im _Mahāvaṃso_ II, v. 16 als _Devadaho_, im _Mahāvastu_ I, p. 355
f. als _Devaḍaho_, und _Jātakam_ I, p. 52 als _Devadahanagaram_
gut überliefert. Noch heute führt die Straße über die Ruinen von
_Kapilavatthu_ nach Rummin-deī, dem einstigen _Luṃminī_, und von da
ein paar weitere Tagereisen hinauf ins Gebirge bis zur sakkischen
Gränzfeste, der stolz emporragenden Burgstadt Deonyagarh, wie sie
gegenwärtig heißt. Die Angabe eines chinesischen Pilgers, der Weg von
_Kapilavatthu_ nach _Devadaham_ betrage 800 _li_ (ca. 350 km), von
/Watters/ im Journal Roy. As. Soc. 1898 p. 547 mitgetheilt, wird daher
der Wahrheit ziemlich nahegekommen sein. -- Vergl. unser Göttweig,
von vicus, wîch: der Götter Hof, hoch auf steilem Felsen, gegenüber
Stein an der Donau gelegen; (schott.) Lochnagar, Interlaken, Laach
etc., von lacus. Die Ruinen von _Devadaham_ mögen dermaleinst unter
dem heutigen Deonyagarh aufgefunden werden, sobald nur erst Männer
wie /Prinsep/ oder /Cunningham/ wieder am Werke sind. Wenn Babu
/Mukherji/ noch jüngst nahe bei Rummin-deī danach gesucht, Report on
etc. Antiquities in the Tarai etc. (Archaeological Survey of India
XXVI 1 Imp. Ser.), Kalkutta 1901, S. 58, so hat er eben den gänzlich
unwissenschaftlichen, bloß willkürlichen Behauptungen von Leuten
wie Major /Waddell/ und /Vincent A. Smith/ muthlos gehorcht, ohne
auch nur den Versuch eigener Quellenuntersuchung zu wagen: weil ja
historisches Forschen und Verstehnlernen mehr noch als dem alten dem
modernen Inder versagt ist. Die neu von ihm gelieferten, leider nur
spärlichen photographischen Aufnahmen in situ der zumeist schon von
dem ehemaligen Jesuiten und trotz der argen Anschuldigungen immerhin
verdienstvollen /A. Führer/ entdeckten Reste und Alterthümer aus
der sakkischen, künstlerisch ungemein hoch stehenden Periode sollen
dagegen mit lebhaftem Danke begrüßt werden. -- Auf Tafel XXVIII findet
man die in der 109. Anmerkung erwähnte krystallene Phiole sowie die
Urne mit der Inschrift nebst den anderen drei im selben Sarkophage
(_salilanidhanam_ Leichenschrein) verwahrt gewesenen Reliquiengefäßen
photograviert. Die von mir a. a. O. vorgebrachte Hypothese einer
geographischen Differenzierung von _Sakko_ und _Sakyo_ lässt sich durch
unsere Manuskripte und Inschriften doch wohl nicht genügend stützen.]
[Fußnote 2: »ez ist allez ein vorgewürket dinc«, sagt Meister
/Eckhart/, ed. /Pfeiffer/ p. 487, in Uebereinstimmung mit dieser alten,
auch nach _Aupapātikasūtram_ § 129-155 und _Sarvadarśanasaṃgrahas_ 3.
Kap. gegen Ende, von den _Jainās_ angenommenen Upanischadenlehre, die,
im _Bṛhadāraṇyakam_ noch als Geheimniss behandelt, später Gemeinplatz
wurde, wie e. g. im _Kathāsaritsāgaras_ 40, _{113} _prākkarmopārjitaṃ
sarvam eva śubhāśubham_, fast wörtlich wie oben ib. _{41} _sarvaṃ
tiṣṭhati pūrvakarmavaśād eva_.]
[Fußnote 3: Zu _sallena savisena gāḷhapalepanena_ cf. _Ṛgvedas_ X, 87,
_{23} _viṣeṇa tigmena śociṣā_. -- In Griechenland die philoktetischen
Pfeile; im /Horaz/ die venenatis gravida sagittis pharetra, Carm. I,
22. Auch parabolisch: »glühend bittre Pfeile«, wie Faust II im Anf.]
[Fußnote 4: _Puna ca param_ bis _parisodheti_ ist hier, wo bereits
der Mönch dargestellt, übernommene Einschaltung: lies _Puna ca param
bhikkhave bhikkhu vivicc’ eva kāmehi viviccādi_. -- Zum vorhergehenden
Gleichnisse cf. die 109. Anmerkung.]
[Fußnote 5: Diese Rede ist eine gründliche, wenn auch nicht allzu
leicht verständliche Exposition ideal immanenter Betrachtung gegenüber
der real transscendenten der Freien Brüder. Laetus in praesens animus
quod ultra est oderit curare. Vergl. auch den 14., 56. und andere
verwandte Dialoge.
Die Schmerzensaskese der Freien Brüder, Stetigsteher und anderer
Büßer findet man insbesondere in der 45. und 57. Rede ausführlich
geschildert: Gebräuche, die noch heute in Indien und gelegentlich,
en miniature, sogar bei uns üblich sind; wie z. B. die alljährliche
Springprozession zu Echternach zeigt. Και ταυτη Ινδων επανεληλυθυια,
nach /Suidas/ über /Theophilos/.
Zur Lehre _āyatim anavassavo_ »Ferner kein Zufluss« cf. die 67.
Rede S. 202 u. d. Anm. 58; auch _Annapūrṇopaniṣat_ V, v. 71
_duḥkhasyāvasaras_ und des apokritischen /Makarios/ θαλαττα του
βιου und πελαγος της θνητης ζωης, ed. /Blondel/ p. 72, des /Makarios/
Aigyptios διελθειν και ὑπερβηναι και διαπερασαι την πικραν θαλασσαν της
ἁμαρτιας, Homil. XLIV § 6, ed. /Pritius/ p. 508.
Gute, unseren und den jinistischen Texten entsprechende Darstellungen
büßend beharrender Stetigsteher, d. i. Freier Brüder, bieten die
zahlreichen Kolossalstatuen in den Felsenwänden und -grotten auf dem
Wege zur Gwaliorburg, einer der großartigsten natürlichen Festungen,
die ich gesehn. Zumal die Gruppen am östlichen und am südlichen
Abhange, ungefähr je zwanzig gewaltige, meist zehn, aber auch bis
zwanzig Meter hohe Gestalten, zeichnen sich durch erhabene Schönheit
aus; daher denn auch ein Missionar des 16. Jahrh. eine dieser Gruppen,
freudig überrascht und nicht blöde, als Christus und seine Jünger
beanspruchen wollte --
Virtutis verae custos rigidusque satelles.
]
[Fußnote 6: Dieses Gleichniss, das man fast als eine gewisse Humoreske
nicht unschicklich ansehn könnte, hat /Sokrates/ ganz ebenso naiv, zu
Ende des Gesprächs im Euthyphron, gebraucht: Εμπορικη αρα τις αν ειη
τεχνη ἡ ὁσιοτης θεοις και ανθρωποις παρ’ αλληλων. Ja auch /Eckhart/, p.
34: Diz sint allez koufliute... wan sie wellent daz eine umbe daz ander
geben unde wellent alsô koufen mit unserm herren.]
[Fußnote 7: _sā gaddulabandho_, »ein Hund mit einem Kehlbande«. Vergl.
_Saṃyuttakanikāyo_ vol. III. p. 150, _taṇhāgaddulam_, _Niddeso_ II. p.
11.]
[Fußnote 8: Der Text hat richtig _nibbānasappāyam_.]
[Fußnote 9: Cf. die 1. Rede des 1. Bandes. -- _Tao-te-king_, ed.
/Julien/, 1. Buches letztes Kap. i. f.
Das Erforschen der Vergangenheit und der Zukunft aufgeben ist öfters
eingehend behandelt, wie _Saṃyuttakanikāyo_ vol. V. p. 263/4, oder
_Theragāthā_ 397: _yathā pure tathā pacchā | yathā pacchā tathā
pure|_. Vergl. die vedische _Gāthā_: _yad asya pūrvam aparaṃ tad asya
| yadvasyāparaṃ tadvasya pūrvam|_: _Aitareyabrāhmaṇam_ III, 43. Zu
den Antinomien, S. 28 passim, finden sich mancherlei scholastische
Beispiele im 3. Kap. des _Sarvadarśanasaṃgrahas_. Näher steht das
schöne Wort des /Demonax/: Εξεταζοντων τινων, ει ὁ κοσμος εμψυχος,
και αυθις, ει σφαιροειδης· Ὑμεις, εφη, περι δε της ἑαυτων βκοσμιας ου
φροντιζετε. Aehnlich /Sokrates/ in der Einleitung zum Phaidros.
[Fußnote 10: lies _abhiṇham._ -- Zur Sache cf. die 77. Rede.]
[Fußnote 11: _diṭṭhipaḷāso_, _paḷāso_ = _parāśas_, von √(śaṃs)
(/L’Orange/).]
[Fußnote 12: Der Stelle S. 37, »dem Sinne nach und dem Worte
nach«, _atthato ca vyañjanato ca_, entspricht das Ende des dritten
Felsenediktes, wo Asoko, an unseren Texten herangebildet, in schlichter
Würde und ihm so eigenthümlich gewordener Umsicht bestimmt: _Parisā pi
yute āñapayisati gaṇanāyaṃ hetuto ca vyaṃjanato ca_, »Die Behörden aber
werden das Gebührende veranlassen unter den Leuten, der Wirklichkeit
nach und dem Worte nach.« -- Vergl. den alten Spruch _Yathāvādī
tathākārī_, wie _Theragāthā_ 1277; oder bei uns im Speculum monachorum
/Bernardi Casinensis/, II i. f.:
Voci vita non discordet:
Cum vox vitam non remordet
Dulcis est symphonia.
]
[Fußnote 13: Unter sumpfiger Ablagerung heute begraben, darüber
wahrscheinlich der Weiler Sāma-devī, wie /Führer/ vermuthet, vier bis
fünf Stunden südwestlich vor Niglīvā gelegen: cf. Tafel II in dessen
Monograph on Buddha Sakyamuni’s Birth Place in the Nepalese Tarai,
Allahabad 1897, und ib. p. 37.]
[Fußnote 14: Das Gleichniss von der Lehre als Kuppelbau, als geistiges
Obdach, ein wahres Denkmal, wohl zu hüten, wie es die 89. Rede weiter
ausführt, hat uns /Arrian/ vortrefflich überliefert: Λεγεται δε και
ταδε, μνημηια ὁτι Ινδοι τοισι τελευτησασιν ου ποιεουσιν, αλλα τας
αρετας γαρ των ανδρων ἱκανας ες μνημην τιθενται τοισν αποθανουσι, και
τας ῳδας αἱ αυτοισιν επᾳδονται: Indica § 10.]
[Fußnote 15: Der Text hat richtig _patissayamānarūpā_. -- Vergl.
_Maitryupaniṣat_ VII, 9 die _mūḍhāḥ paṇḍitaṃmanyamānāḥ_, i. e.
_ātmānaṃ_ p^0.]
[Fußnote 16: Zu _gihipaṭisaṃyuttam_ cf._ tyaktaṃ sannyāsayogena
gṛhadharmādikaṃ vratam, Sannyāsopaniṣat_ v. 89; vergl. auch die
Anmerkungen 45 u. 186.]
[Fußnote 17: Der Ausdruck _dhammanetti_, Richtschnur der Lehre,
S. 47, ist noch im _Mahāvastu_ gut erhalten, vol. III. p. 234 als
_dharmanetrī_ und _saddharmanetrī_, vol. II. p. 373: _pralujyamāne
jinavaraśāsanasmiṃ | dhāreti śāstu varadharmanetrī_. Zu _netti_ in
anderer Komposition und allgemein cf. /Hardy/, _Nettipakaraṇam_ p. VII
f. und Lieder der Mönche Anm. zu v. 135.
Der _sāmukkaṃsiko vinayo_ der beiden letzten Reden erinnert
einigermaaßen an die correptio fraterna, wie sie /S. Antonio da Padova/
geübt wissen wollte. Ist auch natürlich bei ihm jene Klarheit nicht
zu finden, so zeigt sich doch eine ähnlich eindringende, sorgfältig
abwägende, liebevoll prüfende, mannhaft nüchterne Behandlung von Fall
zu Fall wie bei uns, und immer eingedenk des hohen Zieles. Als ein
Gegenstück z. B. der Geständnissannahme, oben S. 49, folge hier die
korrelate kurze Stelle aus dem Sermo der feria tertia hebdom. tert.
in Quadrag., ed /De La Haye/ 1739 fol. 87: »Debet haec correctio esse
de praeterito, admonitio pro futuro, ut scilicet dicatur his verbis,
Tale quid commisisti? sed super praeteritum admonitio non cadit: igitur
caveas de futuro.«
Zum gesammten ursprünglichen _vinayo_, der radikal einfach
gegründet, erst später aus dem _śrautamūlam_ zu einem
_ārbudaghoṣadharmaśāstraśākhāntarajāṉgalam_ entwickelt wurde, cf.
die wichtige 65. Rede S. 178 der Uebersetzung, ‚je schlechter der
Orden, desto mehr der Regeln‘: ein Motto, das genau einem solchen
des /Tacitus/ entspricht, »corruptissima re publica plurimae leges.«
Vorher nämlich hatte der große Beobachter der Menschen und Dinge dieses
Verhältniss schon ganz in unserem Sinne, eben der indischen und der
antiken Anschauung überall gemäß, erklärt: »Vetustissimi mortalium,
nulla adhuc mala libidine, sine probro, scelere, eoque sine poena aut
coercitionibus agebant, neque praemiis opus erat, cum honesta suopte
ingenio peterentur; et ubi nihil contra morem cuperent, nihil per metum
vetabantur.« Ab exc. Aug. III, 26, 27. -- Cf. dazu die Anm. 62.]
[Fußnote 18: Zum Reich des Nichtdaseins cf. die _̀Sruti_-Stellen,
die im 2. Bande Anm. 169 angegeben sind. Ein »demgemäßes Gespräch«
hat /Platon/, als ein Gleicher Gleiches darstellend, im Parmenides
vollendet ausgeführt. Die Hauptstelle darin, p. 160, Ουδεν γαρ ἡτιον
γιγνωσκεται τι το λεγομενον μη ειναι, και ὁτι διαφορον των αλλων,
begründet nicht nur die logische Berechtigung, sondern quasi die
geistige Vorstellbarkeit einer solchen Sphäre: mit höchster poetischer
Kraft schon im _Ṛgvedas_ X, 90, _{3-4} vom Seher gezeigt. Erstaunlich
tief erschlossen von /Eckhart/ in der 99. Rede; vergl. auch den
vorhergehenden drittletzten Absatz i. f.: »Ein meister sprichet: der
himel hât kein lieht, er ist ze hoch dar zuo.«]
[Fußnote 19: der siam. Text hat richtig _jānamāno_; für _anupādiseso_
ist _saupādiseso_ zu setzen. -- Der Schluss der ärztlichen Rathschläge
findet sich ebenso fein in einem Gleichnisse des /Aristoteles/
beobachtet: Ουτε γαρ ιατρος σκοπει ει δει ὑριεινειν η μη, αλλ ει
περιπατειν η μη: Ethic. Eudem. lib. II. cap. XI. Zur ärztlichen
Kunst, von welcher hier eine hübsche Probe gegeben, cf. auch die 75.
Rede und No. 129 Anmerkung 157. -- Einer der berühmtesten Aerzte ist
bekanntlich unser _Jīvako_ gewesen, zugleich ein feinsinnig gebildeter
Geist, als den ihn die 55. Rede kundgiebt. Sein offizieller Rang als
_kaumārabhṛtyas_, _komārabhacco_ ist von _kumāras_ Prinz abzuleiten:
also der Prinzenarzt, d. i. der Hofarzt. Kaum nöthig zu betonen, dass
_kumāras_ der Titel für Prinz ist; wie denn auch Asoko das Wort nur
in diesem Sinne anwendet: cf. Dhauli No. I, 23, II, 1, Säulenedikt
VII, 2, _{6} und /Bühlers/ Anmerkung _l_ hierzu, Epigraphia Indica II,
274. _Kumāras_ heißt wohl auch »Kind«, aber in demselben höfischen
Sinne wie unser kint Ortlieb, Gîselher daz kint, wo erwachsene Prinzen
gemeint sind, Nib. 1961, 1098, oder wie altenglisch Childe (cf.
Harold). _Kaumārabhṛtyas_ etwa streng fachsimpelhaft als »Kinderarzt«
ausweisen, wie noch /Jolly/, Medizin p. 68, ist daher nicht anders
als ob man /D. Carlos/, Infant von Spanien, als »Kind von Spanien«
übersetzen wollte. Barbarische Machwerke vom Schlage der /Bower/-Mss.
etc., die nicht nur den Begriff des _kumāras_ verkannt haben, sind
überhaupt für die Kunde der ächten wissenschaftlichen Medizin der Inder
recht unfruchtbar, dienen vielmehr als Materialien zu einem Kodex der
Quacksalberei, auch der Zaubermittel und Horoskopien, sowie einer
indianisch germanistischen Kritiklosigkeit, die alles, altes und neues,
meisterhafte Diagnosen wie scharlatanische Alfanzereien kunterbunt
durcheinanderstreicht. Die Geschichte der indischen Medizin kann von
keinem Philologen und von keinem Arzte, nur von einem, der beides
ist und dazu noch ein halbes Gran vom Geiste /Bichats/ mitbringt,
vielleicht einmal geschrieben werden: so nämlich wie /Colebrooke/ jetzt
vor hundert Jahren mit der indischen Jurisprudenz den Anfang gemacht.]
[Fußnote 20: Vergl. die 67. Rede S. 205, die 22ste S. 260 der
Uebersetzung. Dazu das patristische und dann das klassische Citat im
Speculum monachorum /Bernardi Casinensis/, III 1 B 4 e: Lubricus est
antiquus serpens et, nisi capite teneatur, statim totus illabitur. Et
ideo dicit poeta [/Ovidius/]:
Principiis obsta; sero medicina paratur,
Cum mala per longas convaluere moras.
]
[Fußnote 21: Lies mit dem siam. Texte _alañ ca me_.]
[Fußnote 22: Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack, Getast, Gedenken.]
[Fußnote 23: Eine Parataxis wie sie der zweite Theil der Rede giebt,
_taṇhā sallam, avijjā visadoso, chandarāgavyāpādena ruppati_,
erscheint gleichartig in der _Maitryupaniṣat_ VI i. m., _dhanuḥ
śarīram, om ityetaccharaḥ, śikhā ’sya manas, tamo lakṣaṇam_. Vergl.
auch Anm. 173. -- Das _nibbānam_, die Wahnerlöschung, Wunschlosigkeit,
von √(van), _vana, vani_ = _vāna, vāni_, ist, wie /Robert L’Orange/
erkannt hat, zwar in die _Smṛti_ als _nirvāṇam_ übergegangen, wurde
aber bald unverständlich, wie z. B. unsere 75. Rede zeigt, und daher
später durch _brahmanirvāṇam_, i. e. _paramanirvāṇam_, nach dem Muster
_brahmaṃ yānam_ = _paramaṃ yānam_, oder auch durch _bhoganirvāṇam_,
wie _Harakelināṭake_ Taf. II Z. 36, glossiert. /Eckhart/, p. 578, hat
das Selbe, aber positiv, gesagt: »Der allen sînen willen hât unde
sînen wunsch, der hât fride.« Das Gleichniss von der Gesundheit findet
sich bei ihm wieder, wenn er von uns kranken Leuten, von der kranken
Natur und von dieser kranken Welt redet; ausführlich und merkwürdig
genau unserem Texte entsprechend schon bei /Makarios/, dem Jünger
des /Antonios/ und ersten christlichen Mönche, unter dessen Namen
-- bereits /Eckhart/, p. 366, sagt »die heiligen veter Macharius
unde die andern« -- uns Aufzeichnungen erhalten sind, De patientia
et discretione cap. IX. Auch /Sokrates/ hat ganz ähnlich im Gorgias
gesprochen.]
[Fußnote 24: Cf. Bd. 2, Anm. 76. Auch im 36. _Divyāvadānam_ als
_Kalmāṣadamyam_ erhalten. Vielleicht auf der Humus das heutige Kamasin,
im _Kurukṣetram_ der Jamna-Ebene, eine Tagesfahrt westlich von
Allahabad. Schon bei /Ptolemaeus/ ist der Ort schlechthin als Καρμαρα,
ungenau aber deutlicher als andere, überliefert, Geogr. Lib. VII. cap.
I. § 91, No. 7.]
[Fußnote 25: Lies... _upādāya, sabbaṃ rūpam_. -- Die vier Hauptstoffe
sind Erde, Wasser, Feuer, Luft. Vergl. die 28. Rede; besonders die
Uebungen der 62sten.]
[Fußnote 26: Lies _nāhaṃ kvacani kassaci kiñcanatasmiṃ, na ca mama
kvacani kismiñci: kiñcanaṃ nātthi_. -- »Er mir niht und ich ime niht«
und »unbewegelîcher werden denne niht« sagt /Eckhart/, p. 508 u. 510.]
[Fußnote 27: Eine ähnlich wichtige und meisterhafte Darstellung der
Gedanken dieser Rede ist im _Aṉguttaranikāyo_ X No. 29 theilweise
weiter ausgeführt. Vergl. auch _Suttanipāto_ v. 759-761.
Die abschließende Mahnung _mā pamādattha_, wie noch in Nr. 8, 19
und 152, entspricht den letzten Worten Gotamos, als _appamādena
sampādetha_ im _Dīghanikāyo_ Nr. 16 überliefert. Achthundert Jahre
später vom großen /Antonios/ dem Eremiten wiederholt als μη εκκακειν εν
τῃ ασκησει, nach des /Athanasios/ autoptischer Biographie, p. 56 der
Ausgabe von 1611: und noch einmal als frohen Scheidegruß vor seinem
Ende, den Jüngern zum Vermächtnisse, treu bewahrt von den andächtigen
Freunden, χαιρον διελεγετο και παρηγγειλεν αυτοις· μη ολιγωρειν εν τοις
πονοις, μη δε εκκακειν τῃ ασκησει, αλλ ὡς καθ’ ἡμεραν αποθνησκοντας
ζῃν, ib. p. 116. -- Die vielmehr hindustanische als palaestinensische
Natur dieses ächten /Antonios/ der Augenzeugen, der allerdings dem
Zerrbilde frommer Lügner, Zeloten und Legendenjäger recht unähnlich
sieht, kommt in der Sterbestunde ganz unverkümmert zum Vorschein,
wo er allein mit den beiden Hauptjüngern, _aggasāvakā_ möchte man
sagen, /Makarios/ und /Ammatas/, wieder auf seine entlegene Bergfeste
zurückgezogen die Abmachung trifft, ihn verborgen zu begraben (vergl.
Lieder der Mönche v. 919), und ihnen endlich den ebenso unchristlichen
als rein buddhistischen Rath ertheilt, ζησατε προσεχοντες ἑαυτοις, και
μνημονευοντες ὡν ηκουσατε παρ’ εμου παραινεσεων, l. c. p. 117, d. i.
_attadīpā viharatha attasaraṇā anaññasaraṇā, dhammadīpā dhammasaraṇā
anaññasaraṇā_: also die wörtliche Paraphrase eines der letzten
Rathschläge Gotamos an Ānando, wiederum _Dīghanikāyo_ No. 16, 2.
Abschnitt i. f.]
[Fußnote 28: »Willst du beschieden sein rechter Nothdurft?« -- »Ja.«
-- »Das ist Brunnen und Brot und ein Rock: das ist rechte leibliche
Nothdurft.« /Eckhart/, p. 461. -- Vergl. noch _Mahābhāratam_ XIV, 46,
_{23} und _{32}.]
[Fußnote 29: ανθρωποι κενεης οιησιος εμπλεοι ασκοι: /Timonis Phliasii/
Sillus 14.]
[Fußnote 30: Die Pforten der Sinne verschlossen haben, sagt /Eckhart/,
p. 624; auch hat er nach den fünf Sinnen das Denken als sechsten Sinn
richtig erkannt, p. 109, 590.]
[Fußnote 31: Cf. Lieder der Mönche Seite 306 Anm. 1. -- _̀Sukasaptati_
52:
Prajñāvisphāritākṣāṇāṃ
vidravanti vipattayaḥ
hastodyatapradīpānām
andhakāra ivāgrataḥ.
]
[Fußnote 32: Ein ganz erstaunliches, bis in die feineren Einzelheiten
deutlich erkennbares Spiegelbild dieser Rede stellt /Platons/ Menon
dar; sogar findet man da, auch gegen Ende des Dialogs, unseren Weg nach
_Rājagaham_ als Weg nach Larisa, und unseren Wegweiser, _maggakkhāyī_,
als ἡγεμων επι το ορθον wieder.
Zum liebevollen Herzen, S. 78 passim, cf. zumal die 62. Rede S.
144 bis 146 und die vier Allegorien der 21. Rede. Dieselben wurden,
z. Th. wörtlich, in die ̀Sruti aufgenommen; so die zweite, vom
weiten, tiefen, unbeschränkten, himmelsraumgleichen Gemüthe, als
_vyomavannirupādhikaḥ_ in die _Varāhopaniṣat_ II, 53. Letzteres Bild
auch bei /Eckhart/, p. 222: »Der himel enmac keinen fremden îndruk
enpfangen, ime mac kein pînlîchiu nôt în gedrücket werden daz in
entsetze: alsô muoz diu sêle gevestet unde bestêtet sîn« etc. Vergl.
noch die 127. Rede, Anm. 134.]
[Fußnote 33: Lies mit dem Texte _dhammasāmaggiyā_.]
[Fußnote 34: Im Text ist hier eine Wiederholung von Frage und Antwort
interpoliert.]
[Fußnote 35: Ebenso /Eckhart/ ‚hören und behalten‘; fünfmal auf einer
Seite, 290.]
[Fußnote 36: Ein Gleiches berichtet der Doctor seraphicus vom Professor
paupertatis, Vita, cap. V. vorletzter Absatz.]
[Fußnote 37: Και γαρ και τουτο μν μεγα της ασκησεως του Αντωνιου, ὡτι
χαρισμα διακρισεως πνευματων εχων, επεγινωσκεν αυτων τα κινηματα· και
προς ὁ τις αυτων ειχε την σπουδην ηαι την ὁρμην, τουτο ουκ ηγνοει]:
/Athanasios/ p. 113.]
[Fußnote 38: Vergl. /Makarios/, Homil. XXXIII fin. & XIV § 6 i.
f.: ουτε ... ὁραται τοις σαρκικοις οφθαλμοις, τοις δε πνευματικοις
φαινεται, τῳ οφθαλμῳ της καρδιας, και ἡ σατανικη του σκοτους και ἡ
φωτεινη της θεοτητος.]
[Fußnote 39: Νυν δ’ εμοι μεν ὡρα ποι ιεναι: von /Platon/, ebenso gern
wie bei uns, am Ende gewisser Dialoge idiomatisch gebraucht, bei Menon,
Theaitetos, Protagoras, Laches etc.]
[Fußnote 40: Der Topus vom himmlischen Gehör, S. 88, ist auf
_Chāndogyopaniṣat_ V, 1, _{4} gegründet: _Yo ha vai sampadaṃ veda, saṃ
hāsmai kāmāḥ padyante daivāśca mānuṣāśca: śrotraṃ vā va sampat_. Ja,
er reicht in eine weit fernere Vergangenheit hinauf, da wir schon im
_Sāmavidhānabrāhmaṇam_ (I, 8) beide Arten der Töne, die himmlischen und
die irdischen, die der Götter und die der Menschen, zugleich mit den
fünf übrigen der diatonischen Skala, der Reihe nach absteigend bis zu
den Geistern, Thieren, Dämonen, Bäumen und Kräutern, als Substrat der
ganzen Welt -- wie später den _praṇavas (om)_ oder den pythagorischen
αριθμος -- genannt hören.
Dem einsam nachdenkenden Hüter und Hirten, S. 91, steht der thätig
erfahrene Hüter und Hirt der 33. u. 34. Rede gegenüber: ὁ ποιμην ὁ
καλος des Ev. Joh. X. 12-18 (Luk. XV, 4-6), der ebenso beliebte als
problematische »gute Hirt«, schon auf einem Fresko der Lucina-Krypte zu
Rom aus dem Anfange des 2. Jahrh. pompejanisch anmuthig nachgebildet;
während auf den etwa 300-350 Jahre älteren asokischen Skulpturen zu
Sāñci, Barāhat etc. anstelle der Heerdenbehütung das strengere Motiv
der Einsamkeit im Wildparke prototypisch behandelt ist.]
[Fußnote 41: Das Axiom _eso ’ham asmi_ ›Das bin ich‹ kann auf
_Bṛhadāraṇyakopaniṣat_ I, 4, _{1} so _’ham asmi_ etc. Bezug haben;
_n’etam mama_ ›Das gehört mir nicht‹ ιδιον τε μηδεν ἡγεισθαι,
/Pythagoras/ bei /Diog. Laert./ VIII, 23. Ebenso »Thou art not
thyself«, Measure for Measure III, 1, _{19}. -- Die topische Frage
und Antwort am Schlusse dieser und ähnlicher Reden (vergl. namentlich
die 146ste) ist der Strophe und Gegenstrophe im chorischen Dialog am
Schlusse der Perser des /Aischylos/ vollkommen koordinat.]
[Fußnote 42: Cf. _Manus_ II, 147 f; _opapātiko: utpādayati yasmiṃ
saḥ_. Vergl. bes. noch _Vasiṣṭhas_ II, 5.]
[Fußnote 43: Zum _ādiśrautam_ von der Saat und Ernte cf. die Rede nebst
Anm. 176. Bekanntlich in die synoptischen Evangelien aufgenommen; bei
uns am schönsten von /Gottfried/ im Tristan ausgesprochen, ed. pr. v.
12239 f.:
Wir muezen snîden unde maejen
Daz selbe, daz wir dar gesaejen.
Die Bemerkung, dass Gute gleich und ungleich, Schlechte auch nicht
gleich und gleich zu erkennen vermögen -- ähnlich wie Korinth. I, 2,
_{14, 15} eine Vertiefung des antiken Axioms vom Gleichen für Gleiches,
das z. B. bei uns im ersten Theile der 105. Rede, S. 56-59, ausgeführt
ist -- wird von den beiden Asketen gegen Ende des vierten Aktes der
_̀Sakuntalā_ bestätigt, _vanaukaso ’pi santo laukikajñā vayam_, und
_na khalu dhīmatāṃ kaścid aviṣayo nāma_; bei uns vom ehrwürdigen
Illuministen /Merswin/, im Buche von den Neun Felsen p. 115: »dis
sint menschen, die der welte unbekant sint, abber die weit ist diesen
menschen gar wol bekant.«
Das Hauptergebniss, ‚Den Guten gesellt sein‘, eine Erinnerung, die
in unseren Texten immer wiederkehrt, ist am Ende der 75. Rede mit
lakonischer Meisterschaft entwickelt. Es ist derselbe Satz, den
/Aristophanes/ in den Sphekes 1238 citiert, τους αγαθους φιγει, und den
der Chor 1457/61 ausführt:
το γαρ αποστηναι χαλεπον
φυσεος, ὁν εχοι τις αει.
Καιτοι πολλοι ταυτ’ επαθον·
ξυνοντες γνωμαις ἑτερον
μετεβαλλοντο τους τροπσυς.
]
[Fußnote 44: Analog von /Diogenes/ deutlich erkannt, ὁς ελεγε, μητε
εν πολει πλουσιᾳ μητε εν οικιᾳ αρετην οικειν δυνασθαι, /Stob/. Flor.
XCIII, 35.]
[Fußnote 45: _gāmadhammo_ gemein, im _Rāmāyaṇam_ und _Bhāratam_ ebenso
_grāmyadharmas_, ein recht zutreffender Ausdruck, wörtlich: dorfartig,
d. i. (mhd) doerperlich; nämlich αγροικος, rusticus, villanus, villano,
vilain: country matters, wie Hamlet (III, 2) dieselbe Sache ebenso
bezeichnend sagt. Dagegen _agrāmyatā_ »Ungemeinheit«, d. i. edle Sitte,
hovischeit, kurtoisîe.]
[Fußnote 46: _porī_ wörtlich: städtisch, πολιτικος; nämlich αστειος,
urbanus, also nach heutigem Sprachgebrauche höflich, poli: auch dem
bäuerisch u. s. w. widergesetzt, aber nur formal, _kṛtrimam_, gegenüber
dem realen Begriffe, _svābhāvikam_, der vorangehenden Erklärung.]
[Fußnote 47: Cf. /Makarios/, Homil. XXX § 6 i. f.: Η ὡσπερ πετεινον,
επαν εν ὑψει πετασθῃ, αμεριμνον εστιν, κτλ. Ein ähnliches Gleichniss
von der Seele als einer unbeschwerten Flaumfeder bei /Eckhart/ p. 360.
Vergl. noch Relations etc. de la Trappe, Paris 1702, I. p. 11: »Je suis
comme une feuille, que le vent enleve de dessus la terre«; Lieder der
Mönche v. 104.]
[Fußnote 48: Vergl. /Athanasios/ über /Antonios/, Vita p. 92: Ουδεποτε
γαρ εταραττετο, γαληνιωσης αυτου της ψυχης· ουδεποτε σκυθρωπος εγινετο,
χαιρουσης αυτον της διανοιας. Dann /Celano/ (Vita II, cap. 65 & 68)
über /S. Francesco/: Tutissimum remedium contra mille inimici astutias
laetitiam spiritualem sanctus iste firmabat. -- Studebat proinde
sanctus in iubilo cordis semper existere, servare unctionem spiritus
oleumque laetitiae. Morbum accidiae pessimum summa cura vitabat. --
Pro generali commonitione in quodam capitulo scribi fecit haec verba:
Caveant fratres, ne se ostendant extrinsecus nubilosos et hypocritas
tristes, sed ostendant se gaudentes in Domino, hilares et iucundos,
et convenienter gratiosos. -- Wie sein »lieber herre sant Franciscô«
hat in diesem Sinne auch Meister /Eckhart/ (p. 467) gesagt, »daz der
mensche nimmer cleglich wort gesprichet... daz er nimmer mê ervrewet
wird: er ist selber diu vreude.«]