erfahren hast du wahrlich, Sāriputto, in dieser Zeit am meisten
gemocht. Großer Männer Erfahrung heißt es ja, Sāriputto, ist
die Armuth. -- Darum aber, Sāriputto, so ein Mönch sich wünscht
›Armut erfahren möcht’ ich am meisten‹, hat ein solcher Mönch,
Sāriputto, sich also zu erforschen: ›Auf dem Wege wo ich nach
dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen
stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange
wiederkam, ist mir da etwa bei den durch das Gesicht ins
Bewusstsein tretenden Formen Wille, oder Gier, oder Hass,
oder Irre, oder Widerstreit im Geiste aufgestiegen?‹ Wenn da,
Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Auf dem
Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo
ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom
Almosengange wiederkam, da ist mir bei den durch das Gesicht 482
ins Bewusstsein tretenden Formen Wille, oder Gier, oder Hass,
oder Irre, oder Widerstreit im Geiste aufgestiegen‹, so hat ein
solcher Mönch, Sāriputto, um Befreiung von ebendiesen bösen,
schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch
bei seiner Betrachtung erkennt: ›Auf dem Wege wo ich nach dem
Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand,
auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam,
da ist mir bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden
Formen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit
im Geiste nicht aufgestiegen‹, so hat ein solcher Mönch,
Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und
Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen
hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege
wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, ist mir da
etwa bei den durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Tönen,
bei den durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düften,
bei den durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säften,
bei den durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen,
bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen
Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im
Geiste aufgestiegen?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner
Betrachtung erkennt: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um
Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem
Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, da ist
mir bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen
Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im
Geiste aufgestiegen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um 483
Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen.
Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt:
›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an
dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem
Dorfe vom Almosengange wiederkam, da ist mir bei den durch
das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen Wille, oder
Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste nicht
aufgestiegen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese
sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich sie aufgehoben, die fünf Begehrungen?‹
Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt:
›Nicht aufgehoben hab’ ich sie, die fünf Begehrungen‹, so
hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Aufhebung der fünf
Begehrungen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei
seiner Betrachtung erkennt: ›Aufgehoben hab’ ich sie, die fünf
Begehrungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese
sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren. 484
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich sie aufgehoben, die fünf Hemmungen?‹
Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt:
›Nicht aufgehoben hab’ ich sie, die fünf Hemmungen‹, so hat
ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Aufhebung der fünf
Hemmungen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei
seiner Betrachtung erkennt: ›Aufgehoben hab’ ich sie, die fünf
Hemmungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese
sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich sie durchschaut, die fünf Stücke
des Anhangens?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner
Betrachtung erkennt: ›Nicht durchschaut hab’ ich sie, die fünf
Stücke des Anhangens‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um
die Durchschauung der fünf Stücke des Anhangens zu kämpfen.
Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt:
›Durchschaut hab’ ich sie, die fünf Stücke des Anhangens‹, so
hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere
Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die vier Pfeiler der
Einsicht?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung
erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich sie, die vier Pfeiler
der Einsicht‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die
Vollendung der vier Pfeiler der Einsicht zu kämpfen. Wenn
aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt:
›Vollendet hab’ ich sie, die vier Pfeiler der Einsicht‹, so hat
ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im
Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die vier gewaltigen
Kämpfe?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung
erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich sie, die vier gewaltigen
Kämpfe‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung
der vier gewaltigen Kämpfe zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto,
der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Vollendet hab’ ich
sie, die vier gewaltigen Kämpfe‹, so hat ein solcher Mönch, 485
Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und
Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die vier Machtgebiete?‹
Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt:
›Nicht vollendet hab’ ich sie, die vier Machtgebiete‹, so
hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung der vier
Machtgebiete zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei
seiner Betrachtung erkennt: ›Vollendet hab’ ich sie, die vier
Machtgebiete‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese
sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die fünf Fähigkeiten?‹
Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt:
›Nicht vollendet hab’ ich sie, die fünf Fähigkeiten‹, so hat
ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung der fünf
Fähigkeiten zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei
seiner Betrachtung erkennt: Vollendet hab’ ich sie, die fünf
Fähigkeiten‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese 486
sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die fünf Vermögen?‹ Wenn
da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht
vollendet hab’ ich sie, die fünf Vermögen‹, so hat ein solcher
Mönch, Sāriputto, um die Vollendung der fünf Vermögen zu
kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung
erkennt: ›Vollendet hab’ ich sie, die fünf Vermögen‹, so hat
ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im
Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die sieben Erweckungen?‹
Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt:
›Nicht vollendet hab’ ich sie, die sieben Erweckungen‹, so hat
ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung der sieben
Erweckungen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei
seiner Betrachtung erkennt: ›Vollendet hab’ ich sie, die
sieben Erweckungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto,
ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu
bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich ihn vollendet, den heiligen achtfältigen
Weg?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung
erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich ihn, den heiligen
achtfältigen Weg‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die
Vollendung des heiligen achtfältigen Weges zu kämpfen. Wenn
aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt:
›Vollendet hab’ ich ihn, den heiligen achtfältigen Weg‹, so hat
ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im
Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, Ruhe und Klarsicht?‹ Wenn
da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht
vollendet hab’ ich sie, Ruhe und Klarsicht‹, so hat ein solcher
Mönch, Sāriputto, um die Vollendung von Ruhe und Klarsicht zu
kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung
erkennt: ›Vollendet hab’ ich sie, Ruhe und Klarsicht‹, so hat
ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im 487
Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu
erforschen: ›Hab’ ich es verwirklicht, Wissen und Erlösung?‹
Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt:
›Nicht verwirklicht hab’ ich es, Wissen und Erlösung‹, so hat
ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Verwirklichung von Wissen
und Erlösung zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei
seiner Betrachtung erkennt: ›Verwirklicht hab’ ich es, Wissen
und Erlösung‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese
sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Denn wer immer auch, Sāriputto, von den Asketen oder den
Priestern in vergangenen Zeiten Almosen geläutert hat, ein
jeder hat also und also betrachtend und betrachtend Almosen
geläutert. Und wer immer auch, Sāriputto, von den Asketen oder
den Priestern in künftigen Zeiten Almosen läutern wird, ein
jeder wird also und also betrachtend und betrachtend Almosen
läutern. Und wer immer auch, Sāriputto, von den Asketen oder
den Priestern in der Gegenwart Almosen läutern mag, ein jeder
mag also und also betrachtend und betrachtend Almosen läutern.
»Darum aber, Sāriputto: ›Betrachtend und betrachtend wollen wir
Almosen läutern‹: so habt ihr, Sāriputto, euch wohl zu üben.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige
Sāriputto über das Wort des Erhabenen.[214]
152.
Fünfzehnter Theil Zehnte Rede
SINNESGEWALT
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 488
Kajaṉgalā[215], im Hain der Glockenbäume.
Da begab sich denn Uttaro, ein junger Brāhmane, der Schüler
Pārāsariyos, zum Erhabenen hin, wechselte höflichen Gruß und
freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte
sich seitwärts nieder. An Uttaro den jungen Brāhmanen, den
Schüler Pārāsariyos, der da zur Seite saß, wandte sich nun der
Erhabene also:
»Lehrt, Uttaro, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne
in der Gewalt haben?«
»Es lehrt, o Gotamo, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die
Sinne in der Gewalt haben.«
»Auf welche Weise, Uttaro, lehrt wohl Pārāsariyo der Priester
den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben?«
»Da sieht man, o Gotamo, mit dem Auge keine Form und hört mit
dem Ohre keinen Ton: also lehrt, o Gotamo, Pārāsariyo der
Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben.«[216]
»Ist es also, Uttaro, dann mag ein Blinder Gewalt über die
Sinne haben, und mag ein Tauber Gewalt über die Sinne haben,
dem Worte des Priesters Pārāsariyo gemäß: denn ein Blinder,
Uttaro, sieht mit dem Auge keine Form, und ein Tauber hört mit
dem Ohre keinen Ton.«
Also beschieden blieb Uttaro, der junge Brāhmane, der Schüler
Pārāsariyos, verstummt und verstört, die Schultern gebeugt,
den Kopf gesenkt, sprachlos vor sich hinstarrend sitzen. Und
der Erhabene sah wie Uttaro also dasaß und wandte sich an den
ehrwürdigen Ānando:
»Auf andere Weise, Ānando, lehrt eben Pārāsariyo der Priester
den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben, und auf andere 489
Weise wieder hat man im Orden des Heiligen die Sinne in
höchster Gewalt.«
»Da ist es, Erhabener, Zeit, da ist es, Willkommener, Zeit,
dass der Erhabene zeige, wie man im Orden des Heiligen die
Sinne in höchster Gewalt hat: des Erhabenen Wort werden die
Mönche bewahren.«
»Wohlan denn, Ānando, so höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« sagte da aufmerksam der ehrwürdige Ānando zum
Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Wie also hat man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in
höchster Gewalt? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine
Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt,
wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt
worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt
worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt,
ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es
giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm
bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm
bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an.
Gleichwie etwa, Ānando, ein scharfsehender Mann blicks die
Augen aufschlagen und schließen, blicks die Augen schließen
und aufschlagen kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da
also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein,
unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein
bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das
heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster
Gewalt haben, bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein
tretenden Formen.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Ohre einen Ton
gehört und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird
angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden 490
bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden
angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist
grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt
ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt
sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt
sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa,
Ānando, ein kräftiger Mann gar leicht einen Schnalzer schlagen
kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also
eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt
sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören
lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im
Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den
durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Tönen.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit der Nase einen Duft
gerochen und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird
angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden
bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden
angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist
grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt
ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt
sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt
sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa,
Ānando, auf einem leicht geneigten Lotusblatte Wassertropfen
herabgleiten, keinen Halt finden: ebenso nun auch, Ānando, kann
wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt
sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt
sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen.
Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in
höchster Gewalt haben, bei den durch den Geruch ins Bewusstsein
tretenden Düften.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit der Zunge einen Saft
geschmeckt und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, 491
wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt
worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt
worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt,
ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es
giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm
bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm
bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie
etwa, Ānando, ein kräftiger Mann an der Spitze der Zunge einen
Speichelball ansammeln und ohne Mühe ausspeien kann: ebenso nun
auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos
das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und
unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth
anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen
die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch den Geschmack
ins Bewusstsein tretenden Säften.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Leibe eine
Tastung getastet und wird angenehm bewegt, wird unangenehm
bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er
erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden
unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber
ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es
giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹
Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm
und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth
hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann seinen
eingezogenen Arm ausstrecken oder seinen ausgestreckten Arm
einziehn kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch,
also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm
bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich
aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man,
Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt
haben, bei den durch das Getast ins Bewusstsein tretenden
Tastungen.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Geiste ein Ding
gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird 492
angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden
bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden
angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist
grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt
ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt
sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt
sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa,
Ānando, wenn ein Mann auf eine tagüber am Feuer glühende
eiserne Pfanne zwei oder drei Wassertropfen herabträufeln ließe
-- langsam, Ānando, wäre der Fall der Tropfen, aber gar eilig
würden sie aufgelöst und verschwunden sein --: ebenso nun auch,
Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das
angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und
unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth
anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen
die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gedenken
ins Bewusstsein tretenden Dingen. -- So aber hat man, Ānando,
im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt.
* * * * *
»Wie aber ist man, Ānando, als Kämpfer vorgeschritten? Da
hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und
wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm
und unangenehm bewegt. Und vor diesem angenehm bewegt sein,
unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein
kommt ihn ein Grauen an, Entsetzen an, Abscheu an. Er hat mit
dem Ohre einen Ton gehört, mit der Nase einen Duft gerochen,
mit der Zunge einen Saft geschmeckt, mit dem Leibe eine Tastung
getastet, mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm
bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm
bewegt. Und vor diesem angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt
sein, angenehm und unangenehm bewegt sein kommt ihn ein Grauen
an, Entsetzen an, Abscheu an. So aber ist man, Ānando, als 493
Kämpfer vorgeschritten.
»Wie aber ist man, Ānando, als Heiliger sinnesgewaltig? Da
hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und
wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm
und unangenehm bewegt. Und wenn er sich wünscht: ›Bei
Widerwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so
bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht:
›Bei Unwiderwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so
bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht:
›Bei Widerwärtigem und Unwiderwärtigem will ich unwiderwärtig
gewahr bleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr;
wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem und Widerwärtigem
will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei
widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Widerwärtiges
und Unwiderwärtiges, beides will ich von mir weisen und
gleichmüthig bleiben, besonnen, klar bewusst‹, so bleibt er
dabei gleichmüthig, besonnen, klar bewusst. Weiter sodann,
Ānando, hat ein Mönch mit dem Ohre einen Ton gehört, mit der
Nase einen Duft gerochen, mit der Zunge einen Saft geschmeckt,
mit dem Leibe eine Tastung getastet, mit dem Geiste ein Ding
gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird
angenehm und unangenehm bewegt. Und wenn er sich wünscht:
›Bei Widerwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so
bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht:
›Bei Unwiderwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so
bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht:
›Bei Widerwärtigem und Unwiderwärtigem will ich unwiderwärtig
gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr;
wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem und Widerwärtigem
will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei
widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Widerwärtiges 494
und Unwiderwärtiges, beides will ich von mir weisen und
gleichmüthig bleiben, besonnen, klar bewusst‹, so bleibt er
dabei gleichmüthig, besonnen, klar bewusst. So aber ist man,
Ānando, als Heiliger sinnesgewaltig.
* * * * *
»Und so hab’ ich, Ānando, gezeigt wie man im Orden des Heiligen
die Sinne in höchster Gewalt hat, gezeigt wie man als Kämpfer
vorgeschritten ist, gezeigt wie man als Heiliger sinnesgewaltig
ist. Was ein Meister, Ānando, den Jüngern aus Liebe und
Theilnahme, von Mitleid bewogen, schuldet, das habt ihr von mir
empfangen. Da laden, Ānando, Bäume ein, und dort leere Klausen.
Wirket Schauung, Ānando, auf dass ihr nicht lässig werdet,
später nicht Reue empfindet: das haltet als unser Gebot.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige
Ānando über das Wort des Erhabenen.
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