Makrospore) entwickelt
sich erst nach erfolgter Befruchtung (Mai, Juni). Im ersten Jahre
entstehen nur die Embryoanlagen. Erst im Frühjahr des folgenden Jahres
wird der Embryo ausgebildet. Der Beerenzapfen entsteht dadurch,
daß die drei Blätter des obersten Hochblattwirtels, die man als
Fruchtblätter bezeichnen kann, die zu Samen heranwachsenden Ovula
umwachsen und schließlich der dadurch entstehende Becher oben fast
ganz zusammenschließt -- nur einen dreistrahligen Spalt zurücklassend.
So entsteht ein Gebilde, das ganz den Charakter einer Beere besitzt.
Der einzige Unterschied ist der, daß, während bei der echten Beere
die Ovula von vornherein in einem von den Fruchtblättern gebildeten
Fruchtknoten eingeschlossen sind, hier die «Fruchtknotenwand» erst
nachträglich gebildet wird. Die Bezeichnung Baccae juniperi kann
also, wenn man den Begriff Beere im erweiterten Sinne braucht,
aufrecht erhalten werden. Ein Fruchtstand ist der Galbulus keinesfalls,
höchstens ein «Samenstand». Am besten ist wohl die Bezeichnung
«Beerenzapfen». Die Spitzen der auch seitlich ganz miteinander
verschmelzenden Fruchtblätter sind selbst an der reifen Frucht noch als
kleine Höcker sichtbar. Die Blätter des zweiten Hochblattwirtels, die
man als Deck- oder Vorblätter betrachten kann, verwachsen bisweilen
mit der Basis der Fruchtblätter. Die Samenanlagen verwachsen nicht
vollständig mit den Fruchtblättern. Die Spitze der Samen bleibt frei
und ragt in die terminale Höhle des dreistrahligen Spaltes hinein. An
der Basis ist jedoch die Verwachsung so vollständig, daß das Gewebe der
Samenschale ganz allmählich in das der Fruchtblätter übergeht (Fig. 17).
=Lit.= ~Eichler~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfamilien. -- ~Brandis~,
Forest Flora of northwestern and Central India 1874. -- ~Kerner~,
Pflanzenleben der Donauländer. 1863. -- ~Schübeler~, Pflanzenwelt
Norwegens 1875 und Viridarium norvegicum. 1888. -- ~Tschirch~, In
Real-Enzykl. d. Pharm. VII. -- ~Pfitzer~, Entwickl. d. Embryos
der Coniferen Bot. Zeit. 1871. -- ~Strasburger~, Die Coniferen
u. Gnetaceen. 1872. -- ~A. Meyer~, Wissenschaftl. Drogenk. --
~Tschirch~ u. ~Oesterle~, Anatom. Atlas. (Dort und bei ~Meyer~
die Entwicklungsgeschichte.) -- ~Flückiger~, Pharmakognosie. --
+Abbild.+: ~Berg-Schmidt~ Atlas, II. Aufl., Taf. 155 (dort die
florist. Liter.). -- ~Pabst-Köhlers~ Medizinalpfl., Taf. 53 -- und
in fast allen anderen Abbildungswerken von Medizinalpflanzen. Die
ältesten Abbild. bei den Patres.
=Pathologie.= Parasitische Pilze scheinen als direkte Zerstörer
der Beerenzapfen von _Juniperus communis_ keine große Bedeutung zu
besitzen, während auf Blättern und Zweigen sehr zahlreiche Parasiten
bekannt sind. Wir erwähnen nur die _Gymnosporangium_arten, deren
Teleutosporenmycel in den Zweigen perenniert, die _Herpotrichia
nigra_, die mit ihrem Mycel die beblätterten Zweige umspinnt,
_Exosporium juniperinum_, das nach ~Jaczewski~ (Zeitschr. für
Pflanzenkrankheiten XI, 1901) die Nadeln und oft auch den ganzen
Strauch zum Absterben bringt, u. andere (~Ed. Fischer~).
Über die tierischen Schädlinge berichtet ~Israel~: