Die Reihenfolge der Thiere auf S. 394, wie im Gleichnisse der 125.

Rede S. 258, ist auch auf den schönen Friesen und Reliefgruppen

rein indischer Meisterskulptur noch ebenso erhalten: es geht der

Elephant voran, dann folgt das Ross, der Stier etc. Cf. e. g. /Rea/,

South Indian Buddhist Antiquities, Madras 1894, S. 36 und Tafel

XXII. -- Vorzüglich ausgeführte Elephanten und Rosse bietet später

die hochentwickelte Bildhauerkunst von Amarāvati, nahe der Krischna

Mündung, etwa 600 Jahre nach Gotamo. Kräftig, anmuthig, edel, zugleich

individuell sehr verschieden, je nach dem gewählten Moment, und immer

ungemein anschaulich, lebendig, durchgeistigt, im ganzen und im

einzelnen wie bei den besten Antiken feinsinnig beobachtet und fixiert:

sei es nun in einem sanft blickenden oder aber wild anstürmenden

Elephantenauge oder in der seiden glänzenden muskelgeschwellten

Haut oder in der wogenden Macht der zermalmenden Vorderfüße; sei es

wieder an den ausdrucksvoll erregten Ohren der Rosse, ihrem stolz

geschwungenen Nacken, den beweglichen Nüstern, dem rhythmischen Tritt

ihrer leichten zierlichen Hufe u. s. w., u. s. w. Photographien der

Reste und Fragmente -- die Muhammedaner haben natürlich auch hier

was sie konnten dem Erdboden gleichgemacht und kein einziges Stück

unversehrt lassen, und die moderne Sammelwuth hat die Zerstörung so

ziemlich vollendet -- findet man, freilich dazu noch in einem gar

dürftig verkleinerten Maaßstabe, in /Fergussons/ Tree and Serpent

Worship, London 1868: als Beispiel der Rosse namentlich auf Tafel 59,

_{1}, 82, _{1}, 96, _{1}; der Elephanten auf Tafel 61, _{1}, 64, _{1},

91, _{3}. Vergl. auch die z. Th. ergänzenden Blätter in /Burgess’/

Archaeological Survey of Southern India (Amarāvati and Jaggayyapeta),

London 1887, e. g. No. 27, _{1}, _{2}, _{5}, etc.]

[Fußnote 184: Die letzten Ausführungen Mahākaccānos entsprechen dem

_Bṛhadāraṇyakam_ IV, 3, _{17}: _Sa yad atra kiṃcit paśyaty, ananvāgatas

tena bhavaty: asaṉgo hyayaṃ puruṣa ity. Evam evaitad Yājñavalkyādi._

Ebenso /Eckhart/ p. 144 l. 1-2. Cf. noch Faust v. 11954/57: Ohne

Erdenrest, »Und wär’ er von Asbest, Er ist nicht reinlich.« Die

Darstellung des innen zuständigen Herzens, S. 401 f., hat ein mythisch

gegründetes Gegenstück in der Schilderung der Menschen auf dem

siebenten der Neun Felsen im Buche /Merswins/, p. 103. -- Wie auch

nur Gedanken nachspüren unförderlich sei wo Einigung noth, S. 400 ͂=

_sarvacintāvivarjitas_, e. g. _Nādabindūp_. ed. Bomb. v. 51, hat unser

/Walther/ schon tief und klar erkannt, 56, _{23}, _{24}:

Liezen mich gedanke frî,

So ’nwiste ich niht umb’ ungemach.

]

[Fußnote 185: Vergl. _Maitryup._ VI, 25: _sarvabhāvaparityāgo yoga

ityabhidhīyate_.]

[Fußnote 186: Zu _kāmasukham_, _mīḷhasukham_ etc. cf. der _̀Sruti_ und

_Smṛti grāmyakāmān, grāmyasukham_ wie _Kuṇḍikop._ v. 3 etc. mit Anm.

45. Gegensatz _vīrasukham_, heroisches Wohl; dann das _asaṉkiliṭṭhaṃ

yogakkhemam_ der 26. Rede: το αθογωτον καλλος des /Makarios Mg/., p.

85. Vergl. auch das klassische luto ludere, wie /Plautus/, Mil. glor.

II, 3 gegen Ende; und /Bruno/, Spaccio II, 3 eb.: »Meditantur sua

stercora scarabaei.« Die ganze Antinomie hat unser Divus /Bernardus

Claraevallensis/ in einen, dem Gehalte wie der Form nach eigenthümlich

indisch anmuthenden, Denkspruch gefasst: Modi diligendi sunt quatuor.

Carnem amare carnaliter, spiritum carnaliter, carnem spiritualiter,

spiritum spiritualiter: Sententiae et Soliloquia fol. 506 ed. Par.

1621. Sie ist schon in dem alten, von /Prodikos/ überlieferten, von

/Leopardi/ übersetzten Gleichnisse »Herakles am Scheideweg« meisterhaft

veranschaulicht.]

[Fußnote 187: Vergl. Bd. 2. Anm. 30. -- Noch spät allgemein indisch,

e. g. _̀Sukasaptati_ 50: _na vaktavyaṃ pāpaṃ dṛṣṭaṃ śrutaṃ... kathāpi

khalu pāpānām alam aśreyase yataḥ._ -- Aehnlich die pythagorische,

der /Theano/ zugeschriebene Maxime: Περι ὡν λεγειν καλον, περι τουτων

σιωπαν αισχρον· και περι ὡν αισχρον λεγειν, περι τουτων σιωπαν αμεινον;

sowie die andere, von /Aristoxenos/ überlieferte: Μη ειναι προς παντας

παντα ῥωτα. Auch von /S. Francesco/ heißt es, bei /Celano/ I^2, 3:

Expertus namque fuerat, magnum fore malum, cuncta communicare cunctis.

Besonders genau aber entspricht das sechste der Octo punctorum,

meditantibus quibus pervenitur ad perfectionem etc., /S. Bernardi/ l.

c. fol. 1755-1756, und ib. die zu Ende des vierten dargelegte salutis

via und ihre principia: Fuge, tace, quiesce.]

[Fußnote 188: Βιας εφη· Μισει το ταχυ λαλειν, μη ἁμαρτῃς· μετανοια γαρ

ακολουθει.]

[Fußnote 189: _Subhūti_ ist Glosse, nach _Aṉguttaranikāyo_ I, 14, 2,

_{4}. -- Einen allgemeinen, κατ’ αθαμβιαν entsprechenden Kommentar zu

dieser Rede mit der abschließenden Maxime »Keiner Beachtung würdigen«

findet man vielleicht am schönsten im dritten Kapitel des vierten

Buches der nikomacheischen Ethik des /Aristoteles/ bei Ausführung

der Grundsätze Ὁ δε μεγαλοψυχος δικαιως καταφρονει, οἱ δε πολλοι

τυχοντως, und Ουδεν γαρ μεγα αυτῳ εστιν, und Ου γαρ μεγαλοψυχου το

απομνημονευειν, αλλως δε και κακα, αλλα μαλλον παροραν; und wieder

anders und doch sehr ähnlich bei dem großartig versöhnenden Urtheile

des aegyptischen /Antonios/ και πασι παντα συγχωρητομεν, Vita p. 29,

dem wirklich vorgeprägten Stämpel zur berühmten, von /Schopenhauer/

gepriesenen Botschaft in der letzten Szene der Cymbeline »Pardon’s

the word to all«, sowie auch in /Castillejos/ Diálogo entre Memoria y

Olvido mit dem Facit:

Olvidar es lo mejor.

]

[Fußnote 190: Vergl. Bd. II, Anm. 142. -- Der Aufenthalt bei Hafnern,

deren Handwerk ja frei von Tadel ist, wird von Asketen bevorzugt: cf.

die _kulālaśālā_ in der _Jābālopaniṣat_ fine.]

[Fußnote 191: Lies _tena viññāṇena kiṃ vijānāti_.]

[Fußnote 192: Das selbe Gleichniss hat /Platon/, De Rep. IV, p. 435:

Και ταχα αν γαρ’ αλληλα σκοπουντες και τριβοντες, ὡρπερ εκ πυρειων

εκλαμψαι ποιησαιμεν την δικαιοσυνην. Cf. Anm. 89.]

[Fußnote 193: Der _āvusovādaccayo_ ist commentatio protreptica.]

[Fußnote 194: Wer in den langen schmalen indischen Gassen und

Höfen nicht sehr auf der Hut ist kann im Gedränge von einer der

zahlreichen Kühe leicht unversehens niedergestoßen oder tödtlich

verletzt werden. -- Wie ein spezieller Kommentar dazu liest sich ein

kürzlich vorgekommener Fall, den mir /De Lorenzo/ aus Neapel, nach dem

_Pungolo_ vom 2. Januar 1902, berichtet: »Ieri sera fu trasportato all’

ospedale dei Pellegrini, con grave commozione generale, un giovanotto

diciottenne, /Arnaldo Murolo/, ferito con un colpo di corna al petto

da una delle vacche, che girano per la città, continuando una usanza

barbara per quanto indecente.«]

[Fußnote 195: Der Schluss der Rede, S. 432, giebt das ächte Που στω an.

-- Cf. vorher _Bṛhadāraṇyakam_ III. 4; IV, 3, _{17}; 4, _{16}:

kim icchan kasya kāmāya.

Vergl. noch /Eckhart/, p. 242: Ohne Dünken und Wähnen und Glauben, p.

284: »Und hier umbe sô bin ich geborn unde nâch mîner gebürtewîse, diu

êwic ist, sô enmac ich niemer ersterben. Nâch mîner êwigen gebürtewîse

sô bin ich êweclich gewesen unde bin nû unde sol êweclîche belîben.

-- Dâ bin ich daz ich was, unde dâ nime ich weder abe noch zuo. --

Wer dise rede niht verstêt, der bekümber sîn herze niht damite. Wan

als lange der mensche niht gelîch ist dirre wârheit, alsô lange wirt

er dise rede niht verstên.« Vergl. /Kant/ KRV II, 2, _{2}, 2, _{9}

(R. 432): »Die Kausalität der Vernunft im intelligibelen Charakter

~entsteht nicht~, etc.« Der berühmte, von /Pappos/ Lib. VIII propos. 11

prooem. überlieferte Ausruf Δος μοι που στω και κινω την γην ist von

/Heath/ in seinem schönen Werke über /Archimedes/, Cambridge 1897, S.

XIX, treulich erörtert. -- Noch einige Sigla ähnlicher Gattung werden

durch eine Reihe entsprechender Bilder hie und da veranschaulicht:

wie etwa _Aṉguttaranikāyo, Sattakanipāto_ p. 13 ed. Siam. _thale

tiṭṭhati brāhmaṇo, Majjhimanikāyo_ No. 98 v. 42 _amatogadham anuppatto,

Suttanipāto_ 359 _pāraṉgato ṭhitatto_.]

[Fußnote 196: _kālakiriyā, von kālaṃ karoti_ die Zeit erfüllen,

wörtl. »die Zeit machen«, d. i. sterben [Augenblick des Todes];

vergl. das gegenüberstehende _kālaṃ gacchati_ die Zeit erlangen,

wörtl. »in die Zeit gehn«, d. i. keimen [Augenblick der Empfängniss]:

_Chāndogyopaniṣat_ II, 13, _{1}.]

[Fußnote 197: Vergl. Raṭṭhapālo vor König Koravyo, in der 82. Rede; =

/THEOGNIS/ v. 727/8:

ουδ’ αν αποινα διδους θανατον ουδε βαρειας

νουσους ουδε κακον γηρας επερχομενον.

]

[Fußnote 198: _ajjhattaṃ sampasādanam = nistaraṉgasamudravan

(nirvātasthitadīpavad acalasampūrṇabhāvābhāvavihīnakaivalyajyotir

bhavati): Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat_ II, 3 im Anf.; cf. auch Bd. II,

Anmerkung 4.]

[Fußnote 199: Das Exordium der buddhistischen Lehre, die heilige

Wahrheit vom Leiden, S. 435-437 und sonst ausführlich begründet, ist

mit anderen Worten als »Heiligthum des Schmerzes« von /GOETHE/ das

Würdigste genannt worden, als »jene letzte Religion, die aus der

Ehrfurcht vor dem, was unter uns ist, entspringt«, Wilhelm Meisters

Wanderjahre, 2. Buch, 2. Kap. gegen Ende. Bei uns ist diese erste

der heiligen Wahrheiten allerdings nur als Basis rechter Erkenntniss

dargestellt, während die vierte ein Zenith erreicht, wo Leiden nicht

mehr bestehn kann: »dâ kein leit stat enhât«, wie /Eckhart/, p. 42,

erkannt. -- Cf. das Gleichniss vom Pfeilschmidt, in der 101. Rede, S.

19.]

[Fußnote 200: Vergl. _Dhammapadam_ 354a, _Sabbadānaṃ dhammadānaṃ

jināti_ und ähnliche Stellen. Von Asoko auf dem IX. (Girnār-) und XI.

Felsenedikt frei wiedergegeben: siehe /Bühlers/ Ausführungen in der

Zeitschr. d. deutsch. morgenländ. Gesellsch. Bd. 48 S. 57 f. In diesem

Sinne aber fasst der König seine Gedanken über den Werth des Gebens

im allgemeinen zu Ende des kurzen VII. Felsenediktes in die Maxime

zusammen: »Denn wer auch eine reiche Gabe nicht geben kann: sich selbst

beherrschen, das Herz läutern, erkenntlich und rechtschaffen sein

bleibt immer gültig.« --

_Cuddasa_ bis _mahapphalataraṃ vadāmi_ ist _micchāvādo, kenacideva

pariyāyena_ infarciert.]

[Fußnote 201: Vergl. Anm. 110. -- _Upapajjīti_ zeigt den Schluss

des Berichtes an. Der Kommentar fügt noch ein paar Verse hinzu. --

_Anāthapiṇḍiko_, der Almosenspender, war allmälig der Beiname des

gabenreichen und ungewöhnlichen Mannes geworden: von Hause aus hieß er

_Sudatto_, d. i. /Otto/. Cf. Aṉguttaranikāyo I, 14, 6, _{2}.

Das Thema dieser meisterlichen Fugenrede findet man bei /Eckhart/, p.

14, also wieder: »Wil dîn ouge alliu dinc sehen unde dîn ôre alliu dinc

hoeren unde dîn herze alliu dinc gedenken, in der wârheit, in allen

disen dingen muoz dîn sêle zerströuwet werden. Dar umbe sprichet ein

meister: swenne der mensche ein indewendic werc sol wirken, sô muoz er

alle sîne krefte în ziehen, rehte als in einen winkel sîner sêle, unde

sich verbergen vor allen bilden unde formen, und aldâ mag er wirken.«

Der Garten Anāthapiṇḍikos war, nebenher bemerkt, bei uns, vierzig

Jahre nach /Eckharts/ Tode, von /Merswin/ durch die Stiftung des

Grünen Werder, auf einer Insel der Ill bei Straßburg, in seiner ganzen

Eigenart erstaunlich getreu wiedergeschaffen worden; worüber das Nähere

/Pregers/ Geschichte der deutschen Mystik 3. Band S. 373 einzusehn ist.]

[Fußnote 202: Nämlich die Ader öffnen.]

[Fußnote 203: Zu Mahācundos Hypomnem cf. die 140. Rede i. f.; auch

_Kaivalyopaniṣat_ 24: _sadasadvihīnas_, _Mahopaniṣat_ V, v. 69:

_sadasator madhye paśyati_, ja schon _Chāndogyopaniṣat_ III, 11, _{1}:

_Atha tata ūrdhva uditya naivodetā nāstametā, ekalā eva madhye sthātā_.

Ebenso _Tao-te-king_ Kap. 33 i. f., /Eckhart/ p. 535: »ûf der mite

stên.«

Das letzte Gespräch Channos und das letzte des /Atticus/ mit den

Freunden vor seinem freiwilligen Tode zeigt nach Inhalt und Form

paarweise Gleichheit, bei /Cornelius Nepos/ XXV, 21. Mythisches Vorbild

ist die bhṛguide Wanderung durch den Tod zum Leben (vergl. auch das

_Bhṛgupatanam_ Bd. 2, Anm. 176); das herakleische Ende; und der Vogel

Phoenix. »Mortalis immortalis flere si foret fas, Flerent divae

Camoenae Naevium poetam« deutet uns heiter gelassen das altrömische

Epitaph an.]

[Fußnote 204: Zum dreifachen Wissen cf. e. g. Bd. II, S. 456 f.]

[Fußnote 205: Die westlichen Suner sind in der Legende des zweiten

_Divyāvadānam_, bei Wiedergabe unseres obigen Berichtes, zu

_̀Sroṇāparāntakās_ geworden: in Wirklichkeit aber wird an die _Hūnā^0_,

_Hūṇā^0_, die _Hunu_ des Avesta und des /Ptolemäus/ Χουνοι, zu denken

sein, zu welchen die Lage von Sāvatthī als Ausgang wohl passt.

Es ist bei diesem Dialoge kaum nöthig wiederum auf das berühmte

Gespräch des /S. Francesco/ im 8. Fioretto hinzuweisen, wiewohl auf

_Tao-te-king_ Kap. 13. -- Zur kurzen Anleitung S. 464 f., ib. Kap. 58.

Vergl. /Lothars/ Wahlspruch »Ubi mel, ibi fel«, den der vielerfahrene

Kaiser vielleicht einst von S. /Bernard/ vernommen; dann später von

/Hartmann/ im Gregorius v. 284, 286 als »nach liebe leit -- daz honec

mit der gallen« vorgetragen; zumal aber cf. /Eckhart/, p. 424: »Allez

leit kumet von liebi unt minne; wan minne unt liebi ist leides anevanc

unt ûzganc.«]

[Fußnote 206: Vergl. _Dhyānabindūpaniṣat_ v. 8: _vṛkṣaṃ tu sakalaṃ

vidyācchāyā tasyaiva niṣkalā._ -- Den selben Gedankengang oder vielmehr

die selbe Anschauung haben alle die großen Griechen mit den Indern

gemein: und der welterfahrene, reiflich gewitzigte /Aristophanes/ hat

ihr sogar, wie mir scheint, den beredtesten Ausdruck verliehen, Orn.

685/87:

φυσιν ανδρες αμαυροβιοι, φυλλον γενεᾳ προσομνιοι,

ολιγοδρανεες, πλασματα πηλου, σκιοειδεα φυλ’ αλενθνα,

απτηνες εφημεριοι, ταλαοι βροτοι, ανερες εικελονειροι.

]

[Fußnote 207: Das öfter gegebene Gleichniss von der geschlachteten Kuh

ist insbesondere in der _Atharvasaṃhitā_ nicht selten anzutreffen.

Es spricht für das hohe Alter und die gute Ueberlieferung unserer

Texte. Denn spätere Generationen, etwa seit Asokos ersten Felsen-,

bez. fünften Säulenedikten vom praktischen Buddhismus bereits mächtig

beeinflusst, hätten es, als anachronistisch, nicht mehr anwenden

können. Daher galten denn auch der _Smṛti_ die _gavāśanās_ als

_antyajās_, e. g. _Vyāsīyadharmaśāstre_ I, 12. -- Vergl. Anm. 62; und

die unpatriarchalische, tief asketenthümliche Art wie der greise, naive

/Hilarion/ in seiner Unterredung mit dem Judenchristen und kyprischen

Bischofe /Epiphanios/, der ihm zu Ehren ein Fleischgericht hatte

vorsetzen lassen, der Speiseregel der Mönche unserer 55. Rede wohl

entsprechend geantwortet hat: »Ignosce mihi, pater, quia ex quo accepi

habitum istum, non manducavi quidquam occisum«, nach den AASS Oct. tom.

IX fol. 29 No. 57 i. f.]

[Fußnote 208: Der Anschauung gemäß betrachtet der Inder die noch

zunehmende, bez. eben erst voll gewordene Mondnacht als Kulmination:

während wir, ohne Rücksicht auf die Anschauung, die astronomische

Tageszeit berechnen; daher fällt in Indien die Feier des Vollmondes

in der Regel auf den Vorabend. -- Ein anderes Mondgleichniss im 2.

Bande S. 635, Lieder der Mönche S. 234: ebenso doppelartig bedeutsam

in dem Bilde eines Fra /Mariano/ da Volterra »/San Francesco/ è simile

alla luna piena per la activa et contemplativa vita«, bei /Sabatier/,

/Bartholi/ Tractatus etc. p. 149.

Ein schönes, ob auch tiefer stehendes Gegenstück zum obigen Berichte

von Nandako und den Nonnen darf man bei uns wohl in Meister /Eckharts/

Gesprächen mit Schwester /Katrei/ erkennen: so wenn diese Heilige,

nicht unähnlich wie es oben von der geringsten der Nonnen ausgesagt

ist, von sich den Bescheid giebt, »daz ich nie hinder mich gesach, sît

ich ûf den wec gewîset wart zuo mîner êwigen sêlicheit, unde daz ich

keiner crêatûre rât nie gevolgete, wan daz ich allez für mich gienc in

eime rehten ernste«, p. 468; oder p. 474 das Wort von der Uebung bis an

den Tod; u. a. m.]

[Fußnote 209: Vergl. Bd. 2. S. 68. 271, 541. -- Zu _nibbindam_,

überdrüssig, cf. die 74. Rede i. f. und Lieder der Mönche S. 278 Anm.

1; sowie den _nirvedas_ der _̀Sruti_, namentlich im _Bṛhadāraṇyakam_

III, 4. Dann auch den _nivveo_ der _Jainās_ etc. Bei uns hat Meister

/Eckhart/, p. 374, gesagt: »Ez enist dehein krêatûre sô gelustlich,

der mensche möhte sî sô lange anesehen, ez enverdrüzze in.« In einem

ähnlichen aber allgemeineren Sinne, mehr objektiv nach außen gewendet,

haben wieder andere grübelnde Geister »Cui bonum« gefragt und »Quien

querrà la vida si sabe lo que es?«, /Gracian/, Criticòn III, 1, »Wer

erfreute sich des Lebens, | Der in seine Tiefen blickt!«, /Schiller/,

Kassandra 87/88, etc.

Den Ausdruck einer solchen Gesinnung hat vielleicht erhaben wie keine

andere die buddhistische Kunst getroffen, zumal auf einer der so fein

gearbeiteten Meisterstatuetten aus getriebenem Golde, in Anurādhapura

gefunden, jetzt im Museum zu Kolombo, mit dem herrlichen nach rechts

geneigten Antlitze, von rein indo-ārischem Typus. Auch die Züge des

lysippischen Apoxyomenos gleichwie die verklärteren des glykonischen

Herakles und etwa die des lateranensischen St. Hippolytus sind von

einem verwandten Geiste belebt; obwohl der letztgenannte kirchlich,

also κακιστῳ κομματι.

Der _pacchāsamaṇo, upaṭṭhāko, antevāsī_, der eine, jeweilig andere

begleitende Jünger, der dem Meister nachfolgt, ihm aufwartet, wie oben

S. 481, 2. Bd. S. 476, 1. Bd. S. 152, passim, reicht bis in die alten

Upanischaden hinauf, e. g. _Bṛhadāraṇyake_ VI, 3, Ende: _Taṃ haitam

Uddālaka Āruṇir Vājasaneyāya Yājñavalkyāyāntevāsina uktvā... etam u

haiva Vājasaneyo Yājñavalkyo Madhukāya Paiṉgyāyāntevāsina uktvā...

Madhukaḥ Paiṉgyaś Cūḍāya Bhāgavittaye ’ntevāsina uktvādi._ So

schließt auch bei uns das vorletzte Fioretto nach /San Francesco/ ab,

ed. /Sabatier/ No. 54: »Hanc historiam habuit frater Iacobus de Massa

ab ore fratris Leonis, et frater Hugolinus de Monte Sanctae Mariae ab

ore dicti fratris Iacobi, et ego qui scripsi ab ore fratris Hugolini

viri per omnia fide digni.«

Die Gestalt eines so getreuen Jüngers ist in der Skulptur, z. B.

der von Sārnāth, und in der Malerei, wie auf den Fresken zu Ajaṇṭā

-- die Skizze eines derartigen Bildes findet man in /Fergussons/

und /Burgess’/ Cave Temples of India, London 1880, p. 311 No. 59 --

anmuthig dargestellt: und hat wiederum ein überraschend entsprechendes

Gegenstück auf elf der ausgezeichneten sechsundzwanzig theodericischen

Mosaiken vom Leben Jesu im Sant’ Apollinare Nuovo zu Ravenna. Mag

nun dergl. durch zufällige oder nothwendige Anlässe oder etwa durch

byzantinische Tradition à la bricole begegnet sein: der Künstler hat da

wie dort eine große Anschauung bewundernswürdig groß und gleichartig

nachgebildet. _Athavā bhavitavyānāṃ dvārāṇi bhavanti sarvatra._

Vergl. noch das wohlbekannte _sāvakayugam_, d. i. _Sāriputto_ und

_Moggallāno_, das _aggam bhaddayugam_: ein gleiches auch in der 50.

Rede, p. 333; und die _cattāri purisayugāni_, viermal je zwei erlauchte

Jünger, 7. Rede p. 37, passim.

* * * * *

Die sinnige Vorstellung, dass in heiliger Nähe auch einer Geisterschaar

das abgeklärte Auge aufgehn mag, wie oben Ende des Berichtes S. 485,

hat bei uns /Goethe/ veranschaulicht, wenn der Pater seraphicus den

Säligen Knaben seine Augen verleiht und als die eigenen brauchen lässt,

»diese Gegend« anzuschauen, und die Säligen nun »in sich nimmt«, ihnen

Bäume, Felsen, Wasserstrom liebreich offenbart und sie zu höherem

Kreise hinansteigen, durch Geisternahrung immer unvermerkt wachsen

lehrt, in den freiesten Aether entfaltet: die »junge Geisterschaar«,

die -- gleich jener anderen oben S. 481 -- erst wie ein Morgenwölkchen

durch den Dunkeln Wald herangeschwebt war, mit der Frage:

Sag’ uns, Vater, wo wir wallen,

Sag’ uns, Guter, wer wir sind?

Glücklich sind wir, allen, allen

Ist das Dasein so gelind.

]

[Fußnote 210: _Chāndogyopaniṣat_ I, 2, _{2}: _te ha nāsikyaṃ prāṇam

udgītham upāsāṃ cakrire._ Etc. -- Και καλως Ἡρακλειτος ειπεν, ὁτι αἱ

ψυχαι οσμωνται καθ’ ἁδην, /Plutarchi/ De facie etc. cap. 28 i. f. --

Faust v. 6473/78 (Der Hauch des Paris); ib. v. 8265 f. (Das Gruneln

des Homunculus), und ebenso W. Ö. Div. I, 16, VIII, 28. In diesem

Sinne möchte sich wohl auch der _gandharvas_, _gandhabbo_, der Δαιμων,

Genius, Keimling -- vergl. die 93. Rede gegen Ende -- als Duftes

lebendige Fühlung, ohne Ferne geflogen und gebannt, wirkend offenbaren:

colla parte keine ganz ungehörige, recht artige Probe höherer

indo-ārischer Physiologie. Bei uns von /Gustav Jäger/ umfassend erneut.

Eine solche Anschauung, die bis zu einem gewissen Grade gültig ist,

wird von /Eckhart/ mit großer Besonnenheit mehrfach beleuchtet, z. B.

p. 81 »diu sêle ist in eime ieklîchen gelide alzemâle«, p. 268 »diu

sêle ist ganz und ungeteilt alzemâle in dem fuoze und in den ougen«,

p. 397 »ist ganz in eime ieglîchen gelide, in den vingern, in den

ougen, in dem herzen und in eime ieglîchen teil aller gelide grôzer und

kleiner«, p. 537 »diu sêle ist an ir nâtûre alsô gestalt, wâ si iht

ist, dâ ist si alzemâle, an ieglîchem lide ist si alzemâle, unt daz

ist des schult, swâ der nâtûre iht ist, dâ ist si alzemâle«. /Kant/:

»Ich bin ebenso unmittelbar in der Fingerspitze wie in dem Kopfe. Meine

Seele ist ganz im ganzen Körper und ganz in jedem seiner Theile.« ed.

/Rosenkr/. VII, 42.]

[Fußnote 211: Wenn bei der 120. Rede in anderem Zusammenhange eine

kantische Einführung empfohlen sein durfte, so wird hier als Vorschule

das 1.-2. Hauptstück des 2. Buches der transscendentalen Dialektik

das Verständniss z. Th. erleichtern. Da kommt unser Ergebniss vom

»Entstehn und Vergehn des Selbstes« bei der Kritik des 1. Paralogismus

zustande: »Denn das Ich ist zwar in allen Gedanken; es ist aber mit

dieser Vorstellung nicht die mindeste Anschauung verbunden, die es

von anderen Gegenständen der Anschauung unterschiede. Man kan also

zwar wahrnehmen, daß diese Vorstellung bey allem Denken immer wiederum

vorkömt, nicht aber, daß es eine stehende und bleibende Anschauung sey,

worin die Gedanken (als wandelbar) wechselten. Hieraus folgt: daß der

erste Vernunftschluß der transscendentalen Psychologie uns nur eine

vermeintliche neue Einsicht aufhefte, indem er das beständige logische

Subiect des Denkens vor die Erkentniß des realen Subiects der Inhärenz

ausgiebt, von welchem wir nicht die mindeste Kentniß haben, noch haben

können, weil das Bewustseyn das einzige ist, was alle Vorstellungen zu

Gedanken macht, und worin mithin alle unsere Wahrnehmungen, als dem

transscendentalen Subiecte, müssen angetroffen werden, und wir, außer

dieser logischen Bedeutung des Ich, keine Kentniß von dem Subiecte an

sich selbst haben, was diesem, so wie allen Gedanken, als Substratum

zum Grunde liegt.« K. R. V., ^{1}S. 350.]

[Fußnote 212: Zum stillen Niedersitzen, der lautlosen Versammlung,

dem heiligen Schweigen cf. Bd. 2, S. 354 u. 391, und die 118. Rede,

oben S. 183 f. So hat denn auch S. /Ioannes Sinaiticus/, der unverzagte

asketische Felsenklimmer, auf seiner 3. Klimas den σιωπης βυθον

wahrgenommen und auf der 27. Staffel dann wundersam entsprechend

erklärt: προερχομενος, ὁ λογῳ ου προερχομενος, ηπιος, αγαπης ὁλος οικς,

p. 28 u. 403 der Ausgabe von 1633. -- In diesem Sinne hat bei uns

/Carlyle/ gesagt: »Speech is of Time, Silence is of Eternity«, Sartor

resartus III, 3.]

[Fußnote 213: Wie das Vorspiel dieser und ähnlicher Reden lautet der

Bericht in /Celanos/ Vita /S. Francisci/, I, 22: Ingrediente ipso

aliquam civitatem, laetabatur clerus, pulsabantur campanae, exultabant

viri, congaudebant foeminae, applaudebant pueri, et saepe ramis arborum

sumptis psallentes ei obviam procedebant.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band · 第 38 / 40 段