_Anacchariyam_ »unzweifelhaft«, »unerstaunlich«, hat mir /Hikkaḍuwe

Sumaṉgala/ recht hübsch als _thokam abbhutam_ erklärt, /Subhūti/

dagegen künstlich gezwungen als _an-uccāriyam_. -- Das nur im Pāli, und

auch da nur in einigen Reden erhaltene Wort _assutapubbam_ »nie zuvor

gehört« hat dem Dichter _Bāṇas_ gar sehr gefallen, so dass er es in

sein _Harṣacaritam_ als _aśrutapūrvatvam_ aufgenommen. Cf. Anm. 51.]

[Fußnote 133: Die selbe Gepflogenheit im Umgang mit Menschen von

griechischen Weisen oft empfohlen; so von /Solon/: Σφραγιζε τουζ μεν

λογους σιγῃ. Desgleichen sehr schön von /Makarios/: Ὁ νεν γαρ σιγων

ωφελει, Apophthegm. ed. /Pritius/ p. 235. Auch von /S. Francesco/ als

Evangelicum silentium der Brüder, »ut videlicet ab omni otioso verbo

omni tempore abstinerent sollicite«, wie /Bonaventura/ im 5. Kapitel

der Vita berichtet. -- Cf. Anm. 212.]

[Fußnote 134: Cf. Bd. II, Anm. 14; _Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat_ II, 4 i.

f.: _sarvaṃ jagad ātmatvena paśyaṃs tyaktāhaṉkāro brahmāham asmīti

cintayann, idaṃ sarvaṃ yad ayam ātmeti bhāvayan, kṛtakṛtyo bhavati_.

Kurz als Monogramm: _sarvatrātmaiveti paśyanti, Bhikṣukop._ i. f. --

Unter den heiligen Anachoreten der Bergschluchten, in Wald, Fels,

Einöde gebirgauf vertheilt, gelagert zwischen Klüften, ertönt aus

der tiefen Region des Pater profundus durch seine innig umfassende

Naturerschauung zu Beginn der letzten Szene des Faust ein gleicher

Vorklang empor:

So ist es die allmächtige Liebe,

Die Alles bildet, Alles hegt.

]

[Fußnote 135: Cf. _Chāndogyopaniṣat_ III, 11, _{6}: _imām adbhiḥ

parigṛhītāṃ dhanasya pūrṇām_. Eine gleiche Zonognosie bekanntlich in

der Ilias und in der Edda.]

[Fußnote 136: altvedisches Gleichniss, e. g. im _Ṛk_ IV, 45, _{4}; cf.

/Geldner/ in /Pischels/ Vedischen Studien 2. Bd. S. 180.]

[Fußnote 137: einer der drei begleitenden Mönche, mit welchen

Anuruddho, wie eingangs erwähnt, selbviert geladen war.]

[Fußnote 138: Hiermit vergl. man die ähnlich gesteigerten, immer

sublimierter, immer reinlicher befriedigenden Begriffe des sokratischen

Eros, im Symposion des /Platon/ p. 210-212.]

[Fußnote 139: Vergl. _Theragāthā_ 927, _Yogacūḍāmaṇyupaniṣat_ v. 80 ͂=

Theaitetos p. 144.]

[Fußnote 140: Vergl. Bd. 2, Anm. 70 über das _Kevaṭṭasuttantam_. Auch

die verwandte _Tripādvibhūtimahānārāyaṇopaniṣat_ VI i. f., wo der

_upāsakas_ immer höhere Gegenden ersteigend, immer höhere Kreise und

Himmel erkundend endlich den _Ādinārāyaṇas_ antrifft, von ihm begrüßt

wird »Du bist Brahmā: ich bin Brahmā« -- worauf dieser verschwindet

und er selbst sich seiner bewusst ist. Ebenso /Eckharts/ Darstellung

des „Klimmenden Geistes“, p. 275, und den Gang in den eigenen Grund,

wo der Mensch einig geworden als vor tausend Jahren und als nach

tausend Jahren und als im Nu verkehren und mitwirken mag: »unt daz

ist wîsen liuten ze wizzene unde groben ze gloubenne«, p. 189-190.

-- Vergl. schon das altvedische Aufsteigen zum Sonnenrade, e. g.

_̀Satapathabrāhm._ I, 9, 3, _{15}: und wiederum /Eckharts/ Fliegen an

das Rad der »gewâren sunnen«, p. 303.

Zum Gleichnisse von der hell brennenden Oellampe cf.

_Triśikhibrāhmaṇopaniṣat_ v. 157: _nivātadīpasadṛśaḥ_

und ein Scholion zu _Maitryupaniṣat_ VI i. m.:

_nirvātadeśasthapradīpaśikhāvadacalatayā’vasthānaṃ samādhiḥ_.

Aehnlich noch _Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat_ II, 3 im Anf. (cf. Anm. 198),

_Yogatattvop._ II, 4, _Bhagavadgītā_ VI, 19, etc. Auch /Makarios/,

bei /Floss/ p. 197: »Sicut lampas splendida in loco tenebroso...

sic monachus perfectus in sobrietate et castitate« etc. -- Form und

Technik der indischen Lampe entspricht genau der griechischen. Von der

antiken bis zur modernen Welt hat man die Metapher der Lampe immer gern

gebraucht; auch in anderer Gestalt, z. B. in der 43., bez. 146. Rede

unserer Sammlung, ferner in den Liedern der Mönche v. 906, der Nonnen

v. 116, woselbst weitere Belege angemerkt sind. Wie beliebt solche

Gleichnisse in Rom gewesen sein müssen erhellt aus dem 30. Briefe

/Senecas/, wo er haec non tamquam nova, sed tamquam in rem praesentem

perductus mit Wohlgefallen anführt, indem er, ganz wie Lieder der

Mönche v. 702, das schöne Bild entwickelt: »Ignis qui valentem materiam

occupavit aqua et interdum ruina extinguendus est; ille qui alimentis

deficitur sua sponte subsidit.« Vergl. auch das Testament /Ephraems/ im

Anf. Aus neueren Zeiten seien hier noch zwei Stellen aus den Relations

de la mort de quelques réligieux de l’abbaye de la Trappe, Paris

1702, I. p. 171 u. II. p. 227 gegeben, wo es vom abbé /De Chastillon/

heißt »il cessa de vivre comme une lampe qui s’éteint et qui cesse

d’éclairer«, und vom frère /Achilles/ »on le voioit diminuer de jour

en jour et s’éteindre, pour ainsi dire, comme une lampe qui manque

d’huile.«]

[Fußnote 141: »Krieget man mit mir und ich gibe ime als vil worte

wider, daz er geswîgen muoz, sô hân ich niht überwunden, sô bin ich

überwunden. Aber geswîgen ich von rehter diemüetikeit, sô hân ich

überwunden. Mit überwindenne ist man überwunden, überwunden bliben hêt

man überwunden.« /Eckhart/, p. 639. -- Zum ersten Verse cf. /Persius/

V, 52-53:

Mille hominum species et rerum discolor usus:

Velle suum cuique est, nec voto vivitur uno.

]

[Fußnote 142: _Bālakaloṇakāragāmo._]

[Fußnote 143: Aehnlich hat das altlombardische Rittergeschlecht der

/Trivulzio/ drei Gesichter, tre volti, im Wappen mit der Legende

_mens unica_. Bemerkenswerth noch, wenn auch vielleicht hyperbolisch,

ist was /Celano/ in seiner Vita S. Francisci, I, 8, genau so von den

ursprünglichen Clarissinen berichtet: Praecipue namque ante omnia in

eis viget virtus mutuae ac continuae charitatis, quae ita ipsarum in

unum copulat voluntates, ut cum quadraginta vel quinquaginta pariter

alicubi morentur, idem velle ac idem nolle unum in eis spiritum faciat

de diversis. Der eigenen Einsicht aber sei endlich der ausführlichere,

wundervolle Bericht über unsere Fünf Gottesfreunde vom Oberlande, um

1370, empfohlen, der wohl das innigste, zarteste, feinste Gegenstück zu

den Anuruddhern darbietet und in solcher Vollkommenheit ohnegleichen

dasteht: bei /Preger/, Gesch. der deutsch. Mystik Bd. III, S. 364-367.]

[Fußnote 144: Cf. /Celano/, l. c. 17: Dicebat enim (fratribus) eis

ipse beatus pater, veram obedientiam fore non solum prolatam sed

excogitatam, non solum imperatam sed desideratam; hoc est, si frater

fratris praelati subditus non solum audiat vocem, sed comprehendat

voluntatem, statim ad obedientiam totum se debet colligere ac facere

quod eum velle signo aliquo comprehendet. Bald darauf berichtet er

weiter: Sic enim eos repleverat sancta simplicitas, sic eos cordis

puritas possidebat, ut duplicitatem animi penitus ignorarent; quia

sicut una fides, ita unus spiritus erat in eis, una voluntas, una

charitas, animorum cohaerentia, semper morum concordia, virtutum

cultus, conformitas mentis, et pacis actionum. Ebenso auch schon

/Makarios/, in der III. Homilie: Οφειλουσιν ουν οἱ αδελφοι, ει τι

ποιουσι, εν αγαπῃ και χαρᾳ ειναι μετ’ αλληλων, κτλ.]

[Fußnote 145: _dassanañ ca rūpānam_: _rūpam_ = ειδος, Bild, Form,

Umriss; cf. /Böthlingk-Roth/ ^{1}s. v. 1_e_. Es ist eine geistige

Wahrnehmung der Grundbegriffe, d. i. der Urbilder der Dinge.]

[Fußnote 146: Wie einst ist auch heute noch schatzgraben in manchen

Gegenden, z. B. an den alten, längst unter Wüstensand verschütteten,

ehedem so blühenden gräko-buddhistischen Kulturstätten im Taklamakan

des östlichen Turkestan gebräuchlich und zuweilen recht ergiebig. Cf.

/Hoernles/ interessante Belege in seinen Antiquities from Central Asia,

Journ. As. Soc. Bengal. Extra No. 1, 1899, p. XXVII.]

[Fußnote 147: Zum Anblick der Umrisse, der geistigen Wahrnehmung der

Urbilder der Dinge, S. 297-303, cf. /Platons/ Ideenlehre; sowie Fausts

Abstieg in den allertiefsten Grund, zur Gestaltung und Umgestaltung

bei den Müttern (_Mahāmātaras_, _Lokamātaras_, Μεγαλαι θεαι, Matres

materiae; Magna Mater, Mater deum Aestiorum, Nerthus, Nornen); dann

_Tao-te-king_ Kap. 21. -- Vergl. auch die spätere Darstellung der

Mütter in den Felsenhöhlen der Tempel, Ruinen und Torsi, so zu Elurā.

Es mag nebenher angemerkt sein, dass recht eigentlich hier das

nachspürende, aufschürfende, sehr allmälig vordringende Verständniss

jüngerer Epochen indischer Architektur und Skulptur, der autochthonen

Meisterwerke, -- der Dutzenddurchschnitt und die barbarisch, d. i.

fremdartig, persisch oder griechisch oder chinesisch behandelte

Schablone verdient nur kulturhistorische Betrachtung -- einfahren und

anbohren muss: weil eben zumal der indische Künstler geheimnissvoll

wie die Natur einzig von innen nach außen geschaffen, gebildet,

gestaltet hat und so bei all dem Ueberflusse und der unendlichen Fülle

noch immer großartig, ja erhaben zu wirken vermag; und nun trotz

der scheinbaren Regellosigkeit, die den erstaunten Gast oft wie bei

/Rembrandt/ befremden wird, wirklich doch eine höhere Einheit und

Ordnung erreicht ist. Aber wenn man große Maler ohne Anschauung der

Originale kaum verstehn lernen, wenn man sich Pyramiden und Amenophien

durch Bilder oder Modelle schwerlich gut vorstellen kann, viel weniger

erst die Art und Wirkung jener hindustanischen Denkmale, die gar

tief gegründet in der heimischen Erde wurzeln, aus dem Schooße ihrer

Felsenklüfte und -grüfte emporgewachsen, hinangewölbt, so zu sagen aus

dem Reiche der indischen Mütter an den Tag hervorgestiegen scheinen.

Immerhin einen mächtigen Kontrast zur Wirkung dieser Architektur bieten

unsere gothischen Dome, in Straßburg, Rheims, in Mailand, Toledo etc.,

deren felsige Gestalt bekanntlich als freie Weiterentwickelung des

hindustanischen Grottenstils anzusehn, uns in Europa von den Arabern

und Mauren maskiert übermittelt worden ist. Denn wo der Islam dabei

irgend selbständig zuwerke gehn wollte, hat er lediglich zierlich nette

Kleinschmiedearbeit zustande gebracht, nicht mehr und nicht weniger,

selbst in den ungeheueren Dimensionen der mogulischen Moscheen und

Mausoleen zu Delhi und Agra: während schon der erste beste gewöhnliche

indische oder gothische Thurm unser Gemüth bedeutsam wie die Natur

anspricht, als ein Monolith vor dem Altar der Gabenmutter Demeter oder

der unerschöpflich reichen Diana der Epheser. Wenn also /Schopenhauer/

die, freilich zu seiner Zeit ganz unzulänglich gekannte, hindustanische

Skulptur als bloß symbolisch bezeichnet hat, so wäre hier eben bei

»des Lebens Bildern, regsam, ohne Leben«, wo »Alles Melodie wird«

und Säulenschaft und Triglyphe klingen, vielleicht noch eine höhere,

fast unbeschreibliche Aussicht und Einsicht erreichbar und etwa der

Erinnerung zu gedenken:

Alles Vergängliche

Ist nur ein Gleichniss.

]

[Fußnote 148: Vergl. /Bakchylides/, Theseus v. 42-45: δικας αδικοισιν

οφρα μησεται -- παντ’ εν τῳ δολιχῳ χρονῳ τελειται. Auch Hamlet I, 5,

_{10-22}; namentlich die der Schlussfolge obiger Absätze merkwürdig

entsprechende Stelle:

...... confined to fast in fires,

Till the foul crimes done in my days of nature

Are burnt and purg’d away.

]

[Fußnote 149: Die Opferpriester gefräßigen Hunden vergleichen ist

nicht etwa ironische Erfindung unserer Texte, vielmehr schon im 12.

Kapitel des 1. Buches der _Chāndogyopaniṣat_ mit dramatischem Humor

dargestellt, ganz analog der kostbaren Szene in des /Aristophanes/

Eirene v. 1043 ff., wann der Mantis Hierokles κατα την κνισαν

εισεληλυθεν.]

[Fußnote 150: Vergl. _Chāndogyopaniṣat_ V, 10, 8 die _kṣudrāṇi bhūtāni_

und ihr _jāyasva mriyasvetyetattṛtīyaṃ sthānam_.]

[Fußnote 151: Vergl. die _kuṇimāhāraneraiyā_ der _Jainās_, wie

_Aupapātikasūtre_ § 56; wo auch, beiläufig gesagt, unser _Cūḷasīlam_

neben anderem sorgsam rezipiert erscheint.]

[Fußnote 152: Dieser Kampf ums Dasein ist schon im _Vedas_ erkannt

worden, _̀Satapathabrāhmaṇam_ I, 8, 1, _{3}. -- Das Gleichniss von der

Schildkröte und der Reuse scheint das Original zu jener mühsäligen,

kaum verständlichen Parabel vom Kameel und dem Nadelöhr abzugeben, wie

/De Lorenzo/ in der Flegrea vom 5. Juni 1901 S. 410 f. des näheren

ausführt. Doch was nach indischer Anschauung unschwer begreiflich, ist,

durch diverse Medien und Metamorphosen mehr und mehr verdunkelt, im N.

T. endlich zu einer Art Hieroglyphe geworden, mit der die Exegese, die

sogar einen vikarierenden Elephanten aufgefunden, nicht fertig werden

konnte, da ihr eben die ursprüngliche, in der Natur begründete, wenn

auch hyperbolische Eikasie unseres Gleichnisses nicht zugänglich war;

daher denn auch der sinnige /Makarios Mg/. es vorgezogen hat, καμηλος

von καμειν abzuleiten und auf die πενια zu beziehen, ed. /Blondel/ p.

58/59. Aber in einem der ältesten christlichen Briefe und zwar des

/Barnabas/, den freilich die Kirchentyrannis gerade seiner unzweideutig

überirdischen Gesinnung wegen infam wie /Petrus/ verleugnet, findet

man unsere obige Anschauung unvertrübt wieder, ohne Möglichkeit zu

opportunem Missverstehn und theokratischer Umwerthung, in der Mitte

des X. Kapitels, wo /Barnabas/ die Schlechten und Frevler den Polypen

und anderen Thieren der Seetiefe vergleicht, ὡς και ταυτα τα ιχθυδια

μονα επικαταρατα εν τῳ βυθῳ νηχεται, μη κολυμβωντα ὡς τα λοιπα, αλλ’

εν τῃ γῃ κατω του βυθου κατοικει. -- Noch mag hier bemerkt sein, dass

bei /Vergil/, wann er den ατερπεα χωρον des /Empedokles/ abbildet, die

Stelle von der Schwierigkeit zum Menschenthum zu gelangen wiederkehrt,

Aen. VI, 703-751. Bis in die Gegenwart hat sich im Volke ein solches,

man möchte sagen metaphysische Gefühl hie und da erhalten. »Ziemlich

verbreitet«, erzählt uns z. B. /Vernaleken/ in seinen Mythen und

Bräuchen des Volkes in Oesterreich S. 119 f., »ist in Steiermark

die Meinung, dass die Soldaten nicht in den Himmel kämen, sondern

die ‚grüne Wiese‘ zu ihrem Sammelplatz hätten. Dort auf der ‚grünen

Wiese‘ harren sie, bis der Tag kommt, an welchem sie in der Welt

wieder erscheinen werden.« Diese grüne Wiese nun gleicht aber mehr

noch als den _prata_ der Aeneis dem ασφοδελος λειμων der Odyssee, und

dieser wiederum mehr dem heillos tiefen Sacer Oceanus, aus dem die

uralte Schildkröte aufsteigt. Eine wunderbare Ahnung darum hat unseren

/Wolfram/, im Titurel Str. 166, von »jâmersôten« reden lassen, nachdem

er, Str. 120, das Gleichniss gegeben:

Ez ’n wart ûf mer geworfen ûz kocken noch ûz kiele

nie anker alsô swaere der ze tal durch wâc sô tiefe geviele,

als mîn herze in jâmer ist versenket.

]

[Fußnote 153: Genau entsprechend sagt /Sokrates/, im Gorgias p. 522:

Πολλων γαρ αδικηματων γεμοντα την εις Ἁιδου αφικεσθαι παντων εσχατον

κακων εστιν.]

[Fußnote 154: Ist das ευ ακουειν /Pindars/. 1. Pythionike i. f., 4.

Isthmionike v. 13: das bene audire, der gute Ruf; oder wie unser

/Hartmann/ den Îwein gar schön eröffnet:

Swer an rehte güete

Wendet sîn gemüete,

Dem volget saelde unde êre.

Vergl. die 60. u. 76. Rede und _Dhammapadam_ v. 1-2.]

[Fußnote 155: Es ist, wie im _Brahmāyusuttam_ p. 514, zu lesen:

_tass’ imāni satta ratanāni bhavanti, seyyathīdamādi_. Die spectamina

munditiae gehören in den Kommentar, der, wie gewöhnlich, manches

missverstanden, manches recht volksthümlich weiter ausgeführt hat.

Diesem entspricht denn auch ihre Darstellung im Relief, so zu

Amarāvati, vorbuddhaghosisch.]

[Fußnote 156: Vergl. der _Smṛti_ Urbild: _abhibhavati nṛpaḥ

sarvabhūtāni tejasā_, wie _Manus_ VII, 5 etc. Auch das homerische

Seitenstück, Od. II, 230/31: προφρων αγανος και ηπιος εστω σκηπτουχοσ

βασιλευς, φρεσιν αισιμα ειδως. Dann des /Plinius/ Glückwunsch an

/Traian/ zur Thronbesteigung: Fortem te et hilarem, imperator optime,

et privatim et publice opto; sowie das Ideal im Rolandslied, v. 531/33:

l’emperere est ber:

tant nel vus sai ne preisier ne loer,

que plus n’i ait d’onur e de bontet.

]

[Fußnote 157: Vergl. Bd. 2, S. 405, 470, 517. Zur antiken Auffassung

der Gesundheit als einer gleichmäßigen Kräfte- und Säftemischung ist

bekanntlich die neueste Medizin wiederzurückgekehrt. -- Aehnlich hat

/Shakespeare/, Julius Caesar i. f., Brutus preisen lassen:

His life was gentle, and the elements

So mix’d in him that Nature might stand up

And say to all the world: This was a man.

Imgleichen hat er, als höchstes Lob Horatios, blood and judgment well

commingled, Hamlet III, 2, _{74}; während /Simonides/ den ganzen

Begriff anmuthig epigraphiert, fragm. 116:

ουδε καλας σοφιας εστιν φαρις,

ει μη τις εχει σεμναν ὑγιειαν.

]

[Fußnote 158: Der viermächtige Heerbann, _caturaṉginī senā_, das

_caturaṉgam balam_ der _Smṛti_, stellt die gesammte Kriegsmacht,

und zwar Wagen-, Elephanten-, Reiter- und Fußtruppen dar: ist in

der Skulptur mit Vorliebe, besonders gelungen und oft prachtvoll zu

Amarāvati, behandelt; und wie bei unserem /Alexander/, /Attila/,

/Napoleon/ auch in Indien selbstverständliches Attribut des

Erderoberers, von der mythischen Larve des _Naciketās_ bis zur

historischen Person Asokos. Purāṇischer Ueberlieferung entstammt

es, dass der Titel _cakkavattī_ populär geworden und noch heute

nicht selten als cognomen erscheint, eben wie bei uns der Name

»Kaiser«. -- Hier sei noch eine andere Eigenheit eines _cakkavattī_

besser untersucht, zu Bd. 2, 1. Aufl. S. 520. Bei der Wiedergabe

von _jālahatthapādo_ war ich unvorsichtig genug einmal einer

kommentariellen Tradition gefolgt, die von den fein verschlungenen

Linien der Hand- und Fußflächen redet und sie einem Filigrangeflechte

ähnlich beschreibt. In Wahrheit aber müssen auch hier die

scholastischen Interpreten abgewiesen und die klassischen Texte zur

Erklärung herangezogen werden. In der ersten Hälfte des letzten Aktes

der _̀Sakuntalā_ wird nämlich unser obiges Merkmal eines _dhammarājā_

oder _cakkavattī_ richtig und naturgemäß der aufblühenden Lotusknospe

verglichen, wo die aufstrebenden schlanken Blätter den Fingern und

die unten zusammenhaltenden Blatthäutchen der Bindehaut am Ursprung

der Finger entsprechen. Bei wem sich ein solches Merkmal vollkommen

schön entwickelt zeigt, der mag, nach indischer Idealphysiognomik, die

Laufbahn eines Welteroberers oder aber eines Weltüberwinders vollenden.

So ruft denn der König, als er seines noch unerkannten, löwenwürgenden

Heldenknaben emporgestreckte Hand mit der rosig durchsichtigen

Bindehaut zwischen den Fingern wahrgenommen, freudig erregt aus:

_kathaṃ, cakravartilakṣaṇam apy anena dhāryate, tathā hy asya_

_pralobhyavastupraṇayaprasārito

vibhāti jālagrathitāṉguliḥ karaḥ,

alakṣyapatrāntaram iddharāgayā

navoṣasā bhinnam ivaikapaṉkajam._

_Jālahatthapādo kho pana so bhavaṃ Gotamo_ heißt daher: »Eine

Bindehaut aber an Händen und Füßen hat er, der Herr Gotamo.« -- Vergl.

noch die als Ausnahme einmal gute Parallele im VII. Kapitel des

_Lalitavistaras_: _jālāṉgulihastapādaḥ_.

Die zweiunddreißig Merkmale eines großen Mannes, die unsere Texte

angeben, theilen übrigens eine Reihe mehr oder minder gleichartiger

und auch gegensätzlicher Kennzeichen mit dreißig Merkmalen /San

Francescos/, die /Celano/ in seiner Vita I cap. 29 i. f. autoptisch

überliefert: Facundissimus homo (1), facie hilaris (2), vultu benignus

(3), immunis ignaviae (4), insolentiae expers (5), statura mediocris

parvitati vicinior (6), caput mediocre ac rotundum (7), facies utcumque

oblonga et protensa (8), frons plana et parva (9), mediocres oculi

nigri et simplices (10), fusci capilli (11), supercilia recta (12),

nasus aequalis subtilis et rectus (13), aures erectae sed parvae (14),

tempora plana (15), lingua placabilis ignea et acuta (16), vox vehemens

dulcis clara atque sonora (17), dentes coniuncti aequales et albi

(18), modica labia atque subtilia (19), barba nigra pilis non plene

respersa (20), collum subtile (21), humeri recti (22), brevia brachia

(23), tenues manus (24), digiti longi (25), ungues producti (26), crura

subtilia (27), parvuli pedes (28), tenuis cutis (29), caro paucissima

(30).]

[Fußnote 159: Cf. die Parallele in der _Bṛhadāraṇyakopaniṣat_ IV,

3, _{32-39}: _Sa yo manuṣyānāṃ rāddhaḥ samṛddho bhavatyanyeṣām

adhipatiḥ, sarvair mānuṣyakair bhogaiḥ saṃpannatamaḥ, sādi._

-- /Merswin/, Neun Felsen, p. 120.

Zu der, wie oben ausgeführt, kaum gleichnissweise andeutbaren

Art der Extreme des Daseins mögen hier einige Worte von /Robert

L’Orange/ mitgetheilt sein: »Was würde dieser (Philosoph) sagen,

wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur

Abscheuliches und obendrein dem Geiste lauter Widersprüche, Undinge,

Wahnsinnsvorstellungen dargeboten würden? Und was würde er anderseits

sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd

nur Erfreuliches dargeboten würde und obendrein dem Geiste das, was er

sieht, harmonisch, verständlich erschiene? Dass beide Orte existieren,

daran dürfen wir nicht zweifeln, nach so vielen, zum Theil wörtlich

übereinstimmenden, unabhängigen Zeugnissen glaubwürdiger Menschen --

zumal kein Grund a priori dagegen spricht.« Er fügte dann noch hinzu:

»Vergleiche übrigens die Worte /Jakob Böhmes/: Wenn alle Berge Bücher

wären und alle Seen Tinte und alle Bäume Schreibfedern: noch wäre es

nicht genug, um all den Schmerz zu beschreiben.« Indischer Prägnanz in

grässlicher Nāśa-Nekadologie zunächstgekommen ist freilich /Aischylos/

mit seinem απεραντος ταρταρος und απεραντον ηικτυον ατης, Prom. 153,

1078. Beide Orte werden von /Makarios/ wundervoll tief dahin ausgelegt,

ει ουν ἡ καρδια βαθος τι εχει απεραντον, εκει τρικλινοι και κοιτωνες,

θυραι και προθυρα, και διακονιαι πολλαι και διεξοδοι· εκει εστι το

εργαστηριον της δικαιοσυνης και αδικιας· εκει εστιν ὁ θανατος, εκει

εστιν ἡ ζωη· εκει εστιν ἡ αγαθη εμπορια και ἡ εναντα: Homil. XV § 32

fine, XLIII § 8; ein vollkommen indischer Kommentar zu dem Spruche

_cittaṃ kāraṇam arthānāṃ_ | _tasmintsati jagattrayaṃ_ | _tasmin kṣīṇe

jagatkṣīṇaṃ_ | _taccikitsyaṃ prayatnataḥ_ |: _Yogaśikhopaniṣat_ VI,

59.]

[Fußnote 160: Der Weise, _paṇḍito_, ist hier als der Kluge nach

der Seite möglicher Zuträglichkeit, wie vorher _bālo_, der Thor,

_pariyāyena_ entwickelt. -- Zum Gleichniss vom Würfelspiele cf. die 60.

Rede S. 104-115, Lieder der Mönche v. 462; _Chāndogyopaniṣat_ IV, 1.

u. 3. Kapitel. Dieses drastische Bild hat denn auch Asoko wiederholt

dargestellt, namentlich auf dem IX. Felsenedikt i. f.: _Tato ubhayasa

ladhaṃ bhoti, iha ca so aṭho paratra ca anaṃtaṃ puñaṃ prasavati tena

dharma[ma]ṃgalena._ Item: XI., XIII. Felsened., III. Säulenedikt. --

In der gräko-italischen Kultur ist das Gleichniss nicht minder beliebt

gewesen, von /Epicharmos/, frgm. v. 280 κυβους απο τυχας βαλειν, bis

auf /Cäsars/ »Iacta alea est« herab. Weitere interessante Nachweise

findet man in den Adagia des /Erasmus/ s. v. alea, und in /Schraders/

Reallexikon der indogerm. Alterthumskunde s. v. Spiele. Die selbe,

bei uns weniger gebrauchte Metapher vom großen Wurfe hat /Schiller/

angewandt, in der Ode an die Freude. In neuerer Zeit ist dafür das

große Loos und der Haupttreffer, schon bei /Jean Paul/ zu begegnen,

volksthümlich geworden. Vergl. auch /Pascals/ »Il faut parier«, Pensées

II, 3, _{5}.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band · 第 36 / 40 段