Gotamidin ihr neues Stück Tuch: viel gethan, o Herr, hat
Mahāpajāpatī die Gotamidin für den Erhabenen, hat als Muhme
Nahrung, Speise, Milch dargeboten, den Erhabenen, da die
Mutter gestorben war, an ihrer Brust aufgesäugt. Und auch
der Erhabene, o Herr, hat viel gethan für Mahāpajāpatī die
Gotamidin: zum Erhabenen, o Herr, gekommen, hat Mahāpajāpatī
die Gotamidin beim Erwachten Zuflucht gefunden, bei der Lehre
Zuflucht gefunden, bei der Jüngerschaft Zuflucht gefunden; zum
Erhabenen, o Herr, gekommen, hat Mahāpajāpatī die Gotamidin
Lebendiges umbringen meiden gelernt, Nichtgegebenes nehmen
meiden gelernt, Ausschweifung meiden gelernt, Lüge meiden
gelernt, berauschende und berückende Getränke, betäubende
und bethörende Mittel meiden gelernt; zum Erhabenen, o Herr,
gekommen, hat Mahāpajāpatī die Gotamidin ihre Liebe zum
Erwachten erprobt, ihre Liebe zur Lehre erprobt, ihre Liebe
zu den Jüngern erprobt, hat Eigenschaften erworben, wie sie
Heiligen lieb sind; zum Erhabenen, o Herr, gekommen, hat
Mahāpajāpatī die Gotamidin den Zweifel am Leiden verloren, den
Zweifel an der Leidensentwicklung verloren, den Zweifel an der
Leidensauflösung verloren, den Zweifel am Pfade verloren, der
zur Leidensauflösung führt: auch der Erhabene, o Herr, hat viel
gethan für Mahāpajāpatī die Gotamidin.«
»So ist es, Ānando, so ist es, Ānando. Denn hat man, Ānando,
einander begegnet und beim Erwachten Zuflucht gefunden, bei
der Lehre Zuflucht gefunden, bei der Jüngerschaft Zuflucht
gefunden, so kann man, sag’ ich, Ānando, einander schwerlich
genugthun, indem man da höflichen Gruß entbietet, geziemende
Achtung erweist, Kleidung, Nahrung, Obdach und Arzenei für
den Fall einer Krankheit darreicht. Denn hat man, Ānando,
einander begegnet und Lebendiges umbringen meiden gelernt,
Nichtgegebenes nehmen meiden gelernt, Ausschweifung meiden
gelernt, Lüge meiden gelernt, berauschende und berückende
Getränke, betäubende und bethörende Mittel meiden gelernt, so
kann man, sag’ ich, Ānando, einander schwerlich genugthun,
indem man da höflichen Gruß entbietet, geziemende Achtung
erweist, Kleidung, Nahrung, Obdach und Arzenei für den Fall
einer Krankheit darreicht. Denn hat man, Ānando, einander
begegnet und seine Liebe zum Erwachten erprobt, seine Liebe
zur Lehre erprobt, seine Liebe zu den Jüngern erprobt,
Eigenschaften erworben, wie sie Heiligen lieb sind, so
kann man, sag’ ich, Ānando, einander schwerlich genugthun,
indem man da höflichen Gruß entbietet, geziemende Achtung
erweist, Kleidung, Nahrung, Obdach und Arzenei für den Fall
einer Krankheit darreicht. Denn hat man, Ānando, einander
begegnet und den Zweifel am Leiden verloren, den Zweifel
an der Leidensentwicklung verloren, den Zweifel an der
Leidensauflösung verloren, den Zweifel am Pfade verloren, der
zur Leidensauflösung führt, so kann man, sag’ ich, Ānando,
einander schwerlich genugthun, indem man da höflichen Gruß
entbietet, geziemende Achtung erweist, Kleidung, Nahrung,
Obdach und Arzenei für den Fall einer Krankheit darreicht.[200] 419
* * * * *
»Vier Arten, Ānando, von Lauterkeit giebt es da bei Spenden:
und welche vier? Es giebt, Ānando, eine Spende, wobei der Geber 421
geläutert wird, nicht der Empfänger. Es giebt, Ānando, eine
Spende, wobei der Empfänger geläutert wird, nicht der Geber.
Es giebt, Ānando, eine Spende, wobei nicht der Geber geläutert
wird und nicht der Empfänger. Es giebt, Ānando, eine Spende,
wobei der Geber geläutert wird und der Empfänger.
»Wie aber wird, Ānando, bei einer Spende der Geber geläutert,
nicht der Empfänger? Da ist, Ānando, der Geber sittenrein,
edelgeartet, und die Empfänger sind sittenlos, übelgeartet:
so wird, Ānando, bei einer Spende der Geber geläutert, nicht
der Empfänger. Wie aber wird, Ānando, bei einer Spende der
Empfänger geläutert, nicht der Geber? Da ist, Ānando, der Geber
sittenlos, übelgeartet, und die Empfänger sind sittenrein,
edelgeartet: so wird, Ānando, bei einer Spende der Empfänger
geläutert, nicht der Geber. Wie aber wird, Ānando, bei einer
Spende nicht der Geber geläutert und nicht der Empfänger?
Da ist, Ānando, der Geber sittenlos, übelgeartet, und die
Empfänger sind sittenlos, übelgeartet: so wird, Ānando, bei
einer Spende nicht der Geber geläutert und nicht der Empfänger.
Wie aber wird, Ānando, bei einer Spende der Geber geläutert
und der Empfänger? Da ist, Ānando, der Geber sittenrein,
edelgeartet, und die Empfänger sind sittenrein, edelgeartet:
so wird, Ānando, bei einer Spende der Geber geläutert und
der Empfänger. Das sind, Ānando, bei Spenden vier Arten von 422
Lauterkeit.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Als der Willkommene das gesagt hatte,
sprach fernerhin also der Meister:
»Wer sittenrein an Sittenlose hingiebt
Als Gabe recht erworben Gut, im Herzen heiter,
Wohl eingedenk hülfreicher Thaten Reife:
Bei solcher Spende mag der Geber lauter sein.
»Wer sittenlos an Sittenreine hingiebt
Unrecht erworben Gut als Gabe, herzverdrossen,
Uneingedenk hülfreicher Thaten Reife:
Bei solcher Spende mag wer sie empfangen lauter sein.
»Wer sittenlos an Sittenlose hingiebt
Unrecht erworben Gut als Gabe, herzverdrossen,
Uneingedenk hülfreicher Thaten Reife:
Nicht solche Spende, sag’ ich, heißt man reifereich.
»Wer sittenrein an Sittenreine hingiebt
Als Gabe recht erworben Gut, im Herzen heiter,
Wohl eingedenk hülfreicher Thaten Reife:
Ja, solche Spende, sag’ ich, heißt man reifereich.
»Wer heil von Süchten Suchtgeheilten hingiebt
Als Gabe recht erworben Gut, im Herzen heiter,
Wohl eingedenk hülfreicher Thaten Reife: 423
Der Nothdurftgaben ist es beste Gabe.«
FÜNFZEHNTER THEIL
BUCH DES SECHSFACHEN GEBIETES
143.
Fünfzehnter Theil Erste Rede
ANĀTHAPIṆḌIKO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Um diese Zeit nun war Anāthapiṇḍiko der Hausvater unwohl
geworden, leidend, schwerkrank. Und Anāthapiṇḍiko der Hausvater
wandte sich an einen seiner Leute:
»Geh’, lieber Mann, und begieb dich zum Erhabenen hin und
bring’ dem Erhabenen zu Füßen meinen Gruß dar: ›Anāthapiṇḍiko,
o Herr, der Hausvater, ist unwohl, leidend, schwerkrank:
er bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar‹; dann geh’ zum
ehrwürdigen Sāriputto hin und bring’ dem ehrwürdigen Sāriputto
zu Füßen meinen Gruß dar: ›Anāthapiṇḍiko, o Herr, der
Hausvater, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem
ehrwürdigen Sāriputto zu Füßen Gruß dar;‹ und füge hinzu: ›gut 424
wär’ es‹, sagt’ er, o Herr, ›wenn der ehrwürdige Sāriputto sich
zur Wohnung Anāthapiṇḍiko des Hausvaters begeben wollte, von
Mitleid bewogen.‹«
»Wohl, o Herr!« entgegnete da gehorsam jener Mann Anāthapiṇḍiko
dem Hausvater. Und er begab sich dorthin wo der Erhabene
weilte, bot ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts
nieder. Seitwärts sitzend sprach er also zum Erhabenen:
»Anāthapiṇḍiko, o Herr, der Hausvater, ist unwohl, leidend,
schwerkrank: er bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar.«
Dann begab er sich zum ehrwürdigen Sāriputto hin, bot
ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder.
Seitwärts sitzend sprach er also zum ehrwürdigen Sāriputto:
»Anāthapiṇḍiko, o Herr, der Hausvater, ist unwohl, leidend,
schwerkrank: er bringt dem ehrwürdigen Sāriputto zu Füßen
Gruß dar; und er lässt sagen, gut wär’ es, o Herr, wenn der
ehrwürdige Sāriputto sich zur Wohnung Anāthapiṇḍiko des
Hausvaters begeben wollte, von Mitleid bewogen.«
Schweigend gewährte der ehrwürdige Sāriputto die Bitte.
Und der ehrwürdige Sāriputto rüstete sich, nahm Mantel und
Schaale und begab sich, gefolgt vom ehrwürdigen Ānando, zur
Wohnung Anāthapiṇḍiko des Hausvaters. Dort angelangt nahm er
auf dem dargebotenen Sitze Platz. Und er wandte sich also an
Anāthapiṇḍiko den Hausvater:
»Fühlst du dich, Hausvater, schon wohler, geht es dir etwas
besser, nehmen die Schmerzen wieder ab und nicht zu, merkt man,
dass sie nachlassen und nicht zunehmen?«
»Nicht fühl’ ich mich, werther Sāriputto, wohler, es geht mir
nicht besser, heftig nehmen die Schmerzen zu und nicht ab, 425
man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie
etwa, werther Sāriputto, wenn ein starker Mann mit scharfer
Dolchspitze die Schädeldecke zerhämmerte, ebenso nun auch,
werther Sāriputto, schlagen mir überheftige Strömungen auf die
Schädeldecke auf: nicht fühl’ ich mich, werther Sāriputto,
wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen Schmerzen
nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und
nicht nachlassen. Gleichwie etwa, werther Sāriputto, wenn ein
starker Mann feste Riemenstränge auf dem Kopfe peitschend
tanzen ließe, ebenso nun auch, werther Sāriputto, hab’ ich im
Kopfe betäubende Kopfgefühle: nicht fühl’ ich mich, werther
Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen
Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen
und nicht nachlassen. Gleichwie etwa, werther Sāriputto, wenn
ein geschickter Schlächter oder Schlächtergeselle mit scharfem
Schlachtmesser den Bauch durchschlitzte, ebenso nun auch,
werther Sāriputto, schneiden mir überheftige Strömungen durch
den Bauch: nicht fühl’ ich mich, werther Sāriputto, wohler, es
geht mir nicht besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und
nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen.
Gleichwie etwa, werther Sāriputto, wenn zwei starke Männer
einen schwächeren Mann an beiden Armen ergriffen und in eine
Grube voll glühender Kohlen hineinquälten, hineinrollten,
ebenso nun auch, werther Sāriputto, hab’ ich im Körper
überheftig glühende Quaal: nicht fühl’ ich mich, werther
Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, heftig nehmen die
Schmerzen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und
nicht nachlassen.«
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Das Auge 426
werd’ ich nicht anhangen lassen, und nicht an das Auge gebunden
sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater,
wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben:
›Das Ohr werd’ ich nicht anhangen lassen, und nicht an das
Ohr gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich,
Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also
zu üben: ›Die Nase werd’ ich nicht anhangen lassen, und nicht
an die Nase gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast
du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater,
dich also zu üben: ›Die Zunge werd’ ich nicht anhangen lassen,
und nicht an die Zunge gebunden sein wird mein Bewusstsein‹:
also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn,
Hausvater, dich also zu üben: ›Den Leib werd’ ich nicht
anhangen lassen, und nicht an den Leib gebunden sein wird mein
Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da
hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Den Geist werd’
ich nicht anhangen lassen, und nicht an den Geist gebunden sein
wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu
üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Form
werd’ ich anhangen, und keiner Form verbunden sein wird mein
Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Tone
werd’ ich anhangen, und keinem Tone verbunden sein wird mein
Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da
hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Dufte
werd’ ich anhangen, und keinem Dufte verbunden sein wird mein
Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Safte
werd’ ich anhangen, und keinem Safte verbunden sein wird mein
Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da
hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Tastung
werd’ ich anhangen, und keiner Tastung verbunden sein wird
mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Dinge
werd’ ich anhangen, und keinem Dinge verbunden sein wird mein
Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem
Sehbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Sehbewusstsein
verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich,
Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich
also zu üben: ›Keinem Hörbewusstsein werd’ ich anhangen, und 427
keinem Hörbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹:
also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn,
Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Riechbewusstsein werd’
ich anhangen, und keinem Riechbewusstsein verbunden sein
wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl
zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben:
›Keinem Schmeckbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem
Schmeckbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹:
also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn,
Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Tastbewusstsein werd’
ich anhangen, und keinem Tastbewusstsein verbunden sein wird
mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu
üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem
Denkbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Denkbewusstsein
verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich,
Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner
Sehberührung werd’ ich anhangen, und keiner Sehberührung
verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich,
Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich
also zu üben: ›Keiner Hörberührung werd’ ich anhangen, und
keiner Hörberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹:
also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn,
Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Riechberührung werd’
ich anhangen, und keiner Riechberührung verbunden sein
wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl
zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben:
›Keiner Schmeckberührung werd’ ich anhangen, und keiner
Schmeckberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also
hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn,
Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Tastberührung werd’
ich anhangen, und keiner Tastberührung verbunden sein wird
mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu
üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner
Denkberührung werd’ ich anhangen, und keiner Denkberührung
verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich,
Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch
Sehberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und
keinem durch Sehberührung entstandenen Gefühle verbunden sein
wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu
üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem
durch Hörberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und
keinem durch Hörberührung entstandenen Gefühle verbunden sein
wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu
üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem
durch Riechberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen,
und keinem durch Riechberührung entstandenen Gefühle verbunden
sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater,
wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben:
›Keinem durch Schmeckberührung entstandenen Gefühle werd’
ich anhangen, und keinem durch Schmeckberührung entstandenen
Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du
dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich
also zu üben: ›Keinem durch Tastberührung entstandenen Gefühle
werd’ ich anhangen, und keinem durch Tastberührung entstandenen
Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du
dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich
also zu üben: ›Keinem durch Denkberührung entstandenen Gefühle
werd’ ich anhangen, und keinem durch Denkberührung entstandenen
Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du
dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Erdenart
werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Erdenart gebunden sein
wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl
zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der 428
Wasserart werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Wasserart
gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich,
Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also
zu üben: ›Der Feuerart werd’ ich nicht anhangen, und nicht an
Feuerart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du
dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich
also zu üben: ›Der Luftart werd’ ich nicht anhangen, und nicht
an Luftart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du
dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich
also zu üben: ›Der Raumart werd’ ich nicht anhangen und nicht
an Raumart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du
dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater,
dich also zu üben: ›Der Art des Bewusstseins werd’ ich nicht
anhangen, und nicht an Art des Bewusstseins gebunden sein wird
mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Form werd’
ich nicht anhangen, und nicht an die Form gebunden sein wird
mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Dem Gefühle
werd’ ich nicht anhangen, und nicht an das Gefühl gebunden
sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater,
wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben:
›Der Wahrnehmung werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die
Wahrnehmung gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du
dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich
also zu üben: ›Den Unterscheidungen werd’ ich nicht anhangen,
und nicht an die Unterscheidungen gebunden sein wird mein
Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da
hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Dem Bewusstsein
werd’ ich nicht anhangen, und nicht an das Bewusstsein gebunden
sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl
zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der
unbegränzten Raumsphäre werd’ ich nicht anhangen, und
nicht an die unbegränzte Raumsphäre gebunden sein wird
mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu
üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der
unbegränzten Bewusstseinsphäre werd’ ich nicht anhangen, und
nicht an die unbegränzte Bewusstseinsphäre gebunden sein
wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl
zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der
Nichtdaseinsphäre werd’ ich nicht anhangen, und nicht an
die Nichtdaseinsphäre gebunden sein wird mein Bewusstsein‹:
also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn,
Hausvater, dich also zu üben: ›Der Gränzscheide möglicher
Wahrnehmung werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die
Gränzscheide möglicher Wahrnehmung gebunden sein wird mein
Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Nicht dieser
Welt werd’ ich anhangen, und nicht an diese Welt gebunden sein
wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu
üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Nicht
jener Welt werd’ ich anhangen, und nicht an jene Welt gebunden
sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater,
wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: 429
›Und was ich gesehn, gehört, gedacht, erkannt, untersucht, im
Geiste erforscht habe, auch daran werd’ ich nicht hangen, und
nicht daran gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du
dich, Hausvater, wohl zu üben.«
Auf diese Rede kam Anāthapiṇḍiko den Hausvater Seufzen an
und Thränen traten ihm in die Augen. Da wandte sich denn der
ehrwürdige Ānando also an Anāthapiṇḍiko den Hausvater:
»Beruhige dich, o Hausvater, beschwichtige dich, o Hausvater!«
»Ich kann mich, werther Ānando, nicht beruhigen, nicht
beschwichtigen: hab’ ich doch lange Zeiten hindurch dem Meister
gedient und geistesmächtigen Mönchen, und habe nie zuvor eine
so tief gedachte Rede vernommen.«
»Es ist, o Hausvater, weiß gekleideten Hausleuten so tief
gedachte Rede nicht klar genug: Asketen, Hausvater, ist sie
klar genug.«
»Doch mag eben, werther Sāriputto, auch weiß gekleideten
Hausleuten so tief gedachte Rede klar genug sein. Es giebt ja,
werther Sāriputto, edle Söhne, die nicht ganz verdorben sind:
hören die solche Dinge nicht, verlieren sie sich; die werden es
verstehn.«
* * * * *
Als da nun Anāthapiṇḍiko der Hausvater mit dieser Belehrung
belehrt worden, standen Sāriputto und Ānando die Ehrwürdigen
von ihren Sitzen auf und entfernten sich.
Bald aber, nachdem Sāriputto und Ānando die Ehrwürdigen
fortgegangen, starb Anāthapiṇḍiko der Hausvater und kehrte in
Sälige Gestalt wieder.[201]
144.
Fünfzehnter Theil Zweite Rede
CHANNO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 431
Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.
Um diese Zeit aber hielt sich der ehrwürdige Sāriputto und der
ehrwürdige Mahācundo und der ehrwürdige Channo im Gebirge, am
Geierkulm auf. Damals war nun der ehrwürdige Channo unwohl
geworden, leidend, schwerkrank.
Da begab sich denn der ehrwürdige Sāriputto gegen Abend,
nach Aufhebung der Gedenkensruhe, dorthin wo der ehrwürdige
Mahācundo weilte, und er sprach also zu ihm:
»Komm’, Bruder Cundo, wir wollen den ehrwürdigen Channo
besuchen, nach seinem Befinden uns erkundigen.« 432
»Gern, Bruder!« erwiderte da der ehrwürdige Mahācundo, dem
ehrwürdigen Sāriputto gehorchend.
Und der ehrwürdige Sāriputto begab sich nun mit dem ehrwürdigen
Mahācundo dorthin wo der ehrwürdige Channo weilte. Dort
angelangt tauschten sie höflichen Gruß und freundliche,
denkwürdige Worte mit einander und setzten sich seitwärts
nieder. Seitwärts sitzend wandte sich nun der ehrwürdige
Sāriputto also an den ehrwürdigen Channo:
»Fühlst du dich, Bruder Channo, schon wohler, geht es dir etwas
besser, nehmen die Schmerzen wieder ab und nicht zu, merkt man,
dass sie nachlassen und nicht zunehmen?«
»Nicht fühl’ ich mich, Bruder Sāriputto, wohler, es geht mir
nicht besser, heftig nehmen die Schmerzen zu und nicht ab, man
merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. -- Zur Waffe, 433
Bruder Sāriputto, werde ich greifen[202], nicht länger begehr’
ich das Leben.«
»Nicht möge der ehrwürdige Channo zur Waffe greifen, fristen
möge sich der ehrwürdige Channo, wir bitten den ehrwürdigen
Channo sich zu fristen. Wenn der ehrwürdige Channo geeigneter
Nahrung ermangelt, so werde ich dem ehrwürdigen Channo
geeignete Nahrung zu verschaffen suchen; wenn der ehrwürdige
Channo geeigneter Arzenei ermangelt, so werde ich dem
ehrwürdigen Channo geeignete Arzenei zu verschaffen suchen;
wenn der ehrwürdige Channo entsprechender Aufwartung ermangelt,
so werde ich dem ehrwürdigen Channo Aufwärter sein. Nicht möge
der ehrwürdige Channo zur Waffe greifen, fristen möge sich der
ehrwürdige Channo, wir bitten den ehrwürdigen Channo sich zu
fristen.«
»Nein, Bruder Sāriputto, ich ermangle keiner geeigneten
Nahrung, ermangle keiner geeigneten Arzenei, ermangle keiner
entsprechenden Aufwartung. Doch ist nun, Bruder Sāriputto, der 434
Meister seit langem bedient, anmuthig nur, nicht unmuthig:
das kommt ja, Bruder Sāriputto, einem Jünger zu, dass er den
Meister nur anmuthig bediene, nicht unmuthig. ›Untadelhaft
wird Channo der Mönch zur Waffe greifen‹: das magst du, Bruder
Sāriputto, also dir merken.«
»Wir hätten noch einige Fragen an den ehrwürdigen Channo, wenn
uns der ehrwürdige Channo darauf Antwort geben will.«
»Frage, Bruder Sāriputto: dann werden wir sehn.«