=Lit.= ~Hasterlik~, Der Bienenhonig und seine Ersatzmittel. 1909

(dort die Literatur). -- ~v. Lippmann~, Chemie der Zuckerarten. --

Schweiz. Lebensmittelbuch 1908 und Deutsche Reichsvereinbarungen.

-- ~Elsner~ in Realenzyklopädie (Prüfung). -- ~König~, D. menschl.

Nahrungs- u. Genußmittel. 4. Aufl. 1904 (dort die wichtigste chem.

Lit.). -- ~Browne~, Chem. analys. and composition of american

honeys, including a microscopical study of honey Pollen by ~Young~

U. S. Dep. Agric. Bur. of chemistry 1908 (dort die Honigliteratur

1892-1907). -- ~Pfister~, Forschungsber. 1895 (Pollen). -- Ferner:

~Künnmann~ und ~Hilger~, Zur Chemie des Honigs. Forschungsber.

1896. -- ~E. Beckmann~, Beitr. z. Prüf. d. Honigs. Zeitschr. Anal.

Chemie 35. -- ~v. Planta~, Bienenzeit. 1878 u. 1879. -- ~Bishop~,

Journ. pharm. chim. (5) 10, 459. -- Tabelle der Zusammensetz. bei

~Villiers-Collin~, Altérat. et falsificat. -- ~Bensemann~, Pharm.

Centralh. 1894. -- ~Hefelmann~, Zeitschr. angew. Chem. 1888. --

~Farnsteiner~, Zeitschr. f. Unters. d. Nahr.- u. Genußm. 1908. --

~Fiehe~, Zeitschr. f. Unters. d. Nahr.- u. Genußm. 1908. -- ~Keiser~,

Beitr. z. Chem. d. Honigs. Arbeit. d. kais. Gesundheitsamtes. 1909.

-- ~Kühn~, Pharm. Zeit. 1905, S. 642 (giftiger Honig). -- ~Röhrig~,

Jahresb. d. Pharm. 1908, S. 435 u. ~Kreiss~, Ebenda (Asche). --

~Marpmann~, Pharm. Zeit. 1903, S. 1010. -- ~Monheim~, Honigdextrin

des Tannenhonigs. Jahresb. d. Pharm. 1903, S. 576. Ferner ist die

Literatur d. Unters. der Nahrungs- u. Genußmittel zu vergleichen.

=Pathologie=. Über =Schädlinge= berichtet Israël:

Die als Schädlinge auf Arzneistoffen und arzneilichen Zubereitungen

gelegentlich auftretenden Milben gehören hauptsächlich zur Familie der

_Tyroglyphinen_. Es finden sich unter diesen scheinbar keine echten

Schmarotzer. Sie leben auf sich langsam zersetzenden, faulenden,

tierischen und pflanzlichen, namentlich auch zuckerhaltigen Stoffen,

und sind deshalb auch oft da zu finden, wo Zuckerlösungen in Gärung

begriffen sind. Auch auf fast allen getrockneten Früchten, wie

_Feigen_, _Datteln_, _Rosinen_, _Pflaumen_ usw. trifft man sie

häufig genug an. Aber nicht allein auf diesen, sondern auch auf

allen möglichen anderen trockenen vegetabilischen und tierischen

Substanzen und Rohstoffen findet man oft irgend eine Milbenart in einer

erstaunlichen Massenvermehrung. Auf diese Stoffe gelangen die Milben

gewöhnlich im Zustande der Wanderlarve, durch die Fliegen, welche diese

kleinen Tiere an ihren Beinen verschleppen und verbreiten. Auf gärendem

Rohhonig findet man nicht selten _Glycyphagus domesticus_, _Tyroglyphus

longior_ und _siro_ (vgl. das Kapitel Pharmakopathologie, S. 380).

Als =Schmarotzer= leben in den Bienenstöcken (nach ~Israël~):

1. Die Larvenzustände von _Meloë_arten, besonders die des bekannten,

gemeinen Maiwurms _Meloë proscarabaeus_. Dieser Käfer legt seine

Eier in den Sand, die ausgehenden Larven klettern an den Pflanzen

empor und gehen in die Blüten. Von hier lassen sie sich von den

Bienen selbst, an deren haarige Beinchen sie sich anklammern, in die

Stöcke tragen, woselbst sie in eine Zelle kriechen, und zunächst

das Bienenei fressen, und ihre weitere, ziemlich komplizierte

Hypermetamorphose durchmachen. Die Larve macht nämlich, ehe sie sich

endgültig verpuppt, mehrere erhebliche Verwandlungen durch.

2. Die schönen roten Larven der sog. Bienenwölfe, der Käfergattung

_Trichodes_, besonders _apiarius_. Sie befallen mehr die wilden

Bienenarten, besonders die Mauerbiene, seltener die Honigbiene.

3. Die Raupen von _Galleria mellonella_, der Wachsmotte, welche

manchen Stock zum Eingehen bringen. _Galleria_ gehört zur Familie

der Pyralidae, einer Unterfamilie der Mikrolepidopteren. Sie fressen

lange Gänge durch die Waben und stören den Haushalt der Bienen durch

ihre Menge oft bedeutend; auch werden sie gelegentlich Veranlassung

zur Entstehung von Faulbrut. Die Bienenmotte ist sehr resistent.

Tuberkelbazillen beeinflussen sie z. B. gar nicht.

=Beimengungen und Verfälschungen=. Verdünnt man den Honig in einem

Sedimentierzylinder stark mit Wasser, so setzen sich Pollenkörner und

Wachsteilchen am Boden ab und können mikroskopisch diagnostiziert

werden (s. oben S. 9). Sie sind regelmäßige Beimengungen. Unzulässig

dagegen sind Bruchstücke von Organen der Biene und Bienenbrut, Stärke

und Mineralsubstanzen, die sich event. ebenfalls im Sedimente finden.

Als +Verfälschungen+ sind zu nennen: Wasser, Stärkezucker, Rohrzucker,

Kunsthonig, Dextrin; selten kommen vor: Stärke, Leim, Glycerin,

Melasse, Saccharin, Farbstoffe. (Über Honigfälschungen vgl. auch Pharm.

Zeit. 1903, 142).

Wer Fälschung des Honigs vornahm, wurde im Mittelalter mit dem

Verluste einer Hand +oder+ mit 65 Pfund Pfennigen (!) bestraft.

=Prüfung=. Außer der mikroskopischen Prüfung ist der Zucker, das

Wasser, die Mineralstoffe, die Acidität zu bestimmen und auf Dextrin

zu prüfen, sowie das optische Verhalten festzustellen, und zwar vor

und nach der Inversion, vor und nach dem Ausfällen des Dextrins mit

Alkohol. Eventuell ist Dextrin, Stickstoffsubstanz und Phosphorsäure

zu bestimmen und auf Saccharin und Teerfarbstoffe zu prüfen. (Gute

Prüfung in der Pharm. helvet. IV, dem Schweiz. Lebensmittelbuche

und in ~Schmidt~, Lehrb. d. pharmaz. Chemie.) Grenzzahlen s. oben.

Honige mit Stärkezucker- oder Rohrzuckerzusatz bleiben auch, wenn das

Dextrin mit Alkohol ausgefällt wurde, rechtsdrehend, echte werden

inaktiv oder linksdrehend.

+Kunsthonig+ ist meist invertierter Rohrzucker, der mit Naturhonig

verschnitten oder mit Honigparfüm parfümiert ist. Er enthält

meist keinen Stickstoff, keine Enzyme, keine oder wenig (s. oben)

Phosphorsäure und keine Ameisensäure. Aber auch Stärkezucker, der

zuerst 1811 von ~Kirchhoff~ dargestellt wurde, wird als Honig

verkauft.

=Lit.= ~Fiehe~, Über d. Nachweis von Stärkesirup im Honig und in

Fruchtsäften. Arb. d. kais. Gesundheitsamtes 32 (1909), Heft 1.

=Verwendung.= Honig war im alten Ägypten das meistgebrauchte

Heilmittel. Auch im Koran ist er die allgemeine «Arznei für die

Menschen». Er bildete das Constituens des _Theriak_ (I, S. 551) und

war ein Bestandteil des Kyphi (I, S. 473). Honig ist jetzt vorwiegend

Genuß- und Nahrungsmittel. Große Mengen, besonders überseeischer

Honige, verbraucht die Lebkuchenfabrikation. Die Medizin benutzt ihn

als gelindes Abführmittel und Geschmackskorrigens, auch wohl zu Mund-

und Gurgelwässern. _Oxymel Scillae_, _Hydromel_, _Mel boraxatum_ und

besonders _Mel rosatum_ sind noch viel benutzte, zum Teil uralte

ägyptische Mel-Composita (I, S. 469 und 539). Die äußerliche Anwendung,

die im Altertum eine Rolle spielte, ist jetzt nicht mehr beliebt. Reine

Lävulose wird jetzt als Nährmittel für Zuckerkranke empfohlen.

=Geschichte.= Honig war eines der ersten Nahrungsmittel des Menschen.

Milch und Honig war die Kost der Götter, die Ambrosia, die Zeus, der

Zögling der Honignymphe Melissa, mischte. Mit Honig schläferte Zeus

den Kronos ein. Von der heiligen Esche träufelte nach der nordischen

Sage der Tau (Hunangsfall = Honigfall) und von ihm nährten sich die

Bienen. Auch bei den semitischen Völkern stand Honig in hohem Ansehn.

Er durfte zu Speisopfern nicht gebraucht werden. Die griechischen

Dichter besangen ihn. Als ältestes Opfer der Griechen nennt ~Plato~

mit Honig bestrichene Früchte.

Im Ägyptischen heißt Honig ꜥft (koptisch êbiô und ěfeiô), im

Babylonischen dišpu. Er war in Ägypten wohl das ursprüngliche süßende

Geschmackskorrigens der Arzneien und der Dattelsirup ist erst durch

babylonische Rezepte in die ägyptische Pharmazie gekommen (vgl. I, S.

469).

Schon die ältesten Kulturvölker betrieben die Zucht der Biene und

die Gewinnung von Honig und Wachs. Lange bevor der Rohrzucker

dargestellt wurde, diente der Honig als allgemeiner Süßstoff, der

aber auch medizinisch innerlich und äußerlich benutzt wurde. Schon

das Altertum unterschied mehrere Handelssorten. ~Dioskurides~ kennt

neben attischem Honig (vom Hymettos) solchen von den kykladischen

Inseln und von Sicilien, sowie Honig von Sardinien und (giftigen)

pontischen Honig, der auch bei ~Xenophon~ erwähnt wird und der von

_Azalea pontica_ und _Rhododendron ponticum_ oder von einer _Datura_

(~Flückiger~) gesammelt wurde (~Sprengel~). Kap. 101-103 des II.

Buches von ~Dioskurides~ Heilmittellehre handelt περὶ μέλιτος

melitos]. ~Plinius~ kennt auch Honig, von der Insel Calydna und

pelignischen sowie von Creta, Cypern und Afrika, und endlich auch

deutschen. Diätetische Honiggetränke der Alten waren: μελίκρατον

(Honigmet), ὑδρόμελι (Wassermet, Aqua mulsa), οἰνόμελι (Mulsum),

μελίκρατον γάλακτος, ὀξύγλυκον und ὀξύμελι (Oxymel). ~Suśruta~ (I,

S. 505) nennt hellen und kupferfarbigen Honig und erwähnt aus Honig

dargestellte Zuckerarten. _Hydromel_ und _Oxymel_ war eines der

beliebtesten Heilmittel des ~Hippokrates~. Gegorener Honig bildete

den +Met+ (I, S. 1016).

Daß Honig im Altertum als Konservierungsmittel der Leichen vornehmer

Personen benutzt wurde, ist schon oben (I, S. 1013) erwähnt worden.

Wie ~Bastian~ (Die Völker des östlichen Asiens II, 27) mitteilt, ist

dies noch gegenwärtig in Birma üblich. «Hohe Herren werden ein Jahr

lang für das Leichenbegängnis, das viele Vorbereitungen erfordert,

präserviert und um sie frisch zu erhalten, steckt man sie in Honig,

als die sicherste Methode, die außerdem die billigste ist, da der

geschenkte Honig sich wieder verkaufen läßt».

Nach Nordamerika wurde die Biene 1675, nach Brasilien 1845, nach

Australien 1862 gebracht.

~v. Lippmann~, der viele historische Notizen über den Honig mitteilt,

erbringt den Nachweis, daß der Honiggenuß sich besonders bei

vegetarisch lebenden Völkern entwickelt hat.

Zur Merovinger Zeit bestand der Garten in Deutschland nur aus einigen

Obstbäumen und Bienenstöcken (I, S. 619).

In der Frankfurter Lisie von 1450 (I, S. 812) steht propoleos uel on

(d. h. das aromatische Vorwachs der Bienen, propolis).

=Lit.= ~von Lippmann~, Geschichte des Zuckers 1890 (darin eine

Geschichte des Honigs als Vorgeschichte des Zuckers).

β) Blüten.

Flos Verbasci.

=Syn.= Königskerze, Wollblume, -- Bouillon blanc, molène, bonhomme,

herbe de Saint-Fiacre, Cierge de Notre dame (franz.) -- High taper,

torch-weed, mollein, mullein, wool-blade (engl.) -- fiore di verbasco,

tasso barbasso, barabasco, barbarastio mignattone, candela regia

(ital.) -- őkőrfarkkoró (ung.) -- φλῶμος (n.-griech.).

Wollkraut, Himmelskerze, Fackelkraut. Fackelblumen, Unser Frauen

Heil, Himmelbrand, Manwoll, Marienkerzen, Osterkerze, Wiln, Zöllich.

-- +ahd.+: Konigskrone, Konigskarcz, vullena, wullina; -- +mhd.+:

bullen, himelbrant, königsworcz, kunigskerz, wislma, wulkraut; -- bei

~Brunfels~: Bergenkraut -- bei ~Bock~: waldwull -- bei ~Fuchs~ auch

Kerzenkraut.

~Dioskurides~ (I, S. 564) kennt mehrere Arten φλομός, der weiße

ist wohl _V. plicatum_ (oder _Thapsus_?, _plicatum_ ist nach

~Fraas~ in Griechenland häufiger), der schwarze _V. sinuatum_ (=

φλομός ἡ μέλαινα des ~Theophrast~). Er bemerkt, daß die Römer den

Phlomos: _Verbascum_ (gräzisiert Berbasclum) nennen. (Daraus ist

dann Barbascum und Verbascum entstanden.) ~Plinius~ schöpft aus der

gleichen Quelle. Auch der Name Thapsos war in Gebrauch. Ob die φλόμις

λεύκη (und ἀῤῥέα) des ~Galen~ _V. phlomoides_ ist, wie ~Dragendorff~

will, ist mir zweifelhaft. Es wird wohl eine der südlichen Arten

sein (s. unter Paralleldrogen). Die φλόμις ἡ θύαλλις (und ἡ ἄγρια?)

des ~Galen~ soll _Verbascum limnense_? (fehlt im Kew Index) sein.

Was der φλόμος des ~Hermes Trismegistos~ («Kraut des Merkur») ist,

ist unbekannt. Das gleiche gilt von dem ägyptischen Phlomos heteros

(Athal, kerykion, honnu rabdon). Man warf im Altertum _Verbascum_

vielfach mit der Labiate _Phlomis_ zusammen. Bei ~Ibn Baithar~ steht

für _Verbascum_arten: Busir, Sikrân el-haut (= fischbetäubendes

Gift), Flumis, Miknasat el-andar, Berbaschka.

=Etym.= (φλομός vielleicht von φλέγομαι leuchten, φλόξ Flamme, weil

Stengel und Blätter zu Lampendochten verwandt wurden (~Plinius~

25, 74), oder weil der Blütenstand (vgl. Fig. 2) wie ein Leuchter,

eine Fackel oder eine Kerze aussieht. Darauf deuten auch die Namen

Candella regia, Königskerze, Fackelblume, Marien- oder Osterkerze,

während andere, wie Wollblumen, Wollkraut, wullina, barbascum (von

barba?) auf die Behaarung Bezug haben; wie die arabische Bezeichnung

Adân ed-dobb (= Bärenohren). Molène, mullein (von mollis = weich)

hat vielleicht auch hierauf Bezug oder auf den Schleimgehalt (?) --

_Thapsus_ steht zur gelben Farbe der Blüten, d. h. zu θαψος, θαψία

in Beziehung, mit welchem Worte die Griechen nach der Insel Thapsos

(Isola degli Magnisi) bei Syrakus (~Flückiger~) eine zum Gelbfärben

benutzte Umbellifere (_Thapsia garganica_?) bezeichneten. Aus thapsus

und barbascum wurde dann tassus barbassus, ja sogar taxus barbatus

(so bei ~Crescenzi~ I, S. 678) gebildet, was ich übrigens für einen

Fehler des Abschreibers halte.

=Stammpflanze.= =Verbascum thapsiforme= ~Schrader~ (V. Thapsus L. var.

thapsiforme ~Hook.~ fil., V. phlomoides ~Mey.~, V. Thapsus ~Poll.~, V.

cuspidatum ~Schrad.~, V. Kicxianum ~Dumort~) und =Verbascum phlomoides=

L.

=Systemat. Stellung.= +Scrophulariaceae+, Pseudosolaneae -- Verbasceae.

-- Sectio Thapsus. Euthapsi.

=Beschreibung der Stammpflanze.= Die meisten neueren Floristen

(z. B. ~Schinz-Keller~, Flora der Schweiz, 3. Aufl., 1909) und auch

~Engler-Prantl~ (Pflanzenfamilien) trennen _V. phlomoides_, die

wildblumenähnliche Königskerze, von _V. thapsiforme_, der großblütigen,

als Arten.

~Schumann~ bemerkt (in ~Berg-Schmidt~, Atlas S. 74): «~G. F. W.

Meyer~ hat zuerst die Meinung ausgesprochen, daß _V. thapsiforme_

~Schrader~ von _V. phlomoides_ L. nicht spezifisch zu trennen sei;

wir können dieser Meinung, die auch ~Franchet~ und ~Flückiger~

geteilt haben, wohl beipflichten, da sich das aus den Blättern

hergenommene Merkmal als kaum genügend erweist, um unserer Pflanze

einen anderen Wert als vielleicht den einer Varietät zuzuerkennen».

Jedenfalls sind beide sehr ähnlich und die Blüten +beider+ werden

z. B. von Pharm. helvet. IV ausdrücklich zugelassen. Ich halte sie

hier auseinander, ohne zu der Frage Stellung zu nehmen.

~Schinz-Keller~ beschreiben _V. thapsiforme_: 30-180 cm hoch.

Laubblätter länglich, elliptisch, gekerbt, gelblich filzig. Jedes

Laubblatt bis zum nächst unteren herablaufend. Blütenstiele kürzer

als der Kelch. Krone radförmig, +doppelt so groß und heller gelb als

bei+ _V. Thapsus_, sonst aber wie diese.

_V. phlomoides_, 1-2 m hoch, Stengel aufrecht steif, einfach oder mit

einzelnen aufrechten Ästen. Laubblätter länglich-eiförmig, gekerbt,

die mittleren und oberen sehr verschieden stark herablaufend. Krone

flach, etwa doppelt so groß und blasser als bei _V. Thapsus_, die

zwei längeren Staubfäden 1½-2 mal so lang als ihre herablaufenden

Staubbeutel, Narbe am Grunde herablaufend, spatelförmig.

_V. Thapsus_, das bei uns auch ziemlich verbreitet ist, kommt für

uns nicht in Betracht. Es hat viel kleinere Blüten. Dagegen scheinen

seine Blüten (common mullein) in Nordamerika benutzt zu werden, wo

die Pflanze enorme Höhen (über 7 Fuß) erreicht. Auch _V. phlomoides_

findet sich (wohl eingeschleppt) in den Vereinigten Staaten, z. B. in

Massachusetts.

[Illustration: Fig. 2.

_Verbascum phlomoides_ L.]

Wie nötig es ist, bei den Pflanzennamen der Drogen die Autoren

beizusetzen, zeigte ~Holmes~ (Ph. journ. 1900, 418) an _Verbascum_.

Es gibt fünf _V. phlomoides_ (_V. phlomoides_ L., _V. glomeratum_

~Boiss.~, _V. Boerhavi_ L., _V. montanum_ ~Schrad.~, _V. lasianthum_

~Boiss.~) und zwei _V. thapsiforme_ (_V. thapsiforme_ ~Schrader~ und

_V. thapsiforme_ ~Guss.~).

Die Königskerze ist eine prächtige Pflanze von großer Schönheit.

Ihr kerzengerader Stengel mit den großen grauen Blättern und

der blütenübersäten langen Infloreszenz machen sie zu einer der

charakteristischsten Pflanzen unserer Flora (Fig. 2).

_Verbascum thapsiforme_ ~Schrad.~ sowohl wie _V. phlomoides_ L. sind

zweijährig. Im ersten Jahr entsteht nur eine große Blattrosette, im

zweiten die Infloreszenz. Die spiralig gestellten Blätter sind oblong

oder schmal umgekehrt eiförmig, meist sitzend, am Grunde mehr oder

weniger bis zum nächsten Blatt herablaufend, gekerbt, zugespitzt, durch

zahlreiche Büschelhaare dick filzig. (Die abgelösten Wollhaare werden

als Zunder benutzt!)

Die Blüten von _V. thapsiforme_ sind zu Dichasien vereinigt, die

ihrerseits wieder, an einer langen Infloreszenzachse sitzend, einen

sog. Blütenschwanz bilden.

Sie entstehen zuerst einzeln in den Achseln der spiralig

angeordneten, zugespitzten, an der Infloreszenzachse herablaufenden

Deckblätter (den Hochblättern der Infloreszenz, Fig. 3 D). Die erste

Blüte (Fig. 3, 1) hat zwei lanzettliche Vorblätter (α). In den

Achseln dieser letzteren entspringen bald 2, bald 4, gleichfalls

mit Vorblättern (β) versehene Blüten (3-3, 5-5). Bevor jedoch

diese 2, bzw. 4, mit der Blüte 1 ein 3- bzw. 5blütiges Dichasium

bildenden Blüten sich entfalten, entsteht zwischen diesem Dichasium

und dem Deckblatte D, also unter Blüte 1, eine Beiknospe als

Bereicherungssproß. Der Bereicherungssproß ist im einfachsten Falle

einblütig. Meist jedoch entsteht zwischen dieser einen Blüte, die

zuerst aufblüht (2), und dem Deckblatte noch eine zweite Blüte (4).

Jede derselben hat 2 Vorblätter (γ). Bisweilen finden sich aber

auch noch in den Achseln der Deckblätter der oberen, älteren Blüte

zwei weitere, aber deckblattlose Blüten (6). Diese sind die zuletzt

aufblühenden. Infolge des sehr verschiedenen Alters der Blüten

blühen von diesen Teilinfloreszenzen meist nur eine oder zwei zu

gleicher Zeit. Da sie aber alle nacheinander (in der Reihenfolge der

Zahlen) zum Blühen kommen, so steht ein Blütenschwanz von _Verbascum

thapsiforme_ von oben bis unten wochenlang in Blüte. Bald öffnet

sich hier, bald dort eine Blüte (~Schumann~ und ~Tschirch-Oesterle~,

Anatom. Atlas).

Der gamosepale, krugförmige, fünfzählige +Kelch+ ist außen dicht filzig

behaart, 6-8 mm lang. Die fünf Zipfel sind eilanzettlich, länglich

dreieckig und zeigen aufsteigend-dachziegelige Knospenlage. Er ist

zygomorph. Die Haare sind entweder Drüsenhaare mit oft sehr zahlreichen

sezernierenden Zellen oder Sternhaare mit 1-4 Etagen (Büschelhaare).

Der Gipfelstern ist 3-6strahlig. Dergleichen Haare finden sich auch auf

den Laubblättern. Der Fruchtknoten ist eiförmig.

[Illustration: Fig. 3.

Oben: Diagramm einer Partialinfloreszenz in der Achsel des Deckblattes

D. Die Kreise sind die Blüten. Die Nummern 1-6 bezeichnen die

Aufblühfolge. In der Mitte: Eine aufgeschnittene Corolle. Unten:

Vollständige Blüte im Längsschnitt. [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]

Die gleichfalls median-zygomorphe +Corolle, die sich sehr leicht

ablösen läßt+, ist radförmig, 5zählig, sympetal, in der Mediane c.

3,5-4, bisweilen sogar 5 cm breit. An der Basis sind die 5 Blätter zu

einer kurzen Röhre verwachsen. Die Zipfel sind fast kreisrund. Sie

decken sich dachziegelig in absteigender Präfloration. Der unterste

Kronenlappen ist oft erheblich größer als die beiden seitlichen. Die

beiden obersten sind oft ⅓ kleiner als die unteren. Im Röhrenteile

ist die Corolle dick-fleischig.

Die 5 +Stamina+ sind der Corolle etwas oberhalb der Röhre eingefügt.

Sie alternieren mit den Lappen. Sie setzen die Zygomorphie der Corolle

in verstärkter Weise fort: die drei oberen sind anders ausgebildet

als die zwei unteren. Die drei oberen sind c. 6 mm lang; sie besitzen

eine nierenförmige, dem Filament quer aufgesetzte, mit Gipfelspalten

aufspringende Anthere und sind von der Mitte an bis zur Spitze des

Filamentes so dicht mit langen Haaren besetzt, daß man bei Betrachtung

der frischen Blüte von oben den ganzen Schlund von einem Haarfilz

erfüllt sieht. Sie dienen also gewissermaßen als Signal für das die

Blüte besuchende Insekt, daß weiter unten in der Blüte nichts zu holen

ist und weisen es auf die lebhaft roten Antheren hin. Die Haare sollen,

nach ~Herm. Müller~, neben dem roten Pollen als Anlockungsmittel

der Insekten dienen. «Vielleicht», bemerkt ~A. Meyer~, «scheiden

sie irgend einen genießbaren Stoff aus, oder sind selbst eine gute

Nahrung». Beobachtungen ~Tunmanns~ sprechen dagegen: es fanden sich

niemals abgefressene Haare. So bleiben den Bienen, denn diese sind die

hauptsächlichsten Besucher der Königskerze, da auch Nektarien fehlen,

nur die roten Pollenkörner, und diese sind es denn auch, welche sie

sammeln und als Futter für die Brut verwenden. Die _Verbascum_blüte

gehört zu den «Pollenblüten». Die zwei unteren Stamina sind etwa 10

mm lang, meist ganz unbehaart und tragen die 3-4 mm lange Anthere an

der inneren Seite der Spitze des Filamentes. Sie ist mit ihm ein Stück

weit verwachsen. So verschieden aber auch ihr Bau von dem der behaarten

Stamina ist: der Querschnitt durch die Anthere der langen sieht fast

ganz gleich aus wie der Längsschnitt durch die Anthere der kurzen (vgl.

den Anatom. Atlas).

Der +Fruchtknoten+ ist eiförmig, etwa 2 mm lang, zweifächerig.

Der +Griffel+ ist nur an der Basis behaart, c. 12 mm lang. Die

ungleich-großen Narbenschenkel sind nur undeutlich voneinander

gesondert. Die Narbenpapillenschicht läuft ein Stück weit am Griffel

herab. Die wandspaltig aufspringende +Kapsel+ ist bis 1 cm lang und 8

mm breit. Die +Samen+ sind zylindrisch. Der in Endosperm eingebettete

Embryo ist gerade.

+Die Droge besteht nur aus der Blumenkrone mit den ansitzenden

Staubfäden.+

_V. phlomoides_ ist über ganz Mittel- und Südeuropa verbreitet. Sie

wächst von Frankreich bis Dänemark und Rußland, von Spanien und Italien

bis zur Krim, im Himalaya von Kaschmir bis West-Tibet. _V. thapsiforme_

geht nicht so weit nach dem Süden und findet sich besonders in

Mitteleuropa. _V. phlomoides_ ist viel seltener als _V. thapsiforme_.

Beide finden sich oft in derselben Gegend. Beide bilden zahlreiche

Bastarde (vgl. ~Pabst-Köhler~, Medizinalpflanzen). Sie bevorzugen bei

uns Wegränder, trockene Hügel und Haiden, sowie steinige, unbebaute

Orte und lichte Waldplätze. Sie blühen von Anfang Juli bis Mitte

Oktober.

Lit. ~Schrader~, Monogr. generis Verbasci. Göttingen 1813/23. --

~Franchet~, Étude sur les Verbascum de la France et de l’Europe

centrale. Vendôme 1875. -- Abbild. von _V. thapsiforme_ in

~Berg-Schmidt~ Atlas. 2. Aufl. Taf. 26 (dort auch die florist.

Lit.); von _V. phlomoides_ in ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. Taf.

45. -- ~Eichler~, Blütendiagramme. -- ~Wydler~, Flora 1851, 411. --

~A. Meyer~, Drogenkunde. -- ~Herm. Müller~, Befruchtung d. Blumen

1877, 272. -- ~Kerner~, Pflanzenleben. -- ~Tunmann~ (s. unten). --

~Lavadoux~ (s. unten).

=Pathologie.= Auf _Verbascum_ kommen verschiedene Parasiten vor,

wie _Peronospora sordida_ ~Berk.~, _Erysiphe Cichoracearum_ (DC.),

_Uromyces Scrophulariae_ (DC.) und andere, doch dürften dieselben für

die Blüten keine Bedeutung besitzen (~Ed. Fischer~).

Über die tierischen =Schädlinge= berichtet ~Israel~:

1. +Käfer.+ _Bruchus marginellus_ ~Fabr.~ Larve in den Blütenknospen

von _Verbascum_arten. _Cionus scrophulariae_ L., _Cionus verbasci_

~Fb.~ Larven skelettierend auf _Scrophularia-_ und _Verbascum_arten.

_Gymnetron teter._ ~Fb.~ Larve an den Blüten und Blättern von

_Antirrhinum-_ und _Verbascum_arten. _Gymnetron thapsicola_ ~Germ.~

In Süd- und Mitteldeutschland auf _Verbascum_arten. _Clytus verbasci_

~Fabr.~ Käfer, häufig an _Verbascum_blüten; ob die Larve in den

Stengeln von _Verbascum_arten lebt, erscheint fraglich. _Longitarsus

verbasci_ ~Panz.~ Larve meist in langgeschlängelten Blattminen in den

Blättern von _Verbascum Thapsus_ und _phlomoides_.

2. +Schmetterlinge.+ _Melitaea trivia_ W. V., Raupe, in

Süddeutschland an _Verbascum Thapsus_ und anderen _Verbascum_arten.

_Gortyna flavago_ ~Hb.~ Die Raupe lebt in den markigen Stengeln

vieler Pflanzen, auch in _Verbascum_arten. _Cucullia verbasci_ L.,

_Cucullia scrophulariae_ W. V. Die schönen Raupen dieser Falter leben

von den Blättern, Blüten, Knospen und Samenkapseln der _Verbascum-_

und _Scrophularia_arten. _Cucullia thapsiphaga_ ~Tr.~ Die Raupe

dieses seltenen Falters lebt ebenfalls an _Verbascum_arten. _Polia

xanthomista_ ~Hübn.~, Raupe an _Verbascum-_ und _Silene_arten.

_Acronycta euphorbiae_ W. V. Raupe an _Plantago-_, _Euphorbia-_ und

_Verbascum_arten. Außer diesen leben an _Verbascum_arten noch eine

große Anzahl polyphager Eulenraupen.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 2 / 120 段