»Wie aber wird, ihr Mönche, weder zugeredet noch abgeredet, nur

die Satzung aufgewiesen? ‚Wann Begierden ergetzen vergnüglicher

Hingabe sich ergeben, der gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen,

unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden leidig, ist

quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrt

vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Die Hingabe freilich, das

ist ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich

an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn‘: also sprechend weist man

eben die Satzung auf. ‚Wann Begierden ergetzen vergnüglicher

Hingabe sich nicht ergeben, der gewöhnlichen, gemeinen,

alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden

ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, recht

vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Keine Hingabe freilich,

das ist ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne

Schmerz, rechtes Vorgehn‘: also sprechend weist man eben die

Satzung auf. ‚Der selbstkasteienden Hingabe sich ergeben, der

leidigen, unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden leidig,

ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrt

vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Die Hingabe freilich, das

ist ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich

an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn‘: also sprechend weist man

eben die Satzung auf. ‚Der selbstkasteienden Hingabe sich

nicht ergeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen, das

ist für jeden ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne

Schmerz, recht vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Keine Hingabe

freilich, das ist ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne

Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn‘: also sprechend weist

man eben die Satzung auf. ‚Wer es auch sei, der die Fessel des

Daseins nicht abgestreift hat, ein jeder solche hat Leid, hat

Quaal, hat Jammer, hat Schmerz, ist verkehrt vorgegangen‘: das

sagt man nicht. ‚Ist freilich die Fessel des Daseins nicht

abgestreift, ist das Dasein nicht abgestreift worden‘: also

sprechend weist man eben die Satzung auf. ‚Wer es auch sei,

der die Fessel des Daseins abgestreift hat, ein jeder solche

hat kein Leid, keine Quaal, keinen Jammer, keinen Schmerz,

ist recht vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Ist freilich die

Fessel des Daseins abgestreift, ist das Dasein abgestreift

worden‘: also sprechend weist man eben die Satzung auf. Also 391

wird, ihr Mönche, weder zugeredet noch abgeredet, nur die

Satzung aufgewiesen. ‚Zurede kennen und Abrede kennen; weil

man Zurede kennt und Abrede kennt, weder zureden noch abreden:

die Satzung eben aufweisen‘: wurde das gesagt, so war es darum

gesagt.

»‚Wohl ergründen verstehn; weil man Wohl ergründen versteht,

innigem Wohle sich hingeben‘: das ist gesagt worden; und warum

ist das gesagt worden? Fünf Begehrungen, ihr Mönche, giebt es:

welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden

Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen,

dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör

ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten,

entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,

reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden

Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem

Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack

ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten,

entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,

reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden

Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen,

dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, ihr

Mönche, die fünf Begehrungen. Was da, ihr Mönche, Wohl und

Erwünschtes diesen fünf Begehrungen gemäß geht, das nennt man

Begierdenwohl, kothiges Wohl, gemeines Menschenwohl, unheiliges

Wohl.[186] Nicht zu pflegen, nicht zu hegen, nicht zu mehren

ist es: zu hüten hat man sich vor solchem Wohle, sag’ ich. --

Da weilt, ihr Mönche, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern

von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener

säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Nach

Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt er die innere

Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von

gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit,

die Weihe der zweiten Schauung. In heiterer Ruhe verweilt er

gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet

er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig

Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der

dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach

Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt er

die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen

vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Das nennt man Wohl 392

der Entsagung, Wohl der Einsamkeit, Wohl der Beruhigung, Wohl

der Erwachung. Zu pflegen und zu hegen und zu mehren ist es:

nicht zu hüten hat man sich vor solchem Wohle, sag’ ich. ‚Wohl

ergründen verstehn; weil man Wohl ergründen versteht, innigem

Wohle sich hingeben‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Heimlich keine Rede führen, öffentlich keine flüsternde

Sprache‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt

worden? Wer da, ihr Mönche, von einer heimlichen Rede weiß,

dass sie unwahr, unächt, unheilsam ist, soll diese heimliche

Rede gewiss nicht sagen. Weiß man aber von einer heimlichen

Rede, dass sie wahr und ächt und unheilsam ist, soll man

eben bestrebt sein, sie nicht zu sagen. Weiß man dagegen von

einer heimlichen Rede, dass sie wahr und ächt und heilsam

ist, mag man da die Zeit ermessen, diese heimliche Rede zu

sagen. Wer da, ihr Mönche, von öffentlichem Geflüster weiß,

dass es unwahr, unächt, unheilsam ist, soll dieses öffentliche

Geflüster gewiss nicht sagen. Weiß man aber von einem

öffentlichen Geflüster, dass es wahr und ächt und unheilsam

ist, soll man eben bestrebt sein, es nicht zu sagen. Weiß man

dagegen von einem öffentlichen Geflüster, dass es wahr und

ächt und heilsam ist, mag man da die Zeit ermessen, dieses

öffentliche Geflüster zu sagen. ‚Heimlich keine Rede führen,

öffentlich keine flüsternde Sprache‘: wurde das gesagt, so war

es darum gesagt.[187]

»‚Und ohne sich zu eilen reden und nicht eilfertig‘: das ist

gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Wer da, ihr

Mönche, in Eile redet, wird körperlich müde, geistig matt,

die Stimme versagt, die Kehle wird heiser: undeutlich ist und

unverständlich des Eilfertigen Rede. Wer da, ihr Mönche, ohne

Eile redet, wird nicht körperlich müde, nicht geistig matt, die

Stimme versagt nicht, die Kehle wird nicht heiser: deutlich ist 393

und verständlich die Rede dessen, der nicht eilt. ‚Und ohne

sich zu eilen reden und nicht eilfertig‘: wurde das gesagt, so

war es darum gesagt.[188]

»‚Was die Leute zu sagen belieben keiner Beachtung würdigen,

den Namen nicht überschätzen‘: das ist gesagt worden; und

warum ist das gesagt worden? Wie also wird, ihr Mönche, was

die Leute zu sagen belieben der Beachtung gewürdigt und der

Name überschätzt? Da wird man, ihr Mönche, wie es eben in

mancherlei Gegenden üblich ist, ‚Beschützer‘ genannt, ‚Behüter‘

genannt, ‚Behälter‘ genannt, ‚Geschirr‘ genannt, ‚Geschmeiß‘

genannt, ‚Schmarotzer‘ genannt, ‚Geziefer‘ genannt, ‚Gesindel‘

genannt. Wie man bald so und bald so in diesen und jenen

Gegenden genannt wird, giebt man da mehr und mehr genau und

geflissentlich acht: ‚Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes.‘

Also wird, ihr Mönche, was die Leute zu sagen belieben der

Beachtung gewürdigt und der Name überschätzt.

»Wie aber wird, ihr Mönche, was die Leute zu sagen belieben

keiner Beachtung gewürdigt und der Name nicht überschätzt?

Da wird man, ihr Mönche, wie es eben in mancherlei Gegenden

üblich ist, ‚Beschützer‘ genannt, ‚Behüter‘ genannt, ‚Behälter‘

genannt, ‚Geschirr‘ genannt, ‚Geschmeiß‘ genannt, ‚Schmarotzer‘

genannt, ‚Geziefer‘ genannt, ‚Gesindel‘ genannt. Wie man bald

so und bald so in diesen und jenen Gegenden genannt wird,

giebt man in dem Gedanken ›Das bringen wohl die Ehrwürdigen in

Beziehung auf mich vor‹ minder und minder geflissentlich acht.

Also wird, ihr Mönche, was die Leute zu sagen belieben keiner 394

Beachtung gewürdigt und der Name nicht überschätzt. ‚Was die

Leute zu sagen belieben keiner Beachtung würdigen, den Namen

nicht überschätzen‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

* * * * *

»Da ist nun, ihr Mönche, wann Begierden ergetzen vergnüglich

sich hingeben, gewöhnlich, gemein, alltäglich, unheilig,

unheilsam, ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll,

reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum ein

streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, wann Begierden

ergetzen vergnüglicher Hingabe sich nicht ergeben, der

gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen,

ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz,

rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding. Da ist nun,

ihr Mönche, der Selbstkasteiung sich hingeben, der leidigen,

unheiligen, unheilsamen, ein leidiges Ding, ist quaalvoll,

ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist

darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, der

selbstkasteienden Hingabe sich nicht ergeben, der leidigen,

unheiligen, unheilsamen, ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal,

ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein

streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, der mittlere Pfad, den der Vollendete

aufgefunden, auf dessen Fährte man sehend und wissend wird,

der zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt,

ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz,

rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, zureden und abreden und nicht die

Satzung aufweisen ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist

jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum

ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, weder zureden 395

noch abreden, nur die Satzung aufweisen ein Ding ohne Leid, ist

ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist

darum ein streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, Begierdenwohl, kothiges Wohl, gemeines

Menschenwohl, unheiliges Wohl ein leidiges Ding, ist quaalvoll,

ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist

darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, Wohl der

Entsagung, Wohl der Einsamkeit, Wohl der Beruhigung, Wohl der

Erwachung ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne

Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, heimliche Rede, die unwahr, unächt,

unheilsam ist, ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist

jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum

ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, heimliche Rede,

die wahr und ächt und unheilsam ist, ein leidiges Ding, ist

quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes

Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr

Mönche, heimliche Rede, die wahr und ächt und heilsam ist, ein

Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz,

rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, öffentliches Geflüster, das unwahr,

unächt, unheilsam ist, ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist

jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum

ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, öffentliches

Geflüster, das wahr und ächt und unheilsam ist, ein leidiges

Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen,

verkehrtes Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist

nun, ihr Mönche, öffentliches Geflüster, das wahr und ächt und

heilsam ist, ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, 396

ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, in Eile reden ein leidiges Ding, ist

quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes

Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr

Mönche, ohne Eile reden ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal,

ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein

streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, was die Leute zu sagen belieben der

Beachtung würdigen und den Namen überschätzen ein leidiges

Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen,

verkehrtes Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist

nun, ihr Mönche, was die Leute zu sagen belieben keiner

Beachtung würdigen und den Namen nicht überschätzen ein Ding

ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes

Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.

»Darum aber, ihr Mönche: ›Streithaftes Ding wollen wir verstehn

und streitloses Ding; haben wir streithaftes Ding verstanden

und streitloses Ding, werden wir auf streitlosem Pfade

vorschreiten‹: so habt ihr, Mönche, euch wohl zu üben.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.[189]

140.

Vierzehnter Theil Zehnte Rede

SECHSFACHER ARTUNG ABZEICHEN

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene im 397

Lande Magadhā von Ort zu Ort weiter und kam nach Rājagaham,

begab sich zu Bhaggavo[190] dem Hafner, sprach Bhaggavo den

Hafner also an:

»Wenn es dir, Bhaggaver, nicht ungelegen ist, bleiben wir über

Nacht im Vorsaale.«

»Es ist mir, o Herr, nicht ungelegen; doch ist ein Pilger da,

der schon sein Lager hier aufgeschlagen hat: wenn es dem recht

ist, mögt ihr bleiben, o Herr, nach Belieben.«

Um diese Zeit nun war ein edler Sohn, Pukkusāti mit Namen, um

des Erhabenen willen, von Zutrauen bewogen, aus dem Hause in

die Hauslosigkeit gezogen. Der hatte im Vorsaale bei jenem

Hafner sein Lager schon aufgeschlagen. Da schritt nun der

Erhabene an den ehrwürdigen Pukkusāti heran und sprach also zu

ihm:

»Wenn es dir, Mönch, nicht ungelegen ist, bleiben wir über

Nacht im Vorsaale.«

»Geräumig, Bruder, ist der Vorsaal des Hafners: bleibe der

Ehrwürdige nach Belieben.«

Da trat nun der Erhabene in den Vorsaal des Hafners ein,

spreitete an der einen Wand die Strohmatte auf und setzte sich

nieder, die Beine verschränkt, den Körper gerade aufgerichtet,

der Pflege der Einsicht oblegen. Und der Erhabene brachte einen

großen Theil der Nacht im Sitzen zu. Und auch der ehrwürdige

Pukkusāti brachte einen großen Theil der Nacht im Sitzen zu. Da

gedachte denn der Erhabene bei sich: ›Ob wohl dieser edle Sohn

fröhlich beflissen ist? Wie, wenn ich ihn nun fragte?‹ Und der

Erhabene wandte sich also an den ehrwürdigen Pukkusāti:

»Um wessen willen, o Mönch, bist du hinausgezogen? Wer ist wohl

dein Meister? Oder zu wessen Lehre bekennst du dich?« 398

»Es ist, o Bruder, der Asket Gotamo, der Sakyersohn, der dem

Erbe der Sakyer entsagt hat! Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt

man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ›Das ist

der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens-

und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der

unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der

Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Um des

Erhabenen willen bin ich hinausgezogen, Er, der Erhabene ist

mein Meister, und zu seiner, zu des Erhabenen Lehre bekenne ich

mich.«

»Wo aber, Mönch, weilt Er jetzt, der Erhabene, der Heilige,

vollkommen Erwachte?«

»Es ist, o Bruder, oben im nördlichen Reiche eine Stadt

gelegen, die Sāvatthī heißt: dort hat Er, der Erhabene

gegenwärtig seinen Aufenthalt, der Heilige, vollkommen

Erwachte.«

»Hast du aber, Mönch, Ihn, den Erhabenen schon einmal gesehn,

und würdest du ihn, wenn du ihn sähest, erkennen?«

»Nein, Bruder, ich habe Ihn, den Erhabenen noch nicht gesehn,

und sähe ich ihn, würd’ ich ihn nicht erkennen.«

Da gedachte denn der Erhabene bei sich: ›Um meinetwillen ist

dieser edle Sohn hinausgezogen; wie, wenn ich ihm nun die Lehre

darlegte?‹ Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen

Pukkusāti und sprach:

»Die Lehre will ich dir, Mönch, darlegen: höre sie und achte

wohl auf meine Rede.«

»Gern, Bruder!« sagte da zustimmend der ehrwürdige Pukkusāti

dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Sechsfache Artung, Mönch, hat der Mensch an sich, sechsfache

Berührung, achtzehn geistige Angehungen, vier Belehnungen;

Weisheit soll er nicht preisgeben, Wahrheit bewahren, Entsagung

vollziehn, den Frieden eben zu finden suchen; auf dass ihn wo

er steht kein dünkendes Wähnen ankommen kann: kann aber kein

dünkendes Wähnen ankommen, wird er der ›Stille Denker‹ genannt.

Das ist der Stämpel der Abzeichen sechsfacher Artung.

»‚Sechsfache Artung, Mönch, hat der Mensch an sich‘: das ist

gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Sechs giebt es, 399

Mönch, der Artungen: Art der Erde, Art des Wassers, Art des

Feuers, Art der Luft, Art des Raumes, Art des Bewusstseins.

‚Sechsfache Artung, Mönch, hat der Mensch an sich‘: wurde das

gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Sechsfache Berührung, Mönch, hat der Mensch an sich‘: das ist

gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Gesicht ist

Berührung, Gehör ist Berührung, Geruch ist Berührung, Geschmack

ist Berührung, Getast ist Berührung, Gedenken ist Berührung.

‚Sechsfache Berührung, Mönch, hat der Mensch an sich‘: wurde

das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Achtzehn geistige Angehungen, Mönch, hat der Mensch an sich‘:

das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Hat man

mit dem Gesichte eine Form erblickt, so geht man die erfreulich

bestehende Form an, geht die unerfreulich bestehende Form an,

geht die gleichgültig bestehende Form an. Hat man mit dem

Gehöre einen Ton gehört, hat man mit dem Geruche einen Duft

gerochen, hat man mit dem Geschmacke einen Saft geschmeckt,

hat man mit dem Getaste eine Tastung getastet, hat man mit

dem Gedenken ein Ding erkannt, so geht man das erfreulich

bestehende Ding an, geht das unerfreulich bestehende Ding an,

geht das gleichgültig bestehende Ding an. So giebt es sechs

erfreuliche Angehungen, sechs unerfreuliche Angehungen, sechs

gleichgültige Angehungen. ‚Achtzehn geistige Angehungen, Mönch,

hat der Mensch an sich‘: wurde das gesagt, so war es darum

gesagt.

»‚Vier Belehnungen, Mönch, hat der Mensch an sich‘: das

ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Um die

Belehnung mit Weisheit, die Belehnung mit Wahrheit, die

Belehnung mit Entsagung, die Belehnung mit Beruhigung. ‚Vier

Belehnungen, Mönch, hat der Mensch an sich‘: wurde das gesagt,

so war es darum gesagt.

»‚Weisheit soll er nicht preisgeben, Wahrheit bewahren, 400

Entsagung vollziehn, den Frieden eben zu finden suchen‘: das

ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Wie also,

Mönch, giebt man die Weisheit nicht preis? Sechs Artungen sind

da, Mönch, vorhanden: Art der Erde, Art des Wassers, Art des

Feuers, Art der Luft, Art des Raumes, Art des Bewusstseins. Was

ist nun, Mönch, Art der Erde? Art der Erde mag innerlich sein

oder äußerlich. Was ist aber, Mönch, innerliche Erdenart? Was

sich innerlich einzeln fest und hart dargestellt hat, als wie

Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Fleisch, Sehnen,

Knochen, Mark, Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lunge,

Magen, Eingeweide, Weichtheile, Koth, oder was sich irgend

sonst noch innerlich einzeln fest und hart dargestellt hat:

das nennt man, Mönch, innerliche Erdenart. Was es nun da an

innerlicher Erdenart und was es an äußerlicher Erdenart giebt,

ist eben Art der Erde. Und: ›Das gehört mir nicht, das bin ich

nicht, das ist nicht mein Selbst‹: so ist das, der Wahrheit

gemäß, mit vollkommener Weisheit anzusehn. Hat man das also,

der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit erkannt, wird man

der Erdenart satt, löst den Sinn von der Erdenart ab.

»Was ist nun, Mönch, Art des Wassers? Art des Wassers mag

innerlich sein oder äußerlich. Was ist aber, Mönch, innerliche

Wasserart? Was sich innerlich einzeln flüssig und wässerig

dargestellt hat, als wie Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß,

Lymphe, Thränen, Serum, Speichel, Rotz, Gelenköl, Harn, oder

was sich irgend sonst noch innerlich einzeln flüssig und

wässerig dargestellt hat: das nennt man, Mönch, innerliche

Wasserart. Was es nun da an innerlicher Wasserart und was es

an äußerlicher Wasserart giebt, ist eben Art des Wassers. Und: 401

›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein

Selbst‹: so ist das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener

Weisheit anzusehn. Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit

vollkommener Weisheit erkannt, wird man der Wasserart satt,

löst den Sinn von der Wasserart ab.

»Was ist nun, Mönch, Art des Feuers? Art des Feuers mag

innerlich sein oder äußerlich. Was ist aber, Mönch, innerliche

Feuerart? Was sich innerlich einzeln flammig und feurig

dargestellt hat, als wie wodurch Wärme erzeugt wird, wodurch

man verdaut, wodurch man sich erhitzt, wodurch gekaute Speise

und geschlürfter Trank einer vollkommenen Umwandlung erliegen,

oder was sich irgend sonst noch innerlich einzeln flammig

und feurig dargestellt hat: das nennt man, Mönch, innerliche

Feuerart. Was es nun da an innerlicher Feuerart und was es

an äußerlicher Feuerart giebt, ist eben Art des Feuers. Und:

›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein

Selbst‹: so ist das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener

Weisheit anzusehn. Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit

vollkommener Weisheit erkannt, wird man der Feuerart satt, löst

den Sinn von der Feuerart ab.

»Was ist nun, Mönch, Art der Luft? Art der Luft mag innerlich

sein oder äußerlich. Was ist aber, Mönch, innerliche Luftart?

Was sich innerlich einzeln flüchtig und luftig dargestellt

hat, als wie die aufsteigenden und die absteigenden Winde,

die Winde des Bauches und Darmes, die Winde, die jedes Glied

durchströmen, die Einathmung und die Ausathmung: dies, oder was

sich irgend sonst noch innerlich einzeln flüchtig und luftig

dargestellt hat, das nennt man, Mönch, innerliche Luftart. Was 402

es nun da an innerlicher Luftart und was es an äußerlicher

Luftart giebt, ist eben Art der Luft. Und: ›Das gehört mir

nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹: so ist

das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit anzusehn.

Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit

erkannt, wird man der Luftart satt, löst den Sinn von der

Luftart ab.

»Was ist nun, Mönch, Art des Raumes? Art des Raumes mag

innerlich sein oder äußerlich. Was ist aber, Mönch, innerliche

Raumart? Was sich innerlich einzeln räumlich und örtlich

dargestellt hat, als wie die Ohrhöhle, die Nasenhöhle, die

Mundöffnung, wodurch man gekaute Speise und geschlürften

Trank einnimmt, wo gekaute Speise und geschlürfter Trank sich

aufhält, wodurch gekaute Speise und geschlürfter Trank unten

abgeht, oder was sich irgend sonst noch innerlich einzeln

räumlich und örtlich dargestellt hat, das nennt man, Mönch,

innerliche Raumart. Was es nun da an innerlicher Raumart und

was es an äußerlicher Raumart giebt, ist eben Art des Raumes.

Und: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht

mein Selbst‹: so ist das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener

Weisheit anzusehn. Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit

vollkommener Weisheit erkannt, wird man der Raumart satt, löst

den Sinn von der Raumart ab.

»Es bleibt nunmehr noch das Bewusstsein übrig, das geläuterte,

das geklärte. Mit diesem Bewusstsein wird man wessen

bewusst?[191] Wohles wird man da bewusst, Wehes wird man da

bewusst, weder Wehes noch Wohles wird man da bewusst. Auf eine

Berührung, Mönch, die wohlig zu empfinden ist, erfolgt ein

wohliges Gefühl. Und ein wohliges Gefühl empfindend erkennt

man: ›Ein wohliges Gefühl empfind’ ich.‹ Weil aber die wohlig 403

zu empfindende Berührung aufhört, hört ein dadurch fühlbar

gewordenes, auf wohlig empfundene Berührung erfolgtes wohliges

Gefühl auf, und man erkennt: ›Es löst sich auf.‹ Auf eine

Berührung, Mönch, die wehe zu empfinden ist, erfolgt ein wehes

Gefühl. Und ein wehes Gefühl empfindend erkennt man: ›Ein

wehes Gefühl empfind’ ich.‹ Weil aber die wehe zu empfindende

Berührung aufhört, hört ein dadurch fühlbar gewordenes, auf

wehe empfundene Berührung erfolgtes wehes Gefühl auf, und

man erkennt: ›Es löst sich auf.‹ Auf eine Berührung, Mönch,

die weder wehe noch wohl zu empfinden ist, erfolgt ein weder

wehes noch wohliges Gefühl. Und ein weder wehes noch wohliges

Gefühl empfindend erkennt man: ›Ein weder wehes noch wohliges

Gefühl empfind’ ich.‹ Weil aber die weder wehe noch wohlig

zu empfindende Berührung aufhört, hört ein dadurch fühlbar

gewordenes, auf weder wehe noch wohlig empfundene Berührung

erfolgtes weder wehes noch wohliges Gefühl auf, und man

erkennt: ›Es löst sich auf.‹

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band · 第 26 / 40 段