Hörbewusstsein; durch den Geruch, ihr Mönche, und die Düfte
entsteht das Riechbewusstsein: durch den Geschmack, ihr
Mönche, und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein; durch
das Getast, ihr Mönche, und die Tastungen entsteht das
Tastbewusstsein; durch das Gedenken, ihr Mönche, und die
Dinge entsteht das Denkbewusstsein, der Einschlag der drei
giebt Berührung, durch die Berührung entsteht eine Empfindung
von Wohl, oder von Wehe, oder weder von Wehe noch von Wohl.
Von einem wohligen Gefühle getroffen empfindet man Freude,
Befriedigung, Ergetzen daran, und begehrliche Anwandlung kommt
einen an. Von einem wehen Gefühle getroffen wird man bekümmert,
beklommen, man jammert, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth
in Verzweiflung, und widerwillige Anwandlung kommt einen an.
Von einem weder wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag man
dieser Empfindung Beginn und Vergehn, Labsal und Elend und
Ueberwindung nicht der Wahrheit gemäß verstehn, und unwissende
Anwandlung kommt einen an. Dass aber einer, ihr Mönche, der
beim wohligen Gefühle begehrliche Anwandlung nicht verleugnet,
beim wehen Gefühle widerwillige Anwandlung nicht von sich
gewiesen, beim weder wehen noch wohligen Gefühle unwissende
Anwandlung nicht ausgetilgt, Unwissen nicht verloren, Wissen
nicht erworben hat, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende
machen werde: das ist unmöglich.
»Durch das Gesicht, ihr Mönche, und die Formen entsteht das
Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch
die Berührung entsteht eine Empfindung von Wohl, oder von Wehe,
oder weder von Wehe noch von Wohl. Von einem wohligen Gefühle
getroffen empfindet man da keine Freude, keine Befriedigung, 469
kein Ergetzen, und begehrliche Anwandlung kommt einen nicht
an. Von einem wehen Gefühle getroffen wird man da nicht
bekümmert, nicht beklommen, man jammert nicht, schlägt sich
nicht stöhnend die Brust, geräth nicht in Verzweiflung, und
widerwillige Anwandlung kommt einen nicht an. Von einem weder
wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag man dieser Empfindung
Beginn und Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung der
Wahrheit gemäß verstehn, und unwissende Anwandlung kommt einen
nicht an. Dass aber einer, ihr Mönche, der beim wohligen
Gefühle begehrliche Anwandlung verleugnet, beim wehen Gefühle
widerwillige Anwandlung von sich gewiesen, beim weder wehen
noch wohligen Gefühle unwissende Anwandlung ausgetilgt,
Unwissen verloren, Wissen erworben hat, noch bei Lebzeiten dem
Leiden ein Ende machen werde: das ist möglich.
»Durch das Gehör, ihr Mönche, und die Töne entsteht das
Hörbewusstsein; durch den Geruch, ihr Mönche, und die Düfte
entsteht das Riechbewusstsein; durch den Geschmack, ihr
Mönche, und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein; durch
das Getast, ihr Mönche, und die Tastungen entsteht das
Tastbewusstsein; durch das Gedenken, ihr Mönche, und die Dinge
entsteht das Denkbewusstsein, der Einschlag der drei giebt
Berührung, durch die Berührung entsteht eine Empfindung von
Wohl, oder von Wehe, oder weder von Wehe noch von Wohl. Von
einem wohligen Gefühle getroffen empfindet man da keine Freude,
keine Befriedigung, kein Ergetzen, und begehrliche Anwandlung
kommt einen nicht an. Von einem wehen Gefühle getroffen
wird man da nicht bekümmert, nicht beklommen, man jammert
nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust, geräth nicht in
Verzweiflung, und widerwillige Anwandlung kommt einen nicht
an. Von einem weder wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag
man dieser Empfindung Beginn und Vergehn, Labsal und Elend
und Ueberwindung der Wahrheit gemäß verstehn, und unwissende 470
Anwandlung kommt einen nicht an. Dass aber einer, ihr Mönche,
der beim wohligen Gefühle begehrliche Anwandlung verleugnet,
beim wehen Gefühle unwillige Anwandlung von sich gewiesen,
beim weder wehen noch wohligen Gefühle unwissende Anwandlung
ausgetilgt, Unwissen verloren, Wissen erworben hat, noch bei
Lebzeiten dem Leiden ein Ende machen werde: das ist möglich.
»Bei solcher Betrachtung, ihr Mönche, wird der erfahrene
heilige Jünger des Auges überdrüssig, der Formen überdrüssig,
des Sehbewusstseins überdrüssig, der Sehberührung überdrüssig,
des Gefühles überdrüssig, des Durstes überdrüssig; er
wird des Ohres, der Nase, der Zunge, des Leibes, des
Geistes überdrüssig, der Töne, der Düfte, der Säfte, der
Tastungen, der Gedanken überdrüssig, des Hörbewusstseins,
des Riechbewusstseins, des Schmeckbewusstseins, des
Tastbewusstseins, des Denkbewusstseins überdrüssig, der
Hörberührung, der Riechberührung, der Schmeckberührung, der
Tastberührung, der Denkberührung überdrüssig, des Gefühles
überdrüssig, des Durstes überdrüssig. Ueberdrüssig wendet er
sich ab. Abgewandt löst er sich los. ›Im Erlösten ist die
Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die
Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr
ist diese Welt‹ versteht er da.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.
Während aber diese Darlegung stattgefunden, hatte sich bei etwa
sechzig Mönchen das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.[211]
149.
Fünfzehnter Theil Siebente Rede
MÄCHTIGE ABZEICHEN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 471
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«
-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Mächtige Abzeichen will ich euch Mönchen vom sechsfachen
Gebiete angeben: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« sagten da aufmerksam jene Mönche zum
Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Wer das Auge, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt
und versteht, die Formen nicht der Wahrheit gemäß erkennt und
versteht, das Sehbewusstsein nicht der Wahrheit gemäß erkennt
und versteht, die Sehberührung nicht der Wahrheit gemäß erkennt
und versteht, was da durch Sehberührung bedingt an Gefühl
hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben
das nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, wird am Auge
ergetzt, an den Formen ergetzt, am Sehbewusstsein ergetzt, an
der Sehberührung ergetzt, was da durch Sehberührung bedingt an
Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch
Wohl, eben daran ergetzt. Weil er ergetzt ist, sich anschließt,
sich verlocken lässt, das Labsal beharrlich erspäht, schichten
sich ihm die fünf Stücke des Anhangens weiterhin auf; und sein
Durst, der Wiederdasein säende, gnügensgierverbundene, bald da
bald dort sich ergetzende, der wächst ihm weiter. Dem wachsen
körperliche Spaltungen weiter, wachsen geistige Spaltungen
weiter, wachsen körperliche Quaalen weiter, wachsen geistige
Quaalen weiter, wachsen körperliche Brünste weiter, wachsen
geistige Brünste weiter; und körperlichen Schmerz und geistigen
Schmerz erfährt er an sich.
»Wer das Ohr, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt
und versteht; wer die Nase, ihr Mönche, nicht der Wahrheit
gemäß erkennt und versteht; wer die Zunge, ihr Mönche, nicht 472
der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer den Leib, ihr
Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer
den Geist, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und
versteht, die Gedanken nicht der Wahrheit gemäß erkennt und
versteht, das Denkbewusstsein nicht der Wahrheit gemäß erkennt
und versteht, die Denkberührung nicht der Wahrheit gemäß
erkennt und versteht, was da durch Denkberührung bedingt
an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe
noch Wohl, eben das nicht der Wahrheit gemäß erkennt und
versteht, wird am Geiste ergetzt, an den Gedanken ergetzt,
am Denkbewusstsein ergetzt, an der Denkberührung ergetzt,
was da durch Denkberührung bedingt an Gefühl hervorgeht
als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben daran
ergetzt. Weil er ergetzt ist, sich anschließt, sich verlocken
lässt, das Labsal beharrlich erspäht, schichten sich ihm die
fünf Stücke des Anhangens weiterhin auf; und sein Durst, der
Wiederdasein säende, gnügensgierverbundene, bald da bald dort
sich ergetzende, der wächst ihm weiter. Dem wachsen körperliche
Spaltungen weiter, wachsen geistige Spaltungen weiter, wachsen
körperliche Quaalen weiter, wachsen geistige Quaalen weiter,
wachsen körperliche Brünste weiter, wachsen geistige Brünste
weiter; und körperlichen Schmerz und geistigen Schmerz erfährt
er an sich.
* * * * *
»Wer das Auge, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß erkennt und
versteht, die Formen der Wahrheit gemäß erkennt und versteht,
das Sehbewusstsein der Wahrheit gemäß erkennt und versteht,
die Sehberührung der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, was
da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl,
oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben das der Wahrheit
gemäß erkennt und versteht, wird am Auge nicht ergetzt, an den
Formen nicht ergetzt, am Sehbewusstsein nicht ergetzt, an der
Sehberührung nicht ergetzt, was da durch Sehberührung bedingt
an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch 473
Wohl, eben daran nicht ergetzt. Weil er nicht ergetzt ist,
sich nicht anschließt, sich nicht verlocken lässt, das Elend
beharrlich erspäht, schichten sich ihm die fünf Stücke des
Anhangens weiterhin ab; und der Durst, der Wiederdasein säende,
gnügensgierverbundene, bald da bald dort sich ergetzende,
der schwindet ihm weg. Dem schwinden körperliche Spaltungen
weg, schwinden geistige Spaltungen weg, schwinden körperliche
Quaalen weg, schwinden geistige Quaalen weg, schwinden
körperliche Brünste weg, schwinden geistige Brünste weg; und
körperliches Wohl und geistiges Wohl erfährt er an sich.
»Was ein Dahingelangter erkennt, das gilt ihm als rechte
Erkenntniss; was ein Dahingelangter ersinnt, das gilt ihm als
rechte Gesinnung; was ein Dahingelangter sich müht, das gilt
ihm als rechtes Mühn; was ein Dahingelangter einsieht, das
gilt ihm als rechte Einsicht; was ein Dahingelangter ertieft,
das gilt ihm als rechte Vertiefung; schon vorher aber war er
in Werken, in Worten, im Wandel durchaus lauter geworden: und
so wird dieser heilige achtfältige Weg von ihm zur Vollendung
gebracht. Während er also diesen heiligen achtfältigen Weg
vollendet, werden die vier Pfeiler der Einsicht von ihm zur
Vollendung gebracht; werden die vier gewaltigen Kämpfe von
ihm zur Vollendung gebracht; werden die vier Machtgebiete von
ihm zur Vollendung gebracht; werden fünf der Fähigkeiten von
ihm zur Vollendung gebracht; werden fünf der Vermögen von ihm
zur Vollendung gebracht; werden die sieben Erweckungen von
ihm zur Vollendung gebracht. Da dienen ihm zwei Dinge als
doppelte Rüstung: Ruhe und Klarsicht. Was für Dinge da weise zu
durchschauen sind, diese Dinge durchschaut er weise; was für
Dinge da weise zu verleugnen sind, diese Dinge verleugnet er 474
weise; was für Dinge da weise zu vollenden sind, diese Dinge
vollendet er weise; was für Dinge da weise zu verwirklichen
sind, diese Dinge verwirklicht er weise.
»Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu
durchschauen? Die fünf Stücke des Anhangens, sei geantwortet;
und zwar ein Stück Anhangen an der Form, ein Stück Anhangen
am Gefühl, ein Stück Anhangen an der Wahrnehmung, ein Stück
Anhangen an der Unterscheidung, ein Stück Anhangen am
Bewusstsein: diese Dinge sind weise zu durchschauen. Was für
Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu verleugnen? Unwissen
und Durst nach Dasein: diese Dinge sind weise zu verleugnen.
Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind weise zu vollenden? Ruhe
und Klarsicht: diese Dinge sind weise zu vollenden. Was für
Dinge aber, ihr Mönche, sind weise zu verwirklichen? Wissen und
Erlösung: diese Dinge sind weise zu verwirklichen.
»Wer das Ohr, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß erkennt und
versteht; wer die Nase, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß erkennt
und versteht; wer die Zunge, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß
erkennt und versteht; wer den Leib, ihr Mönche, der Wahrheit
gemäß erkennt und versteht; wer den Geist, ihr Mönche, der
Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Gedanken der Wahrheit
gemäß erkennt und versteht, das Denkbewusstsein der Wahrheit
gemäß erkennt und versteht, die Denkberührung der Wahrheit
gemäß erkennt und versteht, was da durch Denkberührung bedingt
an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe
noch Wohl, eben das der Wahrheit gemäß erkennt und versteht,
wird am Geiste nicht ergetzt, an den Gedanken nicht ergetzt,
am Denkbewusstsein nicht ergetzt, an der Denkberührung
nicht ergetzt, was da durch Denkberührung bedingt an Gefühl
hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl,
eben daran nicht ergetzt. Weil er nicht ergetzt ist, sich 475
nicht anschließt, sich nicht verlocken lässt, das Elend
beharrlich erspäht, schichten sich ihm die fünf Stücke des
Anhangens weiterhin ab; und der Durst, der Wiederdasein säende,
gnügensgierverbundene, bald da bald dort sich ergetzende,
der schwindet ihm weg. Dem schwinden körperliche Spaltungen
weg, schwinden geistige Spaltungen weg, schwinden körperliche
Quaalen weg, schwinden geistige Quaalen weg, schwinden
körperliche Brünste weg, schwinden geistige Brünste weg; und
körperliches Wohl und geistiges Wohl erfährt er an sich.
»Was ein Dahingelangter erkennt, das gilt ihm als rechte
Erkenntniss; was ein Dahingelangter ersinnt, das gilt ihm als
rechte Gesinnung; was ein Dahingelangter sich müht, das gilt
ihm als rechtes Mühn; was ein Dahingelangter einsieht, das
gilt ihm als rechte Einsicht; was ein Dahingelangter ertieft,
das gilt ihm als rechte Vertiefung; schon vorher aber war er
in Werken, in Worten, im Wandel durchaus lauter geworden: und
so wird dieser heilige achtfältige Weg von ihm zur Vollendung
gebracht. Während er also diesen heiligen achtfältigen Weg
vollendet, werden die vier Pfeiler der Einsicht von ihm zur
Vollendung gebracht; werden die vier gewaltigen Kämpfe von
ihm zur Vollendung gebracht; werden die vier Machtgebiete von
ihm zur Vollendung gebracht; werden fünf der Fähigkeiten von
ihm zur Vollendung gebracht; werden fünf der Vermögen von ihm
zur Vollendung gebracht; werden die sieben Erweckungen von
ihm zur Vollendung gebracht. Da dienen ihm zwei Dinge als
doppelte Rüstung: Ruhe und Klarsicht. Was für Dinge da weise zu
durchschauen sind, diese Dinge durchschaut er weise; was für
Dinge da weise zu verleugnen sind, diese Dinge verleugnet er
weise; was für Dinge da weise zu vollenden sind, diese Dinge
vollendet er weise; was für Dinge da weise zu verwirklichen 476
sind, diese Dinge verwirklicht er weise.
»Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu durchschauen?
Die fünf Stücke des Anhangens, sei geantwortet; und zwar ein
Stück Anhangen an der Form, ein Stück Anhangen am Gefühl, ein
Stück Anhangen an der Wahrnehmung, ein Stück Anhangen an der
Unterscheidung, ein Stück Anhangen am Bewusstsein: diese Dinge
sind weise zu durchschauen. Was für Dinge aber, ihr Mönche,
sind da weise zu verleugnen? Unwissen und Durst nach Dasein:
diese Dinge sind weise zu verleugnen. Was für Dinge aber, ihr
Mönche, sind da weise zu vollenden? Ruhe und Klarsicht: diese
Dinge sind weise zu vollenden. Was für Dinge aber, ihr Mönche,
sind da weise zu verwirklichen? Wissen und Erlösung: diese
Dinge sind weise zu verwirklichen.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.
150.
Fünfzehnter Theil Achte Rede
DIE NAGARAVINDER
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene im
Lande Kosalo von Ort zu Ort und kam, von vielen Mönchen
begleitet, in die Nähe eines kosalischen Brāhmanendorfes Namens
Nagaravindam. Und es hörten die brāhmanischen Hausleute in
Nagaravindam reden: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der
Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, wandert in
unserem Lande von Ort zu Ort und ist mit vielen Mönchen in
Nagaravindam angekommen. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man
allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ‚Das ist
der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens-
und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der
unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der 477
Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese
Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit
ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen,
nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er
verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte
begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er
legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar.
Glücklich wer da nun solche Heilige sehn kann!‘‹
Und die brāhmanischen Hausleute von Nagaravindam begaben sich
nun dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt verneigten
sich einige vor dem Erhabenen ehrerbietig und setzten sich
zur Seite nieder, andere wechselten höflichen Gruß und
freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzten
sich zur Seite nieder, einige wieder falteten die Hände gegen
den Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder, andere wieder
gaben beim Erhabenen Namen und Stand zu erkennen und setzten
sich zur Seite nieder, und andere setzten sich still zur Seite
nieder.[212] Zu den brāhmanischen Hausleuten von Nagaravindam,
die da zur Seite saßen, sprach nun der Erhabene also:
»Wenn euch, ihr Hausväter, andere Büßer und Pilger die Frage
stellen: ›Was sind das, ihr Hausväter, für Asketen und
Priester, die man nicht werthhalten und hochschätzen, die man
nicht achten und ehren kann?‹, so mögt ihr auf diese Frage,
Hausväter, den anderen Büßern und Pilgern also Bescheid geben:
›Wer da von Asketen und Priestern bei den durch das Gesicht
ins Bewusstsein tretenden Formen nicht ohne Gier, nicht ohne
Hass, nicht ohne Irre sich erwiesen, das eigene Herz nicht
beschwichtigt hat, gerade und ungerade wandelt in Werken, in
Worten, in Gedanken, einen solchen Asketen oder Priester, den
kann man nicht werthhalten und hochschätzen, den kann man
nicht achten und ehren: und warum nicht? Wir selber haben
uns ja bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden
Formen nicht ohne Gier, nicht ohne Hass, nicht ohne Irre
erwiesen, das eigene Herz nicht beschwichtigt, wandeln gerade
und ungerade in Werken, in Worten, in Gedanken: wer nichts 478
Besseres kennt als den geraden Wandel, den wir selber führen,
solch einen lieben Asketen oder Priester kann man eben darum
nicht werthhalten und hochschätzen, kann ihn nicht achten und
ehren. Wer da von Asketen und Priestern bei den durch das Gehör
ins Bewusstsein tretenden Tönen, bei den durch den Geruch ins
Bewusstsein tretenden Düften, bei den durch den Geschmack ins
Bewusstsein tretenden Säften, bei den durch das Getast ins
Bewusstsein tretenden Tastungen, bei den durch das Gedenken
ins Bewusstsein tretenden Dingen nicht ohne Gier, nicht ohne
Hass, nicht ohne Irre sich erwiesen, das eigene Herz nicht
beschwichtigt hat, gerade und ungerade wandelt in Werken, in
Worten, in Gedanken, einen solchen Asketen oder Priester, den
kann man nicht werthhalten und hochschätzen, den kann man nicht
achten und ehren: und warum nicht? Wir selber haben uns ja bei
diesen Dingen nicht ohne Gier, nicht ohne Hass, nicht ohne
Irre erwiesen, das eigene Herz nicht beschwichtigt, wandeln
gerade und ungerade in Werken, in Worten, in Gedanken: wer
nichts Besseres kennt als den geraden Wandel, den wir selber
führen, solch einen lieben Asketen oder Priester kann man eben
darum nicht werthhalten und hochschätzen, kann ihn nicht achten
und ehren.‹ Also mögt ihr, Hausväter, den anderen Büßern und
Pilgern auf eine solche Frage Bescheid geben.
»Wenn euch aber, ihr Hausväter, andere Büßer und Pilger die
Frage stellen: ›Was sind das, ihr Hausväter, für Asketen und
Priester, die man werthhalten und hochschätzen, die man achten
und ehren kann?‹, so mögt ihr auf diese Frage, Hausväter, den
anderen Büßern und Pilgern also Bescheid geben: ›Wer da von
Asketen und Priestern bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein
tretenden Formen ohne Gier, ohne Hass, ohne Irre sich erwiesen,
das eigene Herz beschwichtigt hat, den geraden Wandel bewahrt
in Werken, in Worten, in Gedanken, einen solchen Asketen oder
Priester, den kann man werthhalten und hochschätzen, den
kann man achten und ehren: und warum das? Wir selber haben 479
uns ja bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden
Formen nicht ohne Gier, nicht ohne Hass, nicht ohne Irre
erwiesen, das eigene Herz nicht beschwichtigt, wandeln gerade
und ungerade in Werken, in Worten, in Gedanken: wer da nun
Besseres kennt als den geraden Wandel, den wir selber führen,
solch einen lieben Asketen oder Priester kann man eben darum
werthhalten und hochschätzen, kann ihn achten und ehren. Wer
da von Asketen und Priestern bei den durch das Gehör ins
Bewusstsein tretenden Tönen, bei den durch den Geruch ins
Bewusstsein tretenden Düften, bei den durch den Geschmack ins
Bewusstsein tretenden Säften, bei den durch das Getast ins
Bewusstsein tretenden Tastungen, bei den durch das Gedenken
ins Bewusstsein tretenden Dingen ohne Gier, ohne Hass, ohne
Irre sich erwiesen, das eigene Herz beschwichtigt hat, den
geraden Wandel bewahrt in Werken, in Worten, in Gedanken, einen
solchen Asketen oder Priester, den kann man werthhalten und
hochschätzen, den kann man achten und ehren: und warum das?
Wir selber haben uns ja bei diesen Dingen nicht ohne Gier,
nicht ohne Hass, nicht ohne Irre erwiesen, das eigene Herz
nicht beschwichtigt, wandeln gerade und ungerade in Werken, in
Worten, in Gedanken: wer da nun Besseres kennt als den geraden
Wandel, den wir selber führen, solch einen lieben Asketen oder
Priester kann man eben darum werthhalten und hochschätzen, kann
ihn achten und ehren.‹ Also mögt ihr, Hausväter, den anderen
Büßern und Pilgern auf eine solche Frage Bescheid geben.
»Wenn euch nun, ihr Hausväter, die anderen Büßer und Pilger die
Frage stellen: ›Was eignen doch den Ehrwürdigen für Merkmale,
was für Kennzeichen, dass ihr von ihnen also redet: ‚Freilich
haben jene Ehrwürdigen die Gier verloren oder sind auf dem
Wege die Gier zu verleugnen, haben den Hass verloren oder sind
auf dem Wege den Hass zu verleugnen, haben die Irre verloren
oder sind auf dem Wege die Irre zu verleugnen‘?‹, so mögt ihr
auf diese Frage, Hausväter, den anderen Büßern und Pilgern also
Bescheid geben: ›Darum eben suchen jene Ehrwürdigen tief im 480
Walde abgelegene Orte auf: dort aber giebt es keinerlei durch
das Gesicht ins Bewusstsein tretende Formen, die man sehn und
sehn und begehren könnte; dort aber giebt es keinerlei durch
das Gehör ins Bewusstsein tretende Töne, die man hören und
hören und begehren könnte; dort aber giebt es keinerlei durch
den Geruch ins Bewusstsein tretende Düfte, die man riechen und
riechen und begehren könnte; dort aber giebt es keinerlei durch
den Geschmack ins Bewusstsein tretende Säfte, die man schmecken
und schmecken und begehren könnte; dort aber giebt es keinerlei
durch das Getast ins Bewusstsein tretende Tastungen, die man
tasten und tasten und begehren könnte. Das sind, ihr Brüder,
Merkmale, das sind Kennzeichen, um deren willen wir von jenen
Ehrwürdigen also reden: ‚Freilich haben jene Ehrwürdigen die
Gier verloren oder sind auf dem Wege die Gier zu verleugnen,
haben den Hass verloren oder sind auf dem Wege den Hass zu
verleugnen, haben die Irre verloren oder sind auf dem Wege die
Irre zu verleugnen.‘‹ Also mögt ihr, Hausväter, den anderen
Büßern und Pilgern auf eine solche Frage Bescheid geben.«
* * * * *
Nach dieser Rede sprachen die brāhmanischen Hausleute von
Nagaravindam also zum Erhabenen:
»Vortrefflich, Herr Gotamo, vortrefflich, Herr Gotamo!
Gleichwie etwa, Herr Gotamo, als ob man Umgestürztes
aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg
zeigte, oder ein Licht in die Finsterniss hielte: ›Wer Augen
hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch ist von Herrn Gotamo die
Lehre gar vielfach gezeigt worden. Und so nehmen wir bei Herrn
Gotamo unsere Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft:
als Anhänger möge uns Herr Gotamo betrachten, von heute an
zeitlebens getreu.«[213]
151.
Fünfzehnter Theil Neunte Rede
ALMOSENLÄUTERUNG
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 481
Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.
Da begab sich denn der ehrwürdige Sāriputto gegen Abend, nach
Aufhebung der Gedenkensruhe, zum Erhabenen hin, begrüßte den
Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Zum
ehrwürdigen Sāriputto, der da seitwärts saß, sprach nun der
Erhabene also:
»Heiter, Sāriputto, ist dein Angesicht, hell die Hautfarbe und
rein; was hast du wohl, Sāriputto, in dieser Zeit am meisten
erfahren mögen?«
»Armuth erfahren hab’ ich, o Herr, in dieser Zeit am meisten
gemocht.«